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"Mensch sein, Mensch bleiben"

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Drei Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Frauen in der Bürgerbewegung der DDR und während der Friedlichen Revolution Der Weg zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass „DDR-Übersiedler in Afrika hochwillkommen” Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? 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"Mensch sein, Mensch bleiben"

Ortwin Ringleb

/ 18 Minuten zu lesen

"Die vier Pentagone der Gesellschaft" - Gedankensplitter zur Lage der Nation. Ein Beitrag von Ortwin Ringleb in der Reihe „ungehaltene Reden“ ehemaliger Abgeordneter der letzten Volkskammer der DDR 1990. Der heute 71-jährige Sozialdemokrat vertrat damals als Nachrücker den Wahlbezirk Magdeburg. Er formuliert "gemischte Gefühle" beim Blick zurück und erzählt auf etwas ungewöhnliche Weise seinen politischen Werdegang in Ilsenburg im Harz.

Eine alte Grenzmarkierung im Harz auf der Mauerkrone der Eckertalsperre bei Ilsenburg (© picture-alliance, ZB / Jens Wolf)

1. Eisheiligen

Eigentlich wollte ich über die vier Pentagone der Gesellschaft referieren. Eigentlich wollte ich die Gegenwart beschreiben, die deutsche und europäische Gegenwart. Eigentlich wollte ich Anregungen für die Zukunft, für die Zukunft unserer Nachkommen geben. Und plötzlich war wieder die Erinnerung da, das Vergangene, das einzig Unveränderliche, das Konservative, das mir auf die Stirn eingebrannt ist und nicht vergeht. Die Eisheiligen. Mal Sonne, mal Regen, mal Wind – alle bringen Veränderungen, Veränderungen nach vorn.

Als ich überlegte, was ich sagen möchte, holte mich ein Tag im März 2020 dieses Jahres wieder ein und eine Nachricht, die ich vernahm. Zwei prominente Mitglieder der Linken, Dagmar Enkelmann und Hans Modrow baten im christlichen Sinne um Vergebung. Vergebung wofür? Vergeben kann nur der, der geschädigt wurde, der verleumdet wurde, der misshandelt wurde, dem die Gegenwart und Zukunft im humanistischen Sinne verweigert wurde, der physische oder psychische Leiden erdulden musste. Vergeben kann ich nur dem Schuldigen. Sie sind mir gegenüber nicht schuldig geworden. Aber viele andere.

Im Zuge dieser Vorbereitung habe ich die Schriften des Vereins ehemaliger Angehöriger der Bewaffneten Organe der DDR und anderer DDR-Funktionäre „Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung (GRH) e.V.“ noch einmal studiert. Je mehr ich davon las, desto schwieriger wurde der geistige Prozess das, was sie sagten, nachvollziehen zu können. Nicht Wut, aber Enttäuschung machte sich breit. Warum fehlt es an Unrechtsempfinden? Deshalb möchte ich an einem Beispiel noch einmal in die Vergangenheit eintauchen.

2. Frühe Prägungen

Ich möchte Ihnen die Geschichte eines Menschen erzählen, der schon als Kind ausgegrenzt wurde. Ich beginne in dem Jahr, als Frau Enkelmann geboren wurde und das Kind zur Schule kam, 1956. Später erfuhr das Kind, das in dem Jahr politisch viel passierte. Z. B. in Jena. Am 30. November 1956 fand der alljährliche Physikerball an der Uni Jena statt. Diesmal mit einem von Studierenden vorbereiteten kabarettistischen Inhalt. 24 Bilder. 24 Befreiungen. Darunter ein Bild zur Wahl:

Wahllokal. Wahlvorstand sitzt am Tisch. Eine graue Mülltonne wurde schwarz angestrichen und auf dem verzinkten Blech stand schwarz: Urne. Der Wahlvorgang. Es kommt ein Mann, wird begrüßt vom Wahlleiter, bekommt den Zettel, knickt ihn, wirft ihn in die Urne und geht. Kommt eine Frau, wird vom Wahlleiter begrüßt, bekommt den Zettel, faltet ihn, wirft ihn in die Urne und geht. Kommt ein Roboter, tschechisch: Zwangsarbeiter (Josef Capek, eine literarische Kunstfigur, 1920), geht zum Wahlleiter, wird begrüßt, der Wahlleiter zählt die Wahlscheine, gibt ihm einen Stapel, der Roboter geht zur Urne, auf halbem Wege dreht er sich zum Publikum. Es steht auf seinem Bauch, er vertrete den „WB 17“, was die hohe Anzahl der Wahlscheine begründet. Er wirft alle Zettel in die Urne und geht. Nach ihm kommt der deutscheste aller Deutschen: ein Schäferhund. Er läuft zum Tisch des Wahlleiters, Pfötchen auf den Tisch, Pfötchen schütteln, bekommt den Wahlschein ins Maul, läuft zur Urne und wirft den Zettel hinein und läuft raus.

