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Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR

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Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Wie zählen? Wie bewerten? Ein Expertenstreit.

Udo Grashoff

/ 19 Minuten zu lesen

2017 veröffentlichte die bpb eine Studie des Forschungsverbunds SED-Staat an der FU Berlin über Todesopfer des DDR-Grenzregimes. Sie bezieht auch Selbsttötungen von Grenzsoldaten ein. Wie aber sind diese einzuordnen? Eine Kritik von Udo Grashoff, er promovierte 2006 über Suizide in der DDR. Anschließend eine Entgegnung des kritisierten Wissenschaftlers, Dr. Jochen Staadt.

In der FU-Studie zitierte MfS-Meldung über die Selbsttötung eines Majors der Grenztruppen im Grenzausbildungsregiment in Glöwen (Brandenburg) im Mai 1988. Verkürzt wird in dem Stasi-Papier eine vor Ort aufgefundene Abschiedsnotiz wiedergegeben: "STKLPA [Abkürzung für Stellvertreter des Kommandeurs und Leiter der Politabteilung] und das ist für die Fahne. Ich habe gerne gelebt. Bringt mich gut unter die Erde. Ich war gerne Offizier." Erst nach Drucklegung des Buchs fanden sich Tatortfotos, auf denen das offene Notizbuch des Toten zu sehen ist. "Und das ist für Deine Fahne" hatte der Major vor seinem Tod darin notiert, nicht aber "für die Fahne". Eine Interpretationsfrage. Offenbar war er wegen seiner Alkoholfahne heftig gerügt worden, aber nicht wegen Kritik an der Fahne der DDR. Auch über die Einordnung dieses Falls wird derzeit gestritten. (© BStU)

Im biografischen Handbuch „Todesopfer des DDR-Grenzregimes“ stellt Jochen Staadt vom Forschungsverbund SED-Staat drei in meinem bereits 2006 publizierten Buch „In einem Anfall von Depression … Selbsttötungen in der DDR“, formulierte Schlussfolgerungen in Frage. Sie lauteten:

  • 1. Die Selbsttötungsrate in den Grenztruppen der DDR war nicht höher als in der Nationalen Volksarmee (NVA).

  • 2. Die Selbsttötungsrate in der NVA war nicht höher als die der vergleichbaren zivilen Altersgruppe.

  • 3. Ein Einfluss DDR-spezifischer politischer und gesellschaftlicher Faktoren auf die Selbsttötungshäufigkeit ist kaum nachweisbar.

Ich verstehe Staats Kritik als Anregung, meine Ergebnisse noch einmal zu überprüfen und zu überdenken. Bevor ich damit beginne, möchte ich mein Verständnis der Selbsttötungsproblematik darlegen, da Jochen Staadt und seine Co-AutorInnen einige meiner auf medizinischen Studien beruhenden Aussagen offenbar irritiert haben, wie der Verweis darauf, dass in der Kindheit erlittene seelische Verletzungen ein weitaus stärkeres Potenzial für die Ausprägung von Suizidalität haben als spätere Lebenskonflikte.

Ich habe während der Arbeit an meinem Buch ein "Nebenstudium" in Suizidologie absolviert, bei dem ich gelernt habe, dass Selbsttötungen primär durch Leidenserfahrungen motiviert sind, die aus psychischer oder körperlicher Dysfunktionalität sowie als frustrierend erlebten menschlichen Beziehungen herrühren. Das weitere soziale Umfeld kann Menschen, die eine gewisse Disposition zum Suizid haben, davon abhalten. Das katholische Milieu mit seiner vergleichsweise geringen Suizidrate ist, wie der französische Soziologe Emile Durkheim gezeigt hat, hierfür ein klassisches Beispiel.

Das gesellschaftliche Umfeld kann aber auch bewirken, dass sich der übliche Kreis der Suizidenten erweitert und dass Menschen, die nur eine sehr schwache Neigung zu Verzweiflungshandlungen haben, und unter normalen Umständen keinen Suizid begehen würden, sich das Leben nehmen. Das kann entweder in Krisenzeiten oder in extrem repressiven Regimen geschehen. Ein klassisches Beispiel für die erste Möglichkeit sind die Selbsttötungen während der Zeit der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre, ein eindrückliches Beispiel für die zweite Möglichkeit sind die massenhaften Selbsttötungen von Juden in Reaktion auf die nationalsozialistische Politik der Erniedrigung und Vernichtung. Solche außergewöhnlichen Phasen sind als „Selbsttötungswellen“ in den Statistiken sichtbar.

Daneben gibt es auch langfristige strukturelle Faktoren, die zu höherer Suizidalität in bestimmten sozialen Systemen führen können. Diese konkret zu bestimmen, ist allerdings außerordentlich schwierig. So wurde in Sachsen, Thüringen und anderen ostdeutschen Regionen über viele Jahrzehnte hinweg (im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der DDR) eine höhere Selbsttötungsrate registriert als in vergleichbaren westdeutschen und eher katholisch geprägten Regionen wie dem Rheinland oder Bayern. Unterschiede in der regionalen Mentalität, die wiederum in engem Zusammenhang mit konfessionellen Prägungen stehen, spielen hier offenbar eine Rolle, aber die Ursachenforschung ist keineswegs abgeschlossen.

