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Interaktive Grafik: Bildungswege nach der Schule Infografik: Schulabschlüsse von Berufsanfänger/innern Infografik: Anteil der 25-34-Jährigen ohne Berufsabschluss Grafik: Berufsbildung für Jugendliche mit max. mittlerem Abschluss Grafik: Übergangsbereich oder Berufsausbildung? Interaktive Grafik: Schützt Bildung vor Arbeitslosigkeit? Interaktive Grafik: Arbeitslosigkeitrisiko Infografik: Wie hat sich die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt entwickelt? Infografik: Bildungschancen verschiedener sozialer Klassen Infografik: Wie unterscheidet sich die Ausbildungsteilhabe zwischen jungen Menschen deutscher und nicht-deutscher Herkunft? Interview: Geflüchtete Hochschule Studiengebühren? Bildungsaufstieg Interview: Powerpoint Qualitätspakt Lehre Hochschulen im Wettbewerb Hochschulen in Deutschland Grafiken zu Hochschule Infografik: Wie das Elternhaus den Bildungsweg prägt Interaktive Grafik: Nutzen eines Hochschulstudiums Interaktive Grafik: Entscheidung für das Studienfach Infografik: Wie sicher war die Entscheidung für ein Studium? Interaktive Grafik: Was haben Studierende aus ihrem bisherigen Studium mitgenommen? Grafik: Für wen stand ein Studium von vornherein fest? Infografik: Das monatliche Budget von Studierenden Infografiken: Welcher Anteil der jungen Erwachsenen je Bundesland erlangte das (Fach-)Abitur? (1995-2008) Infografik: Wachsender Studentenberg – Entwicklung der Studierendenzahlen in Deutschland Interaktive Grafik: Beliebte Studienfächer Bildung zwischen Markt und Staat Extraklasse Stiftungen Privatschulen Nachhilfe Studiengebühren Hochschulrankings Drittmittel aus der Wirtschaft Interview: Bildungsökonomie Volkswirtschaft und Bildung Grafik: Wie verbreitet sind Privatschulen und wer betreibt sie? 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Gute Bildung – wovon hängt sie ab? Das denken junge Leute Infografik: PISA 2022: Mathe-Kompetenzen sinken Grafiken: Berufsbildung Interaktive Grafik: Ausbildung, Übergangsbereich oder Studium? Infografik: Schulabschlüsse von Berufsanfänger/innern Infografik: Anteil der 25-34-Jährigen ohne Berufsabschluss Grafik: Berufsbildung für Jugendliche mit max. mittlerem Abschluss Grafik: Übergangsbereich oder Berufsausbildung? Infografik: Bildungschancen verschiedener sozialer Klassen Infografik: Wie unterscheidet sich die Ausbildungsteilhabe zwischen jungen Menschen deutscher und nicht-deutscher Herkunft? Infografik: Wie hat sich die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt entwickelt? Grafiken: Hochschule Infografiken: Welcher Anteil der jungen Erwachsenen je Bundesland erlangte das (Fach-)Abitur? (1995-2008) Infografik: Wachsender Studentenberg – Entwicklung der Studierendenzahlen in Deutschland Interaktive Grafik: Beliebte Studienfächer Infografik: Wie sicher war die Entscheidung für ein Studium? Interaktive Grafik: Nutzen eines Hochschulstudiums Interaktive Grafik: Entscheidung für das Studienfach Interaktive Grafik: Was haben Studierende aus ihrem bisherigen Studium mitgenommen? Infografik: Wie das Elternhaus den Bildungsweg prägt Infografik: Das monatliche Budget von Studierenden Grafiken: Private Bildung Infografik: Wie verbreitet sind Privatschulen und wer betreibt sie? Infografik: Bildungseinrichtungen in privater Trägerschaft Infografik: Entwicklung öffentlicher und privater Bildungsangebote Infografik: Anzahl der Privatschulen in Deutschland, 1992-2012 Infografik: Anzahl der Privatschulen in Deutschland nach Schularten, 1992 - 2012 Infografik: Anteil der Privatschülerinnen und -schüler an der Schülerschaft in Deutschland, 1992-2012 Infografik: Wer nimmt Nachhilfeunterricht in Anspruch? Infografik: Wieviel wird jährlich für Nachhilfe je Schüler:in ausgegeben? Grafiken: Bildungsungleichheit Karte: Klassenwiederholer:innen an allgemeinbildenden Schulen Infografik: Herkunft gleich Zukunft? Infografik: Soziale Herkunft & die Chance auf ein Studium Infografik: Wie gut können Neuntklässler:innen Mathe? Infografik: Wie gut können Grundschüler:innen Mathe? Infografik: Wie gut können Grundschüler:innen Lesen? Infografik: Wie gut können Schüler:innen am Gymnasium Mathe? Welche Reformen für Kita und Schule befürworten Erwachsene? Sonderpädagogische Förderung in Deutschland Infografik: PISA 2018: Hohe Schulleistungen und Chancengleichheit kein Zielkonflikt Infografik: Welcher Anteil aller Schüler:innen lernt an einer Förderschule? Armut und Grundschulen Infografik: Förderung durch Eltern Infografik: Leistungsniveau und Chancengleichheit Grafiken: Erträge von Bildung Infografik: Bildungsleistungen und langfristiges Wirtschaftswachstum (1960-2000) Infografik: Entwicklung der Arbeitslosenquote je nach Bildungsstand (1975-2011) Infografik: Erwerbsstatus von Erwachsenen mit geringen Lese- und Schreibfähigkeiten (2010) Infografik: Durchschnittliches Brutto-Einkommen von Frauen und Männern je nach Bildungsabschluss (2010) Infografik: Politisches Interesse je nach Schulabschluss (2010) Infografik: Wie beeinflussten Alter und Bildungsabschluss die Teilnahme an der Bundestagswahl 2009? Infografik: Welchen Einfluss hat der Schulabschluss auf die Teilnahme an politischen Aktivitäten? (2008) Infografik: Wie beeinflusst der Schulabschluss die Mitgliedschaft in Vereinen und Organisationen? (2010) Interaktive Grafik: Schützt Bildung vor Arbeitslosigkeit? Interaktive Grafik: Arbeitslosigkeitrisiko Grafiken: Umfragen zu Bildung & Politik Glossar Redaktion

