Artikel im

Lehrkräftemangel und -überschuss: eine unendliche Geschichte | Bildung | bpb.de

Lehrkräftemangel und -überschuss: eine unendliche Geschichte

Benjamin Edelstein Klaus Klemm

/ 14 Minuten zu lesen

Der aktuelle Lehrkräftemangel ist historisch gesehen nichts Ungewöhnliches. Die Geschichte lehrt: Phasen des Mangels und des Überangebots an Lehrkräften wechseln einander ab. Warum ist das so?

Student:innen für das Lehramt an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) sitzen zur Begrüßung in einem Hörsaal. (© picture-alliance/dpa, Patrick Pleul)

Lehrkräftemangel: die aktuelle Situation in Deutschland

Seit Jahren mehren sich bundesweit die Berichte darüber, dass Schulen nicht mehr genug Lehrkräfte finden, um ihre Stellen zu besetzen. Was sich als regionale Problematik verschiedentlich schon in den Nullerjahren bemerkbar machte, ist in den vergangenen Jahren zu einem bildungspolitischen Mega-Thema geworden, das die fachliche wie öffentliche Diskussion beherrscht wie kaum ein anderes: Lehrkräftemangel. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) konnte im Jahr 2023 die Hälfte aller Schulen mindestens eine Stelle nicht besetzen, in 17 Prozent der Schulen waren gar drei oder mehr Stellen betroffen (FORSA 2023, S. 22). Angesichts solcher Zahlen kann es nicht überraschen, wenn an unzähligen Schulstandorten Notmaßnahmen nicht mehr die Ausnahme sind, sondern die Regel: Unterricht fällt aus, weil im Krankheitsfall keine Vertretung verfügbar ist. Lehrkräfte machen Überstunden, Klassenstärken werden angehoben, die in amtlichen Stundentafeln vorgegebene Unterrichtsstundenzahl reduziert – Sachsen-Anhalt sorgte jüngst gar mit einem Modellversuch zur Erprobung der Vier-Tage-Woche für Furore. Zu den Notmaßnahmen zählt auch die Beschäftigung von Quer- und Seiteneinsteiger:innen, ohne die die Personalsituation in vielen Bundesländern noch sehr viel schlechter aussehen würde. Nach der oben erwähnten Forsa-Umfrage unterrichten inzwischen an zwei von drei Schulen Personen, die keine reguläre Lehramtsausbildung absolviert haben (FORSA 2023, S. 24)! Selbstverständlich können Seiteneinsteiger:innen mit ihren außerschulischen Berufsbiografien für Schulen eine Bereicherung sein, wenn sie gut begleitet und auf das Unterrichten angemessen vorbereitet werden. Dass sie ein vollwertiger Ersatz für Lehrpersonen sein können, die den Beruf im Wege einer langjährigen universitären Ausbildung erlernt haben, ist gleichwohl zu bezweifeln.

Auch die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK), die die Länder bei der Weiterentwicklung des Bildungswesens berät, beurteilte die Situation in einer Stellungnahme zuletzt als dramatisch (SWK 2023, S. 6-7): Der Mangel an qualifiziertem Personal bedrohe die Sicherstellung der Unterrichtsversorgung und beeinträchtige die Qualität des Unterrichts. Und er gewinne angesichts alarmierender Befunde zur Kompetenzentwicklung der Schüler:innen, die zuletzt etwa der Interner Link: IQB-Bildungstrend zutage gefördert hat, noch einmal zusätzlich an Dramatik. Denn es gebe deutliche Hinweise, dass eine reduzierte Unterrichtszeit mit geringeren fachlichen Leistungen einhergehe. Dies gelte, so betont die SWK, insbesondere für Schüler:innen aus sozial benachteiligten Familien, da die schulische Lernzeit für sie aufgrund häufig geringer häuslicher Unterstützung besonders wichtig sei. Der aktuelle Lehrkräftemangel ist also auch mit Blick auf Fragen der Interner Link: Chancengleichheit ein gravierendes Problem – und zwar noch in einem weiteren Sinne: Schulen, an denen ein hoher Anteil sozial benachteiligter Schüler:innen lernt, haben deutlich häufiger als andere Schulen mit Personalmangel zu kämpfen, wie eine repräsentative Schulumfrage der Robert Bosch Stiftung aus dem Jahr 2022 verdeutlicht. Während unter den Schulen insgesamt zwei Drittel der befragten Schulleitungen Personalmangel als die aktuell größte Herausforderung beurteilten, waren es an sozial benachteiligten Standorten ganze 80 Prozent (Robert Bosch Stiftung 2023, S. 7).

