Themen recherchieren, Vokabeln abfragen, Texte sekundenschnell übersetzen, korrigieren oder in verschiedenen Schreibvarianten verfassen und individuelles Feedback auf eigene Lernergebnisse erhalten – als persönliche Assistenten und Tutoren gewinnen digitale Anwendungen mit sogenannter künstlicher Intelligenz (KI) nicht nur im Alltag und Berufsleben, sondern auch für Bildungsprozesse rasch an Bedeutung. Doch wie nützlich sind KI-Anwendungen gerade in Sachen Bildung und insbesondere als Teil des Schulunterrichts? Wo unterstützen sie und an welchen Stellen ersetzen sie womöglich eigenes Nachdenken und Problemlösen bei Schülerinnen und Schülern derart, dass individuelle Lernprozesse eher verhindert werden? Während Schülerinnen und Schüler durchaus einigen Nutzen für schulischen Unterricht und Lernen wahrnehmen (siehe Grafik "
Um das herauszufinden, wurden im März 2024 deutschlandweit 1.007 Eltern von Kindern zwischen 12 und 18 Jahren in einer Online-Umfrage im Auftrag der Körber Stiftung befragt.
Wie die Grafik zeigt, gehen die Meinungen von Eltern zum Nutzen von KI für die Lernprozesse von Kindern zum Teil weit auseinander: Der Aussage, dass KI-Anwendungen das Lernen in der Schule erleichtern, stimmen insgesamt nur 38 Prozent der Eltern eher oder ganz zu – gegenüber fast der Hälfte der Befragten (46 Prozent), die diese Einschätzung eher oder gar nicht teilt. Ganze 16 Prozent von ihnen sind über diese Frage unsicher. Ähnlich gespalten sind Eltern mit Blick auf den erwarteten Nutzen von KI für eine bessere individuelle Förderung ihrer Kinder – ein häufiges Argument für deren Einsatz im Unterricht. Hier gehen ebenfalls insgesamt 38 Prozent der Befragten davon aus, dass KI hilfreich dafür ist – jedoch gegenüber insgesamt 43 Prozent der Eltern, die da anderer Meinung sind und von denen 10 Prozent diese Aussage ganz ablehnen. Hier gibt auch fast jede fünfte befragte Person an, das (noch) nicht einschätzen zu können (19 Prozent).
Deutlich mehr Eltern sehen den Einsatz von KI für den Schulunterricht als potentiell bereichernd an. Insgesamt die Hälfte von ihnen sieht das so (50 Prozent), während gerade etwas mehr als jede oder jeder Dritte dahingehend skeptisch ist (36 Prozent) und 14 Prozent der Eltern unentschieden sind. Ebenso nimmt insgesamt knapp die Hälfte der Eltern als Nutzen wahr, dass KI-Anwendungen Lehrkräfte entlasten können (48 Prozent). Wiederum etwas mehr als jede dritte Person sieht das nicht so (36 Prozent). 16 Prozent der Eltern sind darüber unsicher. Dass KI unbedingt zu einer zukunftsfähigen Schule dazugehört, denkt insgesamt die Hälfte der Eltern (50 Prozent). Immerhin insgesamt 38 Prozent der Eltern lehnen diese Aussage ab, 10 Prozent von ihnen gänzlich. Etwas mehr als jede oder jeder zehnte ist über diese Frage unentschieden (12 Prozent).
Mit Blick auf Risiken und Bedenken gegenüber KI in der Schule zeigen die Daten ein insgesamt kritischeres Meinungsbild der Eltern: Dass der Unterricht durch KI weniger „menschlich“ wird, befürchtet insgesamt fast die Hälfte von ihnen (48 Prozent); etwa ein Drittel teilt diese Sorge kaum oder gar nicht (31 Prozent). Eine deutliche Mehrheit der Eltern sieht jedoch das Problem, dass Kindern durch KI-Anwendungen auch schlicht falsche Inhalte vermittelt werden könnten (62 Prozent), jede fünfte Person (20 Prozent) teilt diese Sorge sogar voll und ganz, während sich insgesamt nur etwas mehr als jede oder jeder fünfte Befragte darüber weniger oder gar nicht besorgt zeigt (22 Prozent). Ebenso befürchten insgesamt 60 Prozent der Befragten, dass Kinder weniger selbst lernen, wenn KI im Unterricht zum Einsatz kommt, ein Fünftel der Eltern unterstreicht dies sehr (21 Prozent), während lediglich 30 Prozent teilen diese Befürchtung kaum oder gar nicht teilen. Größte Einigkeit herrscht aber unter Eltern offenbar bei der Einschätzung, dass es KI Schülerinnen und Schülern leichter macht, bei Hausaufgaben und Klassenarbeiten zu schummeln: Ganze 70 Prozent stimmen dieser Aussage mehr oder weniger zu, 28 Prozent der Eltern sogar sehr. Nur insgesamt 19 Prozent nehmen darin kaum ein oder gar kein Problem wahr. Insofern ist mit diesen Einschätzungen für Eltern die Frage naheliegend, wie Leistungen von Schülerinnen und Schülern zukünftig überprüft und bewertet werden können, wenn KI beim Lernen an Schulen stärker zum Einsatz kommt.
Insgesamt wird deutlich, dass Eltern – Anfang 2024 – die Möglichkeiten zur Nutzung von KI im Schulunterricht sehr ambivalent einschätzen. Während sie durchaus deren Potenziale für die Bereicherung und Modernisierung des Unterrichts erkennen, – ja, die Anwendung von KI sogar für die Hälfte der Befragten zu einer zukunftsfähigen Schule dazugehört – , überwiegen unter Eltern die Bedenken, wie sich deren Einsatz auf den Unterricht selbst, das Lernverhalten von Schülerinnen und Schülern und die Überprüfbarkeit von schulischen Leistungen der Kinder auswirken wird. Ähnliche Fragen über die Zukunft des Lernens unter Einsatz von KI teilen auch Jugendliche und junge Erwachsene (siehe Grafik: "