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Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Drei Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Der Weg zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? 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Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? 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Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Westdeutsche DDR-Zuwanderungspolitik in der deutsch-deutschen Systemkonkurrenz

Arne Hoffrichter

/ 15 Minuten zu lesen

Der Aufsatz beruht auf dem Manuskript eines Vortrags, der vom Autor am 9. November 2022 im Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen gehalten wurde.

Titelseite der Hannoverschen Presse mit Aufmacher vom 30. Mai 1952: "Auf Grenzübertritt steht die Todesstrafe"

„Die 650 Kilometer lange Zonengrenze von der Ostsee bis nach Bayern wurde im Rahmen sogenannter Schutzmaßnahmen auf sowjetzonaler Seite durch einen fünf Kilometer tiefen Sperrgürtel in eine echte Staatsgrenze umgewandelt,“ wusste die Hannoversche Presse Ende Mai 1952 zu berichten Obwohl DDR und Bundesrepublik staatsrechtlich bereits 1949 aus der Taufe gehoben worden waren, zeigt der kleine Ausschnitt aus der Berichterstattung doch sehr plakativ, wie man die Grenzsicherung der Ulbricht-Regierung vom 27. Mai 1952 in Westdeutschland aufnahm: Wenn aus einer Zonengrenze eine Staatsgrenze wird, ist dies ein deutliches Indiz dafür, dass sich auch die Existenz von zwei deutschen Staaten in den Köpfen festsetzte – ungeachtet des beiderseits der Grenze weiterhin propagierten Alleinvertretungsanspruchs.

Schon auf den ersten Blick war das Jahr 1952 gespickt mit politisch bedeutungsvollen Vorkommnissen: Neben der militärischen Befestigung der Grenze durch die DDR hatten etwa die Diskussion um die sogenannten Stalinnoten im Frühjahr und der Abschluss des in der Bundesrepublik so bezeichneten Deutschlandvertrages mit den Westalliierten eine große Bedeutung. Speziell für die DDR waren gleichermaßen wichtige Weichenstellungen die 2. SED-Parteikonferenz im Juli 1952 als Auftakt des „planmäßigen Aufbaus des Sozialismus“, die Aufstellung der Kasernierten Volkspolizei sowie die Abschaffung der föderalen Strukturen:

1952 treten in der DDR an die Stelle der bisherigen fünf Länder (links) 14 Verwaltungsbezirke (rechts) mit je einem Bezirkstag als dem obersten Organ der Staatsgewalt und einem "Rat des Bezirks" als vollziehendem und verfügendem Organ an der Spitze. (© picture-alliance/dpa)

Aus Ostberlin und den fünf Ländern wurden 14 zentralistisch geführte Bezirke neuen Zuschnitts.

Der zweite Blick auf die genannten Begebenheiten offenbart indes, dass diese sämtlich im Zusammenhang mit der Verfestigung staatlicher Strukturen und der Einbindung beider Teile Deutschlands in den östlichen und westlichen Machtbereich standen. Das „Schlüsseljahr“ 1952 ist mithin einzubetten in die Entstehungsgeschichte der bipolaren Weltordnung des Kalten Krieges und den schrittweisen Fortgang der „Doppelten Staatsgründung“ (Christoph Kleßmann) ab etwa 1947. Dies gilt zu weiten Teilen auch für die Abwanderungsbewegung von Ost- nach Westdeutschland. Durch den Mauerbau und die endgültige Abriegelung der DDR-Westgrenze 1961 kam die Massenabwanderung aus der DDR zum Erliegen, die bis dahin einer der sichtbarsten Ausdrücke der Verflechtung beider deutscher Staaten, aber auch der deutsch-deutschen Systemkonkurrenz war. In besonderer Weise offenbarten sich die temporär unterschiedliche Intensität, aber auch die Hintergründe der innerdeutschen Ost-West-Migration in den Aufnahmeeinrichtungen des Bundes: In den Aufnahmelagern Uelzen-Bohldamm und Gießen – ab 1953 auch Berlin-Marienfelde – wurde die deutsche Spaltung bereits vor der Grenzschließung deutlich sichtbar. Dort wurde gewissermaßen die „Abstimmung mit den Füßen“ ausgezählt.