Die Suizidalität der Grenztruppen der DDR, um die es im Folgenden geht, ist ein Teilaspekt dieses größeren Problems. Die Frage lautet, ob die spezifischen Umstände des Militärdienstes an der Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik Deutschland bzw. West-Berlin die Zahl der Suizidenten über das normale Maß hinaus erhöht haben. Jochen Staadt hat massive Zweifel hinsichtlich meines Untersuchungsergebnisses, dass die Selbsttötungsrate der Angehörigen der Grenztruppen sich nicht wesentlich von anderen Bereichen der NVA sowie von der Selbsttötungsrate der vergleichbaren zivilen Altersgruppe unterschied. Er verweist darauf, dass sich im Zuge von Recherchen für das biografische Handbuch über die Todesopfer des DDR-Grenzregimes gezeigt habe, dass bei den Grenztruppen angeblich knapp ein Viertel der Selbsttötungen im Zusammenhang mit dienstlichen Konflikten stand.

Hier müssen zunächst zwei Dinge analytisch auseinandergehalten werden:

Zum einen ist da die Frage, ob es in der NVA Selbsttötungen geben hat, die durch dienstliche Konflikte mitverursacht wurden. Das Forscherteam glaubt, dass ca. 22 Prozent der Selbsttötungen bei den Grenztruppen im Zusammenhang mit dem Dienst im Militär standen. Staadt schreibt über diese Suizidfälle, die in das biografische Handbuch aufgenommen wurden: „Viele von ihnen verrichteten diesen Dienst nicht aus freiem Willen, manche zerbrachen daran. Auch ihnen wurde das DDR-Grenzregime zum tödlichen Verhängnis.“ Das mag für Einzelfälle gelten. Allerdings finden sich, so hat auch Michael Kubina 2020 in einer Replik auf Staadt festgestellt, „bei den allermeisten Fällen bei Schroeder/Staadt keine hinreichenden Belege dafür, dass die ‚dienstlichen Probleme‘, wenn sie denn überhaupt ursächlich für den Suizid waren, auch grenzspezifischer Art waren.“ Meine kritische Durchsicht der Suizidfälle ergab, dass lediglich in 24 Fällen spezifische Konflikte des Armeedienstes wie ein rüder Kasernenton oder Angst vor Strafe eine Rolle spielten.

Die daraus resultierende korrigierte Zahl von 12 Prozent stimmt mit den in zivilen Motivstatistiken enthaltenen Prozentzahlen für berufliche Konflikte (ein bis drei Prozent) oder „Angst vor Strafe“ (vier bis zwölf Prozent) als Suizidmotiv in der DDR überein. Konflikte, die unmittelbar aus dem Grenzregime resultierten, kann ich nur in zwei Fällen, also bei einem Prozent der Suizide, erkennen. Auch das liegt innerhalb der von mir geschätzten Größenordnung von Selbsttötungen im zivilen Bereich, die einen kausalen Zusammenhang zu politischen Konflikten erkennen lassen.

Für die zur Diskussion stehende Höhe der Selbsttötungsrate bei den Grenztruppen ist ohnehin eine andere Frage entscheidend, nämlich die, ob dienstbezogene Konflikte insgesamt zu mehr Selbsttötungen als unter den „normalen“ Bedingungen der SED-Diktatur geführt haben. Staadt stellt meine diesbezüglichen Berechnungen, die im Jahr 2006 ergeben haben, dass das nicht der Fall ist, mit zwei Einwänden in Frage. Zum einen glaubt er, dass die von mir gewählte zivile Vergleichsgruppe nicht gut gewählt sei. Zum anderen verweist er darauf, dass die Selbsttötungsrate bei der NVA in einzelnen Jahren höher war als im zivilen Bereich. Das nehme ich zum Anlass, um sowohl Staadts Berechnungen als auch meine eigenen Ergebnisse auf den Prüfstand zu stellen.

Die Wahl der Vergleichsgruppe

Jochen Staadt hält die von mir getroffene Wahl der Vergleichs-Kohorte (20- bis 24-jährige Männer) der DDR-Selbsttötungsstatistik für problematisch. Sein Haupteinwand lautet, dass die gewählte Vergleichsgruppe zu einer Unterschätzung des Ausmaßes an Suizidalität in der Armee geführt hätte, da die Selbsttötungsraten in dieser Gruppe deutlich höher sind als in der von ihm favorisierten Vergleichsgruppe der 15- bis 19-jährigen Männer.

