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The Fearless Vampire Killers | Klassiker sehen – Filme verstehen | bpb.de

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The Fearless Vampire Killers Tanz der Vampire

Dr. Martin Ganguly

/ 10 Minuten zu lesen

Der Königsberger Universitätsprofessor Abronsius, wegen seiner Obsession für Vampirismus von seinen Kollegen verspottet, reist Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinem Assistenten Alfred ins winterliche Transsilvanien, um seine Theorien durch Fakten zu belegen.

Filmplakat zu The Fearless Vampire Killers (© 1966 Turner Entertainment Co., A Time Warner Company. All Rights Reserved.)

1967

Produktionsland: GB
Regie: Roman Polanski
Laufzeit: 108 Minuten
Format: Breitleinwand (1:2:35)
Altersfreigabe: FSK: 12

"That night, fleeing from Transylvania, Professor Abronsius never guessed that he was carrying away with him the very evil he had sought to destroy. Thanks to him, this evil would now be able to spread itself across the world."

(Filmzitat – Schlussworte des Erzählers)

Darsteller/innen


Professor Abronsius: Jack MacGowran
Alfred: Roman Polanski
Graf von Krolock: Ferdy Mayne
Sarah Shagal: Sharon Tate
Herbert von Krolock: Iain Quarrier
Shagal, der Gastwirt: Alfie Bass
Rebecca Shagal: Jessie Robins
Magda: Fiona Lewis
Koukol: Terry Downes

Inhalt

Der Königsberger Universitätsprofessor Abronsius, wegen seiner Obsession für Vampirismus von seinen Kollegen verspottet, reist Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinem Assistenten Alfred ins winterliche Transsilvanien, um seine Theorien durch Fakten zu belegen.

Sie kommen in der Nähe eines vermeintlichen Vampir-Schlosses, im Gasthaus des Wirtes Shagal, unter. Dessen Tochter Sarah, die mit Vorliebe in den Gästezimmern badet, beginnt einen Flirt mit Alfred, der sich sofort in sie verliebt. Doch auch der Schlossherr, Graf von Krolock, interessiert sich für die rothaarige Schöne und entführt sie, nachdem er von ihrem Blut gekostet hat.

Shagal macht sich sofort auf die Suche nach seiner Tochter, wird aber am nächsten Morgen leblos und mit Bissspuren aufgefunden. In der Nacht schlägt der Wirt als Vampir zu: Sein erstes Opfer ist die Magd des Hauses, dann ergreift er die Flucht, gefolgt von Professor Abronsius und Alfred. Sie wollen die Wohnstätte des Grafen ausfindig machen und Sarah retten.

Im Schloss werden sie von Graf von Krolock, der sich weltmännisch und vornehm gibt, zum Bleiben eingeladen. Herbert, der homosexuelle Sohn des Grafen, wirft ein Auge auf Alfred, was diesem nicht behagt. Am nächsten Tag und nach einem gescheiterten Versuch, den tagsüber in seiner Gruft schlafenden Krolock zu pfählen, nehmen der Professor, Alfred und Sarah getarnt am alljährlichen Vampirball teil.

Sie werden jedoch entdeckt, da sie als einzige Ballgäste im Saalspiegel – Vampire haben kein Spiegelbild – zu sehen sind. Eine abenteuerliche Verfolgungsjagd beginnt, bei der die drei schließlich mit einem Pferde­schlitten entkommen können. Doch dann vergräbt sich Sarahs Gebiss in Alfreds Hals und der Vampir­ismus kann sich auf der ganzen Welt verbreiten.

Hintergrund und Drehorte

Roman Polanski als Alfred in Tanz der Vampire. (© 1966 Turner Entertainment Co., A Time Warner Company. All Rights Reserved.)

Polanski liebt es, wie er in verschiedenen Beispielen zeigte, Filmgenres zu verfremden. Als er mit seinem Co-Drehbuchautor Gérard Brach in einem Pariser Kino erlebte, wie das Publikum sich bei einem billig gemachten Horrorfilm über dessen unfreiwillige Komik amüsierte, beschlossen sie, eine Vampirfilmparodie zu drehen. Dem Publikum waren, hauptsächlich durch die britischen Hammer-Filme mit Christopher Lee, die Genrekonventionen und Spielregeln der Vampirfilme weitgehend bekannt.

Nach dem Erfolg seines Films Ekel (GB 1965) konnte Polanski nun ein größeres Produktionsbudget beschaffen – laut der Internet-Filmdatenbank Internet Movie Database (IMDb) standen ihm für Tanz der Vampire etwa zwei Millionen Dollar zur Verfügung – und zudem in Farbe und in Breitleinwandformat drehen. Auch das Produktionsdesign und die Außenaufnahmen durften mehr kosten, so konnte der passionierte Skifahrer Polanski (er machte die Stunts seiner Rolle im Schnee großteils selbst) in den Dolomiten drehen und die besten englischen Techniker beschäftigen.

