Themen Mediathek Shop Lernen Veranstaltungen kurz&knapp Die bpb Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen Mehr Artikel im

Rechtsextreme Parteien in Europa | Rechtsextremismus | bpb.de

Rechtsextremismus Was ist Rechtsextremismus? Rassismus Was ist eigentlich Rassismus? Rassen? Gibt's doch gar nicht! Warum ist es so schwer, von Rassismus zu sprechen? Alltagsrassismus Rassentheorien und Rassismus in Asien im 19. und 20. Jahrhundert Infografik Rassismus Verschwörungstheorien Jüdische Weltverschwörung, UFOs und das NSU-Phantom Die Reichsideologie Die Protokolle der Weisen von Zion Debatte: Extremismustheorie Der Extremismusbegriff Kritische Anmerkungen zum Extremismuskonzept Weiterführende Literatur Ideologie Rechtsextreme Einstellungen Zur Entwicklung des Rechtsextremismus in Deutschland Was denkt die NPD? Rechtsextremismus: die internationale Debatte Intellektueller Rechtsextremismus Was ist Rechtsextremismus? Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945 Muslimfeindlichkeit Islamfeindlichkeit, Islamophobie, Islamkritik Interview Hafez Muslimfeindlichkeit als rechtsextremes Einfallstor Virtuelle Kreuzritter Konkurrenz der Leidtragenden Quellentext: Islamfeindlichkeit und Antisemitismus ähneln einander Antisemitismus Antisemitismus heute Interview mit Marina Chernivsky Antisemitismuskritische Bildungsarbeit Die AfD und der Antisemitismus Verbreitung des Antisemitismus in Deutschland Ungezählte Opfer Ursachen und Prävention des Rechtsextremismus Ursachen des Rechtsextremismus Wie organisieren sich Rechtsextreme? Internationale Netzwerke Die Eurasierbewegung und die Neue Rechte Die APF: Europas rechtsextremer Rand Rechtsextreme US-Szene Wie Russland den rechten Rand in Europa inspiriert Globalisierte Anti-Globalisten Die Identitären Neonazis in Russland Hammerskins Kampfsport, Runen, Rassenhass Rechtsextreme Parteien in Europa Rechtsextremismus in Russland (Miss-)Erfolge der „Identitären“ NPD Mehr als 50 Jahre rechtsextrem Das Parteiprogramm der NPD Frauen in der NPD Radikal besorgte Bürger Wer wählt eigentlich rechtsextrem? NPD-Taktiken Das Potenzial der NPD NPD-Verbot und Parteienfinanzierung Autonome Nationalisten Turnschuhe statt Springerstiefel "Dortmund ist unsere Stadt" Aussteigerinterview Webtalk: Autonome Nationalisten Rechtsextreme Parteien in Europa Rechtsextreme Akteure in Deutschland Rechtsextreme Szenen und Medien Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft Interview mit Eberhard Seibel Heimatliebe, Nationalstolz und Rassismus Graue Wölfe Nationalismus und Autoritarismus auf Türkisch Antisemitismus bei Muslimen Russlanddeutsche GMF bei Polnischstämmigen Debatte: "Deutschenfeindlichkeit" Rechtsextremismus in der Postmigrationsgesellschaft Jugendkulturen Runen gestern, heute, morgen Jugendkulturen im Wandel Codes der rechtsextremen Szene Interview mit Christoph Schulze Tipps für Jugendeinrichtungen Burschenschaften Kameradschaften Neonazis hinter weißen Masken Kameradschaften im Visier Einführung Jugendkultur Kampfsport Was liest der rechte Rand? Geschichte der rechtsextremen Presse Gegenöffentlichkeit von rechtsaußen Der rechte Rand: Verlage Der rechte Rand: Publikationen Männer