Rechtsextremismus hat Deutschland auch seit Ende des Zweiten Weltkriegs kontinuierlich begleitet. Bereits seit Interner Link: Gründung waren rechtsextreme Einstellungsmuster, entsprechende Handlungen und Organisationen Teil der Interner Link: Bundesrepublik – und mit Abstrichen auch in der Interner Link: DDR. Sie nahmen teils deutlichen Einfluss auf das gesellschaftliche und politische Leben. Im Folgenden werden die Mobilisierungswellen des Rechtsextremismus seit 1945 bis in die Gegenwart skizziert.
1945 bis 1965
Parteien
In der unmittelbaren Nachkriegszeit behielten sich die Alliierten in den westlichen Zonen eine Prüfung vor, welchen Parteien sie eine Lizenz erteilten. Offenkundig rechtsextremen und auch Interner Link: Flüchtlingsparteien war die Organisierung so erschwert. In der sowjetischen Besatzungszone war politische Organisierung ohnehin aufs Strengste Interner Link: reglementiert und freie Parteigründungen in der DDR unmöglich.
Die Unterstützung für Amnestiegesetze zugunsten von NS-Tätern und eine Schlussstrich-Mentalität waren in der jungen Bundesrepublik weit verbreitet. Trotzdem akzeptierte ein Großteil der zuvor im NS-Regime aktiven Unterstützer das neue demokratische System. Nicht wenige ehemalige Nazis wirkten in den neuen Institutionen und demokratischen Parteien mit, oft allerdings ohne Aufarbeitung ihrer Vergangenheit und ohne innere Abkehr von ihren Überzeugungen.
Bei der ersten Bundestagswahl 1949 erzielten Rechtsaußenparteien rund fünf Prozent der Stimmen. Bei Landtagswahlen konnte die rechtsextreme, neutralistische „Deutsche Gemeinschaft“ in Kooperation mit Interner Link: Vertriebenengruppen vor allem in Süddeutschland einige Mandate gewinnen. Noch 1949 gründete sich die deutlich in Interner Link: nationalsozialistischer Tradition stehende „Sozialistische Reichspartei“ (SRP), deren Führungspersonal von ehemaligen NSDAP-Funktionären geprägt war. Als eine Leitfigur trat der ehemalige Generalmajor der Wehrmacht Otto Ernst Remer auf. Bei der Landtagswahl in Niedersachsen 1951 errang die SRP mit elf Prozent der Stimmen ihren größten Erfolg. 1952 wurde sie als erste und bisher einzige rechtsextreme Interner Link: Partei in der Bundesrepublik verboten.
1950 gründete sich die nationalistische „Deutsche Reichspartei“ (DRP), die sich programmatisch stärker an der Interner Link: „Deutschnationalen Volkspartei“ (DNVP) der Interner Link: Weimarer Republik orientierte. Obwohl sie nie mehr als zehntausend Mitglieder zählte, war sie zeitweise die bedeutendste rechtsextreme Organisation in der Bundesrepublik und zog in mehrere Landesparlamente ein. Die Partei scheiterte bei der Bundestagswahl 1961 und löste sich einige Jahre später auf. Ehemalige DRP-Mitglieder spielten im späteren Gründungsprozess der NPD eine Rolle.
Eine Gruppe alter Nationalsozialisten um Werner Naumann suchte 1952 nach anderen Wegen, ihre Ideologie zu neuer Wirkung zu bringen: Sie gründeten einen Geheim-Kreis, der versuchte, die FDP in Nordrhein-Westfalen zu unterwandern. Die Verschwörung flog auf. 1953 wurden einige Protagonisten verhaftet.
In dem repressiven System der DDR blieb eine offene Organisierung für Rechtsextreme nicht möglich. Der Verfolgungsdruck für (ehemalige) Nationalsozialisten war dort insgesamt höher als im Westen Deutschlands. 1948 wurde die Blockpartei Interner Link: „National-Demokratische Partei Deutschlands“ (NDPD) als Auffangbecken für ehemalige Wehrmachtsoldaten und ehemalige Nazis installiert und ermöglichte deren Integration und Partizipation am System.
