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Zivilgesellschaft – stille Säule der Bildung in Deutschland | Bildung | bpb.de

Bildung Editorial Was ist Bildung? Bildung - Begriffsbestimmungen Nachgefragt: Was ist für Sie Bildung? Bildungsideale Alltagsbildung Bildung im Wandel Geschichte des Bildungssystems Ins System kommt Bewegung Demografischer Wandel Wissensgesellschaft Akteure der Bildungspolitik Staat als Akteur Kirchen und Religionsgemeinschaften Schüler, Studierende und Eltern Politische Parteien Unternehmerverbände, Lobbyorganisationen und Think-Tanks Bildungsverbände und Gewerkschaften Wissenschaft und Forschung Teilhabe durch Bildung Teilhabe durch Bildung Menschenrecht Bildung als Überlebensinstrument Forschungsüberblick Bildungsungleichheiten Was sind soziale Bildungsungleichheiten? 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Bewegung und Entwicklung Bewegung an Schulen: Wie Bewegung den Lernprozess unterstützt Digitalisierung und Bildung Bildung und soziale Ungleichheit Editorial zur Einführung Forschungsstand Digitale Spaltung Migration, Bildung und Ungleichheit Was sind soziale Bildungsungleichheiten? Ungleichheiten in den Bildungsbereichen Ursachen von Bildungsungleichheiten Stimmt's? Jungs sind an Schulen benachteiligt Geschlechterungleichheiten Stimmt's? Jungs sind in MINT-Fächern von Natur aus besser Behinderung & Bildungsungleichheit Sonderpädagogische Förderung in Deutschland Ethnische Bildungsungleichheiten Bundesländerungleichheiten Bildstrecke: Andere Bundesländer – andere Aussichten Hörtipp: Wie Schulerfolg von den Lehrkräften abhängt Lehrkräfte & Bildungsungleichheit Eltern & Bildungsungleichheit Zugangsbarrieren in der frühkindlichen Bildung Schule & Bildungsungleichheit Berufsbildung & Bildungsungleichheit Infografik: Soziale Herkunft & die Chance auf ein Studium Bildungsaufstieg Hörtipp: Podcast Three Miles Infografik: PISA 2018: Hohe Schulleistungen und Chancengleichheit kein Zielkonflikt Ende der Aufstiegsgesellschaft? 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Herausforderungen für Schule und Bildungspolitik in Deutschland Bildung, Interesse, Bildungsinteresse - Essay Bildungsgerechtigkeit - Essay Gleichheit als normatives Prinzip Schule & Bildungsungleichheit Was tun? Interview: Schule ist keine Verwahranstalt Ansätze zur Verminderung von Bildungsungleichheiten Welche Reformen für Kita und Schule befürworten Erwachsene? Chancengerechtigkeit durch Kita? "Wer kann, schickt seine Kinder auf eine bessere Schule" Brennpunktschule - ein Praxisbericht Eltern & Bildungsungleichheit Hörtipp: Gerechte Schulen Hörtipp: Baustelle Bildung Forschung Übergangsbereich Bildungsberatung Zwischenruf Für eine kluge Ungleichbehandlung Soziale Auslese und Bildungsreform Bildung und Herkunft Pro & Contra: Digitale Nachhilfe auf Knopfdruck Podcasts & Videos Hörtipp: Podcast Three Miles Hörtipp: Wie Schulerfolg von den Lehrkräften abhängt Hörtipp: Baustelle Bildung Hörtipp: Gerechte Schulen Hörtipp: Gene oder Bildung – Was bestimmt den Lebensweg? Grafiken: Bildungsungleichheit Karte: Klassenwiederholer:innen an allgemeinbildenden Schulen Infografik: Herkunft gleich Zukunft? Infografik: Soziale Herkunft & die Chance auf ein Studium Infografik: Wie gut können Neuntklässler:innen Mathe? Infografik: Wie gut können Grundschüler:innen Mathe? Infografik: Wie gut können Grundschüler:innen Lesen? Infografik: Wie gut können Schüler:innen am Gymnasium Mathe? Welche Reformen für Kita und Schule befürworten Erwachsene? Sonderpädagogische Förderung in Deutschland Infografik: PISA 2018: Hohe Schulleistungen und Chancengleichheit kein Zielkonflikt Infografik: Welcher Anteil aller Schüler:innen lernt an einer Förderschule? Armut und Grundschulen Infografik: Förderung durch Eltern Infografik: Leistungsniveau und Chancengleichheit Hörtipp: Gene oder Bildung – Was bestimmt den Lebensweg? Bewegung und Entwicklung Demokratie und Bildung Die ungleiche Bürgergesellschaft Video: Die soziale Frage der Demokratie Demokratie lernen Demokraten fallen nicht vom Himmel! 