Die Diskussion um ein Social Media-Verbot für Kinder und Jugendliche wird gegenwärtig in mehreren Ländern Europas und weltweit vor dem Hintergrund ähnlicher Problemdiagnosen geführt: vermehrte psychische Belastungen und Auffälligkeiten unter Kindern und Jugendlichen, teils suchtartige Mediennutzung, nachlassende schulische Kompetenzen sowie verbreitete Desinformation und Polarisierung insbesondere über soziale Medien, die gerade von jungen Menschen häufig als Informationsquelle genutzt werden. Während die einen daher für einen vorsorglichen Ausschluss Heranwachsender von der Nutzung solcher Angebote plädieren, heben andere hervor, dass soziale Medien als digitale Vernetzungs- und Informationsräume unter jungen Menschen längst etabliert sind und nicht zuletzt wichtige Sozialisationsfunktionen erfüllen. Befürworter und Gegner eines Social Media-Verbots für Heranwachsende fordern darüber hinaus eine Regulierung der Anbieter und den Ausbau von Medienkompetenzen für mehr Kinder- und Jugendschutz (siehe Beitrag: Interner Link: Social Media und Jugendliche. Warum ein Verbot zu kurz greift).
Wie schätzen aber Jugendliche selber Nutzen und Risiken sozialer Medien für junge Menschen ein? Wie unterscheidet sich ihre Sicht von jener der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland? In einer repräsentativen Meinungsumfrage des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung im Rahmen des "ifo Bildungsbarometers", einer jährlichen Befragung zu bildungspolitischen Themen, wurden im Mai und Juni 2025 sowohl 14- bis 17-jährige Jugendliche (1.033 Personen) als auch 18- bis 69-jährige Erwachsene (2.989 Personen) gebeten, die Wirkungen der Mediennutzung für Kinder und Jugendliche u.a. bezogen auf Gesundheit, Aufmerksamkeit, schulische Leistungen, soziale Kompetenzen, politische Meinungsbildung und Informationsbeschaffung zu bewerten.
Auf den ersten Blick zeigen die Daten in der Grafik bereits zwei Dinge: Zum einen schätzen Jugendliche Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche häufiger positiv ein als Erwachsene. Zum anderen wird deutlich, dass sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen in Deutschland insgesamt die Wahrnehmung negativer Auswirkungen für Kinder und Jugendliche in fast allen der genannten Aspekte die Wahrnehmung eines Nutzens überwiegt, teils sogar sehr deutlich – außer im Bereich der Informationsbeschaffung. Hier sind fast drei Viertel aller Jugendlichen (71 Prozent) sowie über die Hälfte der Erwachsenen (53 Prozent) der Meinung, dass soziale Medien „eher“ oder „sehr“ hilfreich sind.
Hingegen schätzen sowohl Jugendliche als auch Erwachsene die Effekte der Mediennutzung auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen am häufigsten unter allen Aspekten als eher bzw. sehr negativ ein: bezogen auf die psychische Gesundheit sind 61 Prozent der Jugendlichen sowie 77 Prozent der Erwachsenen dieser Meinung, mit Blick auf die körperliche Gesundheit zwei Drittel der Jugendlichen (66 Prozent) und gut drei Viertel der Erwachsenen (74 Prozent). Immerhin jede bzw. jeder fünfte Jugendliche sieht die Rolle sozialer Medien als eher oder sogar sehr positiv für die psychische (20 Prozent) und für die körperliche Gesundheit (19 Prozent). Die Aufmerksamkeit von Kindern und Jugendlichen wird jedoch nach Auffassung von insgesamt 59 Prozent der 14- bis 17-Jährigen durch soziale Medien eher bzw. sogar sehr beeinträchtigt (Erwachsene: 72 Prozent), ebenfalls mehrheitlich denken insgesamt 54 Prozent von ihnen, dass die schulischen Leistungen durch Social Media-Nutzung negativ beeinflusst werden (Erwachsene: 69 Prozent).
Auch in Bezug auf die folgenden zwei Aspekte überwiegen die negativen Einschätzungen Jugendlicher. Allerdings ist hier der Anteil derer, die einen positiven Beitrag von Social Media ausmachen, vergleichsweise höher als in den zuvor genannten Bereichen, und zwar bei sozialen Kompetenzen Heranwachsender (39 Prozent „eher“ bzw. „sehr positiv“) und mit Blick auf ihre Identitätsbildung (35 Prozent „eher“ bzw. „sehr positiv“). Ihnen gegenüber finden sich jedoch auch in diesen Hinsichten immer noch überwiegend skeptische Jugendliche, die durch Social Media-Nutzung eher bzw. sehr negative Effekte für Kinder und Jugendliche erwarten (soziale Kompetenzen: 48 Prozent, Identitätsbildung: 45 Prozent). In Sachen politischer Meinungsbildung sehen ebenso viele Jugendliche Social Media negativ (38 Prozent „eher“ bzw. „sehr negativ“) wie jene, die Social Media positive Auswirkungen zuschreiben (38 Prozent "eher" bzw. "sehr positiv"). In dieser Frage ist aber auch fast jede bzw. jeder vierte Jugendliche unentschieden (23 Prozent). Erwachsene nehmen in allen drei dieser Aspekte der persönlichen und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen viel stärker Probleme als einen Nutzen sozialer Medien wahr: In Sachen soziale Kompetenzen sind zwei Drittel der Erwachsenen eher bzw. sehr der Meinung, dass Social Media Heranwachsenden schadet (66 Prozent), mit Blick auf die Identitätsbildung fast ebenso viele (63 Prozent) und eine klare Mehrheit von ihnen auch bezogen auf politische Meinungsbildung von Kindern und Jugendlichen (61 Prozent). Wobei auch hier der Anteil Erwachsener, die in dieser Frage unentschlossen sind, unter allen Aspekten am höchsten ausfällt (17 Prozent).
Auf welche Weise können Kinder und Jugendliche also vor allem vor potenziell negativen Einflüssen sozialer Medien geschützt werden? Welche Maßnahmen halten Erwachsene in Deutschland für sinnvoll? Daten einer bundesweiten repräsentativen Meinungsumfrage dazu finden Sie in dieser Grafik: Interner Link: Social Media bis 16 Jahre verbieten? So sehen das Erwachsene.