Das Neue Deutschland vom 15. November 1958 titelte: „Wahlen bei uns und Wahlen bei euch … Der wesentliche Unterschied zwischen unseren Gegnern und uns besteht darin, dass wir recht haben, und sie haben unrecht…“

Erich Mielke, seit 1957 Stasichef, bekam eisheilige Gefühle und nahm die Protagonisten für 114 Jahre in seine „väterliche Obhut“. Aus den Gerichtsakten:

… Die Angeklagten zeichnen sich durch eine staatsfeindliche Einstellung aus. In ihren Mußestunden bereitete es ihnen offensichtlich Spaß, Hetze gegen unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat, gegen die Partei der Arbeiterklasse und das gesamte sozialistische Lager zu verfassen. Sie lieferten den Stoff zum Physikerball. In der Ungarnszene brachten sie den Hass gegen die Sowjetunion und ihre Sympathie zu den ungarischen Faschisten zum Ausdruck. Das höchste Organ unseres Staates, die Volkskammer, bezeichneten sie als 'Wedelkammer'. Ihre staatsfeindliche Bejahung zeigten sie nicht nur auf schriftstellerischem Gebiet, auch als Darsteller war dies festzustellen…“.

Politische Ausgrenzung als Kind

Als das Kind etwa neun Jahre alt war und die Kinder in den Patenbetrieben ihrer Schulen zu Weihnachten ein Programm vorführten, war es dabei. Das Kind freute sich auf seinen ersten Auftritt. Das Programm lief wunderbar. Die Leute haben sich gefreut. Wie das so ist, wenn Kinder auftreten. Freude strahlte aus ihren Gesichtern. Großartig, der Applaus! Nach dem Auftritt trat der Lehrer auf das Kind zu, bedankte sich und schickte es nach Hause. Die anderen Kinder durften bleiben. Haben Kakao und Kuchen bekommen. Das Kind wusste nicht, warum es weggeschickt wurde. Wie muss es sich gefühlt haben?

In seinem Schmerz versteckte es sich im Wald und wartete, bis die anderen kamen. Dann bummelte es hinterher und kam äußerlich fröhlich von der Weihnachtsfeier und suchte nach einer Art Trauerbewältigung. Es getraute sich nichts zu sagen, weil es sich schuldig fühlte. Der Schmerz verletzte so sehr seine Seele. Es wünschte sich, sein letztes Schwefelholz anzuzünden, um seine Seele ein letztes Mal wärmen zu können. Im nächsten Jahr war wieder Auftritt zur Betriebsweihnachtsfeier geplant. Das Kind fragte sich, ob es mitgehen sollte oder lieber nicht. Vieles sprach dafür nicht zu gehen, aber damit käme die quälende Frage nach dem letzten Jahr wieder auf. Es stritt mit sich. Es ging. Es sprach zu sich: Das war im letzten Jahr eine Ausnahme. Das passiert heute nicht. Es ging mit den schlimmsten Erwartungen. Wieder toller Applaus. Wieder kam der Lehrer bedankte sich. Und wieder schickte er das Kind vor dem Kakao nach Hause. Alles spielte sich wie im Vorjahr ab. Nur noch viel schlimmer, obwohl das für das Kind kaum vorstellbar war.

Am Montag, 14. August 1961, war ein weiteres einschneidendes Ereignis. Zum vorerst letzten Mal konnte das Kind den Brocken besuchen. Fünfmal wurden sie bei der Besteigung mit vorgehaltenen MPi’s kontrolliert und fünfmal auf dem Nachhauseweg. Um 24.00 Uhr wurde der Brocken für 10.337 Tage 12 Stunden und 45 Minuten geschlossen. Auch das prägte.

Mensch sein, Mensch bleiben

Am Dienstag, 1. September 1964 um 7.30 Uhr, war Fahnenappell wie üblich. Jedoch ließ sich der Direktor über einen ehemaligen Schüler aus, der mit sofortiger Wirkung von der Schule, 10. Klasse, suspendiert worden war. Er habe die Staatsgrenze der DDR in Richtung Westen unerlaubt überschritten. Das Fatale an dieser Begebenheit ist, dass der Schüler zwei sogenannte „Kundschafter des Friedens“ durch das Brockenmoor in den Westen schleuste, was er aber nicht wusste. Auf dem Rückweg wurde er geschnappt. Die Folge für jenen Schüler: sechs Monate Einzelhaft im Schoße des Oheims Mielke. Er kam frei, weil er eine Verpflichtungserklärung als Stasi-Informant unterschrieb. Der nun Jugendliche hat sich beim Fahnenappell in die letzte Reihe verdrückt, weil er sich fremdschämte. Was der Jugendliche zu dem Zeitpunkt nicht wusste und nicht wissen konnte, dass er einmal als Leiter der Vorgesetzte jenes verhafteten Schülers werden sollte und in seiner Not vor und nach der geistigen Revolution von 1989 ihm zur Seite stehen konnte.

