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Western in der Filmgeschichte

Dr. Martin Ganguly

/ 9 Minuten zu lesen

Wie viele Westernfilme insgesamt seit der frühen Stummfilmzeit entstanden sind, lässt sich nur annähernd schätzen. Der britische Filmwissenschaftler Edward Buscombe zählte in dem bereits erwähnten Buch "100 Westerns" bis zum Jahr 2006 mindestens 7.000 Filme dieses Genres.

Seit 1903, als mit dem 12-minütigen Kurzfilm The Great Train Robbery (Der große Eisenbahnraub, USA 1903, R: Edwin S. Porter) der erste Film mit Western-Thematik entstand, hat sich das Genre in seiner Erzählform, der Darstellung der Charaktere und der Motivgestaltung sichtbar verändert. Diese Veränderungen spiegeln den sozialen und politischen Wandel sowie die Werteverschiebung in Bezug auf gesellschaftliche Norm- und Moralvorstellungen wider.

In der Fachliteratur gibt es unterschiedliche Aufteilungen und Bezeichnungen der verschiedenen Western-Epochen. Als übersichtlich erweist sich eine Gliederung in fünf bis sechs Phasen (vgl. dazu auch Norbert Grob/Bernd Kiefer (Hrsg.): Filmgenres – Western, Reclam, Stuttgart 2003, S. 31 ff. sowie Georg Seeßlen: Filmwissen: Western, Schüren Verlag, Marburg 2011).

Die verschiedenen Epochen lassen sich zeitlich nicht vollständig voneinander abgrenzen. So gibt es zwischen 1960 und 1980 sowohl konventionelle Western, in denen das Heldenbild und das Gut-Böse-Schema relativ einfach gehalten wurde, wie auch kritische Western, die die Charaktere und ihre Handlungen prüfend hinterfragen – in jedem der Jahrzehnte kann man jedoch einen Schwerpunkt als vorherrschend klassifizieren.

Der naive Western

Die ersten Western, die in der Stummfilmzeit entstanden und bald vielfach als Fortsetzungsserien ins Kino kamen, sind stark schematisch konstruiert: Im Mittelpunkt der Handlung stehen standardisierte Verfolgungsjagden zu Pferde, Prügeleien, Schießereien sowie ein Held und sein Gegenspieler, die um die Gunst einer Frau kämpften. Hauptfiguren sind zum Beispiel Broncho Billy (so in Broncho Billy and the Baby (USA 1908, R: Gilbert M. "Broncho Billy" Anderson)) oder Tom Mix (so in The Trouble Shooter (USA 1924, R: Jack Conway)), die unter dem eigenen Namen oder unter einem Figurennamen in Hunderten Filmen ähnlichen Inhalts und Machart auftraten. Zu Beginn der Filmgeschichte war das "bewegte" Bild an sich schon ein Ereignis, für das der bewegungsstarke Western eine besonders geeignete Folie darstellte.

Der epische Western

Diese Western, die überwiegend von der Mitte der 1920er- bis Ende der 1930er-Jahre entstanden, heroisieren die Entwicklung der US-amerikanischen Zivilisation. Deutlich wird dies vor allem auch in der Darstellung der Gemeinschaft. Dem Einzelnen und seinem Schicksal wird weniger Bedeutung beigemessen, ihm steht das Kollektiv gegenüber, das – positiv konnotiert – mit vereinter Kraft aus der Wildnis ein zivilisiertes Land (die zukünftigen USA) erschafft. Die Handlungsträger sind, abgesehen von den Schurken, heldenhafte Menschen, die sich für die Allgemeinheit einsetzen und eigene Wünsche zurückstellen.