Allerdings hatten die Ankommenden entsprechend den Normen des Gesetzes über die Notaufnahme von Deutschen in das Bundesgebiet, kurz Notaufnahmegesetz, darzulegen, dass sie aufgrund politischer Verfolgung die DDR verlassen hatten. Mit Blick auf das Jahr 1952 stellt sich fast unweigerlich die Frage, welche Bedeutung der Grenzschließung und den anderen Geschehnissen des Jahres für die deutsch-deutsche Migrationsbewegung innewohnte und welche Folgen sie für die Notaufnahmelager hatte, hier dargestellt am Beispiel des Lagers Uelzen-Bohldamm im Norden Niedersachsens.

Das Lager Uelzen und die westdeutsche DDR-Zuwanderungspolitik bis 1952

Das Notaufnahmegesetz war das Ergebnis einer längeren Entwicklung, die sich parallel zur Gründung der Bonner Republik ab etwa 1947 vollzog und die in ihren Anfängen auf das Engste verbunden war mit dem Notaufnahmelager Uelzen-Bohldamm. Dieses war in der britischen Besatzungszone unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg als Durchgangslager für Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten errichtet worden. Doch mussten sich dort abseits der organisierten Transporte auch diejenigen registrieren lassen, die allein oder in kleineren Gruppen die Demarkationslinie zur Britischen Besatzungszone von Osten her überschritten. Im Frühjahr 1947 waren dies immer weniger Ost-Vertriebene, sondern vielmehr Menschen aus der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) oder solche, die dort für einige Zeit gelebt hatten. Lenkten nach 1961 vor allem die spektakulären, mitunter tragischen Fluchtversuche das öffentliche Interesse auf die Berliner Mauer und den sogenannten Eisernen Vorhang, hatte die Flucht- und Abwanderungsbewegung aus der SBZ beziehungsweise DDR ihren Anfang denkbar unauffällig genommen. Auch die niedersächsischen Flüchtlingsbehörden wurden ein Stück weit von der Veränderung innerhalb der in Uelzen ankommenden Menschengruppen überrascht, obwohl erwartbar war, dass die ab Ende 1946 erkennbaren deutschlandpolitischen Gegensätze von Sowjetunion und Westalliierten nicht folgenlos bleiben würden – stand doch bereits zu diesem Zeitpunkt das autoritäre und rustikale Vorgehen von Sowjetischer Militäradministration und SED bei der Durchsetzung ihrer Vorstellungen im Gegensatz zu den größeren wirtschaftlichen und persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten, die die US-Amerikaner, Briten und Franzosen den Menschen in Westdeutschland beließen. Exemplarisch für die ostdeutschen Maßnahmen können hier etwa die gewerblichen und landwirtschaftlichen Kollektivierungen sowie die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED genannt werden.

Menschen im Gespräch vor Baracken im Flüchtlingslager Uelzen. (© Bundesregierung (Bundesarchiv), B 145 Bild-00005451)

