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Die Hohenzollern und die Demokratie nach 1918 (I)

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Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. 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Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? 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Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? 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Die Hohenzollern und die Demokratie nach 1918 (I)

Martin Sabrow

/ 30 Minuten zu lesen

In Teil I seines Beitrages setzt sich Martin Sabrow mit dem politischen Agieren einzelner Mitglieder des früheren Herrscherhauses Hohenzollern auseinander. Er beschreibt, wie lange Ex-Kaiser Wilhelm II. in seinem Exil im niederländischen Doorn daran glaubte, wieder an die Spitze des Deutschen Reiches zu gelangen. Ambivalent gestaltete sich das Verhältnis der Familie zu den Nationalsozialisten, die sie als Vehikel zur Wiedererlangung der Monarchie zu nutzen trachteten.

Kaiser Wilhelm II. verläßt in einem hinten offenen Wagen zum letzten Mal die Wilhelmstraße in Berlin. (© picture-alliance/dpa, Ullstein)

So unscharf wie der Demokratiebegriff in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts ist auch der Sammelbegriff des Hohenzollernschen Herrscherhauses. Denn „die“ Hohenzollern stellten nach 1918 zu keiner Zeit eine geschlossene Dynastie dar, wie sie allenfalls noch ihrem Oberhaupt Wilhelm II. im Doorner Exil vorschwebte, noch agierten sie im Rahmen einer einheitlichen politischen Kultur und Öffentlichkeit. Das Spektrum der entmachteten Familie reichte schon vor 1945 von nationalsozialistischen Aktivisten wie August Wilhelm bis hin zu demokratisch gesinnten Nachfahren wie Louis Ferdinand, die in ihrer autobiographischen Selbstdarstellung dem Widerstand gegen Hitler nahegestanden haben wollten.

Die friedliche Ablösung der Monarchie

Ausgangspunkt aller Betrachtung ist der Umstand, dass mit der Ablösung der monarchischen Herrschaftsform in Deutschland, anders als etwa in Frankreich oder Russland, keine soziale oder kulturelle Vernichtung verbunden war. Stattdessen vollzog sich die staatsrechtliche Umwälzung in einer „Mischung von Bewahrung und Distanz“: Königliche Schlösser wurden nach 1918 nicht zu republikanischen Regierungssitzen umgeformt oder als greifbares Zeichen historischer Überwindung geplündert und geschleift. Dies blieb, unter veränderten historischen Umständen, der Zeit nach 1945 vorbehalten, als das SED-Regime gegen bürgerschaftlichen Protest die kriegsbeschädigten Stadtschlösser von Berlin und Potsdam abtragen und die Gutshäuser des preußischen Kleinadels verfallen ließ, während in die Schlösser von Stuttgart oder Wiesbaden demokratische Landesparlamente einzogen.

Berlin, Revolution 1918/19. Soldaten des Arbeiter und Soldatenrats mit ihrem gepanzerten Fahrzeug im Hof des Berliner Stadtschlosses.

1918 aber bildete die einzige Ausnahme das Berliner Stadtschloss, in dem während der Revolutionswirren die aus Kiel und Emden gekommene Volksmarinedivision hauste und mit Plünderungen und Zerstörungen nicht sparte. Ihr vandalistisches Auftreten in Berlin stärkte den monarchischen Gedanken in gleichem Maße, wie es den Ruf der Revolution im Berliner Bürgertum nachhaltig schädigte. Doch am Ende waren es die Königstreuen, die dem Berliner Stadtschloss die stärksten Wunden schlugen. An den Weihnachtstagen 1918 begannen von Potsdam herangeschaffte Truppen des geschlagenen Heeres, das Schloss in einem ersten Aufblitzen der Gegenrevolution mit schwerem Geschütz in Schutt und Asche zu legen, bis die hinzuströmende Bevölkerung Berlins die Kampfhandlungen unterband und so mit der demokratischen Revolution auch das königliche Schloss schützte.