Hier zeigt sich in der Tat ein Versäumnis meiner Darstellung. Ich hätte explizit begründen müssen, weshalb ich diese Vergleichsgruppe gewählt habe. Bevor ich das gleich nachhole, kurz zu Staadts Vorgehensweise: Er weist zu Recht darauf hin, dass Wehrdienstleistende in der Regel mit 18 oder 19 Jahren zum Dienst eingezogen wurden. Um die Selbsttötungsrate der Soldaten zu ermitteln, schätzt er, dass etwa ein Drittel der Suizide von Wehrdienstleistenden verübt wurden. Auch wenn diese Zahl nicht begründet wird, erscheint sie mir akzeptabel. Dann nimmt Staadt den Mittelwert der Suizide der 15- bis 19-jährigen Männer der DDR-Gesamtstatistik und vergleicht ihn mit der geschätzten Zahl der Suizide von 19-jährigen Grundwehrdienstleistenden. Staadt geht offenbar von der Annahme aus, dass die Suizide innerhalb der Kohorte gleichmäßig verteilt sind, dass also die Suizidrate der 15-jährigen ungefähr so hoch ist wie die Suizidrate der 19-jährigen.

Diese Annahme ist allerdings unzutreffend, da die Suizidwahrscheinlichkeit generell mit dem Alter ansteigt, wobei dieser Anstieg in der Gruppe der 15- bis 19-Jährigen noch stärker als in der folgenden Fünfjahreskohorte ist. Wenn Staadt also den Durchschnitt der 15 bis-19-Jährigen bildet, unterschätzt er die Suizidrate der 19-Jährigen im Zivilleben. Wenn Staadt er also bei seiner Stichprobe vom Jahr 1969 zu dem Ergebnis kommt, dass Suizidhäufigkeit in NVA und Zivilleben etwa gleich hoch waren, dann handelt es sich hier um eine Überschätzung der Selbsttötungsrate im Militär.

Würde man die altersabhängig ansteigende Suizidwahrscheinlichkeit mit berücksichtigen, müsste man folgern, dass die Suizidhäufigkeit im Militär der DDR etwas geringer war als im Zivilleben. Methodisch angemessener wäre gewesen, den Durchschnitt der 16 bis 25-Jährigen als Vergleichswert zu nutzen. Auch dieser Wert wäre wegen der Altersabhängigkeit noch etwas zu niedrig, würde aber zur Abschätzung der ungefähren Suizidwahrscheinlichkeit der 19 bis -20-Jährigen die bestmöglichen Ergebnisse liefern.

Warum habe ich das in meiner eigenen Untersuchung dann nicht so gemacht? Ich habe Staadts Einwände genutzt, um mein eigenes Vorgehen in der Frage der Vergleichsgruppe selbstkritisch unter die Lupe zu nehmen, und leicht zu revidieren. Zu Selbsttötungen in den Grenztruppen liegen mir Stichproben aus den Jahren 1977 und 1988 vor. Das Durchschnittsalter der durch Selbsttötung verstorbenen Angehörigen der Grenztruppen liegt in der ersten Stichprobe bei 26 und, in der zweiten bei 31 Jahren. Angemessener wäre es daher, statt der von mir gewählten Vergleichs-Altersgruppe der 20- bis 24-jährigen Männer eine ältere Kohorte, oder aber den Mittelwert aus, sagen wir, den Suizidraten der 20- bis 35-jährigen Männer zu nehmen. In beiden Fällen wäre der Vergleichswert aus dem zivilen Bereich höher, das heißt, die Werte des militärischen Bereichs würden im Vergleich noch geringer erscheinen. Angesichts dessen könnte ein strenger Kritiker mir das genaue Gegenteil von dem vorwerfen, was Staadt im Sinn hat. Durch die Wahl der Vergleichsgruppe der 20- bis 24-Jährigen habe ich die Selbsttötungshäufigkeit inder der NVA leicht überschätzt. Ein milde gesonnener Kritiker würde demgegenüber vielleicht zugestehen, dass damit die leichte Untererfassung der Selbsttötungen (Dunkelziffer) kompensiert würde.

Wie hoch war die Dunkelziffer?

Die Frage nach der Dunkelziffer ist bei statistischen Berechnungen von grundlegender Bedeutung. Staadt geht diese Frage recht forsch an und postuliert eine Dunkelziffer von 100 bis 150 Prozent. Eine faktenbasierte Begründung für diesen extrem hohen Wert liefert er nicht. Dass Suizide in Todesursachenstatistiken unterrepräsentiert sind, ist ein globales Phänomen.

Wenngleich der SED-Staat die Melde- und Registrierungsmechanismen der preußischen Staatsbürokratie fortführte, - weshalb die Suizidstatistik der DDR im internationalen Vergleich (inklusive der Bundesrepublik) recht gute Ergebnisse lieferte -, gab es auch in der SED-Diktatur eine Dunkelziffer. Eine Geheimstudie ermittelte im Jahr 1977 eine statistische Nichterfassung von Selbsttötungen im Bereich zwischen 9 und 29 Prozent Dieses Ergebnis wurde durch mehrere retrospektive Untersuchungen in den 1990er Jahren bestätigt.

