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Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Drei Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Frauen in der Bürgerbewegung der DDR und während der Friedlichen Revolution Die Wege zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass „DDR-Übersiedler in Afrika hochwillkommen” Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. 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Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl

Karin Hartewig

/ 23 Minuten zu lesen

Am 18. März 1990 - vor 30 Jahren - wurde das erste und letzte Mal die Volkskammer der DDR demokratisch gewählt. Der Beitrag setzt sich damit auseinander, wie das Land sich nur wenige Monate nach dem Mauerfall auf die Wahl vorbereitete. Parteien wurden neu gegründet, andere wandelten sich. Und zum ersten Mal wurden Wahlwerbespots in DDR-Fernsehen gezeigt. Was vermittelten sie? Ein Überblick.

Volkskammerwahl 1990: Die Stimmauszählung fand wie überall im Wahllokal Berlin Mitte öffentlich statt. An dem historischen Akt nahmen auch zwei Vertreter des Europäischen Parlaments teil. (© Bundesarchiv, Bild 183-1990-0318-038)

Die Lage im Winter 1989/90

Die DDR befindet sich in Auflösung. Seit drei Monaten stehen Mauer und Grenze zum Westen offen. Tag für Tag verlassen gut 2 000 Menschen das Land. Die Mehrheit der Ostdeutschen will die schnelle Einheit. Auf den Montagsdemonstrationen in Leipzig machen ab Dezember 1989 neue Parolen die Runde: „Wir sind ein Volk!“, „Deutschland einig Vaterland“ und „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht gehen wir zu ihr!“ Anders die Bürgerbewegung. Sie fordert eine nachhaltige Demokratisierung des Landes in den Farben der DDR. Der Impuls der Reformkräfte lautet „Wir bleiben hier“ und „Bleibe im Lande und ändere es täglich!“

Die „führende Partei“ SED vor dem Offenbarungseid

Die Öffnung der Mauer sollte aus Sicht der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) politischen Druck ablassen. Doch sie hat Partei und Staat in eine Existenzkrise gestürzt. Zwar kann eine neue DDR-Regierung unter dem als Reformer bekannten Hans Modrow Mitte November 1989 die Macht zunächst sichern. Und die Partei wählt mit Gregor Gysi im Dezember 1989 einen neuen Parteivorsitzenden, der den „Apparatschik“ Egon Krenz ablöst. Die Selbstauflösung der SED und eine Neugründung der Partei werden aber abgelehnt, nicht zuletzt, um das Parteivermögen zu erhalten. Stattdessen gibt man sich einen neuen Namen: SED-PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus). Anfang Februar 1990 tilgt die Nachfolgerin die Tradition und nennt sich fortan nur noch PDS.

Doch der Zerfall der Partei ist nicht aufzuhalten. Die Zahl der Mitglieder sinkt zuletzt dramatisch. Hatte die SED im Oktober 1989 noch 2,3 Millionen Mitglieder, verliert sie im November knapp ein Prozent ihrer Mitgliedschaft. Bis zum Jahresende treten 500 000 Genossen aus der Partei aus. Ein Ende der Austrittswelle ist nicht abzusehen, im Gegenteil: Im Februar 1990 ist die PDS auf ein Drittel ihrer Mitgliederstärke vom Oktober 1989 abgeschmolzen. Bis zum Sommer 1990 beträgt der Mitgliederschwund 83 Prozent, sechs Monate später 88 Prozent. Ein Jahr später wird die PDS noch 170 000 Mitglieder haben.

Die Regierung Modrow verwaltet ein ökonomisch bankrottes Land. Die Produktivität der ostdeutschen Betriebe ist seit 1980 um 50 Prozent gesunken. Geheime Analysen geben der Parteiführung ungeschminkt Aufschluss über die Lage. Nur eine Senkung des Lebensstandards um 30 Prozent könnte 1990 eine weitere Verschuldung stoppen. Damit wäre die DDR unregierbar. Dass die DDR pleite ist, dringt im Herbst 1989 aber noch nicht an die Öffentlichkeit, weder im Osten noch im Westen. Der Bankrott sollte erst im Lauf des Jahres 1990 offenbar werden.
Der Volkszorn richtet sich gegen den Luxus und Machtmissbrauch der „SED-Bonzen“, die nördlich von Berlin abgeschirmt von der Öffentlichkeit in der Waldsiedlung Wandlitz wohnen. Vor allem aber wandte sich die Wut gegen den Unterdrückungsapparat der Staatssicherheit. Am 15. Januar 1990 kommt es zum Sturm auf die Berliner Stasizentrale. Modrow kündigt die Auflösung der Geheimpolizei an. Auch seine Pläne platzen, stattdessen einen neuen Nachrichtendienst und einen Verfassungsschutz zu formen, ganz wie es sich für einen souveränen Staat gehört – aber mit dem Personal von gestern. Das war für viele ein Skandal.

Um die DDR zu retten, tritt Modrow im Februar die Flucht nach vorn an. Er formt eine Superkoalition. Neben den Vertretern der alten Blockparteien beruft er acht Oppositionelle in seine „Regierung der nationalen Verantwortung“. Sie bleiben aber Minister ohne Geschäftsbereich. Bonn schlägt er eine mehrjährige Vertragsgemeinschaft und Konföderation vor. Und er versucht, aus dem Westen eine Finanzspritze von 15 Milliarden D-Mark zu erhalten. Die Bundesregierung lehnt ab. Stattdessen bietet sie eine Währungsunion der beiden deutschen Staaten an. Und sie zieht es vor, das Ergebnis der Neuwahl der Volkskammer abzuwarten, um mit einer demokratisch legitimierten Regierung in Verhandlungen zu treten.
Ende Januar 1990 hatte der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) Michail Gorbatschow seine Haltung in der deutschen Frage revidiert und gegenüber Modrow erklärt, die Vereinigung der Deutschen werde von ihm nicht in Zweifel gezogen. Knapp zwei Wochen später gibt Gorbatschow im Gespräch mit Bundeskanzler Helmut Kohl den Weg für das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen frei.

