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Warum Gethsemanekirche und Nikolaikirche für die deutsche Identität wichtig sind

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Drei Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Der Weg zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? 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Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? 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Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. 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Warum Gethsemanekirche und Nikolaikirche für die deutsche Identität wichtig sind

Rainer Eckert Ilko-Sascha Kowalczuk

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Berlin, Plauen, Dresden, Leipzig: Wer Symbolorte der Demokratie sucht, muss auch nach Ostdeutschland schauen, wo 1989 die Friedliche Revolution erfolgreich war.

Besucher eines der montäglichen Friedensgebete in der Leipziger Nicolaikirche im Herbst 1989 - von der Stasi rundum observiert. (© BStU Außenstelle Leipzig)

In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 26. Oktober setzten sich Herfried Münkler, Hans Walter Hütter und Peter Cachola Schmal mit der bevorstehenden und notwendigen Restaurierung der Paulskirche in Frankfurt am Main und ihrem Ausbau zu einem Erinnerungsort an die Revolution von 1848/49 auseinander. Der Beitrag beruht auf einem Konzeptionspapier für das Bundespräsidialamt. Er war notwendig, und zu Recht gehen die Autoren davon aus, dass die alte Bundesrepublik ein symbolarmer Staat war und die Westdeutschen ihr historisches Selbstbewusstsein vor allem aus dem Wirtschaftswunder bezogen – die Fußballweltmeisterschaft 1954 könnte ebenfalls genannt werden.

Erinnerungsorte und Denkmale der deutschen Demokratie- und Freiheitsgeschichte wie das Hambacher Schloss und die Paulskirche in Frankfurt am Main spielten dagegen bisher nur eine geringe Rolle. Die SED-Diktatur instrumentalisierte vor allem die Tradition eines auf Kommunisten reduzierten Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

Münkler, Hütter und Schmal sind weiterhin der Meinung, dass Erinnerungsorte und Symbole für die Zusammengehörigkeit einer Nation zählen und auch in der Bundesrepublik für die Befestigung der Demokratie wichtig sind. Für sie ist die Paulskirche mit ihrem parlamentarischen Projekt der nationalen Einigung Deutschlands in der Revolution von 1848/49 ein wichtiger Symbolort. Deshalb fordern sie, dass dieses Gebäude grundlegend renoviert und zum Symbol bürgerschaftlichen Freiheitswillens und bürgerlicher Eigeninitiative ausgebaut wird. Dazu sollte noch ein Ort der Erinnerung, ein "Haus der Demokratie", als Lernort an diese Revolution, in unmittelbarer Nähe errichtet werden.

Es ist befremdlich, dass die Revolution von 1989/90 nicht erwähnt wird

Dieses Projekt verdient Unterstützung, zeugt aber gleichzeitig von einer historisch reduzierten und rein westdeutschen Sicht. Die Revolution gegen die Diktatur in Ostdeutschland 1989/90 wird dagegen mit keinem Wort erwähnt. Das ist umso befremdlicher, weil dies die erste erfolgreiche Revolution in der deutschen Geschichte war und sie viele Ziele von 1848/49 erfolgreich durchsetzte.

Wie notwendig es ist, "’89" stärker in den Blick zu nehmen, zeigte auch der Missbrauch der Revolution von 1989/90, des Leipziger Augustusplatzes und des dortigen Innenstadtringes durch "Querdenker", Esoteriker, Corona-Leugner und Rechtsextremisten am vergangenem Sonnabend. Dem ist entgegenzutreten, und wichtig ist dabei nicht nur die Revolution gegen die SED-Diktatur, sondern auch, dass sie in einen ostmitteleuropäischen Revolutionszyklus gehört, der grundsätzliche gesellschaftliche Umwälzungen erzwang, die in der Regel unblutig und weitgehend ohne direkte Gewaltanwendung verliefen.

