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Das Western-Genre: Zentrale Elemente, Erzählungen und Figuren

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Das Western-Genre: Zentrale Elemente, Erzählungen und Figuren

Dr. Martin Ganguly

/ 4 Minuten zu lesen

Heutzutage machen Western nur einen sehr kleinen Teil der Filmproduktion und -rezeption aus. Viele Jahrzehnte lang – von den 1910er- bis in die frühen 1960er-Jahre – war dieses Genre jedoch eines der zentralen Genres der US-amerikanischen Filmproduktion und damit auch des Weltfilmmarkts.

In diesem Zeitraum waren mindestens ein Fünftel der gedrehten Filme Western. Kein anderes Genre nahm über einen so langen Zeitraum eine derart gewichtige filmgeschichtliche Rolle ein (vgl. Edward Buscombe: 100 Westerns (BFI Screen Guides), British Film Institute, London 2006).

GlossarFilmgenre

Ein Filmgenre bezeichnet eine Gruppe von Filmen, die unter einem oder mehreren spezifischen Aspekten Gemeinsamkeiten aufweisen. Das kann eine bestimmte Erzählform oder eine Grundstimmung in Bezug auf Handlung, Handlungszeitraum oder Handlungsort sein. Genres unterliegen trotz stabiler Grundschemata historischen Wandlungen. Innerhalb eines Films kann es auch zur Überschneidung von Filmgenres kommen. Duel in the Sun (Duell in der Sonne, USA 1946, R: King Vidor) ist beispielsweise zugleich ein Western und ein Liebesdrama.

Subgenres findet man häufig vermehrt in einer Filmepoche wieder und manche Filmgenres lassen sich auch bestimmten Filmstilen zuordnen – und umgekehrt. So findet man beim Musical hauptsächlich Komödien und in den düsteren Film noirs werden Kriminalgeschichten abgehandelt und keine heiteren Familiengeschichten.

Filmschaffende und Filmwissenschaftler/innen teilen Genres häufig unterschiedlich ein, in der Grundtendenz gibt es jedoch eine Übereinkunft. So wird der Genrebegriff nicht auf die übergeordneten Gattungen des Films verwandt.

Zu den Hauptgattungen gehören u.a. Spielfilm, Dokumentarfilm, Experimentalfilm, Nachrichtenfilm, Werbefilm und Propagandafilm. Besondere technische Merkmale (wie Stummfilm, Schwarz-Weiß-Film oder 3D-Film), werden gleichfalls nicht den Genrebezeichnungen zugeordnet. Auch die Länge von Filmen (beispielsweise der Kurzfilm) oder die Zielgruppe (beispielsweise Kinder oder Jugendliche) decken sich nicht in allen Übersichten mit dem engeren Begriff des Genres.

(Vgl.: Martin Ganguly: Filmanalyse, Stuttgart/Leipzig 2011, S. 12)

Der Western ist ein Genre der Bewegung – galoppierende Pferde, Verfolgungsjagden, Prügeleien und Schießereien sind dabei wichtige Elemente. Die Geschichten, die in Westernfilmen erzählt werden, weisen jeweils ähnliche Muster auf, die im Lauf der Filmgeschichte zunehmend vielschichtiger und auch kritischer durchdacht wurden. In der umfangreichen Sekundärliteratur gibt es unterschiedliche Darstellungen, welche Erzählungen im Mittelpunkt des Genres stehen.

Die Filmwissenschaftler Bernd Kiefer und Norbert Grob sehen neun zentrale Erzählstrukturen: "Entdeckung neuer Grenzen", "Krieg gegen die Indianer", "Prozess der Zivilisierung", Strafverfolgung und Rache", "Zweite Beruhigung der Städte (town tamer stories)", "Aufbruch in die Wildnis", "Indianerabenteuer", "Verfall einer Gründerdynastie" und "Legendenbildung" (Vgl.: Norbert Grob/Bernd Kiefer (Hrsg.): Filmgenres – Western, Reclam, Stuttgart 2003, S. 22ff.).

Man kann den Western auch in Subgenres einteilen, die entweder den erzählerischen Inhalt (Indianerfilme, Kavallerie-Western oder Musikalischer Western), das Herstellungsland (Italo-Western, DEFA-Western), die literarische Vorlage (Karl-May-Western) oder die filmgeschichtliche Einordnung (Neo-Western) in den Mittelpunkt stellen.

Helden, Anti-Helden – Männer und Frauen im Western

Neben dem historischen und inhaltlichen Bezug sind die Figuren im Western von zentraler Bedeutung. Sie sind meist in Gut oder Böse klassifiziert. In frühen Western bis ungefähr 1950 war die Einteilung ganz klar abgegrenzt und bereits am Äußeren erkennbar: Häufig tragen positiv besetzte Charaktere helle Hüte, ein wichtiges Accessoire im Wilden Westen, und Kleidung, wohingegen die bösen Charaktere in dunklen Farben auftreten oder, wie die Indianer/innen, eine dunklere Hautfarbe haben.

