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Europäischer Rechtsterrorismus | Rechtsextremismus | bpb.de

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Europäischer Rechtsterrorismus

Tobias Hof

/ 12 Minuten zu lesen

Das Gedenk-Kunstwerk "Jernrosene" (Die Eisernen Rosen) erinnert vor dem Osloer Dom an die 77 Todesopfer der Terroranschläge in Norwegen 2011. (© picture alliance/dpa | Steffen Trumpf)

Was ist Rechtsterrorismus?

Rechtsterrorismus lässt sich als politisch motivierte Taktik definieren, die von nichtstaatlichen Akteuren ausgeübt wird und von einem Glauben an die eigene Überlegenheit sowie an eine naturgegebene Ungleichheit zwischen Menschen getragen ist. Sie umfasst die Androhung oder Anwendung von Gewalt, wobei Öffentlichkeit eine zentrale Rolle spielt. Rechtsterrorismus kann unterschiedliche Formen annehmen und sowohl reaktionäre als auch revolutionäre Ziele verfolgen. Gerade reaktionäre Rechtsterroristen agieren sowohl autonom als auch in Kooperation mit Teilen staatlicher Stellen oder Amtsträgern. Staatliche Beteiligung kann dabei von stillschweigender Duldung bis hin zur verdeckten Unterstützung reichen. Der folgende historische Überblick über rechtsterroristische Bewegungen beleuchtet dabei sowohl deren ambivalentes Verhältnis zu Teilen des Staatsapparats als auch deren vielschichtige Entwicklungen: Er zeigt Radikalisierungs- und Legitimationsmuster auf und macht zugleich transnationale Netzwerke sichtbar, wie sie sich in Europa seit über einem Jahrhundert herausgebildet und verfestigt haben.

Das Zeitalter der Weltkriege

Als Beginn des modernen Terrorismus gilt häufig die Französische Revolution (1789–99), nicht zuletzt, weil in dieser Zeit der Begriff „Terrorismus“ geboren wurde. Zwar traten bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert einzelne Formen rechtsterroristischer Gewalt auf – etwa die Gewalt der Heiligen Bruderschaft (1881–83) oder der Schwarzen Hundertschaften (1905–07) im zaristischen Russland –, doch erlebte der Rechtsterrorismus in Europa seine erste Hochphase in der Zwischenkriegszeit. Diese wurde vielfach von einem Gefühl der Erniedrigung nach dem Ersten Weltkrieg, der Angst vor einer kommunistischen Weltrevolution sowie vor dem Zerfall traditioneller Werte und gesellschaftlicher Ordnungen angetrieben.

Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verübten rechtsextremistische Paramilitärs und Freikorps in Deutschland, Ost- und Südosteuropa sowie in Finnland einen „Weißen Terror“ gegen linke Politiker, Intellektuelle und jüdische Bevölkerungsgruppen, die als Landesverräter stigmatisiert wurden – vielfach von staatlicher Seite geduldet oder sogar gefördert. Der Begriff „Weißer Terror“ entstammt der Französischen Revolution, wo er die Gewalt von Anhängern des alten königlichen Regimes bezeichnete – benannt nach der weißen Kokarde als Erkennungszeichen der Monarchisten – und weitete sich später auf rechtsextreme Gewalt im Allgemeinen aus.

Dort, wo eine staatliche Unterstützung ausblieb oder eingestellt wurde, begaben sich rechtsterroristische Gruppen in den Untergrund, wie etwa die Organisation Consul in der Weimarer Republik oder die Cagoule in Frankreich. Ziel war die (erneute) Etablierung eines autoritären politischen Systems und einer „rassisch homogenen“, patriarchalischen Gesellschaft.

Als diese Strategien nicht dauerhaft zur Ausschaltung linker Parteien oder zur Überwindung parlamentarischer Systeme führte, wandten sich viele Rechtsextremisten dem Faschismus zu, der durch Benito Mussolinis Aufstieg international Aufmerksamkeit erregt hatte. Bewegungen wie die nationalsozialistische Sturmabteilung (SA) in Deutschland oder die rumänische Eiserne Garde nutzten terroristische Gewalt als Mittel zur Machterlangung und zur Durchsetzung einer nationalen „Wiedergeburt“. Während die meisten faschistischen Bewegungen scheiterten, wurden jene, die die Macht übernahmen – wie in Italien und Deutschland – zu zentralen Akteuren eines systematischen Staatsterrors.