Publizistik
Nach Gründung der Bundesrepublik arbeiteten die extremen Rechten sehr früh am Wiederaufbau einer eigenen Publizistik und an einer Fortführung eines Kulturlebens in ihrem Sinne. Schon 1951 gründeten zwei ehemalige Mitglieder von Interner Link: Schutzstaffel (SS) und Sturmabteilung (SA) die Monatszeitschrift „Nation Europa“, die jahrzehntelang als Leitmedium des rechtsextremen Spektrums diente. Auch die während des Nationalsozialismus von dem nationalistischen Schriftsteller Hans Grimm etablierten „Lippoldsberger Dichtertage“ wurden nach seinem Tod von seiner Familie fortgeführt. Sie fungierten als Begegnungspunkt alter und junger Rechtextremer. Als wichtige Orte der Selbstvergewisserung für Rechtsextreme und NS-Nostalgiker wirkten soldatische Ehemaligenverbände wie die HIAG („Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS“) sowie Organisationen von Vertriebenen, teilweise im „Bund der Vertriebenen“ oder in Gruppierungen wie dem „Witikobund“.
Rechtsextreme Gewalt
Das Fortbestehen eines militanten, rechtsextremen Antisemitismus wurde ebenfalls nicht allzu lange nach den Staatsgründungen der BRD und DDR deutlich: 1959 schmierten zwei junge Rechtsextreme unter anderem Hakenkreuze an der Kölner Synagoge. Dies wurde zum Ausgangspunkt einer die ganze Bundesrepublik erfassenden Hakenkreuz-Schmierwelle.
In den 1950er-Jahren wirkten auf dem DDR-Gebiet militante antikommunistische Organisationen, die von westlicher Seite unterstützt wurden und in denen auch rechtsextreme, nationalistische Tendenzen vorhanden waren. Daneben sind eine hohe Zahl von lokalen Schmieraktionen mit NS-Parolen und einige Anschläge dokumentiert, die von rechtsextrem gesinnten Einzelpersonen oder Kleingruppen getragen wurden.
1965 bis 1985
Parteien
In der Bundesrepublik unternahm nach dem Scheitern der Deutsche Reichspartei die extreme Rechte einen neuen Sammlungsversuch: Die Ende 1964 gegründete Interner Link: „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) erreichte bei den Bundestagswahlen im Folgejahr mit zwei Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg. Die NPD vertrat ein klar rechtsextremes Programm, jedoch nahm sie von der Idee Abstand, das Interner Link: Deutsche Reich wiederzugründen, sondern zielte auf ein Wirken innerhalb des politischen Systems ab.
Der Partei diente der Gründungsvorsitzende Friedrich Thielen, der sich als ehemaliges CDU-Mitglied vom Nationalsozialismus distanzierte, als konservatives Aushängeschild. Freilich war die NPD bedeutend von ehemaligen Nazis geprägt. 1967 übernahm Adolf von Thadden (zuvor Deutsche Reichspartei) den Parteivorsitz. Die Partei zog in mehrere Landesparlamente ein, verfehlte aber bei den Bundestagswahlen 1969 mit einem Ergebnis von 4,3 Prozent den fast schon sicher geglaubten Einzug in den Bundestag.
Die Unionsparteien stemmten sich in ihrer neuen Oppositionsrolle ab 1969 gegen die Interner Link: Ostpolitik der SPD-geführten Regierung und gegen gesellschaftspolitische Reformen. Der NPD gelang es nicht, in dieser Situation ein eigenes politisches Profil zu wahren. Ihr Höhenflug endete nach der Wahlniederlage und es verstärkten sich Fliehkräfte im eigenen Lager. Das 1970 ins Leben gerufene NPD-geführte Bündnis „Aktion Widerstand“, das sich gegen die Interner Link: Annäherungspolitik von Bundeskanzler Willy Brandt mit der DDR einsetzte, scheiterte. Veranstaltungen der Kampagne verliefen gewaltsam und erwiesen sich als Aktionsraum für spätere Rechtsterroristen.
