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STAR WARS (KRIEG DER STERNE)

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STAR WARS (KRIEG DER STERNE)

/ 12 Minuten zu lesen

STAR WARS: EPISODE IV, Luke Skywalker (1977). (© picture-alliance / Mary Evans Picture Library)

Produktionsland/-jahr: USA/1977
Regie: George Lucas
Laufzeit: 121 Minuten
Format: Technicolor, Panavision (2,35:1)
Altersfreigabe: FSK: 12

Darsteller/innen

Mark Hamill (Luke Skywalker), Harrison Ford (Han Solo), Carrie Fisher (Prinzessin Leia), Alec Guiness (Ben Obi-Wan Kenobi), David Prowse (Darth Vader), Peter Cushing (Großmoff Tarkin) u.a.


"Hey, Luke … may the Force be with you." – Han Solo zu Luke Skywalker


Inhalt

"Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie" kämpfen über die Planeten verstreute Rebellen der "Republik" gegen das "böse Imperium". Vom sogenannten Todesstern aus wird es vom unheimlichen Darth Vader regiert. Zu Beginn der Handlung wurden Prinzessin Leia Geheimpläne der gigantischen Raumstation zugespielt, die sie jedoch versteckt hat. Vader entführt Leia, um sie zurückzubekommen. Die Pläne, die einen Schwachpunkt des Todessterns identifizieren, befinden sich in der Robotereinheit R2-D2. Auf dem Planeten Tatooine geraten die herumirrenden Droiden R2-D2 und sein Gefährte C-3PO in den Besitz von Luke Skywalker. Er ist ein argloser Farmerjunge, der allerdings schnell schaltet: Dank der Informationen findet er den alten Jedi-Ritter Ben Obi-Wan Kenobi, Leias letzte Hoffnung. Der zunächst unwillige Weltraumschmuggler Han Solo wird beauftragt, die beiden nach Alderaan, dem Heimatplanet der Prinzessin, zu bringen. Dieser wird jedoch von Darth Vader zerstört und sie geraten direkt in den Todesstern, wo Luke und Han gemeinsam Leias Befreiung gelingt. Obi-Wan wird in einem Duell mit seinem ehemaligen Schüler Vader getötet. Auf dem Rebellenstützpunkt Yavin IV wird Luke den Kampfpiloten zugeordnet, die den Todesstern endlich vernichten sollen. Dem jungen Mann, der unter Anleitung des weisen Obi-Wan inzwischen gelernt hat, sich in Tradition der Jedis mit der geheimnisvollen "Macht" zu verbünden, gelingt der entscheidende Treffer. Die Rebellion hat vorerst gesiegt.

Hintergründe und Drehbuch

Seit 1971 plante Regisseur George Lucas eine klassische Weltraumoper nach Art der FLASH GORDON-Filmserials. Nach mehreren Drehbuchfassungen sprang das Produktionsstudio Universal ab, es übernahm Twentieth Century Fox. Aus einem angeblich 200-seitigen Skript konnte Lucas zunächst nur den ersten von drei Teilen verfilmen, die zwei Fortsetzungen hingen ab vom Erfolg. Als Drehorte wurden das auf Special Effects spezialisierte britische Elstree-Studio sowie Örtlichkeiten in Tunesien und Guatemala ausgewählt. Das eher mittlere Budget von zehn Millionen Dollar wurde überzogen und betrug nach Produktionsende 13 Millionen.

Die Handlung von KRIEG DER STERNE befindet sich in der chronologischen Mitte der inzwischen siebenteiligen STAR WARS-Reihe. Diese hat im Lauf der Jahre einige Umbenennungen erfahren. Heute lautet auch der deutsche Titel STAR WARS: EPISODE IV – EINE NEUE HOFFNUNG. Inwieweit Lucas diesen ersten Film bereits als EPISODE IV geplant hatte, ist unsicher. Allerdings erschien bereits die Fortsetzung in den USA als STAR WARS: EPISODE V – THE EMPIRE STRIKES BACK, USA 1980, R: Irvin Kershner). Die 1999 begonnene Prequel-Trilogie I-III (s. Filmografie George Lucas) erzählte später die Vorgeschichte, deren Elemente in KRIEG DER STERNE bereits vorgezeichnet sind: etwa die Klon-Kriege oder Darth Vaders Verführung durch die dunkle Seite der Macht. Eine solche Hintergrundcharakterisierung wichtiger Figuren ist beim Drehbuchschreiben durchaus üblich, um den Schauspielern und Schauspielerinnen das richtige Gefühl für ihre Rolle zu geben. Bei George Lucas wurde daraus eines der erfolgreichsten Franchises (als Franchise bezeichnet man eine als Marke lizensierte Filmreihe) der Filmgeschichte. In Deutschland wurde die US-amerikanische Zählung erst 1995 übernommen. Im vorliegenden Programm wird zur leichteren Übersicht der alte Name KRIEG DER STERNE verwendet. STAR WARS bezeichnet demgegenüber die gesamte Reihe.

