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BLADE RUNNER

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BLADE RUNNER

/ 10 Minuten zu lesen

BLADE RUNNER - THE DIRECTOR‘S CUT (USA, 1982) (© picture-alliance / Mary Evans Picture Library)

Produktionsland/-jahr: USA/1982
Regie: Ridley Scott
Laufzeit: 117 Minuten
Format: Technicolor, Panavision (2,35:1)
Altersfreigabe: FSK: 16

Darsteller/-innen

Harrison Ford (Rick Deckard), Rutger Hauer (Roy Batty), Sean Young (Rachael), Edward James Olmos (Gaff), Daryl Hannah (Pris), M. Emmet Walsh (Bryant) u.a.


"I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time... like tears in rain... Time to die." – Roy Batty zu Rick Deckard


Inhalt

Das Los Angeles des Jahres 2019 zeigt eine Welt des Zerfalls. Der urbane Moloch leidet an den Folgen von Krieg, Überbevölkerung und Umweltkatastrophen – Tiere und Pflanzen sind nahezu ausgestorben. Von der Firma Tyrell Corporation gefertigte Androiden sollen auf fernen Planeten bessere Lebensmöglichkeiten schaffen. Als vier dieser "Replikanten" vom Typ Nexus-6 unerlaubt auf die Erde zurückkehren, um sich ihrer begrenzten Lebensdauer zu widersetzen, wird der Detektiv Rick Deckard beauftragt sie zu töten. Er ist ein für solche Fälle lizensierter Killer, ein sogenannter Bladerunner. Die Zweifel an seinem Auftrag wachsen, als er sich in die Tyrell-Mitarbeiterin Rachael verliebt und erfährt, dass es sich bei ihr ebenfalls um eine Replikantin handelt. Schließlich rettet ihm der Anführer der Replikanten, Roy Batty, sogar das Leben, bevor er selbst stirbt. Deckard, möglicherweise selbst ein Replikant, gelingt die Flucht mit Rachael.

Hintergründe und Drehbuch

Der Film basiert auf Philip K. Dicks Roman "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?" (1968). Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten Science-Fiction-Autoren und wurde durch BLADE RUNNER posthum berühmt. Nach seinen Erzählungen entstanden u.a. TOTAL RECALL (USA 1990), MINORITY REPORT (USA 2002), und zuletzt die erfolgreiche TV-Serie THE MAN IN THE HIGH CASTLE (2015). Die Idee zur Verfilmung stammt von Drehbuchautor Hampton Fancher. Nach mehreren Drehbuchentwürfen wurde Ridley Scott von der Produktionsfirma Warner Bros. als Auftragsregisseur engagiert, setzte jedoch sowohl für das Skript wie für die Ästhetik des Films seine eigenen Vorstellungen durch. Das Budget war allerdings mit 15 Millionen Dollar von vornherein niedrig angesetzt und wurde mit 28 Millionen Dollar deutlich überzogen. Die Streitereien bei der Produktion und die mehrmalige Änderung der Endfassung durch Warner Bros. bilden den Hintergrund zum sogenannten Director’s Cut von 1992 (s.u.). Trotz zahlreicher Unterschiede zwischen Buch und Film äußerte sich Philip K. Dick kurz vor seinem Tod sehr positiv über das Ergebnis.

Genrebezug

Fliegende Polizeiautos in BLADE RUNNER. (© picture-alliance / Mary Evans Picture Library)

BLADE RUNNER ist eine bildgewaltige Zukunftsvision mit allen Merkmalen einer Dystopie. In der von Smog überlagerten Stadt regnet es unaufhörlich, in den überfüllten Straßenschluchten herrscht eine paranoide Grundstimmung. Wie eine Pyramide thront die Zentrale der Tyrell Corporation über dem urbanen Chaos, in dem sich menschliche Kommunikation auf ein Minimum reduziert. Fliegende Polizeiautos wirken als ständige Bedrohung. Nicht zufällig erinnert die Atmosphäre an den amerikanischen Film Noir: Neben der Handlung orientieren sich auch Lichtgestaltung und Set-Design am klassischen Detektivfilm der 1940er-Jahre. BLADE RUNNER ist Science-Fiction im düsteren Stil eines Neo-Noir (vgl. unser Programm "Hitchcock & Truffaut – Partners in crime"). Aber auch die Filmarchitektur von METROPOLIS, mit der sozialen Schichtung in eine Unter- und eine Oberstadt, findet sich wieder.