1983 entstand die Partei „Die Republikaner“ (REP), die sich aus einer rechten Abspaltung enttäuschter CSU-Mitglieder gründete und zunächst ein bayerisches Regionalphänomen blieb. Sie entstand auch aus der rechtskonservativen und rechtsextremen Empörung über die Vermittlung eines Milliardenkredits zugunsten der DDR durch den damaligen CSU-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß.
Die Neue Rechte
Ab ungefähr 1972 gründeten sich ferner in Abwendung von der NPD nationalrevolutionäre Gruppen und weitere Interner Link: „Neue Rechte“, die sowohl die Programmatik, aber auch die Parolen- und Aktionsrepertoires auffrischen wollten. Ab Mitte der 1970er-Jahre traten zudem verstärkt Netzwerke auf, die sich offensiv zur Symbolik und Ideologie des Nationalsozialismus bekannten.
Rechtsextreme Gewalt
Zum Ende des Jahrzehnts vergrößerten sich diese Zusammenhänge und formierten sich zu einer neonazistischen Szene. Diese Entwicklungen kulminierten 1980 in einer Serie von Terroranschlägen. Beim Interner Link: Anschlag auf das Münchener Oktoberfest starben 13 Menschen und hunderte wurden verletzt. Die Interner Link: „Deutschen Aktionsgruppen“ verübten 1980 sieben Anschläge, von denen drei antisemitisch und vier rassistisch motiviert waren. In Hamburg starben zwei vietnamesische Geflüchtete. Die Mobilisierung gegen Flucht und Migration wurden in dieser Zeit zu dem wichtigen Kampagnenthema der extremen Rechten, das es bis heute für sie ist. Das Thema wurde auch diskursiv in die Öffentlichkeit getragen: 1981 wurde das von fünfzehn Professoren verfasste „Heidelberger Manifest“ publiziert, in dem vor einer „Überfremdung“ des deutschen Volkes gewarnt wurde.
Auf dem Gebiet der DDR blieben Organisierungsversuche weiterhin aus. Gleichwohl ist eine Vielzahl von rassistischen Gewalttaten und antisemitischen Äußerungen dokumentiert. Allein in den Streitkräften der Interner Link: „Nationalen Volksarmee“ wurden zwischen 1965 und 1980 über 2.400 rechtsextreme Vorfälle gemeldet. 1975 kam es in Erfurt zu Interner Link: tagelangen rassistischen Ausschreitungen, die sich gegen algerische Interner Link: Vertragsarbeiter richteten. Eine öffentliche Information und Diskussion zu diesen Tendenzen gab es nicht.
Skinheads
Jugendkulturell traten in der Bundesrepublik seit den frühen 1980er-Jahren die Skinheads auf. Sie kultivierten einen proletarischen Männlichkeitskult und eigneten sich teilweise rassistische und nationalistische Parolen und Praktiken an. Diese Entwicklung vollzog sich unter den dortigen Voraussetzungen ebenfalls in der DDR.
1985 bis 2005
Parteien
Die Republikaner öffneten sich ab 1985 unter Vorsitz des ehemaligen Interner Link: SS-Angehörigen Franz Schönhuber zunehmend dem rechtsextremen Lager. Die Partei wuchs und verzeichnete politische Erfolge: etwa bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus (7,5%), den Europawahlen 1989 (7,1%), den Landtagswahlen in Baden-Württemberg 1992 (10,9%) und 1996 (9,1%). Nach dem Rückzug der charismatischen Leitfigur Schönhuber 1994 verlor die Partei immer mehr an Bedeutung.
