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Moskauer Hintergründe des 17. Juni | Deutschland Archiv | bpb.de

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten 1848/49 in der politischen Bildung Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gab "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Fünf Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ "Ich hatte Scheißangst" Ein Nazi flieht in die DDR Der 13. Februar 1945 im kollektiven Gedächtnis Dresdens Vor 50 Jahren im September: Zweimal Deutschland in der UNO Der Mann aus dem inneren Zirkel DDR-Vermögen auf Schweizer Konten Nicht nur Berlin Moskauer Hintergründe des 17. Juni Opfer einer "Massenpsychose"? Der Wolf und die sieben Geißlein Der Prager Frühling 1968 und die Deutschen Operativer Vorgang „Archivar“ 9. November 1989. Der Durchbruch 9. November 1918. „Die größte aller Revolutionen“? Der vielschichtige 9. November Biermann in meinem Leben Ein Wolf im Museum Entmutigung & Ermutigung. Drei Stimmen zu Biermann Spurenverwischer Kleinensee und Großensee Tod einer Schlüsselfigur Das besiegte Machtinstrument - die Stasi Anhaltende Vernebelung Die RAF in der DDR: Komplizen gegen den Kapitalismus Einem Selbstmord auf der Spur Druckfrisch Ehrlicher als die meisten Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 31 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Welche Zukunft liegt in Halle? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. (K)Einheit Wird der Osten unterdrückt? Die neue ostdeutsche Welle Die anderen Leben. Generationengespräche Ost "Westscham" Sichtweisen Die innere Einheit Wer beherrscht den Osten? Forschungsdefizite rechtsaußen Verpasste Chancen? Die gescheiterte DDR-Verfassung von 1989/90 Einladung: 75 Jahre Bundesrepublik Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2023 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur Olympia wieder in Berlin? Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Die "Weltnachricht" mit ungewollter Wirkung Krieg & Frieden. Wohin führt die Zeitenwende? Über 70 Analysen & Essays. Wenig Hoffnung auf baldigen Frieden Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Ein Jahr Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Deutschlands Chinapolitik – schwach angefangen und stark nachgelassen "Ein Dämon, der nicht weichen will" "Aufhören mit dem Wunschdenken" Zäsur und Zeitenwende. Wo befinden wir uns? Im zweiten Kriegsjahr Zeitenwende – Zeit der Verantwortung Müde werden darf Diplomatie nie Sprachlosigkeiten Wie ist dieser Krieg zu deeskalieren und zu beenden? Teil 1 Als Brückenbau noch möglich war Der Krieg in der Ukraine als neuer Horizont für politische Bildung und Demokratiepädagogik Bleibt nur Gegengewalt? „Mein Körper ist hier, aber mein Herz und meine Seele sind immer in Israel“ „Ich hoffe, dass die Ukraine die BRD des 21. Jahrhunderts wird“ Krieg als Geschäft Bodenlose Ernüchterung In geheimer Mission: Die DDR-NVA gegen den „jüdischen Klassenfeind“ „Verbote bringen herzlich wenig“ Eine missachtete Perspektive? Verordnete Feindbilder über Israel in der DDR: Eine Zeitungs-Selbstkritik Die erste DDR-Delegation in Israel. Ein Interview mit Konrad Weiß „Dieser westliche Triumphalismus ist ein großer Selbstbetrug“ Wolf Biermann: Free Palestine...? Was hilft gegen politische Tsunamis? Der Tod ist ein Meister aus Russland Wann ist die Zeit zu verhandeln? „Ich bedaure und bereue nichts“ Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion Jüdinnen und Juden in der DDR Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte "Jüdisch & Links" von Wolfgang Herzberg Der patriarchalen Erinnerungskultur entrissen: Hertha Gordon-Walcher Jüdisch sein in Frankreich und in der DDR Frauen in der DDR (Die) Mütter der Gleichberechtigung in der DDR Sexismus unter gleichberechtigten Werktätigen Der Schwangerschaftsabbruch in der DDR Die Situation von lesbischen Frauen in der DDR Hauptamtliche Stasi-Mitarbeiterinnen Frauen im geteilten Deutschland „Schönheit für alle!“ 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Frauen in der Bürgerbewegung der DDR Die Wege zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? 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Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts "OV Puppe". Ein Stasi-Raubzug im Spielzeugland Verdeckte Waffendeals der DDR mit Syrien Alltag und Gesellschaft Die Situation von lesbischen Frauen in der DDR Ost-West Nachrichtenvergleiche Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass Auf deutsch-deutscher UN-Patrouille in Namibia 1989 Zwischen den Bildern sehen Vom Neonazi-Aussteiger ins Oscar-Team „Eine Generalüberholung meines Lebens gibt es nicht“ "Autoritärer Nationalradikalismus“ Unter strengem Regime der Sowjets: Die Bodenreform 1945 Diplomatische Anstrengungen auf dem afrikanischen Spielfeld Demokratiestörung? „Im Osten gibt es eine vererbte Brutalität“ Hauptamtliche Stasi-Mitarbeiterinnen Sexismus unter gleichberechtigten Werktätigen Turnschuhdiplomatie im Schatten Eine Keimzelle politischen Engagements (Die) Mütter der Gleichberechtigung in der DDR Der Schwangerschaftsabbruch in der DDR Anti-Antisemitismus als neue Verfassungsräson? "Ich höre ein Ungeheuer atmen" Als es mir kalt den Rücken runterlief "Ungehaltene Reden". Denkanstöße ehemaliger Abgeordneter der letzten Volkskammer der DDR Was sollten Wähler und Wählerinnen heute bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Immer noch Mauer(n) im Kopf? Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Gedächtnis im Wandel? Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) „Streitet, doch tut es hier“ Olympia in Moskau 1980 als Leistungsschau für den Sozialismus Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Wie wurde ich ein politischer Mensch? Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen „9/11 Santiago – Flucht vor Pinochet" Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Freundesverrat Denkanstöße aus Weimar Gefährdet von "Systemverächtern" Raubzug Die Normalität des Lügens Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? 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Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? 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Moskauer Hintergründe des 17. Juni Friedrich Dieckmann beschreibt "die Woche der großen Hoffnung" im Juni 1953 in der DDR. Und eine Intrige im Kreml.

Friedrich Dieckmann

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Der 17. Juni 1953 gilt weitgehend als "ausgeforscht". Wirklich? Schon 2009 hat der Essayist Friedrich Dieckmann versucht, vor allem das Hintergundgeschehen in der Sowjetunion zu beleuchten, wo nach Stalins Tod ein Machtkampf ausgebrochen war, wie in Zukunft mit der Deutschlandpolitik und der DDR verfahren werden sollte. Eine zentrale Rolle spielte dabei der langjährige sowjetische Geheimdienstchef Lawrenti Berija, der sich um einen innen-und außenpolitischen Kurswechsel bemühte, aber am 10. Juli 1953 entmachtet und in der Folge hingerichtet wurde. Das war rund drei Wochen nach dem mit Hilfe sowjetischer Panzer niedergeschlagenen Volksaufstand, der über 700 Orte in der DDR erfasste. Auch zur ursprünglich geplanten Absetzung von SED-Parteichef Walter Ulbricht kam es nun nicht mehr. Eine ausführliche Recherche von Friedrich Dieckmann.

Nicht nur in Berlin rollten sowjetische Panzer um Demonstrierende einzuschüchtern. Diese Reproduktion eines historischen Fotos vom 17. Juni 1953 des Jenaer Fotografen Gerhard Adam zeigt einen sowjetischen Panzer auf dem Jenaer Holzmarkt. Das Bild wurde erstmals 2003 bei einer Sonderausstellung zu den Ereignissen am 17. Juni 1953 in Jena bei der Schott Jenaer Glas GmbH gezeigt. Rund 600 Beschäftigte von Schott schlossen sich vor 70 Jahren dem Aufruf der Zeissianer zu Protesten an, bis zu 30.000 Menschen versammelten sich in Jenas Zentrum. (© picture-alliance/dpa, Repro)

„Geben Sie uns vierzehn Tage!“

Der tragische Held des 17. Junis, das waren die Volksmassen, es war vor allem die Arbeiterschaft der DDR, in der alte gewerkschaftliche und sozialdemokratische Traditionen trotz zwanzigjähriger Unterbrechung noch lebendig waren. Damit sie am 16. und 17. Juni 1953 auf die Straße ging, zuerst in Berlin, dann auch in vielen andern industriellen Zentren der DDR, brauchte es zweierlei: die Hoffnung, etwas ausrichten zu können, und die Provokation, das in einem bestimmten Sinn, mit einem bestimmten Ziel zu tun.

Das erstere war am 11. Juni 1953 geschehen, in Gestalt einer Verlautbarung des Politbüros des SED-Zentralkomitees, die in nichts Geringerem als einem abrupten Kurswechsel der herrschenden Partei bestand. Unter der Flagge eines Neuen Kurses waren, jäh und unvermittelt, all jene klassenkämpferischen Maßnahmen zurückgenommen worden, unter denen weite Teile der Bevölkerung zehn Monate lang gelitten hatten, Pressionen gegen die für nichtsozialistisch geltenden Schichten: selbständige Bauern, Geschäftseigentümer und Gewerbetreibende, die unterhalb einer bestimmten Betriebsgröße noch in großer Zahl vorhandenen Privatunternehmer, aber auch Amtsträger beider Kirchen und die Christen der Jungen Gemeinde.

Sie alle waren plötzlich von dem Druck, der Ausgrenzung, Enteignung, Verfolgung entlastet, die namens des im Juli 1952 verkündeten „Aufbaus des Sozialismus“ auf ihnen gelegen und einerseits zu einer Massenflucht über die offene innerberlinische Grenze, andererseits zu galoppierenden Versorgungsschwierigkeiten geführt hatten. Die neue Linie zielte auf etwas anderes: "Das Politbüro", hieß es lakonisch, "hat bei seinen Beschlüssen das große Ziel der Herstellung der Einheit Deutschlands im Auge, welches von beiden Seiten Maßnahmen erfordert, die die Annäherung der beiden Teile Deutschlands konkret erleichtern". Das war nichts weniger als rhetorisch gemeint. Externer Link: Heinz Brandt, ein Kommunist, der die Gefängnisse und Konzentrationslager der Hitlerzeit überstanden hatte und zu dieser Zeit als Sekretär der Berliner Bezirksleitung der SED amtierte (er wurde bald darauf abgesetzt), schrieb später: „Wann war ich denn glücklich? Ich war es nie so intensiv, so allumfassend wie in der zweiten Juniwoche 1953.“

Der am 12. Juni in eine Serie von Regierungsmaßnahmen umgesetzte Widerruf des Konfrontationskurses konnte nicht anders als die Bankrotterklärung der von dem Chef-Apparatschik Ulbricht dominierten SED-Führung verstanden werden, deren Autorität auch in ihrer eigenen, plötzlich wehr- und hilflos dastehenden Partei schwer erschüttert war, zumal die gleichzeitig (und auf derselben Seite des SED-Zentralorgans) veröffentlichten Bilder vom Antrittsbesuch des neuberufenen sowjetischen Hochkommissars keinen Zweifel darüber ließen, aus welcher Quelle die Neuorientierung stammte.

Rudolf Herrnstadt, damals der Chefredakteur des Neuen Deutschlands, hatte die Wirkung der unvermittelten Kurskorrektur vorhergesehen und den am 5. Juni in Berlin eingetroffenen „Hohen Kommissar der UdSSR in Deutschland“ (das war ein im Blick auf die drei westlichen Hochkommissare neugeschaffenes Amt, das an die Stelle der bisherigen Sowjetischen Kontroll-Kommission unter Leitung des Armeegenerals Tschuikow trat) für die Veröffentlichung des Kommuniqués beinahe flehentlich um einen Aufschub von zwei Wochen gebeten: „Geben Sie uns vierzehn Tage, und wir können den Kurswechsel so überzeugend und fortreißend begründen, daß wir mit ihm in die Offensive gehen und nicht der Gegner.“ Wladimir Semjonow, 1949 der Geburtshelfer der DDR-Gründung und seit fünf Tagen als Hoher Kommissar der politische Oberleiter der DDR, hatte ihm „sehr scharf und von oben herab“ geantwortet: „In vierzehn Tagen werden Sie vielleicht schon keinen Staat mehr haben.“

Herrnstadt hatte verstanden: die publizistisch unvorbereitete Veröffentlichung des jähen Kurswechsels war eine Anweisung des neuen Hochkommissars. Die 14-Tage-Angabe bezog sich ganz offenbar auf die Zeitspanne, die bei der Konferenz, zu der die neue sowjetische Parteiführung Walter Ulbricht und Otto Grotewohl am 2. Juni nach Moskau beordert hatte, dem ersteren für seinen Rückzug aus der SED-Führung eingeräumt worden war. Diese Konferenz war am 3. Juni zu Ende gegangen; bis zum 17. Juni war Walter Ulbricht, der als Generalsekretär der SED an den Schalthebeln der Macht saß, Frist gegeben, seinen Platz zu räumen.

Nach Stalins Tod: die Neuorientierung unter Berija

Semjonows Bemerkung gegenüber Herrnstadt vollzog die Zuspitzung einer Perspektive, die der neuen Linie der sowjetischen Außenpolitik entsprach. Lawrenti Berija, der starke Mann in der nach Stalins Tod umgebildeten Parteiführung, der als Chef des inneren Sicherheitsapparats der Kontrolleur aller übrigen Parteiführer war, hatte das Steuer der Konfrontationspolitik herumgerissen, und nicht nur in der Außenpolitik.

Wurde unter Stalin 1938 Chef der Geheimdienste der Sowjetunion und zu einer Schlüsselperson des Terrors der „Stalinschen Säuberungen“: Lawrentij P. Berija (l) bei einem Bootsausflug 1935 mit Stalin auf dem Schwarzen Meer. Nach dessen Tod Anfang März 1953 gab sich Berija plötzlich als ein Reformer, unklar ist, ob aus Taktik oder neu gewachsener Überzeugung. (© picture-alliance/akg)

Auch in der Innenpolitik hatte der Mann, der unmittelbar nach Stalins Tod am 5. März 1953 das Amt des Innen- und des Staatssicherheitsministers auf sich vereinigt hatte (zugleich war er Erster Stellvertreter des Ministerpräsidenten geblieben), Akzente einer Entstalinisierung gesetzt, die die Bestürzung der Kader hervorgerufen hatten. Er hatte angefangen, die von ihm verwalteten Straflager zu öffnen , und verfügt, daß bei Demonstrationen keine Porträts mehr umhergetragen werden sollten; die Erwähnung Stalins in Presse und Rundfunk war drastisch reduziert und aus dem Namensquartett der Klassiker: Marx-Engels-Lenin-Stalin, der Name des letzteren entfernt worden. Der Öffentlichkeit unbekannt geblieben war eine weit wichtigere Maßnahme: die Abschaffung der Folter in den Gefängnissen des Landes.

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War alles dies nur Trug, ein Blendwerk, dazu bestimmt, durch das Verschwindenlassen der alten Ikone die eigene Machtergreifung vorzubereiten? Der in der Weltpolitik unter Berijas Direktion vollzogene Kurswechsel hatte tiefere Gründe.

Die Sowjetunion, das von deutschen Truppen weithin verwüstete und noch lange nicht wiederaufgebaute Land, hatte sich in der Konfrontation mit den Vereinigten Staaten an mehr als einer Front übernommen: an der Ostkante des Riesenreiches mit dem Koreakrieg, zu dessen Beendigung nun energische Anstalten getroffen wurden, an dessen Westflanke, die die DDR bildete, mit einer von Stalin nach einigem Zögern gebilligten und von seinen Beauftragten Tschuikow und Semjonow in Berlin angeleiteten Sowjetisierungs- und Militarisierungspolitik, die die harte Antwort auf die ökonomische und militärische Westintegration der Bundesrepublik gewesen war, die im Mai 1952 ein Generalvertrag bekräftigt hatte.

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Die DDR-Bevölkerung war stellvertretend dafür bestraft worden, daß der westdeutsche Staat, bei feierlich bekräftigter Nicht-Anerkennung der neuen deutschen Ostgrenze, einen Sonderfrieden mit den Westmächten geschlossen hatte, von dem auch Stalins im März 1952 ergangenes Angebot eines Friedensvertrags mit einem bürgerlich-demokratisch verfaßten Gesamtdeutschland unter den Bedingungen militärischer Neutralität die Regierung Adenauer nicht hatte abbringen können.

Wenn Berija dieses Konzept wieder aufnahm, so mochte er hoffen, in einer vom Druck des Wettrüstens befreiten Sowjetunion mit deutscher Finanz- und Strukturhilfe jene durchgreifenden Reformen angehen zu können, zu denen er den von Stalin auch mit seiner Hilfe geformten Parteiapparat nicht imstande glaubte. „Er begann seine Offensive gegen die Partei mit dem Angriff auf Stalin“, schleuderte Lasar Kaganowitsch, Stalins altgedienter Gefolgsmann, nach Berijas Sturz den nach Moskau gerufenen ZK-Mitgliedern entgegen. „Durch seine Kritik an Stalin“ habe Berija „die Grundlage, auf der wir stehen, zerstören und sich den Weg ebnen“ wollen.