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Sonderpädagogische Förderung in Deutschland Infografik: Welcher Anteil aller Schüler:innen lernt an einer Förderschule? Bildungsmonitoring Bessere Schulen mit Hilfe von Daten? PISA & Co. – eine kritische Bilanz Video: Die Studie Abiturnoten Infografik: PISA 2022: Mathe-Kompetenzen sinken Infografik: Leistungsniveau und Chancengleichheit Infografik: PISA 2018: Hohe Schulleistungen und Chancengleichheit kein Zielkonflikt Infografik: Wie gut können Grundschüler:innen Mathe? Infografik: Wie gut können Grundschüler:innen Lesen? Infografik: Wie gut können Neuntklässler:innen Mathe? Infografik: Wie gut können Schüler:innen am Gymnasium Mathe? Ungleichheiten Bundesländerungleichheiten Bildungsungleichheiten - mögliche Ursachen Lehrkräfte & Bildungsungleichheit Schule & Bildungsungleichheit Brennpunktschule - ein Praxisbericht Infografik: Herkunft gleich Zukunft? "Wer kann, schickt seine Kinder auf eine bessere Schule" Geschichte Geschichte der allgemeinen Schulpflicht Schulgeschichte bis 1945 Kampf um die Schulstruktur Demokratisierung der Schulkultur Infografiken: Welche Schulen besuchten Achtklässler:innen in Deutschland, 1960-2012? Infografik: Welche Abschlüsse erreichten Schüler früher und heute? Datenreport 2021: Allgemeinbildende und berufliche Schulen Infografiken: Schule Infografik: 16 Bundesländer - 16 Schulsysteme Infografik: Welcher Anteil des Jahrgangs macht Abitur? Infografik: Verteilung der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf die Förderschwerpunkte (2013/14) Infografiken: Welche Schulen besuchten Achtklässler:innen in Deutschland, 1960-2012? Infografik: Welche Abschlüsse erreichten Schüler früher und heute? Infografiken: Welcher Anteil der jungen Erwachsenen je Bundesland erlangte das (Fach-)Abitur? (1995-2008) Grafik: Wie verbreitet sind Privatschulen und wer betreibt sie? Kleine Klassen - besseres Lernen? Hörtipp: Wie Schulerfolg von den Lehrkräften abhängt Lehrkräftemangel Migration und Bildung Bewegung an Schulen: Wie Bewegung den Lernprozess unterstützt „Warum fällt es so schwer, Schulen vielfältiger zu machen?" Zivilgesellschaft – stille Säule der Bildung in Deutschland Berufliche Bildung Berufsbildungsgesetz Berufsbildungsgesetz Zeitleiste: Berufsbildungsgesetz Duale & schulische Berufsausbildung Datenreport: Duale Ausbildung Duale Berufsausbildung Schulische Ausbildung Qualität dualer Ausbildung Dual und schulisch im Vergleich Bildungs-Schisma Ausbildungschancen Übergangsbereich Forschung Übergangsbereich Teilhabe durch Ausbildung Ausbildungschancen von Hauptschülern Interview: Geflüchtete Ausbildungsreife Berufswahl Interview: Berufsorientierung Berufswahl und Geschlecht Podcast: Berufswahl Grafiken zur Beruflichen Bildung Interaktive Grafik: Ausbildung, Übergangsbereich oder Studium? Interaktive Grafik: Bildungswege nach der Schule Infografik: Schulabschlüsse von Berufsanfänger/innern Infografik: Anteil der 25-34-Jährigen ohne Berufsabschluss Grafik: Berufsbildung für Jugendliche mit max. mittlerem Abschluss Grafik: Übergangsbereich oder Berufsausbildung? Interaktive Grafik: Schützt Bildung vor Arbeitslosigkeit? Interaktive Grafik: Arbeitslosigkeitrisiko Infografik: Wie hat sich die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt entwickelt? Infografik: Bildungschancen verschiedener sozialer Klassen Infografik: Wie unterscheidet sich die Ausbildungsteilhabe zwischen jungen Menschen deutscher und nicht-deutscher Herkunft? Interview: Geflüchtete Hochschule Studiengebühren? Bildungsaufstieg Interview: Powerpoint Qualitätspakt Lehre Hochschulen im Wettbewerb Hochschulen in Deutschland Grafiken zu Hochschule Infografik: Wie das Elternhaus den Bildungsweg prägt Interaktive Grafik: Nutzen eines Hochschulstudiums Interaktive Grafik: Entscheidung für das Studienfach Infografik: Wie sicher war die Entscheidung für ein Studium? Interaktive Grafik: Was haben Studierende aus ihrem bisherigen Studium mitgenommen? Grafik: Für wen stand ein Studium von vornherein fest? Infografik: Das monatliche Budget von Studierenden Infografiken: Welcher Anteil der jungen Erwachsenen je Bundesland erlangte das (Fach-)Abitur? (1995-2008) Infografik: Wachsender Studentenberg – Entwicklung der Studierendenzahlen in Deutschland Interaktive Grafik: Beliebte Studienfächer Bildung zwischen Markt und Staat Extraklasse Stiftungen Privatschulen Nachhilfe Studiengebühren Hochschulrankings Drittmittel aus der Wirtschaft Interview: Bildungsökonomie Volkswirtschaft und Bildung Grafik: Wie verbreitet sind Privatschulen und wer betreibt sie? Geschichte des Bildungssystems Bildungsgeschichte im Überblick Überblick Geschichte des Bildungssystems Strategien für Chancengleichheit Entwicklung der Bildungsbereiche Frühkindliche Bildung Zeitleiste der frühkindlichen Bildung Schulgeschichte bis 1945 Schulgeschichte nach 1945 Abitur im Wandel Kampf um die Schulstruktur Demokratisierung der Schulkultur Strategien für Chancengleichheit Lebenslanges Lernen Bildungsexpansion Folgen der Bildungsexpansion