Westlich der Grenze wurden die Menschen aus der SBZ – und auch hier wieder ein Gegensatz zu der Zeit nach dem Mauerbau – keineswegs immer als Flüchtlinge gesehen, sondern häufig als zusätzliche Belastung für die ohnehin stark belasteten Wohnraum- und Nahrungsmittelkapazitäten. Verkürzt gesagt, entsprach die niedersächsische Reaktion einem Abwehrreflex, der auf die Situation in der SBZ rekurrierte und mithin das Grundschema festlegte, welchem alle späteren westdeutschen Regelungen in der SBZ/DDR-Zuwandererfrage folgen sollten. Der Erlass der niedersächsischen Staatskommissarin für das Flüchtlingswesen Martha Fuchs vom 6. Mai 1947 ordnete an, dass im Flüchtlingsdurchgangslager Uelzen-Bohldamm nur noch folgende Personengruppen aufgenommen werden sollten: „[E]chte Flüchtlinge, ehemalige DPs […], entlassene Kriegsgefangene […], politisch Verfolgte, die einen Nachweis hierfür erbringen können[, und] Personen, die im Besitze einer Zuzugsgenehmigung eines Ortes des Landes Niedersachsen sind.“ Zur Begründung und Rechtfertigung ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den Landsleuten aus dem anderen Teil Deutschlands führten die niedersächsischen Politikerinnen und Politiker ins Feld, dass ein großer Teil der Ankommenden aus der SBZ „asozial, kriminell und arbeitsscheu“ sei – ein semantischer Dreiklang, der dem NS-Jargon entstammte. Vor allem der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin Heinrich Albertz (SPD) ebnete dieser verunglimpfenden Sichtweise als niedersächsischer Flüchtlingsminister auch auf Bundesebene den Weg. Im Ergebnis knüpfte das Notaufnahmegesetz von 1950 die Aufenthaltserlaubnis ebenfalls an eine Gefährdungs- oder Verfolgungssituation und schränkte damit die durch Artikel 11 des Grundgesetzes eigentlich „allen Deutschen“ garantierte Freizügigkeit für DDR-Bürginnen und -Bürger ein. Das NAG legte in § 1 Absatz 2 entsprechend fest, dass die Erlaubnis für den Verbleib in der Bundesrepublik Personen nicht verweigert werden dürfe, „die wegen einer drohenden Gefahr für Leib und Leben, für die persönliche Freiheit oder aus sonstigen zwingenden Gründen die in Absatz 1 genannten Gebiete [SBZ und Ostberlin; d. Verf.] verlassen mußten“. Das Notaufnahmegesetz war dementsprechend nichts anderes als ein innerdeutsches Asylgesetz, mit dem die junge Bundesrepublik die Zuwanderung aus der DDR steuern und begrenzen wollte. So rigide das Motiv und so strikt der Klang der Normen dem ersten Anschein nach waren, drohte bei Zuwiderhandeln keine wirkliche Sanktion. Denn es wurde niemand in die SBZ oder DDR zurückgeschickt. Die britische Militärregierung hatte sich einem solchen Ansinnen der deutschen Politikerinnen und Politiker mit Verweis auf die sich „sowjetisierenden“ Verhältnisse östlich der Zonengrenze stets verweigert. Der Aufnahmebescheid war damit vor allem im administrativen Sinne von Vorteil für die Zuwandernden, was Wohnraumversorgung und Arbeitsvermittlung anbetraf. Doch abgesehen von dem im Gesetz festgeschriebenen Zweck hatte das Notaufnahmeverfahren zwei weitere Funktionen, die westdeutschen Regierungen und ihren nachgeordneten Behörden von Nutzen waren: Zum einen konnten die Geheimdienste die Zuwanderer und Zuwanderinnen als nicht versiegendes Informationsreservoir nutzen. Zum anderen aber wohnte dem Verfahren eine kaum zu überschätzende Symbolwirkung inne: Konnte die westdeutsche Politik doch mit dem Verweis auf die bloße Notwendigkeit eines Asylrechts für politisch Verfolgte aus dem anderen Teil Deutschlands die eigene moralische Überlegenheit in der deutsch-deutschen Systemkonkurrenz stetig untermauern. Diese „Nebenfunktionen“ avancierten spätestens ab Mitte der 1950er-Jahre zum Hauptzweck und Grund, das deutsch-deutsche Asylverfahren trotz eines veritablen Arbeitskräftebedarfs im westdeutschen „Wirtschaftswunder“ nicht komplett abzuschaffen.

Die Grenzschließung vom 27. Mai 1952 in der „reaktiven Mechanik“ des Kalten Krieges

Die Erschwernis der Abwanderung aus der DDR war in gleicher Weise nur ein Nebeneffekt der Grenzschließungsmaßnahmen vom 27. Mai 1952. Die DDR errichtete an der Grenze einen Stacheldrahtzaun und legte dahinter einen zehn Meter breiten „Kontrollstreifen“ an, aus dem die Vegetation weitgehend entfernt wurde. Daran schloss sich ein 500 Meter breiter „Schutzstreifen“ an, dessen Betreten grundsätzlich verboten war. Aus der abschließenden, fünf Kilometer breiten „Sperrzone“ wurden schließlich im Rahmen der sogenannten „Aktion Ungeziefer“ unmittelbar alle Personen ausgewiesen, die die DDR-Behörden als politisch „unzuverlässig“ einstuften. Richtete sich der Mauerbau 1961 eindeutig gegen einen weiteren „Braindrain“ gut ausgebildeter Menschen, ist die Grenzschließung einzubetten in den eingangs beschriebenen außenpolitischen Kontext. Sie steht unmittelbar im Zusammenhang mit dem sogenannten Deutschlandvertrag, den die Bundesrepublik einen Tag zuvor am 26. Mai 1952 mit den drei Westalliierten schloss. Der Vertrag gab der Bundesrepublik zumindest in Teilen die staatliche Souveränität zurück. Auch die Wiederbewaffnung im Rahmen der später nicht umgesetzten Europäischen Verteidigungsgemeinschaft wurde mit dem Vertragsschluss ermöglicht. Zweifelsohne war die Grenzschließung einen Tag nach der Vertragsunterzeichnung keine spontane Reaktion von DDR und Sowjetunion, sondern von langer Hand vorbereitet, hatte sich doch die Einbindung der Bundesrepublik in den westlichen Machtbereich bereits langfristig angekündigt. So nimmt auch eine Verordnung, die die Grenzschließung zeitgleich flankierte, direkt Bezug auf den propagandistisch so bezeichneten „Generalkriegsvertrag“ und weist die Verantwortung für die weitere Verfestigung der deutschen Teilung dem Westen zu: „In Befolgung ihrer Kriegspolitik haben die Bonner Regierung und die westlichen Besatzungsmächte an der Demarkationslinie einen strengen Grenz- und Zolldienst eingeführt, um sich von der Deutschen Demokratischen Republik abzugrenzen und dadurch die Spaltung Deutschlands zu vertiefen.“ Der „reaktiven Mechanik des Kalten Krieges“ folgend musste auf die feierliche Vertragsunterzeichnung fast zwangsweise die öffentlichkeitswirksame Grenzschließung folgen.