Diese rigorose Sowjetisierungspolitik hatte die DDR in eine von Walter Ulbricht, dem egomanisch verblendeten Partei-Autokraten, immer weiter angeheizte Krise getrieben, deren Ausmaß im April 1953 nicht nur Berija, sondern der gesamten sowjetischen Führung deutlich geworden war. Sie war sich über die Abbremsung dieses Kurses ebenso einig wie über die Notwendigkeit eines Waffenstillstands in Korea, aber Berija wollte mehr; zur Entlastung der Sowjetunion von einem die Kräfte des Landes übersteigenden Wettrüsten zielte er auf die Beendigung des Externer Link: Kalten Krieges und hatte dazu seine Fühler zu den Staatsführern des Westens ausgestreckt.

In einer Erklärung vom 16. April 1953 kam ihm der amerikanische Präsident, Dwight D. Eisenhower, merklich entgegen und bekundete, ohne sich auf die Deutschlandfrage näher einzulassen, die Bereitschaft der USA, das Ihre zum Abbau der Spannungen zu tun. Weitaus stärker ging Winston Churchill, zu dieser Zeit nicht nur Premier, sondern auch amtierender Außenminister Großbritanniens, auf die Neuorientierung der sowjetischen Außenpolitik ein. In einer aufsehenerregenden Rede verkündete er am 11. Mai das Ende der Konfrontationspolitik (Berija hatte ihm gleichsam den Vortritt gelassen) und faßte eine umfassende europäische Friedensordnung ins Auge. „Ohne Warnung, ohne Vorbereitung“, so Sebastian Haffner in seiner Churchill-Biographie von 1967, „warf er den Kurs herum, den England, zusammen mit dem Westen, seit sieben Jahren gesteuert hatte. Er proklamierte faktisch das Ende des Kalten Krieges. Er schlug eine Gipfelkonferenz mit den Nachfolgern Stalins vor, und er warf das Wort Locarno in die Debatte – den Gedanken eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems anstelle der konfrontativen Bündnisblöcke.“

Nachdem sich die US-Regierung am 13. Mai positiv zu Churchills Initiative geäußert hatte, ging die Prawda, das Zentralorgan der sowjetischen KP, auf diese Rede am 24. Mai 1953 in einem Leitartikel ein, der unverkennbar die Stimme der Parteiführung war. Darin hieß es, allen müsse „klar sein, daß die Zerstückelung Deutschlands die Wiederherstellung eines Herdes der Kriegsgefahr im Herzen Europas bedeutet“; „das deutsche Volk“ werde sich mit dem Verlust seiner Einheit, die es vor noch nicht hundert Jahren um den Preis großer Anstrengungen und Opfer errungen hat, nicht abfinden“.

Am 27. Mai konnten die Leser des Neuen Deutschlands in der Berichterstattung über jenes Prawda-Statement etwas lesen, das nicht als Propaganda-Phrase mißdeutet werden konnte, da es die offizielle sowjetische Reaktion auf Churchills Initiative wiedergab: daß ein Friedensvertrag der Vier Mächte mit Deutschland, also die Behebung der deutschen Teilung, auf dem politischen Programm der Sowjetregierung stehe. Dafür – und das stand nicht im Neuen Deutschland – war diese unter Berijas Führerschaft bereit, eine markante Vorleistung zu erbringen: den Abbruch des Klassenkampfkurses in der DDR als ersten entschiedenen Schritt auf dem Weg zu einer Friedenslösung, die zuletzt (nicht zuerst, wie Semjonow suggeriert hatte) auf die Auflösung des deutschen Oststaats hinauslief.

Die von der SED im eigenen ideologischen Auftrag, vor allem aber in dem der Besatzungsmacht beherrschte DDR sollte als demokratisierte auf dem Altar der neuen europäischen Friedensordnung geopfert werden. Daß damit auch die von der westdeutschen Regierung geplante Aufstellung einer Vierhunderttausend-Mann-Armee im Rahmen eines westeuropäischen Militärbündnisses entfallen wäre, liegt zutage; entsprechend distanziert war die Bonner Reaktion auf Churchills Rede ausgefallen.

Die sowjetische Politik zog in Gestalt des Berija-Plans Folgerungen daraus, daß ihr in Gestalt der DDR der bei weitem kleinere und schwächere Teil Deutschlands zugefallen war, vollends geschwächt durch die ihm von der Sowjetunion für ganz Deutschland auferlegten Kriegsentschädigungslasten. Sie war zu der Einsicht vorgestoßen, daß ein auf einer bürgerlich-parlamentarischen Verfassung fußendes und in eine europäische Friedensordnung mit vertraglich fixierten Grenzen eingebettetes Deutschland für die Sowjetunion mit sehr viel weniger Risiken verbunden sei als die Fortsetzung des Kalten Kriegs bei Aufstellung einer großen westdeutschen Armee.

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Berija, der, anders als andere Mitglieder der sowjetischen Führung und erst recht die der Streitkräfte, über umfassende Informationen über die innere Lage der Sowjetunion verfügte, mochte klargeworden sein, daß die terroristischen Praktiken der Industrialisierungsdiktatur nach Stalins Tod nicht mehr fortgesetzt werden konnten und es zur Hebung des niedrigen Versorgungsniveaus unerläßlich sei, das Land von dem ruinösen Nuklear- und Raketenrüstungswettlauf mit den USA zu entlasten.

Ein Dialog, den Nikita Chruschtschow nach Berijas Sturz auf dem Juli-Plenum des sowjetischen ZK mit einem Zwischenrufer führte, warf ein Schlaglicht auf die Lage im Lande. „Was ist das aber für ein Kommunismus, wenn es keine Brötchen und keine Butter gibt?“ hatte der Parteisekretär, Berija auch für das Versagen der Landwirtschaftspolitik haftbar machend, ins Publikum geschleudert, und aus dem Präsidium war eine Stimme gekommen: „Und es gibt nicht genügend Kartoffeln.“

Aus einer Äußerung des Anfang Juni in die sowjetischen Pläne eingeweihten Ministerpräsidenten Grotewohl geht hervor, daß die neue sowjetische Politik nicht nur die Vereinigung Deutschlands unter den Bedingungen militärpolitischer Neutralität, sondern auch die Neutralisierung Polens vorsah, mithin: den Rückzug der Sowjetarmee hinter die Weichsel. Um der amerikanischen Vorherrschaft über West- und Mitteleuropa Einhalt zu gebieten, war die von Berija dominierte Parteiführung zu außerordentlichen Zugeständnissen bereit; man rechnete aber auch auf beträchtliche materielle Gegenleistungen.

Churchill sah in der Wiederherstellung Europas, die mit der Beendigung des Kalten Krieges verbunden gewesen wäre, die Chance, die britische Macht aus dem Schatten der USA herauszuführen und ihr wieder eine bestimmende weltpolitische Rolle zu geben; vielleicht beunruhigte ihn auch das Erstarken Westdeutschlands im Bündnis mit den Vereinigten Staaten. Hinzu kam die Sorge, ein militärisch starkes Westdeutschland könne das westliche Bündnis um der Wiedervereinigung willen in einen Krieg mit der Sowjetunion verwickeln; er teilte sie mit Berija.

Der Kanalarbeiter

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Berija, der in vieler Hinsicht agierte, als sei er bereits im Besitz der vollen Macht, für die ihm der Zugriff auf den Parteiapparat wie auf die Armee fehlte, war zu einer solchen Umstellung der sowjetischen Deutschlandpolitik entschlossen, die Mehrheit der sowjetischen Parteiführung war es nicht. Doch unter der Regie Nikita Chruschtschows, des neuen leitenden Parteisekretärs, eines bäurisch geprägten Ukrainers, den Stalin mehr als einmal gedemütigt hatte , hielt der Berijas Politik widerstrebende Teil des Parteipräsidiums in der entscheidenden Sitzung still; er tat es, um den Sicherheitschef in eine Falle zu locken.

Semjonow, der wichtigste Deutschland-Experte der sowjetischen Führung, hatte eigene Vorstellungen von den in der DDR zur Milderung der von ihm selbst angeleiteten Klassenkampfpolitik zu ergreifenden Maßnahmen und gedachte sie vorzutragen, aber Molotow, der neue Außenminister (er hatte diese ihm von Stalin 1949 genommene Funktion nach dem 5. März wiedergewonnen und sich mit Chruschtschow gegen Berija verbündet), gab ihm einen Wink. „Das Präsidium“, schreibt Semjonow in seinen 1995 postum erschienenen Erinnerungen, „tagte in der zweiten Hälfte des Monats Mai 1953. Der Sekretär des ZK der KPdSU, Nikita Chruschtschow, gab Berija das Wort. Dieser holte ohne Eile, als ob er der Herr im Hause sei, aus seiner Jackentasche ein Papier, setzte seine Brille auf und verlas seinen eigenen Entwurf zur Deutschlandpolitik. Der unterschied sich grundlegend von dem, der in meiner Tasche lag. Um Berija zu täuschen, schlug Chruschtschow vor, seinen Vorschlag anzunehmen. Molotow machte mir insgeheim ein Zeichen, ich solle schweigen. ‚Annehmen, annehmen’, tönte es durch den Raum.“

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Offenbar hatte das Präsidium des sowjetische Ministerrats am 27. Mai entgegen Berijas weitergehendem Konzept beschlossen, den auf den beschleunigten Aufbau des Sozialismus in der DDR gerichteten Kurs aufzugeben; so jedenfalls hat es Molotow in seiner Rede vor dem Juli-Plenum dargestellt. Infolge des von Chruschtschow organisierten Schweigens der Opponenten war es Berija dann einen Tag später gelungen, seinen Kurs des vollständigen Verzichts auf den Aufbau des Sozialismus in der DDR durchzusetzen.

In der der SED-Führung aufzuerlegenden Rücknahmeliste gelang es Semjonows Formulierungskunst, die von dem Parteipräsidium gebilligte Berija-Linie zu übernehmen, ohne die Molotow-Linie völlig auszuschließen. Die von ihm ausgearbeiteten und Ulbricht und Grotewohl am 2. Juni 1953 namens der gesamten sowjetischen Führung vorgelegten „Maßnahmen zur Gesundung der politischen Lage in der DDR“ bezeichnen als „Hauptursache der entstandenen Lage“, „daß gemäß den Beschlüssen der II. Parteikonferenz der SED, die vom Politbüro des ZK der KPdSU gebilligt wurden, fälschlicherweise der Kurs auf einen beschleunigten Aufbau des Sozialismus in Ostdeutschland genommen worden“ sei. „Die bisher durchgeführte Propaganda über die Notwendigkeit des Übergangs der DDR zum Sozialismus“ sei „als unrichtig zu betrachten“.

Daß Semjonow, der schweigende Opponent, vom Parteipräsidium mit der Ausarbeitung der der SED-Führung aufzuerlegenden Rücknahmeliste betraut wurde, war ein entscheidender, aber kaum vermeidbarer Fehler des von Stalin für seine Kriegsverdienste mit einem Marschall-Titel dekorierten Innenministers; niemand kannte die DDR-Situation besser als dieser Diplomat, auf den der Armeegeneral Tschuikow als Chef der Sowjetischen Kontrollkommission immer weniger gehört hatte.

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Wie sein unmittelbarer Vorgesetzter Molotow war Semjonow ein entschiedener Gegner der Preisgabe der DDR.

Hinter beiden standen die Heerführer einer Armee, die das Territorium, um das es ging, im Abwehrkampf gegen einen Aggressor eingenommen hatte, der das quasi verbündete Land überfallen hatte, um es mit einem Kolonial- und Volksversklavungskrieg zu überziehen, der die Angegriffenen zu Untermenschen erklärt hatte.

Dieser Kampf hatte, außer mit der bedingungslosen Übergabe des deutschen Staates, mit einer Grenzverschiebung geendet, die ein Viertel des alten deutschen Reichsgebiets betraf. Um sich vor künftigen Angriffen sicherzustellen, hatte sich die Sowjetunion nach 1945 mit einem Gürtel von Satellitenstaaten umgeben, dessen Schnalle die DDR gleichsam bildete. Dieser Gürtel war wie ein umgekehrter cordon sanitaire; so hatte der Ring sowjetfeindlicher Staaten geheißen, den die westliche Politik in den zwanziger Jahren um die Sowjetunion gezogen hatte.

Die sowjetische Armeeführung und die mit ihr verbündeten Politiker waren nicht bereit, sich dieses mit dem Blut ihrer Soldaten getränkte Land von einem Innenpolitiker aus der Hand winden zu lassen, dessen Projekt einer europäischen Friedensordnung sie eine Chimäre dünkte. Wie würde ein demokratisch-parlamentarisch verfaßtes Deutschland, selbst wenn man seine Vertreter zur Einwilligung in die Abtretung der an Polen und die Sowjetunion übertragenen deutschen Ostprovinzen bewegen konnte, auf längere Sicht mit diesen Einbußen umgehen?

Welche Sicherheit gab es, daß ein wieder erstarkendes Deutschland nicht jenen Grenzrevisionismus auf seine Fahnen schreiben würde, der in dem Westdeutschland dieser Jahre, mit dem Rückenwind hochoffizieller Bekundungen über die Nichtanerkennung der Oder-Neiße-Grenze, lautstark sein Haupt erhob? Die ökonomische Knebelung eines solchen vereinigten Deutschlands aber hätte ähnliche innenpolitische Wirkungen haben können, wie sie nach dem Ersten Weltkrieg im Gefolge des Versailler Vertrages eingetreten waren.

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Verwandte Erwägungen, mit spiegelbildlichen Schlußfolgerungen, mögen damals mit andern auch im Hintergrund der Adenauerschen Politik gestanden haben. Auch bei diesem von dem Scheitern der ersten Republik geprägten Politiker mag die Sorge vorherrschend gewesen sein, ein von wieder zusammenfindenden Siegern in die Selbständigkeit entlassenes Deutschland könne, wie schon einmal, zur Beute eines schwer eindämmbaren Revisionismus werden.

War, um den Preis der Einbindung in sich agonal gegenüberstehende Fronten, der Kalte Krieg nach diesem Hitlerschen Krieg die einzige Chance des verbliebenen Deutschlands? War es so, dann wären Adenauer und Ulbricht bei allem Propagandalärm kontrastierender Ansprüche unterderhand echte Verbündete gewesen.

Jenseits rationaler Erwägungen, aber eng mit ihnen verknüpft, stellten sich dem Berija-Plan acht Jahre nach Kriegsende in der sowjetischen Führung zwei Grunderfahrungen entgegen, die zugleich elementare emotionale Hürden waren: das Trauma des erst in den Moskauer Vororten zum Stehen gebrachten Überfalls durch ein Deutschland, mit dem man ein Agreement, faktisch ein Bündnis geschlossen hatte, und das Ausmaß der Opfer, die eine Kriegführung über Rußland gebracht hatte, wie sie die westeuropäischen Kolonialmächte immer nur in fremden Erdteilen verübt hatten.

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Hinzu kam eine ganz spezielle Interessenlage, die gerade Berija, dem Cheforganisator des sowjetischen Atomwaffenprogramms, deutlich sein mußte; hielt er sie im Rahmen eines Friedensvertrags mit Deutschland für lösbar, hielt er sie für irrelevant angesichts einer intendierten Abrüstung, die das die Sowjetunion enorm belastende nukleare Wettrüsten eindämmen sollte? Die von sowjetischen Firmen ausgebeuteten Uranlager des sächsischen Erzgebirges machten mehr als sechzig Prozent des der Sowjetunion zur Verfügung stehenden Uranaufkommens aus; kaum vorstellbar, daß das Land auf sie hätte verzichten können. Tatsächlich hat die sowjetische Politik die DDR erst freigegeben, als die Lagerstätten erschöpft waren.

Eines waren die deutschlandpolitischen Erwägungen, das andere ergab sich daraus, daß Berija der Vertreter eines Apparats war, der dem Offizierskorps der Roten Armee in den dreißiger Jahren schwere personelle Verluste zugefügt hatte; sie hatten zu der Wehrlosigkeit der Armee in der Anfangsphase des Krieges wesentlich beigetragen. Bedeutende Heerführer und zahlreiche Generäle waren in den Jahren, ehe Berija an die Spitze des NKWD trat (Stalin hatte den Georgier erst 1938, nach dem Ende der Moskauer Prozesse, als Nachfolger des exzessiv terroristischen Volkskommissars Jeschow dorthin berufen), einer Säuberungswelle zum Opfer gefallen, mit der sich Stalin potentieller Widersacher entledigt hatte. Doch nicht nur die Militärs hatten Erinnerungen an das Wüten der Geheimpolizei; der überwiegende Teil der sowjetischen Führung mußte sich durch die von Berija nach Stalins Tod demonstrierte Dominanz und die hinter ihr lauernde Gefahr einer Alleinherrschaft nicht nur politisch, sondern an Leib und Leben bedroht fühlen.

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In der von Chruschtschow in tiefster Verborgenheit dirigierten Konspiration der Berija-Gegner kam dessen Deutschland-Politik die Schlüsselrolle zu und damit Semjonow, dem DDR-Experten, der bis zum 21. April in Berlin als politischer Berater des sowjetischen Oberkommandierenden tätig gewesen war.

Es gelang ihnen, den bewährten Fachmann am 29. Mai in das Amt eines Hohen Kommissars zu berufen, das an die Stelle des Chefs der Sowjetischen Kontrollkommission treten sollte. Gleichzeitig wurde der bisherige Oberkommandierende, Armeegeneral Tschuikow, abgelöst, ein Ulbricht durch gemeinsame Stalingrad-Erfahrungen verbundener Truppenkommandeur, der zugleich Chef der Sowjetischen Kontrollkommission gewesen war; er hatte, Semjonow beklagt es in seinen Erinnerungen, seinen Berater zunehmend beiseite gesetzt.