Was auch immer an Geld, Zeit oder Arbeitskraft sie einsetzen – der Aufwand dient dem glückhaften und heroischen Ziel der Landgewinnung. Die schmerzlichen oder negativen Seiten dieses Unterfangens werden in den Filmen meist nicht gezeigt. Diese Darstellung entspricht jedoch keineswegs der historischen Realität, denn die Landnahme hatte immer etwas mit Verdrängung (der Ureinwohner/innen), Gewalt (gegen sich und andere) und anderen unangenehmen Aspekten (Krankheit, Seuchen, Hunger, Tod) zu tun.

Der epische Western entdeckte zudem auch die Bedeutung der Landschaft. Statt im Studio drehte man nun vermehrt im Freien. In den Bildkompositionen wird das erstmals durch Panoramaeinstellungen oder große Totalen sichtbar, die die Weite der Landschaft einfangen. Innerhalb des weiten Horizonts wird damit neben den Auseinandersetzungen zwischen den Figuren – Gut gegen Böse – auch die Konfrontation des Menschen mit der Wildnis – zum Beispiel die Verlegung von Eisenbahnschienen in einer unendlich wirkenden Ebene – sichtbar.

Bekannte Vertreter dieser Western-Epoche sind The Iron Horse (Das eiserne Pferd, USA 1924, R: John Ford), oder The Plainsman (Der Held der Prärie, USA 1936, R: Cecil B. DeMille).

Der dramatische Western

Von Ende der 1930er- bis Anfang der 1950er-Jahre verdichteten sich die Handlungsstränge auf einen einzelnen, dramatischen Konflikt statt auf epische Erzählungen. Durch die psychologisch angelegten Darstellungen der Hauptfiguren wurden die Geschichten tiefgründiger und spannungsreicher. In dieser Phase entstanden Klassiker wie Stagecoach (Ringo/Höllenfahrt nach Santa Fé, USA 1939, R: John Ford) und Red River (USA 1948, R: Howard Hawks).

Bei Ringo/Höllenfahrt nach Santa Fé zeigen sich die wahren Eigenschaften der Figuren im Verlauf einer Postkutschenfahrt – der Revolverheld, der Spieler und die Prostituierte erweisen sich im Gegensatz zu den Geschäftsmännern und Bürgerfrauen als ehrbar. In der Auseinandersetzung mit den Indianern/innen halten die Figuren wiederum, trotz ihrer Verschiedenartigkeit, zusammen.

Insgesamt weicht das vom bisher gültigen Gut-Böse-/Ehrbar-Unehrbar-Schema ab und verleiht den Figuren damit mehr Tiefe. In Red River wird ein Generationenkonflikt unter Cowboys thematisiert, der in seiner psychologischen Darstellung von Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und den damit verbundenen Abhängigkeiten in dieser Form neu war und im Erzählkern zeitlos wirkt.

Der kritische Western

Die in der Zeit von 1950 bis in die frühen 1960er-Jahre entstandenen Westernfilme werden auch als "adult western" bezeichnet. "Erwachsene" Themen, die sich mit Politik, Liebe und Moral beschäftigen, werden hier in Form des Western-Genres genauer betrachtet, um das Publikum zum Nachdenken über gesellschaftliche Normen und Werte anzuregen und damit den Mythos von Gut und Böse zumindest ansatzweise zu hinterfragen.

Diese häufig düster anmutende Phase, in der die Helden auch Selbstzweifel haben dürfen, gilt neben der optimistischeren dramatischen Phase als die Epoche des klassischen Westerns. John Ford und Howard Hawks gehörten in dieser Zeit zu den wichtigsten Regisseuren. In den Westernfilmen beider Regisseure übernahm John Wayne häufig Hauptrollen, die seinen Ruhm als bekanntester Western-Darsteller festigten.

Neben High Noon (Zwölf Uhr mittags, USA 1952, R: Fred Zinnemann) entstanden zum Beispiel The Searchers (Der Schwarze Falke, USA 1956, R: John Ford) oder Rio Bravo (USA 1959, R: Howard Hawks).