Der Runde Tisch

Eine Versammlung im Januar 1990 am Zentralen Runden Tisch im Konferenzgebäude des Ministerrates der DDR am Schloss Niederschönhausen (heute Schönhausen) in Berlin-Pankow. (© picture-alliance/dpa, picture-alliance/dpa-Zentralbild)

Initiiert durch die Opposition und die Regierung Modrow ist Ende November 1989 ein Zentraler Runder Tisch einberufen worden, um eine Eskalation der Lage zu verhindern. Er ist nicht durch Wahlen legitimiert. Erstmals tagt er am 7. Dezember 1989, seine letzte Sitzung findet am 12. März 1990 statt. Er ist stets paritätisch besetzt mit Vertreter/innen der Bürgerbewegung sowie „alten“ und „neuen“ Parteien und Gruppierungen. Seine Mitglieder verstehen sich als politische Akteur/innen auf Zeit – bis der Weg zu demokratischen Wahlen in der DDR frei ist. Tatsächlich wird der Runde Tisch zu einer Art Vorparlament. Er will ein Organ der öffentlichen Kontrolle sein. Am Runden Tisch verpflichtet die Opposition die Regierung Modrow zur politischen Rechenschaft – ein für die DDR unerhörter Vorgang! Der Runde Tisch setzt die Auflösung der Staatssicherheit durch. Und er erarbeitet parteiübergreifend eine neue Verfassung der DDR. Zugleich gelingt es Modrow, die Vertreter der Opposition am Runden Tisch in die Regierung einzubinden.

Politik als Gründung von Freiräumen

Der Bürgerbewegung und neuen Opposition geht es um das Ende der SED-Alleinherrschaft, um die Abschaffung der Staatssicherheit, eine neue Verfassung, um Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit. Ihre Vordenker/innen und Protagonist/innen, die häufig aus dem protestantischen Milieu stammen, teilen bei schärfster Kritik an der SED die Hoffnung auf die Reformierbarkeit des Sozialismus. Ihre Sympathie für alternative Lebensformen ist unverkennbar. Vom Zustand der DDR-Ökonomie ist eher wenig die Rede. Den Generalstreik lehnen die Bürgerrechtler/innen ab, ebenso wie eine handstreichartige Machtübernahme. Sie üben sich in Abgrenzung zur Diktatur und in Selbstbeschränkung: „Keine politische Macht ohne demokratische Legitimation“ lautete die Devise, als im Winter 1990 die Macht gewissermaßen auf der Straße liegt. Die „Deutsche Einheit“ wird zum Reizthema. Viele Bürgerrechtler/innen fürchten den Ausverkauf der DDR. Für sie ist allenfalls eine künftige Föderation der beiden deutschen Staaten in einem europäischen Rahmen vorstellbar und nur „auf gleicher Augenhöhe“ wünschenswert.

Die westdeutschen Parteien

Erstaunlich spät gibt die SPD den langjährigen Dialog mit der SED und damit ihre „Politik der kleinen Schritte“ auf. Erst im Dezember 1989, als der DDR-Opposition keine Repressalien mehr drohen, setzt sie ganz auf die neu gegründete ostdeutsche Sozialdemokratische Partei (SDP). In der Frage der deutschen Einheit gerät sie in endlose Debatten und hinterlässt bei DDR-Bürger/innen einen zwiespältigen Eindruck. Für Irritationen sorgt vor allem Oskar Lafontaine. Der Kanzlerkandidat der SPD schlägt die Einführung von Zuzugsbeschränkungen für Übersiedler/innen vor. Anders als der SPD-Ehrenvorsitzende Willy Brandt kann Lafontaine im Osten nicht überzeugen.

Helmut Kohl dagegen wird bereits im Dezember 1989 in Dresden als „Kanzler der Einheit“ gefeiert. Vor 1989 pflegte die CDU nur spärliche Beziehungen zur SED oder zu den Blockparteien. Auch Kontakte zur kirchlich geprägten Opposition sind selten. Seit jeher beharrt die Union auf dem unvereinbaren Systemgegensatz zu den Kommunisten. Das hindert sie nicht an einer nüchternen Interessenpolitik. Erst als im Februar 1990 mit der „Allianz für Deutschland“ ein Wahlbündnis zwischen der CDU-Ost und den neuen oppositionellen Kräften Demokratischer Aufbruch (DA) und Deutsche Soziale Union (DSU) zustande kommt, hat die westdeutsche CDU ihren Partner gefunden.

Auf unbekanntem Terrain

Allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim: die Neuwahl der Volkskammer

Um dem drohenden Bankrott der DDR und dem wachsenden Druck der Straße zu begegnen, beschließt die „Regierung der nationalen Verantwortung“ unter Hans Modrow (SED-PDS) Ende Januar 1990 vorgezogene Neuwahlen zur Volkskammer der DDR für den 18. März. Es werden die ersten und letzten freien und demokratischen Wahlen in der DDR sein. Nur Monate später, am 3. Oktober 1990, wird es das Land nicht mehr geben.

Rückblende:
Wahlen waren in der DDR bis 1990 eine zentral gelenkte, gleichgeschaltete Angelegenheit. Glückliche Menschen lächelten von Wahlplakaten und priesen die weise Politik der Regierung. In sogenannten Volksaussprachen verlasen die Kandidaten vorbereitete Erklärungen. Fragen mussten vorher schriftlich vorgelegt werden. Wie zuletzt noch bei den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 waren die DDR-Bürger/innen nur dazu aufgerufen, die von der SED aufgestellte Einheitsliste der Kandidaten zu bestätigen. Nicht Parteien oder Kandidaten, sondern die Wahlkreise konkurrierten um die höchste Zustimmungsrate. 99 Prozent sollten es am liebsten sein. Vor den Wahllokalen sangen Junge Pioniere ein Ständchen. Das Wahlvolk hatte nichts weiter zu tun, als zahlreich zu erscheinen und den Wahlschein säuberlich gefaltet in der Urne zu versenken. „Zettelfalten“ nannte der Volksmund diese Pseudowahlen. Vierzig Jahre lang sind Wahlen unter Walter Ulbricht und Erich Honecker eine Farce gewesen – fehlende Wahlkabinen und gefälschte Jubelergebnisse inklusive.