Männliche Überlegenheitsvorstellungen Homosexualität Rechtsextreme Männerbilder Soldatische Männlichkeit Burschenschafter Autoritär-rechte Männlichkeiten Musik Die neonazistische Musik-Szene Neue Töne von Rechtsaußen Rechtsrock für's Vaterland Rechtsrock: Millionen mit Hass Verklausulierte Volksverhetzung Interview mit David Begrich Elf rechte Bands im Überblick Frauen Auf die sanfte Tour Feminismus von rechts Rechte Aktivistinnen Frauen in der NPD Rechtsradikale Frauen Rechtsextrem orientierte Frauen und Mädchen Frauen im rechtsextremen Spektrum Aussteigerinnen Nazis im Netz Roots Germania Frauen in der extremen Rechten Rechtsextremismus im Internet Das braune Netz Neonazis im Web 2.0 Zocken am rechten Rand TikTok und Rechtsextremismus Das Internet als rechtsextreme Erfolgsgeschichte? Digitale Gewalt: Rechtsextreme Hasskampagnen Digitale Kulturen und Rechtsextremismus Rechtsextremismus und Presse Interview mit Ulrich Wolf Der NSU und die Medienberichterstattung Umgang mit Leserkommentaren Ein kurzer Ratgeber für Journalisten Krimi gegen Rechts Tonangebende rechtsextreme Printmedien Wenn Neonazis Kinder kriegen Die nächste Generation Hass Umgang mit Kindern von Neonazis Eine Mutter und ihre Kinder steigen aus "Mein Kampf" "Wir wollen den Zünder ausbauen" Helfen Gesetze gegen "Mein Kampf"? Gemeinfrei: "Mein Kampf" Hitlers "Mein Kampf" – ein unterschätztes Buch Rechtsextreme Kampagnen-Themen "Gender" und "Genderwahn" Ökologie Grüne Braune Wie grün waren die Nazis? Interview mit Elisabeth Siebert Debatte: Kommunale Flüchtlingspolitik Nach Köln Flüchtlingsunterkünfte Interview mit Oliver Malchow Was kommunale Flüchtlingspolitik leisten kann – und muss Deutsche Asylpolitik, europäischer Kontext Wer erhält welches Asyl? "Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber …" – Ein Faktencheck Anstoß in der Kreisklasse Handlungsspielraum der Kommunen Meinung: Die Probleme waren schon vor den Flüchtlingen da Meinung: Kommunale Flüchtlingspolitik aus der Sicht des Bundes Meinung: Probleme und Lösungswege in der kommunalen Flüchtlingspolitik Meinung: Flüchtlingsarbeit in den Kommunen – Eine Herausforderung für Politik und Gesellschaft TwitterChat: Kommunale Flüchtlingspolitik Fußball Judenhass im Fußball Film: Rechtsextremismus und Diskriminierung in deutschen Fußballstadien Interaktiver Webtalk: Über den rechten Flügel – Neonazis und Fußball Fußball und Rechtsextremismus Interaktive Grafik: Rechtsextreme Vorfälle in Fußballstadien Angriff von rechtsaußen Rechtsextreme BVB-Fans Audio-Interview: Martin Endemann über Rassismus im deutschen Fußball Audio: Ronny Blaschke über rechte Fangesänge im Stadion Vereine und Verbände Extrem rechte Fußballfans und die Nationalmannschaft des DFB Die Erzählung vom ‘großen Austausch’ Krisen, Unsicherheit und (extrem) rechte Einstellungen Antifeminismus als Mobilisierungstool für die extreme Rechte Rechtsextremer Geschichtsrevisionismus Grauzonen Die "Neue Rechte" Interview mit Maren Brandenburger Der rechte Rand des politischen Systems der Bundesrepublik Die völkische Bewegung Die Junge Freiheit Das Institut für Staatspolitik Völkische Jugendbünde Die "Neue Rechte" in der Bundesrepublik Querdenken und