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Wie gründe ich eine Initiative und verschaffe ihr Öffentlichkeit?

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Wie gründe ich eine Initiative und verschaffe ihr Öffentlichkeit?

Holger Kulick

/ 8 Minuten zu lesen

Wer sich für ein Thema, zum Beispiel gegen Rechtsextremismus engagieren will, muss das nicht zwangsläufig durch eine Vereinsgründung. Zunächst reicht es eine Arbeitsgruppe einzurichten, sei es an der Schule, Universität, im Betrieb oder unter Freunden. Wie das geht, zeigt Holger Kulick.

Der brandenburgische Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD), links, und der Vorsitzende des Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, Heinz-Joachim Lohmann, rechts, kleben das erste Großplakat mit dem zu einer Demonstration gegen den Aufmarsch von Neonazis am deutschen Soldatenfriedhof im brandenburgischen Halbem aufgerufen wird. (© AP)

Wer sich engagieren will, zum Beispiel gegen Rechtsextremismus, muss nicht zwangsläufig einen Verein gründen. Zunächst reicht es eine Arbeitsgruppe einzurichten, sei es an der Schule, Universität, im Betrieb oder unter Freunden. Mindestens zu dritt sollte man sein und mit Aushängen, kleinen Klebezetteln, Telefonrundrufen oder Rundmails für sich werben. Es ist sinnvoll für das erste Treffen drei verschiedene Termine anzubieten. Der Termin, der den meisten Zuspruch erhält, wird zum Gründungsdatum. Wichtig ist, dann ein klares Ziel zu definieren und sich über die Wege zu einigen, die dorthin führen sollen. Damit verbunden ist eine klare Aufgabenverteilung und die Festschreibung einer Zeitschiene, bis wann wer was erledigt hat. Der Austausch von Telefonnummern und E-Mail-Adressen ist unerlässlich.

Für die ersten Werbemaßnahmen wie z.B. Plakate, Flugblätter oder ''Spuckies'' (preiswerte Aufkleber zum Befeuchten mit Spucke) braucht man Startkapitel. Die Gründungsmitglieder müssen daher etwas Geld zusammenlegen. In der zweiten Stufe, wenn es etwa um eine Publikation oder Finanzierung einer Veranstaltung geht, sollte man gezielt Mitfinanziers/Sponsoren suchen. Es lohnt sich in der Regel örtliche Geschäftsleute nach dem Prinzip "10x50" anzusprechen. Zehn respektierte Unternehmer vor Ort werden gebeten, jeweils 50 oder 100 Euro in die Startkasse zu spenden. Das ist keine Überforderung und in einer Kleinstadt durchaus gemeinschaftsbildend. Auch an Schulen funktioniert das gut. Zehn Lehrer spenden jeweils 5 oder 10 Euro. Auf diese Weise können 50 Euro für z. B. erste Arbeitsmaterialien zusammenkommen.

Damit ist allerdings noch keine Breitenwirkung erzielt. Die Gruppe muss sich gut vernetzen, um möglichst viele Mitakteure zu gewinnen. Hierfür ist eine Kontaktaufnahme mit Ansprechpartnern aus Kirchen, örtlichen Vereinen, Unternehmen und auch Parteien zu empfehlen. Wichtig ist, dass sich die Gruppe nach außen möglichst überparteilich verhält. Mit mindestens sieben Leuten besteht die Möglichkeit einen Verein zu gründen. Ratsam ist es, mindestens einen Anwalt oder zumindest kompetenten Jurastudenten an Bord zu haben, da das Vereinsrecht ziemlich kompliziert ist (mehr Tipps dazu unter Vereinsrecht.de (www.socialnet.de ). Auch Tipps und Informationen von bereits bestehenden Initiativen sollten eingeholt werden.

Wie macht man auf die Gruppe aufmerksam?