Bildung, Erziehung und Lernen Helene Lange Bildung in der DDR Wie der sozialistische Staat die Bildungseinrichtungen prägte Von der Krippe bis zur Hochschule – das Bildungssystem der DDR Literatur Bildung weltweit Stimmt's – Faktencheck Daten & Infografiken Grafiken: Soziale Rahmenbedingungen Grafiken: Frühkindliche Bildung Infografik: Kita-Besuch Kinder unter 3 Jahre Kita-Besuch Kinder > 3 Jahre Bildungsbeteiligung Kinder < 3 Jahre Infografik: Betreuungsbedarf nach Bundesländern Infografik: Bildungsbeteiligung Kinder > 3 Jahre Infografik: Kitanutzung Infografik: Bildungsbeteiligung Kinder < 3 Jahre Migrationshintergrund Infografik: Kitabetreuung OECD-Länder Infografik: Betreuungsverhältnisse in der Krippe Infografik: Personalschlüssel Kita Infografik: Ausgaben OECD Infografik: Betreuungskosten OECD Grafiken: Schule Infografik: Schulabschlüsse in Deutschland Inwieweit glauben junge Menschen an gleiche Bildungschancen? Gute Bildung – wovon hängt sie ab? Das denken junge Leute Infografik: PISA 2022: Mathe-Kompetenzen sinken Grafiken: Berufsbildung Interaktive Grafik: Ausbildung, Übergangsbereich oder Studium? Infografik: Schulabschlüsse von Berufsanfänger/innern Infografik: Anteil der 25-34-Jährigen ohne Berufsabschluss Grafik: Berufsbildung für Jugendliche mit max. mittlerem Abschluss Grafik: Übergangsbereich oder Berufsausbildung? Infografik: Bildungschancen verschiedener sozialer Klassen Infografik: Wie unterscheidet sich die Ausbildungsteilhabe zwischen jungen Menschen deutscher und nicht-deutscher Herkunft? Infografik: Wie hat sich die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt entwickelt? Grafiken: Hochschule Infografiken: Welcher Anteil der jungen Erwachsenen je Bundesland erlangte das (Fach-)Abitur? (1995-2008) Infografik: Wachsender Studentenberg – Entwicklung der Studierendenzahlen in Deutschland Interaktive Grafik: Beliebte Studienfächer Infografik: Wie sicher war die Entscheidung für ein Studium? Interaktive Grafik: Nutzen eines Hochschulstudiums Interaktive Grafik: Entscheidung für das Studienfach Interaktive Grafik: Was haben Studierende aus ihrem bisherigen Studium mitgenommen? Infografik: Wie das Elternhaus den Bildungsweg prägt Infografik: Das monatliche Budget von Studierenden Grafiken: Private Bildung Infografik: Wie verbreitet sind Privatschulen und wer betreibt sie? Infografik: Bildungseinrichtungen in privater Trägerschaft Infografik: Entwicklung öffentlicher und privater Bildungsangebote Infografik: Anzahl der Privatschulen in Deutschland, 1992-2012 Infografik: Anzahl der Privatschulen in Deutschland nach Schularten, 1992 - 2012 Infografik: Anteil der Privatschülerinnen und -schüler an der Schülerschaft in Deutschland, 1992-2012 Infografik: Wer nimmt Nachhilfeunterricht in Anspruch? Infografik: Wieviel wird jährlich für Nachhilfe je Schüler:in ausgegeben? Grafiken: Bildungsungleichheit Karte: Klassenwiederholer:innen an allgemeinbildenden Schulen Infografik: Herkunft gleich Zukunft? Infografik: Soziale Herkunft & die Chance auf ein Studium Infografik: Wie gut können Neuntklässler:innen Mathe? Infografik: Wie gut können Grundschüler:innen Mathe? Infografik: Wie gut können Grundschüler:innen Lesen? Infografik: Wie gut können Schüler:innen am Gymnasium Mathe? Welche Reformen für Kita und Schule befürworten Erwachsene? Sonderpädagogische Förderung in Deutschland Infografik: PISA 2018: Hohe Schulleistungen und Chancengleichheit kein Zielkonflikt Infografik: Welcher Anteil aller Schüler:innen lernt an einer Förderschule? Armut und Grundschulen Infografik: Förderung durch Eltern Infografik: Leistungsniveau und Chancengleichheit Grafiken: Erträge von Bildung Infografik: Bildungsleistungen und langfristiges Wirtschaftswachstum (1960-2000) Infografik: Entwicklung der Arbeitslosenquote je nach Bildungsstand (1975-2011) Infografik: Erwerbsstatus von Erwachsenen mit geringen Lese- und Schreibfähigkeiten (2010) Infografik: Durchschnittliches Brutto-Einkommen von Frauen und Männern je nach Bildungsabschluss (2010) Infografik: Politisches Interesse je nach Schulabschluss (2010) Infografik: Wie beeinflussten Alter und Bildungsabschluss die Teilnahme an der Bundestagswahl 2009? Infografik: Welchen Einfluss hat der Schulabschluss auf die Teilnahme an politischen Aktivitäten? (2008) Infografik: Wie beeinflusst der Schulabschluss die Mitgliedschaft in Vereinen und Organisationen? (2010) Interaktive Grafik: Schützt Bildung vor Arbeitslosigkeit? Interaktive Grafik: Arbeitslosigkeitrisiko Grafiken: Umfragen zu Bildung & Politik Glossar Redaktion