Im Unterschied zur Buchvorlage werden die sozio-politischen Hintergründe der Handlung – ein Atomkrieg, die Vernichtung jeglicher Natur – nicht erklärt. Sie sind stattdessen im Bild zu sehen, eine elementare Stärke des Science-Fiction-Films. Mehrere Szenen, die das Leben der Replikanten in den Mars-Kolonien zeigen, wurden letztlich nicht realisiert. Das schafft Raum nicht etwa für weitere Actionszenen, sondern zur Erörterung zentraler, oft philosophischer und ethischer Fragen. Diese Auslassung üblicher Handlungselemente und die Konzentration auf die eigentlichen Themen der Science-Fiction vermitteln mitunter die Anmutung eines Kunstfilms.

Harrison Ford als Rick Deckard in BLADE RUNNER (1982). (© picture-alliance / Mary Evans Picture Library >>)

Mit den Replikanten, bei Dick noch "Androiden" genannt, verbinden sich die Themen Menschlichkeit und Unsterblichkeit. Der bioethische Diskurs etwa über genetische Manipulationen und das Klonen von Lebewesen (Klonschaf Dolly) ist seit 1982 verstärkt in den Fokus gerückt: Was macht den Menschen zum Menschen? Bis zu welchem Punkt könnte es erlaubt sein, ihn zu töten? Auch in aktuellen Debatten zu Abtreibung oder Sterbehilfe werden dieselben Fragen gestellt. Im Film dient, wie schon in der früheren Science-Fiction, die Emotion als Anhaltspunkt. Die Replikanten wurden zwar mit implantierten Erinnerungen, aber ohne Gefühle konstruiert. Weil davon ausgegangen wurde, dass sie diese nach und nach entwickeln und damit zur Gefahr werden, ist ihre Lebenszeit begrenzt. Die vier Nexus-6-Replikanten wehren sich gegen ihr vorbestimmtes Schicksal und wenden sich, wie im Frankenstein-Mythos, gegen ihren Schöpfer. Rachael unterscheidet sich von ihnen, da sie nicht weiß, dass sie eine Replikantin ist.

Deckard beweist es ihr auf zynische Art, indem er sie dem fiktiven Voight-Kampff-Test unterzieht. Dieser misst körperliche Reaktionen auf Fragen, deren Beantwortung menschliche Empathie erfordert. Rachaels darauf folgende Sinnkrise bringt aber auch ihn zum Nachdenken. Der Test ähnelt dem realen, vom britischen Computerwissenschaftler Alan Turing entworfenen Turing-Test, der es erlauben soll, Menschen von Maschinen zu unterscheiden. Eben diese Grenze lässt sich nicht mehr aufrechterhalten.

Der visuell extrem detailreiche Thriller ist in seinem Design angelegt als Collage zahlreicher versteckter Hinweise und Symbole, die oft erst nach mehrmaligem Sehen neue Interpretationen öffnen. So spielen neben dem Augen-Motiv als Organ des Sehens und Erkennens und religiösen Metaphern auch Tiere eine große Rolle. In Tyrells Räumen verkörpert die Eule Weisheit, im Rotlichtbezirk "Hades" eine Schlange die Sünde – allerdings nur noch in mechanischer, also unechter Form. Eine besondere Bedeutung hat Deckards Einhorn-Traum, der für den Director’s Cut nachträglich wieder eingefügt wurde: Ein vom Polizisten Gaff zurückgelassenes Origami-Einhorn stellt die Frage, ob es sich auch dabei um eine implantierte Erinnerung handelt. Wenn Gaff seine Träume kennt, wäre Deckard, wie unter Fans seitdem heiß diskutiert wird, selbst ein Replikant. Der im Film zitierte Spruch des Philosophen René Descartes, dessen Name dem Deckards auffällig ähnelt, bekäme noch mehr Sinn: "Ich denke, also bin ich."