Statt Tschuikows übernahm am 6. Juni Generaloberst Gretschko die Funktion eines „Oberbefehlshabers der Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland“. Unmittelbaren Rückhalt hatte Semjonow an dem Moskauer Generalstabschef Sokolowski, den er von der gemeinsamen Tätigkeit im Nachkriegs-Berlin kannte; Sokolowski hatte von 1946 bis 1949 als Oberkommandierender der Besatzungstruppen in Deutschland fungiert.

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„Berijas Linie“, so beschrieb der einstige Hochkommissar in seinen in einer Bonner Ruhestandsvilla verfaßten Erinnerungen seinen Widerstand, „lief auf eine ganze Kette folgerichtiger Schritte hinaus, die die Kontinuität unserer Politik in der Deutschlandfrage unterbrochen hätten und darauf abzielten, die Sowjetunion schwer zu erschüttern sowie die DDR zu liquidieren. In dieser Auseinandersetzung agierte ich wie ein Kanalarbeiter, der in Dunkel und Kälte gemeinsam mit Gleichgesinnten einen unterirdischen Tunnel vorantreibt.“

Klassenkampf andersherum

Am 2. Juni 1953 wurde die engste SED-Führung – Ulbricht und Grotewohl, dazu das Politbüromitglied Fred Oelßner als Dolmetscher – nach Moskau beordert, um anderntags von der versammelten sowjetischen Führung (Malenkow, Berija, Molotow, Chruschtschow, Bulganin, Mikojan, Kaganowitsch, dazu Semjonow und Gretschko) mit deren grundlegend geänderter deutschlandpolitischer Linie und der von Semjonow ausgearbeiteten Rücknahmeliste konfrontiert zu werden.

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Man kann sich den Kopfstand vor allem Ulbrichts vorstellen. Einwände halfen ihm um so weniger, als Berija über die bornierte Weise, mit der Ulbricht eine bornierte Linie durchgesetzt hatte, aufs genaueste unterrichtet war; er nahm Ulbricht im Verlauf der Sitzung aggressiv aufs Korn. Wollte er ihn zu sofortiger Demission veranlassen und machten andere dagegen geltend, daß ein Zugleich von Kurs- und Führungswechsel die angespannte Situation in der DDR zur Explosion bringen könne? Semjonows Kontrolle vertrauend, willigte Berija ein, daß Ulbricht noch zwei Wochen im Amt bleibe, um die Umstellung selbst anzuleiten – ein Fehler, der sich rächen sollte.

Beide, Semjonow wie Ulbricht, waren bei der Revision des Klassenkampfkurses unter Zeitdruck gesetzt worden. Man kann aber voraussetzen, daß Semjonow, in Berlin angekommen, diesen Termindruck noch ein Stück weit verschärfte, um durch die Plötzlichkeit der Kehrtwende jene Delegitimierung der SED-Führungzu verstärken, die eine Hauptvoraussetzung der Arbeitererhebung war; die Anweisung an Herrnstadt, die politische Kehrtwende unverzüglich, ohne jede propagandistisch-ideologische Vorbereitung, publik zu machen, ist dafür bezeichnend.

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Daß nach der Veröffentlichung des Neuen Kurses Ulbrichts politische Tage gezählt waren und Semjonow offenbar zur Ablösung des verhaßten Parteisekretärs nach Berlin zurückgekehrt war, war in Ost und West übereinstimmende Meinung; mit dem Kommuniqué vom 11. Juni war die amtierende SED-Führung kenntlich zur Disposition gestellt.

Der Zeitdruck, unter den Berija die Realisierung der neuen Deutschlandpolitik gestellt hatte, war der typische Fehler eines aus Stalins sultanischer Schule hervorgegangenen Hyper-Apparatschiks, der glaubte, einen einschneidenden Kurswechel durch bloßes Umlegen des Schalthebels in der Machtzentrale vollziehen zu können; er setzte die Willfährigkeit der Betroffenen apriorisch voraus.

Am Ende aus dem Amt intrigiert und getötet: Der sowjetische Massenmörder und NKWD-Chef Lawrentij Berija in einer zeitgenössischen Darstellung. (© picture-alliance, akg-images / Sammlung Foedrowitz)

Auch der dritte Fehler, mit dem Berija seinen Widersachern in die Hand arbeitete, war stalinistisch: das Übersehen der Arbeiterklasse; er war charakteristisch für den Innenminister eines Landes, in dem die staatskapitalistische Industrialisierungsdiktatur seit mehr als zwanzig Jahren Hand in Hand mit der Entmachtung der Arbeiterschaft gegangen war.

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Dennoch bleibt es erstaunlich, daß es Berija und dessen tief in die DDR hineinsehendem Apparat entgangen war, daß Ulbricht seinen Dirigismus in den letzten Maitagen auf eine Schicht ausgedehnt hatte, die bisher auch deshalb weitgehend davon verschont geblieben war, da die SED sich als ihre Vorhut betrachtete: die Arbeiterklasse. In einer Grundsatzrede, die am 16. April 1953 im Neuen Deutschland veröffentlicht worden war, hatte Walter Ulbricht die Einführung „technischer“, also erhöhter Arbeitsnormen zu einer entscheidenden wirtschaftlichen Frage erklärt.

In Vollzug der Ergebnisse einer ZK-Tagung, die Mitte Mai noch ganz im Zeichen der Stalinschen Politik gestanden hatte (mit Berufung auf die aus dem Prager Slansky-Prozeß zu ziehenden Lehren war es dem SED-Generalsekretär gelungen, Franz Dahlem, seinen wichtigsten Gegenspieler im Politbüro, von allen Parteifunktionen auszuschließen), war der Regierung auferlegt worden, „bis zum 1. Juni die Arbeitsnormen um durchschnittlich mindestens 10 Prozent zu erhöhen“; so formulierte es am 22. Mai ein offizieller Leitartikel des Neuen Deutschlands. Das war am 28. Mai durch einen Ministerratsbeschluß realisiert worden, einen Tag, nachdem das Zentralorgan der SED sich die Prawda-Erklärung zur baldigen Lösung der deutschen Frage zu eigen gemacht hatte.

Der am 29. Mai veröffentlichte Beschluß erlegte den Leitern der Staatsbetriebe, also der gesamten Groß- und Schwerindustrie, „die Überprüfung der Arbeitsnormen“ bis zum 3. Juni und die vom Zentralkomitee geforderte Normerhöhung bis zum 30. Juni auf, Walter Ulbrichts sechzigstem Geburtstag; in angespannter Versorgungslage bedeutete sie für viele Arbeiter eine reale Lohneinbuße von 25-30 Prozent. Am Kopf derselben ND-Seite las man die umwälzende Nachricht, daß die „Überwachung der Tätigkeit der staatlichen Organe“ der DDR aus den Händen des sowjetischen Oberkommandierenden (das war der Armeegeneral Tschuikow) in die eines diplomatischen Zivilisten übergegangen sei, des neu installierten Hochkommissars Semjonow.

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Dass Ulbricht mit diesem Normenerhöhungsbeschluß die am 24. Mai in der Prawda verkündete neue sowjetische Deutschlandpolitik durch Anbahnung einer innenpolitischen Zuspitzung bewußt sabotierte, ist denkbar, aber angesichts des vierwöchigen Vorlaufs der Maßnahme nicht sicher.

Undenkbar ist aber, daß Semjonow, der in Moskau in ständiger Verbindung mit den sowjetischen Instanzen in Berlin-Karlshorst stand (sein Stellvertreter Judin nahm an allen Politbürositzungen teil), nicht davon erfahren hätte. Doch auf der Rücknahmeliste, die er bis zum 2. Juni zu Händen der sowjetischen Führung ausarbeitete, stand kein Wort über die Revision der Normenerhöhung.

Die detaillierte Liste – sie war „Über Maßnahmen zur Gesundung der politischen Lage in der DDR“ überschrieben – beschränkte sich auf die umfassende Entlastung jener Schichten, gegen die sich der Sozialismus-Kurs der SED gerichtet hatte. Sie war penibel genug zu gebieten, auch „die Verfolgung einfacher Teilnehmer der kirchlichen Jugendorganisation ‚Junge Gemeinde’ einzustellen“.

Wäre die Nicht-Berücksichtigung der Arbeiterschaft ein Fehler gewesen, der aus unzulänglicher Information oder mangelnder Aufmerksamkeit kam, so hätte ihn Semjonow, als er am 5. Juni im Vollbesitz eines Amtes, das ihn zum politischen Oberleiter der DDR machte, in Berlin eingetroffen war, beheben können und müssen, falls ihm nicht an einer bewußten Zuspitzung des sich bereits anbahnenden Konflikts zwischen Arbeiterschaft und Staatsführung lag.

In seinen Erinnerungen gibt Semjonow Tschuikows „störrischem und selbstherrlichem Verhalten“ die Schuld daran, daß es „zu Streiks und politischen Demonstrationen“ gekommen sei. Das ist plausibel für Ulbrichts Politik während des Mai 1953, als Tschuikow noch Chef der Sowjetischen Kontrollkommission war; es ist für die Zeit nach der Abberufung Tschuikows am 29. Mai eine offenbare Irreführung. Der Kanalarbeiter hat das Dunkel des Tunnels, den er mit Gretschko und Sokolowski gegen Berija vorantrieb, nur ein Stück weit gelichtet.

Das Pulverfaß wird gezündet

Der Neue Kurs war am 9. Juni nach einer stürmisch verlaufenen Sitzung vom SED-Politbüro beschlossen worden; als Kommuniqué des Politbüros stand er am 11. Juni mit der Zurücknahme der in den acht Monaten davor verkündeten Zwangsmaßnahmen in allen Zeitungen. Am gleichen Tag erließ der Ministerrat die entsprechenden Verordnungen un veröffentlichte sie am folgenden Tag.

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Damit trat die Bevölkerung des plötzlich von schwerer Bedrückung befreiten Landes in eine Zeit der Hoffnung ein; ein Aufatmen ging durch das Land. Greifbar nahe schien, was die letzten zehn Monate in unabsehbare Ferne gerückt hatten: deutsche Vereinigung und ein Ende des Kalten Krieges. Aber nicht alle hatten daran teil, die Arbeiter hatten ganz unmittelbare Sorgen.

Auch nach diesem 11. Juni wäre noch Zeit zu einer offiziellen Zurücknahme der am 28. Mai verordneten Normenerhöhung gewesen, zumal sich in einigen Großbetrieben innerhalb und außerhalb Berlins bereits eine Streikbewegung gegen sie abzeichnete. Sowjetische Geheimdienstakten belegen, dass Streiks, die Ende Mai in Leipzig und Finsterwalde gegen die Normerhöhung stattgefunden hatten, zur Kenntnis der sowjetischen Instanzen gelangt waren; auch der zweitausend Beschäftigte umfassende Ausstand, der sich am 9. Juni vor den Toren Berlins, im Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf, gegen die entsprechend der Normerhöhung verminderte Lohnauszahlung formiert hatte, konnte ihnen nicht verborgen geblieben sein.

Am 13. Juni erreicht das Zentralkomitee der SED ein alarmierender Bericht des Zentralvorstands der Gewerkschaft (FDGB) über die Situation in den Betrieben des Landes; er bleibt folgenlos.

Am gleichen Tag hatte ein sowjetischer Geheimdienst-Major an einer gewerkschaftlichen Dampferfahrt teilgenommen, in deren Verlauf er zum Ohrenzeugen von Absprachen über Protestaktionen Berliner Bauarbeiter wurde , doch noch immer erfolgte keine Revision des arbeiterfeindlichen Kurses. Das Neue Deutschland fuhr fort, über Betriebe zu berichten, die freiwillig ihre Arbeitsnormen erhöht hatten; nur von Walter Ulbrichts sechzigstem Geburtstag war nicht mehr die Rede.

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Für das protestierende Auf-den-Plan-Treten der Arbeiterschaft waren damit zwei zusammen hinreichende Voraussetzungen gegeben: das Bewußtsein der Ohnmacht einer noch amtierenden, aber von ihrer eigenen Vormacht desavouierten Staats- und Parteiführung und die konkrete Provokation durch die Aufrechterhaltung der verordneten Normerhöhung in den Tagen, da erstmals die stark verminderten Löhne ausbezahlt wurden.

Rudolf Herrnstadt hielt im Neuen Deutschland vorsichtig, aber deutlich dagegen und rückte am 14. Juni einen vierspaltigen Bericht über Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der Normerhöhung in einem Berliner Betrieb in sein Blatt, der vor diktatorischem und administrativem Vorgehen warnte. „Es wird Zeit, den Holzhammer beiseite zu legen“, lautete die fettgedruckte Überschrift. Ulbricht konterte in der weitverbreiteten Gewerkschaftszeitung Tribüne und lancierte dort am 16. Juni, dem vorletzten Tag der ihm von Berija gewährten Frist, einen Artikel, der, von dem FDGB-Sekretär Lehmann gezeichnet, den Normerhöhungsbeschluß bekräftigte; dieser sei „in vollem Umfang richtig“.

Nicht erst von diesem Punkt an muß von einem zielgerichteten Handeln des Generalsekretärs gesprochen werden, der trotz der erst in Moskau, dann in seinem eigenen Politbüro an ihm geübten Kritik noch im Vollbesitz der Apparatherrschaft war. Daß dieses Handeln von dem über alle Informationen verfügenden Hochkommissar gedeckt wurde, steht außer Frage, wobei es nicht zu einer expliziten Absprache gekommen sein muß (allerdings gab es zwischen dem Hochkommissar und der SED-Führung immer wieder auch halbprivate Begegnungen); Semjonows Gewährenlassen konnte Ulbricht als Zustimmung genügen. Beide operierten mit höchstem Risiko; der Parteisekretär hatte um so weniger zu verlieren, als die Art und Weise, wie Berija ihn am 3. Juni abgefertigt hatte, seine Lage im Fall eines Gelingens der neuen Deutschland-Politik aussichtslos machte. Allenfalls die Emigration in die Sowjetunion wäre in diesem Fall noch eine Perspektive für ihn gewesen.

Die Zuspitzung

Der am Morgen des 16. Juni in allen großen Betrieben des Landes ausliegende Tribüne-Artikel mit der Bekräftigung der Normenerhöhung wurde zum unmittelbaren Auslöser – von Initialzündung ist vielfach gesprochen worden – einer Streikbewegung, die sich am Vormittag dieses Tages zuerst auf einigen Berliner Großbaustellen formierte.

Statt zur Frühschicht zogen die Arbeiter in die Leipziger Straße vor das Haus der Ministerien, in dem sie die politische Leitung der DDR vermuteten. Den man fand und der sich stellte, war ein Bergbauminister, der, Arbeiter von Haus aus und Kommunist seit 1922, zwölf Jahre lang in den Zuchthäusern und Straflagern des Naziregimes verbracht und in der Waldheimer Einzelhaft ein philosophisches Manuskript auf Kassiber geschrieben hatte, das in der DDR nur als Privatdruck publik geworden war. Dieser Wirtschaftsführer, Fritz Selbmann, hatte den Mut, auf einen Tisch zu steigen, den er sich zu den aufgewühlten Arbeitern hinaustragen ließ, um ihnen zu erklären, daß die drückende Normenerhöhung noch am selben Tag zurückgenommen werde.

Zu ihm hinauf stieg ein Bauarbeiter, der dem Minister klar machte, daß dieser Protestmarsch der Anfang einer Volkserhebung sei, die auf die Ablösung der Regierung und freie Wahlen hinauslaufe. Der Arbeiter, Fritz Hahn (ein Berliner Bibliothekar, der Zeuge der Szene wurde, hat Namen und Schicksal später ermittelt), hatte unter den Nazis fünf Jahre lang in einem Lager verbracht; er wurde nach der Niederschlagung des Aufstands zu einer Gefängnisstrafe von anderthalb Jahren verurteilt und ging danach nach West-Berlin, wo er wieder Bauarbeiter wurde und niemals Verbindung zu seinen Mitstreitern und freigekommenen Mitgefangenen aufnahm. War Fritz Hahn, der sich von dem trügerischen Augenblick der Macht mitreißen lassende Arbeiter, sich bewußt geworden, daß er, indem er eine von der wirklichen Macht soeben weit geöffnete Tür mit aller Macht einzurennen unternommen hatte, das Seine dazu tat, sie zu verschließen?

Selbmanns Ankündigung folgte einem Beschluß des SED-Politbüros, das am Vormittag des 16. Juni getagt hatte; auf dessen Vorschlag beschloß der Ministerrat der SED gegen 14 Uhr die Zurücknahme der Normenerhöhungen. Aber weder der Rundfunk noch die Berliner Abendzeitung verbreiteten diesen Beschluß.

Ulbricht überließ es den SED-Führungen der DDR-Bezirke, ihn bekanntzugeben; es stellte sich heraus, daß nur der Parteichef des Bezirks Suhl dies unverzüglich getan hatte, mit der Folge, daß es dort zu keinen Streiks mehr gekommen war. Ohne von der Zurücknahme der Normenerhöhungen zu erfahren, tagte seit dem Nachmittag in Hennigsdorf das Gewerkschaftsaktiv des dortigen Stahlwerks und wurde am Ende einer langen Sitzung genötigt, die bereits abgeblasene Normenerhöhung hinzunehmen ; am andern Vormittag wirkte der Protestmarsch der Hennigsdorfer Stahlwerker durch das westliche Berlin in die Stadtmitte wie ein Fanal des Aufstands.

