Als intellektueller Rechtsextremismus gelten politische Diskurse, Programme und Ideologien, die sich implizit oder explizit gegen grundlegende Werte und Verfahrensregeln demokratischer Verfassungsstaaten richten (Extremismus) und das Ethos fundamentaler Menschengleichheit nicht anerkennen (Rechtsextremismus).
Folgen des Nationalsozialismus
Die Entwicklung des intellektuellen Rechtsextremismus blieb im westlichen Nachkriegsdeutschland nachhaltig von der
Das änderte sich erst, als mit der
KontroverseEinordnung der AfD
In der Politikwissenschaft reicht das Spektrum zur Einordnung der AfD von rechtspopulistisch, völkisch-nationalistisch, rechtsradikal, rassistisch bis rechtsextremistisch. Seit 2021 wird die AfD als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) eingestuft. Am 2. Mai 2025 stufte das BfV die gesamte AfD als „gesichert rechtsextremistische“ Partei ein. Gegen die Einstufung hat die AfD beim Verwaltungsgericht Köln Klage eingereicht. Am 26. Februar 2026 Externer Link: entschied das VG Köln anlässlich eines Eilantrags der AfD, dass das BfV diese bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens nicht als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen und behandeln darf.
In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg stuft der jeweilige Landesverfassungsschutz die Partei als „erwiesene“ bzw. „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ ein. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben die Landesverbände Klage gegen diese Einstufung eingereicht.
Das „Institut für Staatspolitik“
Dies galt vor allem für das im Jahr 2000 von Autoren aus dem Umfeld der nationalkonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ gegründete „Institut für Staatspolitik“ (IfS) im sachsen-anhaltinischen Schnellroda, mit seiner Zeitschrift „Sezession“ und dem Verlag „Edition Antaios“. Insbesondere der „Flügel“ um den thüringischen AfD-Politiker Björn Höcke genoss bereits im innerparteilichen Machtkampf in den ersten Jahren nach der Parteigründung die publizistische Unterstützung durch das IfS und seine Medien. Der Entwurf zum „Erfurter Manifest“, einem flammenden Plädoyer gegen die „Unterminierung der deutschen Souveränität und Identität“, stammte aus der Feder des „Sezession“-Chefredakteurs Götz Kubitschek – dem wichtigsten intellektuellen Helfer Höckes.
Die formelle Auflösung des Instituts und seines Trägervereins im Mai 2024 dürfte vor allem strategisch motiviert gewesen sein. Angesichts der Einstufung als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz, der AfD-Verbotsdiskussion und einer sich intensivierenden Verbotspraxis im Umgang mit intellektuellen Foren erschien es opportun, einem möglichen Verbot durch eine schwerer angreifbare Struktur ohne Vereinsstatus vorzubeugen. So entstanden die „Metapolitik Verlags UG“ und die „Menschenpark Veranstaltungs UG“.
Verflechtungen der AfD mit der neuen Rechten
Der Einzug der AfD in die Landesparlamente,
Zwar blieben die Auflagenzahlen der „Sezession“ auf bescheidenem Niveau, aber im Zusammenspiel mit den digitalen Formaten, den Diskussionsrunden und Tagungen unter reger Beteiligung führender AfD-Repräsentanten konnte das Medium seine Ausstrahlungskraft im AfD-Umfeld beträchtlich steigern. Als rechtsintellektuelles Forum lief ihm auch Jürgen Elsässers Magazin „Compact“ nicht den Rang ab. Elsässer setzt in seinen multimedialen Angeboten vor allem auf reißerische Rhetorik, Emotionalisierung und das Schüren von Ressentiments, (re-)produziert Feindbilder und bedient sich diverser Verschwörungsnarrative, nicht selten mit antisemitischer Grundierung. Die Angebote erlangen dabei teils beträchtliche Reichweite: Das kurzzeitig vom Bundesinnenministerium verbotene „Compact“-Magazin meldete 2022 eine verkaufte Auflage von 40.000
Sachlicher im Ton und differenzierter in der Argumentationsweise ist die geschichtsrevisionistische Zeitschrift „Zuerst. Deutsches Nachrichtenmagazin“. Sie erscheint seit 2009 im Verlag Dietmar Muniers als Nachfolgerin von „Nation Europa“, des langjährigen intellektuellen Integrationsorgans der rechtsextremen Szene.
Auch wenn die Foren einer „Neuen Rechten“ zum Teil den elitären Anspruch erheben, „nicht in die Breite, sondern in die Spitze“
Wirkungen der „neu-rechten“ Nationalismus-Renaissance
Die mit den AfD-Erfolgen einhergehende, von einer intellektuellen „Neuen Rechten“ getragene Nationalismus-Renaissance unterminiert das geistige Fundament der Bundesrepublik Deutschland innen- wie außenpolitisch. Das Liebäugeln mit dem autokratischen Putin-Regime stellt die Westintegration radikal in Frage und zeugt von der Geringschätzung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Die intellektuelle Wiederbelebung des Nationalismus entfaltet auch deshalb Wirksamkeit, weil sie die vorherrschenden Formen der deutschen Geschichtspolitik und Erinnerungskultur („Vergangenheitsbewältigung“) wegen angeblicher Unterminierung des Nationalstolzes („Schuldkult“) unbarmherzig kritisiert, aber zugleich Distanz zum historischen Nationalsozialismus wahrt. Sie geht nicht mit einer pauschalen Leugnung der NS-Verbrechen, sondern mit der Verringerung ihrer historischen Bedeutung einher. In der AfD-Programmatik findet sich kein offener Antisemitismus, nicht selten sogar betonter Philosemitismus. Zugleich sind antisemitische Ressentiments im AfD-Milieu weiter verbreitet als in dem der langjährig etablierten Parteien.