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Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik | Deutschland Archiv | bpb.de

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 45 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Zehn Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Deutschlands Chinapolitik – schwach angefangen und stark nachgelassen "Ein Dämon, der nicht weichen will" Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Vier Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ "Ich hatte Scheißangst" 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Frauen in der Bürgerbewegung der DDR und während der Friedlichen Revolution Die Wege zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? 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Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Gedächtnis im Wandel? Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. 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Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Wie wurde ich ein politischer Mensch? 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Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? 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Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik

Wolfgang Templin

/ 26 Minuten zu lesen

Undatierte Aufnahme des deutschen Außenministers Walther Rathenau, der am 24.6.1922 in Berlin einem Attentat zum Opfer fiel. (© picture-alliance/dpa)

Ein Rückblick im Jahr zweier Jubiläen

Zwischen dem 16. April, dem Ostersonntag des Jahres 1922, an dem der überraschten Welt der Vertrag von Rapallo zwischen dem Deutschen Reich und der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik präsentiert wurde, und dem Fememord an dem deutschen Außenminister Walther Rathenau am 24. Juni des gleichen Jahres lagen kaum mehr als zwei Monate. Der Name und das Wirken Rathenaus bleiben untrennbar mit diesem Vertrag verbunden. Der Blick auf seine Person fiel in den Jahren und Jahrzehnten danach sehr unterschiedlich aus und führte nach 1945 in der DDR und der Bundesrepublik zu extrem unterschiedlichen Deutungen.

Die deutschen Kommunisten in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR, die als Reaktion auf die Gründung der Bundesrepublik 1949 entstanden ist, mussten von Beginn an mit einem Legitimationsdefizit kämpfen. Sie standen unter dem Kommando der sowjetischen Besatzungsmacht, versuchten sich aber das Selbstbild eines antifaschistisch-demokratischen Staates zu geben. Dazu mussten sie für die eigene Seite den Löwenanteil des Widerstands gegen das Terrorregime der Nationalsozialisten reklamieren und dessen Geschichte grundlegend umdeuten. Dies war ein Widerstand, den es in den unterschiedlichsten Formen gab, der sich aus den unterschiedlichsten Quellen speiste und widerstreitende Ziele verfolgte. Sozialisten und Sozialdemokraten, Liberale und Konservative wurden im Dritten Reich zu Widerstandsgefährten der Kommunisten, teilten deren Schicksal in Gefängnissen, Konzentrationslagern und Hinrichtungsstätten. In der SBZ und der DDR wurden sie erneut verfolgt, wenn sie sich nicht dem kommunistischen Machtanspruch unterwarfen. Sie erlitten den späten Gulag auf deutschem Boden oder in Sibirien, wurden zu Unpersonen erklärt, ihr Anteil am gemeinsamen Widerstand totgeschwiegen. Ihre eigene Geschichte schrieben die deutschen Kommunisten so um, dass nur die moskautreuen Parteiführer um Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht verehrte Vorbilder und Lichtgestalten blieben. Rosa Luxemburg wurde als Kritikerin Lenins und der Bolschewiki zur zeitweiligen Unperson. Deutsche Kommunisten, die sich gegen die taktisch wechselnde Linie Moskaus stemmten, wurden als Abweichler und Renegaten verurteilt. Opfer von Stalins Säuberungen und Insassen der Straflager wurden verschwiegen. Sozialdemokraten und „Bürgerliche“ waren willkommen, wenn sie in den Reihen der SED aufgingen oder sich in das politische Korsett der sogenannten Blockparteien einordneten.

Ihr positives Bild, ihre Verzeichnung oder die über sie verhängten Verdammungsurteile spiegelten den Charakter des DDR-Systems selbst wider. Das galt auch für den Zugriff auf bedeutende Repräsentanten der Weimarer Republik. Eine für das Schicksal dieser ungefestigten Demokratie entscheidende Persönlichkeit, der im Sommer 1922 einem Fememord rechtsnationalistischer Terroristen zum Opfer fiel, ist hier ein markantes Beispiel: der Jude Walther Rathenau. Er wurde in Darstellung und propagierter Würdigung zum Opfer manipulativer Umdeutung der Geschichte. Beteiligt daran waren Ideologen und Geschichtspropagandisten, aber auch Schriftsteller und Historiker. Frappant ist, dass eine Reihe von ihnen selbst Juden und Jüdinnen waren, die die Ausgrenzung und den Hass, welche Walther Rathenau als Jude entgegenschlugen, auf andere Weise selbst erlitten hatten. Wie weit sie sich aus Überzeugung, Opportunismus, Karrieresucht oder Furcht vor eigener Verfolgung und Diskriminierung an der offiziellen, verfälschten Deutung seiner Person beteiligten, bleibt als Frage im Raum stehen.

Deutlich anders zu bewerten sind die verschiedenen Phasen der Auseinandersetzung mit Walther Rathenau und des mit seiner Person verbundenen Rapallo-Vertrages in der Bundesrepublik. Auch hier gab es Ausblendungen und ein großes Maß an Verdrängung, welches jedoch im Laufe der Jahrzehnte in bedeutendem Maß überwunden wurde. Für den vergleichenden „Blick auf die Blicke“ ist eine kurze Rekapitulation Rathenaus Lebens notwendig.

Zur Biografie Walther Rathenaus

Harry Graf Kessler, der mit Walther Rathenau befreundete europäische Kosmopolit und Freigeist, widmete ihm einige Jahre nach seinem Tod eine eindringliche Lebensbeschreibung. Er suchte den Schlüssel zu dessen starker Wirkung auf alle Zeitgenossen in seiner doppelten Identität als jüdischer Intellektueller und deutscher Patriot, seiner ausgeprägten künstlerischen Veranlagung und seiner Karriere als Industrieller sowie Politiker.

Der 1867 in Berlin geborene Rathenau hatte Eltern, die aus unterschiedlichen Milieus stammten. Der Vater kam aus einer wohlhabenden schlesisch-jüdischen Kaufmannsfamilie, wurde Maschinenbauingenieur und erlebte in den Berliner Borsig-Werken die stürmischen Schritte einer neuen Welle der Industrialisierung, verknüpft mit dem Siegeszug der Elektrizität. Im Berlin der Gründerzeit versuchte er sich an verschiedenen Unternehmungen, die im Strudel des Gründerkrachs von 1872/73 an den Rand des Bankrotts gerieten. Mit seinem Geschäftspartner Werner von Siemens brauchte er rund zehn Jahre, um sich wieder herauszuarbeiten und mit der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft (AEG) ein eigenes Firmenimperium aufzubauen.