Genrebezug

KRIEG DER STERNE ist eine Space-Opera (dt.: Weltraumoper), also eine handlungszentrierte, realitätsferne Fantasie jenseits menschlicher Erfahrung, die gänzlich im Weltraum spielt – allerdings nicht in der Zukunft. In eine "mythische" Vergangenheit verweisen neben dem Vorspanntext auch die filmischen Einflüsse. Neben dem Science-Fiction-Serial FLASH GORDON verarbeitete Lucas zahllose Motive aus anderen Genres wie Abenteuer-, Ritter-, Western- und Piratenfilm – das klassische Hollywood der 1950er-Jahre. Ziel war es, die Traumwelt seiner Kindheit zu einem neuen, einzigen Universum zu formen.

Sturmtruppen. (© picture-alliance / Mary Evans Picture Library)

Der archaische Kampf von Gut und Böse und die Reifung von jugendlichen Heldenfiguren in spannenden Abenteuern bilden die Basis dieser Geschichten. Lucas hat sich nie gescheut, seine Filme als Märchen oder gar Kinderfilme zu bezeichnen. Sie seien "näher an den Gebrüdern Grimm als an 2001". Kubricks 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM war visuell dennoch ein großer Einfluss für Lucas. Antike und mittelalterliche Mythen wie die Artus-Sage kamen hinzu. Gleichzeitig finden sich in diesem Paralleluniversum auch von Lucas beabsichtigte Bezüge des Imperiums zum nationalsozialistischen Deutschland. Im Film hat das Böse die Republik abgelöst und regiert mit militärischer Strenge, die sich in entsprechender Symbolik äußert. Der Begriff "Sturmtruppen" für Darth Vaders Brigaden ist ein deutliches Zeichen.

Einen besonders interessanten Einfluss bilden die Samurai-Filme des berühmten japanischen Regisseurs Akira Kurosawa (1910-1998), vor allem sein Film KAKUSHI-TORIDE NO SAN-AKUNIN (DIE VERBORGENE FESTUNG, J 1958). Die Roboter R2-D2 und C3-PO übernehmen die Funktion unbeteiligter Bauernfiguren, die bei Kurosawa oft die eigentliche Handlung begleiten und kommentieren. Sie erklären dem Publikum eine geheimnisvolle, mystische Welt, die den Filmfiguren vollständig vertraut ist – die Zuschauer/innen sollten die Welt von STAR WARS so unmittelbar erfahren wie Lucas die ihm unbekannte Kultur des japanischen Mittelalters. Auch die Ritterrüstungen und Helme des Imperiums gehen zurück auf die Samurai-Krieger. Der Begriff "Jedi" schließlich verdankt sich der japanischen Bezeichnung für Historienfilme (jidai-geki).

Ein klares Science-Fiction-Motiv findet sich in Lucas’ Idealvorstellung einer vollständig neuen "bewohnten Welt": Roboter, Außerirdische und Menschen leben in selbstverständlicher Gemeinschaft. Die im Genre üblichen Unterschiede und Feindschaften spielen keine Rolle. Aliens treten auf als Schmuggler, Piloten und in der berühmten Kantinenszene auch als Kopfgeldjäger oder Jazzmusiker. Besonders das Roboterpaar R2-D2 und C-3PO hat menschliche, humoristische Züge. Zudem verbirgt sich hinter der Maske Darth Vaders eine Mensch-Maschine (mit lebenserhaltenden Prothesen), was allerdings erst in den weiteren Filmen erklärt wird.