1987 gründete sich eine der wichtigsten Parteien der extremen Rechten. Der rechtsextreme Münchener Verleger Gerhard Frey wandelte seinen Verein Interner Link: „Deutsche Volksunion“ (DVU) zu einer Partei um. Frey beabsichtigte, die DVU in Kooperation mit der weiterhin existenten NPD aufzubauen. 1998 erzielte die Deutsche Volksunion bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt trotz fehlender Strukturen 12,9 Prozent der Stimmen und damit das beste Ergebnis für eine rechtsextreme Partei in Deutschland seit 1945. 1999 zog die Deutsche Volksunion zudem in den Brandenburger Landtag ein. Auch in Norddeutschland schaffte sie in Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg den Einzug in die Landtage.
Im Zuge der gesellschaftlichen Unruhe angesichts der einschneidenden Sozialreformen der Bundesregierung (Interner Link: „Hartz IV“) gelang Interner Link: der NPD ein politisches Comeback. Die Partei hatte sich unter dem Vorsitz von Udo Voigt gegenüber den neonazistischen Kameradschaften geöffnet und jüngere, aktionsfreudige Mitglieder integriert, die das Demonstrationsgeschehen ausbauten. In Sachsen (2004) und Mecklenburg-Vorpommern (2006) gelang der Landtagseinzug und wurde bei den jeweils folgenden Wahlen verteidigt. Im Jahr 2000 rief SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einem Brandanschlag auf die Synagoge in Düsseldorf einen „Aufstand der Anständigen“ gegen den Rechtsextremismus aus. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema intensivierte sich und führte 2001 zu einem Interner Link: Verbotsverfahren gegen die NPD. Dieses scheiterte 2003 allerdings an der hohen Anzahl von Interner Link: V-Leuten des Verfassungsschutzes in der Partei. Die älteste noch existierende Partei der extremen Rechten ging aus der Angelegenheit gestärkt vor.
Wiedervereinigung
Der politische und gesellschaftliche Umbruch in der DDR 1989/1990 traf die extreme Rechte unvorbereitet. Auf die plötzliche Einheit beider deutscher Staaten vermochte dieses politische Spektrum keine gesellschaftlich relevante Antwort zu formulieren, sondern beharrte allenfalls auf dem unrealistischen Anspruch auf die früheren deutschen Ostgebiete in Interner Link: Polen oder Interner Link: Tschechien.
Außerparlamentarisch gewannen allerdings ab 1990 nationalistische Bestrebungen an Dynamik. Teile der Skinhead-Szene spitzten die entsprechende Symbolik noch weiter zu, eigneten sich NS-Parolen an und beanspruchten die Dominanz in Jugendszenen. Rechtsrockmusik gewann an Popularität in der Jugend.
Rechtsextreme Gewalt
Gleichzeitig kamen angesichts der Jugoslawienkriege vermehrt Flüchtlinge nach Deutschland. Öffentlich wurde zunehmend die „Asylfrage“ diskutiert und der gesellschaftliche Rassismus verstärkte sich. Die Zahl schwerer rassistischer Gewalttaten und Anschläge nahm deutlich zu, wofür die Pogrome von Interner Link: Hoyerswerda (1991) und Interner Link: Rostock-Lichtenhagen (1992) zu Symbolen wurden. Ende 1992 in Mölln und 1993 in Solingen folgten rassistisch motivierte Brandanschläge auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik, bei denen insgesamt acht Menschen ermordet wurden. Die rechtsextremen Gewaltstraftaten erreichten 1992 und 1993 ein bisher ungekanntes Ausmaß seit Kriegsende. Während sich die rechtsextreme Gewalt und Jugendkultur am stärksten in Ostdeutschland entfalteten, war in Hinsicht auf Organisationsgrad, Wahlergebnisse und die Verbreitung rechtsextremer Einstellungen Westdeutschland bis zum Ende der 1990er-Jahre stärker von Rechtsextremismus belastet.
„Freie Kameradschaften“
Ab 1992 wurden stärker als zuvor staatlich repressive Maßnahmen ergriffen und eine Reihe von Neonazivereinigungen verboten. Um weiteren Vereinsverboten zu entgehen, strukturierte die Szene sich um und entwickelte das Konzept der nur informell verfassten „Freien Kameradschaften“, wovon sie sich einen Schutz erhoffte. Die Kameradschaften erwiesen sich als Brücke zwischen rechtsextremer Politik und Jugendkulturen, die es vermochte, politischen Aktivismus und jugendliche Abenteuerlust zu einem Lebensstilangebot zu verbinden.