In der Zwischenkriegszeit zeigen sich bereits Anzeichen transnationaler Zusammenarbeit und ideologischen Austauschs, die auf tatsächlicher oder angenommener weltanschaulicher Verbundenheit beruhten. Diese Verflechtungen führten nicht nur dazu, dass autoritäre Staaten teils als Rückzugsorte für Rechtsterroristen aus anderen Ländern dienten, sondern äußerten sich auch in logistischer Unterstützung – etwa in den Verbindungen zwischen der Cagoule und dem faschistischen Regime in Italien oder in der Ermordung König Alexanders I. von Jugoslawien 1934 in Marseille durch einen bulgarischen Attentäter im Auftrag der kroatisch-faschistischen Ustascha.

Der Kalte Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg entzogen sich viele Faschisten und Nationalsozialisten der strafrechtlichen Verfolgung, etwa durch Amnestien oder durch die Flucht ins Exil. Zugleich boten die Herausforderungen der Nachkriegszeit – etwa der Beginn des Kalten Kriegs, die Dekolonisierung, Massenvertreibungen, Arbeitslosigkeit und soziale Desintegration – den Nährboden für das erneute Aufleben von Rassismus, Antisemitismus, Ultranationalismus und Antikommunismus. Diese Bedingungen begünstigten die Bildung transnationaler Netzwerke militanter rechtsextremistischer Akteure und das Wiedererstarken eines vielgestaltigen rechtsterroristischen Milieus in Europa.

Neue Technologien und eine als global wahrgenommene Gefährdung trugen dazu bei, dass diese transnationale Vernetzung zunahm. Französische und belgische Gruppen wie die Fédération d’actionnationale et européenne oder der Vlaamse Militanten Orde fungierten als Knotenpunkte eines europäischen Netzwerks, organisierten Treffen und ideologischen Austausch und standen im engen Kontakt mit britischen, deutschen und schwedischen Rechtsterroristen. Auch der US-amerikanische Neonazi Gary Lauck spielte eine wichtige Rolle in der internationalen Vernetzung, insbesondere durch die Verbreitung rechtsextremer Propaganda. Vereinzelt bestanden zudem Verbindungen zu palästinensischen Gruppen, die auf antisemitischen und antizionistischen Schnittmengen beruhten. So waren deutsche Rechtsterroristen an der Waffenbeschaffung für das Olympia-Attentat 1972 des Schwarzen Septembers beteiligt. Gleichwohl gibt es keine belastbaren Hinweise auf eine dauerhafte operative Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg, auch wenn einzelne Rechtsterroristen wie Klaus Ludwig Uhl versuchten, internationale Gruppen zu bilden.

Auf Grundlage der Motive und Ziele rechtsterroristischer Akteure lassen sich für die Zeit des Kalten Kriegs grob drei reaktionäre Typen unterscheiden: ein antikommunistischer, ein rassistisch-antisemitischer sowie ein ultranationalistischer Rechtsterrorismus. Die Kategorien sind nicht trennscharf, sondern überlappten sich häufig, zumal Gruppen ihre Prioritäten im Zeitverlauf veränderten. Welche Form dominierte, hing dabei von nationalen wie internationalen Rahmenbedingungen ab – von Wahlergebnissen und Dekolonisierung über Einwanderung und Protestbewegungen bis hin zur Entspannungspolitik im Kalten Krieg.

Der antikommunistische Rechtsterrorismus richtete sich gegen die politische und gesellschaftliche Öffnung nach links und zielte auf die Etablierung konservativ-autoritärer Staatssysteme. Er zeigte sich etwa im „Weißen Terror“ während des griechischen Bürgerkriegs (1946–49), in der Bundesrepublik Deutschland mit der Entstehung paramilitärischer Wehrsportgruppen und terroristischer Organisationen, die unter anderem Willy Brandts Ostpolitik ablehnten, die auf „Wandel durch Annäherung“ setzte, sowie in Italien im Kontext der „Strategie der Spannung“ (1969–74). Straßenkämpfe, Putschversuche und Bombenanschlägen, denen dutzende Personen zum Opfer fielen, sollten in Italien Chaos stiften, der Linken angelastet werden und so den Ruf nach einem autoritär-reaktionären System erzwingen.