Am Abend dieses 16. Juni, zu einer Zeit, da die von dem Tribüne-Artikel ausgelöste Protestbewegung schon in vollem Lauf war, versammelten sich im Berliner Friedrichstadtpalast dreitausend schnell zusammengetrommelte Parteiaktivisten der SED, denen Otto Grotewohl den Neuen Kurs erläuterte; Walter Ulbricht wies auf die Bedeutung der Normenerhöhung hin, indem er zugleich er vor „administrativem Vorgehen“ warnte.

Am Nachmittag des 16. Juni war bei dem Westberliner Rundfunksender Rias eine Gruppe von drei Leuten erschienen, zwei Männern und einer Frau, die sich als Abordnung streikender Bauarbeiter vorstellten und den Sender baten, ihre Forderungen – Normerhöhungswiderruf, freie Wahlen, Senkung der Lebenshaltungskosten, Straffreiheit für Streikende – aufzuschreiben und auszustrahlen.

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Wer diese Abgesandten waren und wer sie ausgesandt hatte, ist niemals festgestellt worden. Sie spielten eine Schlüsselrolle bei dem Geschehen des folgenden Tags – kein Historiker hat sich jemals für ihre Namen, die der Rias zweifellos notiert hatte, und für ihre späteren Schicksale interessiert.

Der Sender erfüllte ihren Wunsch und fügte den Aufruf seinen Nachrichtensendungen ein, mit einem Ergebnis, das Egon Bahr, der Chefredakteur des Senders, in seinen Erinnerungen mit Worten nachwirkender Bestürzung beschreibt: „Die ganze Zone war hochgegangen.“

Nicht nur der Rundfunksender RIAS kochte damals die Stimmung hoch. Titelblatt einer kostenlosen Sonderausgabe der Westberliner Abendzeitung "Der Abend" am 16. Juni 1953: "Ostberliner Arbeiter rufen zum Generalstreik gegen ihre Unterdruecker auf (...)". (© picture-alliance/akg)

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Voll Sorge, daß sich aus dem Aufruf des Senders in Berlin eine Konfrontation der Besatzungsmächte, und das hätte bedeuten können: der dritte Weltkrieg, entwickeln könnte, untersagte der amerikanische Offizier, dem die politische Oberleitung des Senders oblag, nach drei Stunden die Verbreitung des Aufrufs; schon am Nachmittag hatte er die Verwendung des Wortes Generalstreik verboten.

Aber zu diesem Zeitpunkt hatte der Aufruf, zusammen mit andern westlichen Rundfunksendungen, in vielen Städten und Großbetrieben der DDR bereits seine Wirkung getan. Gegen 23 Uhr trat Jakob Kaiser, von 1945 bis 1947 Vorsitzender der CDU in der Sowjetischen Besatzungszone und nun als Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen ein erfolgloser Opponent von Adenauers Spaltungspolitik, vor die Rias-Mikrophone und warnte die DDR-Bevölkerung, sich „weder durch Not noch durch Provokationen zu unbedachten Handlungen hinreißen zu lassen“. Offenbar erkannnte er die fundamentale Gefahr, die sich über der neuen sowjetischen Deutschlandpolitik zusammenbraute.

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Aber die Rias-Direktion, wie trunken von der Vorstellung, den bereits entmachteten Ulbricht auch ihrerseits noch absetzen zu können, fand einen Weg, das Gebot des Kontrolloffiziers zu umgehen.

Seit den frühen Morgenstunden des 17. Juni sendete sie einen Aufruf des West-Berliner Gewerkschaftsvorsitzenden Scharnowski, der mit der Aufforderung, überall, auch in der „Sowjetzone“, „Strausberger Plätze“ zu schaffen (dort wollten sich die streikbereiten Berliner Arbeiter am Morgen zu ihrem Demonstrationszug sammeln), kaum verblümt zu Massenaktionen in der ganzen DDR aufforderte. Eine Streikbewegung formierte sich, von der abzusehen war, daß sie größte Ausmaße annehmen werde.

Von seiten der DDR-Behörden und der sowjetischen Instanzen war außer jener inzwischen medial verbreiteten Erklärung zur nichtadministrativen Regelung der Normenfrage nichts geschehen, um ihr Einhalt zu gebieten.

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Als der Polizeipräsident von Ostberlin, Waldemar Schmidt, am Vormittag des 16. Juni bei den sowjetischen Stellen um die Genehmigung eines Großeinsatzes zur Verhinderung der Demonstrationen nachgesucht hatte, war er abschlägig beschieden worden.

Wenn man bedenkt, daß in den Großbetrieben des Landes, die als sowjetische Aktiengesellschaften noch bis vor kurzem unmittelbar unter sowjetischer Direktion gestanden hatten und zum Teil immer noch standen, mehr als ein sowjetischer Geheimdienst V-Männer auf allen Ebenen, auch unter der deutschen Arbeiterschaft, installiert hatte, so bleibt die Mühelosigkeit dieser Zurüstungen zur Massenerhebung bemerkenswert.

Daß der von Berija unabhängige Sicherheitsdienst der sowjetischen Armee (GRU) den Ausbruch der Unruhen bis zum Eingreifen der Panzer aktiv befördert habe, ist nach der Interessenlage der Generäle wahrscheinlich. Wladimir Semjonow schreibt in seinen Erinnerungen , daß zwei seiner Mitarbeiter, die hervorragend Deutsch sprachen und ihn „über verdeckte Kanäle“ informierten, in den Buna- und Leunawerken „zum Schein selbst an Streiks“ teilgenommen hätten; es waren schwerlich Mitarbeiter von Berijas MWD.

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Erstaunlich ist auch die Apathie, in der der damals allerdings noch relativ kleine Staatssicherheitsapparat der DDR verharrte. Hing sie damit zusammen, daß Wilhelm Zaisser, der zuständige Minister und Ulbricht-Opponent im Politbüro (er unterstand faktisch Berija und war von diesem umfassend über die neue Deutschland-Politik informiert worden), seine engsten Mitarbeiter bereits auf das bevorstehende Ende der DDR eingestellt hatte?

Im Mai hatte Berija den General Gomez – das war Zaissers Name im Spanienkrieg gewesen – nach Moskau beordert, um ihm die neue Politik zu erläutern.

Aufschlußreich ist der auf dem Moskauer ZK-Plenum vom Juli 1953 gegebene Hinweis des Berija-Nachfolgers Kruglow, daß der Innenminister Anfang Juni 1953 „einen Abbau des Apparates des MWD-Bevollmächtigten in der DDR um das Siebenfache“ (gemeint ist: auf ein Siebentel) angeordnet habe; es sei „beschlossen worden, den Instrukteurapparat in Deutschland aufzulösen und ihm lediglich beratende Funktionen zu belassen“. Offenbar befand sich dieser Apparat im Vorgriff auf die intendierte Wiedervereinigung mitten in einer durchgreifenden Umorganisation, in die das Zaisser-Ministerium einbezogen war.

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Zu den Pointen des Tages gehörte, daß sich am Vormittag dieses 17. Juni die Spitzen von Staat und Parteien im Gebäude des Zentralkomitees an der Wilhelm-Pieck-Straße versammelt hatten, um Hermann Matern, dem zweiten Mann des SED-Apparats, zum 60. Geburtstag zu gratulieren; während man oben die Gläser erhob, klirrten unten die Fensterscheiben. Hat Erich Mielke, als einer der beiden Staatssekretäre Zaissers der Vertrauensmann Ulbrichts im Sicherheitsministerium, die Erhebung hinter dem Rücken seines Ministers begünstigt?

Es ist eine der Fragen, die sich im Blick auf diesen Tag stellen. Eine Merkwürdigkeit eigener Art enthielt das Neue Deutschland, das nicht nur in Herrnstadts Hand lag, am 16. Juni auf seiner dritten Seite; dort gedachte das Zentralorgan eingehend des 105. Jahrestags des „Sturms auf das Zeughaus“ im Revolutionsjahr 1848. Wann hatte man in dieser oder einer anderen Zeitung jemals eines 105. Jahrestags gedacht? Am 13. Juni hatte sich dasselbe Blatt ausführlich mit dem 55. Jahrestag eines Berliner Bauarbeiterstreiks der wilhelminischen Ära befaßt.

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Die Andrej Gretschko, dem neuen Oberbefehlshaber, unterstehende Armeeführung brachte in der Nacht zum 17. Juni sechshundert Panzer in und um Ost-Berlin in Stellung, die sich, alarmbereit, aufs Warten verlegten. Erst, als die Protestdemonstrationen in Berlin und andernorts in handfeste Aktionen gegen Parteizentralen, Polizeistationen und andere Gebäude übergegangen waren (die meisten, 104 von insgesamt 140, wurden in den Bezirken Magdeburg, Halle und Dresden gestürmt), war die Stunde ihres Eingreifens gekommen, das die Szene schlagartig veränderte; es verband sich mit der Erklärung des Ausnahmezustands.

Auch in der Bundesrepublik hatten sich die Besatzungsmächte das Eingreifen im Notstandsfall vorbehalten; das änderte sich erst durch die Notstandsgesetzgebung der großen Koalition in den sechziger Jahren. „Aus Moskau“, erzählt Semjonow in seinen Erinnerungen , sei der Befehl ergangen, bei der Auflösung der Demonstrationen scharf zu schießen, was er im Bund mit dem am 17. Juni in Berlin eingetroffenen Generalstabschef Sokolowski abgewendet habe; beide hätten über „außerordentliche Vollmachten“ verfügt. Sokolowski war anstelle Berijas nach Berlin entsandt worden, der diese Entsendung verweigert hatte und stattdessen seinen Stellvertreter nach Berlin schickte.

Ostberliner Demonstranten werfen während des Aufstands vom 17. Juni 1953 Steine auf russische T-34-Panzer. (© AP)

Tatsächlich beschränkten sich die Besatzungen der vielfach mit Steinwürfen attackierten Kampfmaschinen zumeist auf Warnschüsse. So wurde ein Blutbad vermieden , doch kam es in Berlin, Sachsen und Thüringen nach der Verhängung des Ausnahmezustands zu standgerichtlichen Erschießungen, ehe der Aufstand vollständig niedergeschlagen war. Andere Todesopfer (die Gesamtzahl wird mit sechsundfünfzig angegeben ) gab es unter Wachhabenden und Demonstranten und – durch Querschläger – unter vielen Unbeteiligten.

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Die Begebenheiten des Tages, an denen im Ganzen etwa sechshunderttausend Menschen teilgenommen hatten, vollzogen sich als die jähe Entladung eines von langer Hand aufgestauten Volkszorns, in deren Verlauf sich ein breites Spektrum von Aktionen entfaltete; sie reichten vom zwanglosen Protestzug bis zu Plünderung und Brandstiftung und von der spontanen Bildung demokratischer Machtstrukturen, wie sie sich vor allem in Bitterfeld und Görlitz vollzog, bis zu der Verwüstung von Kreisämtern und Bürgermeistereien.

Dramatische Szenen ergaben sich in Halle, Magdeburg und Dresden beim Sturm auf die Gefängnisse, in denen noch viele jener festgehalten wurden, deren sofortige Freilassung das Kommuniqué vom 9. Juni den Justizorganen empfohlen hatte, die Opfer der in den Monaten zuvor massenhaft verübten Rechtsverletzungen einer Justizmaschinerie, die kleine, oft aus Not verübte Diebstähle nicht selten mit Zuchthausstrafen von ein bis drei Jahren geahndet hatte.

„Hör mal, gefällt dir dieser Mensch?“

Vor aller Welt und insbesondere vor der sowjetischen Öffentlichkeit und innerhalb der KPdSU war mit dem Eingreifen der Besatzungstruppen in einer anders nicht mehr beherrschbaren Situation der Nachweis erbracht, daß der neue deutschlandpolitische Kurs der Sowjetregierung von feindlichen Mächten als Zeichen der Schwäche angesehen und zu einem Angriff auf die Position der Sowjetunion in Deutschland, mithin: auf die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs ausgenutzt worden war.

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Es war eine Frage der Selbstbehauptung sowohl der sowjetischen wie der SED-Politik, Aktionen, die vielerorts gewalttätig ausgeschlagen waren, als „faschistischen Putschversuch“ zu deklarieren und den in West-Berlin reichlich vorhandenen antikommunistischen Agenturen und Organisationen den Hauptanteil an Ausbruch und Verlauf der Unruhen zuzuschreiben, zumal der Einfluß des Rias tatsächlich erheblich gewesen war.

Mehrere SED-Parteibüros und auch Zeitungskioske gingen am 17. Juni 1953 in Flammen auf, wie hier im Ostberliner Zentrum. Denn protestiert wurde auch gegen die staatlich gelenkte Propagandapresse. (© picture-alliance/dpa)

Zur gleichen Zeit waren von ihren Geheimdiensten informierte westliche Diplomaten, so der französische Hochkommissar François-Poncet , zu der Ansicht gekommen, daß sich die Streikbewegung nicht ohne Zustimmung und Beihilfe der sowjetischen Instanzen habe entfalten können. Sie vermeinten, daß es dabei um eine Unterstützung der neuen sowjetischen Deutschlandpolitik gegangen wäre.

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Mit der von Semjonow bereits am 17. Juni nach Moskau durchgegebenen und anderntags von den DDR-Zeitungen verbreiteten Lesart einer „faschistischen Provokation“, deren westliche Hintermänner die in der DDR entstandenen Schwierigkeiten ausgenutzt hätten , war die Berijasche Entspannungspolitik dramatisch gescheitert und Ulbricht unabsetzbar geworden. Das Echo von Berijas Entsetzen hallt aus Semjonows Erinnerungen wider.

Der aufs höchste alarmierte Innenminister entsandte zwei seiner engsten Mitarbeiter, Sergej Goglidse und Bogdan Kobulow , nach Berlin, um den Hohen Kommissar als Drahtzieher der Erhebung zu überführen und festzunehmen. „Goglidse und Kobulow“, so war dem Hohen Kommissar aus Moskau hinterbracht worden, „hätten den Auftrag, Material zu sammeln, das bewies, daß Semjonow und Tschuikow den faschistischen Putsch selbst organisiert hätten“.

Berijas Entmachtung und Tod

Der Hochkommissar hatte Grund, um sein Leben zu fürchten. Aber er stand unter dem Schutz der Armeeführung, die durch die Entsendung des Generalstabschefs Sokolowski verstärkt worden war. Zuvor hatte Semjonow befürchten mussen, Berija selbst werde sich nach Berlin begeben, um Remedur zu schaffen, doch hatte dieser, zweifellos aus Sorge, in absentia abgesetzt zu werden, die Entsendung durch das Parteipräsidium verweigert.

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Während Semjonow, die beiden Abgesandten im Nacken, in Berlin eine Woche lang um sein Leben bangte, kam in Moskau die Anti-Berija-Verschwörung zum Ziel.

Chruschtschow gelang es, den Sicherheitsmarschall in Sicherheit zu wiegen, indem er ihm seine Hilfe zum Sturz des Regierungschefs Malenkow anbot, der nach Stalins Tod neun Tage lang zugleich Parteichef gewesen war; mit Berijas Hilfe war diese Funktion an Chruschtschow übergegangen. Im Bund mit der Armee gelang es diesem am 26. Juni, Berija am Sitzungstisch des Parteipräsidiums im Kreml festzunehmen.

Nachdem sich dort mit Ausnahme Anastas Mikojans alle Mitglieder des Führungskreises für die Absetzung Berijas ausgesprochen hatten, trat, mit Marschall Shukow an der Spitze, auf einen Knopfdruck des Sitzungsleiters Malenkow eine von dem Verteidigungsminister Bulganin in den Kreml eingeschleuste Gruppe bewaffneter Generäle auf den Plan, um den Sicherheitschef zu überwältigen.

Der Luftwaffengeneral Moskalenko, Chruschschtows Vertrauensmann bei der hochriskanten Aktion (er kannte ihn aus den Kriegsjahren), hatte gleichzeitig ein Gardeflakartillerieregiment an die Hauptstadt herangeführt; eine Panzerauffahrt hatte die Moskauer Zufahrtsstraßen gesichert, um die Truppen des Innenministeriums in Schach zu halten zu können. Aber die Truppen-Konfrontation blieb aus; Chruschtschow hatte an zwei Stellvertretern Berijas, den Generälen Serow und Kruglow, Verbündete gehabt, denen die Neutralisierung der dem MWD unterstehenden Kreml-Wache geglückt war.

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Die Kunde von Berijas Entmachtung blieb unter dem Schleier strikter Geheimhaltung verborgen, doch erreichte sie noch am gleichen Tag den britischen Premier, für den sie den Zusammenbruch eines großen, hoffnungsvollen Projekts bedeutete. Der achtundsiebzigjährige Churchill bekam einen Schlaganfall, von dem er sich, obschon im Amt bleibend, nicht wieder erholte.

Semjonow aber konnte aufatmen und kehrte gegenüber Berijas beiden Abgesandten den Spieß um. Es gelang ihm, Sergej Goglidse und Bogdan Kobulow nacheinander in sein Amtszimmer zu locken, ehe sie die Nachricht vom Sturz ihres Chefs erhalten hatten; dort vollzog Marschall Sokolowski höchstpersönlich ihre Festnahme. In dem Flugzeug, das den Hochkommissar wenig später nach Moskau brachte, führte er sie als Gefangene mit sich.

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Zur gleichen Zeit gelang es Sudoplatow, die von ihm in Berijas Auftrag nach Westdeutschland entsandte MWD-Obristin Soja Rybkina (sie war die Leiterin der Deutschland-Abteilung des NKWD) zurückzubeordern, ohne daß ihre Mission offenbar geworden wäre. Sie hatte den Auftrag gehabt, Wege einer deutschen Vereinigung zu sondieren.