In Der Schwarze Falke sucht John Wayne als Kriegsveteran und Indianerhasser seine von Indianern verschleppte Nichte über mehrere Jahre, um am Ende zu erkennen, dass es weder für sie noch für ihn eine echte Heimat mehr geben kann, da Zeit und Lebensgeschichte bei beiden zu tiefe Spuren hinterlassen haben.

Rio Bravo gilt als Gegenentwurf zu Zwölf Uhr mittags. Anders als der zweifelnde und von allen verlassene Westerner in Zinnemanns Film (s. Ausführungen zu Interner Link: Zwölf Uhr mittags) zeigt Hawks eine Gruppe von Männern, die unter der Leitung von Sheriff Chance (John Wayne) verhindern will, dass ein Bandit aus dem Gefängnis befreit wird. Trotz einer scheinbar aussichtslosen Situation verfolgen der Sheriff und seine vier Helfer unbeirrbar ihr Ziel.

Gelegentliche ironische Brechungen in den Charakteren und ihrer Geschichte deuten jedoch auf die Fragilität dieses selbstgeschaffenen Bilds von männlicher Solidarität hin.

Der Spätwestern

Western, die zwischen den 1960ern bis Ende der 1990er-Jahre erschienen sind (einige Filmwissenschaftler/innen ordnen auch heutige Western dieser Phase zu), werden als Spätwestern bezeichnet. Dieser Begriff verweist jedoch nicht nur auf den Erscheinungszeitraum der Filme, sondern auch auf die Filmerzählung. Denn die Handlung dieser Filme findet oft in einer Zeit statt, in der es in Nordamerika keine frontier mehr gab und die Helden/innen gealtert und abgeklärt wirken. In diesen Filmen werden nun zunehmend Legenden hinterfragt wie etwa in John Fords Spätwerk The Man Who Shot Liberty Valance (Der Mann, der Liberty Valance erschoß, USA 1962), in dem ein gefeierter Held seinen heroischen Ruf der Tat eines Anderen verdankt.

Oder es werden die Mythen des Wilden Westens ganz zerstört, so in Arthur Penns Antiwestern Little Big Man (USA 1970), der den Kampf gegen die amerikanischen Ureinwohner/innen bewusst als Völkermord erzählt.

In einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Veränderungen in den USA mit Rassenunruhen, Vietnamkrieg und den daraus entstehenden Bürgerrechtsbewegungen wurden diese Entwicklungen nun auch indirekt im Westernfilm reflektiert. Das Interesse an der Heroisierung der US-Geschichte nahm stark ab und der Western verlor drastisch an Popularität. In den 1970ern und 1980ern gab es zudem auch neue filmtechnische Möglichkeiten, die Genres wie Katastrophen- oder Science-Fiction-Filmen vor allem beim jüngeren Publikum populär machten.

Selten gelang es damals das große Publikum erneut für dieses Genre zu begeistern. Erst der annähernd vierstündige Film Dances with Wolves (Der mit dem Wolf tanzt, USA 1990, R: Kevin Costner) bildet dabei eine der wenigen erfolgreichen Ausnahmen.

Italo-Western

Nahezu gleichzeitig in den 1960er- und 1970er-Jahren entstand in Europa, vornehmlich in Italien, der sogenannte Italo-Western (auch als Spagetti-Western bekannt), der sich von den klassischen US-amerikanischen Western deutlich unterscheidet. Die Helden sind meist unmoralisch und korrupt. Protagonisten wie die Titelfigur in Django (I/E 1966, R: Sergio Corbucci) interessieren sich nur für ihre persönlichen Belange.

Viele dieser Westernfilme sind zynisch in ihrem Humor und explizit in ihren Gewaltdarstellungen, was sie mit diesen Verfremdungen und Überhöhungen im Vergleich zum Spätwestern fast schon wie Parodien wirken lassen. Unterstrichen wird diese spezielle Westernform von extremen Kamerawinkeln und Großaufnahmen sowie der opernhaft eingesetzten Musikuntermalung.