Pro: Warum wir ein Social Media Verbot für Kinder brauchen Ein Interview mit Prof. Dr. Julia Brailovskaia, Mitautorin des Leopoldina-Diskussionspapiers (2025)

Julia Brailovskaia

/ 8 Minuten zu lesen

Smartphones für Jugendliche: Aktuell wird in Deutschland über eine Altersgrenzen für soziale Medien sowie über mögliche strengere Regeln zur Handynutzung für Jugendliche diskutiert. (© picture-alliance, dpa | Marcus Brandt)

Welche Befunde sprechen dafür, den Social Media-Zugang für Heranwachsende einzuschränken?

Vor der Beantwortung dieser Fragen gilt es zu klären, was hier mit „Social Media“ gemeint ist. Das bleibt in vielen Debatten darüber undefiniert. Zunächst sind Social Media digitale Plattformen, die es den Nutzenden ermöglichen, eigene Inhalte zu erstellen, privat oder öffentlich zu teilen und auf diese Weise soziale Beziehungen mit anderen Nutzenden aufzubauen. Dazu zählen klassische soziale Plattformen wie Instagram, TikTok und X, im weiteren Sinne inzwischen aber auch Messengerdienste wie Signal, WhatsApp und Telegram, die zunehmend ähnliche Funktionen anbieten. Um diese weitere Definition geht es im Folgenden, wenn von Social Media die Rede ist.

Ein zentrales Merkmal vieler Social Media-Plattformen besteht darin, dass ihre Geschäftsmodelle auf eine möglichst langen Bindung der Aufmerksamkeit der Nutzenden zielen – nicht zuletzt unter Einsatz von entsprechenden Algorithmen –, um dabei deren personenbezogene Daten zu monetarisieren. Insbesondere im Hinblick auf die psychische Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind die suchtfördernden Funktionen dieses Modells (wie etwa Endlos-Scrolling, Push-Nachrichten) sowie die ungefilterte Verbreitung nicht immer altersangemessener und vor allem problematischer Inhalte (u.a. Falschinformation, Hasskommentare) auf Social Media besorgniserregend.