In deutlicher Abgrenzung zur "hard science-fiction" finden sich keinerlei Bezüge zu tatsächlicher Wissenschaft. Laserschwerter und riesige, in "Überlichtgeschwindigkeit" fliegende Raumschiffe sind das Produkt reiner Fantasie. Kennzeichnend für die STAR WARS-Reihe ist vielmehr der Konflikt zwischen menschlicher Rationalität und dem spirituellen Gebilde der "Macht". Obi-Wan Kenobi beschreibt sie als ein Energiefeld, das die Galaxis zusammenhält. Hier treffen diverse religiöse, u.a. pantheistische und buddhistische Vorstellungen zusammen. Der Glaube an oder die Skepsis gegenüber übernatürlich erscheinende Phänomene spielt aber auch in der Science-Fiction eine wichtige Rolle. In deren weiteren Kontext ähnelt die vom Jedi-Ritter zu beherrschende Macht der Macht des Wissenschaftlers, sein Können dem Guten oder dem Bösen zu widmen. Sie hat eine helle und eine dunkle Seite. Im weiteren Verlauf der sieben Filme sind diese immer schwerer zu trennen.

Trotz einfacher Dialoge und Handlungsmuster hat die Story auch psychologische Tiefe. Für die Science-Fiction untypische Themen wie Familie, Abstammung und Generationenkonflikt, eingebettet in den ewigen Kampf von Gut und Böse, bilden für Fans sogar den Kern der Saga. Das volle Handlungsgerüst offenbart sich zwar erst in den späteren Fortsetzungen, dürfte einigen Schülern und Schülerinnen jedoch bekannt sein: Luke steht zwischen seinem moralischen Ersatzvater Obi-Wan und dem biologischen Vater Darth Vader; seine heimliche Liebe zu Leia ist im Kern inzestuös – die beiden sind Geschwister. Die entsprechenden Konflikte erinnern an die Struktur der antiken Tragödie (z.B. die Sophokles-Dramen König Oedipus, Antigone und Elektra) und kennzeichnen STAR WARS einmal mehr als Mythos.

Die Roboter R2-D2 und C-3PO. (© picture-alliance, kpa)

Ein ebenso wichtiges Element ist jedoch der Humor. Insbesondere das Roboter-Duo R2-D2 und C-3PO, aber auch der verwegene Han Solo und seine Rivalität mit dem naiven Luke Skywalker entwickeln viel humoristisches Potenzial. Die altmodische Komik mit Slapstick-Elementen ist geradezu ein Alleinstellungsmerkmal in der notorisch ernsten Science-Fiction und ein weiterer Grund für die weltweite Beliebtheit von STAR WARS.

Filmfiguren

Zumindest die zentralen Charaktere des riesigen Figurenuniversums von KRIEG DER STERNE treten paarweise auf. Den Mittelpunkt bildet das – unwissentliche – Geschwisterpaar Prinzessin Leia und Luke Skywalker. Luke wird als introvertiert und schüchtern, aber auch abenteuerlustig eingeführt. Der Bauernjunge, bei Tante und Onkel aufgewachsen, möchte auf die Sternenakademie. Dazu befolgt er schließlich die Jedi-Lehren seines Mentors Obi-Wan, Tugenden wie innere Gelassenheit und Selbstdisziplin. Ihm gegenüber ist Leia die geborene Herrscherin. Klug, gewitzt und burschikos, erteilt sie auch Älteren unmissverständlich Befehle. Als ahnte sie die Zusammenhänge, entwickelt sie zu Luke ein von Beginn an schwesterliches Verhältnis.

Der rüde Weltraumschmuggler Han Solo vervollständigt diese Beziehung zum Dreieck. Leia beschreibt ihn abfällig als "typische Söldnerseele": Ohne Idealismus und Ehrgeiz, lässt er sich nur durch Geld motivieren. Erst im letzten Moment, dem Anflug auf den Todestern, kommt er zur Hilfe. Dieses zurückgehaltene Heldentum hat er mit zahlreichen Heldentypen des US-amerikanischen Kinos gemeinsam, aber auch mit Kurosawas herumziehenden Samurais. Sein Kostüm kennzeichnet ihn als Westernhelden. Gegenüber Luke wirkt er entschlossener, was auch Leia bemerkt, die in ihm ihre eigenen Eigenschaften entdeckt. Han Solo ist selten ohne seinen felligen Co-Piloten zu sehen, den Wookie Chewbacca.