Am Montag, 25. Januar 1971, musste der Jugendliche zum Volkspolizeikreisamt (VPKA). Er wollte, dass seine Verlobte ihn im Sperrgebiet besuchen könnte. Abgelehnt: „Wer weiß, was ihre sogenannte Verlobte politisch auf dem Kerbholz hat.“ In Bruchteilen von Sekunden entschloss er sich zur Erwiderung. Es tröstete ihn, dass die Dame bei der Verteilung der Intelligenz gesagt haben müsse: „Intelligenz, wozu? Parteibuch ja!“. Er hat dabei 16 sogenannten Kommunisten gegenübergesessen. Alle schrien durcheinander. Lebenslänglich vom Studium ausgeschlossen. Dazu bedurfte es nicht einer Bedenkzeit von einer Woche. Nicht abhängig werden, nicht erpressbar werden. Mensch sein, Mensch bleiben.

In der Zeit lehrte er ehrenamtlich jungen Menschen das Reden. Das Argumentieren. Mit Erfolg, denn die Stadtbezirksleitung der SED schimpfte über ihn, also ein Lob aus berufenem Munde, weil die jungen Menschen in die Markusgemeinde liefen und nicht zu den Festivals der Partei und ihrer Jugendorganisation. Das brachte die Stasi ins Spiel. Das störte ihn erst einmal nicht.

In Stasi-Obhut

Am Mittwoch, den 28. November 1973, bekam der Jugendliche unerwartet Besuch aus Frankreich. Der Gründer der ökumenischen Communauté de Taizé, Frère Roger Schutz, ließ ihn anfragen, was er von einer Eröffnung des Konzils der Jugend Ostern 1974 hielte. In Magdeburg hatte sich eine christliche Gruppe gegründet ohne Zutun von Dritten, ohne Wissen von anderen. Er hat das bejaht und sich für das unerwartete Vertrauen bedankt.

Die Organe der DDR brachten sich immer wieder ins Spiel unter den kuriosesten Namen, unter den kuriosesten Anlässen. Dem inzwischen jungen Mann wurde ein zusätzlicher Mitarbeiter im Betrieb zugewiesen, ein sehr schreibfreudiger. Das Interesse an dessen Notizen war groß, nicht nur von Partei und Stasi, auch der junge Mann hat sich um das Dokument bemüht und es an sich gebracht. Als sie am nächsten Tag allein im Zimmer waren, hat er ihm das Notizbuch persönlich zurückgegeben mit den Worten: Das, was ich hier über mich gelesen habe, stimmt. Das habe ich gesagt. Das habe ich getan. Warum? Der junge Mann wusste, dass der IM dieses nicht berichten durfte. Er hat den Judas seine Arbeit machen lassen. Besser, die Leute kennen, die einem feindlich gesinnt sind, als ihn auffliegen zu lassen und durch einen anderen ersetzt zu bekommen.

Wieder einmal war die Stasi im Betrieb. Das bekam der junge Mann mit. Die Stasi war beim Verbindungsmann, dem Kaderleiter. Seltsam: Der Stasimann war laut PKW-Kennzeichen aus dem Bezirk Leipzig. Kaum war der aus der Tür heraus, stellte er den Kaderleiter zur Rede. Erst leugnete dieser. Als ihm das Kennzeichen genannt wurde, sagte er ihm: Sie müssen im Bezirk Leipzig jemanden kennen, der sie für die SED-Mitgliedschaft vorgeschlagen habe. Eine dümmere Aussage konnte er sich nicht vorstellen. Aus den Akten musste er später entnehmen, dass das wirklich so war. Darauf der junge Mann: „Sie kennen mich. Sie wissen ganz genau, was ich von der Partei halte. Sagen sie ihren Genossen von der Stasi einen schönen Gruß, wenn sie etwas von mir wollen, dann sollen sie mich direkt fragen und ich werde antworten.“ Und sie kamen. Und sie kamen in den Betrieb. Was dann passierte, glaubt niemand. Das gesamte Bürogebäude musste geräumt werden, damit die Stasi mit ihm allein und ungestört reden konnte.

Dann kam die Stasi mit einem Vorwurf, der ihn zum Schwitzen brachte, ein Vorfall wurde ihm zur Last gelegt, der zu einem Zeitpunkt stattfand, an dem er vier Wochen überhaupt nicht anwesend war. Aber er wusste davon. Nun musste er erst feststellen, ob die Stasi das als Falle nutzte. Seine Antworten führten den Stasioffizier dazu, dass er die Fragen in den Antworten nicht bemerkte. So konnte er die Sache auf sich nehmen. Ohne Folgen. Oder doch? Ein vielleicht einmaliger Vorgang, dem Kaderleiter wurde verboten, sich mit ihm politisch zu unterhalten. Doch alle Drohgebärden hatten Folgen, er wollte die DDR verlassen.