Der Wahlkampf

Ende Januar 1990 stellt sich die Frage: Wie organisiert man demokratische Wahlen und wie führt man eigentlich Wahlkampf? Materiell und personell bestens gerüstet ist die SED-PDS. Sie konnte die Enteignung ihres Vermögens durch Umbenennung statt Auflösung der Partei abwenden. Landesweit verfügt sie über eine dichte Organisation, ein Heer von hauptamtlichen Funktionär/innen und über ein Medien-Imperium: Ob bei ADN und Zentralbild, im Rundfunk und Fernsehen oder in Zeitungen, Verlagen und Druckereien – überall sitzen „gute Genossen“. Auch die ehemaligen Blockparteien können als Teil der alten Nationalen Front auf intakte, gewachsene Strukturen zurückgreifen.
Den neuen Gruppierungen und der Bürgerrechtsbewegung aber fehlt es an allem. Geld ist rar. Eigene Zeitungen – Fehlanzeige! Büros mit Telefon, Kopierer und PC müssen erst eingerichtet werden. Selbst die führenden Köpfe der Opposition sind keine Vollzeit-Politiker/innen, und sie haben nur wenig Öffentlichkeitserfahrung.
Auf der Suche nach ihrem Pendant im Osten leisten die westdeutschen Parteien umfassende Hilfe, allen voran die SPD. CDU und FDP folgen. Vom Infostand bis zum Wahlplakat kommt daher vieles aus dem Westen. Willy Brandt (SPD), Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Helmut Kohl (CDU) treten auf Großveranstaltungen als „Wahlkampflokomotiven“ auf.

Das Dilemma der DDR-Opposition: Bewegung oder Partei?

Tief sitzt das Unbehagen bei der Opposition, Partei zu werden oder einer solchen beizutreten. Schließlich hat man gerade die Herrschaft einer übermächtigen stalinistischen Kaderpartei abgeschüttelt. Neues Forum (NF), Demokratie Jetzt (DJ) und Initiative Frieden und Menschrechte (IFM) verstehen sich als außerparlamentarische und basisdemokratische Bewegungen. Stark dezentral organisiert verständigen sich die Gruppen, die sich im Herbst 1989 gegründet haben, im Januar 1990 auf ihre durchaus ähnlichen Programme. Um nicht marginalisiert zu werden, schließen sie sich zum Bündnis 90 zusammen. Auch der konservative Demokratische Aufbruch (DA), ein konservatives Gewächs der Friedlichen Revolution, lehnt es zunächst ab, Partei zu werden. Als oppositionelle Gruppe innerhalb der evangelischen Kirche im Oktober 1989 gegründet, konstituiert er sich Mitte Dezember unter dem Vorsitz von Wolfgang Schnur und Rainer Eppelmann als Partei.

Andere aber wagen den Schritt: Den Anfang machen die Sozialdemokraten. Nur als Partei sehen sie eine Chance zur politischen Einflussnahme. Am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR, gründet sich unter konspirativen Bedingungen und unter dem Schutz der Kirche in Schwante die SDP. Auf ihrem Leipziger Parteitag im Februar 1990 konstituiert sie sich als Ost-SPD. Junge Leute halten sie für eine ganz neue Partei. Den Gründern aber ist das Trauma von der Zwangsvereinigung der SPD mit der KPD zur SED im Frühjahr 1946 allgegenwärtig.
Aus der Tradition der Umweltbewegung wird bereits im November 1989 die Grüne Partei gegründet. In Chemnitz entsteht aus dem Neuen Forum im Januar 1990 die Deutsche Forumpartei (DFP). Unzufriedene Bürger/innen und Ex-Mitglieder der Blockpartei LDPD gründen im Februar die Ost-FDP.
Als Neugründung ohne politische Wurzeln betritt die Deutsche Soziale Union (DSU) mit ihrem Spitzenkandidaten Hans Wilhelm Ebeling Ende Januar 1990 die politische Bühne. Sie vereint etliche kleine Gruppierungen und regionale Parteien und ist liberal-konservativ und christlich ausgerichtet.

Von den „Blockflöten“ zu eigenständigen Parteien: „Verwandlungen“

Vierzig Jahre hingen die Blockparteien am Gängelband der SED. Nun müssen sie ihre Unabhängigkeit unter Beweis stellen. In der Traditionspartei CDU (Ost) regt sich im September 1989 Unmut gegen die profillose Satellitenrolle als Blockpartei der Nationalen Front, die sie als erste verlässt. Bereits im November 1989 sagt sich die CDU unter ihrem neuen Vorsitzenden Lothar de Maizière vom Sozialismus los und verweist auf ihre unabhängige Gründung 1945. Im Dezember bekennt sich die Partei zur Marktwirtschaft, zur Einheit der Nation und setzt einen umfassenden Erneuerungsprozess in Gang: organisatorisch, programmatisch und personell. Sie bekennt sich zu einer Mitschuld an der stalinistischen Vergangenheit und distanziert sich von jeder Form von Sozialismus. Und sie sucht den Schulterschluss mit der West-CDU, doch im Konrad-Adenauer-Haus bleibt man zunächst skeptisch. Aber Anfang Februar 1990 gründen DA, DSU und CDU (Ost) in West-Berlin in Anwesenheit des Bundeskanzlers Helmut Kohl das Wahlkampfbündnis „Allianz für Deutschland“, um die nichtsozialistischen Kräfte zu bündeln.

Die LDPD unter Manfred Gerlach rettet sich staatstragend über die „Wende“, bekennt sich im Dezember ausdrücklich zur Regierung Modrow, bricht aber mit dem Sozialismus. Im Februar 1990 erneuern sich die Liberalen spät zur LDP und tauschen das alte Führungspersonal aus. Spitzenkandidat ist Rainer Ortleb. Ähnlich wie die westdeutsche CDU sympathisiert auch die westdeutsche FDP eigentlich mit den neuen, aber kleinen Oppositionsgruppen Deutsche Forumspartei (DFP) und F.D.P. Doch die ehemalige Blockpartei LDP verfügt über die bessere Organisation. Daher setzt man für den Wahlkampf auf ein Zweckbündnis der Liberalen Kräfte, den Bund Freier Demokraten, der im Februar 1990 gegründet wird. Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD) und die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) – bislang politische Marionetten von Gnaden der SED – überwintern in der Regimekrise. Politisch positioniert man sich nichtssagend „in der Mitte“. Beide Parteien ziehen allein in den Wahlkampf. Dabei ist die DBD mit ihrem Spitzenkandidaten Günther Maleuda als Interessenvertretung der Landwirte nicht ohne Chancen.