Hinsichtlich der Selbsttötungen im militärischen Bereich der DDR habe ich zudem bei meinen eigenen Untersuchungen festgestellt, dass die Zahlenangaben des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), die mir Bernd Eisenfeld dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatte, bis Mitte der 1960er Jahre niedriger waren als die in den Kollegiumsprotokollen der NVA enthaltenen Suizidzahlen. Für die Folgezeit liegen die wegen unterschiedlicher Zeiträume nicht direkt vergleichbaren Zahlen in ähnlicher Größenordnung. Aber auch noch danach mag es vorgekommen sein, dass es in bestimmten Jahren eine Untererfassung oder, wie Staadt für das Jahr 1975 feststellt, temporäre Ausfälle der Berichterstattung gegeben hat, weshalb die Gesamtzahl von 204 Selbsttötungen in den Grenztruppen, die einem Jahresdurchschnitt von fünf bis sechs Fällen entspricht,- da stimme ich mit Staadt überein -, aller Wahrscheinlichkeit nach zu niedrig ist.

Ich habe allerdings (ebenso wie Staadt) keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die DDR-übliche Dunkelziffer (in der Größenordnung von 25 Prozent) bei den Grenztruppen überschritten wurde. Staadt äußert lediglich den Verdacht, dass „militärische Vorgesetzte Selbsttötungen als Schusswaffenunfälle kaschierten, um ihre eigene Mitverantwortung zu verdecken“. In meiner Stichprobe zu Selbsttötungen in den Grenztruppen im Jahr 1988 ist tatsächlich ein Fall enthalten, der offiziell als Unfall deklariert wurde. Zudem habe ich den gemeldeten 11 Fällen noch einen hinzugefügt, den mir ein Zeitzeuge glaubwürdig berichtete. Dass es über solche Einzelfälle hinaus zu Vertuschungen von zahlreichen Suiziden gekommen ist, erscheint mir allerdings, nachdem ich gezielt danach gesucht habe, als ausgesprochen unwahrscheinlich.

Erhöhte Einzelwerte

Stein des Anstoßes. Die Studie mit Recherchestand vom 1. Januar 2017 über Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze, herausgegeben von Prof. Klaus Schroeder und Dr. Jochen Staadt. Die Forschungsarbeiten gehen noch weiter. (© bpb / Kulick)

Das zweite wichtige Argument von Staadt verweist auf einzelne Jahre mit erhöhten Suizidraten in der NVA. Genau genommen handelt es sich hierbei um Zufallsschwankungen. Basierend auf Staadts Überlegungen betrug beispielsweise die geschätzte Suizidrate der 18 bis- 19-jährigen Soldaten im Jahr 1979 ca. 170 Prozent der zivilen Rate, im Jahr 1980 hingegen nur 60 Prozent. Solche Schwankungen treten bei einer auf sehr kleinen Zahlen beruhenden Statistik häufig auf.

Auch ich bin in dem von mir verwendeten statistischen Material der NVA (Kollegiumsberichte) auf einzelne Jahre mit erhöhten Selbsttötungsraten gestoßen. Für die 1960er Jahre gibt es einen Bericht über die Stadtkommandantur Berlin, also die Grenztruppen an der Grenze zu Westberlin, der für den Zeitraum 1.12.1964 bis 30.11.1965 insgesamt sieben Selbsttötungen vermerkt, was bei einer Truppenstärke von 15.000 Mann eine hohe Selbsttötungsrate von 46,7 ergibt. Die von mir auf der Basis von Zahlen der NVA bzw. des MfS kalkulierten Selbsttötungsraten für die NVA schwanken zwischen Werten von 20 und 35. Eine Ausnahme bildet das erste Halbjahr 1959, in dem sich aus den Meldungen sogar eine sehr hohe Suizidrate von 48 ergibt (gegenüber 35 im Vorjahr). Solchen Schwankungen darf man aber nicht zu viel interpretatives Gewicht beimessen. Um sich nicht auf spekulatives Glatteis zu begeben, habe ich für das in meinem Buch von 2006 enthaltene Diagramm jeweils zwei Jahre zusammengefasst. Würde man das zum Beispiel für die von Staadt erwähnten Stichproben von 1979 und 1980 tun, dann ergäbe sich nahezu Gleichstand in der Häufigkeit der Suizide im zivilen und militärischen Bereich.

Andererseits ist es in Einzelfällen durchaus sinnvoll, nach Ursachen für vorübergehend häufigere Suizidhandlungen zu fragen. Ein Beispiel bietet das Jahr 1962. Allerdings betrifft das nur die Zahl der registrierten Selbsttötungsversuche, die unmittelbar nach dem Mauerbau und zeitgleich mit der Einführung der Wehrpflicht mit 28 deutlich höher als in den Folgejahren ausfiel. Tatsächlich tödliche Suizide wurden zehn gemeldet, was aus meiner Sicht keine dramatisch hohe Zahl darstellt.