Der Kulturkampf zwischen Republikanern und Monarchisten

Das Haus Hohenzollern hat der Republik von Weimar diese Milde nicht gelohnt, sondern ihr in teils nonchalanter und teils aggressiver Distanz gegenübergestanden. Dabei gilt: Ungeachtet einzelner Legitimationskrisen des Wilhelminischen Kaiserreichs wie im Zuge der Daily-Telegraph-Affäre 1908 konnte sich der Monarchismus als abgegrenzte politische Haltung erst ausbilden, nachdem die monarchische Ordnung mit der Novemberrevolution ihre Selbstverständlichkeit verloren hatte. Daraus gingen in den vierzehn Jahren der ersten deutschen Republik zwei gegeneinander laufende Linien hervor: Die eine markiert die allmähliche Einebnung des grundsätzlichen Gegensatzes zwischen republikanischer und monarchischer Welt und die zunehmende Integration der entmachteten Kaiserfamilie in die bürgerliche Gesellschaft; die andere Linie beschreibt im Kontrast dazu die Herausbildung und Festigung eines monarchischen Gegenmilieus, das sich um restaurative Inseln wie das holländische Exil Ex-Kaiser Wilhelms II., die Person seines Sohnes Wilhelm, den medialen Preußenkult oder die Traditionspflege einer ganzen Stadt wie Potsdam herum kristallisierte.

Schon zum ersten Kaisergeburtstag nach der Novemberrevolution hatte die starke monarchistische Strömung im deutschen Bürgertum ihre Sprache wiedergefunden und meldete ihre restaurativen Ansprüche mit markanter Geste an:
Wir leben in einer sogenannten sozialistischen Republik; aber wert und lieb sind uns die alten deutschen Farben schwarz-weiß-rot, und wir träumen den Traum von dem heimlichen Kaiser, bis dieser Traum – wir legen uns auf die Person des jetzigen Kaisers wirklich nicht fest, wenn wir ihm auch eine Heimat in der Heimat wünschen –, wieder seine Erfüllung findet. Wir stellen diese Scheinregierung, dieser Scheingeltung und Scheinmacht unser Bekenntnis zu Kaiser und Reich entgegen und warten auf den Tag, da dem deutschen Volke und dem deutschen Reiche wieder ein deutscher Kaiser beschieden sein wird.“

Um die in unterschiedlicher Stärke monarchistisch ausgerichteten Rechtsparteien DNVP und DVP herum bildete sich mit der von Ernst Troeltsch beschriebenen „Welle von rechts“ im Laufe des Jahres 1919 eine Vielzahl von Gruppierungen und Vereinen, die sich der monarchistischen Traditionspflege entweder programmatisch verschrieben – wie der 1922 aufgelöste „Bund der Aufrechten“ bzw. „Bund Aufrechter Monarchisten“ – oder in ihrer politischen Ausrichtung einer Erneuerung der Monarchie vorarbeiteten.

Dies gilt insbesondere für den Frontsoldatenbund „Stahlhelm“ und sein Gegenstück, den 1923 gegründeten „Bund Königin Luise“, der sich unter Führung der ehemaligen Kronprinzessin Cecilie zu einem der größten Frauenvereine der Weimarer Republik mit 200.000 Mitgliedern und prononciert royalistischer Ausrichtung entwickelte. Zum besonderen Kristallisationsort eines restaurativen Monarchiegedankens, der dem republikanischen Staatswesen nicht den geringsten Kredit gewährte, avancierte in den Weimarer Jahren mit Potsdam die Stadt, die von den Hohenzollern geprägt war wie keine andere und mit Berlin um den ersten Rang als Hohenzollernsche Grablege wetteiferte. Welche Rolle die Stadt als monarchistischer Traditionsort in der Weimarer Republik spielte, trat insbesondere bei der Beisetzung der am 11. April 1921 in Doorn verstorbenen und nach Potsdam überführten Kaisergattin Auguste Victoria (geb. 22.10.1858) zutage, die sich in der Bevölkerung deutlich größerer Beliebtheit erfreut hatte als der Kaiser selbst.