Polanski hatte, wie er in seiner Autobiografie schreibt, großen Spaß bei den Dreharbeiten, was man dem Film auch anmerkt. Polanskis Kameramann Douglas Slocombe erklärte:

    "Ich glaube, es steckt hier (in der Rolle des Alfred A.d.V.) mehr von Roman drin, als in jedem anderen seiner Filme: […] Er gluckste die ganze Zeit vor sich hin."

(Zitat nach Martina Knoben, Klappentext der SZ-Cinemathek 49 Tanz der Vampire, München, ohne Jahresangabe).

Den Hollywood-Produzenten von MGM, die an dem Film beteiligt waren, war Polanskis 108 Minuten lange Fassung zu subversiv und zu "europäisch" freizügig, was sich vor allem auf die Badezuberszenen mit der entblößten Sharon Tate bezog.

So wurde der Titel in The Fearless Vampire Killers or: pardon me, but your teeth are in my neck geändert, um das Parodistische des Films zu verdeutlichen. Der Film wurde um 12 Minuten gekürzt, mit einem Cartoon-Vorspann versehen und teilweise mit amerikanischen Stimmen neu synchronisiert, um das Ganze "cartoonähnlicher" zu machen.

Der subtile Humor, der ursprünglich intendiert war, ging dabei verloren. Die heute im Umlauf befindliche Fassung ist die von Polanski erstellte Langfassung mit Originalvorspann.

In den USA wird diese "europäische" Fassung auch als Dance of the Vampires gezeigt. Im Gegensatz zur Originalfassung von Polanski, die in Europa erfolgreich in den Kinos lief, floppte die US-Fassung an den Kinokassen.

Filmfiguren

Roman Polanski und Jack MacGowran in "Tanz der Vampire" (© 1966 Turner Entertainment Co., A Time Warner Company. All Rights Reserved)

Die Figuren parodieren bekannte Charaktere aus Horrorfilmen und der Populärgeschichte: Der trottelige Professor Abronsius ist Albert Einstein, der vielen als Prototyp des zerstreuten Wissenschaftlers gilt, nachempfunden.

Abronsius und sein hilflos wirkender Assistent Alfred, der wenig spricht und seine schüchterne Liebe zur Wirtstochter nur langsam artikulieren kann, fungieren in der Tradition berühmter US-Filmkomiker der Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit wie Abbott und Costello oder Laurel and Hardy. In Abbott and Costello meet Frankenstein (Abbott und Costello treffen Frankenstein, USA 1948, R: Charles Barton) treten Abbott und Costello selbst in einer Horrorfilmparodie auf, mit Dracula als Nebenfigur. Den Slapstickhumor von Laurel and Hardy – in Form von stummen, körperbetonten und häufig im Chaos endenden Aktionen – findet man im Film Tanz der Vampire etwa zu Beginn, als der eingefrorene Professor "aufgetaut" werden soll, oder bei der missglückten Pfählung des Grafen.

Graf Krolock (der Name beinhaltet in verdrehter Form die Buchstaben von Orlok, dem Namen von Murnaus Nosferatu) steht ganz in der Tradition des aristokratischen Vampirs wie ihn Bela Lugosi und Christopher Lee verkörpern. Er hat im Film einen Sohn namens Herbert von Krolock. Die Herbert-Figur wird als gleichgeschlechtlich orientierter Vampir deutlich sexualisiert gezeigt. Ebenso sind die Frauenfiguren besonders erotisch, mit aufgetürmten Frisuren und tiefen Dekolletees gezeichnet – eine Überspitzung des gängigen Zeitgeschmacks und der Darstellung weiblicher Wesen in Vampirfilmen.

Roman Polanski und Sharon Tate in Tanz der Vampire. (© 1966 Turner Entertainment Co., A Time Warner Company. All Rights Reserved.)

Die weibliche Hauptfigur Sarah ist zu Beginn ein junges Mädchen, das in aller Unschuld in den Gäste­zimmern ein Schaumbad nimmt bis sie dann ins Schloss entführt wird, um dort von Graf Krolock mit dem Vampirvirus infiziert zu werden. Am Ende ist sie selbst zum Vampir geworden und wirkt nicht mehr lieblich, sondern furchterregend. Ihr Vater, der Wirt Shagal, ist ein Schürzenjäger, der von seiner matronenhaften Gattin kontrolliert wird, damit er sich nicht heimlich mit dem Dienstmädchen Magda trifft. Als er auf der Suche nach der entführten Sarah selbst zum Vampir wird, bleibt er als Vasall im Schloss.