Zivilgesellschaft – stille Säule der Bildung in Deutschland

Jana Priemer

/ 11 Minuten zu lesen

Zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger schaffen als Ehrenamtliche vielfältige Möglichkeiten und Räume zum Lernen – etwa in Museen, Sportvereinen, Akademien, Kultur- oder Jugendeinrichtungen. Sie vermitteln Wissen und Werte, fördern Kompetenzen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung und Integration. Zugleich schaffen sie zusätzliche Angebote in der öffentlichen Schulbildung und setzen neue Impulse in den Schulalltag. Das Engagement der Zivilgesellschaft ist aus der Bildungslandschaft in Deutschland nicht wegzudenken – und doch oft viel zu wenig sichtbar. Damit sich dessen Potenzial künftig besser entfalten kann, ist ein Umdenken in der politischen Steuerung unerlässlich.

Jugendtraining der Stuttgart Reds Baseball. Bildungsorte, wie z. B. Sportvereine, werden zunehmend auch als Räume der Persönlichkeitsentwicklung verstanden. (© picture-alliance, Pressefoto Baumann | Alexander Keppler)

Lebenslange Bildung für alle – nicht allein Sache des Staates

In Zeiten tiefgreifender Umbrüche, Polarisierungen und immer neuer Krisen braucht eine Gesellschaft ein Bildungswesen, das Orientierung gibt, Handlungsfähigkeiten und Teilhabe stärkt, Resilienz fördert und Menschen dazu befähigt, Wandel aktiv zu gestalten. Von solch einem Bildungssystem scheinen wir jedoch weit entfernt, denn seit über zwei Jahrzehnten wird die Bildungsdebatte in Deutschland von Krisenmeldungen dominiert. Vor allem das öffentliche Schulsystem steht dabei in der Kritik. Nationale und internationale Studien wie PISA, IGLU und IQB-Bildungstrend zeigen seit Jahren sinkende Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen (siehe Grafiken: Interner Link: IQB-Bildungstrend: Lesen, Interner Link: PISA: Mathematik). Die Werte haben inzwischen einen historischen Tiefstand erreicht. Besonders gravierend ist dabei zudem der große Einfluss der sozialen Herkunft: In kaum einem anderen OECD-Land hängt der Bildungserfolg so stark von den sozialen Bedingungen des Elternhauses ab wie in Deutschland. Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien schneiden deutlich schlechter ab als jene aus entsprechend privilegierten Haushalten. Ein Migrationshintergrund gilt als zusätzlicher Risikofaktor, selbst bei vergleichbarer sozialer Lage. Die Folgen sind weitreichend: 2024 verließen rund 62.000 Jugendliche (7,9 Prozent) die Schule ohne Abschluss (Destatis 2025). Diese Jugendlichen haben geringe Chancen auf einen erfolgreichen Berufseinstieg und sind stärker von Arbeitslosigkeit bedroht. Zugleich fehlen sie auf dem Arbeitsmarkt, der unter Fachkräftemangel leidet – mit langfristigen Belastungen für Wirtschaft und Sozialsysteme.

Solche Befunde richten den Fokus der gesellschaftspolitischen Debatte meist auf das öffentliche Bildungssystem, insbesondere auf Schulen, die seit Jahren unter akutem Lehr- und Fachkräftemangel leiden. Stundenausfälle, verdichteter Unterricht, unzureichend qualifiziertes Personal und eine nur mangelhaft umgesetzte Digitalisierung – mit Defiziten in Ausstattung und Didaktik – prägen die Diskussion über Auswege aus der Bildungskrise. Dabei wird oft übersehen, dass Bildung nicht allein an den staatlichen Institutionen Kita, Schule und Universität stattfindet und nicht ausschließlich vom Staat verantwortet wird. Lernen und Kompetenzerwerb finden maßgeblich auch an außerschulischen Bildungsorten statt, die häufig von zivilgesellschaftlichen Initiativen, Organisationen und engagierten Einzelpersonen gefördert und getragen werden.