Schon Monate vor ihrem Tod hatten Preußen und das Reich angesichts des zu erwartenden Aufeinanderpralls von monarchischer und republikanischer Gedenkkultur Position bezogen. Während die Preußische Regierung lapidar mitteilte, dass sie „keine Beileidskundgebung beabsichtige“, wurde auf Reichsebene der Beschluss gefasst, „daß die Reichsregierung durch ein Telegramm des Herrn Reichskanzlers an den Prinzen Eitel Friedrich ihrem Beileid Ausdruck geben, an der Beisetzungsfeierlichkeit aber nicht teilnehmen solle“.

In krassem Gegensatz zur absichtsvollen Kühle der staatlichen Institutionen stand die Bewegung in der Gesellschaft. „Eine Völkerwanderung“, registrierte die Vossische Zeitung, ergoss sich am 19. April 1921 über Potsdam und den Weg, den der von Geistlichkeit und Generalität gerahmte Trauerzug vom Kaiserbahnhof „Wildpark“ in den Antikentempel vor dem Neuen Palais im Park Sanssouci nahm. Ex-Kaiser und Kronprinz waren in ihrem Exil festgehalten; aber an ihrer statt säumten Hunderttausende die Straßen und bildeten ein überwältigendes Ehrenspalier ergriffen salutierender Massen, deren feierlichen Abschiedsgruß an die wegen ihres karitativen Engagements in der Bevölkerung immer noch sehr populäre Ex-Kaiserin die Wochenschau mit huldigenden Untertiteln in die Welt trug. Auf seinem Weg nach Potsdam hatte der aus drei Wagen bestehende Trauerzug ab der holländisch-deutschen Grenze an jeder größeren Bahnstation Ehrungen empfangen, deren Ausmaß an den Brautzug Marie Antoinettes von der Wiener Hofburg zu Ludwig XVI. nach Versailles 150 Jahre zuvor erinnerte. „Überall wurden Kränze in dem Zug niedergelegt und an allen Orten hatte sich zahlreiches Publikum eingefunden. Als der Zug im Bahnhof von Braunschweig einlief, setzte Geläute der Kirchenglocken ein, das andauerte, bis der Zug den Bahnhof wieder verlassen hatte.“

Unterstützt durch freundliches „Hohenzollernwetter“, entwickelte sich die Potsdamer Trauerzeremonie zu einer machtvollen Huldigung an das entmachtete Kaiserhaus und sein verklungenes Reich. Im fernen Danzig wurde eine Sitzung des Senats „mit einer Trauerkundgebung für die ehemalige Kaiserin eröffnet“ ; in Potsdam beobachtete der Berichterstatter der deutsch-nationalen Deutschen Tageszeitung, dass noch „in den Buchhandlungen reichgeschmückte Bilder der Kaiserin zwischen Kerzen aufgestellt“ seien, und fand die Stadt in Trauer versunken:

Ein leiser Regen sickert auf Potsdam herab. Die Stadt trägt ein ernstes, festliches Trauergewand. Fast kein Haus und kein Fenster, aus dem nicht eine schwarz-weiß-rote oder schwarz-rot-goldene Fahne von Trauerflor umwickelt heraushängt.“

Monarchistische Aufzüge und Ansprachen vor den Quartieren der angereisten alten Eliten um Hindenburg und Mackensen meldete die Vossische Zeitung , die auch ein bündiges Resümee aus republikanischer Sicht zog: „Für ein paar kurze Morgenstunden ist in Potsdam das wilhelminische Zeitalter noch einmal zu gespenstisch strahlendem Leben erwacht. Glockengeläut, wehende Fahnen und Spalier von Zehntausenden. (...) Es war wie die Leichenparade einer gestorbenen Zeit, die nach ihrem Untergang noch einmal allen Glanz und alle Pracht ihrer äußeren Attribute sammelte, und im Schimmer der Ordensketten und Uniformen ihre Treue zu ihrem Herrscherhause bekundete.“

Die Nachrichtenlage dieses Tages belegte allerdings auch, dass die Trauerfeier für die verstorbene Kaisergattin nicht einmal in Potsdam die politisch-kulturelle Gespaltenheit der Weimarer Republik übertönte. Während die kaisertreue Presse über die „gewaltigsten Menschenmassen“ jubelte, die Auguste Victoria das letzte Geleit gaben, und penibel 50 Ovationen registrierte, mit denen allein Hindenburg von der begeisterten Menge bedacht worden sei, kündigten die Betriebsräte des Potsdamer Magistrats einen 24-stündigen Generalstreik an, wenn der Fahnenschmuck zu Ehren der verstorbenen Kaiserin auf den öffentlichen Gebäuden der Stadt nicht unverzüglich eingeholt würde.