Filmfiguren

Sean Young als Rachael in BLADE RUNNER (1982). (© picture-alliance / Mary Evans Picture Library)

Die Hauptfigur Rick Deckard ist ein hartgesottener Detektiv (im Stil des Film Noir) und Auftragskiller, der im Auftrag der Polizei Replikanten "aus dem Verkehr zieht", also tötet. Zu Beginn hat er seinen Job aufgegeben, das Ausschalten von "Haut-Jobs" (ein weiterer, abfälliger Name für Replikanten) gilt als lästig. Als er einer fliehenden Androidin in den Rücken schießt, schwindet die letzte Sympathie mit ihm. Sie kehrt zurück durch die Begegnung mit Rachael. Zunächst dargestellt als kühle Femme fatale, wird ihr die moralische Problematik vor ihm bewusst. Ihre Erkenntnis, selbst eine Replikantin zu sein, wird ausgedrückt durch eine sehr menschliche Reaktion: Sie weint. Die unbeholfene Liebe der beiden ist ein Teil ihrer gegenseitigen Menschwerdung.

Auch die Nexus-6-Replikanten werden als gefühllose Killermaschinen eingeführt. Ihr Anführer Roy Batty hat harte, übermenschliche Züge und bösen Witz, die Frauen Zhora und Pris wirken durchtrieben und unnahbar. Doch der Wunsch, ihren Ursprung zu erfahren und ihr Schicksal abzuwenden, zeigt den hohen Grad ihrer emotionalen Reifung. Aufeinander angewiesen, haben sie eine Ersatzfamilie gebildet und erscheinen bald weniger roboterhaft als der eiskalte Deckard. Batty zeigt sogar eine Form von Weisheit, die über menschliches Verstehen hinaus zu gehen scheint. Sein berühmter Sterbemonolog kurz nach der Rettung seines Feindes Deckard ("All diese Momente werden in der Zeit verloren gehen, wie Tränen im Regen") wurde von Darsteller Rutger Hauer frei improvisiert.

Der Industrielle Tyrell ist ein Abbild des "mad scientist", der für seine Erfindung alle moralischen Bedenken opfert. Er schafft künstliches Leben aus ökonomischem Kalkül. Dennoch wirkt seine Tötung durch Batty wie ein hochemotionaler Vatermord. Sein positiver Widerpart ist der Genetiker J. F. Sebastian, der sich kleinwüchsige Roboter als Freunde schafft und mit den Replikanten sympathisiert. Eine besonders undurchsichtige Figur ist der Polizeiinformant Gaff. Seine eigentümliche Sprachmischung aus Ungarisch, Deutsch, Französisch und mehreren asiatischen Sprachen wurde von Darsteller Edward J. Olmos selbst entworfen.

Besetzung

Als Rick Deckard war Harrison Ford (geb. 1942) eine naheliegende Lösung. Kurz zuvor war er mit der Figur des tatkräftigen Piloten Han Solo in dem Science-Fiction-Epos KRIEG DER STERNE zum Star aufgestiegen. Insbesondere mit der zeitgleich absolvierten Rolle des Archäologen Indiana Jones in JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES wurde er zum noch heute erfolgreichen Filmstar. Die anderen Darsteller/innen sind weniger bekannt. Für die Replikantin Rachael wurde mit Sean Young sogar bewusst eine unbekannte Schauspielerin gewählt. Der Niederländer Rutger Hauer, Stammschauspieler des Regisseurs Paul Verhoeven in dessen frühen Filmen, schaffte es durch BLADE RUNNER zum Science-Fiction-Kultstar in zahllosen B-Filmen. Ähnliches gilt für die damalige Newcomerin Daryl Hannah als Pris, die trotz eines Rufs als Trash-Ikone auch in anspruchsvollen Literaturverfilmungen mitwirkte.