In Deutschland beginnt die Nutzung von Social Media oft in einem sehr jungen Alter: Etwa 50 Prozent der 6- bis 13-Jährigen und rund 80 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen Social Media täglich. Der Nutzungsbeginn liegt damit also häufig schon weit vor dem Alter von 13 Jahren, das Betreiber dieser Plattformen selbst oft als Mindestalter definieren. Die tägliche Nutzungszeit von Kindern und Jugendlichen liegt im Durchschnitt bei mehr als drei Stunden, wie die Studien „Kinder, Internet, Medien“ (KIM) und „Jugend, Information, Medien“ (JIM) belegen (Feierabend et al., 2024a, 2024b). Dabei spricht die aktuelle Forschungslage deutlich dafür, dass eine intensive Nutzung von Social Media die psychische Gesundheit beeinträchtigen kann. Dies gilt vor allem dann, wenn Soziale Medien häufig und über lange Zeit genutzt werden, fest im Alltag verankert sind und für Kinder und Jugendliche eine emotionale Bedeutung besitzen. Dann steht ihre Nutzung im Zusammenhang mit erhöhten Depressions-, Angst- und Stresssymptomen, Ess- und Schlafstörungen, Körperbildunzufriedenheit, Einsamkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten, Suizidgedanken und selbstverletzendem Verhalten; zugleich geht sie mit Verminderung von Lebenszufriedenheit, Glücksempfinden, Impulskontrolle und Selbstwert von Kindern und Jugendlichen einher (Brailovskaia, 2024; Montag et al., 2024).

Anzumerken ist, dass ein großer Teil der aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Studien zunächst Zusammenhänge (Korrelationen) zwischen intensiver Social Media-Nutzung und potentiell negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aufzeigt. Experimentelle Studien, die eindeutige Ursache-Wirkungsbeziehungen (Kausalität) abbilden können, sind bislang in diesem Forschungsbereich noch eher selten. Doch auch wenn weitere experimentelle und längsschnittliche Forschung erforderlich ist, liefern die bisherigen Befunde bereits deutliche Hinweise darauf, dass eine intensive und insbesondere eine suchtartige Nutzung von Social Media langfristig negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sowie die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben kann.

Einer der zentralen Mechanismen, die diesen Zusammenhängen zugrunde liegt, kann die Entwicklung einer starken emotionalen Bindung an Social Media sein, die mit einem suchtartigen Drang einhergeht, dauerhaft online zu sein. Dieses Phänomen wird als Social Media-Sucht bezeichnet (Brailovskaia, 2024). Aufgrund seiner Neuheit handelt es sich hierbei bislang noch nicht um ein formal anerkanntes Störungsbild. Allerdings zeigen zahlreiche Studien, dass die Social Media-Sucht die psychische Gesundheit gefährden kann (siehe Brailovskaia, 2024). Gleichzeitig belegen experimentelle Studien, dass eine bewusste Verminderung der Social Media-Nutzungszeit zur Verringerung der Suchtmerkmale und einer Verbesserung der psychischen Gesundheit beiträgt (z.B. Brailovskaia et al., 2022).

In Deutschland weisen ca. 21,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen (rund eine Million Heranwachsende) bereits ein riskantes Social Media-Nutzungsverhalten auf. Das ist die Vorstufe der Social Media-Sucht. Weitere 4,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen (rund 300.000 Heranwachsende) erfüllen die Suchtkriterien (DZSKJ, 2025). Die negativen Auswirkungen der Social Media-Nutzung und insbesondere der Social Media-Sucht auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen können weitreichende Folgen haben. Sie beeinflussen u.a. ihre psychosoziale Entwicklung, schulischen Leistungen sowie ihre sozialen Kompetenzen (z.B. Pazdur et al., 2025). Vor diesem Hintergrund erscheint die aktuelle Diskussion über Maßnahmen zur Einschränkung der Social Media-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen nicht nur berechtigt, sondern dringend erforderlich.