Potsdam wahrte seine Prägung als Hort des Monarchismus auch im Weiteren: Als am 24. Juni 1922 in Potsdam ein Ordensfest der Johanniter stattfand, auf dem unter Anwesenheit Hindenburgs der Kaisersohn Prinz Eitel Friedrich zum Ritter geschlagen wurde, ließ sich die Veranstaltung von der mittags einlaufenden Nachricht, dass der deutsche Außenminister Walther Rathenau eben in Berlin einem Mordanschlag erlegen sei, nicht weiter beirren; sie nahm vielmehr einer Pressemitteilung zufolge auch nach Eintreffen der Mordmeldung ihren ruhigen Fortgang. In anderen Bevölkerungskreisen hingegen wurde das Rathenau-Attentat zum Fanal einer wütenden Empörung gegen die Traditionsbestände der Hohenzollern. In den Tagen nach dem Anschlag machten empörte Demonstranten in zahlreichen deutschen Städten Jagd auf mit Kronen und Hoflieferantentiteln verzierte Geschäftsschilder, holten schwarz-weiß-rote Fahnen von den Korporationshäusern studentischer Verbindungen; in Travemünde wurde Prinz Heinrich gezwungen, den schwarz-weiß-roten Stander einzuholen, den er am Topp seiner Yacht führte.

Ein besonders hitziger Kulturkampf entbrannte nach den Attentaten der frühen Weimarer Republik um das in Straßennamen und Platzbezeichnungen bewahrte Erinnerungsinventar an die Hohenzollernherrschaft. Im Reichstag verlangten die Linksparteien USPD und KPD, „die Hoheitszeichen des alten Regimes aus dem Reichstag zu entfernen“; was insbesondere das Standbild Wilhelms I. in der Wandelhalle betraf, das nach Vermittlung durch Reichstagspräsident Paul Löbe für die Trauerfeier immerhin verhüllt wurde. Im Kölner Rathaus kam es zu einem Skandal, als die Stadtverordnetenversammlung über den sozialdemokratischen Antrag beriet, den dortigen Kaiser-Wilhelm-Ring und den Hohenzollern-Ring in Walther-Rathenau-Ring bzw. Erzberger-Ring umzutaufen. Nachdem Abgeordnete der Linken tätlich gegen ihre Kollegen von der Rechten, die den Antrag ablehnten, vorgegangen waren, musste die Sitzung abgebrochen werden. Auch in anderen Städten verbanden die Vorstöße zur Ehrung Walther Rathenaus im Straßenbild mit der beantragten Umbenennung das Ziel, die öffentlichen Erinnerungen an die Kaiserzeit zurückzudrängen, und setzten das Bemühen fort, den Kampf gegen die Feinde der Republik durch Eliminierung der monarchischen Traditionen zu führen. Allerdings verebbte diese Säuberungswelle auch bald wieder oder brach sich am örtlichen Widerstand bürgerlicher Mehrheiten. In Berlin scheiterte sogar die zunächst als „selbstverständliche Verpflichtung“ betrachtete Umbenennung der schicksalhaften Koenigsallee, in der Rathenau ermordet worden war, weil die bezirkliche Öffentlichkeit in diesem Straßennamen fälschlicherweise nicht den Bankier Felix Koenigs, sondern die Hohenzollern geehrt sah. In der Berlin-Wilmersdorfer Bezirksverordnetenversammlung führte der Umbenennungsantrag mehrfach zu wüsten Tumulten , und es vergingen vier Jahre, bis 1926 schließlich eine neugebaute Seitenstraße der Koenigsallee auf den Namen „Rathenauallee“ getauft wurde, während die Grunewalder Koenigsallee ihren Namen durch alle historischen Umschwünge bis heute bewahrt.