Alle lernen – von jung bis alt

Bildung ist nach aktuellem Verständnis der Bildungswissenschaft ein über die gesamte Lebensspanne fortlaufender Prozess, in dem Menschen die Fähigkeiten entwickeln, zu lernen, ihre Potenziale zu entfalten, selbstbestimmt zu handeln, Probleme zu lösen und tragfähige Beziehungen zu ihren Mitmenschen zu gestalten. Solche Bildungsprozesse finden in allen Lebensbereichen statt, also auch in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Freizeit sowie über Medien und in digitalen Räumen. Diese Sichtweise spiegelt sich in Konzepten der non-formalem und informellen Bildung wider (siehe Beitrag: Interner Link: Bildung ist mehr als Schule – Alltagsbildung).

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene lernen nicht nur in der Schule und in ihren Ausbildungsstätten, sondern auch an außerschulischen Bildungsorten etwa in Jugendeinrichtungen wie Jugendclubs und Jugendverbände, ebenso wie in ihren Vereinen – seien es Sport-, Kultur- oder Umweltvereine – und im Rahmen ihres freiwilligen Engagements. Solche Bildungsorte vermitteln dabei nicht nur fachliche Fertigkeiten, etwa beim Erlernen eines Musikinstruments, sondern werden zunehmend als Räume der Persönlichkeitsentwicklung verstanden. Im Mittelpunkt stehen dabei personale Kompetenzen wie Verantwortungsbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstdisziplin sowie soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Toleranz und Respekt. Diese Fähigkeiten sind nicht nur für die persönliche Entwicklung wichtig, sondern bilden auch das Fundament demokratischen Handelns.

Auch Erwachsene lernen stetig dazu. Lebenslanges Lernen – oftmals in außerschulischen Kontexten – ist neben der schulischen Bildung eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren moderner wissensbasierter und digitalisierter Gesellschaften. Es soll dazu beitragen, die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Bürger und Bürgerinnen zu erhalten und zugleich ihre soziale Teilhabe und persönliche Zufriedenheit zu sichern. Durch Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz verändern sich die Anforderungen sowohl am Arbeitsplatz als auch im eigenen sozialen Umfeld in einem immer schnelleren Tempo. Menschen müssen fortlaufend lernen, neue Technologien zu verstehen und sinnvoll zu nutzen und bilden sich etwa im beruflichen Kontext weiter. Die meisten beruflichen Weiterbildungen werden zwar von betrieblichen Anbietern bereitgestellt. Doch besonders bei Weiterbildungen außerhalb betrieblicher Strukturen spielt die Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle. Hier zählen vor allem Wohlfahrtsverbände, Vereine, Gewerkschaften und andere nicht-kommerzielle Einrichtungen zu den zentralen Anbietern (Adult Education Survey 2022). Darüber hinaus nutzen viele Erwachsene auch andere lebensbezogene und freizeitorientierte Bildungsangebote, die wesentlich von zivilgesellschaftlichen Akteuren getragen werden. Zum Beispiel Museen und Ausstellungen wurden 2022 mehr als 86 Millionen Mal besucht (Museumsstatistik 2024). Allein jedes dritte Museum wird von einem Kunstverein oder einer anderen zivilgesellschaftlichen Organisation getragen und viele von der öffentlichen Hand getragene Museen durch Förderverein und Ehrenamtliche begleitet und unterstützt (Institut für Museumsforschung 2024).

Auch jenseits von Schule und Beruf beschäftigen sich junge wie auch erwachsene Menschen mit vielfältigen weiteren Themen wie Politik und Demokratie, Umwelt und nachhaltige Entwicklung, Mediennutzung und Gesundheit. Dabei erweitern und verändern sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen, indem sie etwa Kultur- und Umweltvereine, Ausstellungen, Akademien oder Jugend- und sozio-kulturelle Zentren besuchen. Den meisten Menschen ist jedoch nicht bewusst, dass es sich hierbei oftmals um Einrichtungen und Institutionen der Zivilgesellschaft handelt – also um Organisationen, die weder staatlich organisiert noch kommerziell begründet sind.

Was haben Zivilgesellschaft und Bildung miteinander zu tun?

Die Rolle der Zivilgesellschaft als Ermöglicherin und Anbieterin von Bildung wird in Öffentlichkeit und Politik bislang nur unzureichend wahrgenommen. Bildung und Lernen werden nach wie vor überwiegend mit Schule und anderen Institutionen formaler Bildung assoziiert. Informelle und non-formale Bildungsprozesse entziehen sich zudem häufig den etablierten Formen der Leistungsmessung und Sichtbarmachung, wie sie etwa für schulische Kompetenzen üblich sind. Entsprechend erscheinen ihre Wirkungen seltener als gesellschaftlich relevante „Leistungen“ im öffentlichen Bewusstsein. Hinzu kommt, dass auch unter den zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren selbst das Bewusstsein für die eigene Rolle und den Beitrag, den sie für die Bildung anderer Menschen leisten, teils nur schwach ausgeprägt ist.