Am Freitag, 26. Juni 1981 führte er seine Familie zur westdeutschen Botschaft in Prag. Es war 12.45 Uhr. Seine Frau war sehr erstaunt, die bundesdeutsche Fahne zu sehen. Auf ihren Einwand: Das kannst du den anderen nicht antun, die brauchen dich! verließen sie das Gelände ohne zu klingeln und blieben im Land.

Ein vertrauter Mitarbeiter der Kirchenleitung, ein Stasi-Offizier im besonderen Einsatz (OibE), hat ihn überredet als Heimleiter nach Ilsenburg zu gehen, was er auch tat.

1986 ging es bei einem Elternabend um den Wehrkundeunterricht. Der Offizier begründete das Gute an dieser vormilitärischen Ausbildung mit den Worten, dass die Kinder flinker, zäher und hart werden sollten. Durch sein Monieren im Stil des Klassenfeindes (so die Worte eines Offiziers, dessen Kind ebenfalls diese Schule besuchte) wurde die Diskussion beendet und er durfte zum Einzelgespräch zum Veranstalter. Unter vier Augen sagte er dem Offizier: „Goebbels hat es verstanden ein ganzes Volk zu verdummen“. Und er hat sich umgedreht und ist gegangen.

Ziel ein humanes Pflegeheim

1988 legte er als Heimleiter ein Konzept für den Neubau eines Seniorendorfs, ein Alten- und Pflegeheim, vor, ein Neubau, der alle vorstellbaren Möglichkeiten überschritt. Zur Finanzierung, hat er gemeint, käme nur eine direkte Beteiligung des Westens in Frage:

„… Dazu sind vertrauensbildende Maßnahmen notwendig, die sich zuerst in der Humanpolitik beweisen müssen. Das führte und führt zur Öffnung… Neu wird sein, dass nicht über Kredite der westlichen Banken die Wirtschaft angekurbelt wird, sondern durch direkte Beteiligung westlicher Firmen an Betrieben und Gewinnen wird gesellschaftlicher Nutzen erzielt. Das hat auch Auswirkungen auf die Währung. Sie wird dann konvertierbar werden müssen und …“

Die fehlenden Worte, die durch die drei Punkte symbolisiert wurden, damit war die Öffnung der Grenzen gemeint sowie deren Folgen. Eigentlich unvorstellbar als finanzielle Konzeption für ein Seniorendorf in der DDR. Das hat der Rat des Bezirkes Magdeburg nicht sanktioniert. Den Sozialarbeiter, wie es ihn als Berufsbezeichnung und Arbeitsfeld in der Bundesrepublik gab, gab es im Osten nicht. Er wurde abschätzig als "dekadent" oder "negativ-dekadent" angesehen, ein Schimpfwort von Partei und Stasi, Aber das wurde sogleich in ein Kunstwort verkleidet: der „Anaferoniker“. Damit waren alle zufrieden.

Weil die Materialbeschaffung ein Problem darstellen sollte, hat der Heimleiter drei Waggons Steine, die für das Landesverteidigungsobjekt (LVO) Grenzsicherung gedacht waren, zum Heim umgeleitet, zum Schutze der eigenen Bevölkerung. Abladen ließ er durch Soldaten. Das fiel am wenigsten auf. Der Kommandant schuldete ihm noch einen Gefallen. Er hatte dessen Sohn durch die Prüfung gebracht.

Die Ilsenburger Kupferhütte

Donnerstag, 25. Mai 1989. Zum ersten Mal erlebt er ein sozialistisches Wunder. Ein Hektar Buchen- und Eichenwald in Ilsenburg durch argumentative Fragen gerettet . Der Vorsitzende der Kreisplankommission forderte seinen Genossen auf, ein neues Konzept vorzulegen, weil er auf die Argumente von drei Leuten keine Entgegnung mehr wusste. An diesem späten Nachmittag haben die drei sich geschworen, bis zum 31. Dezember 1990 die Schließung der Ilsenburger Kupferhütte herbeizuführen. Am Montag, 31. Juli 1989 haben sie ein Dokument aus einem Panzerschrank der Behörden für eine Nacht „ausgeliehen“, das sie schockierte.

Das Bezirkshygieneinstitut Magdeburg hatte am 8. März 1988 eine detailgetreue Auflistung der Gefahren für die Bevölkerung skizziert, in der es unter anderem hieß, dass im Umkreis von ca. fünf Kilometern um die Kupferhütte bei Werktätigen und Anwohnern „mit erhöhten Schwermetallgehalten im Blut, im Urin, in den Nieren und in den Knochen zu rechnen“ sei, „die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen insbesondere chronischen Erkrankungen führen können“.