Die Vermögensauseinandersetzung

Während auf der einen Seite Monarchismus und Republikanismus ihre Fehden austrugen, schritt auf der anderen Seite paradoxerweise eine allmähliche Integration der Hohenzollern und ihres Erbes in die neue Ordnung voran. Für diese Integration erbrachte der neue Staat enorme Vorleistungen, während die entmachtete Herrscherfamilie mit ihrem exilierten Oberhaupt rhetorisch unbeirrt die „Entfachung der großen Nationalen Bewegung mit dem Ziel der Wiederherstellung der Monarchie“ beschwor und sich eher ungewollt und hinterrücks zur Anpassung an die neuen Verhältnisse gedrängt sah. In den Tagen der Novemberrevolution hatte der Rat der Volksbeauftragten nicht zuletzt aus Sorge vor alliierten Reparationsforderungen eine entschädigungslose Enteignung der deutschen Fürstenhäuser gescheut und die preußische Regierung die Apanagen für die Kaisersöhne lediglich um 25 Prozent gekürzt, ansonsten aber weiterlaufen lassen und bis Sommer 1919 sogar aus der Staatskasse finanziert.

Anders als in Österreich, wo das Vermögen der Habsburger mit Ausnahme eines kleinen Teils zugunsten von Kriegsopfern enteignet wurde, betrachtete man in Deutschland die Vermögensauseinandersetzung nicht als politische, sondern als rechtliche Frage – nur in Sachsen-Gotha wurde das Fürstenvermögen entsprechend einer Forderung der Arbeiter- und Soldatenräte im Juli 1919 umstandslos eingezogen, was das Reichsgericht 1925 prompt ungeachtet öffentlichen Protestes rückgängig machte. Eine rechtlich fundierte Unterscheidung zwischen privatem und öffentlichem Eigentum ließ sich aber im Falle von Fürstenhäusern, deren Besitz in die Zeit vor der Trennung von Staat und Herrscher zurückreichte, nicht leicht treffen. Vielfach hatten die Herrscherdynastien des Deutschen Reichs neben Privat- und Staatsvermögen auch noch ein sogenanntes Hausvermögen in Gestalt von Kunstschätzen und landwirtschaftlichen Domänen gebildet, das im Fall von Mecklenburg-Strelitz über die Hälfte der Landesflächen ausmachte, und dessen Kompensation auch im Falle Sachsens die Staatskasse schlicht gesprengt hätte, wie Ministerpräsident Erich Zeigner im Sächsischen Landtag eingestand.

Angesichts dieser unklaren Rechtslage konnte der gestürzte Kaiser noch vor einer endgültigen Einigung mit Preußen das bewegliche Gut der Hohenzollern in 50, nach anderen Angaben sogar 62 Güterwagen aus Deutschland nach Doorn transportieren lassen, denen weitere 140 Möbelwagen auf dem Straßenweg folgten. In anderen Ländern des Deutschen Reiches kam es in den Folgejahren zu einer gütlichen Einigung, für die beispielhaft die Gründung des Wittelsbacher Ausgleichsfonds 1923 steht. Mit ihm brachten die Wittelsbacher ihre ehemaligen Vermögenswerte zusammen mit ihrem Privatvermögen in eine Stiftung ein, die zur Wahrung des kulturellen Erbes des entthronten Herrschergeschlechts und zur Deckung der Unterhaltskosten für seine Familienmitglieder errichtet wurde.

Im Fall der Hohenzollern hingegen blieb die Vermögensauseinandersetzung lange strittig, nachdem erst Preußen und dann die Hohenzollernfamilie den jeweils vorgelegten Einigungsvorschlägen widersprochen hatten.