Verschwörungserzählungen in Zeiten der Pandemie Rechtsextreme Esoterik Rechtsextreme Diskursstrategien Instrumente völkischer Metapolitik Rechtsextreme Gewalt Rechtsextreme Gewalt Angriff auf die Lokalpolitik Am Anschlag Rechtsterrorismus Der Einzeltäter im Terrorismus Der Weg zum NSU-Urteil NSU-Verfahren Storify des Chats zu #3JahreNSUprozess Der Anschlag auf Henriette Reker Video: Die migrantische Community und der NSU Der NSU-Untersuchungsausschuss Protokolle NSU-Ausschuss Chat: NSU-Untersuchungsausschuss Interaktive Grafik: Die Taten des NSU Der NSU Der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) Die rechtsextreme Szene und der NSU Der Rechtsterrorismus im Verborgenen Chronik des Rechtsterrorismus Rechtsterrorismus in Europa PMK – Methoden und Debatten PMK – Statistiken Opfergruppen und Feindbilder Wo Demokraten gefährlich leben Die Geschichte des Orazio Giamblanco Wohnungslose Menschen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit Was ist Sozialdarwinismus? Wer sind die Opfer? Ausstieg Warum und wie aussteigen? Debatte über echten Ausstieg Interview mit Aussteiger Rochow Pädagogische Arbeitsfelder Netzwerke in Norddeutschland Gewalt gegen Geflüchtete Unvollständige Erinnerung Neue Technologien im Rechtsextremismus Europäischer Rechtsterrorismus Umgang mit Rechtsextremismus Debatte: Soll man mit Neonazis reden? Toralf Staud: Soll man mit Neonazis reden? Cornelius Weiss: Argumentieren auf allen Ebenen Grit Hanneforth: keine Nazis auf Veranstaltungen Stefan Niggemeier: Ablehnung begründen Andreas Hechler: Entscheidend ist der Kontext Klaus-Peter Hufer: Argumente wirken Simone Rafael: Rassismus widersprechen Initiativen und Zivilgesellschaft NSU-Watch: Aufschreiben, um aufzuklären Debatte: Was tun bei einem rechtsextremen Aufmarsch? Der rechtsextreme "Kampf um die Straße" Wolfgang Thierse: Wir müssen den öffentlichen Raum gegen die Besetzung durch Rechtsextreme verteidigen Hans-Ernst Böttcher: Man muss nur das Recht anwenden … wollen! Anna Spangenberg: Erfolgreich rechtsextreme Aufmärsche verhindern Herbert Trimbach: Versammlungsfreiheit ist ein Menschenrecht Politische Konzepte Wie sag ich Dass Auschwitz sich nie wiederhole... Denkanstöße aus dem Kanzleramt Bildung, Bildung, Bildung NPD trockenlegen? Wie kann Aussteigern geholfen werden? Interview MVP Forderungen von Projekten an die Politik HDJ-Verbot Strategien im Umgang mit der NPD in Parlamenten Noch mehr Vorschläge Schule Hakenkreuze an der Tafel Interview Reinhard Koch Analyse Albert Scherr Aufsatz Scherr / Schäuble Schülerzeitung Martinshorn Neonazis auf SchülerVZ Studie Uni-Seminar Was können Schülerinnen und Schüler tun? Antidemokratische Positionen und Einstellungen in Schulen Strategien Offener Brief an einen Oberbürgermeister Wie man Hakenkreuze kreativ entschärfen kann Gewalt vermeiden, aber wie? Parolen parieren! Was tun als Opfer rechter Gewalt? Engagement – lohnt das denn? Guter Rat, wenn Nazis stören Rezepte gegen Rechtsextremismus Argumente gegen rechte Vorurteile Vom Hass verabschieden Marke gegen Rechtsextremismus Und Du? Podcasts und Audios Glossar und FAQs Videos und Bilderstrecken Angaben zur Redaktion Rechtsextremismus im Sport