Das Lager Uelzen und die „Sperrzonenflüchtlinge“

Im Rahmen der Aktion „Ungeziefer“ hatten die DDR-Behörden bis Mitte Juni 1952 etwa 8.300 Menschen aus ihrem sozialen Umfeld gerissen und anderweitig angesiedelt. 4.500 sogenannte „Sperrzonenflüchtlinge“ verließen im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit den Grenzschließungsmaßnahmen die DDR. Für viele kam die neue Situation vollkommen überraschend, sodass sie sprichwörtlich „alles stehen und liegen ließen“ und ohne jegliches Gepäck, häufig in Arbeitskleidung, über die sich schließende Grenze nach Westen flohen. Das ostdeutsche Regime maß der spontanen Flucht wenig Bedeutung bei. Teils wurde die Abwanderung der Unzufriedenen sogar als Erleichterung empfunden. Dementgegen fiel die Reaktion in Westdeutschland deutlich aufgeregter aus. Am 18. Juni 1952 beschäftigte sich der Bundestag mit der Grenzschließung und ihren Auswirkungen für die westdeutschen Grenzgebiete, vor allem aber mit den „Sperrzonenflüchtlingen“, für deren lagermäßige Unterbringung schließlich insgesamt 30 Millionen D-Mark bewilligt wurden. In Niedersachsen stand zur Aufnahme neben dem Lager Uelzen-Bohldamm zusätzlich auch das eigentlich für Kriegsheimkehrer sowie Aussiedlerinnen und Aussiedler vorgesehene Lager Friedland zur Verfügung. Bis Mitte Juni 1952 erhielten in beiden Lagern zwischen 1.600 und 2.000 Menschen ihren Aufnahmebescheid – zumeist aus „zwingenden Gründen“. Obwohl Niedersachsen eigentlich nach der bundesweiten Verteilung anhand des „Uelzener Schlüssels“ von Einweisungen befreit war, erklärte sich das Land bereit, „Sperrzonenflüchtlinge“ zu übernehmen. Denn nach Möglichkeit wurde deren Unterbringung in der Nähe des alten Heimatortes angestrebt. Bricht man die „reaktive Mechanik des Kalten Krieges“ auf die innerdeutsche Ebene herunter, ist davon auszugehen, dass bundesdeutsche Politikerinnen und Politiker aus einer gewissen Staatsraison heraus reagierten. Doch ist darüber hinaus auch davon auszugehen, dass die öffentliche Meinung der Politik den Weg einer unbürokratischen Hilfe und Flüchtlingsaufnahme vorzeichnete. Exemplarisch kann hier ein Artikel aus der Wochenzeitung Die Zeit herangezogen werden, der rund zwei Wochen nach der Grenzschließung erschien. Im Telegrammstil informierte der Autor Dieter Beste seine Leserschaft zunächst über die politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen, die die stärkere Befestigung der deutsch-deutschen Grenze durch die DDR Ende Mai 1952 nach sich gezogen hatte:

„Sämtliche Grenzen zur Bundesrepublik und nach Westberlin sind hermetisch abgeschlossen worden. Trotzdem versuchen zahllose Bewohner der Sowjetzone in die Bundesrepublik zu gelangen. Einer der entscheidenden Gründe für die Flucht sind die Stellungsbefehle für junge Deutsche, die in der Volkspolizei Dienst tun sollen. Die Mehrzahl der in Berlin nach Westen einströmenden Menschen besteht aus jungen Männern. Dort allein sind es bisher täglich über 200. Diesem Ansturm stehen aber westdeutsche Gesetze entgegen, nach denen nur jenen Hilfssuchenden Asyl gewährt wird, die nachweisen können, daß sie für Ihr Leben und ihre Freiheit zu fürchten haben.“

Klingen die ersten Zeilen noch nach einer nüchternen Schilderung des Zeitgeschehens, wird im letzten Satz ein kritischer Unterton vernehmbar. Der Autor nannte nicht nur die Maßnahmen des SED-Regimes in einem Atemzug mit der westdeutschen Asylgesetzgebung für DDR-Zuwanderer, sondern machte das Notaufnahmegesetz zum Hauptzielpunkt seiner Kritik. Unter dem Titel „Grenzen auf!“ hielt er ein engagiertes Plädoyer für eine pragmatische Anwendung der westdeutschen Aufnahmeregeln, wie es schließlich kurz darauf auch geschah.

„Schlupfloch“ Berlin

Der Zeit-Artikel verwies über die Kritik am Notaufnahmeverfahren hinaus noch auf eine weitere Entwicklung, die Folge der Grenzschließung war und die deutsch-deutsche Migration in den Folgejahren bestimmen sollte: die weitgehende Verlagerung der Abwanderung von der ehemaligen Zonengrenze auf die Sektorengrenze zwischen Ost- und Westberlin, das nunmehr zum „Schlupfloch“ oder gar zu einer „Insel der Hoffnung“ für die Abwanderungswilligen aus Ostdeutschland wurde. Die Absperrung der Grenze war keineswegs so hermetisch, wie der Zeitungsausschnitt glauben machen wollte. Die ehemalige Demarkationslinie war aber auch keine „grüne Grenze“ mehr, deren Überquerung problemlos möglich war. Mit einer Abwanderung über Westberlin hingegen konnte das Risiko einer drohenden Verhaftung zumindest stark verringert werden. Zwar war Westberlin auch schon vor Mai 1952 das Ziel von rund der Hälfte der Abwandernden gewesen. Doch bildete sich ein veritables Missverhältnis erst aufgrund der Grenzsperrung heraus. In der zweiten Jahreshälfte 1952 wurden etwa 90.000 Anträge in Berlin und nur noch rund 20.000 zusammen in Uelzen und Gießen gestellt. Der „Strom“ – so eine häufige zeitgenössische Metapher – wandelte sich mehr und mehr zu einem „Rinnsal“.

Zur Lösung des Problems wurden verschiedene Szenarien durchgespielt, die allerdings jeweils deutliche Schwachpunkte aufwiesen. Einerseits wurde eine Erhöhung der Aufnahmequote im Westberliner Notaufnahmeverfahren ins Spiel gebracht. Aufgenommene konnten, im Gegensatz zu Abgelehnten, im Rahmen der föderalen Verteilungsquoten ausgeflogen werden. Dies hätte die Halbstadt am meisten entlastet, aber die Länder der Bundesrepublik in eine höhere Übernahmeverpflichtung gebracht und das Problem nur verlagert. Auch die zweite Überlegung, Abgelehnte oder ungeprüfte Personen zur Durchführung des Notaufnahmeverfahrens nach Uelzen oder Gießen auszufliegen, wurde schnell wieder verworfen. Aufseiten westdeutscher Politikerinnen und Politiker wog hierbei am schwersten, dass sich weitere Menschen in der DDR ermuntert hätten sehen können, ihre Abwanderungspläne nun in die Tat umzusetzen – zumal eine Rückführung von Abgelehnten ja nicht stattfand. In der Argumentation wurde der Ausflug mit einer vorgezogenen Aufnahmeentscheidung gleichgesetzt. Letztlich hatten auch die Alliierten kein Interesse an dieser Verlegung des Aufnahmeverfahrens, da ihre geheimdienstlichen Apparate in der Halbstadt weitaus besser ausgestattet waren als in Gießen oder Uelzen. Ein Kompromiss sah schließlich Anfang 1953 vor, dass Berlin außerhalb der eigentlichen Verteilungsquote monatlich weitere 10.000 Aufgenommene ins Bundesgebiet ausfliegen durften und so kaum noch DDR-Flüchtlinge in der geteilten Stadt verblieben. Im Februar 1953 wurde schließlich der monatliche Ausflug aus Westberlin auf 30.000 dort Aufgenommene festgesetzt und zeitgleich unter dem Dach des Bundesvertriebenenministeriums eine zentrale Stelle für die Verteilung der Zuwanderinnen und Zuwanderer auf die Länder eingerichtet. Einzig bei jugendlichen Zuwanderern unter 25 Jahren kam es 1953 zu einem Ausflug von gänzlich ungeprüften Personen – anfangs sogar noch inoffiziell.