Im Politbüro der SED war es, wie schon am 9. Juni, auch nach dem 17. Juni zu dramatischen Auseinandersetzungen gekommen; eine starke Gruppe innerhalb des Führungsgremiums nahm das Desaster zum Anlaß, mit dem autokratischen Führungsstil des Generalsekretärs abzurechnen. Eine Nachtsitzung am 7. Juli, an der Ulbricht zweifellos im Wissen um Berijas Absetzung und gestärkt durch ein sowjetisches Glückwunschtelegramm zu seinem sechzigsten Geburtstag, teilnahm, ergab, daß er das Vertrauen der Mehrheit verloren hatte.

Ulbricht ohne Rückhalt

Nur zwei der Anwesenden, Hermann Matern, der zweite Mann im Parteiapparat, und Erich Honecker, der Vorsitzende des Jugendverbands, votierten für sein Verbleiben im Amt, Stimmenthaltung übten Fred Oelßner und Erich Mückenberger; die Stimmen gegen Ulbricht kamen von Anton Ackermann, Friedrich Ebert, Otto Grotewohl, Rudolf Herrnstadt, Heinrich Rau, Wilhelm Zaisser und – besonders nachdrücklich – von der einzigen Frau der Runde, Elli Schmidt. Wilhelm Pieck, mit Grotewohl der Vorsitzende der Partei, befand sich seit Wochen in der Sowjetunion zur Kur.

Nach dieser Abstimmung, die Ulbricht Klarheit über seine Opponenten verschafft hatte, flogen er und Grotewohl im Morgengrauen des 8. Juli nach Moskau, wo tags zuvor eine am 2. Juli begonnene Tagung des sowjetischen Zentralkomitees in förmliche Beschlüsse gemündet war; am 10. Juli erging die öffentliche Mitteilung von der dort vollzogenen Absetzung des Innenministers und Parteipräsidiumsmitglieds.

Es ist wahrscheinlich, daß Berija bereits während oder unmittelbar nach der Sitzung des Führungsgremiums am 26. Juni im Kreml erschossen worden war. Die von Chruschtschow dirigierte Abrechnung des Zentralkomitees vollzog sich in Abwesenheit des Angeklagten, der der offiziellen Verlautbarung nach erst im Dezember füsiliert wurde, im Ergebnis eines offenbar mit einem Doppelgänger veranstalteten Gerichtsverfahrens, an dessen Ende für den Innenminister und eine Reihe Mitangeklagter das Todesurteil stand.

Das interne Protokoll dieser Tagung, eine partiell redigierte, aber inhaltlich zuverlässige Fassung der stenographischen Mitschrift, ist 1990 in Moskau publiziert worden und liegt seit 1993 auch in einer deutschen Ausgabe vor.

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Der am Ende der Tagung stehende Beschluß macht deutlich, in welchem Maß Berijas Deutschlandpolitik seine Deklaration als „Agent des internationalen Imperialismus“ mitbestimmt hatte. Chruschtschow selbst hatte den Ton vorgegeben. „Bei der Erörterung der deutschen Frage“, hielt er den ZK-Mitgliedern aus allen Teilen der Sowjetunion vor, „gab er sich ziemlich eindeutig als Provokateur und Agent des Imperialismus zu erkennen. Er schlug vor, auf den Aufbau des Sozialismus in der DDR zu verzichten und dem Westen Zugeständnisse zu machen. Dies hätte bedeutet, 18 Millionen Deutsche der Herrschaft der amerikanischen Imperialisten zu übergeben."

Er sagte: ‚Man muß ein neutrales demokratisches Deutschland schaffen.’ Kann es etwa ein neutrales demokratisches bürgerliches Deutschland geben? Wäre dies möglich? Berija sagte: 'Wir werden einen Vertrag abschließen.' Aber was kostet dieser Vertrag? Wir kennen den Preis von Verträgen.“ Zuvor der Satz: „Er setzte zum großen Sprung an, er stürzte jedoch ab und zerbarst und hauchte die Seele aus.“ Die Wendung deutet darauf, daß Berija zu dieser Zeit nicht mehr am Leben war; Chruschtschow selbst hat das 1956 gegenüber dem sozialistischen französischen Senator Pierre Commin bestätigt.

Es sind vor allem Chruschtschows in freier, überaus bildkräftiger Rede vorgetragene Passagen, die diesem Protokoll die Dimension elisabethanischer Königsdramen geben. Auch Wallenstein ist nicht fern, der im Dienst seines Kaisers an der Spitze mörderischer Kohorten gestanden hatte und umgebracht worden war, als er Fühler zu Friedensverhandlungen mit dem protestantischen Gegner ausstreckte.

Der siegreiche Parteisekretär beschreibt sein konspiratives Vorgehen mit einer Unbefangenheit, die den Grad der Selbstgefährdung bei seinen Gesprächen mit den andern Mitgliedern des Präsidiums beinahe launig herunterspielt: „Wir tauschten unsere Meinungen aus und fragten ‚Hör mal, gefällt dir dieser Mensch?’ Anfangs guckten einige verwundert und dachten sicherlich: ‚Warum stellt er mir diese Frage und zu welchem Zweck?’ (Gelächter im Saal.) Dann fuhren wir fort: ‚Was guckst du so, er ist doch ein Provokateur, sieh selbst und du wirst dich davon überzeugen, daß er ein Schurke ist.’“ Chruschtschows Sondierungen führten zum Ziel: „Nachdem wir alle miteinander gesprochen hatten, stellte sich heraus, daß wir einer Meinung waren.“

Dann deutet er an, wie er sich vor der entscheidenden Sitzung des Parteipräsidiums mit Berija zum Schein zu einem Bündnis gegen Malenkow, den Ministerpräsidenten, verabredet und sich dann mit einem „heißen Händedruck“ von ihm verabschiedet habe. „Nun, denke ich, du Schurke, dies ist dein letzter Händedruck, morgen um 2 Uhr werden wir dich ausquetschen. Nicht die Hand werden wir dir drücken, sondern den Schwanz abklemmen.“

Die Attacke auf Berijas Deutschlandpolitik wird auf dieser ZK-Sitzung von Molotow, dem Außenminister, vorgetragen, der zuvor die hohe Belastung der DDR durch Besatzungskosten und Reparationen und den „eindeutig linksradikalen Kurs seit Beginn des Sommers 1952“ zur Sprache bringt.

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Berijas Irrtum sei es gewesen, zu glauben, „daß es genügen würde, wenn sich West- und Ostdeutschland als bürgerlicher friedliebender Staat vereinigten“.

„Unter den Bedingungen der imperialistischen Epoche“ wäre es „eine Illusion, von der Perspektive ausgehen zu wollen, ein bürgerliches Deutschland würde sich gegenüber der UdSSR friedliebend oder neutral verhalten können“. Und dann: „Der defätistische Charakter der Vorschläge Berijas zur deutschen Frage liegt auf der Hand. Faktisch forderte er die Kapitulation vor den sogenannten ‚westlichen’ bürgerlichen Staaten. Er bestand darauf, daß wir auf den Kurs zur Festigung der volksdemokratischen Ordnung, die zum Sozialismus führt, in der DDR verzichten. Er bestand darauf, dem deutschen Imperialismus nicht nur in Westdeutschland, sondern auch in Ostdeutschland freie Hand zu lassen. Dies hätte bedeutet, auf das zu verzichten, was mit dem Blut unserer Soldaten, mit dem Blut unseres Volkes in dem schweren Kampf gegen den Hitlerfaschismus erreicht worden ist.“ Ebendies war zweifellos auch die Haltung der Armeeführung gegenüber Berijas Deutschlandpolitik gewesen.

Iwan Tewosjan, der aus Armenien stammende Industriepolitiker und Vize-Ministerpräsident der Sowjetunion, schlägt am Ende der Tagung in dieselbe Kerbe. Deutlich wird: es war Berija mit seinem Entspannungskurs ernst gewesen, und ferner: er war nicht zuletzt wegen seiner Deutschlandpolitik gestürzt worden. Auch seine gegen den Stalin-Kult gerichteten Maßnahmen spielen in der Diskussion eine Rolle. Wie zuvor Kaganowitsch, der Berija „einen Karrieristen und Hasardeur“ genannt hatte, „der durch seine Kritik an Stalin die Grundlage, auf der wir stehen, zerstören“ wollte, wirft Tewosjan dem Gestürzten vor, den heiligen Namen Stalins in den Schmutz gezogen zu haben; er habe ihn „allmählich aus der Presse“ und aus dem Namens-Quartett der Klassiker verschwinden lassen. „So tief ist dieser Schurke gesunken.“ Zuvor hatte der Vizeministerpräsident Andrejew anklagend davon gesprochen, daß „schon kurz nach dem Tode des Genossen Stalin ... die Tilgung jedweden Hinweises“ auf diesen zu beobachten gewesen sei. Wolfgang Leonhard, in weiter Ferne ein genauer Leser der sowjetischen Presse, hat diese Wahrnehmung bestätigt.

Es ist Georgi Malenkow, der in seinem Schlußwort am 7. Juli 1953 mit einer unmißverständlichen Kritik an Stalin den Gegenakzent setzt und keinen Zweifel läßt, daß es nicht um eine Rückkehr zum „häßlichen Personenkult“, sondern um die Überwindung von Stalins Herrschaftsmethoden geht, nicht ohne den Blick auf „den gestrigen Tag“, die Zeit vor Stalins Tod, und auf das eigene Verhalten zu richten: „Wir haben alle geschwiegen. Warum? Weil wir den Personenkult bis zur Absurdität getrieben haben und völlige Kontrollosigkeit eingetreten ist.“ Das Protokoll vermerkt: „Stimmen: Richtig. Stürmischer Beifall.“

Zuvor hatte ein einziger Redner, der Leningrader Parteisekretär Andrianow, das MWD als Ganzes aufs Korn genommen, als einen „Moloch“, der unter der Leitung von immer neuen „gemeinen Menschen“ „weniger den Feinden als vielmehr ehrlichen Menschen, ja selbst den Führungsorganen Angst“ eingeflößt und „in fast jeder Behörde und jedem Betrieb ohne jeden Grund Agentennetze“ eingerichtet habe, die „bar jedweden Nutzens“ seien. Andrianow hatte nur mäßigen Beifall erhalten; er wurde 1956 aller Ämter enthoben.

Die garantierte Teilung

Als der Bericht von dieser ZK-Tagung am 10. Juli in den Moskauer Zeitungen steht, weiß Walter Ulbricht, was ihm Semjonow zweifellos schon vor dem 7. Juli signalisiert hat: daß nicht nur seine Führungsposition gesichert sei, sondern daß er nun auch freie Hand habe, mit seinen Kritikern im Politbüro aufzuräumen. Die Entscheidung war in Moskau getroffen worden, entgegen der in einem Bericht von Semjonow, Sokolowski und Gretschko an die Moskauer Führung enthaltenen Empfehlung, Karl Schirdewan als Ulbrichts Nachfolger an der Spitze der SED zu berufen; Molotow hatte sich dagegen ausgesprochen. „Was Ulbricht betrifft, ist Semjonow nach rechts abgedriftet“, hatte der Außenminister die Empfehlung kommentiert.

Ein Foto, entstanden rund zehn Jahre nach Stalins Tod und Berijas Entmachtung, inzwischen fest an der Macht: SED-Parteichef Walter Ulbricht (4.v.r.) mit dem mächtigsten Mann der Sowjetunion Nikita Sergejewitsch Chruschtschow (4.v.l.), bei einem Blick über die Mauer in Berlin im Januar 1963 am Grenzübergang Friedrichstraße. (© picture-alliance/akg)

Im folgenden Jahr kehrte Semjonow, der inzwischen Botschafter der Sowjetunion in der DDR geworden war (die Sowjetunion hatte der DDR im Vollzug der neuen sowjetischen Politik „erweiterte Souveränitätsrechte“ eingeräumt und die diplomatischen Missionen in den Rang von Botschaften erhoben), nach einem Autounfall nach Moskau zurück und wurde nach seiner Genesung zum stellvertretenden Außenminister ernannt. Seine Erinnerungen ziehen ein Resümee: Alles, was er als Hoher Kommissar seit dem Sommer 1953 unternommen habe, sei darauf hinausgelaufen, „die Fehler, die sowjetische und deutsche Organe von 1945 bis 1953 begangen hatten, Schritt für Schritt auszubügeln.“

Von der Vertreibung aus dem Führungsgremium auf Dauer ausgenommen bleiben die früheren Sozialdemokraten Grotewohl, Ebert und Mückenberger sowie der Wirtschaftsfachmann Heinrich Rau; Herrnstadt und Zaisser werden noch im Juli wegen parteifeindlicher Fraktionsbildung erst aus dem Zentralkomitee, später auch aus der Partei ausgeschlossen. Die Erhebung des 17. Juni hatte vereitelt, was die Demonstranten im Sinn gehabt hatten: die Entmachtung des drakonischen Apparatschiks als wesentlichen Schritt auf dem Weg zur deutschen Vereinigung. Sie war vorher gewährt gewesen und nun unabsehbar geworden.

Im Blick auf diese Paradoxie von einer Ironie der Geschichte zu sprechen verbietet die Zahl der Opfer, die dieser Tag auf allen Ebenen gefordert hatte, falls man nicht den Begriff einer tragischen Ironie gelten lassen will. Vielleicht ist er der Tatsache angemessen, daß dieser Tag neben allem, was er war: Arbeiteraufstand, Massenerhebung, Protestaktion von historischen Ausmaßen, noch etwas anderes gewesen war, ein politisches Intrigenwerk hintergründiger Art, dessen verborgene Urheber, eine politische Wende abwendend, mit ihrem Leben und um ihr Leben gespielt hatten. Ihr Gegner, der sich allmächtig dünkende Innenminister, hatte die Widerstände, die sich seinem Deutschlandplan innerhalb der Armeeführung entgegenstellten, sträflich unterschätzt.

In der Mitte des deutschen Spiels um Zukunft und Macht steht der linksradikale Arbeiterfunktionär, der, durch den sowjetischen Sieg über den deutschen Faschismus zum Generalunternehmer eines monopolistischen Staatskapitalismus geworden, glaubt, zu Ehren seines sechzigsten Geburtstags der Klasse, der er den Sozialismus an den Horizont einer lichten Zukunft malt, mitten in einer Versorgungskrise eine drastische Lohnminderung auferlegen zu können, und der dann, im rapiden Hinschwinden seiner Autorität und der seiner Partei, in der Aufrechterhaltung dieser Maßnahme den Hebel entdeckt, Amt und Herrschaft zu fristen.

Achtzehn Jahre später, im April 1971, trifft ihn das Schicksal, dessen er sich im Juni 1953 mit Hilfe sowjetischer Partei- und Armeeführer erwehrt, auf deren Betreiben: die Absetzung durch sein eigenes Politbüro. Als Wort- und Stimmführer fungiert dabei der Mann, der ihm damals die Stange gehalten hatte und danach entsprechend ge- und befördert worden war, Erich Honecker. Der groteske Vorwurf, den Breshnjew, der Hintermann des Revirements, im Juli 1970 gegen den autoritären Altgenossen erhoben hatte, lautet, dieser gefährde den Bestand der DDR, indem er eine „Zusammenarbeit mit der westdeutschen Sozialdemokratie“ betreibe.

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Nicht nur Ulbricht und die Moskauer Berija-Opposition waren durch den 17. Juni gerettet, auch Adenauers Westbindungspolitik war dies, der durch eine Demokratisierung der DDR mit der Perspektive der Vereinigung schwere Hindernisse erwachsen wären.

Das Bewußtsein davon befällt den westdeutschen Regierungschef am 17. Juni so sehr, daß er zur Bestürzung derer, die es hören, die Begebenheiten des Tages für eine sowjetische Provokation erklärt, die gegen seine Politik gerichtet sei; so hatte sein Geheimdienst, die Organisation Gehlen, das Geschehen gedeutet.

Schon die britisch-sowjetische Friedensinitiative von Mitte Mai war ihm als Attacke auf seine Politik erschienen; diese lebte vom Kalten Krieg. Im Kielwasser der niedergeschlagenen Erhebung gewinnt Adenauer im September mit Aplomb die Bundestagswahlen; zuvor hatte der Bundestag auf Antrag des Abgeordneten Herbert Wehner den 17. Juni zum Tag der deutschen Einheit ausgerufen. Es war der Tag, an dem die deutsche Einheit für mehr als eine Generation unter den Horizont der Geschichte gesunken war.

Des rheinischen Kanzlers Mit- und Gegenspieler im Zentralkomitee in Berlin-Mitte saß schon im Juli wieder so fest im Sattel, daß er den Justizminister der DDR, Max Fechner, einen früheren Sozialdemokraten, der im Neuen Deutschland am 30. Juni Streikführer presseöffentlich von der Strafverfolgung ausgenommen hatte, inhaftieren und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilen lassen konnte. Ein Wink des Semjonow-Stellvertreters Judin, der aufgeregt erklärt hatte, daß man „bei uns in der Sowjetunion für eine solche Sache zwölf Jahre Zuchthaus“ gibt, war bei dem Strafmaß ausschlaggebend gewesen.

Daß der nachmals zum Staatsoberhaupt avancierte SED-Generalsekretär mit dem 1956 amnestierten Fechner zehn Jahre später eine öffentliche Wiederbegegnung in der beliebten Fernsehsendung „Mit dem Herzen dabei“ inszenierte, konnte als zynisch bedünken; es war wohl eher der majestätische Versuch einer Abbitte.