Rechtsextreme Parteien in Europa Erscheinungsformen und Erfolgsbedingungen

Prof. Dr. Uwe Backes

/ 6 Minuten zu lesen

Rechtsextreme Parteien sind im Europaparlament in mehreren Fraktionen vertreten. Warum scheitern Bündnisse häufig? Und was sind Bedingungen für den politischen Erfolg der Parteien?

Die Krisen der vergangenen Jahre haben große Chancen für Parteien am rechten Flügel eröffnet. (© picture-alliance, Hans Lucas | Martin Bertrand)

Definiert man „rechtsextreme Parteien“ durch ihre antiliberale, antidemokratische und/oder antipluralistische Tendenz sowie ihre Stellung am „rechten“ Flügel der europäischen Parteiensysteme, so werden meist programmatische Merkmale wie Nationalismus und Wahrnehmungsmuster wie die Selbstpositionierung der Wähler zugrunde gelegt. Die Berichterstattung der Massenmedien ist allerdings vielfach auf die Gefahrenperspektive für Demokratie und Minderheitenrechte konzentriert. Sie unterstellt damit oftmals eine Ähnlichkeit dieser Flügelparteien, die weder durch deren Bündnisverhalten noch durch die Ergebnisse vergleichender wissenschaftlicher Studien bestätigt wird.

Schwierige Zusammenarbeit im Europäischen Parlament

Was das Bündnisverhalten angeht, so zeigen die rechten Flügelparteien im Europaparlament bei ihren Fraktionsbildungen eine im Vergleich zu ihren linken Kontrahenten auffallende Unfähigkeit zur dauerhaften Kräftebündelung. Dies galt für Interner Link: die Europawahl von 2024 in noch höherem Maße als für die Wahlen zuvor. Zwar setzte sich der Trend erhöhter Stimmabgabe für rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien in vielen europäischen Ländern fort – mit Ausnahme von Finnland, Schweden, Polen und Ungarn. Doch der Versuch einer Überwindung der fraktionellen Spaltung scheiterte.

Aktuell sind im Europarlament drei Rechtsaußenfraktionen vertreten: „Patrioten für Europa“ (PfE), „Europäische Konservative und Reformer“ (EKR) und „Europa der Souveränen Nationen“ (ESN). Diese gehen auf Brüche in der Zusammenarbeit der vertretenen Parteien zurück.

Welche Rechtsaußenfraktionen gibt es?

„Patrioten für Europa“: Die PfE folgte 2024 auf die Fraktion „Identität und Demokratie“. Zu der Fraktion gehören u.a. der französische „Rassemblement National“, die „Freiheitliche Partei Österreichs“ (FPÖ) und die ungarische „Fidesz“-Partei. Aktuell haben sie 84 Sitze im Europäischen Parlament inne.

„Europäische Konservative und Reformer“: Die EKR konstituierte sich 2009. Zu der Fraktion gehören u.a. die polnische PiS-Partei, die italienische „Fratelli d’Italia“ und die schwedischen „Sverigedemokraterna“. Aktuell verfügen sie über 78 Sitze im Europäischen Parlament.

„Europa der Souveränen Nationen“: Die ESN wurde 2024 gegründet. Zu der Fraktion gehören u.a. die „Alternative für Deutschland“, die bulgarische „Wasraschdane“ und die französische Partei „Reconquête“. Aktuell besetzen sie 25 Sitze im Europäischen Parlament.

Stand: 16. September 2026

Der Interner Link: bis 2026 amtierende ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán schied 2021 mit seiner Partei „Fidesz“ aus der christlich-demokratischen und konservativen Fraktion der „Europäischen Volkspartei“ aus und war bis 2024 fraktionslos. Versuche, die Partei in eine fusionierte Fraktion aus den Rivalen „Identität und Demokratie“ (ID) und „Europäische Konservative und Reformer“ zu überführen, scheiterten. Mehr noch: Aus zwei wurden drei konkurrierende Rechtsaußenfraktionen. Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) war vor der Europawahl 2024 auf Betreiben der französischen Europaabgeordneten Marine Le Pen mit ihrer Partei „Rassemblement national“ (RN) aus der ID-Fraktion ausgeschlossen worden. Hintergrund war vor allem das wiederholt provozierende Verhalten des sächsischen AfD-Europaabgeordneten Maximilian Krah. Alle Versuche, den Riss zu kitten, scheiterten.