Und die SED?

Sie vollführt in der Friedlichen Revolution den politischen Spagat und probt seit Dezember 1989 mit ihrem Parteivorsitzenden Gregor Gysi die Verwandlung. Denn sie hat den Beweis zu führen, dass sie zu Reformen fähig ist. Und sie muss zugleich vertraute Feindbilder pflegen. Weite Teile ihrer Mitglieder und viele Bürger/innen der DDR, die den Sozialismus nicht verloren geben wollen, erwarten zwei Dinge: eine Erneuerung der innerparteilichen Strukturen – also eine Absage an die Kaderpartei alten Typs und einen glaubhaften Beginn im Geiste eines demokratischen Sozialismus – und den Bruch mit der Nomenklatura von gestern, die unter dem Verdacht des Machtmissbrauchs und der Privilegienwirtschaft steht. Die neu gewendete PDS beharrt auf der Eigenstaatlichkeit der DDR. Sie übt sich in Dauerkritik am politischen und „kapitalistischen“ System der Bundesrepublik, und sie sieht ihre neue Aufgabe in einer konsequenten Klientelpolitik: Im sozialen und gesellschaftlichen Umbruch stilisiert sie sich mit dem Wahlkampf zur Volkskammerwahl zur vorgeblich einzigen und echten Sachwalterin ostdeutscher Interessen.

Programme zur Wahl

Kern- und Streitpunkte der Parteien und Gruppierungen sind ihre Haltung zur Deutschen Einheit inklusive Tempo und Ausgestaltung des Vereinigungsprozesses, die angestrebte Wirtschaftsform und die favorisierten Konzepte in der Sicherheitspolitik. Dabei zeigt sich, dass die Vorstellungen beträchtlich auseinanderliegen.

Dieses Schaubild veröffentlichte DER SPIEGEL 1990 im Vorfeld der Volkskammerwahl im Frühjahr 1990. (© DER SPIEGEL)

Das neue Medium: Wahlwerbespots im DDR-Fernsehen

Im Februar und März 1990 entstehen unter großem Zeitdruck erstmals Wahlwerbespots der Parteien, Gruppierungen und Wahlbündnisse zur Volkskammerwahl, die im DDR-Fernsehen ausgestrahlt werden. Es sind die ersten Gehversuche in der Mediendemokratie. Wahlplakate sind zur Genüge bekannt, Wahlwerbung als Film ist im Osten neu. Die Bewerber/innen um ein politisches Mandat, um die künftige Regierung oder eine wachsame Opposition setzen in der kurzen Zeit des Wahlkampfes ihre Themen, präsentieren ihre Spitzenkandidaten und bieten unterschiedliche Deutungen über die Vergangenheit, die Gegenwart der „Wende“ und die Zukunft an. Anders als in der Bundesrepublik, , in deren demokratischem System seit 1949 die Medien eine wichtige Rolle für die Meinungsbildung der Öffentlichkeit spielen und Wahlwerbung im Fernsehen seit vielen Jahren ein bekanntes Format ist, folgen viele der Wahlwerbespots zur DDR-Volkskammerwahl anderen Sehgewohnheiten der Entschleunigung. Manche erzählen eine Geschichte. Die Kurzfilme der politischen Werbung transportieren in Bild und Ton nicht allein politische Botschaften, sondern starke Emotionen. Sie bedienen sich durchweg sprechender Motive der politischen Ikonografie. Etliche Wahlwerbespots verzichten aus unterschiedlichen Gründen ganz auf Personen. Andere setzen prominent auf die neuen Gesichter und Spitzenkandidaten ihrer Parteien. Für viele von ihnen ist die neue Rolle einer öffentlichen Person noch recht ungewohnt.

Die Spots im Einzelnen

Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS)

Zu sehen ist „ein Haus in Berlin, Hauptstadt der DDR“, das ehemalige ZK-Gebäude der SED – ein Arkanum der Macht, die den Kontakt zu den Massen längst verloren hatte. An der Fassade hing noch vor kurzem das berühmte Handschlag-Emblem der Partei. Bis die PDS in Partei und Staat den Neubeginn gewagt hat. Zur elegischen Musik streift ein kleines Mädchen mit seinem Stofftier im Arm durch die menschenleeren, notdürftig beleuchteten Gänge. In dem Bemühen, alles zu tilgen, was an ihre Vorgängerin erinnert, setzt die PDS ganz auf Zukunft. Dabei bedient sie sich eines altbewährten Topos: der Jugend. Doch anders als zu DDR-Zeiten werden Kinder nicht als Nachwuchs für den Sozialismus gezeigt, sondern als neugierige, unvoreingenommene Individuen, die im großen Sitzungssaal fröhlich spielen und musizieren. Ganz ohne politische Argumente und ohne führende Köpfe weicht der Wahlwerbespot ins Menschliche aus und präsentiert die SED-Nachfolgerin als reine Sympathieträgerin für alle, die an der DDR festhalten wollen. Im Finale erscheint zu dynamischer Musik der Parteiname PDS, mit dem Zusatz „Die Neue“. In schnellen Schnitten folgen Hammer und Zirkel, das Emblem der DDR, die Farben Schwarz-Rot-Gold zur DDR-Hymne und schließlich die neuen Parteifarben Rot und Blau.