Rathenaus künstlerisch veranlagte Mutter, eine starke Persönlichkeit, kam aus einer reichen jüdischen Bankiersdynastie in Frankfurt am Main. Ihre Mitgift half dem Vater aus dem Krisenstrudel heraus, half beim Aufbau der AEG. Wie selbstverständlich sah Emil Rathenau in seiner Nachfolge den Sohn. Der vom starken Charakter und den musischen Neigungen der Mutter geprägte Walther hätte viel lieber die Laufbahn eines Künstlers, Militärs oder Diplomaten eingeschlagen. Ohne eine enge Bindung an den jüdischen Glauben, lehnte er den Übertritt in eine christliche Konfession ab, was für ihn jede Militärkarriere oder andere Positionen im höheren Staatsdienst so gut wie ausschloss. Als ungetaufter Jude wurde er nach seinem einjährigen Freiwilligendienst bei den Gardekürassieren nicht einmal zur Aufnahmeprüfung für den Offiziersdienst zugelassen.

Mit seiner inneren Verbindung von deutscher patriotischer und jüdischer Identität sah er sich plötzlich lebenslang als Bürger zweiter Klasse. Er gab dem Drängen des Vaters nach, absolvierte die verschiedenen Stufen einer Ingenieursausbildung, trat in die Geschäftsführung ein. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums wurde er zum Aufbau der von der AEG gegründeten elektrotechnischen Werke in Bitterfeld und Rheinfelde delegiert. Leitende Stellungen und zahlreiche Aufsichtsratsposten in dem immer stärker expandierenden Industriekonzern folgten.

Trotz eines Arbeitspensums, das andere mehr als ausgefüllt hätte, schuf er nebenbei in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein umfangreiches schriftstellerisches Werk. Fortschrittsoptimismus und der damit verbundene Glaube an die sukzessive Verbesserung der menschlichen Lebensumstände dominierten darin. Ein idealistisch bestimmtes „Reich der Seele“ stand im Zentrum seines Werkes. So sehr er das militärische Auftrumpfen und die Kriegsabenteuer von Wilhelm II. und seiner Anhänger ablehnte, so tief war er vom Erfindergeist und wirtschaftlichen Gewicht Deutschlands und seiner führenden Rolle in Europa überzeugt. Ihm schwebte eine Dominanz seines Landes durch immer stärkere wirtschaftliche Verflechtung und eine kluge Handelspolitik vor. Mit dieser Grundhaltung sah er den Kriegsausbruch 1914 und die Rolle Deutschlands dabei kritisch, ließ sich aber, wie sein Freund Graf Kessler, zunächst von der patriotischen Stimmung anstecken. Er setzte sich für Kriegsziele ein, die weniger territoriale Zugewinne bedeuteten, sondern ein aus dem Krieg heraustretendes starkes Deutschland mit der führenden Stellung in einer künftigen Wirtschafts- und Zollunion.

Seine technischen Erfahrungen und Fähigkeiten als Industriekapitän ließen ihn als Juden in die entscheidende Verantwortung für die deutsche Rohstoffwirtschaft rücken, einer entscheidenden Achillesferse der kaiserlichen Kriegsführung. Dem Annexionskurs Hindenburgs und Ludendorffs, die dem Kaiser ab 1917 immer mehr das Heft des Handelns aus der Hand nahmen, dann aber nach den Niederlagen der Sommeroffensive 1918 in Panik gerieten, folgte er nicht. Dennoch übte er im November 1918 Kritik am hastig abgeschlossenen Waffenstillstand. Bei Fortsetzung des Kampfes hätte er auf eine bessere Position am Verhandlungstisch gesetzt. Matthias Erzberger, Politiker der katholischen Zentrumspartei, sah keinen anderen Ausweg, als die harten Bedingungen des Waffenstillstands anzunehmen und als Vorsitzender der deutschen Waffenstillstandskommission zu unterzeichnen. Hindenburg und Ludendorff hingegen wollten sich nicht mit der Unterschrift unter die Kapitulation beflecken und hatten den Zivilisten, Bayern und Katholiken Erzberger in diese Funktion gedrängt.

Die Ermordung Matthias Erzbergers

Mit dem französischen Verhandlungsführer General Foch rang Erzberger bei jedem Artikel des Vertrages um Erleichterungen für Deutschland. Von rechten Kräften wurde er nach der Unterzeichnung des Vertrages als „Novemberverbrecher“ verteufelt und erhielt, wie viele andere Verständigungspolitiker, Morddrohungen. Im August 1921 wurde Erzberger während eines Kuraufenthaltes im Schwarzwald von zwei Mitgliedern der rechten Geheimorganisation Consul erschossen. Im Gefolge der Novemberrevolution zeigten sich die innere Zerrüttung des Landes und die politischen Folgen der deutschen Niederlage immer deutlicher.

All dies vor Augen, musste sich Rathenau erneut entscheiden. Als Jude war er immer wieder von rechten, deutschnationalen Kreisen angefeindet worden, war nie ein Monarchist gewesen und sah viel Berechtigtes in den Forderungen der Sozialdemokraten. So wurde er zum Mitbegründer der aus den sozialliberalen Kräften der wilhelminischen Zeit hervorgegangenen Deutschen Volkspartei (DVP). Sie stand in deutlichem Gegensatz zu den eher rechten Nationalliberalen um den späteren Reichskanzler und Außenminister Gustav Stresemann. Im Wirtschaftsprogramm der DVP verbanden sich Elemente von Marktwirtschaft und Planwirtschaft. Eine Verständigung nach Westen und eine mit friedlichen Mitteln erreichte wirtschaftliche Dominanz im Osten sollte für Rathenau die annexionistische Eroberungspolitik Wilhelms II. und der Militärkreise ersetzen. Sein ausgleichendes Gewicht, sein industrieller Sachverstand und seine ökonomische Erfahrung ließen ihn zu einem der wichtigsten Mitglieder der deutschen Delegation für die Verhandlungen zum Versailler Vertrag werden. Mit geringem Erfolg rang er dort für Lockerungen in den harten Reparationsbestimmungen. So sehr er die harten Bedingungen des Versailler Vertrages ablehnte, sah er doch die katastrophalen Folgen, die eine Verweigerung der Unterschrift haben würde und plädierte für die Unterzeichnung. Damit wurde „der Jude Rathenau“ zu einer der entscheidenden verhassten Personen rechtsnationalistischer, monarchistischer und extremistischer Kreise und Organisationen.