Warum empfiehlt die Leopoldina ein Mindestalter von 13 Jahren für soziale Medien?

In der Kindheit und während der Pubertät finden zahlreiche körperliche, kognitive, emotionale und soziale Entwicklungsprozesse statt. Dazu gehören etwa Ausbildung von Impulskontrolle, Aufbau sozialer Beziehungen, Identitätsentwicklung sowie Entwicklung verschiedener kognitiver und emotionaler Fähigkeiten. Diese Prozesse sind grundlegend für das gesamte weitere Leben einer Person. In dieser sensiblen Lebensphase sind Heranwachsende besonders anfällig gegenüber negativen äußeren Einflüssen, die die notwendige Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben deutlich beeinträchtigen und damit langfristige Folgen für Lebenserfolg und Wohlbefinden haben können.

Daher ist es sehr wichtig, Kinder und Jugendliche insbesondere in diesem Lebensabschnitt möglichst umgehend vor den Risiken der Social Media-Nutzung zu schützen. Die Umsetzung wirksamer Schutzmaßnahmen bedarf klarer und praktikabler Orientierungspunkte für alle Beteiligten. Das können konkrete altersbezogene Regelungen derzeit am besten leisten. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die interdisziplinäre Expertinnen- und Expertengruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in ihrem Externer Link: Diskussionspapier, dass für Kinder unter 13 Jahren ein striktes Nutzungsverbot gelten sollte und das Mindestalter zur Einrichtung von Social Media-Accounts verbindlich auf 13 Jahre festgelegt wird. Bis 15 Jahre sollte zudem ein Nachweis der elterlichen Zustimmung für die Eröffnung eines Accounts erforderlich sein. Für 13- bis 17-Jährige sollten Social Media-Angebote altersangemessen, das heißt mit reduziertem Funktionsumfang, gestaltet sein (Brailovskaia et al., 2025). Beim Festlegen der Altersgrenze muss man beachten, dass sich jedes Kind natürlich unterschiedlich schnell im Hinblick auf die emotionale und kognitive Reifung entwickelt. Doch zumindest die ersten 13 Jahre sollten einen Social Media-freien Raum darstellen, um geschützt vor den Risiken von Social Media die Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation zu erlangen, die eine unabdingbare Voraussetzung für einen kompetenten Umgang mit Social Media ist.

Um diese Altersgrenzen wirksam durchzusetzen, braucht es Information, Aufklärung und Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, aber auch hoher Sanktionen, die den Social Media-Konzernen bei mangelnder Einhaltung auferlegt werden.

Was können Bildungseinrichtungen für den Umgang mit Social Media beitragen?

In Bildungseinrichtungen findet neben der Wissensvermittlung auch ein wichtiger Teil der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen statt. Somit kommt ihnen und dem Bildungssystem als ganzem eine zentrale Rolle bei der Förderung eines gesunden Umgangs mit Social Media zu. Heranwachsende sollen auch gemäß Artikel 17 der Konvention über die Rechte des Kindes (UN-Kinderrechtskonvention, KRK) zur souveränen, kompetenten und reflektierten Teilhabe im digitalen Sozialraum befähigt werden, die entsprechend vorbereitet und altersabgestuft ermöglicht wird. Daher sollte das Thema Social Media bundesweit systematisch und vor allem verbindlich im schulischen Curriculum verankert werden. Dazu gehört die Vermittlung von Medienkompetenz, wie sie in einer Reihe bildungspolitischer Rahmenwerke bereits beschrieben und ausgearbeitet wurde (etwa European Framework for the Digital Competence of Educators, DigCompEdu, die gemeinsame Strategie der Kultusministerkonferenz Bildung in der digitalen Welt, Kompetenzrahmen auf Länderebene), sowie die Aufklärung über Risiken und Folgen von Social Media-Sucht.