Sie erfassten dominoartig als Bewegungen für bürgerliche Freiheiten, Reformen und die Durchsetzung zivilgesellschaftlicher Normen die "realsozialistischen" Staaten und führten mit dem Ende der Sowjetunion Ende 1991 zum Sturz der Vormacht des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa. Damit leiteten diese Revolutionen eine globale "Zeitenwende" ein und ermöglichten die Einigung Europas. Es entstand ein "Erinnerungsort" für alle Europäer, der zu einem unseren Kontinent umfassenden Mythos werden könnte. Das zeigt auch der Kampf der Opposition heute in Belarus gegen die Wahlfälschungen eines autokratischen Präsidenten.

Technologierückstand in den Betrieben, chronische Devisenknappheit, Versorgungsengpässe

Die Friedliche Revolution in der DDR gegen die SED-Diktatur selbst hat eine lange Vorgeschichte. Zu den Gründen für ihren Erfolg zählt, dass die Kommunisten in Ostdeutschland ihr Sendungsbewusstsein und den Glauben an ihre Sache weitgehend verloren hatten. Bereits Jahre vor 1989 war die gesellschaftliche Atmosphäre von Apathie und Depression geprägt gewesen, jetzt verloren die kommunistische Ideologie und der instrumentalisierte Antifaschismus an Bindungskraft und die Wirtschaft sowie Umwelt verfielen. Dazu kamen der Technologierückstand in den Betrieben, chronische Devisenknappheit, Versorgungsengpässe und der Zerfall historischer Ortskerne. Es fehlten politische Demokratie, Rechtssicherheit, und die Bevölkerung war weitgehend entmündigt. Die SED herrschte diktatorisch mit Zwang, Verführung und Manipulation. Dazu kamen die plumpe Fälschung der Kommunalwahlen im Mai 1989 und die Unterstützung für das Massaker der chinesischen Kommunisten an den protestierenden Studenten in Peking im Juni desselben Jahres.

In den 1980er-Jahren trugen Persönlichkeiten aus dem literarisch-kulturellen Milieu Wichtiges zur Entwicklung der Opposition bei und parallel zu den im Schutzraum evangelischer Kirchen arbeitenden Friedensgruppen entstanden weitere oppositionelle Gruppierungen. In der beklemmenden Situation der Diktatur drängten im Sommer 1989 immer mehr Menschen auf ihre Ausreise in den Westen und flohen über Ungarn in die Bundesrepublik. Im Sommer 1989 gewannen alternative Subkulturen, demokratische Bürgerrechtsgruppen und dann auch oppositionelle Parteien als Träger der herannahenden Revolution an Einfluss.

Gleichzeitig destabilisierten die Wahl eines Polen zum Papst, die polnische Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc, die Entspannungspolitik des Westens und die Reformbemühungen des sowjetischen Parteiführers Michail Gorbatschow das Moskauer Imperium. Dazu kamen in der Sowjetunion die Bürgerrechtsbewegung "Memorial", das Wirken von Dissidenten wie Andrei Sacharow und in der Tschechoslowakei die "Charta 77".

Die entscheidende Demonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig

In dieser revolutionären Situation spielten verschiedene Orte eine herausgehobene Rolle. Neben Berlin waren es vor allem thüringische und sachsen-anhaltinische, besonders aber auch sächsische Städte. So demonstrierten, während in Berlin, besonders im Stadtbezirk Prenzlauer Berg rund um die Gethsemanekirche, der Staatsterror tobte, im vogtländischen Plauen am 7. Oktober 1989 mehr als 10.000 Menschen für Meinungs- und Pressefreiheit, und am 8. Oktober gab es in Dresden den ersten "Dialog" zwischen Demonstranten und bislang Herrschenden.

Die Entscheidung über den weiteren Verlauf des Aufstandes brachte die friedliche Demonstration von weit mehr als 70.000 Menschen aus der ganzen DDR am 9. Oktober in Leipzig. Dem war vorausgegangen, dass bereits ab 1981 Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen in der Nikolaikirche Friedensgebete organisierten und es auf den Straßen Leipzigs immer wieder zu Protesten gegen die Diktatur kam. Seit September 1989 gingen von der Kirche dann die Montagsdemonstrationen aus. Im vereinten Deutschland lebten die Montagsgebete weiter, und an jedem 9. Oktober wird hier der Friedlichen Revolution gedacht.