Will der Verein oder die Initiative kontinuierlich arbeiten, empfiehlt es sich, regelmäßig auf sich aufmerksam zu machen. Dies kann durch Kleinveranstaltungen geschehen, zu denen Referenten eingeladen werden, Filme gezeigt oder lehrreiche Stadtspaziergänge organisiert werden, zum Beispiel über die Geschichte von Naziopfern in der Stadt. Von hohem Nutzen ist es, eine stadtbekannte Persönlichkeit als Mitakteur zu werben. Damit ist der "Aufmerksamkeitsgrad" und der "Mitmacheffekt" gleich höher.

Wichtig ist vor allem Öffentlichkeitsarbeit. Werden Flugblätter verteilt oder Plakate aufgehängt ist ein Eintrag mit einer Kontaktadresse wichtig, denn Druckerzeugnisse brauchen ein "V.i.S.d.P." (Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes). Grundlegend empfiehlt es sich, gute Kontakte zur regionalen Presse aufzubauen. Wichtige Lokalreporter sollten von Beginn an einbezogen werden. Sie sollten zu Hintergrundgesprächen eingeladen und regelmäßig über Planungen informiert werden. Termine von Pressekonferenzen sollten nicht nur mitgeteilt, sondern auch telefonisch vorangefragt werden. Denn Journalisten haben stets das Problem, dass sie mehrere Termine zur gleichen Zeit haben. Bei den ersten Anrufen gut vorbereiten: das Anliegen sollte binnen einer Minute geschildert sein. Das kann man gut in einem Fahrstuhl üben:Innerhalb einer Fahrtmuss alles erklärt sein. Wenn die Tür aufgeht, huscht der Ansprechpartner weg.

Was man beachten sollte: Termine an Freitagen sind oft ungünstig, dann haben viele Zeitungen früher Redaktionsschluss und der Stress in den Redaktionen ist besonders groß, weil alle ins Wochenende wollen. Zeitlich sind die späten Vormittagsstunden für Pressekonferenzen immer günstig. Die Zahl der Redner sollte in der Regel drei nicht überschreiten, sonst verrinnt die Zeit und Journalisten fehlt die Gelegenheit zum Nachfragen. Länger als eine Dreiviertelstunde Zeit für solch einen Termin haben sie selten. Eine vorbereitete Presseerklärung sollte eine Seite nicht überschreiten und unbedingt eine Telefonnummer eines festen Ansprechpartners der Gruppe enthalten.

Wichtig ist dabei auch, gezielt Wochenwerbeblätter anzusprechen, beispielsweise, in dem man die Redaktionen besucht. Sie suchen in der Regel händeringend nach Lesestoff. Der Vorteil: Diese kostenlosen Zeitungen landen in jedem Haushalt, eine eigene Tageszeitung wiederum leistet sich nicht jeder.

Vor Demonstrationen: Journalisten berichten um so eher, wenn ihnen klare Fakten und ein origineller Einfall, ein gutes Bild versprochen wird. Hier heißt es: kreativ sein!

Unerlässlich: das Internet

Weil Zeitungen oder auch Lokalrundfunk in der Regel nur sporadisch über das Anliegen der Initiative berichten werden, ist es ausgesprochen sinnvoll, für Interessierte ständig aktualisierte Internetauftritte zu schaffen, z.B. eine individuelle Homepage, einen Blog oder eine einprägsame Facebook-Adresse. Damit kann generell über Extremismus in der eigenen Region informiert werden, gezielt zu Veranstaltungen, flashmobs oder Demonstrationen eingeladen und um Spenden gebeten werden

Die ersten Schritte zum eigenen Auftritt

Kleinere individuelle Homepages für wenig traffic assen sich bei vielen Internetanbietern kostenlos einrichten, später lassen sich daraus gegen eine in der Regel relativ geringe Gebühr auch größere Domains ausbauen. Jan R., ein Ilmenauer Student startete so 2006 zunächst ein lokales Forum über Neonazis in seiner näheren Umgebung, damals unter www.myblog.de/bluejax. Er holte sich dafür Rat bei erfahrenen Websites, wie er beispielsweise mit Drohungen aus der rechtsextremen Szene umgehen sollte und fragte andere Initiativen, ob er sie verlinken darf, Websites wie www. mut-gegen-rechte-gewalt.de erlauben das prinzipiell. Danach machte er sein Hobby sogar zum Studieninhalt und betrieb zusätzlich die Website Externer Link: www.bluejax.de, die sich mit der Zeit auch anderer zeitkritischer Themen annahm.