Wie der zur Zentrumspartei gehörige Reichskanzler Joseph Wirth versuchte er in der Folgezeit, eine auf den Westen gerichtete Verständigungspolitik durchzusetzen. Im Unterschied zu Rathenau war Wirth ein Nationalist, der aber republikanisch gesinnt war und die Wiederherstellung der Monarchie ablehnte. Destabilisierungsversuche und Putschpläne rechtextremer Kreise bekämpfte er erbittert und war bereit, alle Machtmittel des Staates dagegen einzusetzen. Außenpolitisch stand Wirth eine erneute gemeinsame Grenze mit Russland vor Augen. Das neu entstandene Polen war dabei nur störend und galt als zu beseitigender Saisonstaat. Sieger wie Besiegte des Weltkrieges trafen die Schäden und Verluste des Ersten Weltkrieges unterschiedlich, aber alle hatten mit den Folgen zu kämpfen. Eine für das Frühjahr 1922 nach Genua einberufene Weltwirtschaftskonferenz sollte der Wiederherstellung der durch den Krieg zerrütteten internationalen Wirtschafts- und Finanzbeziehungen dienen. Auf ihr waren alle Teilnehmerstaaten am Ersten Weltkrieg repräsentiert, mit Ausnahme der USA. Mit Deutschland und Sowjetrussland nahmen auch zwei Staaten teil, die sich als „Parias“ von bisherigen internationalen Nachkriegstreffen ausgeschlossen sahen, hier aber gebraucht wurden.

Geheime deutsch-sowjetrussische diplomatische und Militärkontakte gab es bereits nach den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk im Winter 1917/18. Erich Ludendorff und weitere Mitglieder der Reichsleitung hatten die Machtergreifung der im März 1917 aus dem Exil zurückgekehrten Bolschewiki insgeheim mit Millionen von Reichsmark unterstützt. All diese Kontakte und die ersten Ansätze einer künftigen Militärkooperation sollten sich jetzt auszahlen. Für Lenin und die Bolschewiki war Berlin immer von mehrfachem Interesse. Entweder als Zwischenstation, um die Fackel der Weltrevolution in den Westen zu tragen, oder als temporärer Bundesgenosse, der den sowjetrussischen Macht- und Einflussbereich im Osten des Kontinents akzeptierte. Ein Bundesgenosse, mit dem man sich über die Köpfe der neuen kleineren Nachbarn hinweg verständigen konnte. Für diese Pläne stand Karl Radek, der noch im November 1918 nach Berlin reiste, die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands unterstützte, die Januarunruhen 1919 befeuerte und verhaftet wurde. In seiner luxuriös ausgestatteten Gefängniszelle in Moabit empfing er im Februar und März 1919 deutsche Journalisten, Militärs, Diplomaten und Wirtschaftsleute. Hier kamen Kontakte zustande, die diese Monate überdauerten. Walther Rathenau war in ein solches Netzwerk nicht einbezogen und billigte die damit verbundenen Ziele nicht. Im Januar 1922 wurde er von Wirth bedrängt, das Amt des Außenministers anzunehmen. Er sträubte sich lange dagegen. Nicht, weil ihm politischer Ehrgeiz fernlag, sondern weil ihm vor Augen stand, wie unlösbar die Aufgabe war, die vor ihm stand, wieviel Hass und Ablehnung ihm als erstem jüdischem Außenminister in Deutschland entgegenschlagen würde.

Joseph Wirth aber brauchte Rathenaus internationalen Namen und sein Verhandlungsgeschick für die Konferenz von Genua in der Rolle des Außenministers. Widerstrebend willigte Rathenau schließlich ein und wurde am 31. Januar 1922 zum Minister des Äußeren ernannt. Seiner Mutter, die dunkle Vorahnungen plagten, erklärte er, dieses Amt übernehmen zu müssen, weil sich kein anderer bereitgefunden hatte. Verantwortung für den Ausgang der Konferenz und die Vision einer Diplomatie, die sich der Weimarer Demokratie verpflichtet sah und nicht mehr von kaisertreuen Beamten beherrscht war, trieben ihn an. Was sich im Hintergrund der Konferenz abspielte und wie der „Überraschungsvertrag“ von Rapallo vorbereitet wurde, wurde vor ihm geheim gehalten.

Rapallo und die Folgen

In die Gespräche zwischen hohen Vertretern des Auswärtigen Amtes um den Leiter der Ostabteilung, Staatsekretär Adolf Georg Otto (Ago) von Maltzan, der Führung der Reichswehr um General Hans von Seeckt und sowjetrussische Diplomaten war Reichskanzler Wirth mindestens teilweise eingeweiht. Sie alle einte die Abneigung gegenüber dem „polnischen Bankert“, der als erstes einer immer intensiveren deutsch-russischen Zusammenarbeit zum Opfer fallen sollte. Da die meisten der mit diesen Geheimgesprächen befassten Herren des Lateinischen mächtig waren, machte der auf Polen umgemünzte Spruch Catos, dass Karthago endlich zerstört werden müsse – „Ceterum censeo Poloniam esse delendam“ –, immer wieder die Runde. Die Wege und Methoden wurden unterschiedlich gesehen, aber das Ziel vereinte. Für Rathenau standen die Milderung der Kriegslasten für Deutschland und eine neue europäische Wirtschafts- und Finanzordnung als Ziel der Konferenz im Vordergrund, und so versuchte er das Amt des Verhandlungsführers auszufüllen. Während er sich auf die Verhandlungen in Genua konzentrierte, kam es in Rapallo, einem Badeort in der Nähe Genuas, wo Teile der sowjetischen Delegation ihren Sitz hatten, zu entscheidenden Gesprächen und Vorarbeiten für einen Separatvertrag zwischen der Deutschen Regierung und der sowjetrussischen Seite. Die große Runde in Genua, der sich Rathenau widmete, und die Separatverhandlungen in den Vorortvillen konnten unterschiedlicher nicht sein.

Für die Verhandlungen in Genua gab es in der Vorbereitung eine umfangreiche Abstimmung zwischen verschiedenen Ressorts und Ministerien der Reichsregierung. Diese Ressortabstimmungen und die Verhandlungen während der Konferenz sind umfangreich dokumentiert.