Der bekannteste Regisseur des Italo-Westerns war Sergio Leone. Er lieferte 1964 mit Per un pugno di dollari (Für eine Handvoll Dollar, I/E/BRD) den ersten Film dieser Art. Dabei handelte es sich um eine Neuverfilmung von Yōjimbō (Yojimbo – Der Leibwächter, J 1961, R: Akira Kurosawa), einem historischen Film, der zur Zeit der Samurais spielt.

Ausweitung des Genres: Der Neo-Western

Der Neo-Western ist ein Western-Subgenre, das vermehrt seit den 2000er-Jahren entsteht und insofern auch als eigene Westernphase klassifiziert werden kann. Es handelt sich dabei um Filme, die zwar die Erzählformen, die grundlegenden Charaktere und Themen des traditionellen Western verwenden, aber nach 1900, als Eisenbahn und Autos die Pferde als Fortbewegungsmittel bereits verdrängt haben, oder in der Gegenwart spielen.

Im Mittelpunkt steht dabei der Konflikt zwischen der Unbekümmertheit der Wild-West-Philosophie und den Zwängen des modernen Lebens. Dabei verändert sich der Blick der Figuren auf ihr eigenes Leben. In Brokeback Mountain (USA/CAN 2005, R: Ang Lee) zerbrechen zwei Cowboys daran, dass ihre homosexuelle Liebe nicht in ihr erlerntes konventionelles Gesellschaftsbild passt. In Winter’s Bone (USA 2010, R: Debra Granik) macht sich eine 17-Jährige, gespielt von Jennifer Lawrence, auf die Suche nach ihrem vermissten Vater. Die dargestellte Gesellschaft und Umgebung ähnelt auf den ersten Blick einer vergangenen Zeit, doch dann erweist sich der Film als in der Gegenwart spielendes, brutales Unterschichtensozialdrama, das die Freiheits- und Naturidylle des Westerns schonungslos demaskiert.

In der Fernsehserie Sons of Anarchy – Season 1 (USA 2008-2014, FX-Network, sieben Staffeln) wird die frontier in eine kalifornische Kleinstadt verlegt. Die Outlaws, die sich gegen die moderne, urbane Gesellschaft zur Wehr setzen, "reiten" inzwischen jedoch auf Motorrädern und nicht mehr auf Pferden.

Diesem modernen, vom Western geprägten Blick auf die Gesellschaft stehen sogenannte revisionistische Western entgegen, die sich an kritischen Western und Spätwestern orientieren. Sie setzen dabei auf einen möglichst authentischen Blick auf die Wild-West-Zeit.

In Meek’s Cutoff (USA 2010, R: Kelly Reichardt) wird fast schon dokumentarisch der beschwerliche Weg von Pionieren/innen gezeigt, die sich 1845 über den Oregon Trail Richtung Westen aufmachen. Manche Filme dieses Subgenres sind auch Neuverfilmungen klassischer Western, die häufig schneller geschnitten werden und Schmutz, Staub und blutige Auseinandersetzung expliziter und realistischer zeigen als in der Erstverfilmung.

Dazu gehört etwa True Grit (USA 2010, R: Ethan & Joel Coen), der ein Remake des gleichnamigen Film von Henry Hathaway aus dem Jahre 1969 ist, oder auch 3:10 to Yuma (Todeszug nach Yuma, USA 2007, R: James Mangold), eine Neuverfilmung des Klassikers 3:10 to Yuma (Zähl bis drei und bete, USA 1957, R: Delmer Daves).

Das Western-Genre wurde in den letzten Jahrzehnten häufig totgesagt. Dennoch entstehen weiterhin Westernfilme, die ihr Publikum finden. Das liegt vielleicht an der Dynamik des Genres, das trotz bekannter Muster und Figurenkonstellationen immer wieder neue Varianten hervorbringt und auch sicher auf unabsehbare Zeit hervorbringen wird.

Zum Weiterlesen und Schauen

Video

Fernsehdokumentationen über den Wilden Westen

Fussnoten