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Die durchlaufene Mauer

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? 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Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Drei Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Frauen in der Bürgerbewegung der DDR und während der Friedlichen Revolution Der Weg zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? 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Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. 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Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Die durchlaufene Mauer Heraus aus der "Sackgasse unseres Lebens". Erinnerungen an die (Wahlkampf-)Zeit nach dem Mauerfall.

Steffen Reiche

/ 8 Minuten zu lesen

Der ehemalige Volkskammerabgeordnete der SPD, Steffen Reiche, beschreibt jenes „Unbegreifliche“ aus 1989, wie es überhaupt zur ersten freien Parlamentswahl im März 1990 kommen konnte: durch Überwindung der Mauer. Er erinnert auch an die Rolle Willy Brandts und reflektiert, warum die damals in der DDR neu gegründete SPD bei der Volkskammerwahl schlechter abschnitt, als erwartet.

"Nichts wird wieder so werden, wie es war". Der ehemalige Bundeskanzler und Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt (SPD), am 10. November 1989 bei seiner Rede am Tag nach der Maueröffnung auf dem Balkon des Rathaus Schöneberg. Im Vordergrund der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und im Hintergrund der damals amtierende Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). (© picture-alliance)

Am 9. November 1989, so weist es mein Amtskalender von damals aus, bekamen wir morgens früh in Berlin Kohlen, die uns einfach in den Hof geschüttet wurden und die ich dann nach oben tragen musste. Unsere Tochter konnte das Schreien der Kohlenmänner vom Kohlenhof in der Lychener Straße wunderbar nachmachen. Mit tiefer Stimme rief sie, so laut sie konnte: „Reiche, Menzel-Kohlen.“ Um 16.30 Uhr traf sich meine Christenlehregruppe und um 19 Uhr der Mütterkreis in meinem Pfarrhaus in Christinendorf.

Ich musste Tee kochen, als mein Nachbar Ralf plötzlich hereinkam – glücklich und aufgeregt. Er wohnte zwei Häuser weiter, zwischen uns war die Kneipe, er war Karosserieschlosser, und seine Mutter kam auch zum Mütterkreis und war im Gemeindekirchenrat. Wir hatten Freundschaft geschlossen, denn wir waren gleichaltrig und mit ihm machte es Freude, offen zu reden und zugleich ein wenig über den Tellerrand der Gemeinde zu gucken. Ralf erzählte mir, dass die Mauer wohl an dem Abend geöffnet würde. Er habe eben etwas im Fernsehen gehört, was ihm Hoffnung machte.

Wir beide konnten das zunächst nicht glauben, aber zugleich wussten wir, wie viel sich in den letzten Tagen schon ereignet hatte, wie viel von dem, was wir bis dahin für unmöglich hielten, plötzlich möglich wurde. Deshalb entschieden wir uns, es für unwahrscheinlich, aber denkbar zu halten. Wir verabredeten, uns am Abend noch einmal zu treffen, er weiter Nachrichten sehen und uns informieren solle. Wenn die Grenze tatsächlich geöffnet werden sollte, wollten wir unbedingt zur Berliner Mauer fahren.

Nach der Tagesschau kam er erneut in den Gemeindesaal und bestätigte, die Grenzen gehen auf. Wir konnten es nicht glauben, überlegten, welcher Trick das nun wieder sein könnte, und hatten große Sorge, dass die Mauer nur wie ein Ventil geöffnet würde – und wenn genug Druck abgelassen ist, wieder dichtgemacht wird. Deshalb wollten wir unbedingt noch an diesem Abend dorthin, um mit eigenen Augen das Unbegreifliche zu sehen. Kaum war der Mütterkreis zu Ende, war auch Ralf mit seiner Freundin wieder da, fassungslos tranken wir zu dritt eine Flasche Sekt, die er mitgebracht hatte, wohlwissend, dass wir noch fahren wollten und dass in der DDR eigentlich null Promille galt.

Aber wir dachten uns, dass die Polizei an diesem Abend wohl nicht kontrollieren würde, da sie mit der neuen Situation bestimmt überfordert war. Er hatte das wesentlich bessere Auto, einen Shiguli, eine russische Fiat-Gestattungsproduktion (so hieß das, wenn in der DDR Waren im Auftrag westlicher Unternehmen gefertigt wurden). Ich hatte Mühe, mit meinem Auto mitzuhalten. Wir wollten zur Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße, die als Ort der Grenzöffnung im Fernsehen zu sehen gewesen war und die auch in der Nähe meiner Berliner Wohnung lag. Die Straße war weit vor der Grenze voller Menschen und Autos, alle waren in einem sonst toten Raum der Stadt unterwegs. In die Bornholmer Straße ging man sonst nicht. Es gab da wenig zu sehen und was man sah, frustrierte nur, und zugleich musste man sich eventuell dumme Fragen gefallen lassen.

