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Die Abenteuer des Prinzen Achmed

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Die Abenteuer des Prinzen Achmed und daraus der 4. Akt: Aladin und die Wunderlampe

Philipp Bühler

/ 8 Minuten zu lesen

Lotte Reiniger Silhouettenfilm "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" basiert auf Motiven der morgenländischen Geschichtensammlung "Tausendundeine Nacht". Im Mittelpunkt des Films steht die ereignisreiche Reise des Prinzen Achmed. Gezeigt wird im Rahmen dieses Filmprogramms jedoch nur der 4. Akt des Animationsfilms, in dem auf das Märchen "Aladin und die Wunderlampe" Bezug genommen wird.

Die Abenteuer des Prinzen Achmed (© Deutsches Filminstitut, Frankfurt)

1926


Produktionsland: Deutschland
Regie: Lotte Reiniger
Laufzeit: 65 Minuten
Format: 35 mm (1:1:33), s/w
Altersfreigabe: FSK: 0


"Was befiehlst Du, o Herr, der Lampe?" / "Ich will dir dienen, ich und alle Geister der Lampe!"


In den ersten drei Akten des Films fliegt Prinz Achmed, Sohn des Kalifen und Bruder der Prinzessin Dinarsade, auf dem mechanischen Pferd eines Zauberers ins Inselreich Wak-Wak, wo er sich in die Fee Pari Banu verliebt. Der böse Zauberer, von Achmed an der Hochzeit mit Dinarsade gehindert, hat sie indes verfolgt und entführt Pari Banu nach China. Eine Befreiung ist nur von kurzer Dauer, denn auch die erzürnten Dämonen Wak-Waks verfolgen das Paar und entführen Pari Banu zurück auf ihre Insel. Um das Tor dorthin öffnen zu können, benötigt Prinz Achmed Aladins Wunderlampe.

Die Abenteuer des Prinzen Achmed: 4. Akt Aladin und die Wunderlampe (© Deutsches Filminstitut, Frankfurt)

Zu Beginn des vierten Akts findet Prinz Achmed den Schneider Aladin, der ihm seine Geschichte erzählt: Vor Jahren sollte er für den Zauberer, der sich als alter Mann verkleidet hatte, eine Lampe aus einer Höhle bergen. Zum Lohne für diesen Dienst versprach er Aladin die Tochter des Kalifen, Dinarsade, als Gemahlin. Aladin verliebte sich beim Anblick der schönen Prinzessin und willigte in den Handel ein.

Doch als er mit der Lampe hervorkam, stieß der Zauberer ihn im Streit in die Tiefe zurück. Dort gelang es Aladin durch einen Zufall, den Geist aus der Flasche zu befreien. Dieser half ihm daraufhin bei seiner Heimkehr und verwandelte ihn in einen Prinzen. In dieser Gestalt heiratete Aladin Dinarsade, doch der Zauberer stahl ihm Dinarsade, die Lampe und seinen Reichtum.

Nachdem Aladin seine Geschichte beendet hat, gibt sich Achmed als Bruder der Prinzessin zu erkennen. Gemeinsam mit einer guten Hexe, die den Zauberer bekämpft, befreien sie ein weiteres Mal Pari Banu und erbeuten die Lampe. Nach erneutem Kampf mit den erzürnten Dämonen im fünften Akt endet die Geschichte glücklich. Aladins verschwundener Palast kommt angeflogen, die Hexe behält die Wunderlampe und schickt die drei ins Land der Menschen zurück. Dort findet Aladin seine Dinarsade wieder. Es gibt eine Doppelhochzeit unter den Augen des Kalifen.

Produktion

Lotte Reiniger und ihr Team arbeiteten von 1923 bis 1926 an dem Projekt. Der jüdische Bankier Louis Hagen richtete ihr für diese Zeit ein Trickatelier in seinem Haus in Potsdam ein – eine frühe Form der Filmförderung. Die kunstvollen Figuren wurden von Reiniger mit der Schere aus schwarzem Karton ausgeschnitten oder aus einer Mischung aus Pappe und gewalztem Blei geformt, sowie zur späteren Bewegung mit Draht verbunden. Für die Hintergründe verwendete sie verschiedene Sorten von Transparent- bzw. Backpapier, um den Eindruck räumlicher Tiefe zu vermitteln.

Auf einer Glasplatte wurden die so geschaffenen Formen arrangiert und bewegt, von unten von zwei Glühbirnen beleuchtet und von oben mit der Einzelbildkamera abfotografiert. Diese senkrecht montierte Kamera wurde nicht bewegt, verschiedene Einstellungsgrößen erforderten daher mehrere Figuren- oder Detailmodelle in variierender Größe. Auf diese Weise entstanden ca. 250.000 Einzelfotografien, von denen 100.000 für den Film verwendet wurden.