Ultranationalistischer Rechtsterrorismus gewann zunächst im Zuge der Dekolonisierung an Bedeutung. Gruppen wie die französische Organisation de l’armée secrète (OAS) versuchten während des Algerienkriegs (1954–62), den Verlust europäischer Kolonialreiche – gedeutet als Ende weißer Vorherrschaft – gewaltsam zu verhindern. Ihre Anschläge richteten sich gegen Einheimische, Unabhängigkeitsbewegungen und Politiker*innen im eigenen Land. Nach der Auflösung der OAS wirkten ehemalige Mitglieder und andere europäische Rechtsterroristen teils außerhalb Europas weiter, etwa als Berater für Militärdiktaturen in Lateinamerika. Auch der Terrorismus in Südtirol in den 1950er- und 1960er-Jahren, dem 17 Personen zum Opfer fielen und der Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken in Deutschland und Österreich aufwies, gehört in diese Kategorie. Seit den 1970er-Jahren attackierten ultranationalistische Rechtsterroristen zudem separatistische terroristische Organisationen wie die Provisional Irish Republican Army, die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) oder die Euskadi ta Askatasuna (ETA).

Hochphasen des rassistischen und antisemitischen Rechtsterrorismus traten während der Dekolonisierung und erneut seit den 1980er Jahren auf, als mehr Menschen aus afrikanischen und asiatischen Staaten sowie dem zerfallenden Ostblock nach Westeuropa migrierten. In vielen europäischen Staaten kam es zu gezielten Anschlägen, pogromartigen Ausschreitungen und massiver Gewalt – eine Entwicklung, die sich bis in die jüngste Zeit fortsetzte, etwa im Fall des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der neun Menschen aus rassistischen Gründen ermordete. Ziel der Gewalt war es, Migration im Namen einer vermeintlich ethnisch homogenen Nation zu verhindern.

Während des Kalten Kriegs unterhielten reaktionäre Rechtsterroristen teils Kontakte zu westlichen Sicherheits- und Geheimdiensten sowie zu konservativen Politikern. Auch wenn daraus keine direkte staatliche Steuerung abgeleitet werden darf – dies würde die Eigenlogik und Handlungsfähigkeit der Rechtsterroristen verkennen – beeinflusste diese Nähe sowohl ihre Aktivitäten als auch die juristische Aufklärung. Sie ermöglichte italienischen Rechtsterroristen während der „Strategie der Spannung“ die Flucht ins Ausland und behinderte für Jahrzehnte eine konsequente Strafverfolgung. Die sozialistische Regierung Spaniens unter Felipe González (1982–1996) unterstütze Rechtsterroristen der Grupos Antiterroristas de Liberación im Kampf gegen die ETA materiell und finanziell. In Westdeutschland wiederum wurden Rechtsterroristen wie Gundolf Köhler (Oktoberfestattentat 1980) jahrelang als isolierte Einzeltäter eingestuft, was Ermittlungen in das rechtsextreme Milieu blockierte und eine vollständige Aufklärung der Taten verhinderte.

Auch wenn Rechtsterroristen vereinzelt Erfolge – etwa eine Verschärfung von Migrationsgesetzen – verbuchen konnten, gelang es ihnen nicht, die gesellschaftliche Liberalisierung aufzuhalten; stattdessen verstärkte sich ihre politische Marginalisierung. In den 1970er Jahren betrachteten jüngere Rechtsextreme Studentenproteste und den Vietnamkrieg als Beleg für das Scheitern früherer Strategien und zugleich als existenzielle Bedrohung ihres Weltbildes und ihrer Traditionen. Sie machten dafür den Staat verantwortlich, den sie als von Feinden kontrolliert ansahen, und verfolgten daher weniger die Wiederherstellung autoritärer Systeme als vielmehr einen revolutionären Umsturz und die Zerschlagung des bestehenden Status quo. Inspiriert von der französischen „Neuen Rechten“, neofaschistischen Denkern wie Julius Evola sowie US-amerikanischen Rechtsextremen wie William L. Pierce (The Turner Diaries, 1978) lassen sich entsprechende Entwicklungen in Deutschland, Italien und Frankreich beobachten.