Nun aber strömte alles in diese Richtung. Ich fuhr, nachdem wir uns getrennt hatten, schnell nach Hause, in die nahe gelegene »Lychener«. Ich hatte nicht anrufen können, denn wir hatten ja kein Telefon. Katrin lag mit Rebecca schon im Bett. Ich weckte sie und sagte ihnen, dass wir unbedingt zur Grenze müssten. Sie protestierten erst schlaftrunken, aber dann waren sie hellwach und mussten nicht lange überlegen. Wenig später fuhren wir mit dem Auto Richtung Grenze, Eiserner Vorhang, Richtung Mauer, Richtung Ende unserer Welt, in die bisherige Sackgasse unseres Lebens. Wir fanden sogar noch einen Parkplatz in der Ostseestraße, obwohl fast alles zugeparkt war. Wir waren begeistert und überglücklich, aber wussten zugleich gemeinsam mit allen anderen nicht, was nun eigentlich weiter passieren würde. Alles war denkbar, aber im Grunde konnten wir vor lauter Glück und Überraschung nicht denken.

Mauerfall ein falscher Begriff

Da, wo wir bisher nie hingegangen waren, weil es da nichts für uns zu sehen gab, strömten nun Tausende Menschen und gingen durch den Eisernen Vorgang, durchliefen die Mauer. Die Mauer ist in jener Nacht nicht „gefallen“! Es ist ein genauso falsches Wort wie „Wende“. Wenn man Mauerfall sagt, klingt es so, als wäre die Mauer so altersschwach gewesen, dass sie einfach eingestürzt oder umgefallen wäre. Aber das geschah nicht in dieser Nacht. Die Mauer ist durchlaufen worden und war damit überflüssig. Mauerspechte haben sich anschließend lustig gemacht über sie, sie weiter durchlöchert, bis sie dann in monatelanger Arbeit zu Straßenbelag geschreddert wurde.

Tausende feiern nach dem Fall der Mauer in der Nähe des Brandenburger Tores. (Thomas Hackmann / wir-waren-so-frei.de) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Ebenso war es keine Wende. Das hätten sie zwar gerne gehabt, dass wir Krenz und seinem neuen Politbüro die Wende geglaubt hätten. Wir sind jedoch geradeaus weitergelaufen, ohne uns von Egon Krenz betören zu lassen. Es war eine friedliche, tiefgreifende Reformation, denn der Osten wurde in die Form gebracht, in der der Westen schon war. Oder, so könnte man mit Habermas sagen, dass es eine nachholende Revolution war. Der Osten holte nach, was im Westen schon 40 Jahre entwickelt worden war.

Eine Nacht lang das glücklichste Volk der Welt

Wir liefen durch das Spalier der begeisterten West-Berliner Richtung U-Bahnhof Osloer Straße und waren in dieser Nacht wohl wirklich das glücklichste Volk der Welt. Wir waren mit diesem Empfang spürbar ein Volk, denn die West-Berliner begrüßten uns bei sich, als wären wir nach Hause zurückgekommen. Vom Osloer Bahnhof fuhren wir zum Bahnhof Zoo, dem legendären Sehnsuchtsort, den jeder auch im Osten vom Namen her kannte, aber nicht besuchen konnte. Die Züge der Deutschen Reichsbahn, die aus Westdeutschland durch Ostdeutschland fuhren, endeten hier. Nun waren wir als Familie da und konnten nicht fassen, was wir erlebten.

Wie in alten Filmen, wo auch ein Abendblatt verteilt wird, kamen plötzlich Menschen und verteilten eine frisch gedruckte BILD-Zeitung, in der davon berichtet wurde, dass sich der Bundestag am Abend erhoben und »Nun danket alle Gott« gesungen habe. Wir waren dabei, als sich Geschichte ereignete, hatten Geschichte miterlebt und mitgeschrieben. Ich schlug meiner Familie irgendwann tief in der Nacht vor, dass wir meine Freundin Susanne besuchen sollten. Als wir klingelten, gegen 3 Uhr in der Nacht, war sie verwundert und verärgert, aber als sie Katrin und Rebecca sah, wusste sie, dass etwas geschehen war, was diesen späten Besuch rechtfertigte. Wir erzählten bis in den Morgen, denn schlafen konnten wir sowieso nicht und wir wollten die Geschichte spüren, wollten, dass unser Verstand uns wieder einholte. Am nächsten Tag waren wir nach dem Frühstück lange in der Stadt unterwegs. Ich meldete mich bei vielen guten Bekannten, um gemeinsam Fassung zu finden.

Begegnung mit Willy Brandt

Am Abend des 10. November ging ich zum Schöneberger Rathaus, denn dort wollte Walter Momper als Regierender Bürgermeister zu den Berlinern und an seiner Seite sollten Willy Brandt und Helmut Kohl sprechen. Den Jubel der Menschen im Osten hatte ich miterlebt und war Teil dieses Jubels gewesen. Nun wollte ich miterleben, wie der Westen reagierte. Zugleich war nach der Kundgebung ein Ad-hoc-Treffen der anwesenden Sozialdemokraten aus dem Westen mit dem Vorstand der SDP im Ostberliner Hospiz in der Albrechtstraße geplant, so hieß ein evangelisches Hotel in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Friedrichstraße.