Standbilder aus dem Wahlwerbespot der PDS

(© Standbild aus dem Wahlwerbespot der SED zur Volkskammerwahl im März 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der PDS zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der PDS zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der PDS zur Volkskammerwahl 1990)

Bündnis 90 – Neues Forum

Das Wahlbündnis aus Neuem Forum (NF), Demokratie Jetzt (DJ) und Initiative Frieden und Menschrechte (IFM), das am 6. Februar 1990 zustande kam, erzählt eine allegorische Geschichte ausschließlich in Bildern und Tönen. Auf Dialoge und Texteinblendungen wird verzichtet. Ein Musikant am Straßenrand kann auf seinem Dudelsack die DDR-Hymne nur als Kakophonie aus falschen Tönen spielen, weil er von den vorbeifahrenden Limousinen ost- und westdeutscher „Bonzen“ mit Schlamm bespritzt wird. Allein eine sympathische junge Frau auf dem Fahrrad hält an, wendet sich ihm zu, wischt ihm den Schmutz aus dem Gesicht und nimmt ihn freundlich bei der Hand. Die wohlklingende Musik zum politischen Happy End stammt von den Beatles: All you need is love.

Standbilder aus dem Wahlwerbespot von Bündnis 90 – Neues Forum

(© Standbild aus dem Wahlwerbespot von Bündnis 90 – Neues Forum zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot von Bündnis 90 – Neues Forum zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot von Bündnis 90 – Neues Forum zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot von Bündnis 90 – Neues Forum zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot von Bündnis 90 – Neues Forum zur Volkskammerwahl 1990)

Die Grünen

Der Wahlwerbespot versetzt die DDR-Bürger in ihre Kindheit, denn das Lied der Jungen Pioniere Ernst Thälmann, „Unsere Heimat“ (1951), eines der meistgesungenen Lieder der DDR, bildet den musikalischen Rahmen des Spots. Doch der Song verweist zugleich auf die Zensurpolitik der SED. Denn Angelika Weiz‘ Version des Liedes – neu arrangiert und mit einer zweiten kritischen Strophe versehen – war im Jahr 1989 verboten worden und hatte dazu geführt, dass die ganze LP „Heimat“ zurückgezogen werden musste. Zu sehen sind Flüsse und Ortschaften aus der Vogelperspektive und unberührte Landschaften. Doch die Heimat ist längst keine Idylle mehr, die allen gehört, sondern ausgebeutete und verschmutzte Umwelt. Die Landschaft ist zum Politikum geworden: Zerstörte und baufällige Gebäude, marode Industrien, die Braunkohle, Luftverpestung und Baumsterben setzen ihr und den Menschen zu. Das Gebot der Stunde ist es, das geschundene Land in ein ökologisches Gleichgewicht zu bringen, damit es wieder Heimat werde – mit der Partei „Die Grünen“.

Standbilder aus dem Wahlwerbespot von der Partei die Grünen

(© Standbild aus dem Werbespot der Partei die Grünen zur Volkskammerwahl 1990.) (© Standbild aus dem Werbespot der Partei die Grünen zur Volkskammerwahl 1990.) (© Standbild aus dem Werbespot der Partei die Grünen zur Volkskammerwahl 1990.) (© Standbild aus dem Werbespot der Partei die Grünen zur Volkskammerwahl 1990.) (© Standbild aus dem Werbespot der Partei die Grünen zur Volkskammerwahl 1990.)

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Nach einem dynamischen musikalischen Intro, wie man es von Politikmagazinen im westdeutschen Fernsehen kennt, wechselt der Spot ins Dokumentarische. Ein Zeitstrahl nennt wichtige Stationen der Unterdrückung im SED-Staat – Repressionen, die sich in der Zwangsvereinigung der SPD mit der KPD zur SED (1946) auch gegen die Sozialdemokratie richteten. Doch sie ist wieder da. Die am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR, unter konspirativen Bedingungen gegründete Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP, seit Januar 1990 umbenannt in SPD) präsentiert sich als führende Kraft der demokratischen Reformbewegung und als legitime Erbin der deutschen Arbeiterbewegung. Die Gegnerschaft zur PDS ist fundamental. Einer der Protagonisten des Neubeginns, Markus Meckel, der Mitbegründer SDP, verliest in einem Wohnzimmer eine Pressemitteilung über die bevorstehende Parteigründung. Hauptthema aber ist der erste Parteitag der ostdeutschen SPD, der Ende Februar 1990 in Leipzig stattfindet. Fahnen flattern im Wind. Der neu gewählte Vorsitzende und Spitzenkandidat Ibrahim Böhme entwickelt in seiner Rede die Zukunftsvision eines wirtschaftlich florierenden, friedlichen und ökologisch sauberen Landes. Die Wahl Willy Brandts zum Ehrenvorsitzenden der Ost-SPD symbolisiert nicht nur den Schulterschluss mit der Schwesterpartei im Westen, sondern wird als Grundhaltung der SPD zur Ausgestaltung der deutschen Einheit interpretiert. Brandt sagt: „Wenn der Zug der Einheit rollt, dann kommt es darauf an, dass wenn irgend geht, niemand dabei unter die Räder kommt.“ Selbstbewusst beansprucht die SPD, die Zukunft gestalten zu wollen und dies auch zu können. Nach den Wahlen wird bekannt, dass Ibrahim Böhme Zuträger der Staatssicherheit gewesen ist, er muss zurücktreten.

Standbilder aus dem Wahlwerbespot der SPD zur Volkskammerwahl der DDR im März 1990

(© Standbild aus dem Wahlwerbespot der SPD zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der SPD zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der SPD zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der SPD zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der SPD zur Volkskammerwahl in der DDR 1990)

Bund Freier Demokraten

Das spät gegründete Wahlbündnis der Liberalen setzt besonders deutlich auf die Kraft der Worte und die Farben der westdeutschen FDP, gelb und königsblau. Tafeln mit prägnanten Sprüchen und politischen Bonmots in serifenlos moderner Typografie setzen die Akzente zwischen den Ausschnitten aus Reden der Spitzenkandidaten Rainer Ortleb (LDP), Bruno Menzel (F.D.P.) und Jürgen Schmieder (DFP). Sie betonen, dass nur die Marktwirtschaft soziale Leistungen für alle sichern kann und bekennen sich zu einer Wirtschafts- und Währungsunion. Aus der Rolle eines Musterknaben der DDR im einstigen Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) leiten sie auch für die Zukunft eine hohe Leistungsbereitschaft der ostdeutschen Wirtschaft ab. Als Paten und Zeugen aus dem Westen bestätigen Otto Graf Lambsdorff und Hans-Dietrich Genscher die Bedeutung einer liberalen Zukunft für die Überwindung der wirtschaftlichen Misere der DDR. Markt, Wettbewerb und Leistung sowie die persönliche, politische und kulturelle Freiheit sind die Essentials. Den Rahmen des Spots bilden die Aussagen: „Links hatten Sie. Rechts wollen Sie nicht. Gut dass es jetzt die starke Mitte gibt.“ Und das Wortspiel „Leistung braucht Freiheit. Freiheit braucht Leistung. Freiheit i s t Leistung.“