So bildete die AfD eine eigene Fraktion „Europa der Souveränen Nationen“ am rechten Rand mit Parteien, die keine Aufnahme in die beiden anderen Fraktionen finden konnten: einem Abgeordneten von Éric Zemmours „Reconquête“ (dt. Wiedereroberung; Rivalin des RN in Frankreich), dem ungarischen Rechtsausleger „Mi Hazánk Mozgalom“ (MHM, Unsere-Heimat-Bewegung), der ultranationalistischen bulgarischen „Vazrashdane“ (Wiedergeburt) und der tschechischen „Svoboda a přimá demokracie“ (SPD, Freiheit und direkte Demokratie). Das größte Maß an organisatorischer Kontinuität bewies die EKR-Fraktion, auch wenn die zuvor tonangebende polnische „Prawo i Sprawiedliwość“ (PiS; Recht und Gerechtigkeit) hinter der erfolgreichen „Fratelli d’Italia“ (FdI, Brüder Italiens) der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zurücktreten musste.

Dagegen veränderte die ehemalige ID-Fraktion 2024 ihr Erscheinungsbild. Die bis dahin der ID-Fraktion angehörende „Freiheitliche Partei Österreichs“ (FPÖ) hatte sich mit den Führungen der fraktionslosen „Fidesz“ und der bis dahin zu den Liberalen gehörenden „ANO“ („Ja“, unter Führung des Unternehmers und Milliardärs Andrej Babiš) auf eine gemeinsame Fraktionsbildung unter dem Namen „Patrioten für Europa“ (PfE) verständigt. Die ID-Parteien wechselten nahezu vollständig in die PfE-Fraktion. Dies stärkte das Gewicht der neu Hinzugekommenen und schwächte frühere ID-Parteien wie die italienische „Lega“ Matteo Salvinis.

Das Scheitern fraktioneller Kräftebündelung ist nicht zuletzt auf strategische Kalküle und persönliche Feindseligkeiten zurückzuführen. Maximilian Krahs öffentliche Verteidigung der nationalsozialistischen Schutzstaffel (SS) gegen eine pauschale Kriminalisierung führte zu deutlichen Differenzen mit Polen, Frankreich und Italien – drei Ländern, die während des Zweiten Weltkriegs in unterschiedlichem Maße unter SS-Terror zu leiden hatten. Mangelnde Distanz zu den Faschismen der Zwischenkriegszeit (zum Nationalsozialismus, zum italienischen Faschismus oder verwandten Bewegungen in anderen Ländern) gilt bei Wahlen als Wettbewerbsnachteil.

Marine Le Pens Kurs der „Dediabolisierung“, also der gemäßigteren Außenpräsentation der von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen gegründeten und langjährig geführten Partei, wirkte in vielen europäischen Ländern vorbildhaft – auch bei der AfD. Diese setzte sich zwar für eine Kehrtwende in der deutschen Erinnerungskultur ein, bemüht sich aber zugleich um Distanz zum Nationalsozialismus, dessen Bedeutung sie relativiert, dessen Massenverbrechen aber nicht geleugnet werden. Zudem war die AfD-Führung bereit, im Europaparlament mit Rechtsaußenablegern zu kooperieren, die in den beiden anderen Fraktionen keinen Anschluss finden konnten. Doch bestand sie auf dem Ausschluss des polnischen „Konfederacja“-Mitglieds Grzegorz Braun, der im polnischen Parlament einen jüdischen Chanukka-Leuchter mit einem Feuerlöscher traktiert hatte. Braun ist nun fraktionsloser Abgeordneter.