Ein beispielsetzendes Projekt, das von Anbeginn auch eine vielseitige Website aufbaute, war das ABC-Pößneck in Thüringen: Externer Link: www.abc-poessneck.de diente zur Vernetzung der Mitglieder der Gruppe und zur Information Neugieriger. Sie bietet zahlreiche Features wie ein Gästebuch, Umfragen, Presseinfos sowie Veranstaltungskalender.

Zum Gästebuch gehörte selbstverständlich eine Hausordnung: "Das Aktionsbündnis Courage distanziert sich ausdrücklich von allen Einträgen im Gästebuch und im Forum. Wir haben keinen Einfluss darauf, wer was in unser Forum posted. Seien Sie sich im Klaren darüber, dass extremistische, das 3. Reich verherrlichende Einträge gelöscht werden."

So viel Ethik sollte mindestens sein.

Juristische Vorsichtsmaßnahmen

Wichtig sind auch juristische Vorkehrungen. Das ABC-Pößneck hatte dies recht vorbildlich gelöst: Im notwendigen Impressum fanden sich zwei nützliche rechtliche Vorbehalte, der Link-Disclaimer und eine Notiz zum Urheberrecht, beides kann unter Umständen helfen, viel Ärger - und Kosten - zu sparen, ist aber keine Garantie. Beim ABC-Pößneck lauteten sie so:

Link-Disclaimer:

"Mit Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Ausbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann, so das LG, nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Ich habe auf meiner WebSite Links zu anderen Seiten im Internet gelegt. Für alle diese Links gilt: Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe. Deshalb distanziere ich mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf meiner WebSite. Diese Erklärung gilt für alle auf meiner Website ausgebrachten Links und für alle Inhalte der Seiten, zu denen die Banner und Links führen." Wichtig: Von der Mit-Verantwortung für verlinkte Websites entlässt eine solche Formulierung im Ernstfall nicht.

Urheberrecht:

"Der Autor ist bestrebt, in allen Publikationen die Urheberrechte der verwendeten Grafiken, Sounds und Texte zu beachten, von ihm selbst erstellte Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte zu nutzen oder auf lizenzfreie Grafiken, Sounds und Texte zurückzugreifen. Sollte sich auf den jeweiligen Seiten dennoch eine ungekennzeichnete, aber durch fremdes Copyright geschützte Grafik, ein Tondokument, eine Videosequenz oder Text befinden, so konnte das Copyright vom Autor nicht festgestellt werden. Im Falle einer solchen unbeabsichtigten Copyrightverletzung wird der Autor das entsprechende Objekt nach Benachrichtigung aus seiner Publikation entfernen bzw. mit dem entsprechenden Copyright kenntlich machen. Das Copyright für veröffentlichte, vom Autor selbst erstellte Objekte bleibt allein beim Autor der Seiten. Eine Vervielfältigung oder Verwendung solcher Grafiken, Sounds oder Texte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche Zustimmung des Autors nicht gestattet."

Professionalisierung:

Manche Internet-Provider geben sogar "Sozialrabatt" für Initiativen. Wichtig ist, Euch einen griffigen Domain-Namen auszudenken, den man sich leicht einprägen kann und den auch Google schnell einordnen kann. Fast noch wichtiger ist, dass sich mindestens einer aus der Gruppe kontinuierlich für die Website verantwortlich fühlt und auch über ein entsprechendes Zeitbudget verfügt. Denn eine einigermaßen aktualisierte Website mit einem moderierten Forum erfordert im Durchschnitt mindestens zwei Stunden Arbeit am Tag!