Darüber hinaus ist eine klare Regelung der Social Media-Nutzung während des Aufenthalts auf dem Schulgelände und insbesondere im Unterricht für alle Klassenstufen erforderlich. Idealerweise sollte die Nutzung in dieser Zeit nicht möglich sein. Schulen müssen sichere Entwicklungs- und Lernräume darstellen, in denen sich Kinder und Jugendliche auf den Unterricht, soziale offline-Interaktionen und ihre persönliche Entwicklung konzentrieren können, ohne den ständigen Ablenkungen und Risiken von Social Media ausgesetzt zu sein. Um diese Ziele zu erreichen, müssen pädagogische Fachkräfte und Eltern zusammenarbeiten, angemessen unterstützt und geschult werden.

Ein vielversprechendes Beispiel stellt ein seit dem vergangenen Jahr in der Stadt Solingen umgesetztes Projekt dar, in dem Schulen und Eltern im Rahmen einer „Erziehungspartnerschaft“ eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, die Social Media-Nutzung möglichst lange aus dem Leben von Kindern und Jugendlichen rauszuhalten und gleichzeitig die Handlungskompetenzen der Eltern zu stärken. Parallel dazu wird die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen schrittweise aufgebaut, ohne dass hierfür die Social Media-Nutzung erforderlich ist. Solche Ansätze leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der psychischen Gesundheit und zur altersgerechten Entwicklung im digitalen Zeitalter.

Welche Einwände gegen ein Verbot nehmen Sie besonders ernst?

Besonders ernst zu nehmen ist der Aspekt, dass ein Social Media-Verbot technisch umgangen werden kann, insbesondere wenn die Familien seine Umsetzung nicht unterstützen. Daher ist es sehr wichtig, dass einerseits alles Erdenkliche dafür getan wird, dass es möglichst wenig technische „Lücken“ gibt und Social Media-Konzerne hohe Sanktionen auferlegt bekommen, wenn Personen vor dem Erreichen der Altersgrenze Social Media nutzen. Andererseits muss bei den Familien durch großangelegte Aufklärungskampagnen, die ihnen klare Handlungsempfehlungen an die Hand geben, das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Verbots aufgebaut werden.

Im Hinblick auf die Sozialisation muss man sich klar machen, dass der wichtigste Sozialisationsraum für Kinder und Jugendliche die Welt außerhalb von Social Media ist. Die offline-Welt muss jungen Menschen genug Angebote und Freiräume zur Entfaltung geben, damit sie keinen Ersatz im Online suchen müssen. Denn dort sind besonders starke negative Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit zu erwarten. Der kritisch diskutierte Aspekt des Datenschutzes für eine Altersverifikation zur Nutzung von Social Media ist ebenso wichtig. Für eine angemessene technische Umsetzung lässt sich dabei etwa an Internetspielen orientieren, für die es bereits seit vielen Jahren die Notwendigkeit zur Altersverifikation gibt.

Was sind die größten offenen Forschungsfragen zu Social Media und Minderjährigen?

Die Social Media-Nutzung ist ein junges Phänomen, dessen langfristige Auswirkungen sich erst in den nächsten beiden Jahrzenten umfassend beurteilen lassen. Zudem gibt es bislang noch zu wenige experimentelle Studien zu Schutzfaktoren, die die psychische Gesundheit im digitalen Zeitalter fördern können und die sich spezifisch auf Minderjährige fokussieren. Die meisten Untersuchungen in diesem Zusammenhang wurden bislang mit jungen Erwachsenen durchgeführt. In den nächsten Jahren sind somit experimentelle und längsschnittliche Studien, die Kinder und Jugendliche über die Jahre begleiten, von besonderer Bedeutung.

Warum wäre ein Verbot trotz einiger Bedenken aus Ihrer Sicht dennoch sinnvoll?