Selbsttötung im Wehrdienst

Staadt zweifelt darüber hinaus auch meine Feststellung an, dass die Besonderheiten und Zwänge des Militärdienstes nicht zu Selbsttötungen in statistisch relevantem Ausmaß geführt, und dass auch Drangsalierungen im Zuge der ‚EK-Bewegung‘ keinen größeren Einfluss auf die Häufigkeit von Selbsttötungen gehabt hätten. (Es geht hier wohl gemerkt immer um die Selbsttötungsrate, nicht um Einzelfälle. Ich sage nicht, dass die Bedingungen in der Armee keine Suizide verursacht haben, weise aber darauf hin, dass dadurch die Häufigkeit von Selbsttötungen nicht gestiegen ist.)

Ich sehe durchaus, dass angesichts der Bemühungen von Armee und MfS, alle Selbsttötungen als Resultat von Krankheit oder privaten Problemen darzustellen, bei der Auswertung der staatlichen Akten große Skepsis geboten ist. Es ist davon auszugehen, dass vieles vertuscht wurde. Aber das berechtigt nicht, in das andere Extrem zu verfallen, und die todbringenden Effekte des Wehrdienstes zu überschätzen. Berechnet man, wie ich das bereits in meinem Buch getan habe, stichprobenartig die spezifischen Selbsttötungsraten pro Dienststellung, dann zeigen sich große Unterschiede. Für den Zeitraum Mitte 1972 bis Mitte 1973 zum Beispiel ergeben sich abgeschätzte Selbsttötungsraten von 43 für die Offiziere, 39 für die Unteroffiziere und 18 für die Soldaten. Für den Zeitraum Mitte 1987 bis Mitte 1988 lauten die entsprechenden Zahlen: 47 (Offiziere), 31 (Unteroffiziere) und 22 (Soldaten).

Da die Selbsttötungswahrscheinlichkeit mit dem Alter ansteigt, dürften diese Zahlen vor allem den Altersunterschied von Soldaten und Offizieren reflektieren. Lediglich die Suizidrate der Unteroffiziere, die ja zumeist auch erst Anfang 20 sind, erscheint leicht erhöht. Hier könnten dienstliche Konflikte durchaus eine Rolle gespielt haben. Darüber hinaus zeigt ein Abgleich mit der Truppenstärke, dass die Suizidalität von Wehrdienstleistenden insgesamt geringer war als die von höheren Dienstgraden. Das gilt insbesondere auch für die Grenztruppen, wo der Anteil an Soldaten im Grundwehrdienst mit 66 Prozent höher als bei der NVA (43 bis 45 Prozent) war. Nimmt man die Stichprobe von 1988 mit insgesamt 12 Selbsttötungen, dann entfallen sechs auf Soldaten, fünf auf Unteroffiziere, hinzu kommt ein Offizier. Der Anteil der Soldaten an den Selbsttötungen (50 Prozent) liegt damit deutlich niedriger als der Anteil der Soldaten an der Truppenstärke (66 Prozent).

Angesichts dieser Befunde erscheinen – ich muss es so hart formulieren – aus meiner Sicht alle von Staadt formulierten Einwände und Zweifel als unberechtigt. Wie aber ist dann die Tatsache, dass die Häufigkeit von Selbsttötungen bei den Grenztruppen (und in der NVA) nicht erhöht war, mit der Beobachtung zu vereinen, dass bei jeder vierten Selbsttötung dienstliche Konflikte eine Rolle spielten? Heißt das nicht, dass die spezifischen Kontextbedingungen des Militärs durchaus dazu beitrugen, dass sich junge Männer das Leben nahmen? Und zwar bei fast einem Viertel aller Selbsttötungen?

Die letzten beiden Fragen beantworte ich eindeutig mit Ja. Aber ich interpretiere die Situation bei der NVA so, dass es hier zu einer Substitution von Konflikten gekommen ist. Dass die Häufigkeit von Selbsttötungen bei der NVA nicht höher als im Zivilbereich war, kann nur bedeuten, dass die Konflikte bei der NVA keine stärkere, über das normale Maß der SED-Diktatur hinausgehende suizidogene Wirkung hatten, sondern dass sie nur das Äquivalent für soziale Konflikte in anderen Bereichen der Gesellschaft darstellten.

Noch kurz zur Bundeswehr, weil Staadt diesen Aspekt auch kurz anreißt. Klaus-Jürgen Preuschoff hat in seiner Studie zu Selbsttötungen in der Bundeswehr gezeigt, dass die Unterschiede der Selbsttötungsrate von jungen Männern im Militär und im zivilen Bereich größer waren als in der DDR. Preuschoff zufolge waren die jeweils für Fünfjahresperioden berechneten durchschnittlichen Selbsttötungsraten zwischen 1957 und 1981 in der Bundeswehr erheblich geringer (15 bis 19) als die in der Vergleichsgruppe der 20- bis 24-.jährigen Männer (27 bis 29). Als Hauptursache für die niedrige Suizidalität in der Bundeswehr nennt Preuschoff die in Fortführung der Wehrpsychologie der Wehrmacht erfolgte gründliche Auslese der Rekruten, die noch bis in die 1980er Jahre zudem dazu führte, dass suizidale Bundeswehrsoldaten wegen mangelnder „geistiger Tauglichkeit“ ausgemustert wurden. In der NVA hat es Vergleichbares nicht gegeben, die Ausmusterung aus medizinischen Gründen war sehr selten, psychische Faktoren spielten kaum keine Rolle.