Der revolutionäre Rechtsterrorismus war eng mit der rechtsextremen Subkultur verbunden, die jüngeren Extremisten, die sich in der Gesellschaft isoliert fühlten, einen Rückzugsraum bot. Gleichzeitig nutzten sie kulturelle Aktivitäten gezielt für Rekrutierung und Indoktrination. So entwickelte sich seit Mitte der 1970er Jahre die Subkultur zu einem zentralen Raum der Radikalisierung, deren Bedeutung durch rechtsextreme Fanzines, Musiklabels, Konzerte und frühe Internetangebote weiter anstieg. Besonders die Rechtsrock- und Skinhead-Szene, etwa mit Netzwerken wie Blood & Honour, bot wichtige Strukturen für Rekrutierung und Vernetzung. Musik und Internet stärkten dabei das Gefühl einer transnationalen Zusammengehörigkeit und trugen entscheidend zur Bildung einer transnationalen Gesinnungsgemeinschaft bei.

Rechtsterrorismus in einer multipolaren Welt

Im frühen 21. Jahrhundert trug eine Mischung aus wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen sowie technologischen Innovationen dazu bei, dass rechtsextreme Ideen aus dem gesellschaftlichen Randbereich wieder in den Mainstream rückten. Ereignisse wie die Finanzkrise 2008, verstärkte Migration infolge des Arabischen Frühlings und des syrischen Bürgerkriegs, die COVID-19 Pandemie sowie islamistische Terroranschläge vertieften soziale Ungleichheiten, schürten Unsicherheit und erschütterten das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit demokratischer Regierungen. In zahlreichen europäischen Ländern nahmen Ressentiments gegenüber Globalisierung, dem Islam und politischen „Eliten“ zu und verbanden sich mit protektionistischer, nativistischer Rhetorik – der Verbindung aus Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit – und antisemitischen Verschwörungstheorien. Zentrale Bedeutung gewannen dabei Vorstellungen eines vermeintlichen Niedergangs der „christlich-westlichen Zivilisation“ und einer angeblichen Islamisierung Europas sowie die Verschwörungserzählung eines „Großen Austauschs“.

Diese nicht neue, aber von Renaud Camus popularisierte Theorie behauptet, dass progressive und marxistische Eliten die systematische Verdrängung weißer Bevölkerungen durch Masseneinwanderung und Islamisierung betreiben würden. In der Wahrnehmung vieler Rechtsextremisten weitete sich diese Angst zu einer als existentiell wahrgenommenen demografischen Bedrohung aus, die in Warnungen vor einem angeblichen „weißen Genozid“ gipfelten.

Obwohl diese Ängste tief in Verschwörungserzählungen verwurzelt waren, enthielten sie reale Anknüpfungspunkte zu gesellschaftspolitischen Herausforderungen (u. a. islamistische Terroranschläge, den Umgang mit Geflüchteten seit 2015, wirtschaftliche Rezession), um von rechtsextremen Gruppen politisch instrumentalisiert zu werden. Eine unmittelbare Folge waren die deutlichen Wahlerfolge rechtsextremer Parteien in Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Ungarn oder den Niederlanden.

Einige Rechtsextreme griffen in diesem Klima auch zur terroristischen Gewalt: Anschläge wie die von Anders Breivik in Norwegen (2011), der 77 Personen, darunter vor allem Kinder und Jugendliche tötete, von München (2016) und Hanau (2020) in Deutschland, denen neun und zehn Menschen zum Opfer fielen, oder Finsbury Park in Großbritannien (2017), der ein Todesopfer forderte, wurden vielfach von sogenannten „Lone Wolf“-Terroristen verübt. Der Begriff „Lone Wolf“ kann irreführend sein, da er nahelegt, die Täter hätten als isolierte Einzeltäter gehandelt. Tatsächlich sind sie häufig in rechtsextreme Milieus eingebunden, die sich im 21. Jahrhundert über das Internet und soziale Medien formieren, verdichten und weiter ausbreiten. Häufig begründeten sie ihre Taten mit der Vorstellung, der Staat werde von feindlichen Mächten kontrolliert und handle nicht mehr im Interesse der eigenen Bevölkerung. Folglich, so das Argument, müsse die Verteidigung der bedrohten weißen, christlichen Welt selbst übernommen werden.