Eine Entspannung der Lage ist bis auf weiteres nicht in Sicht. Aktuelle Berechnungen (KMK 2024, Dohmen 2024, Geis-Thöne 2022 und Klemm 2022) lassen vielmehr erwarten, dass sich der Lehrkräftemangel in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. In welchem Maße genau dies der Fall sein wird, ist dabei allerdings strittig. Denn die zur Abschätzung des Lehrkräftebedarfs erforderlichen Berechnungen sind komplex und müssen sich notwendig auf eine ganze Reihe von Annahmen über die Zukunft stützen, Annahmen z. B. über die Geburtenentwicklung oder die Entwicklung der Zahl der Absolventinnen und Absolventen eines Lehramtstudiums (siehe Abschnitt 3). Es handelt sich bei solchen Berechnungen also um Zukunftsprognosen, die in Abhängigkeit von den getroffenen Annahmen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gelangen können und die, seien sie noch so ausgefeilt, immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sind. Für die Verantwortlichen in den Bildungsverwaltungen sind entsprechende Prognosen gleichwohl die einzig verfügbare Datengrundlage, wenn es z. B. darum geht zu entscheiden, wie viele Lehrkräfte in einer Haushaltsperiode neu eingestellt werden sollen oder mit Universitäten darüber verhandelt wird, wie viele Lehramtsstudienplätze angeboten werden sollten. Wenn sich die für solche Planungen herangezogenen Zahlen als unzutreffend erweisen – etwa weil sich die Geburtenzahlen oder die Zahl der Absolventinnen und Absolventen des Lehramtsstudiums anders entwickeln als zum Zeitpunkt der Prognose absehbar war – ist die Gefahr groß, dass es zu einem Mangel oder eben auch einem Überangebot an Lehrkräften kommt.

Die Probleme, die mit einem Mangel an Lehrkräften einhergehen, können wir heute allenthalben beobachten. Aber auch ein Überangebot an Lehrkräften kann sehr problematische Folgen haben: für angehende Lehrkräfte, die trotz aufwändiger Ausbildung möglicherweise über Jahre wenig Aussicht auf eine sichere Stelle haben, aber auch für die Haushalte der im föderalen System für Bildung zuständigen Länder. Denn aus den Landeshaushalten muss dann unter Umständen mehr Lehrpersonal finanziert werden, als gemessen an den administrativen Vorgaben für eine auskömmliche Lehrkräfteversorgung eigentlich benötigt wird. Sowohl Phasen des Mangels als auch Phasen des Überangebots an Lehrkräften hat es in der Bundesrepublik in unterschiedlicher Intensität immer wieder gegeben und ein Blick in die Geschichte dieses Problems macht deutlich, dass häufig das eine zeitlich versetzt in das andere umschlägt.

Zitat

Noch 20 Jahre Lehrermangel

Allgemeine Zeitung, 28.01.2023
Zitat

Düstere Zukunft für die Schulen […] Experten empfehlen weniger Teilzeit, mehr Wochenstunden und Rückkehr von Pensionären

Wormser Zeitung, 28.01.2023
Zitat

Vier-Tage-Woche, gekürzte Stundenpläne, vergrößerte Klassen: Der Lehrermangel lässt die angespannte Lage an den Schulen eskalieren