Unvergessen aus jenen Tagen ist mir jener Satz geblieben von Willy Brandt, der Geschichte schreiben sollte, weil er von dem gesagt wurde, dem man aus meiner Sicht durch seine Entspannungpolitik letztlich diese Geschichte verdankte und weil er das Geschehen in genialer Einfachheit zusammenfasste: "ich bin dem Herrgott dankbar dafür, dass ich dies miterleben darf – wir erleben, dass die Teile Europas wieder zusammenwachsen", formulierte er auf dem Rathausbalkon in seiner Rede. Und in anschließenden Interviews und auch den Gesprächen mit uns im Gründerkreis der Ost-SPD formulierte er jene einprägsamen fünf Worte, die die den Westen in die Pflicht nahmen und die der Welt erklärten, dass ein jahrzehntelanges Unrecht zu Ende ging: "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört!". Ab jetzt öffneten sich komplett neue Wege. Auch das formulierte Brandt damals weissagend auf dem Rathausbalkon:

"Das Zusammenrücken der Deutschen, darum geht es, das Zusammenrücken der Deutschen verwirklicht sich anders, als es die meisten von uns erwartet haben. Und keiner sollte in diesem Augenblick so tun, als wüßte er ganz genau, in welcher konkreten Form die Menschen in den beiden Staaten in ein neues Verhältnis zueinander geraten werden. Dass sie in ein anderes Verhältnis zueinander geraten, dass sie in Freiheit zusammenfinden und sich entfalten können, darauf allein kommt es an. Aber eines ist sicher: Nichts wird wieder so werden, wie es war."

Der Weg hin zu einer - schon vier Monate später - frei gewählten Volkskammer, die dann mehrheitlich über die Vereinigung entschied, war allerdings zu diesem Zeitpunkt noch unvorstellbar. Aber letzten Endes hat die selbstbewusst „durchlaufene“, dann zerhämmerte und schließlich abgerissene Mauer diesen Weg unausweichlich freigemacht.

Der Pfarrer und Mitbegründer der SPD in der DDR, Steffen Reiche, war von 1994 bis 1999 Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur und von 1999 bis 2004 Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Von 2005 bis 2009 gehörte der ehemalige Volkskammerabgeordnetedem Deutschen Bundestag an. (© picture-alliance, ZB)

Geplatzter Traum von einer Mehrheit

Mit guten Aussichten ging die damals in der DDR neu gegründete SPD in den Wahlkampf für die Volkskammerwahl am 18. März 1990, verlor dann aber deutlich. Woran das lag, analysiert Steffen Reiche in seiner Autobiografie "Tief träumen und hellwach sein - Politiker und Pfarrer mit Leidenschaft", erschienen im Bonner Dietz-Verlag 2020:

Das Wort »Wende«, das Egon Krenz geprägt hat, sollte zweierlei, es sollte zeigen, dass die SED ganz aktiv mitgestaltete und es sollte ein Stoppschild errichten, bis hierher und nicht weiter. Da ist das Wort von der Friedlichen Revolution viel ehrlicher und mutiger, es gibt den Akteuren von damals die Ehre, die sie durch ihren Mut verdient haben. Aber was Wende zu wenig wollte, eben nur eine kleine Wende, behauptet das Wort von der Friedlichen Revolution zu viel.

Viele hätten gern eine solche Revolution gewollt, zum Beispiel indem auf der Grundlage des Verfassungsvorschlags des Runden Tisches und des Grundgesetzes gemeinsam eine neue Verfassung erarbeitet worden wäre für das vereinigte Deutschland. Doch dafür fand sich weder nach der Wahl zur Volkskammer am 18. März noch nach der Wahl zum Deutschen Bundestag am 2. Dezember 1990 eine demokratische Mehrheit.

Mich hat damals oft gewundert, wie diejenigen, die mit mir gemeinsam für mehr Demokratie gekämpft hatten und nun erreichten, wofür sie sich eingesetzt hatten, sich nun so schwertaten damit, dass die Mehrheit der Bevölkerung anderes wollte als sie – eine schnelle und sichere deutsche Vereinigung auf dem Weg über einen Beitritt der DDR nach Artikel 23 des Grundgesetzes.

Bündnis 90 hatte überall vor den Volkskammerwahlen am 18. März 1990 plakatiert: »Kein Anschluss unter dieser Nummer – Artikel 23 GG«. Sie erhielten dafür 2,9 Prozent Zustimmung und wären, hätte es bei der ersten freien Wahl eine Fünf-Prozent-Hürde gegeben, an ihr gescheitert.

Als wir zu unserem ersten regulären Parteitag der Ost-SPD nach Leipzig fuhren, hatten wir Umfrageergebnisse im Kopf und dann auch in der Zeitung, die wir in alle Haushalte der DDR mithilfe der West-SPD am 25. Februar verteilen ließen, die sahen uns bei 46 Prozent der Stimmen bei der Volkskammerwahl am 18. März 1990.