Das nahmen eine Ärztin in Ilsenburg, Frau Dr. Ingeborg Röthing, und der junge Mann zum Anlass, Eingaben zu schreiben. Sie wurden so formuliert, dass aus den Texten die Kenntnis der Unterlage nicht hervorging. Am 1. und 2. August wurden die Eingaben weggeschickt. Am 2. August informierte der junge Mann den Rat des Kreises über eine geplante Veranstaltung am 1. September 1989. Mit Holländern gemeinsam sollte an den Beginn des Zweiten Weltkriegs gedacht werden. Ein Jahr hat der junge DDR-Bürger an den Formulierungen gearbeitet. Theologisch exakte Kritik am System. Ein Gebet über 81 Konflikte in der Welt. Und in der DDR.

Dienstag, 12. September 1989, der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer fordert im Westfernsehen ein Wirtschaftsprogramm für die DDR.

Der junge Mann analysiert auf 42 Seiten den Wirtschaftsplan der DDR und errechnet einen Fehlbetrag von 90 Milliarden Mark der DDR, bereinigt etwa 42 Milliarden. Schwindelerregende Summen. Am Donnerstag, 21. September, übergibt er Herrn Schorlemmer die Berechnung und ein darauf aufbauendes Wirtschaftsprogramm. Eine Mitarbeit im wenig später neugegründeten „Demokratischen Aufbruch“ (DA) lehnt er vorsichtshalber ab, da er die Gründung nicht gefährden wollte, denn am 26. September war die Einladung zum Gespräch über die Kupferhütte.

Und wieder unfassbar! Die Regierung der DDR schickte eine Delegation aus Regierungsbeamten, Beamten des Rates des Bezirkes Magdeburg, Kreisbeamten sowie dem Bürgermeister und der Kombinatsleitung Mansfeld. 50 Millionen Deutsche Mark Reingewinn erwirtschafte die Kupferhütte im Jahr, so drückte sich meiner Erinnerung nach damals Generaldirektor Reichmann aus. Darauf könne die Regierung nicht verzichten. Einzig und allein zu Lasten der Gesundheit der Bevölkerung. Dem gegenüber stehen Strafzahlungen des Kombinats in Höhe von 100.00 Mark der DDR pro Jahr. Als die beiden gefragt wurden, was sie erwarteten, holte er die Abschrift aus der Tasche und sagte: „Nicht mehr und nicht weniger, als in diesem Papier steht.“

Da stellte sich heraus, dass die Regierung das Papier nicht kannte. Es gab nur drei Kopien davon. Wie die beiden zu dem Schreiben gekommen seien, wussten sie nicht mehr. Als Heimleiter hätte er sagen können: Demenz. Nun aber wurden ab 13 Uhr zehn Exemplare in allen umgebenden Kirchgemeinden ausgehängt – eine Sicherheitsmaßnahme für die beiden.

Am Donnerstag, 2. November, kam es zum öffentlichen Gespräch. An dem Tag traf auch das Ergebnis einer heimlich in den Westen geschickten Bodenprobe von Prof. Wassermann aus Kiel ein. Dioxin, PCP und Furane. Das Ergebnis durfte nicht bekannt werden, aber damit konnten sie arbeiten. Auf die Anfrage, was passiere, wenn Dioxine durch ein Labor der DDR festgestellt würden, antwortete der Vorsitzende des Rates des Kreises, dass er dann die sofortige Schließung der Kupferhütte anordne . Doch bis dahin sollte es noch dauern. Erst am 7. Februar 1990 schloss das erste Werk der DDR aus Umweltgründen durch Proteste der Bevölkerung, der Zeitpunkt, an dem Wissen zur traurigen Gewissheit wurde.

Frau Dr. Ingeborg Röthing, Ärztin und Ehrenbürgerin der Stadt Ilsenburg, Herr Dr. Karl-Otto May, Arzt in Ilsenburg, und der Heimleiter waren zunächst deprimiert, weil es die Menschen betraf, ihre Gesundheit, ihr Leben. Sie hätten sich ein anderes, schnelleres Handeln gewünscht. Auf Antrag des 40-Jährigen hat die DDR-Regierung Kinder in ein Erholungsheim geschickt. Am 07. Februar 1990 erfolgte die Schließung der Kupferhütte noch ohne Arbeitslosigkeit, denn darum haben die drei sich gekümmert und gemeinsam mit den staatlich Verantwortlichen Ersatzarbeitsplätze angeboten.