Heute wird Rechtsterrorismus – anders als früher – häufig als transnational wahrgenommen: Digitale Räume ermöglichen grenzüberschreitende Radikalisierung, gegenseitige Bezugnahmen sowie die Nachahmung früherer Anschläge; Organisationen wie Atomwaffen Division, Combat 18 oder die Sonnenkrieg Division bauen zudem transnationale Netzwerke mit autonom agierenden nationalen Ablegern auf. Zentral gesteuerte, operativ transnational agierende rechtsterroristische Organisationen sind jedoch bislang nicht bekannt. Zugleich ist auch zu beachten, dass Rechtsterroristen spätestens seit den 1920er Jahren versucht haben, sich über Grenzen hinweg zu vernetzen.

Auch die Rolle sozialer Medien sollte mehr als Weiterführung bestehender Strategien mit neuen technischen Mitteln verstanden werden – ähnlich wie sie auch von islamistischen Terroristen genutzt werden – und nicht als radikaler Bruch. Neu erscheinen teilweise Formen der Inszenierung und Rechtfertigung von Gewalt, etwa Livestreams von Anschlägen, Gamifizierung oder die Veröffentlichung umfangreicher Manifeste. Aber auch diese Praktiken sind keine völlige Innovation, da ideologische Gewaltbegründungen und ihre öffentliche Legitimation bereits früher zentrale Strategien revolutionärer Rechtsterroristen bildeten.

Vor dem Hintergrund wachsender gesellschaftlicher Polarisierung ist auch künftig mit einem erhöhten rechtsextremen Gewaltpotenzial zu rechnen. Internationale Einflüsse – etwa strategische Einflussnahmen staatlicher Akteure wie den USA und Russland – können dabei verstärkend wirken. Dies relativiert nicht die Eigenständigkeit europäischer Rechtsterroristen, verweist jedoch auf mögliche hybride Strategien, die auf die Stärkung rechtspopulistischer Kräfte oder die gezielte Destabilisierung politischer Ordnungen durch zunehmende Gewalt abzielen.

Quellen / Literatur

Bundesministerium des Inneren, Betrifft: Verfassungsschutz 1969–1982, Bonn 1969–1982. Bundesministerium des Inneren, Verfassungsschutzbericht 1983–1998, Bonn, 1983–1998. Bundesministerium des Inneren, Verfassungsschutzbericht 1999–2023, Berlin, 1999–2023. Landtag von Baden-Württemberg, Bericht und Beschlussempfehlung des Untersuchungsausschusses „Die Aufarbeitung der Kontakte und Aktivitäten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Baden-Württemberg und die Umstände der Ermordung der Polizeibeamtin M.K.“ Bd. 1. Landtagsdrucksache 15/8000, 28 April 2016. Servizio per le Informazioni e la Sicurezza Democratica, Rapporto sull’eversione e sul Terrorismo di estrema destra, Ottobre 1982, vol. II, in: Camera dei Deputati and Senato della Repubblica, Atti Parlamentari, Commissione parlamentare di inchiesta sul rapimento e sulla morte di Aldo Moro, XVII Legislatura, Doc. XXIII. Rome 2014.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Jeffrey M. Bale, The Darkest Sides of Politics, vol. 2: State Terrorism, “Weapons of Mass Destruction,” Religious Extremism, and Organized Crime, London 2018, S. 18–20. Zahlreiche historische Beispiele, die das ambivalente Verhältnis zwischen Staaten und rechtsterroristischen Bewegungen beleuchten, finden sich in Johannes Dafinger und Moritz Florin (Hrsg.), A Transnational History of Right-Wing Terrorism: Political Violence and the Far Right in Eastern and Western Europe since 1900, New York 2022.

  2. Zur rechtsterroristischen Gewalt im zaristischen Russland vgl. Vitalij Fastovskij, Terrorist Entanglements: Socialist Perspectives on State and Right-Wing Violence in the Late Russian Empire, in: Johannes Dafinger und Moritz Florin (Hrsg.), A Transnational History of Right-Wing Terrorism. Political Violence and the Far Right in Eastern and Western Europe since 1900, London New York 2022, S. 19–41, hier S. 24–25; Martin A. Miller, The Foundations of Modern Terrorism: State Society and the Dynamics of Political Violence, Cambridge 2012, S. 65–90.