Koukol, der Diener des Grafen, steht in der Tradition der buckligen, geistig zurückgebliebenen Handlangerfiguren der Universal-Filme, wie zum Beispiel die Figuren, Fritz oder Igor genannt, in verschiedenen Frankenstein-Filmen der 1930er- und 1940er-Jahre. Als Diener des Grafen tischlert der unheimliche, nahezu stumme Koukol zum Beispiel Särge für neue Vampire. Auch die Namensgebung der Figuren ist nicht zufällig gewählt: Die zweisilbigen Namen bilden durch ihre Alliteration auch zusammengehörige Figurenpaare ab: Alfred und Abronsius, Krolock und Koukol oder Sarah und Shagal.

Die Besetzung der Rollen erfolgte, wie bei Polanski üblich, über eine besonders lange und sorgfältige Auswahl der Schauspieler/innen. Die Hauptdarsteller wie der Ire Jack MacGowran, ein Mitglied der Royal Shakespeare Company, der wie auch der deutschstämmige Schauspieler Ferdy Maine, bereits in britischen und US-amerikanischen Filmen Charakterrollen gespielt hatte, trugen maßgeblich dazu bei, dass die komischen Figuren auf der Leinwand glaubhaft und schauspielerisch überzeugend wirken. Polanski selbst wirkte in Bühnenstücken oder in seinen Filmen mit. Abgesehen von der Figur des Alfred in Tanz der Vampire oder der Titelrolle in Der Mieter (F 1977) übernahm er dabei jedoch vor allem Nebenrollen.

Die Darstellerin der Sarah war die US-Amerikanerin Sharon Tate, spätere Ehefrau Polanskis, die 1969 brutal ermordet wurde.

Filmerzählung und komödiantische Elemente

Die Situationskomik von Polanskis Vampirfilm drückt sich neben den vielen stummen oder dialog­reduzierten Szenen zwischen dem Professor und Alfred und einigen ironischen Dialogzeilen vor allem im respektlosen Umgang mit dem Vampirmythos aus, der dadurch jedoch nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird. Äußerungen des Grafen wie "I am a night bird. I am not much good in the daytime" ironisieren jedoch die Figur genauso wie die Darstellung des homosexuellen Begehrens seines Sohnes Herbert.

Gleichgeschlechtliche Sexualität wird in ernsthaften Vampirfilmen höchstens angedeutet, hier wird sie jedoch genüsslich in einer wie im Zeitraffer inszenierten Verfolgungsjagd ausgespielt. Gestoppt wird der eindeutige Annäherungsversuch des Grafensohns zunächst durch einen (heterosexuell konnotierten) Beziehungsratgeber, der Herbert buchstäblich zwischen den Zähnen steckenbleibt, um dann in eine groteske Verfolgungsjagd über die Treppenflucht, die an Grafiken M. C. Eschers erinnert, überzugehen.

Roman Polanski, Jack MacGowran und Iain Quarrier (v.l.n.r.) in "Tanz der Vampire"

(© 1966 Turner Entertainment Co., A Time Warner Company. All Rights Reserved)

Eine andere ironische Brechung des Vampirmythos findet statt, als der Jude Shagal in Vampirgestalt nicht vor dem Kreuz zurückweicht, da dieses, so Shagal, nur bei christlichen Vampiren wirksam ist.

Die absolute Kraft, die Kruzifixe üblicherweise in Vampirfilmen hat, wird somit angesprochen, aber gleichzeitig in einen neuen Kontext gesetzt, der die Herkunft dieses Mythos reflektiert. Die Wirkung des Knoblauchs wird ebenfalls entmystifiziert – er hat keine Zauberkräfte, sondern wirkt nur aufgrund seines Lust tötenden Gestanks.

Bei aller Komik finden sich in der Handlung auch gruselige und ernste Momente, die typische Themen Polanskis beinhalten. Alle Figuren, inklusive des in seinem Schloss verhafteten Grafen, sind in kafkaesker Weise Gefangene, lokal und in Bezug auf ihr Dasein. Die Dorfbewohner/innen sind abhängig von den aristokratischen Schlossbewohnern/innen, die wiederum, aufgrund ihres Vampirdaseins ihr "Leben" im Schloss und bei Nacht verbringen müssen.

Der Professor und Alfred werden für einige Zeit Bewohner dieses Kosmos, nehmen nach ihrer Flucht den "Fluch" des Vampirismus jedoch hinaus in die Welt.

Bildsprache, Licht und Farbgebung

Bereits Logo und Vorspann des Films weisen augenzwinkernd darauf hin, dass es sich um eine Komödie handelt. Der Löwenkopf, Logo der Produktions- und Verleihfirma MGM, blendet langsam in einen animierten Vampirkopf über und die Schrift des Titelvorspanns blutet in roten Tropfen aus. Vom Hintergrund des Vorspanns, der sich dann als Mondoberfläche entpuppt, zoomt die Kamera zu einer nächt­lichen Schneelandschaft auf.