Wir hatten uns für Leipzig als Ort des Parteitages entschieden, weil wir an der Stärke der SPD von Sachsen in der Weimarer Zeit wieder anknüpfen wollten und weil wir uns in der Tradition der Leipziger Montagsdemonstrationen verstanden. Die Demonstrationen und der Mut von Leipzig hatten möglich gemacht, dass wir viel schneller da waren, wohin wir uns am 7. Oktober bei der Gründung dieser einzigen neuen Partei in Zeiten der DDR gesehnt hatten, als jemand das für möglich gehalten hatte.

Nun fuhren wir von Berlin zu jenem Parteitag, bei dem Willy Brandt zu uns sprechen würde und einen weiteren denkwürdigen Satz prägen sollte, vom Zug, der auf dem Weg zur Deutschen Einheit sei, und wir uns als Sozialdemokraten dafür in der Verantwortung zu sehen hätten, dass dabei niemand unter die Räder kommt.

Wachsende Skepsis

Uns beschlich aber auch erstmals das Gefühl, dass wir bei der Wahl unter die Räder kommen könnten. Denn Helmut Kohl war ein taktisches Meisterstück gelungen. Die Ost-CDU wurde von allen nur scheel angesehen – zu lange hatte sie als Blockpartei, als Blockflöte alles mitgemacht, was die SED gemacht hatte. Ihre Kritik schien eher wie das Deckmäntelchen, das die SED brauchte, um so zu tun, als ob die DDR eine Demokratie wäre. Die Ost-CDU hatte mit der CDU im Westen nur den Namen gemein, war für alle im Grunde genauso wenig wählbar wie die zur PDS gewandelte SED.

Mir schien sie gar schwieriger und schmieriger als die SED, bei der man wusste, woran man war. Kohl war es nun gelungen, eine Allianz für Deutschland zu begründen, in dem er den Demokratischen Aufbruch und die gerade erst gegründete DSU in eine Wahlgemeinschaft hineinzwang, um so der von zwei Seiten getragenen CDU seine Unterstützung im Volkskammerwahlkampf geben zu können.

Alles, was im Konrad-Adenauer-Haus erdacht und konzipiert wurde, machten die von 40 Jahren Nationaler Front korrumpierten CDU-Leute mit, denn das gehörte zu ihrem Erfahrungsschatz, dass eine viel größere und mächtigere Partei ihnen sagte, wo es lang geht und was zu machen ist. Die nun führende Partei war allerdings nicht nur viel sympathischer, sondern sowieso das Ziel aller Träume, in sie wollte man ja aufgenommen werden.

Die anderen neuen Parteien hingegen spürten, dass auf sie im Kampf der Giganten wenig Stimmen fallen würden und auch sie traten gern die Flucht nach vorn an. Der Demokratische Aufbruch musste sich verorten und tat es nun, da sie auf der Seite der SPD nicht gebraucht wurden und bei den Bürgerrechtlern wohl nur wenige Stimmen zu holen waren.

Die DSU war an der Seite der CDU sowieso an der Stelle, wo sie sich sahen. Probleme, die es im Annäherungsprozess gab, waren durch die Vermittlung von Konsistorialpräsident Stolpe ausgeräumt worden, wie sich der damalige Chef des Bundeskanzleramtes Schäuble erinnert. Wir ahnten davon nichts.

Aber wir sahen auf dem Weg nach Leipzig etwas, was wir noch nie gesehen hatten und was es so auch nie wiedergab und geben konnte. Über Nacht war die ganze DDR professionell zugeklebt worden mit Plakaten. Es gab nur wenige Laternen in dem ganzen 17-Millionen-Einwohner-Staat, die von den Klebekolonnen des Adenauer-Hauses verschont wurden. Und diejenigen, die aus dem Süden der DDR zum Parteitag nach Leipzig anreisten, erzählten uns, dass die Stimmung sich gedreht habe.

Der früher rote Süden, das Tal der Ahnungslosen in der DDR, die immer auf Direktiven aus Berlin gewartet hatten, spürten nun, dass die wichtigen Direktiven aus Bonn kamen. Sie spürten, dass die Sozialdemokratie im Westen aber auch in Teilen im Osten nicht den schnellsten denkbaren Weg zur Deutschen Einheit gehen wollte. Je stärker Kohl das Tempo zur Deutschen Einheit forcierte, umso stärker fühlte sich Lafontaine gedrängt, das Tempo zu drosseln, im Osten und vor allem im Westen davor zu warnen, was Kohl wollte.