Ein neuer Vergleichsentwurf von 1925 sprach dem Haus Hohenzollern etwa drei Viertel des umstrittenen Grundbesitzes zu und führte auf Reichsebene zu einem von der KPD initiierten Volksbegehren zur „Enteignung der Fürstenvermögen“, dem sich widerstrebend auch die SPD anschloss. Das Volksbegehren zeitigte durchschlagenden Erfolg – nicht nur in der Arbeiterschaft, sondern auch in katholischen und liberalen Kreisen war das Enteignungsbegehren, anders als beispielsweise in Bayern und Ostelbien, sehr populär. Überraschen konnte die verbreitete Empörung gegen die Fürstenentschädigung im Übrigen nicht, denn der Kompensationsanspruch der ehemals regierenden Fürsten stach grell gegen die kümmerlichen Unterstützungsgelder für Millionen von Kriegsopfern ab und ließ sich leicht als eklatantes Gerechtigkeitsproblem angreifen.

Ein daraufhin eingebrachter Gesetzentwurf zur entschädigungslosen Enteignung scheiterte jedoch an der bürgerlichen Mehrheit im Reichstag und führte in dramatisch aufgeladener Stimmung zu einem Volksentscheid, der allerdings am 20. Juni 1926 nur eine relative Mehrheit erreichte. Damit blieb dem Volksentscheid, ungeachtet überwältigender Zustimmung der abgegebenen Stimmen, der Erfolg versagt. Denn zuvor hatte Reichspräsident Paul von Hindenburg, der offen Partei für die Fürstenseite ergriff, das eingebrachte Gesetz als verfassungsändernd eingestuft und damit an eine absolute Mehrheit von Ja-Stimmen gebunden, zu der in der Auszählung dann 4,5 Millionen Stimmen fehlten.

Der Volksentscheid trübte das öffentliche Bild der Hohenzollern weiter und führte nicht nur die tiefe Kluft zwischen Republikanern und Monarchisten bis hin zu dem offen parteilich agierenden Reichspräsidenten vor Augen. Er schürte auch die sozialen Spannungen und öffnete demagogische Agitationsräume – so sprach sich etwa Hitler zur nachhaltigen Irritation von Weggefährten wie Joseph Goebbels gegen eine Fürstenenteignung aus und forderte, statt der Fürsten besser die Juden zu enteignen. Dennoch ordnete sich der gescheiterte Volksentscheid in eine Linie ein, die auf die zunehmende Integration der vormals regierenden Fürstenhäuser in den rechtlichen und politischen Rahmen der Republik zielte. In Preußen kam es im Oktober 1926 zu einer Einigung, die den Hohenzollern gut 60 Prozent und dem preußischen Staat knapp 40 Prozent des beschlagnahmten Vermögens an Grund und Boden zusprach, dazu die Mehrzahl der Hohenzollernschlösser und weitere Vermögenswerte, unter ihnen Tausende von Kunstgegenständen.

Vom Machtsymbol zum Erinnerungsort

Der Vergleich bildete die Grundlage für eine allmähliche Musealisierung des Monarchischen. Wie in Bayern, wo die Wittelsbacher Landesstiftung für Kunst und Wissenschaft zur Verwalterin eines großen Teils der Bestände der Münchner Museen wurde, verschob sich auch der Fokus des öffentlichen Wirkens der Hohenzollern allmählich von der Restaurationspolitik zur Kulturpflege. Auf Grundlage der 1926 erfolgten Einigung wandelten sich die ehemaligen Residenzschlösser in Berlin zu Schlossmuseen, deren Interieur häufig nach musealen Gesichtspunkten aus dem früheren Nutzungszusammenhang entnommen und zur Verstärkung musealer Sammlungen an anderer Stelle verwendet wurde. Die museale Nachnutzung stellte, wie Marc Schalenberg argumentierte, „sozialpsychologisch gleichsam ein abfederndes Versöhnungsangebot“ dar, das mit der historischen Verortung der Hohenzollerndynastie auch die Möglichkeit zur betrachtenden Distanzierung von der einstigen Macht einer verblichenen Fürstenherrschaft bot.