Es war ein langwieriger Prozess, in dem sich Reiniger von Bild zu Bild an das beste Ergebnis herantastete. Lotte Reiniger: "Wir hatten keine Maschinen, wir machten alles mit unseren Händchen." Bei dieser Arbeit war die Künstlerin nicht allein. Während ihr Ehemann Carl Koch als Produzent die technischen Aspekte überwachte, war Walter Ruttmann für die Spezialeffekte zuständig. Bekannt für seine "Lichtspiel"-Filme, galt der spätere Regisseur der Dokumentarfilmcollage Berlin. Die Sinfonie der Großstadt (D 1927) längst als etablierter Künstler.

Ruttmann gestaltete den eher abstrakt gehaltenen Vorspann sowie – in den Worten Lotte Reinigers – "wundervolle Bewegungen für Wolken, feuerspeiende Berge, Geisterschlachten und Zauberkämpfe". Der Animator Berthold Bartosch war für den Seesturm zuständig, für den die Wellen auf Glasplatten gemalt wurden, die man unter der Kamera – auch mithilfe von Seife – gegeneinander verschob.

Am 2. Mai 1926 wurde der Film erstmals in der Berliner Volksbühne aufgeführt. Die Premiere war selbst organisiert worden, da kein Kino den Film zeigen wollte. Erst nach einer weiteren, ebenso erfolgreichen Aufführung im Theatre des Champs-Élysées in Paris erhielt der Film seine ordentliche deutsche Premiere im Berliner Gloria Palast. Die Kritiken lobten einhellig den "kühnen Versuch", einige waren "begeistert, entzückt und entrückt". Es gab aber auch Zweifel, ob ein Silhouettenfilm "tragfähig" genug sei, um einen ganzen Abend zu füllen. Insgesamt war der Film ein künstlerischer, aber kein kommerzieller Erfolg.

Figuren, Stil und Symbolik

Im Deutschland der Biedermeierzeit (ca. 1815-1848), das heißt, vor der Fotografie, war der Scherenschnitt eine überaus beliebte Porträttechnik. Die weit älteren Ursprünge liegen in Asien, etwa in Japan oder dem javanesischen "Schattentheater". Der kulturelle Transfer nach Europa erfolgte nicht zuletzt durch Laterna-Magica-Vorführungen, eine Frühform der Kinoprojektion. Mit einem orientalisch inspirierten Scherenschnittfilm führt Reiniger das Medium demnach direkt zurück an seine Wurzeln.

Ihr Stummfilm Die Abenteuer des Prinzen Achmed ist formal eingeteilt in fünf Akte. Nur gelegentlich erläutern Zwischentitel (auf Schrifttafeln) die Handlung. Allgemein herrscht eine verträumt-melancholische Stimmung vor, zu der neben der Musik auch die überwiegend gelben und blauen Viragierungen (Einfärbungen) beitragen – passend zu einem nächtlichen Schattenspiel. Darin finden sich auch bedrohliche Elemente: der böse Zauberer, dämonisches Federvieh und andere höllische Kreaturen, eine Hexe.

Seinen bleibenden Wert indes hat der Film durch Reinigers handwerkliche Brillanz im Ornament: filigrane Arabesken und Chinoiserien, traumhafte Paläste mit spitzen Türmen und verschnörkelten Fenstergebilden, detailliert geschwungenes Frauenhaar, Vogelgefieder und hängende Farne am Rand einer subtropisch anmutenden Badeszene – all das erzeugt zusammen eine berauschende Vielfalt. Die Figuren sind– als typische Märchenfiguren wie Prinz oder Prinzessin – charakterlich reduziert, aber veredelt durch die Schönheit der Kontur und die Anmut der Bewegung.

Gegenüber dem Zauberer, dessen böse Gesichtszüge und stechende Augen deutlich gemacht werden, behalten die Liebenden ihr Geheimnis und sind meist nur im Profil zu sehen. Ihre Liebe ist gewissermaßen blind und somit rein. Dennoch darf der männliche Held Achmed in einigen Szenen, wie dem Ritt auf dem Pferd oder dem Kampf mit immer neuen Monstern der Nacht, auch Tatkraft beweisen. Die Fee Pari Banu und auch sein späterer Partner Aladin bleiben dagegen passiv, sind Objekte seines Wünschens und Begehrens.

Als literarische Vorlage wird gelegentlich Andrew Langs Geschichtensammlung "The Blue Fairy Book" (1889) genannt, die erste englische Übersetzung arabischer Märchen. Darin findet sich auch die Erzählung "The Story of Prince Ahmed and the Fairy Paribanou". Analog zu Reinigers eigener Technik ist der Film jedoch eine Collage mehrerer Märchen aus "Tausendundeine Nacht", die ihrerseits von arabischen Erzählern und europäischen Übersetzern frei zusammengestellt und weitererzählt wurden.