"Lafontaine hatte den Zug zur deutschen Einheit verpasst"

Als ich das erste Mal auf dem Weg zu einer Wahlkampfveranstaltung in Neuruppin von Herbert Schnoor, dem Innenminister von Nordrhein-Westfalen den Vorschlag von Ingrid Matthäus-Maier hörte, eine Währungsunion Ost-West zu begründen mit dem Kurs 1:1, hielt ich das für verrückt und zu schön, um wahr zu sein. Ich verstand die kapitalistische Welt nicht mehr: Wie konnte eine Währung, die wir mindestens 1:4 tauschten, nun plötzlich in Parität gehandelt und gewandelt werden?

Aber um den drohenden Absturz in der Wählergunst der DDR-Bürger abzuwehren, wurde das nun offiziell am 24. Februar auf dem Parteitag der Ost-SPD von unserem Vorsitzenden und Spitzenkandidaten Ibrahim Böhme gefordert und als unser Wahlkampfziel millionenfach in unserer Wahlkampfzeitung am 25. Februar morgens in alle Haushalte der DDR verteilt.

Aber Lafontaine, der stellvertretende SPD-Vorsitzende, stellte unserer Partei Bedingungen. Er wolle als Kanzlerkandidat nur antreten, wenn die SPD im Wahlkampf auf große sozialpolitische Versprechungen verzichtet und sich zu Maßnahmen gegen den weiteren Zustrom von Übersiedlern bereitfindet. Er warnte vor allzu schnellen Schritten zur deutschen Einheit und zu einer Währungsunion. Kohl hingegen nahm das Versprechen von Böhme auf und wandelte es in seine Zusage. Lafontaine hatte den Zug zur deutschen Einheit verpasst und saß auf dem unter Lokführer Helmut Kohl immer schneller fahrenden Zug nur noch hinten im Bremserhäuschen.

Eine Geschichte, die mir Jahre später von Manfred Grund, dem langjährigen Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion erzählt worden ist, belegt das auf eindrückliche Weise. Der aus dem Eichsfeld stammende Manfred Grund, parteilos, wollte im November 1990 bei sich die SPD gründen und fuhr deshalb zu einem Parteitag der SPD in Hessen, um sich dort Material für die Gründung eines Ortsvereines zu besorgen wie Parteiprogramm und Statut.

Er hatte sich in der Pause an den Tischen, wo reichlich Material auslag, seine Tasche gefüllt und sah sich nun gut gerüstet, die SPD im Eichsfeld zu begründen. In der Diskussion nach der Pause meldete er sich zu Wort und fragte, wie die SPD zur Deutschen Einheit stünde. Es gab eine freundliche und klare Antwort: Dies wäre jetzt nicht das große Thema der Zeit, allenfalls mittel- oder gar langfristig könne man nach einer langen Phase der engeren deutsch-deutschen Zusammenarbeit über eine Konföderation und über die Deutsche Einheit nachdenken.

Manfred Grund hatte genug gehört, er legte das SPD-Material still zurück auf die Tische und fuhr zurück ins Eichsfeld und trat der CDU bei. Ähnlich soll es Angela Merkel ergangen sein, die eigentlich von zu Hause aus eher zur SPD tendierte, der ihre Mutter dann auch eine Zeit lang beitrat, während der Vater als »roter Pfarrer« unabhängig, aber eher PDS nah ausharrte. Merkel machte sich über den Demokratischen Aufbruch auf den langen Weg in die CDU.

Im Februar 1990 wetteifern unterschiedliche Parteien mit Plakaten in Dresden Pillnitz um die Gunst der Wähler zu den ersten und letzten freien Volkskammerwahlen am 18. März 1990. (© picture alliance/ZB)

Die Allianz für Deutschland zu schmieden war eine kluge taktische und strategische Meisterleistung. Damit aber hatte die CDU viele Tausende Wahlkämpfer an ihrer Seite, die alles das, was sie nun voller Leidenschaft bekämpften und beenden wollten, über Jahrzehnte mit aufgebaut und getragen und verantwortet hatten. Um dies zu verschleiern, davon abzulenken, dachten sich Kohl und seine Leute eine aus meiner Sicht wirklich infame Kampagne aus. Sie behaupteten ohne jeden Anhaltspunkt in der Wirklichkeit, dass Tausende von SED-Leuten in die ostdeutsche SPD strömten, mancherorts sogar die Mehrheit in den Ortsvereinen stellten und sich anschickten, manche Ortsvereine zu übernehmen.

Der Eindruck, der bei vielen so entstand, war, dass man es bei der SPD mit einer schon längst von ehemaligen SED-Mitgliedern übernommenen Partei zu tun hatte und es deshalb egal war, wen man im Osten wählte, wichtig war, wen man damit im Westen als Partner bekam.

Diese infame Wendung, die Kohl, als er zu einem großen Staatsmann wurde, zugleich als aus meiner Sicht miesen Parteipolitiker zeigte, hatte aber noch eine langfristige Wirkung.