Zivilgesellschaft als Bildungsanbieterin

Mit Zivilgesellschaft – oder zivilgesellschaftlichen Akteuren – sind nicht nur mehr als 615.000 eingetragene Vereine (e.V.), fast 25.000 Stiftungen sowie rund 15.000 gemeinnützige Kapitalgesellschaften wie GmbHs (ZiviZ-Survey 2023) gemeint, sondern auch zahllose Gruppen und Initiativen ohne Rechtsform und knapp 27 Millionen Menschen, die sich in Deutschland freiwillig engagieren (Freiwilligensurvey 2025).

Jeder zweite Verein in Deutschland (53 Prozent) bietet konkrete Lern- und Bildungsangebote an – weshalb sie auch als zivilgesellschaftliche Bildungsorganisationen gesehen werden können. Ein Großteil dieser Vereine wurde erst nach 1990 gegründet, mehr als die Hälfte von ihnen nach dem Jahr 2001, das nach den für Deutschland ernüchternden Ergebnissen der PISA-Studie als Wendepunkt für die Bildungspolitik und als Beginn eines verstärkten Engagements der Zivilgesellschaft in Sachen Bildung gelten kann (vgl. Priemer/ Rößler-Prokhorenko/ Hutter 2025). Vereine sind dabei hauptsächlich in Themenfeldern rund um Sport und Bewegung, kulturelle Bildung, Umweltbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, politischen Bildung sowie in der Medienbildung aktiv (siehe Grafik).

Dafür organisieren sie zum Beispiel Veranstaltungsformate wie Workshops, Seminare, Kurse, Trainings, Tagungen, Konferenzen, Vorträge oder Bildungsreisen. Für Kinder bieten sie altersgemäße Betreuungs- und Bildungsangebote wie etwa musikalische Früherziehung und Bewegung, Ferienfreizeiten, MINT- oder Leseförderung an. Jugendliche und junge Erwachsene erhalten Beratung und Unterstützung, etwa beim Lernen, beim Übergang in Studium oder Berufsausbildung und nicht zuletzt bei der Vermittlung in den Arbeitsmarkt. Besonders jungen Menschen mit schwierigen Startbedingungen – etwa aufgrund der sozialen Herkunft, eines Migrationshintergrundes oder eines fehlenden Schulabschlusses – können solche Angebote den Berufseinstieg erleichtern, zum Beispiel durch Informationsangebote zur Berufsorientierung, individuelles Einzelcoaching oder längeres Mentoring.

Darüber hinaus erreichen zivilgesellschaftlich getragene Organisationen weitere Zielgruppen, die etwa nicht (oder nicht mehr) dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Denn viele öffentliche Bildungsangebote werden im Rahmen der schulischen oder beruflichen Aus- und Weiterbildung erbracht. Träger allgemeiner Weiterbildungsangebote, die nicht in einem beruflichen Kontext stehen, sind meist freie Träger – wie Vereine oder gemeinnützige GmbHs. Für hochbetagte Menschen sind die Bildungsangebote der Vereine, wie etwa Computerkurse für Seniorinnen und Senioren, eine wichtige Quelle für gesellschaftliche Teilhabe. 42 Prozent der Organisationen mit Bildungsbezug adressieren grundsätzlich alle Altersgruppen. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe zivilgesellschaftlicher Akteure, die Wissen und Informationen als Basis für die individuelle Wissensaneignung aufbereiten, etwa durch Online-Angebote, Ausstellungen, Infoflyer, Infotafeln, Archive oder Gedenkstätten.

Wie viele Menschen engagieren sich in der Bildung?

Dabei sind die meisten Vereine auf ehrenamtliches Engagement angewiesen, das heißt auf Menschen, die einen Teil ihrer freien Zeit außerhalb von Schule und Arbeit freiwillig, unentgeltlich und gemeinwohlorientiert für Bildung und Weiterentwicklung anderer Menschen einsetzen. Gut 19 Millionen freiwillig Engagierte machen in Deutschland konkrete Bildungsangebote, und zwei von drei Bildungsorganisationen arbeiten ausschließlich mit Ehrenamtlichen (Datenreport Zivilgesellschaft und Bildung 2024).

Zivilgesellschaftliche Bildungsangebote decken also ein breites Spektrum gesellschaftlicher Bedarfe ab und helfen dabei auch, Lücken im öffentlichen Bildungssystem zu schließen. Sie richten sich grundsätzlich an Menschen jeden Alters und können ebenso niedrigschwellig Zielgruppen mit spezifischen Bedarfen – etwa Kinder mit Lernschwächen, Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten oder besonders begabte Menschen – mit speziellen Angeboten unterstützen. Sie schaffen dafür gegenüber öffentlichen Bildungsinstitutionen eigene Bildungsräume, mit denen sie lokal, niedrigschwellig und flexibel auf Bedarfe reagieren können. Nicht zuletzt in wirtschaftsschwachen oder ländlichen Regionen, wo andere öffentliche oder kommerzielle Bildungsangebote nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen und eine überalterte Bevölkerung überwiegt, sind sie eine wichtige Voraussetzung für die soziale Integration und Teilhabe.