Geheimverhandlungen mit militärischen Hintergründen

Die Geheimverhandlungen in Rapallo hingegen wurden von einem kleinen Kreis aus Vertretern der Reichskanzlei, des Auswärtigen Amtes und der Reichswehrführung betrieben. Hinzu kamen Vertreter der Rüstungsindustrie. Ago von Maltzan, der bei den Gesprächen federführend war, fühlte sich mit den Vertretern auf der sowjetischen Seite in sehr guter Gesellschaft. Er hatte die Betreuung Karl Radeks nach dessen Freilassung aus Moabit übernommen, für dessen passende Unterbringung und immer intensivere Kontakte in den Folgemonaten gesorgt. Mit dem Volkskommissar für Äußeres, Georgi Tschitscherin, der die sowjetische Delegation in Genua leitete, und seinem Stellvertreter, Maxim Litwinow, verstand er sich bestens. Tschitscherin ging davon aus, dass sie gemeinsam die vierte Teilung Polens vorbereiteten und dass jetzt endlich die Zeit gekommen sei, den Polen das Lebenslicht auszublasen.

Die Interessenlagen auf der deutschen Seite waren eindeutig. Den Vertretern der Schwerindustrie lag an lukrativen Rüstungsaufträgen, die bisher durch die Auflagen des Versailler Vertrags verhindert wurden. Hier ließ sich über Sowjetrussland eine Menge verdeckt abwickeln. Im Generalstab der Reichswehr, der unter dem verharmlosenden Namen „Truppenamt“ agierte, gab es längst Pläne und Vorarbeiten, die Beschränkungen der Reichswehr, denen diese nach Truppenstärke und Waffenarten unterlag, zu unterlaufen. Kurze Zeit nach Rapallo gab es einen geheimen Dreistufenplan für den Aufbau eines großen Heeres mit 102 Divisionen und 2,8 Millionen Mann. Durch die enge Militärkooperation mit der Sowjetunion wurden diese Pläne und Vorarbeiten in den Folgejahren realisiert und setzten Adolf Hitler nach 1933 in den Stand, binnen weniger Jahre ein gigantisches Aufrüstungsprogramm zu betreiben. Die an den Gesprächen beteiligten deutschen Diplomaten und Politiker schließlich wollten die Folgen der Kriegsniederlage Deutschlands hinter sich lassen, es erneut als europäische Hegemonialmacht etablieren, Polen als souveränen Staat auslöschen und Frankreich demütigen.

Für alle Gespräche, die sich in der Karwoche 1922 konzentrierten, galt strengste Geheimhaltung, systematische Tarnung und eine später betriebene weitestgehende Aktenvernichtung, soweit es zu den einzelnen Vorgängen überhaupt Unterlagen und Akten gab. Die überraschende Präsentation des unterschriftsreifen Vertrages sollte am Osterwochenende erfolgen, in der Abwesenheit von Reichspräsident Friedrich Ebert. Der hatte sich vorbehalten, über alle wichtigen Entscheidungen der Konferenz vorab informiert zu werden. Er ahnte nicht, dass in seiner unmittelbaren Nähe illoyale Mitarbeiter saßen, die ihn von entscheidenden Informationen abschnitten und die Verschleierungstaktik der Verschwörer unterstützten.

Reichskanzler Wirth, der den Fortgang der Verhandlungen in der Karwoche verfolgte und in das tatsächliche Gewicht der Militärkonvention eingeweiht war, fiel die Aufgabe zu, den mehr oder weniger ahnungslosen Rathenau, dessen Unterschrift er brauchte, im letzten Moment zu überreden. Entscheidende Momente dieses Prozesses fielen in die letzte Nacht vor dem Vertragsabschluss, als Rathenau mit der Behauptung eines vorangegangenen Dringlichkeitsanrufes aus dem Bett getrommelt wurde und seinerseits die engsten Mitarbeiter zusammenrief. Die nächtlichen Gespräche, von denen nur Schilderungen existieren, sollten unter dem Namen „Pyjamakonferenz“ in die Geschichte eingehen. Da nicht alle Momente der Geheimhaltung funktionierten, hatte man in Kreisen der französischen und der britischen Delegation von dem regen Treiben in der Villa der sowjetischen Delegation Wind bekommen und drohte mit Konsequenzen bei einseitigen Vereinbarungen. Tschitscherin und Litwinow setzten umgekehrt das Gerücht von britisch-sowjetischen und französisch-sowjetischen Separatgesprächen in die Welt, um die deutsche Seite zum schnellstmöglichen Vertragsabschluss zu treiben. Davon sollte auch der geheimnisvolle, entscheidende Anruf handeln, von dem nicht sicher ist, ob es ihn tatsächlich gegeben hat.

Die letzten Entscheidungen fielen am Ostersonntag

Wirth hatte Rathenau erst einige Stunden zuvor mit den militärischen Implikationen des Vertrages vertraut gemacht, spielte dessen wirtschaftspolitische Elemente hoch und die militärpolitische Bedeutung herunter, um Rathenau die Unterschrift zu erleichtern. Der zögerte noch immer, sah sich von eigenen Untergebenen im Auswärtigen Amt hintergangen, ließ dann aber doch seine Loyalität für das Ganze siegen. Bei aller Abneigung gegenüber der sowjetrussischen Seite drückte er später gegenüber Vertrauten aus, dass er nicht daran denke, sich den Russen politisch auszuliefern, er werde sie in der Hand behalten, nicht sie ihn. Ein verhängnisvoller Akt der Selbstüberschätzung und der Unterschätzung der bereits weit gediehenen deutsch-russischen politischen und militärischen Kooperation. Er drückte diese Gedanken gegenüber dem Schweizer Bankier und Ökonomen Felix Somary aus, dessen Kompetenz in Fragen der Währungspolitik er überaus schätzte. Im Mai 1922 wurde Somary überraschend von Rathenau aufgesucht, der ihn mit zwei Ideen konfrontierte. Das Angebot, die Verantwortung für die zerrütteten deutschen Staatsfinanzen zu übernehmen, musste Somary ausschlagen. Er ließ sich aber auf den zweiten Vorschlag ein. Es ging um die Zarenwälder, die an der Bahnlinie Petersburg-Moskau lagen. Ein gigantisches Territorium, für das die russische Seite den Deutschen eine große Konzession anbot. Russland sei der geborene Rohstoffexporteur und Konsument von Industriewaren. Es könne für beide Seiten ein sehr großes Geschäft werden und sie aus der Isolation herausführen, argumentierte Rathenau. Der Schweizer Bankier sollte die dafür notwendigen Kredite organisieren. Somary willigte ein, organisierte den Kredit, musste aber nach anfänglichen wirtschaftlichen Erfolgen merken, dass die Überzentralisierung des russischen Systems auf die Dauer keine ausreichenden Gewinnmöglichkeiten hergab. Nach Auslaufen des ersten Vertrages lehnte Somary die Kreditverlängerung ab. Man kann davon ausgehen, dass solche Versuche einer friedenssichernden Ausgestaltung des Vertrages durch Rathenau im Frühjahr 1922 und seine Drohung mit einer möglichen einseitigen Aufkündigung des Vertrages für die konkreten Mordmotive und den Mordbefehl gegen ihn, der von oben kam, eine Rolle spielten.