Verunsichert durch die aus dem Straßenverkehr übernommenen Stoppschilder, die mit einem Band von SPDSPDSPDSPDSPDSPD umrandet waren, guckten die Ortsvereine bei Neuaufnahmen nun doppelt genau hin. Und es entwickelten sich manche der erst im Winter 89 oder später dazugekommenen zu »Gründungsstöpseln«, die sich bemühten zu verhindern, dass erfahrene Leute hinzukamen. Sie wollten die SPD als die Chance ihres Lebens für sich behalten, wollten das Sprungbrett in politische Ämter, zu Mandaten und neuen Perspektiven nicht mit anderen teilen.

SED-Leute hingegen, die aus ihrer Partei ausgetreten waren, wollten zum übergroßen Teil gar nicht neu politische Karriere machen, sondern jetzt ihre Kontakte nutzen, mit denen sie bisher in der SED gut gekonnt hatten, um sich an die Schaltstellen wirtschaftlichen Einflusses zu setzen, weil sie da viel eher Vorteile sahen. Es trifft insofern zu, dass in vielen Ortsvereinen mit Macht die Türen zugehalten worden sind, Türen jedoch, durch die kaum jemand eintreten wollte.

Hoffen auf integre PDS-Mitglieder

Mir war dann spätestens im Jahr 1992 klar, dass wir als SPD in ganz Ostdeutschland nur dann eine Chance gegen die CDU haben würden, wenn es gelingen würde, auch die politische Linke wieder zu verbinden. Natürlich nicht mit einem weiteren Vereinigungsparteitag, zu dem nun die SPD die PDS einladen würde, aber doch dadurch, dass die SPD die Türen sichtbar für integre, ehemalige SED-Mitglieder öffnete, wie zum Beispiel Lothar Bisky oder Michael Schumann. Bisky war bis Anfang 1993 Landesvorsitzender der PDS in Brandenburg und Prof. Michael Schumann war der strategische Vordenker der Partei in Brandenburg und in den neuen Ländern. Beide waren mit mir Abgeordnete im Brandenburger Landtag. Als klar wurde, dass Bisky für den Bundesvorsitz der PDS kandidieren würde, war mir klar, dass nun alles auf eine Karte zu setzen war. Ich bat beide, in die SPD einzutreten, ihre Mandate bis 1994 zu behalten und dann mit einem SPD-Mandat weiter politische Verantwortung für Brandenburg zu übernehmen.

Beide waren im Kern ihrer politischen Einstellung Sozialdemokraten und insofern mit ihren politischen Ansichten bei uns völlig richtig. Michael Schumann sagte mir zuerst ab, mit einer Begründung, die von allen die Einzige war, die mir einleuchtete: Deutschland brauche die PDS, "damit all diejenigen, die über Jahrzehnte in der SED eine Heimat hatten, nicht heimatlos in die Deutsche Einheit gehen."

Die PDS als Rettungsboot für Menschen, die sonst unbehaust in der nun größeren Republik wären, die eventuell dann sogar zu Störenfrieden werden könnten. Die aber in einer PDS, die auch Schumann mitführte, die er mitgestaltete, ihren Frieden mit dem Land und der Einheit finden würden. Also eine Aufgabe auf Zeit, die er weder vollenden konnte, noch hätte abgeben können, um zeichenhaft in die SPD zu kommen, weil er bei einem Unfall auf dem Weg an die Ostsee viel zu früh starb.

Auch Lothar Biskys Loyalitäten lagen stärker bei seinen Mitgliedern. Dass es an den Gründungsstöpseln in der SPD gelegen habe, dass die PDS/Die Linke zwischenzeitlich so stark wurde, sollte nicht mehr weitererzählt werden. Ich habe in Brandenburg alle Sozialdemokraten in der PDS offensiv eingeladen, die Türen standen offen in die SPD einzutreten, aber sie sind nicht gekommen. Nur eine Handvoll sind meiner Einladung gefolgt, aber es ist nicht zu einer Bewegung geworden.

Kandidatur in Potsdam

Der Text ist der Autobiografie Steffen Reiches entnommen, erschienen 2020 im Dietz-Verlag

Die ehemalige Bezirksparteischule der SED in der Potsdamer Waldstadt wurde sehr bald zum Tagungshotel umfunktioniert. Dort fanden in den ersten Monaten und Jahren sehr viele Veranstaltungen der Potsdamer SPD statt, unter anderem mit Willy Brandt. Nachdem klar war, dass die Volkskammerwahl nicht erst im Mai stattfinden konnte, sondern auf den März vorgezogen werden musste, wurden dort die SpitzenkandidatInnen für den Bezirk Potsdam gewählt.

Denn noch gab es diese Strukturen, die die DDR drei Jahre nach ihrer Gründung durch die Zerschlagung der fünf ostdeutschen Länder hergestellt hatte. Ich kandidierte als bekanntester SPD-Mann aus unserem Bezirk als Spitzenkandidat und wurde mit einem sehr guten Ergebnis gewählt, obwohl ich einer der Jüngsten war. Die Liste kam mit einigen Überraschungen zustande. Denn viele spürten auch, wenn ich jetzt, in dieser Aufbruchssituation meine Arbeitsstelle verlasse, dann komme ich nicht mehr zurück oder nur mit erheblichen Einbußen, denn andere haben sich dann in den neuen Möglichkeiten schon eingerichtet.