Insgesamt können sie einen wichtigen Beitrag für eine pluralistische Gesellschaft leisten, indem sie Chancengleichheit fördern, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe für vielfältige Gruppen aller Generationen ermöglichen und Erfahrungsräume für gemeinschaftliches Handeln eröffnen.

Zivilgesellschaftliche Akteure als Partner von Schulen

Zivilgesellschaftliches Engagement spielt inzwischen auch an Schulen eine wichtigere Rolle. Es ergänzt und unterstützt die regulären Bildungsangebote des staatlichen Systems. Hausaufgabenpaten und Leselernhelferinnen fördern Kinder gezielt beim Lernen. Vereine bieten darüber hinaus ergänzende Angebote an Ganztagsschulen an – etwa in den Bereichen Sport, Musik, Theater bis hin zu Programmieren und Experimentieren.

Dies ist möglich, weil Bildung heute nicht mehr ausschließlich als staatliche Aufgabe innerhalb formaler Institutionen verstanden wird. Vielmehr zeichnet sich seit einigen Jahren ein Paradigmenwechsel in der Bildungssteuerung ab: Schulen öffnen sich zunehmend in den Sozialraum, vernetzen sich stärker mit Akteurinnen und Akteuren vor Ort und entwickeln Kooperationen innerhalb sogenannter kommunaler Bildungslandschaften. Konzepte wie die sozialraumorientierte Schulentwicklung oder kommunale Bildungslandschaften stehen exemplarisch für ein erweitertes Bildungsverständnis, das Lernen nicht allein im Unterricht verortet, sondern als gemeinsame Aufgabe unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure begreift.

Mit dieser Entwicklung verändert sich auch die Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen. Sie treten nicht mehr nur ergänzend neben Schule auf, sondern werden zunehmend als Bildungspartnerinnen in einer Ko-Produktion von Bildung adressiert. Zivilgesellschaftliche Organisationen bringen dabei spezifische Kompetenzen, Zugänge und Erfahrungsräume ein, etwa durch lebensweltnahe, partizipative oder demokratiebildende Angebote. Gleichzeitig entsteht daraus ein Spannungsfeld im Verhältnis zwischen Staat und Zivilgesellschaft: Einerseits eröffnen Kooperationen neue Gestaltungsmöglichkeiten und Reichweiten, andererseits können Förderlogiken, Projektorientierung oder institutionelle Erwartungen die Unabhängigkeit zivilgesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure unter Druck setzen (Priemer 2025). Damit Zivilgesellschaft ihre Rolle in Bildungslandschaften wirksam wahrnehmen und zugleich eigenständig bleiben kann, bedarf es daher verlässlicher Rahmenbedingungen, langfristiger Förderstrukturen und einer partnerschaftlichen Anerkennung ihrer spezifischen Arbeitsweisen.

Wie vielfältig die zivilgesellschaftlichen Akteure und ihre Beiträge an Schulen sind, ist in Forschung und Öffentlichkeit bislang kaum bekannt. In der öffentlichen Wahrnehmung stehen oft große Stiftungen oder Wohlfahrtsverbände im Vordergrund, die sich ebenso wie Sportvereine sowie Kunst- und Kulturvereine zu wichtigen Partnern von Ganztagsschulen entwickelt haben (SteG-Konsortium 2019). Dabei wird übersehen, dass häufig auch kleinere Organisationen und einzelne Engagierte Schulen in der Fläche unterstützen. So wird fast jede öffentliche Schule heute von einem Schulförderverein begleitet, der als gemeinnützige Organisation oftmals ehrenamtlich von Eltern, Lehrkräften, ehemaligen Schülerinnen und Schülern oder anderen Engagierten gegründet und betrieben wird. Während Schulfördervereine in den 1990er Jahren vor allem zusätzliche finanzielle Mittel sammelten und verwalteten, übernehmen sie inzwischen deutlich mehr Aufgaben: Sie sind etwa Träger von Schulbibliotheken, Schulgärten und Schulcafés und bieten Bildungsangebote wie Sprach- und Leseförderung, Medienbildung und politische Bildung an, teilweise übernehmen sie die Trägerschaft für Ganztagsangebote und stellen schulunterstützendes Personal. Auch ehrenamtliche Lern-, Lese- und Hausaufgabenpaten oder Mediatorinnen sind inzwischen fester Bestandteil vieler öffentlicher Schulen, vor allem an Grundschulen, um Bildungserfolge insbesondere von benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu verbessern und Bildungsungleichheiten abzubauen. Allein unter dem Dach von MENTOR – Die Leselernhelfer e.V. sind Lesementoren bundesweit an etwa 750 Standorten aktiv, und Seniorpartner in School entsendet 2024 ehrenamtliche Schulmediatorinnen an mehr als 426 Schulen.