Ben-Obi-Wan Kenobi. (© picture-alliance, kpa)

Ben Obi-Wan Kenobi verkörpert die klassische Figur des weisen Lehrers. Sein Kostüm erinnert an die Mönchskutten des Mittelalters. Sein Gegenpol ist Darth Vader, der Anführer der kaiserlichen Sturmtruppen, dessen Identität hinter der Sauerstoffmaske zunächst rätselhaft bleibt. Trotz erbitterter Feindschaft verbindet sie der gemeinsame Glaube an die Macht. Die ehemaligen Jedi-Ritter waren einst Lehrer und Schüler. Luke hat also unwissentlich den Platz seines Vaters eingenommen.

Die Droiden R2-D2 und C-3PO treten wie menschliche Charaktere auf. R2-D2 kann sich nur durch Computerlaute und kleine Kopfbewegungen ausdrücken, was beim Publikum den niedlichen Eindruck eines Kleinkinds bewirkt. Demgegenüber ist C-3PO ein voll ausgebildeter, vielsprachiger Butler-Roboter mit vorzüglichen Manieren. Mit seiner Höflichkeit und zwanghaftem Pessimismus geht er seinem Umfeld oft auf die Nerven. Die beiden Roboter stehen auch in der Tradition anderer großer Komikerduos wie Laurel und Hardy. Lucas bezeichnete sie als "die eigentlichen Helden der Saga."

Besetzung

Für seine Hauptfiguren Leia und Luke wählte Lucas die bis dahin unbekannten Jungdarsteller/innen Mark Hamill und Carrie Fisher. Sie wurden zu Identifikationsfiguren für Teenager weltweit, konnten sich in ihrer weiteren Karriere jedoch kaum von ihrer Rolle lösen. Fisher, aus einer Hollywood-Familie stammend, verarbeitete ihre Probleme später in einem Roman. Der etwas ältere Harrison Ford hingegen wurde durch die Rolle Han Solos zum Weltstar. Er spielte danach in BLADE RUNNER sowie in den mit RAIDERS OF THE LOST ARK (JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES, USA 1981, R: Steven Spielberg) begonnenen Indiana-Jones-Filmen. Zuvor hatte er sich als Tischler durchgeschlagen und lediglich kleinere Rollen erhalten, u.a. in George Lucas’ Klassiker AMERICAN GRAFFITI (USA 1973). Bei Alec Guiness, Darsteller Obi-Wan Kenobis, und Peter Cushing, der als Kommandant unter Darth Vader den Todesstern befehligt, handelt es sich um zwei altgediente Legenden des britischen Kinos. Sie sollten gegenüber den jugendlichen Figuren Autorität verkörpern. Cushing war vor allem aus Horrorfilmen bekannt.

Kameraführung, Lichtsetzung und Schnitt

Die ästhetische Gestaltung orientiert sich stark am klassischen Hollywood-Kino. Dazu zählen auch die früheren Science-Fiction-Filme. Die Kamera verbleibt oft in statischen Totalen, selbst in der Bewegung zieht sie die Aufmerksamkeit nicht auf sich. Das Bild ist stets optimal ausgeleuchtet, experimentelle Licht- und Schatteneffekte unterbleiben. Mit dieser bewusst theatralischen Inszenierung distanziert sich Lucas vom damals vorherrschenden europäischen Autorenkino und dem Stil des New Hollywood, das Film als persönlichen Ausdruck des Regisseurs betrachtete. Sie vermittelt stattdessen einen Eindruck von Erhabenheit. Nur in den Actionsequenzen wird die gravitätische Langsamkeit des Schnitts beschleunigt.

Eine Besonderheit des Schnitts bilden die Auf- und Abblenden, die längere Erzählkapitel voneinander trennen und die filmische Illusion vorübergehend aufheben. Zu sehen sind sogenannte Wischblenden oder umgekehrte Irisblenden in kreisförmiger, vertikaler oder diagonaler Ausführung, die sich jedoch niemals wiederholen. Diese verspielte Reminiszenz an das alte Schwarz-Weiß-Kino und die Filme Akira Kurosawas wurde auch in den neueren Filmen beibehalten und gilt als Markenzeichen der Serie.