1997 erwies sich der Protest gegen eine Ausstellung zu den NS-Verbrechen der Wehrmacht in München als Start, vermehrt Demonstrationen und Kundgebungen in der extremen Rechten politisch einzusetzen. Aus dem Milieu der Kameradschaften bildete sich der rechtsterroristische Interner Link: „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU). Die NSU-Mitglieder ermordeten zwischen 2000 und 2007 neun Menschen aus rassistischer Motivation sowie eine Polizistin und begingen weitere Anschläge und Überfälle.
2005 bis 2025
In den Jahren nach den Interner Link: Anschlägen vom 11. September 2001 und folgender islamistischer Gewalttaten entwickelte sich international wie auch in Deutschland ein in Teilen rechtsextremer politischer Stil, der die Ablehnung von Migration und Islam unter Berufung auf westliche Werte zu begründen suchte. Ende 2004 wurde das einflussreiche Web-Portal „PI News“ („Politically Incorrect“) gegründet. 2010 erschien das Buch „Deutschland schafft sich ab“ des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) und befeuerte eine gesellschaftliche Debatte, die migrationsfeindliche und rassistische Züge trug.
Parteien
Die NPD verlor wieder an Bedeutung. Die 2011 erfolgte Fusion mit der DVU erwies sich als bedeutungslos. Ein zweiter Anlauf für ein NPD-Verbotsverfahren begann derweil 2013 und scheiterte 2017 abermals. Zur Begründung hieß es, ein Verbot sei nicht gerechtfertigt, weil es der Partei an Aussichten mangele, ihre verfassungsfeindlichen Ziele umzusetzen („Potentialität“). Damit sind die Hürden für Parteiverbote angehoben worden, weil praktisch ein Antrag nunmehr in einem Zeitfenster erfolgen muss, an dem eine Partei realistische Aussicht auf Verwirklichung ihrer Ziele hat, aber noch nicht so mächtig geworden ist, dass ihr Verbot unmöglich wird. Die in den Folgejahren weiter geschwächte NPD benannte sich 2023 in Interner Link: „Die Heimat“ um.
Zunächst in Opposition zur Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung gründete sich 2013 die „Alternative für Deutschland“ (AfD). Die neue Partei war ein Zusammenschluss unterschiedlicher Kräfte mit rechtsliberalen, rechts- und christlich-konservativen Anteilen, in denen Rechtsextreme nur eine Strömung unter anderen repräsentierten. Allerdings setzte bald eine Interner Link: Radikalisierung der Programmatik und ein stärkerer Fokus auf das Migrationsthema ein. Während vielerorts die migrationsfeindlichen Protestformate ab 2014 von älteren rechtsextremen Organisationen wie NPD und Kameradschaften mitorganisiert wurden, profitierte politisch vor allem die AfD, die sich als Interessenvertretung „besorgter Bürger“ präsentierte. In der Partei wurde die sich zeitweise Interner Link: „Der Flügel“ (2015-2020) nennende rechtsextreme Strömung immer einflussreicher. Ab 2014 gelang der Partei, in viele Landtage und in das Europaparlament einzuziehen. 2017 zog die AfD mit Interner Link: 12,6 Prozent erstmals in den Bundestag ein. Auf die Partei wirkten miteinander vernetzte Interner Link: Think Tanks („Institut für Staatspolitik“), Kampagnenagenturen („Ein Prozent“) und Aktionsgruppen („Identitäre Bewegung“) radikalisierend ein.
2021 wurde die AfD bundesweit vom Interner Link: Verfassungsschutz als „Verdachtsfall“ eingestuft. Eine Hochstufung zum Status „erwiesen rechtsextremistisch“ folgte 2025. Nach einem Gerichtsbeschluss ist diese Bewertung seit Mai 2025 ausgesetzt und bedarf einer juristischen Klärung. Auf der Ebene der Bundesländer wird die Mehrheit der Verbände von den jeweils zuständigen Behörden als „Verdachtsfälle“ oder als „erwiesen rechtsextremistisch“ bewertet. Teilweise geht die AfD gegen die Bewertungen juristisch vor.