Etwas weniger aufwändig sind Websites oder Facebook-Einträge, die nur zu einem Anlass eingerichtet werden, sei es für einen Demonstrationsaufruf oder ein Konzertprogramm. Auf Werbezetteln bzw. Flugblättern wird dann auf die Website hingewiesen, auf der sich alle wichtigen Aktualisierungen, Fotos und Details zum Programmablauf finden. Ein Beispiel ist Externer Link: www.leipzig-courage-zeigen.de, ein kostenloses Konzert-Event gegen Nazis, das lange Zeit jährlich im April vor dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal stattfand.

Learning by Doing

Auch das sollte beherzigt werden: Sich nicht abschrecken zu lassen, wenn manche andere Website beneidenswert perfekt aussieht - alle technischen Kniffe lernt man nur durch das Prinzip "learning by doing". Auch die eigene Website wird sich "steigern". Wenn sie ist eingerichtet, sollte man sich darum bemühen, dass auch in der Lokalpresse dafür geworben wird.

Was sollte noch beachtet werden? Bitten Sie einen guten Freund oder eine Freundin, auf frisch geschriebene Texte zu schauen und sie gegenzulesen. Dieses "Vier-Augen-Prinzip" lohnt sich, um Sinn- und Tippfehler schnell zu beheben, denn alleine am Monitor übersieht man oft doch sehr viel.

Und wenn Neonazis schreiben, die Initiative beschimpfen oder drohen? Erst einmal entspannt bleiben und im Zweifel der Polizei melden. Eigentlich kann sich die Initiative sogar freuen, denn der Internetauftritt und das Anliegen wird augenscheinlich ernst genommen. Denn nichts fürchten Neonazis mehr, als dass sich Leute gegen sie wehren, über sie aufklären und somit auch Verunsicherung in der eigenen Klientel schaffen. Wichtig ist, Bedrohungen umgehend öffentlich zu machen- und dabei deutlich zu machen, dass dies keineswegs verunsichert, sondern dass sich auf diese Weise zeigt, wie wichtig es ist, sich konsequent gegen solche Leute zu engagieren.

Last not least: Förderanträge stellen

Hat eine Initiative durch ihr Engagement (und den Einfallsreichtum ihrer Mitglieder) in der Kommune sicher Fuß gefasst und besteht die Übereinkunft weiter zu handeln, sollten nicht nur Spenden gesammelt werden, sondern Fördermittel beantragt werden. Dazu im Rathaus und Landratsamt informieren, ob es lokale Aktionspläne gegen Extremismus gibt, in deren Rahmen Mittel beantragt werden könnten, oder beispielsweise bei Einrichtungen wie der www.Amadeu-Antonio-Stiftung.de nachfragen, die Kleinprojekte gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus fördert, bei der Externer Link: www.aktion-mensch.de oder der Initiative des Bundesfamilienministeriums Externer Link: www.vielfalt-tut-gut.de.

Auch um Preise bemühen lohnt sich. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz ehrt jährlich bundesweit zahlreiche "best-practice-Beispiele" mit Zuschüssen bis zu 5000 Euro, mehr darüber unter: Externer Link: http://www.buendnis-toleranz.de.

Eine besonders kreative Initiative, die schon nach zwei Jahren Arbeit mit gleich mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, ist das Bürgerforum Gräfenberg (Externer Link: www.graefenberg-ist-bunt.de). Ihr Sprecher hat auch bereits für die bpb weiterführende Tipps formuliert. Der Titel: Externer Link: Kreativ demonstrieren. Aber wie? )

Fussnoten

Holger Kulick, geb 1960 in Korbach, studierte Politik, Geschichte und Kulturwissenschaften in Mainz und Berlin und arbeitet seit Mitte der 80-ger Jahre als Fernseh-, Online- und Printjournalist. Er leitet seit 2005 in Berlin die Redaktion Externer Link: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de.