Nach außen hin wirkte der am Abend des Ostersonntags der Presse präsentierte kurze Vertrag viel harmloser als er tatsächlich war. Vordergründig ging es um die wechselseitige diplomatische Anerkennung, die Einführung der Meistbegünstigungsklausel im Handel für beide Seiten und den Verzicht auf Reparationsansprüche. Ein separates Geheimprotokoll über die militärische Zusammenarbeit, das von Historikern und Historikerinnen lange vermutet wurde, brauchte es nicht, weil die entscheidenden Vereinbarungen dazu in privatrechtliche Vereinbarungen über die Lieferung von Industrieanlagen und Rohstoffen, vor allem Öl, eingebaut waren.

Die französische Seite fühlte sich hintergangen und drohte mit Konsequenzen, die einige Monate nach dem Ende der Konferenz in der Ruhrbesetzung mündeten. Die polnische Seite sah sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt und die Hoffnung auf einen Ausgleich mit Deutschland schwinden. Der unmittelbare persönliche Verlierer war jedoch Rathenau. Er musste sich gegenüber der Reichsregierung und Friedrich Ebert (SPD) für seine Unterschriftsleistung rechtfertigen, hob immer wieder die Seite der Verständigung und der Wirtschaftskooperation in dem Papier hervor. Da der Vertrag noch nicht ratifiziert war, kündigte er die Möglichkeit der einseitigen Aufkündigung an, wenn sich der Umfang der Militärkooperation nicht minimieren ließe und die westliche Seite nicht zustimmen würde.

Eigentlich hätte die deutsche Rechte mit dem Ergebnis von Rapallo zufrieden sein müssen. Das galt jedoch nur für einen Teil des rechten Spektrums. Auf der extremen Rechten, so an der Spitze der Organisation Consul, saß der Hass auf den „Juden Rathenau“ so tief, war die Ablehnung jedweder Verträge mit „Feinden“ so groß, dass der Ausweg in einer Ermordung Rathenaus und der Anzettelung von Unruhen in allen Teilen des Reiches gesehen wurde. Eine radikal-monarchistische Rechte stand dabei auch gegen konservative Republikaner wie Reichskanzler Wirth. Historiker wie Martin Sabrow beschrieben die Strategie der Täter als Teil einer terroristischen Eskalationsstrategie, die den Bürgerkrieg entfachen sollte. Inwieweit von diesen Kreisen Wirth und Rathenau, bei allen Unterschieden, in eins gesetzt wurden, drückt ein zeitgenössisches Lied aus: „Lasst uns froh und munter sein, schlagt dem Wirth den Schädel ein. Lustig, lustig, trallerallalla – bald ist Wilhelm wieder da. Wenn einst der Kaiser kommen wird, schlagen wir zum Krüppel Dr. Wirth. Auch Rathenau der Walther, erreicht kein hohes Alter. Knallt ab den Walther Rathenau, die gottverfluchte Judensau.“

Rathenaus Ermordung am 24. Juni 1922

Am Vormittag des 24. Juni 1922, einem Sonnabend, lauerten drei junge Mitglieder der Organisation Consul Walther Rathenau vor seinem Haus in der Königsallee im Grunewald auf. Erwin Kern, Hermann Fischer und Ernst Werner Techow waren ehemalige Kämpfer der Brigade Erhardt, einer Einheit des Freicorps, die im Baltikum gekämpft und während des Kapp-Putsches 1920 eine Rolle gespielt hatte. Die Brigade Erhard wurde daraufhin offiziell aufgelöst.

Als Rathenaus offener Wagen durch die Ausfahrt gefahren war und auf die Königsallee einbog, folgte ihm der Wagen der Attentäter. Techow saß am Steuer, und die beiden anderen eröffneten das Feuer. Ihre Flucht führte sie anschließend durch zahlreiche deutsche Regionen. Am 17. Juli 1922 wurden die Mordschützen auf der thüringischen Burg Saaleck gestellt, wo sie bei dem Burgpächter Wilhelm Stein, der der Organisation Consul nahestand, Unterschlupf gefunden hatten. Beide Täter überlebten die Festnahme nicht und wurden auf dem Friedhof der nahegelegenen Gemeinde Saaleck beerdigt. Das alte Volkslied „An der Saale hellem Strande, stehen Burgen stolz und kühn“, erhielt eine neue, bittere Bedeutung.

Im Oktober 1922 fand vor dem neugebildeten Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik der Prozess gegen tatsächliche und vermeintliche Hintermänner der Tat statt. Die Angeklagten aus dem Umfeld der Organisation Consul und ihre Verteidiger fuhren eine Doppelstrategie. Bei den Schützen, so behaupteten sie, habe es sich um irregeleitete, radikalisierte Einzeltäter gehandelt. Die vaterländischen Ziele nationaler Kräfte und Organisationen könnten hier nicht vor Gericht stehen. Der Jude Rathenau habe durch all sein Tun die Ehre Deutschlands beschmutzt und keine Achtung verdient. In der Gerichtsverhandlung und den nachfolgenden Prozessen gelang es nicht, Verbindungen zwischen den Tätern und den wahrscheinlichen Auftraggebern an der Spitze der Organisation Consul nachzuweisen. Dem bereits vorher verhafteten Ernst Werner Techow drohte die Todesstrafe, aber er kam mit fünfzehn Jahren Zuchthaus davon und sollte später zum Helden avancieren. Joseph Goebbels besuchte ihn in den späten zwanziger Jahren mehrfach im Gefängnis. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers sollten die Mörder Rathenaus eine späte Genugtuung erfahren. Wenige Monate nach der sogenannten Machtergreifung gab es am 17. Juli 1933 eine Feier auf Burg Saaleck. An der Grabstätte der beiden Täter wurde ein wuchtiger Gedenkstein errichtet, der neben völkisch-nationalen und nationalsozialistischen Symbolen die folgende Inschrift trug: „Tu was Du musst, Sieg oder Stirb- und lass Gott die Entscheidung“ In den folgenden Jahren wurde Burg Saaleck zur Pilgerstätte für zahlreiche rechtsnationale und nationalsozialistische Organisationen.