"Tag der Befreiung" für den Brocken"

Am 8. November 1989 wurde der Antrag an die Regierung der DDR gestellt, den Brocken frei zu geben. „Visum nach Hawaii, aber der Brocken nicht frei.“ Als letzter Termin für die Öffnung war der 1. Advent, der Beginn eines neuen Kirchenjahres, im Kopf vorgemerkt. Und es klappte. Am Sonntag, den 3. Dezember folgte der „Tag der Befreiung“ für den Brocken. 5.000 Menschen aus Ost und West unter seiner Leitung. Nach einem Ultimatum: „Wenn um 12.45 Uhr der Brocken nicht geöffnet ist, ist er um 12.45 Uhr offen!“ Wieder 12.45 Uhr. Kein Zufall. Erinnerung.

Im Februar 1990 kam der Vorsitzende der Nationalen Front des Kreises, er war CDU-Mitglied, und bat den jungen Mann um Verzeihung und bedankte sich für die faire Behandlung. In anderen Orten seien sie niedergemacht worden. Wenn er, der junge Mann, ihn ebenfalls niedergemacht hätte, hätte er es verstanden, denn er habe jeden Grund dazu.

3. Neue Erfahrungen

Am 14. Mai 1994 konnte der junge Mann ein außergewöhnliches Altenpflegeheim an den Vorstand übergeben, bezahlt, wie in der Konzeption geschrieben, von Deutschland. Über 1.000 Menschen waren zur Eröffnung gekommen.

Aber die Banken der Bundesrepublik hatten den ostdeutschen Architekten Kredite verweigert. Erst eine Architektengemeinschaften aus Magdeburg und Braunschweig ermöglichte den Bau nach der Konzeption von 1988. 30 Gemälde und Zeichnungen aus der Burg Giebichenstein, der Kunsthochschule Halle, schmückten das Haus, von einigen abgelehnt, von anderen bewundert, aber sehen wollte es jeder. Alle Bilder wurden gespendet. Ein Professor aus dem Altenpflegebereich West war der Meinung, dass es in ganz Deutschland höchsten zwei oder drei Heime gleicher Güte gäbe.

Dann wechselte der Heimleiter nach Thüringen. Dort stellte er in der Nacht vom 30. zum 31. Oktober 2005 vor den Kirchen selbstformulierte Plakate mit „9,5 Thesen zur Gerechtigkeit“ auf. Das Thema: Hartz IV, Gerechtigkeit und Solidarität ist wie Intelligenz, Überzeugtheit und Ehrlichkeit eines Genossen nicht in Einklang zu bringen. Wörtlich hieß es unter anderen: „Gerechtigkeit werdet ihr erfahren, wenn ihr nicht zulasst, dass Bürokratien sich zuerst selbst versorgen…“.

Nach einer Veranstaltung in Saalfeld mit mehr als 1.000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen gemeinsam mit dem Linken-Politiker Bodo Ramelow und einer Rede mit christlichen Aspekten und politisch-philosophischen Aussagen von Hannah Arendt wurde ihm als leitenden Angestellten gekündigt. Denn Bodo Ramelow war nicht CDU.

Das ihm Wichtigste drückte er in drei Plakaten aus: Armut trägt Namen. Armut trägt Schuhe. Armut trägt ein Gesicht. Er engagierte sich dann ehrenamtlich für die Rechte von Arbeitslosen und Geflüchteten. Zur Corona-Krise stellte er am Montag, den 13. April 2020, 18 Fragen an alle Bundesministerien. Es gibt zur DDR einen großen Unterschied. Die DDR antwortete, die Bundesministerien bis heute nicht. Noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung.

Über vier Jahre musste er auf eine Antwort auf eine Petition zur Gleichbehandlung von Ost- und Westdeutschen warten. CDU und SPD lehnen diese ab. Das interessiere im Westen niemanden, wurde ihm von einer sozialdemokratischen Spitzenpolitikerin bedeutet.

Wenn ich in die Zukunft schaue, sehe ich grundlegende Veränderungen, die für den inneren Frieden notwendig sind.

Deutschland braucht ein neues und zeitgemäßes Wahlgesetz, damit die Kosten nicht ausufern. Dazu hätte ich einen Vorschlag. Das Parlament sollte nur noch über höchstens 510 Abgeordnete verfügen. Es wäre ein gutes solidarisches Zeichen des Parlaments an sein Volk.

Ebenso sollten aus der Kleinstaaterei in Deutschland fünf in etwa gleichgroße Länder entstehen nach Artikel 29 GG, die zwischen 15 Millionen und 18 Millionen (bisher: 672.000 – 18 Millionen) Einwohner zählen. Das würden in etwa gleichstarke Länder mit vergleichbarem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 38.235 €/EW – 43.913 €/EW (bisher 27.904 €/EW – 65.604 €/EW). Dann würden die Kosten von elf Parlamenten eingespart.