Fazit

Mit dem Kapitel über Suizide in den Grenztruppen hat sich das „biografische Handbuch“ aus meiner Sicht einen Bärendienst erwiesen. Die Selbsttötungshäufigkeit in der NVA, und auch in den Grenztruppen, war nicht höher als im zivilen Bereich der DDR. Die Selbsttötungsproblematik ist zu komplex, als dass sie sich als Waffe im Kampf um eine möglichst dramatische Stilisierung der DDR als totalitärer Diktatur eignet. Das Leben in der DDR war in vielerlei Hinsicht bedrückend und belastend, aber die hohe Selbsttötungsrate kann man den SED-Funktionären nicht zur Last legen. Ebenso ist die sinkende Selbsttötungsrate Ostdeutschlands nach 1990 kein Resultat der Einführung von Marktwirtschaft und Demokratie, wie das Staadt zu glauben scheint. Ich hätte mir gewünscht, dass Staadt mein „häufig als Standardwerk zitiertes Buch“ etwas gründlicher studiert hätte. Dort hätte er lesen können, dass die Angleichung der Selbsttötungsraten in Ost- und Westdeutschland keineswegs erst mit dem Ende der DDR begann. Wie die nach Altersgruppen aufgeschlüsselten Statistiken zeigen, waren die Suizidraten der nach 1949 Geborenen bereits seit 1970 in Ost- und Westdeutschland nahezu gleich.

Dass die Angleichung erst zu dieser Zeit in den Statistiken sichtbar wurde, war ein Kohorteneffekt. Da ältere Jahrgänge eine sehr viel höhere Suizidwahrscheinlichkeit haben als jüngere Menschen, haben die vor 1949 geborenen Kohorten die DDR-Suizidstatistik noch bis in die 1980er Jahre dominiert, und eine bereits zwanzig Jahre zuvor einsetzende Trendwende verdeckt. Warum die in der DDR geborenen Kohorten die seit dem 19. Jahrhundert nachweisbare „Tradition“ höherer Selbsttötungsraten in Ostdeutschland nicht fortgesetzt haben, konnte von der Suizidforschung bisher nicht geklärt werden. Sicher ist aber, dass der Fall der Mauer und das Ende der DDR keine starke Zäsur darstellten.

In methodischer Hinsicht ähnelt der Versuch von Staadt, einen Zusammenhang zwischen Wehrdienst und Selbsttötungsrate nachzuweisen, einer Herangehensweise, die während des Kalten Krieges etwa von Konstantin Pritzel, einem ehemaligen SED-Gesundheitsfunktionär, der ab 1951 in West-Berlin beim Externer Link: Ostbüro der SPD und später beim RIAS tätig war, praktiziert wurde. Diese interessengeleitete Methode besteht darin, abweichende Einzelwerte überzubetonen und langfristige Durchschnittswerte zu ignorieren, um das kommunistische Regime der SED anzuklagen. Bei Pritzel ging die manipulative Instrumentalisierung von Statistiken soweit, dass er die nicht in seine Interpretation passenden Werte einzelner Jahre schlicht ignorierte und auf dieser Basis steigende Suizidraten behauptete, während der tatsächliche Trend in einer Abnahme der Suizidraten bestand.

Jochen Staadt geht nicht ganz so weit, er versucht gar nicht, langfristige Entwicklungen zu diskutieren. Stattdessen stellt er eine einzelne, zudem noch hypothetische Zahl gegen meine aus dem langfristigen Durchschnitt der empirisch ermittelten Suizidraten abgeleitete Schlussfolgerung. Das ist methodisch gesehen Dilettantismus, historiografisch gesehen ein Beispiel dafür, wie das von Mary Fulbrook kritisierte Festhalten an undifferenzierten totalitarismustheoretischen Normvorgaben (das mörderische SED-Regime) den Blick für die tatsächliche Komplexität historischer Phänomene, zu denen die DDR zweifellos gehört, trübt.

Anhang

Stichprobe1: Selbsttötungen in den Grenztruppen Dezember 1987 bis November 1988:

Datum Dienstgrad (Alter)
24.11. Stabsoberfähnrich (41)
9.11. Fähnrich (30)
1.9. Soldat (19)
31.8 Uffz. (24)
27.7. Soldat (24)
Mai Soldat (19), Zeitzeuge
20.5. Major (45)
21.4. Uffz. (21), als Unfall deklariert
28.3. Soldat (25)
23.3. Gefr. (22)
22.3. Soldat (24)
12.2. Uffzsch. (19)
15.1. Zivilbeschäftigter (46)

Stichprobe 2: Selbsttötungen Grenztruppen Jan-Nov. 1977:

2.2. Berufsuffz. (28)
13.2. Major (38)
14.4. Leutnant (22)
23.8. Ufw. (22)
16.9. Gefr. (20)

Zur Externer Link: Replik von Dr. Jochen Staadt auf diesen Beitrag.