Die Hintergründe von Rapallo wurden während der gesamten NS-Zeit als Staatsgeheimnis betrachtet. Hitler wollte seinen Ruhm als Führer nicht mit den Industriellen, Diplomaten und Militärs teilen, die ihm zur Macht verholfen hatten, und ihn, den Gefreiten, oft nur als Mann des Übergangs sehen wollten.

Die Rätsel um Rathenau und Rapallo bleiben

Im Jahre 2006 hielt die Osteuropahistorikerin Eva Fleischhauer fest, dass es auch nach mehr als achtzig Jahren noch immer viele Rätsel um Rapallo gäbe. Rätsel und Ungewissheiten, die auch die Person Rathenaus einschlössen. Keine Konferenz und kein internationaler Vertrag, so Fleischhauer, seien so unzureichend dokumentiert. Ob es der tatsächliche Stand der deutsch-sowjetischen Militärkooperation vor und nach Rapallo sei, die Frage, was Rathenau tatsächlich zur Vertragsunterzeichnung bewog, wie die genauen Instruktionen aus Moskau für Tschitscherin, Litwinow und die anderen Mitglieder der sowjetrussischen Delegation lauteten und was die genauen Hintergründe für den Auftrag des Mordes an Rathenau waren– all das liege noch immer weitgehend im Dunkeln. Fest steht nur, dass nach 1945 die deutsch-deutschen Blicke auf Rathenau systembedingt sehr verschieden waren.

Für den offiziellen DDR-Blick war Rathenau ein Repräsentant der bürgerlichen Klasse, der als Industrieller einerseits negativ beurteilt werden musste, der mit der ideologisch positiven Lesart von Rapallo andererseits aber auch eine positive Würdigung erfuhr. Ihm wurden die sowjetfeindlichen Ansichten seiner Klasse unterstellt, er selbst dann aber zum Friedens- und Sowjetfreund umgedeutet. Dann ließ man ihn der deutschen Reaktion zum Opfer fallen. Dass er Jude war und dafür gehasst wurde, spielte in der DDR-Rezeption nur eine untergeordnete Rolle. Von einer wirklichen Rezeption konnte auch kaum gesprochen werden, eher von einer ideologiegeleiteten Verdrängung der Realität. Das Schicksal der auf DDR-Territorium gelegenen Burg Saaleck gibt hier ein beredtes Beispiel. Im Zuge der Bodenreform wurde der Besitzer enteignet, die Burg fiel an die nächstgelegene Kleinstadt Bad Kösen. Im Wohnturm der Burg, wo sich die Attentäter versteckt hatten, behielt die Witwe des ehemaligen Pächters Hans Wilhelm Stein, Anita Stein, bis in die fünfziger Jahre ein Wohnrecht. Von dem monumentalen Stein auf dem Friedhof der Gemeinde Saaleck wurden alle Symbole und die Inschrift entfernt. Die Überlieferung der damaligen Geschehnisse und damit auch ein Stück der Geschichte Walther Rathenaus existierte im Gedächtnis der Bewohner der Umgebung fort. Diese waren aber mehrheitlich daran interessiert, die touristische Attraktivität der benachbarten Rudelsburg, die wieder ein Restaurant beherbergte, und die lange romantische Vorgeschichte von Burg Saaleck herauszustellen, als einer belasteten Geschichte aus neuerer Zeit nachzugehen. Das drückte sich bezeichnend in den Worten eines damals bekannten Heimatforschers aus, dem sicher auch daran gelegen war, sein Werk durch die Schleusen der Zensur zu bringen: „Auch aus der Geschichte hat der Mensch gelernt: Wo Kriege Städte und Dörfer verwüsteten, wo Menschen einander ausbeuteten und unterdrückten, herrscht Gleichheit und Recht, waltet der Segen der Arbeit und die schöpferische Ruhe des Friedens.“ Erst mit dem Jubiläum von Rapallo und des Attentats im Jahre 1962 erfuhr das Rathenau-Bild eine deutlichere Aufladung. Nach dem Mauerbau suchte die offizielle DDR verstärkt nach eigenen Traditionslinien, in die sie neben „Stammhelden“ ganz verschiedene historische Gestalten einordnete. Meist um Jubiläen gruppiert, reichten sie von Thomas Müntzer und seinen Bauern, dem Seeräuber Klaus Störtebecker bis zu den Demokraten des Vormärz. Es konnten aber im Jahre 1967 auch die nationalistischen und reaktionären Protagonisten der Urburschenschaft sein, die zum Jubiläum ihres Wartburgfestes progressiv umgedeutet wurden. Der Historiker, dem dieses Kunststück gelang, musste allerdings das Vorwort mehrfach umschreiben, bis es den ideologischen Anforderungen genügte. Später kamen noch der Müntzer-Feind und fanatische Antisemit Martin Luther und Friedrich der Große hinzu. Selbst Bismarck erfuhr eine späte Würdigung als vermeintlicher Verständigungspolitiker.

Was Rathenau betrifft, fällt auf, dass unter Funktionären, Schriftstellern und Historikern, die sich seiner Person widmeten, viele selbst jüdischer Abstammung waren. So der Jurist und Anwalt Friedrich Karl Kaul, der mit seinem Einsatz als Rechtsanwalt gegen Nazigrößen in der Bundesrepublik eine wichtige Arbeit leistete. Er konnte als Vertreter der Opfer des Naziregimes auftreten, weil er auch in der Bundesrepublik eine Zulassung als Rechtsanwalt hatte. Als Schriftsteller nebenbei hochproduktiv, verarbeitete Friedrich Karl Kaul in seinem Kriminalroman „Mord im Grunewald“ die Attentatsgeschichte.

Er war als kommunistischer Widerstandskämpfer und ehemaliger KZ-Insasse hochsensibel für die Gräueltaten des NS-Regimes, jedoch durfte für ihn der Stellenwert spezifisch jüdischer Verfolgung und des Holocaust nur eine Nebenrolle spielen. Konfrontiert mit dem sowjetischen Antisemitismus und den antijüdischen Verfolgungskampagnen in der DDR und konfrontiert mit der Indienstnahme von NS-Juristen in der DDR, die wie Ernst Melsheimer eine führende Rolle im Justizwesen spielten und es bis zum Generalstaatsanwalt brachten, blendete er all das aus. So blieb auch sein Blick auf die jüdische Seite Walther Rathenaus unscharf.