Die Welt, 12.08.2022
Zitat

Der Lehrermangel trifft arme Schüler am stärksten

Der Tagesspiegel, 14.09.2018
Zitat

Lehrermangel verhindert Ganztagsschulen

Mitteldeutsche Zeitung, 14.01.2017
Zitat

Lehrermangel: Thüringen muss Hunderte Absolventen importieren

Thüringer Allgemeine, 05.01.2015
Zitat

Mehr Ausfälle, weniger Vertretungen […] Der Lehrermangel in Sachsen-Anhalt schlägt immer stärker auf die Unterrichtsversorgung durch

Mitteldeutsche Zeitung, 24.06.2014
Zitat

In Berlin gibt es vor den Sommerferien mehr als 1.800 offene Lehrerstellen. Quereinsteiger sollen es nun richten, auch ohne pädagogische Ausbildung

Die Zeit, 11.06.2014
Zitat

Kommission empfiehlt Grün-Rot: Ausbildung nach Schultypen abschaffen

Südwest Presse, 22.03.2013
Zitat

Tausende Pädagogen sind im Sommer arbeitslos, weil sie befristete Verträge haben

Frankfurter Rundschau, 02.06.2012
Zitat

Ringen um rare Lehrer: Vorerst keine gemeinsame Strategie der Länder gegen Abwerbung

Der Tagesspiegel, 06.03.2009
Zitat

An Bayerns Schulen unterrichten nun Ingenieure, Pensionäre, Biologinnen und sogar ein Silberschmied

Süddeutsche Zeitung, 16.09.2008
Zitat

Mathe- und Physiklehrer wandern in Wirtschaft ab

Hamburger Abendblatt, 07.08.2008
Zitat

Unterrichtsausfall an den Grundschulen am höchsten

Leipziger Volkszeitung, 21.05.2008
Zitat

Befürchteter Lehrermangel bleibt womöglich aus

Die Welt, 09.02.2006
Zitat

Verzweifelt gesucht: Mit Imagekampagnen und Sprintstudium gegen Lehrermangel

Süddeutsche Zeitung, 19.09.2005
Zitat

Deutschland droht drastischer Lehrermangel. Neue Studie: Obwohl 35.000 Pädagogen derzeit Arbeit suchen, stellen die Bundesländer immer weniger Lehrer ein

Die Welt, 02.11.2004
Zitat

Rheinland-Pfalz: Lehrermangel verbessert Chancen für Quereinsteiger

Frankfurter Rundschau, 09.04.2003
Zitat

Im Westen fehlen Lehrer, im Osten Schüler

Berliner Zeitung, 04.10.2001
Zitat

Der Lehrermangel in fast allen Schulformen war doch seit Jahren vorauszusehen

Saarbücker Zeitung, 19.04.2001

Der zyklische Wechsel von Mangel und Überschuss

Ob Lehrkräftemangel oder ein Überangebot an Lehrerinnen und Lehrern den Schulalltag prägen, ist das Ergebnis eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren, nämlich der Geburtenentwicklung, den Studienwahlentscheidungen der studienberechtigten jungen Menschen sowie der Anzahl der neu zu besetzenden Lehrkräftestellen. Dieses Zusammenspiel lässt sich an einem Beispiel aus der Geschichte der Bundesrepublik verdeutlichen: Seit Beginn der 1950er Jahre stiegen im Gebiet der damaligen Bundesrepublik die jährlichen Geburtenzahlen von knapp 0,8 Mio. bis 1965 auf nahezu 1,1 Mio. Neugeborene an (Statistisches Bundesamt 2016, S. 3). Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Georg Diederichs kommentierte diesen Anstieg der Geburtenzahlen mit dem aus heutiger Sicht bemerkenswerten Satz: „So etwas kann zur Last werden, wie zum Beispiel in Indien.“ (Spiegel, 8.5.1967). Offensichtlich hatte er dabei die Berechnungen des Pädagogen Georg Picht im Sinn, der in seiner damals viel beachteten Arbeit „Die deutsche Bildungskatastrophe“ kurz zuvor auf die Folgen dieses Geburtenanstiegs für den Lehrkräftebedarf hingewiesen hatte: „Demnach müßten sämtliche Hochschulabsolventen Lehrer werden, wenn unsere Schulen ausreichend mit Lehrern versorgt sein sollen.“ (Picht 1964, S. 22, siehe Infobox)