Die galt namentlich für eine besondere Erbschaft der Monarchie, das sogenannte Hohenzollern-Museum. Maßgeblich durch den späteren Hunderttage-Kaiser Friedrich gefördert, war nach der Reichseinigung im Berliner Schloss Monbijou ein Dynastiemuseum zur Verehrung des Hohenzollernhauses entstanden, das den Untertanen das Bild eines volksnahen und heroischen Herrschergeschlechtes nahebringen sollte. Über das im Herbst 1918 und noch vor Ausbruch der Revolution geschlossene Dynastiemuseum bestimmte der Einigungsvertrag, dass das im Eigentum der Hohenzollern verbliebene Hausmuseum unter staatlicher Obhut weiterbestehen und auch die den Hohenzollern gehörigen Sammlungsgegenstände präsentieren solle.

Mit anderen Worten: Die Hohenzollern wollten ihr Privatmuseum auf Staatskosten als Mittel der öffentlichen Meinungsbildung genutzt wissen, und der preußische Staat ließ sich darauf ein. Was zunächst wie eine staatliche Demutsgeste wirkte, entpuppte sich allerdings als eine weitblickende Entscheidung. Denn unter der Regie seiner unabhängig agierenden Direktoren trug das Familienmuseum der Hohenzollern zu einer außerordentlichen Stärkung der nationalen Museumslandschaft bei. Die neugestalteten Räume wurden Zug um Zug ihrer „patriotischen Pietät“ entkleidet , und über das Privatleben der Hohenzollernfamilie erfuhren die in das Museum strömenden Besucher und Besucherinnen kaum noch etwas, dafür umso mehr von der höfischen Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts.

Offizielles Porträtfoto zum 70. Geburtstag von Ex-Kaiser Wilhelm II in Doorn 1929. (© picture-alliance/AP)

Vergleichbare Schritte zur dynastischen Abrüstung unternahmen auch die Mitglieder des entmachteten Kaiserhauses, nur dass sie in ihrem Fall Zug um Zug von der sozialen Machtverkörperung zur familiären Privatisierung führten. Schon der fest auf seine Rückkehr hoffende Ex-Kaiser präsentierte sich im Exil weniger als restaurationsbeflissener Ränkeschmied und Herold der Gegenrevolution, sondern vorzugsweise als Privatier, dessen größte Passion das Holzhacken war und der seine Sägeleistung gern zur Schau stellte. Der frühere Kronprinz Wilhelm trat in der Öffentlichkeit bevorzugt als Sportenthusiast und Lebemann in Erscheinung, und Prinz Oskar gab sich betont als Privatmann, der seine Freunde nicht nach dem Gotha, also dem Genealogischen Adelshandbuch, aussucht.

In der nächsten Generation führte der Kaiserenkel Louis Ferdinand die individualisierende Abkehr von einem monarchischen Lebensentwurf schon im Titel seiner Memoiren vor und betonte, dass er sich nach der Entmachtung der Hohenzollern in Potsdam wie „in einem der Mausoleen“ gefühlt habe, „in denen meine Vorfahren beigesetzt waren. Der goldene Käfig aus kaiserlichen Tagen hatte lediglich einer freiwilligen Abschließung Platz gemacht. Meine Familie war sozusagen in den Ruhestand getreten; sie hatte die neue Situation de facto hingenommen, jedoch nicht de jure anerkannt.“

Er selbst hingegen bemühte sich in der Weimarer Zeit, dem überkommenen königlichen Lebensstil einen zeitgemäßen entgegenzusetzen: „Mit jugendlicher Übertreibung und Ausschließlichkeit kehrte ich der Vergangenheit den Rücken (...). Jeden historischen Hintergrund suchte ich in meinem bürgerlichen Leben auszulöschen“ – eine Haltung, die ihm nach eigener Auskunft auch in Ostpreußen während der NS-Zeit zugutekam: „Äußerlich waren unsere Beziehungen zu den NS-Behörden korrekt. Sie betrachteten mich als einen verhältnismäßig harmlosen Bürger, der ganz in seinem Familienleben aufging und nicht nur gegen den Nationalsozialismus, sondern gegen Politik überhaupt gleichgültig war.“