In welche Loyalitäts- und Abhängigkeitsfallen sich zahlreiche jüdisch-kommunistische Intellektuelle und Schriftsteller und Schriftstellerinnen in der DDR begaben, arbeitete die französische Historikerin Sonia Combe jüngst erst heraus.

Bezogen auf Rathenau galt das in intensiver Weise auch für den kommunistisch-jüdischen Widerstandskämpfer und Schriftsteller Heinz Kamnitzer. Der schrieb im Jahre 1961 das Drehbuch zu dem in der DDR bekannt gewordenen Fernsehfilm „Mord an Rathenau“, der mit namhaften Schauspielern und Schauspielerinnen alle Schemata der DDR-Geschichtspropaganda erfüllte. Im Film geht es um den künstlerisch begabten Industriellen und Politiker, der sich im Jahre 1922 zum progressiven Helden entwickelt und den Repräsentanten der friedliebenden Sowjetunion die Freundeshand reicht.

Der großbürgerliche Habitus Rathenaus, sein Mäzenatentum und sein Wirken als Industrieller stehen im Vordergrund, kaum sichtbar werden jedoch die Tücken und Gefahren seines politischen Lavierens. In der Verständigung mit Russland erfolgt im Film die Vorwegnahme der später vielbeschworenen Formel von den Möglichkeiten der friedlichen Koexistenz. Heinz Kamnitzer machte eine steile DDR-Karriere und wurde Präsident des DDR-PEN Zentrums. Im Januar 1988 bezichtigte er die oppositionellen Teilnehmer an der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration öffentlich der „Gotteslästerung“, was dann doch einen Skandal auslöste. Solidere DDR-Historiker wie Fritz Klein, die versuchten, zu den Hintergründen von Rapallo zu recherchieren, stießen bald auf ideologische Verbotsschilder und geschlossene sowjetische Aktenschränke.

Das galt vor allem für die Rolle, die der ehemalige Reichskanzler Joseph Wirth, der noch bis 1956 lebte, über die verschiedenen Jahrzehnte hinweg gespielt hatte. Wirth verkündete immer wieder, dass er sein umfangreiches Wissen zu den Hintergründen von Rapallo in einer umfassenden Arbeit präsentieren wolle. Doch an die Öffentlichkeit gelangten immer nur Bruchstücke davon. Nachdem er die Machtergreifung Hitlers zunächst begrüßt hatte, schwankte sein Urteil über die Nationalsozialisten in den Folgejahren. Noch 1940 begrüßte er den Überfall auf Polen, dem mit dem Rapallo-Vertrag der Weg geebnet worden sei. Als sich die Kriegsniederlage Hitlers abzeichnete, versuchte sich der in der Schweiz lebende Wirth als Mann des Widerstands zu profilieren. Nach dem Krieg war er in der Bundesrepublik in die Neutralitätsbestrebungen der Gegner der Westintegration eingebunden und hatte zahlreiche Kontakte in die DRR. Mit DDR-Geld unterstützt, kündigte er immer wieder die bereits erwähnte eigene Arbeit zu Rapallo an, zu der es nie kam. Noch kurz vor seinem Tod wurde er mit dem Stalin-Friedenspreis geehrt. Trotz Wirths enger und zahlreicher DDR-Kontakte in den 1950er-Jahren gibt es keine eigene Akte des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zu ihm, was die Vermutung nahelegt, dass er nach dem Krieg direkt an den KGB angebunden war. Auch hier könnten erst die wieder geschlossenen Moskauer Archive Auskunft geben. Fritz Klein war nicht der einzige DDR-Historiker, der sich an den Rätseln versuchte, die mit Rathenau verbunden waren. Kollegen und Kolleginnen, über die er in seinen Erinnerungen schrieb, stießen an ideologische Mauern und auf verschlossene Archive. Angesichts dessen konnte es nicht verwundern, dass es in den Lehrplänen der DDR und der Behandlung im Schulunterricht nur den bürgerlichen Friedensfreund Rathenau gab, welcher der Reaktion zum Opfer fiel. Rapallo hatte ein Meilenstein auf dem Weg zum ewigen Bündnis mit der friedliebenden Sowjetunion zu sein.

Ganz anderer Art waren die auf Rapallo und Rathenau bezogenen Ausblendungen und Verdrängungen in der frühen Bundesrepublik. Im Jahre 1970 zog der Historiker und Nestor der kritischen NS-Forschung Hermann Graml eine Bilanz über „Die Rapallo-Politik im Urteil der westdeutschen Forschung“. Das Urteil, zu dem er gelangte, fiel nicht allzu schmeichelhaft für seine Kollegen und Kolleginnen aus. Die meisten von ihnen verneinten zu dieser Zeit noch die offenkundig revisionistisch-offensiven, vor allem gegen Polen und Frankreich gerichteten Ziele des Paktes. Rapallo wurde als Meilenstein des deutschen Wiederaufstiegs nach der Kriegsniederlage wahrgenommen, die Hintergründe des Mordkomplotts an Rathenau blieben verschwommen, denn sie warfen ein zu scharfes Licht auf die Kontinuität konservativer und rechter juristischer Eliten in der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik. Ausmaß und Charakter der deutsch-sowjetrussischen Militärkooperation blieben so im Dunkeln. Im Unterschied zur DDR jedoch fiel in den folgenden Jahren und Jahrzehnten in der Demokratie der Bundesrepublik eine Tabuschranke nach der anderen. Der positive Rapallo-Mythos wurde immer stärker infrage gestellt. Bereits im Jahre 1968 veröffentlichte der Publizist Sebastian Haffner ein Buch über den „Teufelspakt“, mit dem er die Gesamtheit der Deutsch-Sowjetrussischen Zusammenarbeit von 1917-1939 umschrieb. Der Vertrag von Rapallo spielte dabei für ihn eine zentrale Rolle. Haffners scharfe Wertung wurde kontrovers diskutiert, aber in den folgenden Jahrzehnten weitete sich dies auch auf andere Bereiche aus. Dazu gehörte die Verstrickung der Wehrmacht in den Vernichtungskrieg im Osten und das Zusammenwirken von Wirtschaftskapitänen, Militärs und Diplomaten beim Untergang der Weimarer Demokratie. Vor allem ging es um die mit jahrzehntelanger Verspätung einsetzende Analyse von Karrierewegen belasteter Juristen, Politiker und Geheimdienstler nach dem Zweiten Weltkrieg.

