Beleuchteter Reichstag

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12.1.2012 | Von:
Rainer S. Elkar

Revolutionäre Wege zur Einheit

1848/49 und 1989/90 – Parallelen und Unterschiede

"Freiheit" gehörte immer zur politischen Rhetorik der Bundesrepublik, die sich damit in die revolutionäre Tradition von 1848/49 stellte. 1989/90 erlangte sie gewaltfrei eine neue einheitsstiftende Qualität. Ein Vergleich, aufbauend auf dem aktuellen Stand der Revolutionsforschung, macht Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich.

Einleitung

Anfangs, so schien es, musste die ostdeutsche Revolution um ihre wissenschaftliche und öffentliche Anerkennung kämpfen. Sie erwies sich auch in dieser Hinsicht als erfolgreich.[1] Dennoch: Die Vorstellung, dass Deutschen eine Revolution gelinge, erschien vielen wenn nicht als befremdlich, so doch als überraschend.
"Fest der Freiheit" am Brandenburger Tor in Berlin, 9. November 2009."Fest der Freiheit" am Brandenburger Tor in Berlin, 9. November 2009. (© Bundesregierung, Foto: Thomas Köhler)
Von "Wende" war die Rede, ein scheinbar alles erklärender Begriff, der 1982 dazu dienen sollte, beim Amtsantritt Helmut Kohls eine "geistig moralische Wende" im Westen zu verkünden, und der sich dann 1989 im Westen wie im Osten, wo ihn Egon Krenz im November erstmals verwandte, zeitweilig vor die Wahrnehmung einer Revolution schob.

Im nachfolgenden Dezember erklang im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt Beethovens Neunte mit revidiertem Text "Freiheit, schöner Götterfunken" und damit schon das Motiv für das "Fest der Freiheit" zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Wer dies so inszenierte, wer die "Friedliche Revolution 1989/90" etwa ein Jahr lang im Zentrum der Hauptstadt der Weltöffentlichkeit präsentierte, der reflektierte kaum noch Begriffe. Dabei handelte und handelt es sich um keine Klischees oder rhetorische Floskeln, sondern um Topoi, also literarische Formeln, die als solche sowohl in ihrer Tradition wie in ihren Bindungen an die geistige Umgebung der Zeit zu untersuchen sind.


Fußnoten

1.
Zum Forschungsstand vgl. insb.: Eckart Conze u.a. (Hg.), Die demokratische Revolution 1989 in der DDR, Köln u.a. 2009; Klaus-Dietmar Henke (Hg.), Revolution und Vereinigung 1989/90. Als in Deutschland die Realität die Phantasie überholte, München 2009; Andreas H. Apelt u.a. (Hg.), Der Weg zur Deutschen Einheit, Berlin 2010; Elisabeth Bakke/Ingo Peters (eds.), 20 Years since the Fall of the Berlin Wall. Transitions, State Break-Up and Democratic Politics in Central Europe and Germany, Berlin 2011.

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