  3. Für das Verhältnis zwischen staatlichen Stellen und der Armee einerseits und rechtsterroristischen, paramilitärischen Einheiten in Finland und Ungarn andererseits vgl. u. a. Bela Bodó, Oppression, terror, and “split delegitimization:” The troubled relationship between the conservative authoritarian state and its right-wing critics in Hungary between 1919 and 1945, in: Johannes Dafinger und Moritz Florin (Hrsg.), A Transnational History of Right-Wing Terrorism. Political Violence and the Far Right in Eastern and Western Europe since 1900, London New York 2022, S. 42–69; Jussi Jalonen, From Underground Terrorism to State Terrorism and Beyond: The Question of Terrorism in the Finnish Jäger Movement during and after the First World War, in: Terrorism and Political Violence 30, Nr. 5 (2018), S. 812–827.

  4. Zum „Weißen Terror“ der Zwischenkriegszeit vgl. Robert Gerwarth und John Horne (Hrsg.), War in Peace: Paramilitary Violence in Europe after the Great War, Oxford 2012; Tobias Hof, A Global History of Right-Wing Terrorism, Oxford New York 2026, S. 42–46.

  5. Zur Organisation Consul vgl. Florian Huber, Rache der Verlierer: Die Erfindung des Rechtsterrors in Deutschland, München Berlin 2020; Martin Sabrow, Der Rathenaumord und die deutsche Gegenrevolution, Göttingen 2022.

  6. Zum Attentat in Marseille vgl. Chris Millington, Murder in Marseille Right-wing terrorism in 1930s Europe, Manchester 2025.

  7. Zu den internationalen Netzwerken, vgl. u. a. Annelotte Janse, From Letters to Bombs: Transnational Ties of West German Right-Wing Extremists, 1972–1978, in: Behavioral Sciences of Terrorism and Political Aggression 14, Nr. 3 (2022), S. 241–258; Daniel Köhler, Right-Wing Terrorism in the 21st Century: The “National Socialist Underground” and the History of Terror from the Far-Right in Germany, London 2017, S. 77–83

  8. Die Typologisierung basiert auf einer Adaption der rechtsterroristischen Kategorien von Ehud Sprinzak, Right-Wing Terrorism in a Comparative Perspective: The Case of Split Delegitimization, in: Tore Bjørgo (Hrsg.), Terror from the Extreme Right, London 1995, S. 17–43. Weitere Ausführung in Hof, A Global History of Right-Wing Terrorism, S. 5-13.

  9. Hierzu vgl. Vito Ruggiero, Il sogno Anticomunista: Neofascisti italiani in America Latina (1977–1982), Rom 2023.

  10. Hierzu vgl. Ulrich Chaussy, Das Oktoberfestattentat 1980–2020: Tat, Täter, Opfer, Ermittler. – Von der Vertuschung und Verdrängung zum Versuch der Aufklärung und der Wahrnehmung des Leids der Opfer, in: Hendrik Puls and Fabian Virchow (Hrsg.), Rechtsterrorismus in der alten Bundesrepublik: Historische und sozialwissenschaftliche Perspektiven, Cham 2023, S. 23–48; Thomas Riegler, Gladio: Myth and Reality, in: Adrian Hänni, Thomas Riegler, and Przemyslaw Gasztold (Hrsg.), Terrorism in the Cold War, Vol. 2: State Support in the West, Middle East and Latin America Operations, London 2020, S. 15–41; Paddy Woodworth, Dirty War, Clean Hands: ETA, the GAL and Spanish Democracy. Cork 2001.

  11. Zu Pierce und The Turner Diaries vgl. Kathleen Belew, Bring the War Home: The White Power Movement and Paramilitary America, Cambridge 2018, passim.

  12. Zur rechtsextremistischen Musikszene vgl. Kirsten Dyck, Reichsrock: An International Web of White-Power and Neo-Nazi Hate Music, New Brunswick 2016; Ryan Shaffer, Music, Youth and International Links in Post-War British Fascism: The Transformation of Extremism, Cham 2017.

  13. Hierzu vgl. Vincent A. Auger, Right-Wing Terror: A Fifth Global Wave? In: Perspectives on Terrorism 14, Nr. 3 (2020), S. 87–97; David Rapoport, Waves of Global Terrorism: From 1879 to the Present, New York 2022, S. 274–90.

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Weitere Inhalte

PD Dr. Tobias Hof ist Privatdozent für Neuere Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit Herbst 2024 ist er Gastprofessor am Institut für Germanistik und am Historischen Institut der Universität Toronto. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte des Terrorismus und der Terrorismusbekämpfung sowie in der Geschichte von Gewalt, Faschismus und Humanitarismus.