Um dieses Ziel durchsetzen zu können, sollte der Bund die Kommunalschulden der Länder übernehmen, die sich zur Strukturänderung bekennen, damit die Kommunen wieder arbeitsfähig werden. So käme die Bundesrepublik den gleichwertigen Lebensverhältnissen, die das Grundgesetz vorsieht, zumindest ein Stück näher.

4. Ethische Zukunftsfragen klären

Gesellschaftliche Änderungen sind mehr als nötig. Im Streit der Lobbyisten gingen und gehen die Leidtragenden der Entwicklung unter. An den Schicksalen vieler Familien von Arbeitnehmern war und ist die Politik nur scheinbar interessiert, denn ansonsten könnte das Armutsrisiko nicht von der Anzahl der Kinder in einer Familie bestimmt werden und somit der demografische Faktor. Die Politik und die ihr innewohnenden Scheingefechte der parlamentarischen Parteiendemokratie scheinen nicht geeignet für eine umfassende Strukturreform der gesellschaftlichen Prozesse.

Aus meiner Sicht ist Arbeitslosigkeit das Ergebnis aller durch die Parlamente getroffenen Fehlentscheidungen in der Innenpolitik. Arbeitslosigkeit ist ein Makel der Gesellschaft und nicht des Betroffenen. Der Einzelne (Betroffene) ist nur das Symptom des Missmanagements der Gesellschaft, die durch ihr Parlament repräsentiert wird. Die Arbeitslosigkeit ist eine tiefe Verletzung der Würde des Menschen durch Personen der Politik und der Wirtschaft und führt zur Stigmatisierung und Diskriminierung des Einzelnen und seiner Familie. Solange Ursachen von Arbeitslosigkeit subventioniert werden, solange wird es eine hohe Arbeitslosigkeit geben.

Bildung und Wissenschaft sind das Brot der Vernunftbegabten. Kultur und Sport sind der Wein und Kunst und soziale Kompetenz sind das Kleid der Vernunftbegabten. Damit der Mensch nicht mehr Opfer des Menschen werde! Diese Maxime müsste zur Staatsmaxime werden.

Das Demokratieverständnis ist in meinen Augen verlorengegangen. Demokratie lebt vom Reden und nicht von Sprachlosigkeit. Der US-Theologe und Autor Theodor Parker sagte einmal: „Demokratie heißt nicht: Ich bin so gut wie du. Demokratie heißt: Du bist so gut wie ich.“

Demokratie lebt vom Wort, vom gesprochenen Wort. Demokratie lebt vom Wechsel, lebt vom Wortwechsel, von der Einheit zwischen gesprochenem Wort und Handeln, vom Streit der Worte und Wettstreit der Worte und vom Kompromiss im Handeln. Demokratie braucht das „Du“. Demokratie braucht das „Ich“. Demokratie braucht das „Wir“, die Gemeinschaft, die Ideen, das Tun, die Zeit, von uns, mit uns, für uns. Und dieser Grundsatz ist in Gefahr. Seit der Deutschen Einheit wird Politik nicht mehr r i c h t i g erklärt. Ob das die Klientelpolitik unter dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) betraf, die „Bastapolitik“ unter seinem Nachfolger Gerhard Schröder (SPD) oder die Direktivenpolitik unter Angela Merkel (CDU), so haben die Politikstile eines gemein: unzureichend erklärt, entmündigen sie den Verstand und wirken so, als gehe es primär um Machterhalt.

5. Zurück bleiben gemischte Gefühle

Wenn ich an den 3. Oktober 1990, den Tag der Deutschen Einheit, denke, habe ich gemischte Gefühle. Einerseits werde ich an den Stasi-Befehl 10/61 erinnert, der „… die Faschisten und feindlich gesinnten Elemente im Sperrgebiet...“ am 3. Oktober 1961 auszuweisen zum Inhalt hatte. Andererseits das unvergessliche Erlebnis der Einheit Deutschlands in seiner Freiheit, in seiner Rechtsstaatlichkeit, so dass der inzwischen erwachsen Gewordene wieder so weinen konnte, wie er es als kleines Kind dreißig Jahre zuvor verloren hatte: vor Freude!

Eigentlich wollte ich über die vier Pentagone der Gesellschaft referieren, die da wären: Das Pentagon des Friedens mit den weiteren Elementen Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Solidarität (der (männliche) Frieden wird von vier (weiblichen) Säulen gehalten), das Pentagon der Mitmenschlichkeit: Ethik, Liebe, miteinander teilen, Wortfindung, miteinander streiten, das Pentagon der Gewaltenteilung: Legislative, Exekutive, Judikative, freie und unabhängige Presse, freie und unabhängige Lehre, Wissenschaft und Forschung und das Pentagon der Verfassungsorgane. Eigentlich wollte ich die Gegenwart beschreiben, die deutsche und europäische Gegenwart. Eigentlich wollte ich Anregungen für die Zukunft, für die Zukunft unserer Nachkommen geben. Oder habe ich doch darüber gesprochen?