In der Gethsemanekirche hatte die Ost-Berliner Opposition in den 1980er-Jahren einen Ort des Schutzes und für ihre Arbeit. So gab es hier Fürbittgottesdienste, Friedensgebete und öffentliche Diskussionen zum evangelischen Kirchentag 1987, gegen die Verhaftung nach der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration am 17. Januar 1988, nach den gefälschten Kommunalwahlen am 7. Juni 1989 und nach dem Massaker auf dem Pekinger Platz der Himmlischen Friedens am 4. Mai dieses Jahres. Hier stand seit Anfang 1989 ein Kontakttelefon für die Informations- und Vernetzungsarbeit der Gruppen der Bürgerbewegung. Nach den Ausschreitungen der "Sicherheitsorgane" am 7. Oktober suchten in der Kirche viele Demonstranten Schutz, und hier wurden ihre Gedächtnisprotokolle gesammelt. Auch nach dem Sturz der Berliner Mauer blieb die Kirche ein Versammlungsort der Opposition und setzte ihre Friedensarbeit nach der Wiedervereinigung fort.

Beide Kirchen gehören ins Zentrum der historischen Identität der Bundesrepublik

Beide Kirchen spielten so eine wichtige und mitentscheidende Rolle bei der Friedlichen Revolution als der ersten gelungenen und ohne Blutvergießen siegenden Revolution in der deutschen Geschichte. Sie trugen dazu bei, dass Freiheitskämpfe und Revolutionen nicht nur eine europäische, sondern auch eine deutsche Tradition sind. Sie gehören in das Zentrum der historischen Identität der Bundesrepublik und unseres Kontinents. Das gilt genauso für die deutsche und die Revolutionen in mehreren Ländern Europas 1848/49. Beider Revolutionszyklen sollte gemeinsam gedacht werden und sie gehören in das gleiche historische Narrativ.

Das geschieht bisher nur in der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte in Rastatt – allerdings nur mit regionaler Ausstrahlung. So ist es sowohl naheliegend als auch demokratiestabilisierend, wenn Pauls-, Gethsemane- und Nikolaikirche gleichermaßen als Erinnerungsorte erhalten und ausgebaut werden. Nicht zuletzt würde das auch zu einem gemeinsamen Geschichtsbewusstsein in Ost und West und so zur deutschen Einheit beitragen. Ganz falsch ist es dagegen, nur die Paulskirche und damit die Revolution von 1848/49 in den Blick zu nehmen und damit die Friedliche Revolution ins Vergessen zu drängen und zu einem "Regionalereignis Ost" zu machen.

Der Beitrag erschien 2020 zunächst in der Serie "Zeitenwende" der Berliner Zeitung. Zitierweise: Rainer Eckert und Ilko-Sascha Kowalczuk, "Warum Gethsemanekirche und Nikolaikirche für die deutsche Identität wichtig sind“, in: Deutschland Archiv, 09.01.2021, Link: Externer Link: www.bpb.de/325247. Weitere Texte und Interviews in dieser Serie folgen. Es sind Meinungsbeiträge der jeweiligen Autorinnen und Autoren, sie stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar.

Weitere Beiträge in dieser Reihe unter: Interner Link: Zeitenwende

Fussnoten

Rainer Eckert ist Historiker und ehemaliger Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig.

Ilko-Sascha Kowalczuk ist Historiker, spezialisiert auf die Aufarbeitung der DDR-Geschichte, lange Zeit war er tätig in der Stasi-Unterlagenbhörde. Zeitweise war er Mitglied der Regierungskommission "30 Jahre Revolution – 30 Jahre Deutsche Einheit". Sein jüngstes Buch, erschienen 2021 in der bpb: (Ost)Deuschlands Weg I+II, 80 Studien, Prognosen, Essays (bpb-Schriftenreihebände 10676 I+II).