Nachdem Mitte der 1950er-Jahre das DDR-Regime die Absperrung der deutsch-deutschen Grenze etwas gelockert hatte, überquerte mehr als die Hälfte der Zuwanderer wieder direkt die deutsch-deutsche Grenze zwischen Ostsee und Erzgebirge. Zu einer stärkeren Verlagerung der DDR-Abwanderung nach Westberlin kam es erst wieder ab 1957, als das SED-Regime die „Republikflucht“ und den Versuch zu dieser zu einem Straftatbestand erklärte. Obwohl die Ostberliner Sicherheitskräfte fluchtverdächtige Personen kontrollierten – etwa solche, die mit besonders viel Gepäck reisten –, waren innerhalb der Viermächte-Stadt die Verbindungswege zwischen dem Ost- und Westteil der Stadt noch vergleichsweise gut passierbar. Im Ergebnis nahm die zahlenmäßige Flüchtlingsbelegung in Westberlin zwar wieder wesentlich zu, belastete die Stadt allerdings deutlich weniger als noch 1952/53. Die Berliner Notaufnahmeeinrichtungen verfügten im Spätsommer 1958 inklusive des 1953 eingeweihten großen Notaufnahmelagers in Berlin-Marienfelde über eine Kapazität von 8.000 Personen. 1953 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass jeder Antragsteller aufgenommen werden müsse, der eine „ausreichende Lebensgrundlage“ in der Bundesrepublik vorweisen könne. Entsprechend lagen die Aufnahmequoten im Westberliner Verfahren mittlerweile konstant bei 90 Prozent. Ein Rückstau von Abgelehnten entstand nicht. Darüber hinaus waren nun auch die Befragungsstellen der Alliierten in den westdeutschen Aufnahmelagern erweitert worden, sodass westdeutsche Politikerinnen und Politiker einen Sofortabflug von nicht-geprüften Zuwanderern weniger kritisch sahen. Dieser Einstellungswandel zeigte sich zuletzt auch darin, dass aus dem Zuwandererabflug aus Berlin kein Geheimnis mehr gemacht wurde. Vielmehr wurde dieser öffentlichkeitswirksam ausgenutzt, um auf die Missstände in Ostdeutschland verweisen zu können. Zu diesem Zweck stattete etwa auch der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen Ernst Lemmer (CDU) den Berliner Flüchtlingslagern einen Besuch ab. Ungeachtet der historischen Dynamik zwischen 1952 und 1958 – erwähnt sei hier nur der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 – offenbarte sich in der unterschiedlichen Handhabung des Berlinabflugs abermals die Bedeutung des „Schlüsseljahres“ 1952 für die deutsch-deutsche Binnenmigration. Die überwiegende Verlagerung der Abwanderung in die geteilte Stadt rückte die Problematik in den medialen Fokus der deutschen, wenn nicht gar der Weltöffentlichkeit. War noch vor 1952/53 die Abwehr zusätzlicher Zuwanderung aus der DDR das Hauptziel westdeutscher Politik gewesen, wurden ab 1952 die Nebenfunktionen des Notaufnahmegesetzes zunehmend wichtiger. Die Sogwirkung auf weitere Zuwanderungswillige spielte 1958 kaum noch eine Rolle, die bestmögliche geheimdienstliche Informationsabschöpfung aber sehr wohl. Zuletzt wurde – nahezu umgekehrt proportional – die politische Symbolwirkung des Notaufnahmeverfahrens immer wichtiger. Dies lässt sich auch am Umgang mit dem Notaufnahmelager Uelzen-Bohldamm ablesen. Die in Uelzen Ankommenden aus der DDR, die noch Ende der 1940er-Jahre – gar verleumdet als „asozial, kriminell und arbeitsscheu“ – zu großen Teilen keinen Aufnahmebescheid erhielten, sollten nun einen möglichst günstigen ersten Eindruck von der Bundesrepublik erhalten. So wurde in Bonn ersonnen, die Einrichtung offiziell gar als ein einladendes „Schaufenster zur Bundesrepublik“ herzurichten. Die Grenzschließung vom Mai 1952 war keineswegs der alleinige Grund für diesen Paradigmenwechsel. Doch gab sie den westdeutschen Akteurinnen und Akteuren einen guten Grund von ihrer bisher strikt gehandhabten Zuwanderungspolitik langsam abzurücken und diese den neuen Gegebenheiten anzupassen. Dies wurde durch den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 und das erwähnte Urteil des Bundesverfassungsgerichts im gleichen Jahr noch verstärkt. Entscheidend war aber auch, dass mit der Umwandlung der Demarkationslinie in eine Staatsgrenze der Status Quo in der deutschen Frage fürs Erste geklärt war.