Kamera, Lichtsetzung und Schnitt

BLADE RUNNER beginnt mit einem klassischen "Establishing Shot": der Panoramablick auf die nächtliche Metropole, ein feuerspeiender Moloch. Anschließend wird die Wolkenkratzerwelt aus größerer Nähe in der Flugperspektive eingefangen. Im Kontrast zu solchen Totalen steht die klaustrophobe Atmosphäre in den Straßen. Im menschlichen Gewühl sowie in den Innenaufnahmen dominieren Nahaufnahmen, die keinen Ausweg erkennen lassen.

Im drückenden Smog der Stadt herrscht ewige Nacht. Gedreht wurde meist nach Sonnenuntergang. Die verschiedenen Lichtquellen haben darum besondere Bedeutung. Flackernde Neonreklamen teils bekannter Marken sowie futuristische Videoprojektionen zeigen eine durch und durch kommerzialisierte Welt. Regisseur Scott ließ sich zu diesem Design von asiatischen Megacities wie Hongkong inspirieren, heute wirkt seine Vision prophetisch. Dazu dringen lichtdomartige Strahler und Suchscheinwerfer bis in die Wohnungen und tragen im Spiel mit den heruntergezogenen Lamellen weiter zur nervösen Grundstimmung bei. Das Stilmittel ist aus dem Film Noir bekannt, der aus dem starken Kontrast von Licht und Schatten (low-key) seine ästhetische Spannung bezog.

Der Schnitt ist für einen Science-Fiction-Film ungewöhnlich langsam und steigert sich lediglich in den Actionszenen. Die langsame Schnittfrequenz unterscheidet sich zwar von heutigen Sehgewohnheiten, hat aber auch den Zweck, dem aufwendigen Set sowie der Lichtgestaltung mehr Raum zu geben. Die Stadt wird dadurch zum eigenen Akteur, mit dem sich Figuren und Publikum auseinanderzusetzen haben.

Setdesign und Special Effects

Am Setdesign war unter anderem der legendäre Designer Syd Mead (TRON, STRANGE DAYS) beteiligt. Als Inspiration für Fahrzeuge und Gebäude diente ihm und Scott die französisch-amerikanische Comicreihe "Heavy Metal", zu der damals Künstler wie Enki Bilal und Jean Giraud (Moebius) beitrugen. Die Gebäude der Innenstadt tragen ihre "Eingeweide" (Luftschächte, Rohre, Kabel) an der Außenfläche und offenbaren sich so als retro-futuristische Mischung aus alten und neuen Stilelementen. Ihr abgenutztes Äußeres ("used future") steht im Kontrast zur glänzenden Tyrell-Fassade. Für die Innenräume wurden reale Gebäude in Los Angeles gewählt, die als Wahrzeichen der Stadt gelten und auch im Film Noir häufig auftauchten, darunter das vom Stararchitekten Frank Lloyd Wright entworfene Ennis-House sowie das Bradbury-Building, eigentlich ein Bürogebäude. Neben herkömmlichen Sperrholzkulissen kamen auch Matte Paintings zum Einsatz, also gemalte Miniaturhintergründe. Ein Beispiel ist der Abgrund in der finalen Dachszene.