Viele dabei gewonnenen Erkenntnisse helfen dabei, hundert Jahre nach dem Vertragsabschluss von Rapallo und der Ermordung von Walther Rathenau ein genaueres Bild von den Ereignissen und den beteiligten Personen zu zeichnen. Zahlreiche Fragen bleiben jedoch weiterhin offen.

Zitierweise: "Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik“, Wolfgang Templin, in: Deutschland Archiv, 4.7.2022, Link: www.bpb.de/510150.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Vgl. bpb-aktuell vom 8.4.2022, „Vor 100 Jahren: Unterzeichnung des Vertrags von Rapallo“, https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/507112/vor-100-jahren-unterzeichnung-des-vertrags-von-rapallo/, letzter Zugriff 27.6.2022.

  2. Vgl. Ernst Piper, bpb-Informationen, 7.5.2021, https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/weimarer-republik-346/332885/umkaempfte-republik-1919-1923/, letzter Zugriff 27.6.2022.

  3. Nach Wikipedia: Gulag bezeichnet das Netz von Straf- und Arbeitslagern in der Sowjetunion, im weiteren Sinn steht es für die Gesamtheit des sowjetischen Zwangsarbeitssystems, das neben Lagern und Zwangsarbeitskolonien auch Sonderlager, Spezialgefängnisse, Zwangsarbeitspflichten ohne Haft sowie in nachstalinistischer Zeit ebenfalls einige psychiatrische Kliniken als Haftverbüßungsorte umfasste. Im weitesten Sinn ist das gesamte sowjetische Repressionssystem gemeint.

  4. Vgl. Harry Graf Kessler, Walther Rathenau. Sein Leben und Werk, Berlin 1926.

  5. Sogenannte Einjährig-Freiwillige waren Wehrpflichtige mit höherem Schulabschluss, die nach freiwilliger Meldung einen Wehrdienst in einem Truppenteil ihrer Wahl als Präsenzdienst ableisteten. Nach Abschluss der Grundausbildung konnten sie Offiziere der Reserve werden.

  6. Vgl. Benjamin Dürr, Erzberger – der gehasste Versöhner. Biografie eines Weimarer Politikers, Berlin 2021.

  7. Vgl. Martin Sabrow, Der Rathenaumord. Rekonstruktion einer Verschwörung gegen die Republik von Weimar, München 1994.

  8. Die Osteuropa-Historikerin Eva Ingeborg Fleischhauer geht in einer großen Studie auf entscheidende Ausschnitte der verdeckten Deutsch-Russischen Beziehungen im Kaiserreich ein. Siehe Eva Ingeborg Fleischhauer, Die Russische Revolution. Lenin und Ludendorff (1905-1917), Borsdorf 2017.

  9. Ago von Maltzahn steht bis in die Gegenwart im Mittelpunkt der Kontroversen von Historikern und Geheimdienstforschern. Er wird als der entscheidende Diplomat für die Ausgestaltung der deutschen Ostpolitik in der frühen Weimarer Republik gesehen. Erst sein früher Tod bei einem Flugzeugabsturz im Jahre 1927 verhinderte den weiteren Aufstieg Maltzans. Es scheint gesichert, dass es ihm gelang, die entscheidende militärpolitische Seite des Rapallo-Vertrages vor Rathenau und weiteren Entscheidungsträgern zu verbergen. Der Historiker Niels Joeres versucht in einer neueren Dissertation, Maltzan von diesen Vorwürfen zu entlasten und ihn in die Reihe der Verständigungspolitiker zu stellen. Seine Thesen sind indes wenig überzeugend, wenn man die Ziele der Militärkonvention vor Augen nimmt und eine Verständigungsbereitschaft sieht, die immer dann abrupt abbrach, wenn es um Polen ging. Siehe Niels Joeres, Der Architekt von Rapallo. Der deutsche Diplomat Agon von Maltzan im Kaiserreich und der frühen Weimarer Republik, Heidelberg 2006.

  10. Die Rolle Hans von Seeckts und weiterer Generäle der Reichswehrführung bei der Vorbereitung und Ausgestaltung der deutsch-sowjetrussischen Militärkooperation hinter dem Rücken demokratischer Politiker der Weimarer Republik wird in neueren Arbeiten analysiert. Ebenso das verdeckte Zusammenspiel von Militärs, Diplomaten und Industriellen bis in die NS-Zeit und die frühe Bundesrepublik hinein. Siehe Carl Dirks/Karl-Heinz Janßen, Der Krieg der Generäle. Hitler als Werkzeug der Wehrmacht, Berlin 1999. Siehe auch Eckart Conze/Norbert Frei/Peter Hayes/Moshe Zimmerman, Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, München 2010.

  11. Historikerinnen und Ebert-Biografen versuchten immer wieder, die persönlichen Verstrickungen und Intrigen in der unmittelbaren Umgebung des Staatspräsidenten aufzuklären, stießen jedoch an die Grenzen gesicherter Überlieferung.

  12. Vgl. Felix Somary, Erinnerungen aus meinem Leben, Zürich 1959, S. 188-192.

  13. Siehe Martin Sabrow, Der Rathenaumord (Anm. 7).

  14. Vgl. Eva Maria Fleischhauer, Rathenau in Rapallo, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 3/2006.

  15. Vgl. Fritz Kühnlenz, Städte und Burgen an der Unstrut, Rudolstadt 1965, S. 338.

  16. Vgl. Günter Steiger, Urburschenschaft und Wartburgfest, Leipzig 1967.

  17. Vgl. Ernst Engelberg, Bismarck. Das Reich in der Mitte Europas, Leipzig 1990.

  18. Vgl. Britta Heymann, Ernst Melsheimer (1897-1960). Eine juristische Karriere in verschiedenen staatlichen Systemen, Frankfurt/M. 2007.

  19. Vgl. Sonia Combe, Loyal um jeden Preis - „Linientreue Dissidenten“ im Sozialismus, Berlin 2022.

  20. Vgl. Fritz Klein, Drinnen und draußen. Ein Historiker in der DDR, Frankfurt/M. 2000.

  21. Vgl. Hermann Graml, Rapallo in der westdeutschen Forschung, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 4/1970.

  22. Vgl. Sebastian Haffner, Der Teufelspakt, Frankfurt/M. 1968.

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Wolfgang Templin ist Philosoph und Publizist. Von 2010 bis 2013 leitete er das Büro der Heinrich Böll Stiftung in Warschau. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Fragen des deutsch-deutschen Vereinigungsprozesses und der Entwicklungen im östlichen Teil Europas, insbesondere in Polen und der Ukraine.