Standbilder aus dem Wahlwerbespot des Bundes Freier Demokraten zur Volkskammerwahl 1990

(© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Bundes Freier Demokraten zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Bundes Freier Demokraten zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Bundes Freier Demokraten zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Bundes Freier Demokraten zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Bundes Freier Demokraten zur Volkskammerwahl in der DDR 1990)

Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD)

Der Spot der DBD ist gewollt progressiv in den ästhetischen Mitteln – grüne Fahnen, Hard Rock und schnelle Filmschnitte von Kulturlandschaften. Die Auswahl der Motive ist überraschend und manchmal ungewollt komisch. Bilder des Maroden sind ironisch unterlegt mit Louis Armstrongs „What a wonderful world“. Der sprachliche Duktus wirkt über weite Strecken steif bürokratisch. Die Selbstdarstellung der Landwirte und des Spitzenkandidaten Günther Maleuda, der habituell wie ein Protagonist des alten Regimes auftritt, mutet in der neuen medialen Welt des Jahres 1990 bereits sperrig an. Die DBD verspricht indes, die Umweltsünden der DDR-Landwirtschaft, die ausschließlich auf Ökonomie setzte, hinter sich zu lassen. Mit riskanten Formulierungen beansprucht sie Zukunftsfähigkeit: Ökologische und marktwirtschaftlich orientierte Landwirtschaft muss „kein Trauma“ und „kein Traum“, sondern kann Realität werden, wenn Bauernweisheit, wissenschaftliche Erkenntnisse und „cleveres“ Management zusammengehen.

Standbilder aus dem Wahlwerbespot der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) zur Volkskammerwahl 1990

(© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) zur Volkskammerwahl in der DDR 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) zur Volkskammerwahl in der DDR 1990)

Demokratischer Aufbruch (DA)

Stetig hämmern die „Mauerspechte“ am Bollwerk der deutschen Teilung. Der Beton ist bereits so löchrig, dass Menschen durch die Öffnungen schlüpfen können. Wie in einem Tribunal zählt eine Stimme aus dem Off die Verirrungen einer Ideologie und Verfehlungen des alten Regimes auf: „Der Sozialismus hat Angst und Schrecken verbreitet.“ Dazu kommen die erzwungene Flucht vieler aus ihrer Heimat und der Betrug der Ostdeutschen um den Lohn ihrer Arbeit. Aus diesem Grund müssen SED, PDS und auch SPD bildlich ausgebremst werden. Nicht ganz passgenau erscheint die Meinung des Arbeiters, der sich über den Alltag in der DDR äußert: Man hatte sein Auskommen, sofern man arbeitete und „die Schnauze“ hielt. Das Wahlvolk ist aufgerufen, am 18. März die richtige Wahl für die Zukunft des Landes zu treffen. Der zweite Teil des Spots ist ganz auf Wolfgang Schnur, den Spitzenkandidat des DA, einer Partei ohne Vergangenheit, zugeschnitten. Der präsentiert sich als hemdsärmelig anpackender Politiker. Im Erzähltopos des „wir packen es an“ erläutert er seinem Gegenüber im Interview die Standpunkte der Partei. Einblendungen, die ihn im Straßenwahlkampf zeigen, signalisieren Volksnähe. Seine Rede von den „lebenszerstörenden Mißzuständen“ in Halle, Leipzig, Bitterfeld, Buna und Espenhain lassen stark vermuten, dass eine ökologische Wende einen hohen Preis kosten wird. Wenige Tage vor der Wahl wird Schnur als inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit enttarnt. Auch er muss zurücktreten.

Standbilder aus dem Wahlwerbespot des Demokratischen Aufbruchs

(© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Demokratischen Aufbruchs zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Demokratischen Aufbruchs zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Demokratischen Aufbruchs zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Demokratischen Aufbruchs zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot des Demokratischen Aufbruchs zur Volkskammerwahl 1990)

Deutsche Soziale Union (DSU)

In ihrem Wahlwerbespot betont die DSU zuallererst die kulturelle Einheit der Nation. Zur elegisch tönenden Hymne der Bundesrepublik präsentiert sie gesamtdeutsche Wahrzeichen vom Kölner Dom bis zum Denkmal für Goethe und Schiller in Weimar. Regionale Identitäten münden für sie direkt in föderale Strukturen und in die Wiederherstellung der alten Länder. Die Gegenwelt der SED-Diktatur – die Grenze durch Deutschland, marode Städte, die wirtschaftliche Misere – wird in harten Kontrasten dagegengesetzt. In hoffnungsfrohem Grün und mit einem fanfarenartigen Jingle unterlegt, werden die plakativen Aussagen der DSU eingeblendet. Die beiden Spitzenkandidaten, Hans Wilhelm Ebeling und Hansjoachim Walther, verbürgen sich für ein Ende aller „Sozialismen“. Sie stellen den Bürger/innen die schnelle deutsche Einheit in Aussicht, wenn sie sich nur richtig entscheiden.