Unterschiedliche Positionen der Parteien erschweren Kooperation

Gravierende ideologisch-programmatische Unterschiede erschweren die Kooperation zwischen Rechtsaußenparteien. Nationalisten betonen nationale Eigeninteressen und haben daher größere Probleme mit grenzüberschreitender Zusammenarbeit als Internationalisten. Zudem variieren die Ideen des Nationalismus, der oft als kleinster gemeinsamer Nenner der rechten Flügelparteien angesehen wird, zwischen den Parteien. Am nationalen Zentralstaat orientierte Parteien, die die Mehrheit der rechten Flügelparteien darstellt, stehen in Konkurrenz zu regionalen Autonomisten (Beispiele: Korsika, Katalonien). Die italienische Lega entwickelte sich aus diesem Grund von einer norditalienischen zu einer stärker auf den Gesamtstaat orientierten Bewegung. Historisch begründete Gebietsansprüche vergiften das Verhältnis geografisch benachbarter Nationalismen wie etwa in der Slowakei und Ungarn.

In ihrer Wirtschaftspolitik – Wirtschaftsliberalismus versus Sozialprotektionismus – und ihrem Verhältnis zum Christentum – positiver Bezug versus strikte Ablehnung – unterscheiden sie sich beträchtlich. Der außenpolitische Konflikt um die Frage der Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland oder die Haltung im Nahost-Konflikt bergen in vielen Rechtsaußenparteien innerparteilichen Sprengstoff. Auch wegen der unterschiedlichen Schwere historischer Vorbelastungen fällt die Programmatik von Land zu Land verschieden aus. Selbst in der Migrationsfrage ist eine Verständigung über Landesgrenzen hinweg nicht einfach. Dies zeigen etwa die deutlichen Distanzierungen der RN-Europaabgeordneten um Marine Le Pen auf die Berichte eines Reportageteams über die angeblichen Pläne u.a. von AfD-Politikern für eine massenhafte Rückführung („Remigration“) nicht integrationsfähiger Teile der Bevölkerung in ihre Ursprungsländer.

Erfolgsfaktoren für rechte Parteien

Ein Erfolgsmodell der rechten Flügelparteien sieht der Politikwissenschaftler Cas Mudde in der Verbindung von Populismus mit Nativismus und Interner Link: Autoritarismus im Sinne des Plädoyers für steile Hierarchien und einen „starken Staat“. Allerdings sind charismatische Führung und innerparteiliche Geschlossenheit keine notwendigen Erfolgsbedingungen – wie die deutsche AfD mit ihren kollektiven Leitungen und teils heftigen innerparteilichen Auseinandersetzungen zeigt.

Ein weicheres Profil kann vorteilhaft sein. Entscheidend ist die Fähigkeit, für Wähler überzeugende Antworten auf eine wahrgenommene unbefriedigte Nachfrage zu geben. Die Abfolge von „Euro-“, „Flüchtlings-“, Ukraine- und Nahostkrise hat in vielen europäischen Ländern den Druck auf das politische System und die etablierten politischen Akteure erhöht und große Chancen für populistische sowie rechtsextreme Herausforderer eröffnet. Vorteilhafte Rahmenbedingungen wie nachlassende wirtschaftliche Dynamik, steigende Arbeitslosenraten oder Inflation ohne Lohnausgleich münden aber nur dann in Wahlerfolge, wenn Herausforderer etablierter Parteien in der Lage sind, sich bietende Chancen („Gelegenheitsstrukturen“) zu ergreifen und auf eine unbefriedigte Nachfrage mit attraktiven Angeboten zu reagieren. Eine für alle Wahlen und Länder gültige „Gewinnformel“ gibt es nicht.