Wir müssen die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen schützen und ihnen einen sicheren Entwicklungsraum geben – nicht erst mittel- oder langfristig, wenn auch andere rechtliche, pädagogische und weitere Maßnahmen zu greifen beginnen, sondern ab jetzt. Auch wenn noch weitere Untersuchungen ausstehen, um alle Details der Beziehung zwischen Social Media und psychischer Gesundheit zu verstehen, liegen schon heute genug Hinweise für den Schaden vor, den die Nutzung anrichten kann. Daher müssen wir das „Vorsorgeprinzip“ (Hansson, 2023) anwenden. Dieses besagt, dass wenn ein wissenschaftlich begründeter Verdacht einer erheblichen Schädigung der psychischen Gesundheit vorliegt, die empirischen Belege aber nicht ausreichen, um die Existenz, die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Größe eines Schadens schlüssig nachzuweisen, die zuständigen Akteure trotzdem Maßnahmen gegen das Risiko ergreifen müssen. Mit einem Verbot von Social Media Nutzung schützen wir Kinder und Jugendliche in einer hoch sensiblen Entwicklungsphase. Zudem entlastet es die Eltern und gibt ihnen Zeit, gemeinsam mit ihren Kindern Wissen und Kompetenzen im Umgang mit Social Media in einem sicheren Freiraum aufzubauen.

Quellen / Literatur

  • Brailovskaia, J. (2024). The “Vicious Circle of addictive Social Media Use and Mental Health” Model. Acta Psychologica, 247, 104306. https://doi.org/10.1016/j.actpsy.2024.104306

  • Brailovskaia, J., Buchmann, J., Hertwig, R., Metzinger, T., Montag, C., Sadeghi, A.-R., Schneider, S., Spiecker, I., & Waldherr, A. (2025). Social Media and the Mental Health of Children and Adolescents. German National Academy of Sciences Leopoldina. https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01309

  • Brailovskaia, J., Swarlik, V. J., Grethe, G. A., Schillack, H., & Margraf, J. (2022). Experimental longitudinal evidence for causal role of social media use and physical activity in COVID-19 burden and mental health. Journal of Public Health, 31, 1885-1898. https://doi.org/10.1007/s10389-022-01751-x

  • Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ). (2025). Problematische Mediennutzung im Kindes- und Jugendalter in Deutschland Ergebnisbericht 2024/2025. Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters. https://www.dak.de/dak/unternehmen/reporteforschung/dak-studie-mediensucht-2024_91442#rtf-anchor-download-studie

  • Feierabend, S., Rathgeb, T., Gerigk, Y., Glöckler, S. (2024a). KIM-Studie 2024. Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. https://mpfs.de/app/uploads/2025/05/KIM-Studie-2024.pdf

  • Feierabend, S., Rathgeb, T., Gerigk, Y., Glöckler, S. (2024b). JIM-Studie 2024. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. https://mpfs.de/studie/jim-studie-2024/

  • Hansson, S. O. (2023). Risk. In E. N. Zalta & U. Nodelman (Eds.), The Stanford Encyclopedia of Philosophy. https://plato.stanford.edu/archives/sum2023/entries/risk/

  • Montag, C., Demetrovics, Z., Elhai, J. D., Grant, D., Koning, I., Rumpf, H.-J., Spada, M. M., Throuvala, M., & Van den Eijnden, R. (2024). Problematic social media use in childhood and adolescence. Addictive Behaviors, 153, 107980. https://doi.org/10.1016/j.addbeh.2024.107980

  • Pazdur, M., Tutus, D., & Haag, A.-C. (2025). Risk Factors for Problematic Social Media Use in Youth: A Systematic Review of Longitudinal Studies. Adolescent Research Review, 10, 237-253. https://doi.org/10.1007/s40894-025-00264-4

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Weitere Inhalte

PD Dr. Julia Brailovskaia, ist Psychologin. Sie lehrt und forscht als außerplanmäßige Professorin für Psychologie an der Universität Bochum und koordiniert das Digitale Panel (Deutsches Zentrums für Psychische Gesundheit, DZPG, Standort Bochum-Marburg).

Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. Medienkompetenz, Zusammenhänge zwischen der online-Mediennutzung (insb. soziale Medien), der Persönlichkeit (z.B. Narzissmus, Big Five, Selbstwertgefühl), dem Lebensstil (z.B. sportliche Aktivitäten, Rauchverhalten) und der psychischen Gesundheit (z.B. Depression, Angst, Stress, Lebenszufriedenheit, Glück), Schutz- und Risikofaktoren der psychischen Gesundheit, Kulturübergreifende Vergleiche der psychischen Gesundheit.