Mehr zum Thema von Arne Hoffrichter: Interner Link: Asylrecht nicht nur für Ausländer - Das Notaufnahmelager Uelzen-Bohldamm und die Zuwanderung aus SBZ und DDR vor dem Mauerbau >>

Zitierweise: Arne Hoffrichter, Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 - Westdeutsche DDR-Zuwanderungspolitik in der deutsch-deutschen Systemkonkurrenz, in: Deutschland Archiv Online, 23.11.2022, Link: http://www.bpb.de/515590.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Auf Grenzübertritt steht die Todesstrafe, in: Hannoversche Presse, 30.05.1952. Die Berichterstattung setzte in Westdeutschland mit leichter Verzögerung ein, da aufgrund eines Druckerstreiks am 28. und 29. Mai 1952 keine Tageszeitungen erschienen.

  2. Zur Entstehung des Alleinvertretungsanspruchs vgl. Arne Hoffrichter, Einheitsrhetorik und Teilungspolitik in West und Ost. Zur Rechtfertigung der deutschen Teilung im Prozess der doppelten Staatsgründung, in: Deutschland Archiv, 20.9.2019, www.bpb.de/297414.

  3. Vgl. hierzu etwa Falco Werkentin, Einleitung, in: ders. (Hg.), Der Aufbau der „Grundlagen des Sozialismus“ in der DDR 1952/53, Berlin 2007, S. 4-11.

  4. Vgl. hierzu insgesamt Christoph Kleßmann, Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945-1955, 5. Aufl., Göttingen 1991; John Lewis Gaddis, Der Kalte Krieg: Eine neue Geschichte, München 2008.

  5. Vgl. hierzu Arne Hoffrichter, Verwaltung, Politik, Geheimdienste. Das Notaufnahmelager Uelzen-Bohldamm im Prozess der Zuwanderung aus SBZ und DDR (1945–1963), Göttingen 2018.

  6. Hermann Weber, Die DDR 1945-1990, 5. Aufl., München 2012, S. 12-17.

  7. Erlass des Niedersächsischen Staatskommissars für das Flüchtlingswesen, 6.5.1947, Niedersächsisches Landesarchiv Hannover (NLA HA) Nds. 380 Acc. 62a/65, Nr. 409; (Die offizielle Amtsbezeichnung existierte nur in der männlichen Form.)

  8. Vgl. Hoffrichter, Verwaltung, Politik, Geheimdienste, (Anm. 5), S. 83-100; grundlegend: Volker Ackermann, Der „echte“ Flüchtling. Deutsche Vertriebene und Flüchtlinge aus der DDR 1945-1961, Osnabrück 1995.

  9. Der Gesetzestext ist abgedruckt in: Bundesgesetzblatt I, Nr. 36/1950, 26. 8. 1950, S. 367 f.

  10. Vgl. etwa Keith R. Allen, Interrogation Nation. Refugees and Spies in Cold War Germany, New York/London 2017; Hoffrichter, Verwaltung, Politik, Geheimdienste, (Anm. 5), S. 289-351.

  11. Zur politischen Symbolik des Notaufnahmeverfahrens vgl. Helge Heidemeyer, Das Notaufnahmeverfahren für die Zuwanderer aus der SBZ/DDR 1945/49-1961, in: Jochen Oltmer (Hg.), Migration steuern und verwalten, Göttingen 2003, S. 323-341

  12. Vgl. Peter Joachim Lapp, Grenzregime der DDR, Aachen 2013, S. 23-26.

  13. Vgl. Damian van Melis/Henrik Bispinck (Hg.), „Republikflucht“. Flucht und Abwanderung aus der SBZ/DDR 1945 bis 1961, München 2006, S. 35. Offiziell hieß das Abkommen „Vertrag über die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Drei Mächten“.