Die Schneebilder, häufig nachts und in Panoramaeinstellungen gedreht, geben dem Film eine bestimmte Grundatmosphäre von Geheimnis und Weltabgeschiedenheit. Die Kälte der Außenwelt, in bläuliches Licht getaucht (wie die Nachtszenen in Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens), steht im Kontrast zu der Wärme des Wirtshauses, dessen Innenräume gelblich ausgeleuchtet sind (auch hier gibt es Ähnlichkeiten mit den Farbtönen von Murnaus Innenraumszenen).

Kamera

In den 1960er-Jahren erlaubten es leichtere Kameras und anderes technisches Equipment auch lange Skifahrten zu filmen, was dann vor allem durch die eleganten Schneeszenen in James-Bond-Filmen wie On Her Majesty's Secret Service (James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät, GB 1969, R: Peter R. Hunt) populär wurde. Die Kamera "gleitet" in Tanz der Vampire bei den Schlitten- und Skifahrten in Kamerafahrten und Zooms mit und verbindet die reale Welt mit der Vampirwelt und umgekehrt (so auch die Rutschpartie in die Gruft). Die Kamera schwenkt häufig von unten nach oben, zum Beispiel von den einfachen Menschen wie Shagal zu den Herrschenden im Schloss. Diese Sicht von unten drückt auch visuell die Herrschaftsverhältnisse im Einzugsgebiet des Schlosses aus. Polanskis Film beginnt und endet mit Schlittenfahrtszenen, die so als dramaturgische Klammer fungieren.

Produktionsdesign, Kostüm und Maske

Die atmosphärische Bildwirkung wird durch das Produktionsdesign mit den folkloristischen Elementen des Wirtshauses oder der gotischen Architektur des Schlosses sowie durch Kostüm und Maske unter­strichen. Die Kostüme und Barttrachten der Bauern erinnern an das seit den 1960ern beliebte jiddisch-­folkloristische Musical "Anatevka", im Original als Fiddler on the Roof (USA 1971, R: Norman Jewison) verfilmt. Die Roben des Grafen und der höfischen Vampir-Gesellschaft zitieren mit den Rüschenverzierungen und Brokatstickereien gleichzeitig historische Kostüme wie auch die Mode der 1960er. Die Entstehungszeit des Films spiegelt sich auch in den Frisuren oder Sarahs Make-up wider.

Filmmusik

In der Filmmusik des polnischen Komponisten Krystof Komeda gehen verschiedene Stile wie ein Rokokomenuett mit Streichern und Cembalo und elektronisch gebrochene Symphoniemusik mit Chorgesang ineinander über, je nach Szeneninhalt und -atmosphäre. Viele Musikthemen und -elemente untermalen – ganz im Sinne des parodistischen Filmcharakters – Szenen mitunter konträr zum Inhalt, um eine verharmlosende Distanz zum blutigen Geschehen aufkommen zu lassen. So wird der Beginn der Szene, in der der Graf Sarah zum ersten Mal beißt, von einer heiteren, fast kindlich anmutenden Musik begleitet. Dies steht im Gegensatz zu gängigen Horrorfilmen, die vergleichbare Szenen üblicherweise mit einem Angst suggerierenden Score unterlegen und damit die Stimmung verstärken.

Intermedialität

Keine Vampirkomödie war bei der Kritik und beim Publikum gleichermaßen so erfolgreich wie Tanz der Vampire. Mel Brooks, bekannt für seine Genreparodien, versuchte mit Dracula: Dead and Loving it (Dracula – Tot aber glücklich, USA 1995) an die Erfolgsgeschichte von Polanskis Film anzuknüpfen, ihm gelang jedoch nur eine langatmige, mäßig witzige Parodie auf Bram Stokers Roman.

Die Ballszene aus Tanz der Vampire wird in der deutschen Komödie Die Einsteiger (BRD 1985, R: Sigi Rothemund) parodiert und in dem Horroractionfilm Van Helsing (USA/CZ 2004, R: Stephen Sommers) zitiert. Die schwedische Horrorkomödie Frostbiden (Frostbite, SE 2006, R: Anders Banke) wurde ebenfalls von Polanskis Vampirfilmparodie inspiriert und findet wie diese in einer Schneelandschaft statt, setzte aber mehr auf platte Witze statt wie Polanski auf geschliffene Dialoge und Eleganz.

Roman Polanski inszenierte 1997 persönlich eine Musicalvariante (Musik: Jim Steinmann, Libretto: ­Michael Kunze) am Wiener Raimundtheater. Dieses Musical läuft, abgesehen von der eigens für den Broadway ­erarbeiteten Fassung, bis heute erfolgreich auf internationalen Bühnen. 2008 wurde in London eine ­Alternativrockband gegründet, die sich aus Verehrung für den Film The Fearless Vampire Killers nennt.

Fussnoten

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