Standbilder aus dem Wahlwerbespot der Deutschen Sozialen Union (DSU)

(© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Deutschen Sozialen Union (DSU) zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Deutschen Sozialen Union (DSU) zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Deutschen Sozialen Union (DSU) zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Deutschen Sozialen Union (DSU) zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Deutschen Sozialen Union (DSU) zur Volkskammerwahl 1990)

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

Aus der Vogelperspektive über die alten Länder – von Brandenburg bis Sachsen – sieht man die Schönheit des Landes und seiner Landschaften. Die Nahsicht aber offenbart die Verwüstungen und Wunden, die der Sozialismus geschlagen hat: eingesperrt und fast in den Ruin getrieben, 40 Jahre harte, aber fruchtlose Arbeit, allenthalben wirtschaftlicher Niedergang. Dem CDU-Vorsitzenden und Spitzenkandidaten Lothar de Maizière kommt die Rolle des vordergründig mutig entschlossenen Erneuerers zu, die er rhetorisch und habituell aber nur ansatzweise ausfüllt. Denn eigentlich ist er ein Verteidiger: Gegen die Bedenkenträger und Alarmisten von links, die politischen Gewinn aus der allgemeinen Verunsicherung der Menschen ziehen wollen, entwickelt er defensiv eine christdemokratische Agenda der sozialen Sicherheiten für Mieter, Bauern und Rentner. Als einzige „Altpartei“ thematisiert die CDU selbstkritisch ihre unrühmliche Rolle als Blockpartei, bevor sie sich im Finale als Teil der friedlichen Revolution darstellt. Seite an Seite mit ihren „Partnern“ im Westen steht sie für Freiheit, Einheit und dynamischen Wohlstand. Auch Lothar de Maizière gerät später in Stasi-Verdacht, so dass seine Karriere nicht lange währt.

Standbilder aus dem Wahlwerbespot der CDU zur Volkskammerwahl 1990

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Allianz für Deutschland – Bündnis aus DA, DSU und CDU

Die Wahlwerbung der „Allianz für Deutschland“ zeigt am deutlichsten von allen Spots, dass Zeiten des Wahlkampfs Zeiten großer Versprechungen sind. Helmut Kohl wirft darin sein ganzes politisches Gewicht als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland in die Waagschale. Der Fall der Mauer wird umstandslos kurzgeschaltet mit dem Wunsch nach der deutschen Einheit. Die Dramaturgie folgt dem Topos „Was die Menschen in der DDR wirklich wollen“. Es geht um die soziale Marktwirtschaft und Wohlstand, wie er in der Bundesrepublik herrscht, und um die Einheit Deutschlands in einem freien geeinten Europa. Als verlässlicher Partner auf dem Weg dorthin, als solidarischer Unterstützer, Garant und Ehrenmann, der um das Vertrauen der „Allianz für Deutschland“ wirbt, wendet sich Helmut Kohl an die „lieben Landsleute“. Er unterstreicht mit dieser Wendung die gemeinsame Heimat und die Einheit des Landes. Als Bundeskanzler gibt er eine politische Garantie ab, alles zu tun, damit in diesem „sofort“-Verfahren niemand ins soziale Abseits gerät. Um sicherzustellen, dass es keine ungültigen Stimmen durch Mehrfach-Voten gibt, wird das Prozedere der Wahl erläutert, denn jede Stimme zählt.

Standbilder aus dem Wahlwerbespot der Allianz für Deutschland zur Volkskammerwahl 1990

(© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Allianz für Deutschland zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Allianz für Deutschland zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Allianz für Deutschland zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Allianz für Deutschland zur Volkskammerwahl 1990) (© Standbild aus dem Wahlwerbespot der Allianz für Deutschland zur Volkskammerwahl 1990)

Das Wahlergebnis

Noch Anfang März 1990 ist der Ausgang der Wahlen völlig ungewiss. Zwar geben in Umfragen vierzig Prozent der DDR-Bürger/innen der SPD den Vorzug, doch die Mehrheit ist unentschlossen. Am Ende erringt das Wahlbündnis der Konservativen, die „Allianz für Deutschland“, mit 48,0 Prozent beinahe die absolute Mehrheit. Ihre besten Ergebnisse feiern sie mit 59 Prozent und mehr in Gera, Dresden, Suhl, Erfurt und Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Die SPD erhält nur 21,9 Prozent. Die PDS kommt auf erstaunliche 16,4 Prozent. Und Bündnis 90 wird mit 2,9 Prozent auf die hinteren Plätze verwiesen. Mit 93 Prozent ist die Wahlbeteiligung an der ersten und letzten freien Wahl zur Volkskammer der DDR überwältigend. Die große Mehrheit hat die Parteien gewählt, die unmissverständlich die D-Mark und die schnelle Einheit versprechen. Das Votum gegen weitere sozialistische Experimente, anspruchsvolle Debatten um eine neue gesamtdeutsche Verfassung (Art. 146 GG) und komplizierte Konföderationsmodelle ist eindeutig. Am 18. März fällt die Entscheidung für den Anschluss an ein erprobtes Politikmodell und an die soziale Marktwirtschaft der alten Bundesrepublik.

Hier können Sie sich die Tagesschau (20:00 Uhr) vom 18. März 1990 ansehen. Der Beitrag zur Volkskammerwahl ist direkt der erste.

Was die Menschen im Frühling der Demokratie bewegt

Von den 400 Mitgliedern der neugewählten Volkskammer saßen nur elf Abgeordnete bereits zuvor im DDR-Parlament: fünf für die PDS, zwei für die CDU, zwei für die Bauernpartei sowie die beiden Abgeordneten der NDPD. Alle anderen sind „Neulinge“. Doch die politischen Skandale um die Spitzenkandidaten des Demokratischen Aufbruch (DA), Wolfgang Schnur und der SPD, Ibrahim Böhme, zeigen: Manche der neuen Gesichter haben eine problematische Vergangenheit: Sie waren zu DDR-Zeiten Spitzel der Staatssicherheit. Bündnis 90 und die Grüne Partei versuchen die Zeitgenossen noch einmal mobilisieren. Auf Großkundgebungen skandieren Demonstranten „Stasis raus aus der Volkskammer“. Nach der Devise Misstrauen ist gut, Überprüfung ist besser, wird eine Durchleuchtung aller Volksvertreter/innen, Staatsanwälte und Richter auf eine mögliche Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit gefordert.