Zitierweise: Udo Grashoff, "Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR“, in: Deutschland Archiv, 12.02.2021, Link: Externer Link: www.bpb.de/326355. Weitere Texte und Interviews in dieser Serie folgen. Es sind Meinungsbeiträge der jeweiligen Autorinnen und Autoren, sie stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar.

Weitere Beiträge in unserem Schwerpunkt: "Externer Link: Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes?"

Fussnoten

Fußnoten

  1. Klaus Schroeder/Jochen Staadt (Hg.), Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949-1989. Ein biographisches Handbuch, Frankfurt a.M. 2017, S. 531, 532.

  2. Udo Grashoff, „In einem Anfall von Depression…“ Selbsttötungen in der DDR, Berlin 2006.

  3. In geringfügig erweiterter Form abgedruckt als: „Suizide in den Grenztruppen“, in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat, Ausgabe 41/2017. Darauf bezieht sich meine Entgegnung.

  4. Das ist ein Teilbereich u.a. von Psychiatrie, Psychologie und Soziologie.

  5. Vgl. Emile Durkheim, Der Selbstmord, Frankfurt/ a.M. 1973.

  6. Staadt glaubt zudem, dass auch Suizide im Anschluss an Morde und andere kriminelle Handlungen wie der eines Offiziers, der sich erschießt, nachdem er wegen Misshandlungen von Töchtern und Ehefrau zur Stellungnahme aufgefordert wurde, zu den Opfern des Grenzregimes gezählt werden müssten. Er schildert weitere Fälle, die im biografischen Teil ausgelassen wurden. So erschoss sich ein Offizier, nachdem er betrunken Auto gefahren und erwischt worden war, was er in seinem Abschiedsbrief als schmähliches Versagen bezeichnete. Wieso der Oberstleutnant, der laut Schilderungen von Kollegen sowie der Ehefrau übereifrig, ehrgeizig und sehr empfindlich war, ein Opfer des Grenzregimes gewesen sein soll, erschließt sich mir nicht. Vgl. Udo Grashoff, „Ich möchte jetzt schließen“. Briefe vor dem Freitod, Leipzig 2004, S. 145f. Staadt erwähnt zudem noch, was mir nicht bekannt war, dass der Offizier als IM in der äußeren Abwehr des MfS tätig war.

  7. Michael Kubina, „Begriffliche Unklarheiten, eine Replik auf Jochen Staadt“, in: Deutschland Archiv, 27.4.2020, Link: www.bpb.de/307841, zuletzt aufgerufen am 28.1.2021.

  8. Zwar dürften in den von der Kriminalpolizei und von Medizinern erstellten Motivstatistiken politisch brisante Motive wie soziale Konflikte im Arbeitskollektiv oder mit der Staatsmacht, ganz ähnlich wie in den Statistiken des Militärs, in manchen Fällen heruntergespielt oder verschleiert worden sein. Allerdings sind die Verfasser des Handbuches zu den Grenztruppen recht großzügig mit dem Einflussfaktor „dienstliche Probleme“ umgegangen, und haben ihn hervorgehoben, obwohl er in zahlreichen Fällen nicht die entscheidende Rolle für den Suizid spielte.

  9. Seine kritischen Anmerkungen sind leider nicht immer logisch konsistent. So behauptet er zunächst, meine Wahl würde auf ein „Nullsummenspiel“ hinauslaufen, „da für die Vergleichsgruppe der jungen Männer Wehrpflicht bestand, der sich nur wenige entziehen konnten“. Kurz danach moniert er, dass die von mir gewählte Vergleichsgruppe ein mindestens doppelt so großes Sample darstellt (was bedeutet, dass es sich keineswegs um ein Nullsummenspiel handelt).

  10. In der mir zur Verfügung stehenden Stichprobe von 1988 sind unter den zwölf Fällen drei Grenzsoldaten, die 19 Jahre alt sind. Das sind 25 Prozent, was etwas geringer ist als die Schätzung von Staadt, aber in der gleichen Größenordnung liegt.

  11. Ironischerweise führt Staadt damit genau jenes Nullsummenspiel durch, dass er glaubt bei mir entdecken zu können. Wenn (wie er annimmt) nahezu alle 19-jährigen Männer bei der Armee waren (was nicht der Fall war in der DDR), dann wäre der Vergleich tautologisch.

  12. Rainer Leonhardt/Rolf Matthesius, „Zu suizidalen Handlungen in der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik", Diss., Berlin 1977.