KontroverseEinordnung der AfD
In der Politikwissenschaft reicht das Spektrum zur Einordnung der AfD von rechtspopulistisch, völkisch-nationalistisch, rechtsradikal, rassistisch bis rechtsextremistisch. Seit 2021 wird die AfD als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) eingestuft. Am 2. Mai 2025 stufte das BfV die gesamte AfD als „gesichert rechtsextremistische“ Partei ein. Gegen die Einstufung hat die AfD beim Verwaltungsgericht Köln Klage eingereicht. Am 26. Februar 2026 Externer Link: entschied das VG Köln anlässlich eines Eilantrags der AfD, dass das BfV diese bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens nicht als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen und behandeln darf.
In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg stuft der jeweilige Landesverfassungsschutz die Partei als „erwiesene“ bzw. „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ ein. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben die Landesverbände Klage gegen diese Einstufung eingereicht.
Die Bundespartei bekennt sich zur Forderung nach „Remigration“ und hat sich somit ein aus rechtsextreme Kreisen im gesellschaftlichen Diskurs platziertes Kampagnenschlagwort angeeignet. Auf dem Papier hält die Partei zwar fest, mit diesem Begriff lediglich die „gesetzeskonforme Rückführung ausreisepflichtiger Ausländer“ zu meinen. Zahlreiche Äußerungen einflussreicher AfD-Politiker lassen jedoch erkennen, dass diese die Entrechtung oder Vertreibung großer Bevölkerungsgruppen intendieren. Die Politikwissenschaft stimmt in der Einschätzung überein, dass sich die AfD radikalisiert hat. Die Einreichung eines Verbotsantrags gegen die Partei ist seit mehreren Jahren Gegenstand politischer Diskussionen. Bei der Interner Link: Bundestagswahl 2025 erreichte die Partei derweil mit 20,8 Prozent der Stimmen eine Verdopplung ihres Ergebnisses im Vergleich zur vorigen Wahl.
PEGIDA
2014 begann mit den Versammlungen der Interner Link: „Patriotischen Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) in Dresden und den Demonstrationen der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln eine neue Phase der Straßenmobilisierung. 2015 ging diese in eine Protestwelle gegen die Aufnahme von Geflüchteten („Nein zum Heim“) über, die von Gewalttaten begleitet wurden.
Rechtsterrorismus
Daneben kosteten neue Formen des Rechtsterrorismus und rechtsmotivierten Anschlägen zahlreiche Menschen das Leben. So erschoss ein Interner Link: 18-Jähriger 2016 in München neun Menschen und nahm dabei Bezug auf das Attentat von Utøya in Norwegen fünf Jahre zuvor. Beim Versuch, einen Massenmord in der Interner Link: Synagoge in Halle zu begehen, tötete 2019 ein damals 27-Jähriger zwei Menschen. Im gleichen Jahr fiel in Kassel ein CDU-Politiker dem Attentat eines Neonazis zum Opfer. Interner Link: 2020 ermordete in Hanau ein 43-Jähriger neun Menschen aus rassistischen Motiven. Die rechtsmotivierten Interner Link: Gewaltstraftaten und weitere rechtsextrem motivierte Delikte stiegen 2024 und 2025 stark an.
Corona-Protestbewegung
Gegen die Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie formierte sich derweil vor allem zwischen 2020 und 2022 eine Interner Link: Protestbewegung, die sich politisch heterogen zusammensetzte, sich im Zuge ihrer Entwicklung aber immer stärker als verschwörungsideologisch geprägt entpuppte. Rechtsextreme Kräfte von Neonazis bis zu Interner Link: den „Identitären“ sowie die AfD waren Interner Link: in der Protestbewegung präsent und profitierten von dieser politisch.