  14. Vgl. hierzu Josef Foschepoth, Überwachtes Deutschland. Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik, Göttingen u. a. 2012.

  15. Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands, 26.5.1952, abgedr, bei van Melis/Bispinck, „Republikflucht“, (Anm. 13), Dok. 2, S. 137-139.

  16. Kleßmann, Doppelte Staatsgründung, (Anm. 4), S. 177-185.

  17. van Melis/Bispinck, „Republikflucht“, (Anm. 13), S. 37.

  18. Ebd., S. 43.

  19. Bundestag, Stenographische Berichte (BT, StenBer), 1. WP, 219.Sitzung, 18.6.1952.

  20. Bundesarchiv Koblenz, (BArch) B150, Nr. 4116/1, Besprechungsprotokoll Bundesvertriebenenministerium mit Vertretern der Landesflüchtlingsverwaltungen und den Leitern der Notaufnahmeverfahren, 17.6.1952.

  21. Vgl. Helge Heidemeyer, Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR 1945/1949-1961. Die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik Deutschland bis zum Bau der Berliner Mauer, Düsseldorf 1994, S. 134; Hoffrichter, Verwaltung, Politik, Geheimdienste, (Anm. 5), S. 242-243.

  22. Dieter Beste, Die Grenzen auf!, in: Die Zeit Nr. 24, 12.6.1952.

  23. Vgl. hierzu etwa den Berliner „Imagefilm“ zum Notaufnahmeverfahren von 1953 auf der Homepage des Hauses der Geschichte Bonn: LeMO Video Notaufnahmelager Marienfelde (hdg.de).

  24. Vgl. etwa: Ständig mehr Flüchtlinge nach Berlin, in: Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), 20.8.1952.

  25. BT, StenBer, 1.WP, 246. Sitzung, 22.1.1953, S.11718; Hoffrichter, Verwaltung, Politik, Geheimdienste, (Anm. 5), S. 244.

  26. Vgl. zur Verlagerung der DDR-Abwanderung nach Berlin und den sich daraus ergebenden Problemen Hoffrichter, Verwaltung, Politik, Geheimdienste, (Anm. 5), S. 243-248; Heidemeyer, Flucht und Zuwanderung, (Anm. 21), S. 134-136.

  27. Vgl. Hoffrichter, Verwaltung, Politik, Geheimdienste, (Anm. 5), S. 247.

  28. Vgl. Van Melis/Bispinck, „Republikflucht“, (Anm. 13), S. 48-49, 57. Zum Text des „Gesetzes zur Änderung des Paßgesetzes der DDR“ v. 11.12.1957 vgl. ebd., Dok. 8, S. 148.

  29. Vgl. etwa: Berlin von Flüchtlingen überschwemmt, in: FAZ, 3.9.1958. Vgl. zum Zuwandererabflug 1958 Hoffrichter, Verwaltung, Politik, Geheimdienste, (Anm. 5), S. 248-249

  30. Das zentrale Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde war keine Reaktion des Westberliner Magistrats auf die Grenzschließung 1952 gewesen, sondern bereits ab Februar 1952 in der Planung. Katja Augustin, Im Vorzimmer des Westens. Das Notaufnahmelager Marienfelde, in: Bettina Effner/Helge Heidemeyer (Hg.), Flucht im geteilten Deutschland. Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, Berlin 2005, S. 135-151, hier S. 139.

  31. Beschluß vom 7.5.1953, in: Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts 2, S. 266-287.

  32. Lemmer sucht Berliner Flüchtlingslager auf, in: FAZ, 4.9.1958.

  33. Erstmal ist diese Bezeichnung vermutlich im Bundestagsunterausschuss Notaufnahme im Juni 1952 so gefallen. Hoffrichter, Verwaltung, Politik, Geheimdienste, (Anm. 5), S. 258.

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Weitere Inhalte

Dr. phil., ist Referent beim Niedersächsischen Landesarchiv in Hannover und wurde mit einer Studie zum Notaufnahmelager Uelzen-Bohldamm (1945-1963) in Göttingen promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, hierbei vor allem in der niedersächsischen Landesgeschichte und der deutsch-deutschen Zeitgeschichte.