Wir ahnten, dass die Volkskammer nicht lange bestehen würde, denn auch wir wollten alle möglichst bald die Deutsche Einheit und an regulären Bundestagswahlen teilnehmen. Und so hat es bei manchen guten und erfahrenen Menschen großer Überzeugungsarbeit bedurft, ehe sie sich darauf einließen zu kandidieren.

So musste ich als Spitzenkandidat im ganzen Bezirk Potsdam, der flächenmäßig der größte der 14 Bezirke war und 1,124 Millionen Einwohner hatte, Wahlkampf machen. Der Bezirk reichte von der Prignitz im Nordwesten bis nach Königs Wusterhausen im Südosten und Jüterbog im Südwesten von Berlin. Sitzungen zu leiten und Vorträge zu halten, Diskussionen in großen Veranstaltungen zu bestehen, hatte ich gelernt. Wahlkampf aber war für uns Neuland. Zum Glück hatten wir mitten im Bezirk, später mitten im Land, Berlin und über 20.000 Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die Erfahrungen hatten und sie gern einbrachten. Mit meinem Trabant war ich ständig unterwegs, um die weniger bekannten Kollegen vor Ort zu unterstützen.

Wie seltsam aber war es, immer wieder auch meinem Bild zu begegnen, mit dem die SPD für sich warb. Wir fanden hier noch Laternen oder Bäume, an denen wir unsere Plakate anbringen konnten, im Süden hingegen war fast alles schon besetzt durch die Plakate der Allianz für Deutschland. Die Klebekolonnen der CDU aus dem Westen hatten nirgendwo gefragt, es gab dafür auch keine Regeln und wer hätte sie jetzt noch sinnvoll erarbeiten und glaubwürdig verabschieden können in einer Volkskammer, die, wie all die 40 Jahre zuvor, von der SED dominiert wurde.

Oskar Lafontaine hatten wir kaum zum Wahlkampf eingeladen, denn wir hätten ihm immer nur widersprechen müssen, denn wir wollten ja die Einheit wohl sogar leidenschaftlicher als die gegen uns konkurrierende Ost-CDU. Die wurde in diesem Wahlkampf nun auch kaum gefragt und wenn, stimmten sie allem zu, dankbar, nun nach so kurzer Zeit unverhofft und reingewaschen als ganz »neue Partei« durch die Allianz antreten zu können.

Die SPD hingegen stimmte alles mit uns ab, hatte Sorge uns als einzige in DDR-Zeiten neu gegründete Partei zu verärgern. Diese Rücksicht kam gut an bei uns, wurde jedoch nicht einmal von allen wirklich bemerkt und verstanden. Nur als Konzept ging sie nicht auf, denn die DDR-Bürger in ihrer Mehrheit wollten auch gern schon im Wahlkampf den Westen spüren, den sie dann mehrheitlich auch wählten.

Täuschende Prognosen

Wir beharrten auf den Prognosen, die kurz vor der Wahl schon drei Wochen alt waren und uns deutlich vorn sahen, aber spürten, dass sich das Blatt gedreht hatte. Aber bis zuletzt glaubten wir und die anderen BürgerrechtlerInnen fest daran, dass die BürgerInnen an der Wahlurne schon wissen würden, wem sie diesen Wahlgang verdankten.

Aber die übergroße Mehrheit blickte bei der höchsten Wahlbeteiligung, die es je bei einer freien Wahl in diesem Gebiet gegeben hat, nicht zurück, sondern nach vorn. Sie wählten nicht die D-Mark, wie ich es in meiner Verbitterung am Wahlabend im Palast der Republik sagte, sondern sie wollten ein unüberhörbares Signal an die Parteien aussenden, aber auch nach ganz Deutschland und nach Europa hinein, dass sie einen schnellen Weg zur Deutschen Einheit gehen wollten. Helmut Kohl hatte die Frage am klarsten gestellt und er bekam eine klare Antwort.

Der SPD-Vorsitzende Lafontaine fand an diesem Abend nicht den Weg in den Saalbau am Friedrichshain, wo wir unsere Wahlparty feiern wollten, die jedoch in der Verbitterung und der Enttäuschung über das Ergebnis unterging. Lafontaine wollte nicht mit den Verlierern gesehen werden, wollte sich dazu nicht äußern und glaubte wohl noch immer mit seinem Kurs im Westen im Dezember die Wahl zu gewinnen. Er kam also nicht, um sich anzusehen, was er angerichtet hatte – wir hatten seinetwegen und durch seinen Kurs verloren, und er wollte damit nicht in Zusammenhang gebracht werden.

Ich bedauere heute, dass wir ihm auch an jenem Abend die Solidarität hielten, die er uns bis dahin nicht, aber auch in Zukunft nicht erweisen sollte.