Gelänge es der AfD mit ihrem harten Anti-Euro und -EU-Kurs in Zusammenarbeit mit ihren europäischen Partnern und Gesinnungsgenossen, maßgeblichen Einfluss auf europäischer Ebene zu gewinnen, würde sich das nach 1945 geschaffene integrierte Europa radikal verändern. Ob die lange Periode des Friedens, der Freiheit und der Prosperität, die nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs und in Mittelosteuropa nach dem Ende der realsozialistischen Diktaturen begann, unter solchen Bedingungen eine Fortsetzung fände, bezweifeln all jene mit guten Argumenten, die das europäische Projekt im Geist seiner Begründer auf dem Weg der Reformen zu neuer Attraktivität führen wollen.

Quellen / Literatur

Backes, Uwe/Patrick Moreau, Europas moderner Rechtsextremismus. Ideologien, Akteure, Erfolgsbedingungen und Gefährdungspotentiale, Göttingen 2021.

Becker, Max/Nicolai von Ondarza, Begrenzte rechte Neuordnung im Europäischen Parlament, SWP-Aktuell Nr. 46, Berlin 2024.

Hillebrand, Ernst (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa. Der Einfluss rechter Parteien von Lissabon bis Bukarest, 3. Aufl., Bonn 2025.

Mudde, Cas (Hrsg.), The Populist Radical Right. A Reader, London/New York 2017.

Reinhard Heinisch/Christina Holtz-Bacha/Oscar Mazzoleni (Hrsg.), Political Populism. Handbook of Concepts, Questions und Strategies of Research, Baden-Baden 2021.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Rechtspopulistische Parteien können, müssen aber keine ausgeprägt rechtsextremen Züge aufweisen.

  2. Derzeit läuft eine juristische Auseinandersetzung, ob diese sogenannten Pläne auch die massenhafte Rückführung deutscher Staatsbürger umschließen.

Lizenz

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Prof. Dr. Uwe Backes für bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 und des/der Autors/-in teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.
Sie wollen einen Inhalt von bpb.de nutzen?

Weitere Inhalte

Zahlen und Fakten

Abgeordnete

Die 720 Abgeordneten aus 27 Mitgliedsstaaten und 208 nationalen Parteien haben sich nach der Europawahl 2024 in acht Fraktionen zusammengefunden.

InfoPool Rechtsextremismus

Mehr als nur „Extremismusprävention“

Politische Bildung und Beratung gegen Rechtsextremismus werden oft in einem Atemzug als Präventionsansätze genannt. Welche Schnittmengen und Abgrenzungen beider Ansätze gibt es?

Audio Dauer
Podcast

Rechtsextremismus, ein ostdeutsches Problem?

Rechtsextremismus ist nicht nur in Ostdeutschland vorzufinden und doch steht er in diesem Kontext oft im Fokus. Warum gerade in Ostdeutschland? Welche Faktoren begünstigen rechtsextreme Ideologien?

Europawahlen

Droht Europa ein scharfer Wind von rechts?

Bei der Wahl zum EU-Parlament wird mit einem starken Zugewinn für rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien gerechnet. Kommentatoren fragen sich, was Europa bevorstehen könnte.

Rechtsextremismus

Rechtsextreme Akteure in Deutschland

Rechtsextreme agieren vielgestaltig: Ihr Organisationsgrad reicht von losen Cliquen bis hin zu formalisierten Parteien. Oft lassen sie sich nur schwer dem rechtsextremen Milieu zuordnen.

Geb. 1960, ist Professor an der Technischen Universität Dresden und stellvertretender Direkter des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung (HAIT). Forschungsschwerpunkte: Demokratietheorie, Ideologiegeschichte, vergleichende Extremismusforschung, autoritäre und totalitäre Diktaturen. Uwe Backes gibt gemeinsam mit Eckhard Jesse das Jahrbuch Extremismus und Demokratie heraus.

Nativismus bezeichnet die Verteidigung der „Vorrechte der angestammten Bevölkerung“ gegenüber Immigranten.

Nativismus bezeichnet die Verteidigung der „Vorrechte der angestammten Bevölkerung“ gegenüber Immigranten.