Bei den jungen Leuten kam diese Botschaft an. Während 1965 lediglich 17.100 Lehramtsprüfungen gezählt wurden, schlossen zehn Jahre später (1975) 40.400 Lehramtsstudierende ihr Studium erfolgreich ab (BMBW 1987, S. 184). Dies geschah genau in dem Jahr, in dem die Geburtenzahlen von den bereits erwähnten 1,1 Mio. in 1964 auf nur noch 0,6 Mio. zurückgegangen waren (Statistisches Bundesamt 2016, S.3). Die Bildungsexpansion (siehe Infobox) traf den sogenannten Pillenknick, also den (nicht nur in Deutschland) mit der Verbreitung der Antibabypille zusammenfallenden Rückgang der Geburtenraten ab Mitte der 1960er Jahre. In Folge dieser Entwicklung kam es zu einer sprunghaft steigenden Arbeitslosigkeit unter den neu ausgebildeten Lehrkräften, die spätestens Anfang der 1980er Jahre zu einem ernsten bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Problem wurde (siehe Interner Link: Beitrag Bölling). Die Länder reagierten auf diese Situation schon zu Beginn der achtziger Jahre, indem sie die Ausbildungskapazitäten im Vorbereitungsdienst deutlich reduzierten. 1981 gab es für gut 28.000 Absolventinnen und Absolventen eines Lehramtsstudiums nur noch gut 20.000 Referendariatsstellen – mit weiter fallender Tendenz (KMK 2000, S. 9). Dies führte zu einem abrupten Einbruch der Zahl der Anfänger:innen eines Lehramtsstudiums: 1975 wurden noch gut 40.000 gezählt, 1985 dagegen nur noch gut 11.000 (BMBW 1990, S. 152).

Das Typische an dem hier skizzierten Beispiel ist dies: Abschätzungen zum künftigen Lehrkräftebedarf werden in einem demographischen Kontext erstellt. Das Studienplatzangebot der Lehrkräfteausbildung orientiert sich daran und führt – zeitlich versetzt – zu einem Lehrkräfteangebot, das nur nachfragegerecht ist, wenn sich die demographischen Annahmen als einigermaßen zutreffend erweisen. Wenn sich diese Annahmen als falsch (z. B. als deutlich überhöht) herausstellen, entsteht je nach Ausbildungsdauer von Studium und Referendariat zeitlich versetzt ein Überangebot, das bei ausgebildeten Lehrkräften zu Arbeitslosigkeit führt. Das wiederum veranlasst junge studienberechtigte Schulabsolventinnen und -absolventen dazu, sich mit Blick auf den aktuellen Arbeitsmarkt „prozyklisch“ zu verhalten und kein Lehramtsstudium aufzunehmen, was dann wiederum zeitlich versetzt zu Mangelsituationen führen kann – und so weiter.

Die am Beispiel der westdeutschen Entwicklung zwischen Mitte der sechziger und Mitte der siebziger Jahre beschriebene Konstellation ist, was die Geburtenentwicklung angeht, in der Geschichte der Bundesrepublik kein Einzelfall: So gab es zu Beginn der neunziger Jahre bei den Geburtenzahlen im Gebiet der früheren DDR einen gleichfalls sehr starken Einbruch. Von 1989 noch 199.000 Geburten verringerte sich deren Zahl bis 1993 auf nur noch 79.000 (Statistisches Bundesamt 2016, S. 4). Auf den daraufhin zu erwartenden Rückgang der Zahlen der Schüler:innen reagierten die neuen Bundesländer mit einer stark verkleinerten Zahl der Neueinstellungen: 1992 wurden dort insgesamt nur noch 1.062 Lehrkräfte aus dem Vorbereitungsdienst übernommen, 1993 sogar nur noch 662 (KMK 2000, S. 6). In Folge derartig niedriger Einstellungszahlen gingen auch die Zahlen der Anfänger:innen in den Lehramtsstudiengängen zurück. Im Jahr 2000 wurden in den fünf neuen Bundesländern insgesamt in den Lehramtsstudiengängen nur etwa 3.500 Studienanfänger:innen gezählt. Zum Vergleich: In dem, was die Einwohnerzahl angeht, nur wenig größeren Nordrhein-Westfalen waren dies im gleichen Jahr etwa 8.100 (KMK 2001, S. 8).