Diese Entwicklungen verweisen auf einen wachsenden Bereich zivilgesellschaftlichen Bildungsengagements, der zugleich gesellschaftliche Transformationsprozesse widerspiegelt. Insbesondere die aktive Einbindung der zunehmend großen Gruppe älterer Menschen eröffnet neue Potenziale für Bildung, Teilhabe und generationenübergreifendes Lernen. Gleichzeitig zeigt sich darin ein Wandel der Engagementkultur: Neben langfristigen Vereinsbindungen gewinnen zeitlich begrenzte, projektbezogene und anlassorientierte Formen individuellen Engagements im Bildungsbereich zunehmend an Bedeutung.

Das Wissen über zivilgesellschaftliche Akteure und Aktivitäten an Schulen ist nach wie vor begrenzt. Es fehlt dafür bisher an wissenschaftlichen Daten. Wie flächendeckend solche Angebote verbreitet sind und inwiefern alle Kinder und Jugendlichen gleichermaßen an hochwertigen Angeboten teilhaben können, sind nur zwei von vielen offenen Fragen. Angesichts der zunehmenden Vielfalt und Reichweite zivilgesellschaftlicher Bildungsangebote bleibt es daher eine zentrale Aufgabe, ihre Verbreitung und Wirkung systematisch wissenschaftlich zu erfassen, ihre Erträge und Potenziale sichtbar zu machen und sicherzustellen, dass alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen davon profitieren.

Potenziale nutzen, Qualität sichern, Zivilgesellschaft berücksichtigen

In aktuellen bildungspolitischen und fachlichen Debatten wird die Auffassung vertreten, dass sich das öffentliche Bildungssystem unter Einbezug zivilgesellschaftlicher Beiträge besser zu einem krisenfesten Schulsystem weiterentwickeln kann, das mehr Kindern und Jugendlichen faire Bildungschancen eröffnet. Die neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft – also öffentlichem Bildungssystem und gemeinnützigen Organisationen, ehrenamtlich Tätigen und Initiativen – führen jedoch auch zu neuen Spannungsfeldern, denn zivilgesellschaftliche Akteure handeln unter gänzlich anderen Bedingungen als öffentliche Bildungseinrichtungen wie etwa Schulen.

Was brauchen Bildungsengagierte? Herausforderungen und Rahmenbedingungen

Insbesondere das freiwillige Engagement spielt dabei eine wesentliche Rolle, da die meisten Bildungsangebote der Zivilgesellschaft ohne den Einsatz Ehrenamtlicher kaum möglich wären. Damit Menschen – in der Regel nach einem Arbeitsalltag – ihre Freizeit für Bildungsarbeit, Beratung oder Unterstützung aufbringen können und wollen, müssen die Rahmenbedingungen dafür stimmen. Wertschätzung und Respekt sind eine wesentliche Voraussetzung für ein erfüllendes und damit langfristiges Engagement. Dazu gehören nicht nur Anerkennung und Wertschätzung, sondern auch verlässliche strukturelle Voraussetzungen: etwa funktionierende Koordination und Kommunikation zwischen Schulen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, ausreichende Zeitfenster im Schulalltag sowie die Bereitstellung geeigneter Räume und Ansprechpersonen.

Gerade im Kontext des Ganztags zeigen sich dabei Spannungsfelder zwischen der Eigenlogik zivilgesellschaftlicher Organisationen und ihrer Rolle als Kooperations- oder Dienstleistungspartner. Während Schulen auf außerschulische Angebote angewiesen sind, um Ganztagsstrukturen auszugestalten, stehen Vereine und Initiativen zugleich unter Druck, sich organisatorisch und zeitlich an schulische Anforderungen anzupassen. Insbesondere kleinere Vereine stoßen dabei häufig an Grenzen, etwa wenn bürokratische Anforderungen, Kooperationsvereinbarungen oder Fragen der Finanzierung und Haftung bewältigt werden müssen. Wertschätzung und Respekt sind daher nicht nur eine Frage individueller Haltung, sondern Ausdruck institutioneller Rahmenbedingungen, die langfristiges und wirksames Engagement überhaupt erst ermöglichen (Priemer 2025).

Eine wirksame Bildungssteuerung muss daher auf allen Ebenen, insbesondere aber auf kommunaler Ebene, die besonderen Bedürfnisse und spezifischen Bedingungen zivilgesellschaftlicher Akteure berücksichtigen. Nur so lassen sich deren eigenständige Potenziale für Bildung im weiteren Sinne optimal nutzen, ohne sie in Zeiten von Finanz- und Lehrkräftemangel als bloße Lückenfüller einzusetzen. Kooperationen sind langfristig nur dann tragfähig, wenn die Zusammenarbeit für beide Seiten gewinnbringend und zufriedenstellend ist und die Qualität der Bildungsangebote nicht beeinträchtigen.

Zugleich müssen im Rahmen staatlicher Bildungssysteme Fragen der Qualitätsstandards und der Steuerungsmöglichkeiten von zivilgesellschaftlichen Organisationen geklärt werden – insbesondere in Bezug auf pädagogische Qualität, Kinderschutz und die Auswahl geeigneter Kooperationspartner.

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