Walter Ulbricht hatte in den Junitagen des Jahres 1953 die empfindlichste Lehre seines Leben erhalten. Er wagte es nie wieder, die materiellen Interessen der Arbeiterklasse massiv herauszufordern; auf diesem Weg wurde diese in der DDR wirklich zu so etwas wie einer herrschenden Klasse. Das Problem der Arbeitsproduktivität, das hinter der Normenfrage stand, begleitete die Existenz des Landes und gehörte zu den Ursachen seines wirtschaftlichen Scheiterns.

Auch der Klassenkampf mit dem Holzhammer des Linksradikalismus wurde nicht erneuert, es blieb bei dem Rücknahmeedikt des 9. Juni 1953; der zehn Monate währende Versuch der Einheizpartei, im Schlagschatten der Adenauerschen Westintegration das sowjetische Gesellschaftsmodell auf die DDR zu übertragen, war gescheitert. Fortan suchte Ulbricht bei aller Machtbehauptung nach Wegen, das östliche Muster durch eine Politik abzuwandeln, die auf die Erhaltung und Einbindung des privaten gewerblichen und industriellen Sektors zielte. Er nannte es nicht den deutschen Weg zum Sozialismus, aber er praktizierte ihn, auch und gerade nach 1961, hinter ideologisch vorgehaltener Hand, bis Chruschtschows Entmachtung, 1964 im singulären Bund von Armee- und KGB-Führung vollzogen, seinen Gegnern mit Erich Honecker an der Spitze die Option des Einschreitens gab, das sich im Dezember 1965 in Berlin in Gestalt eines wirtschafts- und kulturpolitisch desaströsen ZK-Plenums vollzog.

Im Rahmen des Neuen Kurses erhöhte sich der Lebensstandard der DDR-Bevölkerung noch im Jahre 1953. Die Sowjetunion erließ dem Land im August einen Großteil der Reparationen und gab ihm dreiunddreißig jener Betriebe zurück, die nach 1945 in sowjetisches Eigentum übergegangen waren; der Austausch von Botschaftern besiegelte eine wesentlich veränderte Situation. Unter Chruschtschows Leitung realisierte die sowjetische Führung, daß sie den ihr am Ende eines langen, furchtbaren Krieges zugefallenen Teil Deutschlands nicht länger als Ausbeutungsobjekt für Kriegsentschädigungen behandeln könne; sie unterstrich es 1955 durch die vor allem der Kunststadt Dresden zugute kommende Rückgabe des überwiegenden Teils der 1945 beschlagnahmten Kunstschätze.

Wie der Generalvertrag des 26. Mai 1952 den ersten Akt der Geschichte der deutschen Westrepublik beschlossen hatte, so setzte der 17. Juni den dramatischen Schlußpunkt unter den ersten Akt der DDR-Geschichte. War der östliche deutsche Staat bis dahin kaum mehr als eine Verfügungsmasse der sowjetischen Politik gewesen, so erhielt er nun eine Bestandsgarantie, die ihn zu einer festen Größe der europäischen Politik machte. In Westdeutschland brauchte man mehr als fünfzehn Jahre, um politische Folgerungen daraus zu ziehen.

Diese Bestandsgarantie hielt vor, solange die am 17. Juni 1953 gewonnene und am 26. Juni bekräftigte Macht der Armee über die sowjetische Außenpolitik andauerte: sechsunddreißig Jahre. Indessen wuchs im westlichen Deutschland eine Generation heran, die sich vehement von den Restbeständen der faschistischen Ära distanzierte und allem Anspruch auf Deutschlands verlorenen Osten entsagte.

Die Streiks ebbten zwar nach den Panzereinsätzen und ersten Verhaftungen vermeintlicher "Rädelsführer" schnell ab, aber auch am 19. Juni 1953 hatten die Sicherheitskräfte aus DDR und UdSSR die Lage noch nicht überall unter Kontrolle, wie der Ausschnitt dieser SED-Akte vom 19.6.1953 belegt. (© BArch, SED, DY 30/72042, Bl. 46. Siehe auch Buchhinweis unter diesem Artikel.)

Die Geschichte ging ihren Gang, und da er friedlich blieb aus Vorsatz und Interesse, konnte der Moment heranreifen, da, von einer neuen sowjetischen Führung ermutigt und im entscheidenden Moment geschützt, abermals eine Massenbewegung Raum griff. Sie trug die Lehre des 17. Juni in sich, diese Lehre hieß: Keine Gewalt! Es sei unmöglich, aus der Geschichte zu lernen? Das Volk der DDR trat im Herbst 1989 den Gegenbeweis an, und das Ergebnis war durchschlagend: eine Grenze ging auf, der Frieden kam in Sicht. Der deutsche Oststaat hatte seine Aufgabe erfüllt, die zuletzt darin bestanden hatte, die Deutschen an ihre neue Ostgrenze zu gewöhnen; er konnte aufgegeben werden.

Doppelgesicht einer Volkserhebung

Unternimmt man es, die Erhebung des 17. Juni 1953 dem in der deutsche Geschichte immer präsent gewesenen, aber oft mit Fleiß übersehenen Rebellions- und Widerstandsstrang einzubeziehen, so fallen Parallelen zu der sächsischen Volkserhebung des Mai 1849 ins Auge.

Auch in Sachsen wurde damals der Konflikt zwischen der Staatsmacht und dem in der Bevölkerung vorhandenen Protestpotential von seiten der ersteren zielgerichtet verschärft, um den schon angebahnten friedlichen Übergang zu neuen, konstitutionellen Verhältnissen abzuwenden. Dies geschah unter Anleitung einer auswärtigen Macht, in diesem Fall Preußens, das den zögernden sächsischen König zu der Zuspitzung des schwelenden Konflikts bewog; es ging um die Annahme der in Frankfurt beschlossenen Nationalverfassung durch den Landtag, deren vom Landesparlament beschlossenen Grundrechte-Katalog der König bereits im März zugestimmt hatte. Der nördliche Nachbar stand mit Truppen bereit, um bei dem erwarteten Ausbruch der Erhebung mit militärischen Mitteln eine Entscheidung zugunsten der alten Machtverhältnisse herbeizuführen.

Auch in dem Sachsen von 1849 war die Vorbereitung der Opposition auf eine solche Zuspitzung ganz unzulänglich; anders als diejenigen, die den Konflikt provoziert hatten, waren die Provozierten unvorbereitet. Vermöge wirksamer organisatorischer Strukturen breitete sich die Erhebung in dem Sachsen von 1849 erstaunlich rasch über große Landesteile aus, doch nicht schnell und zielstrebig genug, um den mit der Eisenbahn aus Preußen anreisenden Truppen zuvorzukommen; die wirksame Unterbrechung des Schienenstrangs mißglückte.

Anders als beim 17. Juni 1953 war die Disziplin der Aufständischen im Mai 1849 außerordentlich hoch, Akte von Vandalismus, Brandstiftung, Tumult oder gar Lynchjustiz unterblieben; alle Kräfte konzentrierten sich auf Verteidigungsmaßnahmen gegen die erwartete militärische Übermacht. Als eigentümlich ähnlich erweist sich das Strafmaß derer, die in der improvisierten Erhebung zu deren Anführern wurden. Der an der zielstrebig und geordnet verlaufenden Bitterfelder Machtübernahme am 17. Juni führend beteiligte Paul Othma (im Bewußtsein rechtlichen Handelns unterließ er die Flucht nach West-Berlin) blieb fast so lange wie der Dresdner Musikdirektor August Röckel im Gefängnis: elf Jahre. Er war wie dieser auch nach langer Haft nicht zu einem Schuldeingeständnis bereit. Das Gefängnis war dasselbe, es stand in Waldheim.

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Für den Mangel an oppositionellen Strukturen, wie sie in dem Sachsen von 1849 das dichte Netz der republikanischen Vereine bildete, kam 1953 der Rundfunk im amerikanischen Sektor auf; die von seiner Redaktion ausgestrahlten Aufrufe hatten wesentlichen Anteil daran, daß sich in der DDR Hunderttausende in eine Konfrontation stürzten, die phantastisch war, insofern sie weder realisierte, daß die Fundamentalmacht im Lande unverändert bei der Sowjetunion lag, noch, dass diese die SED bereits zum Beginn eines Rückzugs veranlasst hatte, den nur sie selbst vollenden konnte.

Die Arbeiterschaft war provoziert worden und hatte sich provozieren lassen; durch die Hinnahme der anschwellenden Streikbewegung ohne Rücknahme der Normenerhöhungen bei gleichzeitiger Entmachtung der SED-Führung waren Hoffnungen erweckt worden, die sich explosiv Luft gemacht hatten.

Im Hintergrund stand die verblendete Aggressivität, mit der die SED in dem dreiviertel Jahr davor das von Stalin vorgegebene Konzept realisiert hatte. Es war ein weiter historischer Weg von den geysirgleich aufspringenden Aktionen des 17. Juni 1953 bis zu dem gesammelten Ernst der Volksbewegung des Herbstes 1989, die, so spontan sie sich an vielen Orten bildete, über etwas verfügte, was der Juni-Erhebung von den Bedingungen ihrer Entstehung her abgehen mußte: ein Mindestmaß an realitätsbewußter politischer Führung.

Die Verhältnisse komplizieren sich dadurch, daß auch diejenigen, gegen die sich der Aufstand richtete, also die SED-Führung, eine revolutionäre Position beanspruchen konnte und beanspruchte: Machteroberung in Umkehrung der Opferrolle, die Hitlerfaschismus und Eroberungskrieg den deutschen Kommunisten auferlegt hatten.

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So agierten die streikenden Arbeiter in einer eigentümlichen Doppelrolle. Sie befanden sich einerseits in der klassischen Position derer, die sich eines als ausbeuterisch empfundenen Zugriffs des staatskapitalistischen Unternehmers erwehren und zugleich, wie die sächsischen Arbeiter von 1849, politische Demokratie im Blick auf ein einheitliches Deutschland einfordern, und agierten andererseits, durchaus unbewußt, als Avantgarde jener, die die auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone 1945 vollzogene Umwälzung der alten, eng mit dem Hitlerregime liierten Macht- und Besitzstrukturen zurückdrehen wollten.

Im März 1949 hatte ein aus dem US-Exil nach Westdeutschland zurückgekehrter Gesprächspartner den amerikanischen Diplomaten George F. Kennan darauf aufmerksam gemacht, daß eine deutsche Wiedervereinigung unmöglich sei, weil sich in der Sowjetzone „wirklich so etwas wie eine soziale Revolution vollzogen“ habe. „Es sei die einzige Gegend Deutschlands, in der man mit dem Feudalismus endgültig aufgeräumt habe“; das Rückgängig-Machen der Bodenreform müsse einen Bürgerkrieg auslösen.

Selbst wenn es der sowjetischen Seite bei den von Berija angestrebten Friedensvertragsverhandlungen gelungen wäre, die 1945 zwischen Oder und Werra vollzogene Enteignung der Großbanken, der Schwerindustrie und des Großgrundbesitzes festzuschreiben, sie alle tiefverstrickt in Hitlers Eroberungskrieg – wie lange wäre eine solche Bestimmung nach dem Wieder-Souverän-Werden des Landes aufrechtzuerhalten gewesen? Gab es eine Gewähr dafür, daß jenes alte Deutschland, dessen katastrophische Implikationen in Hitlers Raubzügen explodiert waren, nach dem Abzug der Besatzungsmächte nicht tendenziell wiedererstanden wäre?

Der 17. Juni ist fern jener Eindeutigkeit, die Symposien und Konferenzen, Feier- und Gedenkstunden ihm von Zeit zu Zeit zu geben versuchen. Der Stoff, aus dem dieser dramatische Tag gemacht ist, bietet zur Affirmation wenig, zur Reflexion allen Anlass.

Eine erste Fassung des Beitrags von Friedrich Dieckmann erschien bereits 2009 in diesem Buch aus dem Göttinger Wallstein-Verlag, bei dem das Copyright liegt.

Zitierweise: Friedrich Dieckmann, "Moskauer Hintergründe des 17. Juni 1953“, in: Deutschland Archiv, 07.06.2023, Link: www.bpb.de/521626. Besonderer Dank für diese Veröffentlichung gilt dem Autor und dem Wallstein Verlag Göttingen. Alle Beiträge im Deutschlandarchiv sind Recherchen und Meinungsbeiträge der jeweiligen Autorinnen und Autoren, sie stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar.

Ergänzend zum Thema:

Fussnoten

Fußnoten

  1. Erweiterte Fassung von „Olymp im Nebel / Hintergründe des 17. Juni 1953“, in: Friedrich Dieckmann, Deutsche Daten oder Der lange Weg zum Frieden, Wallstein Verlag Göttingen 2009, S. 69-101. Erstdruck: Lettre International, Heft 62 (Herbst 2003)

  2. Der Tagesspiegel, 10. Januar 2016, S. S2.

  3. „Je mehr ich versuchte, das Kommuniqué in der aufgetragenen Weise ... zu schreiben“, schrieb Herrnstadt anhand seiner Aufzeichnungen im Blick auf den ihm am 10. Juni auferlegten parteioffiziellen Zeitungskommentar, „desto klarer wurde mir, daß es in der vorgesehenen Form eine nicht zu verantwortende Chocwirkung in der Partei und in der Öffentlichkeit hervorrufen müsse. Es erwies sich als unmöglich, die wichtigsten, von der Partei soeben ein Jahr hindurch gegen unzählige Widerstände als allein richtig verteidigten Maßnahmen kurzerhand, d.h. unter Verzicht auf eine fundierte Begründung zu widerrufen – ohne die Partei zu desorientieren und zu erbittern und dem Gegner die Flanke zu öffnen.“ (Rudolf Herrnstadt: Das Herrnstadt-Dokument / Das Politbüro der SED und die Geschichte des 17. Juni 1953, ed. Nadja Stulz-Herrnstadt, Reinbek 1990, S. 72)

  4. Die Vierzehn-Tage-Frist aus Herrnstadts Gespräch mit Semjonow spiegelt sich in einer späten Erinnerung des hochrangigen Geheimdienstoffiziers Pawel Sudoplatow wider, der zu dieser Zeit Leiter des Büros für Sonderaufgaben in dem von Berija geleiteten Innenministerium war. Gestützt auf Soja Rybkina, die Leiterin der deutschen Abteilung des sowjetischen Geheimdienstes (Berija hatte sie laut Sudoplatow Anfang Mai zu Sondierungen in der Frage der Wiedervereinigung nach Berlin und Wien geschickt), berichtet er in seinen 1994 erschienenen Memoiren, „die deutsche Führung habe um zwei Wochen Aufschub gebeten, um auf der Grundlage der Moskauer Entscheidung ihre eigene politische Linie auszuarbeiten. Semjonow habe geantwortet, in zwei Wochen könne ihr Staat bereits auf ein autonomes Gebiet in einem wiedervereinigten Deutschland reduziert sein“. (Pawel Anatoljewitsch Sudoplatow und Anatolij Sudoplatow: Handlanger der Macht / Enthüllungen eines KGB-Generals, ECON Verlag Düsseldorf u.a. 1994, S. 423 f.) In ihrer Zuspitzung zeugen beide Äußerungen von Semjonows Entschlossenheit, Berijas Deutschlandpolitik zu hintertreiben – zu einer Zeit, da er auftragsgemäß mit Politikern der bürgerlichen Parteien in der DDR über die Bildung einer nicht mehr SED-geführten Regierung verhandelte.

  5. In Stalins letzter Regierungszeit war mit vielen anderen Mitgliedern der sowjetischen Führung auch Berija, der sein Amt als Geheimdienstchef 1946 abgegeben hatte (als erster stellvertretender Ministerpräsident war er seither u. a. für das sowjetische Atombombenprojekt verantwortlich), von der Absetzung durch den paranoisch affizierten Diktator bedroht gewesen, der im Oktober 1952 auf einer Plenartagung des Zentralkomitees der KPdSU so weit gegangen war, sowohl Molotow wie Mikojan, beide langjährige Mitglieder der Parteiführung, als „Agenten der USA“ hinzustellen. „Es gehörte zu Stalins Charakter, daß er auch die Mitglieder des Politbüros in Angst und Schrecken hielt, bei denen er ständig Verrat witterte.“ (Wladimir S. Semjonow: Von Stalin bis Gorbatschow / Ein halbes Jahrhundert in diplomatischer Mission 1939-1991, Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin 1995, S. 287ff.) Die Vermutung, daß Berija Stalins Tod durch Entfernung der Ärzte beschleunigt habe, haben sowohl Wolkogonow (Dmitri Wolkogonow: Stalin, Düsseldorf 1989, S. 438, 769ff.) wie Nikita Chruschtschow geäußert (vgl. die Erinnerungen von Sergej Chruschtschow, Dietz-Sammelband 1991). Nicht zuletzt, um den Mingrelier Berija zu treffen, hatte Stalin mit Hilfe des 1946 berufenen Staatssicherheitsministers Abakumow (er wurde 1951 verhaftet und 1954 hingerichtet) eine gegen den georgischen Volksstamm der Mingrelier gerichtete Verschwörungsaffäre inszenieren lassen, die Berija nach Stalins Tod ebenso beendete wie die von dem Abakumow-Nachfolger Ignatjew auf Stalins Geheiß konstruierte Ärzte-Verschwörung. Im Bund mit Chruschtschow gelang Berija am 2. April 1953 die Entfernung des Malenkow-Günstlings Ignatjew aus dem zentralen Parteisekretariat (vgl. Sudoplatow, s. Anm. 4, S. 397, 403f., 406 und 414).