Setdesign und Special Effects

Die bis heute beeindruckenden Special Effects sind trotz ihrer kreativen Fülle vergleichsweise sparsam eingesetzt und tragen vor allem zur Atmosphäre bei, etwa die Aufnahme des langsam wie über die Köpfe des Publikums ins Bild gleitenden Sternenzerstörers Darth Vaders. Für solche Aufnahmen hatte Lucas seine eigene Effektfirma ILM gegründet. Zuvor hatte 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM wichtige Vorarbeit geleistet. Beide Filme nutzten das neuentwickelte Motion-Control-Verfahren, in dem statt des Raumschiffmodells die Kamera bewegt wird. In der hochauflösenden, computergesteuerten Kamera wird der Film schneller laufen gelassen, um anschließend langsam wiedergegeben und mit dem Hintergrundbild kombiniert zu werden. Die optische Illusion beseitigt Probleme früherer Verfahren, bei denen vor allem kleinere Modelle unecht wirkten.

Abgesehen von dieser Innovation, einflussreich für die Science-Fiction bis heute, nutzte das Team vor allem herkömmliche Techniken wie Matte Paintings (gemalte Hintergründe) und Blue-Screen-Technik (s. Kapitel Special Effects). Um gemalte Hintergründe handelte es sich z.B. bei Nahansichten des Todessterns, wenn dieser ein Raumschiff anzieht. Die schwarz-weiße Angriffssimulation, die den Kampfpiloten vor ihrem Einsatz demonstriert wird, zeigt das einzige Computerbild des Films.

Für die Innenansichten, etwa Kommandobrücken und das Innere von Raumschiffen, wurden im Elstree-Studio Kulissen in Originalgröße gebaut. Lucas wollte einen "natürlichen" Eindruck. Dazu gehörte auch seine Idee der "used future": Raumschiffe und Behausungen sollten von innen wie außen benutzt aussehen, also alt und schmutzig, und so von ihrer Vergangenheit erzählen. Im Inneren des Rasenden Falken, dem Gefährt Han Solos, ist dies besonders gut zu beobachten.

Musik

Der Soundtrack zu KRIEG DER STERNE wurde vom American Film Institute (AFI) 2005 zur "bekanntesten Filmmusik aller Zeiten" gewählt. Von seinem Komponisten John Williams (geb. 1932) stammt auch die Musik zu DER WEISSE HAI (JAWS 1975, R: Steven Spielberg) und vielen anderen Klassikern. Der Score ist klassisch orchestriert und erinnert an die alten Western-, Piraten- und Römerfilme Hollywoods. Als besonders einflussreich gilt die Renaissance des Leitmotivs in der Tradition Richard Wagners. So sind Prinzessin Leia romantische Flötentöne, der Rebellenallianz triumphale Bläser und dem Imperium dunkle Marschrhythmen zugeordnet. Luke Skywalkers musikalische Begleitung schwankt zwischen den getragenen Streicherklängen des Macht-Themas sowie dem heroischen Hauptthema. Das Hauptthema mit seiner charakteristischen Fanfare, das gleich zu Beginn den berühmten Vorspanntext übertönt, beruht auf einem Motiv des österreich-ungarischen Hollywood-Filmkomponisten Erich Wolfgang Korngold (siehe: Externer Link: www.youtube.com/watch?v=cGcpLm989-U) aus dem Jahr 1941 und ist in jedem Film der Reihe zu hören.

Rezeption und Nachwirkung

KRIEG DER STERNE war ein durchschlagender Erfolg bei Publikum und Kritik. Gewürdigt wurden die bahnbrechenden Special Effects und die Erschaffung einer völlig neuen Welt mit den Mitteln des Kinos. Nur wenige Kritiker/innen bemängelten die angeblich naive Handlung und eindimensionale Charaktere. Bis zum Jahr 1978 konnte der Film weltweit 410 Millionen Dollar einspielen, dank zahlreicher Wiederaufführungen und der Verwertung auf VHS, DVD und Blu-Ray liegt sein Marktwert heute bei 775 Millionen Dollar. Nach zehn Nominierungen erhielt das Weltraumspektakel sechs Oscars®, darunter die Auszeichnungen für die beste Filmmusik und die besten Special Effects. Bis zum Erscheinen von E.T. – DER AUSSERIRDISCHE im Jahr 1982 hielt der Film darüber hinaus die Spitzenposition als erfolgreichster Film aller Zeiten. Als besonders vorausschauend erwies sich Lucas’ Vorgehen, sich die Vermarktungsrechte an seinen Filmen zu sichern. Zusammen mit den drei Prequels und weiteren drei Sequels (s. Biografie) sowie dem "erweiterten Universum" aus Büchern, Videospielen, Comics, T-Shirts und Merchandise beträgt der Wert der Reihe inzwischen über 30 Milliarden Dollar – eine späte Genugtuung für die zögerliche Finanzierung durch Fox.