Die Eisheiligen. 2020.

Zitierweise: Ortwin Ringleb, „Mensch sein, Mensch bleiben“, in: Deutschland Archiv, 26.06.2020, Link: www.bpb.de/312000. Weitere "Ungehaltene Reden" ehemaliger Parlamentarier und Parlamentarierinnen aus der ehemaligen DDR-Volkskammer werden in den nächsten Monaten folgen. Es sind Meinungsbeiträge der jeweiligen Autorinnen und Autoren, sie stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar.

In dieser Reihe bereits erschienen:

- Sabine Bergmann-Pohl, Interner Link: "Ein emotional aufgeladenes Parlament"

- Rüdiger Fikentscher, Interner Link: "Die 10. Volkskammer als Schule der Demokratie"

- Hinrich Kuessner Interner Link: „Corona führt uns die Schwächen unserer Gesellschaft vor Augen“

- Klaus Steinitz, Interner Link: "Eine äußerst widersprüchliche Vereinigungsbilanz"

- Richard Schröder -Interner Link: "Deutschland einig Vaterland"

- Maria Michalk, Interner Link: "Von PDS-Mogelpackungen und Europa?"

- Markus Meckel, Interner Link: "Eine Glücksstunde mit Makeln"

- Hans-Peter Häfner, Interner Link: "Brief an meine Enkel"

- Konrad Felber, Interner Link: "Putins Ausweis"

- Walter Fiedler, Interner Link: "Nicht förderungswürdig"

- Hans Modrow, Interner Link: "Die Deutsche Zweiheit"

- Joachim Steinmann, "Interner Link: Antrag auf Staatsferne"

- Christa Luft, Interner Link: "Das Alte des Westens wurde das Neue im Osten"

- Dietmar Keller, "Interner Link: Geht alle Macht vom Volke aus?"

- Rainer Jork, Interner Link: "Leistungskurs ohne Abschlusszeugnis"

- Jörg Brochnow, Interner Link: "Vereinigungsbedingte Inventur"

- Gunter Weißgerber, "Interner Link: Halten wir diese Demokratie offen"

- Hans-Joachim Hacker, Interner Link: "Es gab kein Drehbuch"

- Marianne Birthler - Interner Link: "Das Ringen um Aufarbeitung und Stasiakten"

- Stephan Hilsberg - Interner Link: "Der Schlüssel lag bei uns"

- Ortwin Ringleb - Interner Link: "Mensch sein, Mensch bleiben"

- Martin Gutzeit, Interner Link: "Gorbatschows Rolle und die der SDP"

- Reiner Schneider - Interner Link: "Bundestag - Volkskammer 2:2"

- Jürgen Leskien - Interner Link: "Wir und der Süden Afrikas"

- Volker Schemmel - Interner Link: "Es waren eigenständige Lösungen"

- Stefan Körber - "Interner Link: Ausstiege, Aufstiege, Abstiege, Umstiege"

- Jens Reich - Revolution ohne souveränes historisches Subjekt (folgt)

- Steffen Reiche - "Rückblick und Ausblick" (folgt)

- Carmen Niebergall - "Eine persönliche Bilanz" (folgt)

- Susanne Kschenka - "Und weiter?" (folgt)

- Wolfgang Thierse - "30 Jahre später - Trotz alldem im Zeitplan" (folgt)

- u.a.m.

Mehr zum Thema:

- Die Interner Link: Wahlkampfspots der Volkskammerwahl

- Die Interner Link: Ergebnisse der letzten Volkskammerwahl

- Film-Dokumentation Interner Link: "Die letzte Regierung der DDR"

Fussnoten

War Nachrücker für den SPD-Abgeordneten Wilhelm Polte im Wahlkreis Magdeburg ab 3. September 1990, er gehörte der letzten Volkskammer also noch einen Monat lang an. Im Raum Ilsenburg hatte der Sozialarbeiter aus einem örtlichen Pflegeheim während der Friedlichen Revolution zahlreiche Demonstrationen organisiert. Auf diese Weise wurde auch die friedliche Öffnung des Brockentores erreicht, das Terrain war bis dahin militärisches Sperrgebiet.1994 verwirklichte sich Ringlebs Ziel, ein modernes, Maßstäbe setzendes Altenpflegeheim für 111 Bewohnerinnen zu errichten, das "Haus Abensegen" in Ilsenburg, gefördert von Bund, Land, Landkreis und Stadt. Zeitweise übernahm er dessen Geschäftsführung. Im März 2020 erhielt er die Verdienstnadel des Landes Sachsen-Anhalt für sein "über das normale Maß hinaus" reichende Engagement.