  13. Vgl. Udo Grashoff, „In einem Anfall von Depression“ (Anm. 2), S. 30f.

  14. Von 1992 bis 2005 war Eisenfeld als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Sachgebietsleiter in der Forschungsabteilung bei der Stasi-Unterlagen-Behörde tätig, https://www.dissidenten.eu/laender/deutschland-ddr/biografien/bernd-eisenfeld

  15. Die Selbsttötungsrate gibt die Zahl der Suizide pro 100.000 Personen pro Jahr an.

  16. BA-MA, DVW 1/55503, Bl. 157.

  17. Zunächst war das eine Konzession an die Datengrundlage, weil die Protokolle des NVA-Kollegiums teilweise nur Suizidzahlen für Zweijahresperioden enthielten, aber es diente vor allem der „Glättung“ der Kurve im Diagramm.

  18. BA-MA, VA-01/13388, Bl. 2-7.

  19. Bei der NVA gab es eine systematische Drangsalierung jüngerer Rekruten durch die "Entlassungskandidaten" (EK).

  20. Diese Berechnungen basieren auf den Suizidzahlen der Kollegiumsprotokolle und der Solltruppenstärke von Ende 1964. Zum 1.12.1964 betrug die Sollstärke der NVA 100.863 Mann. Davon waren 49.492 Soldaten, 26.183 Unteroffiziere, 17.791 Offiziere und 91 Generäle. Zudem gab es 8.618 Zivilbeschäftigte. Die Grenztruppen, die in dieser Auflistung nicht enthalten sind, bestehen zum gleichen Zeitpunkt aus 48.468 Mann, davon sind 31.963 Soldaten, 9.382 Unteroffiziere und 5.557 Offiziere. GKdos Nr. A/05086 (BA-MA, VA-01/18973). Die Akte war bei Vorlage noch versiegelt, und der Archivar kam mit einer Schere und bat mich, die Siegelschnur durchzuschneiden. Der Soldatenanteil bei den Grenztruppen war mit 66 Prozent deutlich höher als bei der NVA. In der gesamten NVA lag der Anteil der Soldaten in den 1980er Jahren zwischen 43 und 45 Prozent. BA-MA, AZN 31407. Sollte die Zahl der tatsächlichen Selbsttötungen höher gelegen haben, würden sich die Zahlenwerte erhöhen. Da die Truppenstärke aber bis Mitte der 1980er Jahre auf 167.000 angestiegen ist, sind die berechneten Werte aber eher zu hoch, weshalb, beide Fehlermöglichkeiten abwägend, angenommen werden kann, dass die Werte in der Mitte eines Wahrscheinlichkeitskorridors liegen.

  21. Vgl. Grashoff, "In einem Anfall von Depression...", S.88-90.

  22. Der Vollständigkeit halber möchte ich noch einen Irrtum korrigieren. Staadt behauptet in Fußnote 35, ich würde mich bei meiner Interpretation des Suizids eines Bausoldaten „ausgerechnet“ auf ein Telefonat mit Prof. Girod berufen. Das beruht auf einem Lesefehler, Staadt hat die Fußnoten 172 und 173 in meinem Buch verwechselt.

  23. Klaus-Jürgen Preuschoff, Suizidales Verhalten in deutschen Streitkräften, Regensburg 1988, S. 253.

  24. Ebd., S. 388, vgl. auch S. 447.

  25. Vgl. Armin Schmidtke,/ Bettina Weinacker/, Susanne Fricke, Suizid- und Suizidversuchsraten bei Kindern und Jugendlichen in den alten Ländern der Bundesrepublik und in der ehemaligen DDR, Kinderarzt 27 (1996), S. 151-62.

  26. Vgl. Konstantin Pritzel, Der Selbstmord im sozialistischen Paradies, in: Berliner Ärzteblatt 90 (1977) 24, S. 1108-1114.

  27. So schätzt er, dass es im Jahr 1968 in der NVA 14 Suizide Wehrdienstleistender gab, was über der ebenfalls geschätzten Zahl der Suizide 19-Jähriger im zivilen Bereich lag.

  28. Vgl. Mary Fulbrook, ‘Reckoning with the Past: Heroes, Victims and Villains in the History of the German Democratic Republic’, in: Reinhard Alter/Peter Monteath (Hg.), Rewriting the German Past, Humanities Press, 1997.

Udo Grashoff 1966 in Halle/Saale geboren, studierte Biochemie, Geschichte, Germanistik und Literaturwissenschaft, promovierte 2006 über Selbsttötungen in der DDR. Von 2008 bis 2014 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig. 2011 publizierte er seine Forschungsergebnisse über Schwarzwohnen/Wohnungsbesetzung in der DDR. Von 2014 bis 2020 lehrte er als DAAD-Lektor am University College London und arbeitet derzeit wieder an der Universität Leipzig. Seine Habilitationsschrift „Gefahr von innen. Verrat im kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ erscheint im Frühjahr 2021 im Wallstein-Verlag.