  6. Donald Filtzer („Die Chruschtschow-Ära“, Mainz 1995, S. 20 und 24) notiert, daß Berija „als der am stärksten Reformorientierte in der neuen Führung erschien“; auch Isaac Deutscher habe ihn „als den vorrangigen 'Entstalinisierer' gegen die alte Garde“ angesehen (Isaac Deutscher: The Beria Affair, in: Deutscher, Heretics und Renegades and Other Essays, London 1955, S. 173-190, sowie Isaac Deutscher: Marxism, Wars und Revolutions, London 1984). Auf der von Berija verfügten Massenfreilassung lag der Fluch des Zentralismus, insofern außer politischen Häftlingen und übermäßig bestraften Kleinkriminellen auch Hunderttausende Kriminelle freigelassen worden waren, die in den folgenden Wochen die Großstädte des Landes in einer Weise verunsicherten, daß es in Moskau zu Straßenkämpfen der Miliz mit kriminellen Banden kam (vgl. Sudoplatow, s. Anm. 4, S. 414, und: Viktor Knoll und Lothar Kölm [Hg.]: Der Fall Berija – Protokoll einer Abrechnung / Das Plenum des ZK der KPdSU Juli 1953, Stenographischer Bericht, Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin 1999, S. 36f., 263, 271).

  7. Knoll/Kölm, s. Anm. 6, S. 153.

  8. Siegfried Prokop hat ihre Auswirkungen anhand der Eingaben dargestellt, die der Staatspräsident Wilhelm Pieck in dieser Zeit erhielt, nachdem Ulbricht den SED-Beschluß vom Juli 1952 über den „Aufbau der Grundlagen des Sozialismus“ zum „beschleunigten sozialistischen Aufbau“ verschärft hatte. Prokop verweist in diesem Zusammenhang auf eine Äußerung des Schriftstellers Konstantin Simonow, der Stalin Ende 1952 vor einem ZK-Plenum hatte sprechen hören und den Eindruck gewonnen hatte, der Parteiführer rechne angesichts der von der neuen US-amerikanischen Regierung ausgerufenen Roll-back-Politik gegenüber der Sowjetunion (Anfang 1953 hatte Dwight D. Eisenhower das Präsidentenamt angetreten) „mit einer unmittelbar bevorstehenden militärischen Auseinandersetzung zwischen der USA und der UdSSR“. (Siegfried Prokop: Der 17. Juni 1953 / Geschichtsmythen und historischer Prozess, Berlin 2003, S. 14-27).

  9. Als Verbindungsmann zum Westen hatte Berija Iwan Maiski vorgesehen, den einstigen Vizeaußenminister und langjährigen sowjetischen Botschafter in England,der aber, unter Stalin der Teilanhme an einer zionistischen Verschwörung bezichtigt, erst aus dem Gefängnis geholt werden mußte, mit Schwierigkeiten insofern, als Maiski die ihm von einem Sicherheitsgeneral gemachte Mitteilung von Stalins Tod für eine Vernehmungsfinte hielt und Miene machte, alle möglichen fktiven Agententätigkeiten zu gestehen, nur um nicht wieder einer Geständnisfolter unterworfen zu werden (s. Sudoplatow, s. Anm. 4, S. 394f.).

  10. Sebastian Haffner: Winston Churchill, Hamburg 2002, S. 176.

  11. In seinen Erinnerungen wiederholt Sudoplatow die Vorstellung, „das Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik“ habe „ein autonomes Gebiet im neuen vereinigten Deutschland werden“ sollen; Berijas Ziel sei gewesen, „die deutschen Reparationszahlungen um zehn Jahre zu verlängern“, um „zehn Milliarden Dollar für den Wiederaufbau der Sowjetunion zu bekommen“ (a. a. O., S. 422 f.). „Autonomes Gebiet“ meinte wohl „besonderes Gebiet“ und mochte sich auf das intendierte Fortbestehen grundlegender Maßnahmen der Besatzungszeit in Realisierung des Potsdamer Abkommens wie der Bodenreform und der Verstaatlichung von Banken und Monopolen beziehen. Ob, ähnlich wie 1990, eine parlamentarisch demokratisierte DDR zusammen mit der Bundesrepublik Partnerin eines Friedensvertrags gewesen wäre oder schon der Zusammenschluß beider zu einem einheitlichen deutschen Staat, hätte sich nur im Verlauf des Friedensprozesses herausstellen können, der eine Rechnung mit vielen Unbekannten gewesen wäre.

  12. Der am 27. Mai in Paris unterzeichnete Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft erlegte der Bundesrepublik die Aufstellung einer Streitkraft von 407 000 Mann auf, die die zweitstärkste nach der französischen werden sollte (vgl. Hartwig Bögeholz: Wendepunkte – Die Chronik der Republik, Reinbek 1999, S. 146). Nach dem Scheitern der EVG 1954 im französischen Parlament trat für die Bundesrepublik die NATO anstelle der EVG.

  13. „Deutschland [gemeint ist: die westdeutsche Regierung] war erschrocken, Amerika befremdet und besorgt“, notiert Sebastian Haffner die Reaktion auf die Churchill-Rede (Haffner, s. Anm. 10, S. 176).

  14. „Die Neutralisierung Polens“, referierte Der Spiegel 1953 nach dem Bericht eines Grotewohl-Mitarbeiters, solle „die amerikanischen Einwendungen gegen einen deutschen Friedensvertrag entkräften, daß beim Abzug aller Besatzer aus Gesamtdeutschland die Sowjettruppen immer noch an der Oder stehen würden.“ (Der Spiegel, Heft 26/1953, S. 7)

  15. In seinem Nachwort zu den Semjonow-Memoiren spricht Juli Kwizinski von der erwarteten „ansehnlichen Gegenleistung“ für die Aufgabe der DDR. „Die DDR aufzugeben, hatte Berija bereits 1953 vorgeschlagen und Wladimir Semjonow mit entsprechenden Instruktionen nach Berlin gesandt“, schrieb Kwizinski, der 1989 sowjetischer Botschafter in Bonn und danach sowjetischer Vizeaußenminister war, 1993 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (25. März 1993, S. 12). Der nach Berijas Sturz verhaftete und Jahre später wieder freikommende MWD-General Sudoplatow berichtet in seinen Erinnerungen von der Vorstellung des Innenministers, „Deutschland solle als ausgleichender Faktor zwischen den amerikanischen und den sowjetischen Interessen in Westeuropa wirken“ (Sudoplatow, s. Anm. 4, S. 421). Berija sei der Meinung gewesen, „mit einem instabilen sozialistischen Deutschland, dessen Bestehen ständig von der Unterstützung der Sowjetunion abhinge, sei uns nicht gedient“ (ebd., S. 423); er habe anhaltende Reparationsleistungen von dem vereinigten Deutschland erwartet. Die Ausbeutung der DDR hatte mit der ihr im Gegenzug zum Generalvertrag auferlegten Militarisierung einen nicht mehr steigerbaren Grad erreicht.

  16. Berija hatte am 14. März 1953, neun Tage nach Stalins Tod, Chruschtschow als Chef des Parteisekretariats durchgesetzt, um Malenkows Machtfülle zu beschneiden. Das Machtzentrum in dem nach Stalins Tod von fünfundzwanzig auf zehn Vollmitglieder reduzierten Parteipräsidium bildeten zunächst Berija und Malenkow, dann, als es Berija gelungen war, das zunächst von Malenkow übernommene Amt des leitenden ZK-Sekretärs an Chruschtschow zu übertragen, die Troika Malenkow, Berija, Chruschtschow. In der Personalunion von Regierungs- und Parteichef war Georgi Malenkow (1901-1988) unmittelbar nach Stalins Tod in der Parteipresse als Nachfolger Stalins erschienen, an dessen Stelle er 1952 das Referat auf dem 19. Parteitag der KPdSU gehalten hatte. Daß Berija den Ukrainer Chruschtschow, den Stalin vor Gästen manchmal den Gopak, einen ukrainischen Nationaltanz, hatte vorführen lassen, politisch unterschätzte, kann man voraussetzen; vor allem unterschätzte er dessen Verbundenheit mit der Armee. Chruschtschow, der nach Dmytryshyn (in: The Modern Encyclopedia of Russian and Soviet History" Band 16, 1980, S. 194) als Stalins persönlicher Abgesandter an vier Fronten, zuletzt bei Stalingrad und an der Ersten Ukrainischen Front, tätig geworden war, war während des Krieges zum Generalleutnant ernannt und mit hohen miltärischen Orden ausgezeichnet worden. Berija hatte den Krieg als Geheimdienstchef vom Schreibtisch aus geführt, Chruschtschow hatte in ständigem Kontakt mit der kämpfenden Truppe gestanden. "Vom ersten Tag des Krieges an befand sich Chruschtschow in einer anderen Welt, weit weg vom verschlossenen Kremlkreis" (Edward Crankshaw, vgl. Fjodor Burlatzki: Chruschtschow / Ein politisches Porträt, Düsseldorf 1990, S. 105).

  17. Semjonow, s. Anm. 5, S. 291. Semjonows Darstellung weicht von Chruschtschows eigenen Erinnerungen ab, Gesprächsaufzeichnungen, die zu Lebzeiten ihres im Oktober 1964 entmachteten Autors im westlichen Ausland erschienen. Sie erwecken den Anschein, als habe sich Ende Mai 1953 infolge mehrheitlichen Einspruchs die deutschlandpolitische Linie Berijas und Malenkows, die darauf gezielt habe, „den unter Stalin gefaßten Beschluß über den Aufbau des Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik außer Kraft zu setzen“, im Parteipräsidium nicht durchsetzen können; es sei zu keiner Abstimmung gekommen und das Diskussionsergebnis sei auf Betreiben Berijas nicht ins Protokoll aufgenommen worden (s. „Berija“, ed. Vladimir F. Nekrassow, edition q Berlin 1992, S. 323). Offenbar war es Berija und Malenkow gelungen, diesen Beschluß anderntags – am 28. Mai – im Parteipräsidium auszuhebeln, nun mit scheinbarer Zustimmung Chruschtschows und Molotows.

  18. Knoll/Kölm, s. Anm. 6, S. 79.

  19. Berija, der ein neutrales, vereinigtes Deutschland anstrebte“, so Sudoplatow, „war der Meinung, mit einem instabilen sozialistischen Deutschland [gemeint ist die DDR], dessen Bestehen ständig von der Untersützung der Sowjetunion abhinge, sei uns nicht gedient.“ (Sudoplatow, s. Anm. 4, S. 423).

  20. In: Peter Przybylski: Tatort Politbüro / Die Akte Honecker, Berlin 1991, S. 242 und 246.

  21. Gerhard Wettig hat den Versuch gemacht, die Existenz dieser Politik, also auch den Konflikt um sie in der sowjetischen Führung, abzustreiten; während er die Eigenständigkeit der deutschlandpolitischen Auffassungen Berijas gegenüber denen von Molotow und Chruschtschow teils leugnet, teils herunterspielt, belegen die von ihm angezogenen Zitate diese Differenz sehr genau. „...die Gespräche, die auf der Sitzung des Präsidium des Ministerrates stattfanden – was ist denn dort für ein sozialistisches Deutschland, mag es doch bürgerlich, aber friedlich sein – das war es, weswegen man (Alarm) schlagen mußte“, zitiert Wettig Molotows Moskauer ZK-Rede vom 2. Juli 1953 aus dem unredigierten Protokollstenogramm (Deutschland-Archiv, Heft 4/2003, S. 606); das redigierte Protokoll sagt dem Sinne nach dasselbe (Knoll/Kölm, s. Anm. 6, S. 78). Auch eine von Wettig (a. a. O., S. 607) angezogene spätere Erinnerung Molotows an die Auseinandersetzungen Ende Mai 1953 bestätigt die Kluft der Konzepte: „Und das hatten wir in unserem Entwurf des Außenministeriums geschrieben: ‚Keine forcierte Politik des Aufbaus des Sozialismus in der DDR betreiben.’ Aber Berija schlug vor, das Wort ‚forcierte’ herauszunehmen ... damit ergab sich: ‚die Politik des Aufbaus des Sozialismus in der DDR nicht betreiben’. ‚Warum so?’ Und er antwortet: ‚Weil wir nur ein friedliches Deutschland brauchen, aber ob es dort den Sozialismus geben wird oder nicht, ist uns egal.’“ Berija, so Molotow in dieser einem Gesprächspartner vorgetragenen und 1991 veröffentlichten Erinnerung (a. a. O., S. 607, Anm. 40), habe dann eingelenkt, was sich nach Semjonows Erinnerungen, die Wettig vollständig übergeht, als irrig erweist; es waren die Widersacher der Berijaschen Linie, die zum Schein einlenkten. Im Blick auf die Position Malenkows versucht Wettig (a. a. O., S. 610f.), das von Berijas Entspannungspolitik intendierte bürgerlich-demokratische Gesamtdeutschland als Übertragung der DDR-Ordnung auf ganz Deutschland zu interpretieren; nebst vielem andern übersieht er, daß weder die SED noch die sowjetische Führung die in der DDR 1949 etablierte Staatsform vor dem Sozialismus-Kurs von 1952 als bürgerlich-demokratisch bezeichnet oder begriffen haben. Sie firmierte als „antifaschistisch-demokratische Ordnung“, womit die blockpolitische Führungsrolle der SED gegenüber den bürgerlichen Parteien im Sinn der „volksdemokratischen Grundlagen der Staatsmacht“ (W. Ulbricht) gemeint war. Zwischen „demokratisch“ im Sinn einer von der proletarischen Avantgarde vollzogenen Volksherrschaft und „bürgerlich-demokratisch“ klaffte eine niemals übergangene Fundamentaldifferenz.

  22. Ob Berija auf dem Weg eines Staats- bzw. Parteistreichs, also eines Putsches, eine Totalvollmacht anstrebte, wie ihm Chruschtschow auf der Juli-Tagung des Zentralkomitees unterstellte, ist mehr als zweifelhaft. Chruschtschow wiederholt den offenbar fiktiven Vorwurf in seiner Memoiren-Abrechnung mit Berija nicht; er stellt ein aufwendiges Datschen-Projekt zugunsten der engeren Führung in den Vordergrund, das vor allem seine Frau empört habe (Nekrassow, s. Anm. 17, S. 323-329; vgl. auch Sudoplatow, s. Anm. 4, S. 433). Über die Rolle, die Berija nach dem Ende der massenmörderischen Herrschaft des NKWD-Kommissars Jeschow, der sog. Jeschowschtschina, als technokratischer Reorganisator des NKWD spielte, hat sich der anonyme Autor eines im Spiegel am 15. Juli 1953 (Heft 29, S. 25) veröffentlichten politischen Nachrufs präziser geäußert als viele spätere Kommentatoren (s. auch Karl Schlögel: Traum und Terror – Moskau 1937, München 2008).

  23. Nach der Ulbricht gewährten Übergangsfrist, auf die sich Semjonows Zwei-Wochen-Satz gegenüber Herrnstadt offenbar bezog, hätte eine neue Regierung, zu deren Berufung Semjonow zwischen dem 10. und dem 26. Juni 1953 scheinbare Anstalten traf, in der DDR Parlamentswahlen ausgeschrieben, aus denen die bürgerlichen Parteien aller Voraussicht nach als Sieger hervorgegangen wären; die deutsche Vereinigung wäre damit in Perspektive gerückt. In dem Moskauer ZK-Beschluß vom 7. Juli 1953 lautete die gegen Berija gerichtete Anklage, dieser habe die „Umwandlung der DDR in einen bürgerlichen Staat“ betrieben, „was einer direkten Kapitulation vor den imperialistischen Kräften gleichgekommen wäre“ (Knoll/Kölm, s. Anm. 6, S. 336). Daß Semjonow sich nur den Anschein gab, Zurüstungen zur Bildung einer neuen Regierung mit starker bürgerlicher Beteiligung zu treffen, ergibt sich auch aus der Person eines seiner Gesprächspartner, Prof. Hermann Kastners, des früheren Vorsitzenden der LDP, der zu dieser Zeit (er amtierte als Vorsitzender eines „Förderungsausschusses für die Intelligenz beim Vorsitzenden des Ministerrats“) politisch bedeutungslos war. Kastner war im Juli 1950 durch den Führungsausschuß seiner Partei wegen politischer Doppelzüngigkeit und „allzu anrüchiger Korruptionsgeschichten“ [Der Spiegel, 15. 7. 1953, S. 5] als Co-Vorsitzender der LDP und Stellvertreter des Ministerpräsidenten abgesetzt worden und hatte sich 1952 an seinem Mit-Vorsitzenden Hamann gerächt, indem er ihn als Mittelsmann des britischen Geheimdienstes denunzierte. Kastner, über dessen Beziehung zur Organisation Gehlen deren Leiter in seinen Erinnerungen berichtet hat (vgl. Reinhard Gehlen: Der Dienst, Mainz/Wiesbaden 1971, S. 203), hat dem Spiegel, vermutlich durch einen Mittelsmann, drei Wochen nach dem Abbruch der Gespräche detaillierten Bericht von seinen Unterredungen mit dem Hochkommissar gegeben (Der Spiegel, Nr. 29/1953, S. 5f.). Semjonows anderer Gesprächspartner, der CDU-Vorsitzende Otto Nuschke, war, anders als Kastner, eine für eine neugebildete DDR-Regierung ernsthaft in Frage kommende Führungsperson.