Auf das gesamte Science-Fiction-Genre hatte der Film massiven Einfluss. Das gilt nicht nur für die Special Effects, sondern auch für das Konzept der "used future", dass u.a. von Ridley Scott in ALIEN und BLADE RUNNER übernommen wurde. Der Komiker Mel Brooks parodierte Figuren und Handlung in seinem Weltraumulk SPACEBALLS (USA 1987). Gegen die Produzenten der ernsthaften Weltraumoper BATTLESTAR GALACTICA, (KAMPFSTERN GALACTICA, USA 1978, R: Richard A. Colla), Pilotfilm einer erfolgreichen TV-Serie, erwirkte Fox sogar einen Prozess wegen angeblichen Plagiats.

Wichtiger war der Einfluss von KRIEG DER STERNE auf die Filmkultur insgesamt. Zusammen mit Steven Spielbergs DER WEISSE HAI gilt der Film als Startpunkt des kommerziellen Blockbusterkinos, das sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene richtet. Dem künstlerischen und meist auch gesellschaftskritischen New Hollywood-Kino der 1970er-Jahre, dem Lucas und Spielberg ursprünglich selbst zugerechnet wurden, war damit ein Ende gesetzt.

Mittlerweile ist aber auch die Frage, von welchem KRIEG DER STERNE die Rede ist. Von Beginn an unzufrieden mit der verfügbaren Technik und einem knappen Budget, hat George Lucas den Film und seine diversen Nachfolger seit Aufkommen der Computer Generated Imagery (CGI) nach und nach auf den neuesten Stand gebracht und digital "verbessert" – zum Entsetzen mancher Fans. 1997, 2004 und 2011 erschienen "Special Editions" von KRIEG DER STERNE auf digitalen Trägermedien, angereichert um digitale Kulissen, neuartige Fabelwesen und eindrucksvollere Explosionen. Zum Teil wurden auch die Einstellungsgrößen verändert. Vergleiche zum Original von 1977 sind nur noch durch von Fans erstellte Videoclips im Internet möglich (siehe: Externer Link: www.youtube.com/watch?v=RNbzSH84mj0), hat doch George Lucas den Zugang zu den ursprünglichen Fassungen seit 1997 zunehmend erschwert. Letzteres ist auch der Grund dafür, dass unser Double-Feature KRIEG DER STERNE in der neuesten Version präsentiert wird. In der Zusammenschau allerdings lässt sich die Entwicklung der Spezialeffekte über die Jahrzehnte plastisch nachvollziehen. Der Film, mit dem alles begann, ist noch immer Teil dieser Geschichte.

GlossarFankultur im Science-Fiction-Genre

Science-Fiction ist ein finanziell extrem aufwendiges Genre und daher ohne ein Massenpublikum kaum denkbar. Die Fankultur des Genres steht dazu in komplexem Widerspruch. Der Science-Fiction-Fan begreift sich nicht als gewöhnliche/n Zuschauer/in. Die fast religiöse/kultische Verehrung einer Filmreihe oder Serie erkennt darin sinnstiftende Bedeutungen, die anderen verborgen bleiben. Fans etwa von STAR WARS – das Fan-Merchandise der Serie brachte bis 2015 einen Erlös von 30 Mrd. Dollar – schreiben eigene Bücher als Fortsetzungen ihrer Lieblingsgeschichte oder produzieren Mash-up-Filme im Internet. Nicht selten "korrigieren" sie dabei angebliche Fehler des Originals oder wehren sich gegen dessen "Kommerzialisierung". Auf jährlichen Treffen wie der San Diego Comic-Con International (seit 1970) erscheinen sie in Kostümen und tauschen Erfahrungen aus. Üblich ist dabei die nostalgische Erinnerung der Älteren an eine ruhmreiche Vergangenheit, die den Jüngeren verwehrt bleibt. Ein bekanntes Zitat des Science-Fiction-Herausgebers David Hartwell lautet: "Das Goldene Zeitalter der Science-Fiction ist zwölf".

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