Das erwähnte Stadtpanorama resultiert aus einem Modell etwa in Größe einer Modelleisenbahn. Tausende Fiberglasleuchten, darunter montiert, dienten als Lichtquellen. Der gleichförmige Nebel erwies sich als besondere Herausforderung und verräucherte wochenlang das Studio. Insgesamt erinnert das Vorgehen stark an die Arbeit zu Fritz Langs METROPOLIS. Solche Special Effects und schwierige Kamerafahrten oblagen dem Spezialisten David Trumbull, der in 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM und UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART entsprechende Erfahrung gesammelt hatte. In der Postproduktion, heute der zentrale Schritt jedes Science-Fiction-Filmdesigns, fügte er nur wenig hinzu. BLADE RUNNER gilt als einer der letzten ausschließlich analog produzierten Science-Fiction-Filme. Mead und Trumbull wurden jeweils für den Oscar® nominiert.

Musik

Der berühmte Soundtrack des griechischen Komponisten Vangelis (geb. 1943) verbindet klassische sowie futuristische Elemente und trägt stark zur Stimmung des Films bei. Seine düsteren Synthesizer-Klänge, damals eine enorme innovative Leistung, sollten das Sounddesign der Science-Fiction nachhaltig prägen. Sie werden mitunter leitmotivisch eingesetzt. In den Straßenszenen hört man passend zum multikulturellen Bild aber auch arabische und fernöstliche Klänge, dazu schaffen Jazz-Standards immer wieder die sentimentale Verbindung zu untergegangenen Epochen und zum Fim-Noir. Die Liebesszene zwischen Rachael und Deckard in dessen Apartment bezieht ihre Spannung nicht zuletzt aus dem ständigen Wechsel von bedrohlicher Elektronik und warmen Saxophonklängen. Eine vollständige Edition des Soundtracks ist bis heute nicht erschienen, trotz Publikationen in den Jahren 1994 und 2007.

Rezeption und Nachwirkung

Bei der Premiere 1982 wurde der Film von Kritik und Publikum verhalten aufgenommen. Das Budget von 28 Millionen Dollar wurde mit weltweit 32 Millionen Dollar nur knapp wieder eingespielt. Die komplexe Story galt als schwer verständlich, vom Studio nach Testvorführungen panisch eingefügte Konzessionen wie einige erklärende Monologe Deckards (Voice-Over) nebst kuriosem Happy End verfehlten ihre Wirkung völlig. Von einigen Kritikern und Kritikerinnen wurden sie zurecht als Fremdkörper erkannt. Hinzu kam die außergewöhnlich starke Konkurrenz in diesem Jahr durch weitere Science-Fiction-Filme wie E.T. – DER AUSSERIRDISCHE. Nach dem Erfolg von KRIEG DER STERNE erwartete das Publikum vom Genre unbeschwerte Unterhaltung.

Erst über die Jahre entwickelte sich BLADE RUNNER zum Kult-Phänomen. Private Kinovorführungen und Publikationen in Fanzirkeln steigerten das Interesse. 1992 veröffentlichte Warner Bros. den sogenannten Director’s Cut, einer der ersten seiner Art und 1997 einer der ersten Filme auf DVD überhaupt – allerdings lediglich in loser Absprache mit Regisseur Ridley Scott. Die teilweise redundanten Voice-Over-Passagen waren ebenso entfernt wie das erweiterte Happy End (Deckard und Rachael fahren nach ihrer Flucht durch eine idyllische Berglandschaft). 2007 veröffentlichte Scott seinen eigenen Final Cut. Dieser beschränkte sich allerdings auf eine höhere Bildqualität und die Beseitigung einiger technischer Mängel.

Heute gilt der düstere Look von BLADE RUNNER als wegweisend für das sogenannte Cyberpunk-Genre mit Filmen wie VERNETZT – JOHNNY MNEMONIC (CAN/USA 1995, R: Robert Longo), STRANGE DAYS und MATRIX. Selbst die späteren Fortsetzungen der STAR WARS-Reihe fielen merklich dunkler aus. Bis heute greift insbesondere das Superheldenkino, etwa Christopher Nolans mit THE DARK KNIGHT (USA/GB 2008) begonnene Batman-Trilogie, auf seine Ästhetik zurück.

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Fussnoten

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