Auch die neuen Gewerkschaften rufen zum Protest auf. Der inoffizielle Umtauschkurs von Mark zu D-Mark beträgt 4:1. Unter der Parole „Ohne 1:1 werden wir nicht eins“ gehen bis zu 100.000 Menschen auf die Straße. Sie wollen einen „gerechten“ Umtauschkurs für Löhne und Sparguthaben, Renten in Höhe von 70 Prozent des Nettolohns, und sie fordern ein Recht auf Arbeit in der Verfassung. Dabei offenbaren die Bilanzen der Volkseigenen Betriebe im Mai, dass zwei Drittel von ihnen wohl gar keinen Lohn mehr zahlen können, weil sie nicht überleben werden. Im Einigungsvertrag wird wenig später tatsächlich der geforderte Umtauschkurs für Löhne, Gehälter und Sparguthaben bis zu 4.000 Mark festgelegt werden.
Und ein drittes Thema erregt die Gemüter der halben Nation: Der Paragraph 218, der Abtreibungen gesetzlich regelt, soll als „Errungenschaft“ der DDR-Sozialpolitik nicht der Einheit zum Opfer fallen. Abtreibungen sollen innerhalb der Dreimonatsfrist ohne Einschränkungen legal bleiben. Seit 1992 sind sie in ganz Deutschland straffrei aber rechtswidrig. Die Ausforschung und Vergiftung der DDR-Gesellschaft durch die Stasi, die Wucht der ökonomischen Verwerfungen nach 1990 und die Frage nach dem Bewahrenswerten aus der DDR bewegen die Menschen bis heute.

Der schnelle Weg in die Einheit

Die „Allianz für Deutschland“ und die westdeutsche Regierung müssen nun die hohen Erwartungen, die in sie gesetzt wurden, erfüllen: die Einführung der D-Mark, die Umstellung der Plan- auf Marktwirtschaft, gleiche soziale Verhältnisse in Ost und West und den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik nach Artikel 23 des Grundgesetzes. Das Übergangskabinett unter Lothar de Maizière (CDU) – eine große Koalition aus CDU, DA, DSU, SPD und FDP –, sieht vor allem eine Aufgabe: Als Konkursverwalterin des alten Regimes will sie die Bedingungen der Einheit entscheidend mitgestalten. Im Eiltempo muss die DDR anschlussfähig werden. Auf der Tagesordnung stehen die Wirtschafts- und Eigentumsreform, die Wiederherstellung der alten Länder und große Infrastrukturprojekte. Bündnis 90 und die PDS, die beiden Kontrahenten von einst, streiten in der Opposition erbittert für eine neue Verfassung und eine Sozialcharta. Im Westen bedienen DIE GRÜNEN antinationale Ressentiments, während die westdeutsche SPD tief gespalten ist. Ihr linker Flügel fordert ein rigoroses Nein zur Währungsunion. Sie befürchtet unkalkulierbare Kosten und soziale Verwerfungen. Damit steht sie im offenen Gegensatz zur Ost-SPD. Doch der Zug der Einheit rollt. Am 1. Juli 1990 tritt die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion in Kraft. Am 3. Oktober 1990 schließlich erfolgt die nationale Einheit.

Zitierweise: "Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl“, Karin Hartewig, in: Deutschland Archiv, 10.3.2020, Link: www.bpb.de/305933

Literatur (Auswahl)

Ulrich von Alemann, Stefan Marschall (Hg.), Parteien in der Mediendemokratie, Wiesbaden 2002.
Andreas H. Apelt, Robert Grünbaum (Hg.), Das letzte Jahr der DDR: Von der Volkskammerwahl zur Wiedervereinigung, Berlin 2015.
Hannes Bahrmann, Christoph Links, Chronik der Wende. Die Ereignisse in der DDR zwischen 7. Oktober 1989 und 18. März 1990, Berlin 2009.
Martin Gutzeit, Opposition und SED in der friedlichen Revolution: Organisationsgeschichte der alten und neuen politischen Gruppen 1989/1990, Düsseldorf 2011.
Klaus-Dietmar Henke (Hg.), Revolution und Vereinigung 1989/90. Als in Deutschland die Realität die Phantasie überholte, München 2009.
Uwe Fleckner, Martin Warnke, Henrik Ziegler (Hg.): Handbuch der politischen Ikonografie. 2 Bde., München 2011.
„Parolen & Polemik.“ Die Geschichte der deutschen Wahlwerbefilme. Ein Film von Wolfgang Dressler, Jutta Ackermann. DVD, Köln 2004.
Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland. Die Geschichte der Wiedervereinigung, München 2009.
Ed Stuhler, Die letzten Monate der DDR, Berlin 2010.
Walter Süß, Der Untergang der Staatspartei, in: Klaus-Dietmar Henke (Hg.), Revolution und Vereinigung 1989/90. Als in Deutschland die Realität die Phantasie überholte, München 2009.
Peter Weilemann, Friedhelm B. Meyer zu Natrup, Marcel Bulla, Wolfgang Pfeiler, Ulrich Schüller, Parteien im Aufbruch. Nichtkommunistische Parteien und politische Vereinigungen in der DDR vor der Volkskammerwahl am 18. März 1990, Melle 1990.

Ergänzend zum Thema:

Interner Link: 30 Jahre Volkskammerwahl - 30 ungehaltene Reden ehemaliger Abgeordneter im letzten Parlament der DDR

Filmdokumentation über die Arbeit der letzten DDR-Volkskammer vom Michael Erler: Interner Link: Die letzte DDR-Regierung oder wie man sich selbst abschafft

Interner Link: Das Wahlergebnis vom 18. März 1990

Interner Link: "Ein emotional aufgeladenes Parlament". Ein Rückblick von Volkskammer-Präsidentin Sabine Bergmann-Pohl.

Interner Link: "Deutschland einig Vaterland" . Eine Bilanz des ehemaligen SPD-Fraktionschefs in der Volkskammer, Richard Schröder.

- Markus Meckel, Interner Link: "Eine Glücksstunde mit Makeln"

- Konrad Felber, Interner Link: "Als die Revolution das Parlament erreichte"

- Hans-Peter Häfner, Interner Link: Brief an meine Enkel

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Dr. phil.; ist freiberuflich als Historikerin tätig. Sie lebt in der Nähe einer kleinen deutschen Universitätsstadt.