  24. Vgl. Torsten Diedrich: Der 17. Juni in der DDR, Berlin 1991, S. 46.

  25. Przybylski (s. Anm. 20), S. 240-248 [Anhang].

  26. In den letzten Mai- und ersten Junitagen häuften sich die Arbeitsniederlegungen und Kurzstreiks in den verschiedensten Werken der DDR.“ (Diedrich, s. Anm. 20, S. 47; genannt werden das EAW Berlin-Treptow und Betriebe in Roßwein, Böhlitz-Ehrenberg, Gotha, Nordhausen, Karl-Marx-Stadt „und andere Orte“.)

  27. Vgl. Der Spiegel, Heft 24/2003, S. 41. Nach Volker Koop („Der 17. Juni 1953“, Berlin 2003) streikten in zwei Finsterwalder Großbetrieben am 28. Mai insgesamt viertausend Arbeiter.

  28. Die Fahrt des VEB Industriebau ging nach Rübezahl am Müggelsee. (S. Andreas Förster und Frank Herold: „Wir wurden kalt erwischt“, Berliner Zeitung vom 14. /15. Juni 2003. Vgl. auch Diedrich, s. Anm. 24, S. 58.)

  29. Die Moskauer Parteiführung hatte sich über ein Parteidokument, das die umfassende Würdigung dieses Festtags regelte, besonders bestürzt gezeigt; Ulbricht selbst hatte es verfaßt (Herrnstadt, s. Anm. 3, S. 60 f.).

  30. Merkwürdigerweise fehlt in Herrnstadts erhaltenen Aufzeichnungen ein Hinweis auf die Bedeutung der Normenfrage. Sein Text verweist, was den Verlauf der Sachdiskussion in der Politbüro-Sitzung vom 9. Juni betrifft, auf die Mitschrift, die er Hermann Matern als Leiter der gegen ihn gerichteten Parteiuntersuchung habe abliefern müssen (ebd., S. 64f.), und auf die Notizen des Hochkommissars Semjonow, „der während der ganzen vielstündigen Sitzung mitschrieb und erst am Ende einige Worte sagte“ (ebd., S. 63). Die deutsche Geschichtswissenschaft hat in die umfangreiche persönliche Hinterlassenschaft Semjonows, auf deren historische Ergiebigkeit auch Juli Kwizinski hingewiesen hat, bisher offenbar keinen Einblick genommen.

  31. Eine Bauarbeiter-Delegation von der Stalinallee hatte am 15. Juni mit einem Normerhöhungsprotest bei dem Ministerpräsidenten Grotewohl vorzusprechen versucht; die Berliner SED-Bezirksleitung, bei der dieser sich nach der Lage innerhalb der Arbeiterschaft erkundigte, hatte Grotewohl beruhigt. Die Arbeiter hatten eine Antwort auf ihren Protest bis zum Mittag des 16. Juni gefordert; stattdessen lasen sie in der "Tribüne" die Bekräftigung der Normerhöhung (vgl. Markus Jodl: Otto Grotewohl, Berlin 1997, S. 228). So Siegfried Prokop (s. Anm. 8, S. 32); anders Ilko-Sascha Kowalczuk („17. Juni 1953 / Geschichte eines Aufstands“, Bonn 2013, S. 40), der meint, die „östlichen Rundfunksender“ hätten diese Nachricht verbreitet, aber das habe „zu diesem Zeitpunkt kaum noch jemanden“ interessiert. Es war der Hauptpunkt der Streikbewegung.

  32. Prokop, s. Anm. 8, S. 31.

  33. Egon Bahr beschreibt sie als „eine Abordnung der Streikenden mit dem Wunsch, der Rias solle zum Aufstand in der Zone aufrufen“ (Egon Bahr: Zu meiner Zeit, München 1996, S. 78). Kowalczuk (s. Anm. 32, S. 42) schreibt von „zwei Männern und einer Frau, die sich selbstständig und ohne Mandat auf den Weg in das Funkhaus gemacht hatten“.

  34. Egon Bahr beschreibt sie als „eine Abordnung der Streikenden mit dem Wunsch, der Rias solle zum Aufstand in der Zone aufrufen“ (Egon Bahr: Zu meiner Zeit, München 1996, S. 78). Kowalczuk (s. Anm. 32, S. 42) schreibt von „zwei Männern und einer Frau, die sich selbstständig und ohne Mandat auf den Weg in das Funkhaus gemacht hatten“.

  35. Bahr, s. Anm. 34, S. 80. Der Programmdirektor des Rias, Eberhard Schütz, sprach in einem Kommentar, den der Sender am Abend ausstrahlte, von einer „Delegation der Bauarbeiter der Stalin-Allee und der Ostberliner Demonstranten, die uns heute nachmittag aufsuchte mit dem Wunsch, ihre Forderungen überall in der Zone zu verbreiten“. Es könne nicht überraschen, wenn sie „sich nicht begnügen möchte mit dem Sieg, der heute errungen wurde“, womit die Zurücknahme der Normerhöhungen gemeint war. Die Delegation wolle mehr, fuhr Schütz fort, sie wolle „die werktägige Bevölkerung Ostberlins ... zu einer Arbeitsniederlegung“ aufrufen, die „nicht beendet werden solle, bevor nicht die politischen Voraussetzungen geändert worden seien. „Wir wollen es einfacher sagen“, lautete Schütz’ Resümee: „Was die Bevölkerung Ostberlins und der Sowjetzone heute will und was sie durch die ihr gegebenen Kampfmittel als erreichbar ansieht, ist nicht mehr und nicht weniger als das Ende der totalitären Herrschaft der deutschen Satelliten des Kremls.“ (Diedrich, s. Anm. 24, S. 224)

  36. Kowalczuk, s. Anm. 32, S. 42f.

  37. Diedrich, s. Anm. 24, S. 65. Vgl. Stern, Heft 24/2003, S. 84.

  38. Es gab mehrere dieser Geheimdienste, die unabhängig voneinander arbeiteten, darunter auch den der sowjetischen Armee. Die Eröffnung der noch immer verschlossenen sowjetischen Geheimdienstakten könnte hier Aufschlüsse geben. Aufschlußreich ist der auf dem Moskauer ZK-Plenum vom Juli 1953 gegebene Hinweis des Berija-Nachfolgers Kruglow, daß Berija Anfang Juni 1953 „einen Abbau des Apparates des MWD-Bevollmächtigten in der DDR um das Siebenfache“ (gemeint ist: auf ein Siebentel) angeordnet habe; es sei „beschlossen worden, den Instrukteurapparat in Deutschland aufzulösen und ihm lediglich beratende Funktionen zu belassen“ (Knoll/Kölm 1999, S. 191). MWD war die Abkürzung für das im März 1953 mit dem Staatssicherheitsministerium (MGB) vereinigte Gesamt-Innenministerium. Offenbar befand sich dieser Apparat im Vorgriff auf die intendierte Wiedervereinigung mitten in einer durchgreifenden Umorganisation. Daß der von Berija unabhängige Sicherheitsapparat der Armee (GRU) die Unruhen bis zum Eingreifen der Panzer aktiv befördert habe, ist nach der Interessenlage der Generäle wahrscheinlich. Semjonow (ib. S. 298) schreibt, daß zwei seiner Mitarbeiter, die hervorragend Deutsch sprachen und ihn „über verdeckte Kanäle“ informierten, in den Buna- bzw. Leuna-Werken „zum Schein selbst an Streiks“ teilgenommen hätten; es waren schwerlich Mitarbeiter von Berijas MWD.

  39. Semjonow, s. Anm. 5, S. 298.

  40. MWD, das Innenministerium der UdSSR, dem Berija den Geheimdienst wieder unterstellt hatte.

  41. Sudoplatow (s. Anm. 4, S. 422) schreibt von „General Wollweber“, den er als „Minister für Staatssicherheit der DDR“ bezeichnet; er meint offenbar Zaisser, zu dessen Nachfolger Wollweber erst im Juli 1953 berufen wurde.

  42. Semjonow, s. Anm. 5, S. 296.

  43. Die Analytiker“, schreibt Der Spiegel (Heft 24/2003, S. 48), seien sich „weitgehend einig, daß die Sowjetunion für ihre Verhältnisse moderat vorgeht. Die meisten Opfer werden von Querschlägern getötet.“

  44. Vgl. Diedrich, s. Anm. 24, S. 293-296, und Volker Koop, s. Anm. 27, S. 311, 343-346.

  45. Als eine Mischung „aus Volksfest und Saalschlacht, eine Entladung ohne erkennbares Ziel“ beschreibt Klaus-Peter Hertzsch, damals ein zweiundzwanzigjähriger Theologiestudent, die Ereignisse in Jena: „... eine Planung und Konzeption des Ganzen gab es augenscheinlich nicht.“ (Klaus-Peter Hertzsch: Sag meinen Kindern, daß sie weiterziehn / Erinnerungen, Stuttgart 2002, S. 79f.)

  46. Siegfried Prokop, s. Anm. 8, S. 30.

  47. Die Prawda schrieb von „Agenten der Westmächte“, die versucht hätten, „in Berlin einen faschistischen Aufruhr zu entfachen“ (Neues Deutschland, 24. 6. 1953).

  48. Sergej Goglidse war seit 1952 stellvertretender Minister für Staatssicherheit und zugleich Leiter der Dritten Hauptabteilung dieses Ministeriums. Bogdan Kobulow hatte 1950-53 als MWD-Resident in Berlin-Karlshorst fungiert und war im März 1953 von Berija zu seinem Ersten Stellvertreter berufen worden; der Innenminister hatte also in jenen Monaten einen genauen Kenner der DDR-Verhältnisse an seiner Seite. Bogdans Bruder Amajak Kobulow, der 1939-1941 an der sowjetischen Botschaft in Berlin tätig gewesen war und 1951-1953 an der Spitze des GULAG gestanden hatte, war laut Pawel Sudoplatow im März 1953 als Nachfolger seines Bruders zum Berliner MWD-Residenten berufen worden. Sergej Goglidse und Bogdan Kobulow wurden nach dem Berija-Prozeß Ende 1953 hingerichtet, Amajak Kobulow im folgenden Jahr. (Vgl. Andrej Sudoplatow: Tajnaja shisn generala Sudoplatowa, Moskwa 1998, S. 486 und 504 [biographisches Register]).

  49. Semjonow, s. Anm. 5, S. 298.

  50. Vgl. Nekrassow (s. Anm. 17) und die dort wiedergegebenen Darstellungen von Chruschtschow (S. 335-339), Shukow (S. 342ff.), Moskalenko (S. 345-351), Skorochodow (S. 352-355); ferner Sudoplatow (s. Anm. 4), S. 427 und 431.

  51. Semjonow, s. Anm. 5, S. 299.

  52. Sudoplatow, s. Anm. 5, S. 425.

  53. Herrnstadt, s. Anm. 3, S. 126-130.

  54. Der zwei Jahre später zum Marschall ernannte General Moskalenko hat Berijas Festnahme am Mittag des 26. Juni, seine Bewachung in Malenkows Dienstzimmer und – nach der Ablösung der Kreml-Wache des MWD durch Moskalenkos Stabsoffiziere – seine nächtliche Verbringung in die Arrestanstalt des Moskauer Militärbezirks eingehend beschrieben (Nekrassow, s. Anm. 17, S. 345-351). Der erst am Vormittag des 26. Juni durch den Verteidigungsminister Bulganin herbeigezogene Marschall Shukow hat das seinerseits mit einer nicht unerheblichen Abweichung getan: „Wir verstauten ihn [Berija] auf dem Rücksitz eines SIS [das war eine Großlimousine] und deckten ihn mit einem Teppich zu.“ (Ebd., S. 342 ff.) Es kann auch der tote Berija gewesen sein, der dergestalt in tiefer Nacht (22 Uhr erinnert sich Shukow, 24 Uhr schreibt Moskalenko, also etwa zehn Stunden nach der Festnahme) an der äußeren Kreml-Wache vorbeigeschleust und in das Militärgefängnis verbracht wurde, in dem Berija laut Shukow „während der Ermittlungen und des Prozesses“ verblieben sei. Nach Moskalenko wurde Berija jedoch anderntags in die für den Kriegsfall eingerichtete unterirdische Kommandozentrale des Moskauer Militärbezirks verbracht, zu dessen Befehlshaber Moskalenko noch am 26. Juni ernannt worden war; der Gardeoberst Skorochodow beschreibt die aufwendige Bewachung des Ortes (Ebd., S. 356). Falls Berija, der sich womöglich gewehrt und die Kreml-Wache zu Hilfe gerufen hatte, den 26. Juni nicht überlebte, hätte Moskalenko, der militärische Hauptakteur von dessen Festnahme, ebenso wie Shukow allen Grund gehabt, das anhaltend zu verschweigen. Daß Berija bereits im Kreml nach seiner Festnahme im Lauf der Sitzung erschossen wurde, legt Alexander Jakowlews Erinnerung an ein Gespräch mit Bulganin Ende der sechziger Jahre nahe: „Er [Bulganin] fing an, von sich selbst zu erzählen, unter anderem über Einzelheiten der Verhaftung Berijas, dann bei dessen Exekution, über die Generäle Moskalenko und Batizki. ... Er erinnerte sich an ein Detail. Als der Augenblick der Erschießung gekommen war und Berija das begriffen hatte, schrie dieser erschreckt auf: ‚Ihr könnt das nicht tun, ihr könnt es nicht!’ Bulganin erzählte über Berijas Erschießung erregt, wie von einer heroischen Episode.“ (Alexander Jakowlew: Die Abgründe meines Jahrhunderts, Leipzig 2003, S. 332) Daß die Gnadengesuche, die Berija aus der Haft an Chruschtschow und andere geschrieben haben soll, gefälscht sein können, liegt zutage. Daß Marschall Konew, ein berühmter Heerführer und absoluter Nichtjurist, der Vorsitzende des Gerichts war, das im Dezember 1953 das Toderurteil verhängte, macht den Charakter der Vorgänge einmal mehr deutlich: es ging um die Entmachtung des Sicherheitsapparats durch die Armee. So formuliert der ZK-Beschluß vom 7. Juli 1953 (Knöll/Kolm 1999, S. 333) unter Punkt 6, um sich an späterer Stelle desselben Abschnitts durch das Wort faktisch zu relativieren: „Das Plenum ... betrachtet es als erwiesen, daß Berija ... zu einem bürgerlichen Renegaten und faktisch zu einem Agenten des internationalen Imperialismus geworden“ sei (ebd., S. 336).

  55. Knoll/Kölm, s. Anm. 6, S. 66. „Wir kennen den Preis von Verträgen“ – der Satz zielt auf den von Hitler verräterisch gebrochenen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939.

  56. S. Georg Paloczi-Horvath: Chruschtschow, Frankfurt am Main 1960, S. 187f.

  57. Knoll/Kölm, s. Anm. 6, S. 78 ff.

  58. Ebd., S. 296 f.

  59. Semjonow, s. Anm. 5, S. 298.

  60. Ebd., S. 300.

  61. S. Przybylski, s. Anm. 20, S. 280-288. Vgl. Friedrich Dieckmann: Konspiration mit der Vormacht / Aus den Geheimpapieren des Politbüros, in: Vom Einbringen / Vaterländische Beiträge, es 1713, Frankfurt am Main 1992, S. 131-134.

  62. Herrnstadt. S. Anm. 3, S. 147.

  63. Ihre schwerwiegende Dezimierung durch einen offenbar von Angehörigen eines arabischstämmigen Berliner Clans verübten Juwelenraub im Jahre 2019 war Schock und Blamage auch im Licht dieses historischen Rückgabeaktes.

  64. Vgl. Friedrich Dieckmann: Barrikaden für die Grundrechte, in: F. D.: Was ist deutsch? / Eine Nationalerkundung, Frankfurt am Main 2003, S. 37-50.

  65. Zu den dort auf einer Massenkundgebung telegraphisch erhobenen Forderungen „an die sogenannte Deutsche Demokratische Regierung in Berlin-Pankow“ zählte deren „sofortiger Rücktritt“, „Bildung einer provisorischen Regierung aus den fortschrittlichen Werktätigen“, „Zulassung sämtlicher großer demokratischer Parteien Westdeutschlands“, „freie und geheime direkte Wahlen spätestens in vier Wochen“ und die „sofortige Abschaffung der Zonengrenzen und Zurückziehung der Volkspolizei“ (Diedrich, s. Anm. 24, S. 227 f.)

  66. George F. Kennan: Memoiren eines Diplomaten, Stuttgart 1968, S. 317 f.

  67. Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine erweiterte Fassung von „Olymp im Nebel / Hintergründe des 17. Juni 1953“, in: Friedrich Dieckmann, Deutsche Daten oder Der lange Weg zum Frieden, Wallstein Verlag Göttingen 2009, S. 69-101. Erstdruck: Lettre International, Heft 62.

Weitere Inhalte

Der Essayist Friedrich Dieckmann (Jg. 1937) wuchs in Dresden und Birkenwerder auf. Er studierte in Leipzig Germanistik, Philosophie und Physik. Seit 1963 ist er als Schriftsteller tätig, zeitweise war er auch Dramaturg am Berliner Ensemble. Seit 2004 ist er Ehrendoktor der Berliner Humboldt-Universität. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Essays, Kritiken und Buchveröffentlichungen. Der Text ist mit freundlicher Genehmigung des Autors dem Band entnommen "Friedrich Dieckmann: Deutsche Daten oder Der lange Weg zum Frieden. 1945 - 1949 - 1953 - 1961 - 1989, erstmals erschienen im Wallstein Verlag, Göttingen 2009, unter dem Titel "Olymp im Nebel" und seitem mehrfach erweitert.