Zitierweise: Steffen Reiche, "Die durchlaufene Mauer“, in: Deutschland Archiv, 08.01.2021, Link: www.bpb.de/324915. Weitere "Ungehaltene Reden" ehemaliger Parlamentarier und Parlamentarierinnen aus der ehemaligen DDR-Volkskammer werden nach und nach folgen. Eine öffentliche Diskussion darüber ist im Lauf des Jahres 2021 geplant. Es sind Meinungsbeiträge der jeweiligen Autorinnen und Autoren, sie stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar.

In dieser Reihe bereits erschienen:

- Sabine Bergmann-Pohl, Interner Link: "Ein emotional aufgeladenes Parlament"

- Rüdiger Fikentscher, Interner Link: "Die 10. Volkskammer als Schule der Demokratie"

- Gregor Gysi - Externer Link: Ein urdemokratischer Impuls, der buis ins Heute reicht

- Hinrich Kuessner Interner Link: „Corona führt uns die Schwächen unserer Gesellschaft vor Augen“

- Klaus Steinitz, Interner Link: "Eine äußerst widersprüchliche Vereinigungsbilanz"

- Richard Schröder -Interner Link: "Deutschland einig Vaterland"

- Maria Michalk, Interner Link: "Von PDS-Mogelpackungen und Europa?"

- Markus Meckel, Interner Link: "Eine Glücksstunde mit Makeln"

- Hans-Peter Häfner, Interner Link: "Brief an meine Enkel"

- Konrad Felber, Interner Link: "Putins Ausweis"

- Walter Fiedler, Interner Link: "Nicht förderungswürdig"

- Hans Modrow, Interner Link: "Die Deutsche Zweiheit"

- Joachim Steinmann, "Interner Link: Antrag auf Staatsferne"

- Christa Luft, Interner Link: "Das Alte des Westens wurde das Neue im Osten"

- Dietmar Keller, "Interner Link: Geht alle Macht vom Volke aus?"

- Rainer Jork, Interner Link: "Leistungskurs ohne Abschlusszeugnis"

- Jörg Brochnow, Interner Link: "Vereinigungsbedingte Inventur"

- Gunter Weißgerber, "Interner Link: Halten wir diese Demokratie offen"

- Hans-Joachim Hacker, Interner Link: "Es gab kein Drehbuch"

- Marianne Birthler - Interner Link: "Das Ringen um Aufarbeitung und Stasiakten"

- Stephan Hilsberg - Interner Link: "Der Schlüssel lag bei uns"

- Ortwin Ringleb - Interner Link: "Mensch sein, Mensch bleiben"

- Martin Gutzeit, Interner Link: "Gorbatschows Rolle und die der SDP"

- Reiner Schneider - Interner Link: "Bundestag - Volkskammer 2:2"

- Jürgen Leskien - Interner Link: "Wir und der Süden Afrikas"

- Volker Schemmel - Interner Link: "Es waren eigenständige Lösungen"

- Stefan Körber - "Interner Link: Ausstiege, Aufstiege, Abstiege, Umstiege"

- Jens Reich - Interner Link: Revolution ohne souveränes historisches Subjekt

- Carmen Niebergall - Interner Link: "Mühsame Gleichstellungspolitik - Eine persönliche Bilanz"

- Susanne Kschenka - Interner Link: "Blick zurück nach vorn"

- Wolfgang Thierse - Interner Link: "30 Jahre später - Trotz alldem im Zeitplan"

- Rainer Eppelmann, Die Rolle des „Staates“ in der Wahrnehmung der Ostdeutschen

- u.a.m.

Mehr zum Thema:

- Die Interner Link: Wahlkampfspots der Volkskammerwahl

- Die Interner Link: Ergebnisse der letzten Volkskammerwahl

- Film-Dokumentation Interner Link: "Die letzte Regierung der DDR"

- Analyse von Bettina Tüffers: Interner Link: Die Volkskammer als Schule der repräsentativen Demokratie, Deutschland Archiv 25.9.2020

- Die Interner Link: Geschichte der Ostpolitik

Fussnoten

Fußnoten

  1. Quelle des gesamten Texts: Steffen Reiche; "Tief träumen und hellwach sein - Politiker und Pfarrer mit Ledienschaft - Ein autobiografisches Essay", Bonn 2020.

  2. Jürgen Habermas, Die nachholende Revolution, Kleien politische Schriften VII, Frankfurt 1990

  3. Vgl. Timothy Garton Ash; Wächst zusammen was zusammengehört? Schriftenreihe der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, Heft 8, 1999, S.33/34 (auch online unter: https://willy-brandt.de/wp-content/uploads/heft_08_waechst_zusammen.pdf)

Der Pfarrer und Mitbegründer der SPD in der DDR, Steffen Reiche, war von 1994 bis 1999 Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur und von 1999 bis 2004 Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Von 2005 bis 2009 gehörte der ehemalige Volkskammerabgeordnetedem Deutschen Bundestag an.