Mit der zunehmenden Psychologisierung des Westerns, vor allem in den Western nach 1960 verschwimmen diese Grenzen: Die Helden/innen sind meist nicht mehr reine Lichtgestalten, sondern haben auch ihre dunklen Seiten.

Zu den positiv besetzten Figuren zählt der "Westerner", ein ungebundener Mann mit festen Prinzipien, der sich für das Gute, für die Unterdrückten und Wehrlosen einsetzt, und nach getaner Arbeit wieder seine eigenen Wege geht. Meist löst er als Protagonist Konflikte, ohne dabei viel Worte zu verlieren, und erledigt seine Aufgabe bis zum Schluss – häufig einer letzten Schießerei, dem Showdown, im Western shootout genannt. Er verkörpert damit auch das amerikanische Ideal von Individualismus. Und er ist ein Held, der in letzter Konsequenz auch Waffengewalt einsetzt und diese legitimiert, um "den Guten" zum Sieg zu verhelfen. Der Westerner bewegt sich innerhalb der frontier.

Die Zerrissenheit zwischen der Gemeinschaft in der Zivilisation und der Einsamkeit in der Wildnis macht ihn zum tragischen Helden, der in frühen Western heroisiert und in späteren Western zunehmend gebrochen dargestellt wird. Diese Helden kommen als Jäger, Trapper, Scouts, Kavalleristen oder als Sheriffs und Marshals in den Westernfilmen vor. Sie müssen sich gegen die "wilden" Indianer/innen, die das Gegenteil von Fortschritt und Zivilisation verkörpern, oder gegen Viehbarone, die die kleineren Farmer/innen und Siedler/innen verdrängen wollen, wehren.

Die "Bösen" sind neben den Indianern/innen meist gewissenlose Kopfgeldjäger, Goldgräber, Banditen oder Großrancher, die nur an ihrem persönlichen Profit interessiert sind und die aus diesem negativen Individualismus im Gegensatz zum positiven Individualismus die Gemeinschaft nicht bewahren und schützen, sondern schädigen und zerstören wollen.

Gelegentlich stehen auch an historische Figuren angelehnte Helden wie der Ordnungshüter Wyatt Earp (so in My Darling Clementine (Faustrecht der Prärie, USA 1946, R: John Ford), oder in Tombstone, (USA 1993, R: George Pan Cosmatos), legendäre Schurken wie der Bandit Jesse James (so in The Return of Frank James (Rache für Jesse James, USA 1940, R: Fritz Lang) oder in The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford (Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford, USA 2007, R: Andrew Dominik) oder auch Anführer der Indianer/innen wie Conchise und Geronimo (so in Broken Arrow (Der gebrochene Pfeil, USA 1950, R: Delmer Daves), einem der ersten Western mit einem differenzierteren Indianerbild) im Mittelpunkt.

Frauen sind mit wenigen Ausnahmen – etwa in Johnny Guitar (Wenn Frauen hassen, USA 1954, R: Nicholas Ray), in dem das Schlussduell zwischen zwei Protagonistinnen ausgetragen wird – nur Nebenfiguren im Western, die es im Regelfall zu schützen gilt. Sie sind häufig das Objekt des Begehrens in der guten, reinen Variante als Schwester, Siedlerfrau, unschuldiges junges Mädchen und Kumpel.

Oder sie treten als Saloon-Dame, Prostituierte oder als mysteriöse, kultivierte Frau aus dem amerikanischen Osten auf, die dann durchaus auch zwiespältige oder negative Attribute aufweist.

Die Landschaft als Protagonist

Neben der Handlung und den Figuren steht die Landschaft im Vordergrund des Genres. Optisch wurde der Western durch die idealisierte Landschaftsmalerei des späten 19. Jahrhunderts inspiriert. Weite, unberührte Landschaften (viele Western, vor allem die Filme von John Ford, wurden im Grand Canyon, im Monument Valley gedreht) werden oft in extrem weiten Kameraeinstellungen, in sogenannten Panorama-Einstellungen, gezeigt.

So wird die grenzenlose und unberührte Weite vorteilhaft ins Bild gerückt, um einen mystischen Ort von Abenteuer, Sehnsucht und Unwägbarkeit zu schaffen, in dem der Mensch geradezu verloren scheint. In späteren Western, vor allem im Italo-Western der 1960er, ersetzen oft extreme Naheinstellungen von den Gesichtern der Protagonisten/innen die Landschaftsbilder, um die Charaktere, die "Seelenlandschaft" der Figuren, stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Verankerung des Mythos

All diese Elemente prägen das Bild von der (US-amerikanischen) Geschichte und seinen Menschen und haben dadurch einen Mythos kreiert, der im kollektiven und kulturellen Bewusstsein weltweit verankert ist. Durch die Mythologisierung wird Geschichte, im Sinne der Sieger/innen, in diesem Fall der weißen Siedler/innen, gedeutet und verklärt. Gewalt (gegen die Ureinwohner/innen) wird dadurch legitimiert und als rechtmäßig umgedeutet, da nur dadurch eine erstarkte, große Nation – die heutige USA – entstehen konnte.

Zum Weiterlesen

Fussnoten