Musik

Lotte Reiniger schnitt ihre Filme mit Vorliebe zu klassischer Musik von Georges Bizet, Jacques Offenbach und insbesondere Mozart. Für Die Abenteuer des Prinzen Achmed jedoch schuf der Komponist Wolfgang Zeller eine eigene Partitur. Sie akzentuiert, meist mit Flöte oder Glockenspiel, die dramatischen Momente und Effekte. Die genaue Synchronisation von Bild und Musik gehörte von Beginn an zum Gesamtkonzept. Seit der Restaurierung des Films entstanden jedoch immer wieder neue Kompositionen. Im jordanischen Amman kam es 2006 zu einer Vorführung unter Schirmherrschaft des Goethe-Instituts mit arabischer Musik.

Filmhistorischer Kontext

Reinigers Film gilt als zeitloser Solitär, nicht zuletzt als der über Jahrzehnte bekannteste Film einer weiblichen Regisseurin. Doch ist er nicht gänzlich "aus der Zeit gefallen". Interessant ist der lange Produktionszeitraum von 1923 bis 1926. Er fällt zwischen die expressionistische Frühphase des deutschen Stummfilms und die sogenannte "Neue Sachlichkeit", die ab 1925 soziale Themen und einen neuen Realismus den Vorzug gab. Die Angst einflößenden Dämonen wie etwa Nosferatu (D 1922, R: F.W. Murnau), die das frühe Kino der Weimarer Republik bevölkern, finden auch bei Reiniger noch ihren Niederschlag. Ihre Liebe zum Ornament hingegen findet sich anderswo nur vereinzelt.

Der ausgehende Jugendstil und Art Deco prägten das Design der Epoche, nicht jedoch den Film. In den künstlerisch wertvollen Filmen von Fritz Lang oder G.W. Pabst war solches Dekor meist Bestandteil von Nachtklubszenen, als Zeichen orientalischer Sinnlichkeit und Verruchtheit.

Das eigentliche orientalische Thema findet sich ansonsten nur in Paul Lenis Horror-Episodenfilm Das Wachsfigurenkabinett (D 1924), ebenfalls 1923 begonnen: Eine eher amüsante Episode handelt von der Tausendundeine-Nacht-Figur Harun al-Raschid, gespielt von Emil Jannings. In die "Neue Sachlichkeit" schließlich hätte Reinigers Film noch weniger gepasst. Anders die Lage in Hollywood: Hier entstand zeitgleich Der Dieb von Bagdad (USA 1924, R: Raoul Walsh) mit Douglas Fairbanks. Die arabeske Prachtfülle dieses Films hat mehr optische Gemeinsamkeit mit Reinigers Werk als mit dem späteren Remake von 1940, das Teil dieses Features ist.

Nachwirkung

Sämtliche Originalkopien des Films in Deutschland wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Eine britische Kopie fand sich jedoch im British Film Institute (BFI), vermutlich hergestellt anlässlich der Premiere des Films in London. Lange Zeit war diese gut erhaltene Kopie Grundlage der weiteren Verwertung. Im Jahr 1999 schließlich fertigten das BFI und das Deutsche Filminstitut (DIF) in Zusammenarbeit eine restaurierte Fassung. Anhand handschriftlicher Vermerke auf der Kopie konnte die ursprüngliche Viragierung wiederhergestellt werden, die erhaltene deutsche Zensurkarte des Films erlaubte zudem die Ersetzung der eingefügten englischen Zwischentitel durch die insgesamt 124 deutschen Originaltitel.

Die ebenfalls erhaltene Partitur von Wolfgang Zeller war zusätzlich hilfreich, um den zeitlichen Rhythmus des Films zu wahren.

Die restaurierte Fassung wurde 1999 auf ARTE ausgestrahlt. Meist zu live eingespielter Orchestermusik finden zudem regelmäßig Aufführungen des Films in der Öffentlichkeit statt. Den filmästhetischen Einfluss belegt unter anderem eine Scherenschnittszene in Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 (Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1, USA 2010, R: David Yates). Doch schon Walt Disney erwies Reiniger seine Referenz: The Sword in the Stone (Die Hexe und der Zauberer, USA 1963, R: Wolfgang Reitherman), sein letzter Film zu Lebzeiten, zeigt ein magisches Duell der zwei Hauptfiguren, die sich wie bei Reiniger während des Kampfes in unterschiedlichste Tiere verwandeln.

Zum Weiterlesen

Fussnoten

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