„Bausteine“ der Prognosen zum Einstellungsbedarf von Lehrer:innen

Der soeben nur knapp und beispielhaft beschriebene Zusammenhang zwischen der demographischen Entwicklung einerseits und dem Mangel bzw. dem Überschuss an ausgebildeten Lehrkräften andererseits muss bei der Erstellung von Vorausschätzungen des Einstellungsbedarfs neu ausgebildeter Lehrkräfte berücksichtigt werden. Ob und wie dies geschehen kann, soll im Folgenden anhand der vier „Bausteine“ verdeutlicht werden, aus denen sich derartige Bedarfsprognosen zusammensetzen.

Auswege aus der Krise?

Der Anteil der jungen Leute mit einer Studienberechtigung, die ein Lehramtsstudium aufnehmen, liegt gegenwärtig bei etwa 8 Prozent und wird sich angesichts des Mangels auch in anderen Berufen, die eine universitäre Ausbildung erfordern, kaum erhöhen lassen. Wenn die Bundesländer von der Politik der Mangelwirtschaft unter Zuhilfenahme von Notmaßnahmen loskommen wollen, so erscheint vor allem ein Weg aussichtsreich: Es müssen sich alle Anstrengungen darauf richten, den Anteil derer, die vom Beginn des Lehramtsstudiums bis zum Eintritt in den Schuldienst verloren gehen, deutlich zu reduzieren. Denn folgt man den Berechnungen des Stifterverbandes (2023), so schließen von den Anfänger:innen eines Lehramtsstudiums lediglich etwa 54 Prozent ihre Ausbildung erfolgreich ab. Um dem entgegenzuwirken, sind differenzierte Analysen zu den Ausbildungsphasen, in denen Studierende und Referendare ihr Ausbildungsziel des Lehrer:innenberufs aufgeben, unverzichtbar. Auf der Grundlage derartiger Untersuchungen könnte daraufhin nach Wegen gesucht werden, die Zahl derjenigen zu steigern, die den einmal eingeschlagenen Ausbildungsweg auch zu Ende gehen, um dann tatsächlich in den Lehrberuf einzumünden.

Selbst wenn es sehr zügig gelänge, im Lehramtsstudium spürbare Verbesserungen zu erzielen, würde sich dies allerdings wegen der Dauer der Lehramtsausbildung frühestens nach etwa acht Jahren in den Absolventinnen- und Absolventenzahlen bemerkbar machen. Kurz- bis mittelfristig werden wir also sehr wahrscheinlich auf die ganze Palette der schon heute praktizierten Notmaßnahmen angewiesen bleiben.

Angesichts der komplexen Dynamiken, die auf dem Lehrkräftearbeitsmarkt zum Tragen kommen, werden Phasen des Mangels auch zukünftig nicht vollständig zu vermeiden sein. Zumindest in einem gewissen Rahmen aber lässt sich vorbeugen. In Anbetracht der immensen gesamtgesellschaftlichen Bedeutung des Lehrberufs und in Wertschätzung gegenüber denjenigen, die sich für diese mitunter fordernde Berufslaufbahn entscheiden, sollte die Schulpolitik alles daran setzen, hier ein Höchstmaß an verlässlichen Beschäftigungsperspektiven zu bieten – auch wenn das in Zeiten geringerer Schüler:innenzahlen unter Umständen Mehrkosten bedeutet. Denn wenn die Vergangenheit eines lehrt, dann wohl dies: Ob die vielen zusätzlichen Lehrkräfte, die aktuell so händeringend gesucht werden, noch ebenso gute Beschäftigungschancen vorfinden, sollten die heutigen Werbungsrufe am Ende tatsächlich Gehör gefunden haben, ist gegenwärtig keineswegs sicher.

Weitere Inhalte