Die Rückkehr der Hohenzollern auf die politische Bühne

Doch die allmähliche Integration des Hauses Hohenzollern in die bürgerliche Gesellschaft der Zeit nach 1918 bildet nur die eine Seite der Medaille. Denn neben dem kulturellen Monarchismus, der mit der Kraft des Faktischen eingehegt und überformt wurde, wirkte in der Weimarer Republik auch ein politischer Monarchismus, der seine starken Bastionen im Beamtentum wie in der Reichswehr hätte zur Geltung bringen können, um gezielt auf die Abschaffung der Weimarer Ordnung hinzuarbeiten. Mit der Rückübersiedlung des ehemaligen Kronprinzen nach Deutschland wurde die politische Bühne Weimars zudem seit Ende 1923 um einen Akteur ergänzt, der die vielen unterschiedlichen Monarchiehoffnungen auf ein wenigstens in Umrissen erkennbares Volkskönigtum bündelte und vor allem den stärksten Mangel jeder legitimistischen Restaurationspolitik beseitigte: Im Gegensatz zu seinem in Doorn festgehaltenen Vater stand Wilhelm jr. als Kronprätendent im Wartestand politisch zur Verfügung.

Vor allem aber haftete ihm nicht das auch in nationalkonservativen Kreisen gepflegte Odium des kaiserlichen Thronflüchtlings an, der im Herbst 1918 Volk und Heer im Stich gelassen hatte, um sich ins Exil zu retten, statt an der Spitze seiner Truppen gegen die Revolution in der Heimat zu marschieren oder den Heldentod an der Front zu suchen. Doch so stark und machtvoll der Monarchismus als kulturelle Strömung wirkte und auch in der Republik an „Kaiserwetter“ und „Kaisergeburtstag“ festhielt, so schwach blieb er auch in der späteren Weimarer Republik als politische Bewegung. In zutreffender Einschätzung der Lage umriss der frühere Freikorpsführer Hermann Ehrhardt diesen Zustand 1926 in seinem politischen Arbeitsprogramm:

Wir lehnen es ab, mit dem Gedanken an die Wiedererrichtung der Monarchie zu spielen. Grundsätzlich die Monarchie für die bessere Staatsform haltend, sind wir davon überzeugt, dass die Aufwerfung der monarchischen Frage in jetziger Zeit den Todesstoß für die Monarchie bedeuten würde.“

Erst 1970 erfuhr die Öffentlichkeit, dass Reichskanzler Heinrich Brüning ausweislich seiner posthum erschienenen Memoiren insgeheim auf die Wiedereinführung der Monarchie hingearbeitet haben wollte – was allerdings nicht einmal seine engsten Mitarbeiter bestätigen konnten und in der Forschung heute als unglaubwürdige Selbstrechtfertigung eines Weimarer Totengräbers bewertet wird.

In seinem holländischen Exil bar jeden Einflusses auf die Politik der Weimarer Republik, sah sich der abgedankte Kaiser im Bannkreis seiner zweiten Frau Hermine von Schönaich-Carolath auf erbitterte Ausbrüche ohnmächtiger Wut gegen die Republik beschränkt, die Besucher und Besucherinnen des Hauses Doorn häufig in ihrer Radikalität und Realitätsverkennung gleichermaßen erschreckte. Die Novemberrevolution erschien ihm als „ein Verrath des von dem Judengesindel getäuschten belogenen Deutschen Volkes gegen Herrscherhaus u. Heer“, für das es nach seiner Rückkehr schwer gestraft würde.

Den ersten Jahrestag seines Sturzes beging er mit den Worten, dass die „Revolutionshelden“ alle gehängt werden müssten, und die Ermordung Matthias Erzbergers 1921 ließ ihn vor Freude beinahe tanzen. „Jedenfalls hat solange ich beim Kaiser bin, kein Ereignis beim Kaiser einen so grossen Jubel ausgelöst wie dieses“, berichtete Wilhelms Leibarzt konsterniert. Kaum weniger verächtlich reagierte der Ex-Monarch ein Jahr später auf die Ermordung des deutschen Außenministers und kommentierte Rathenaus Tod gegenüber dem deutschen Botschafter in Den Haag mit einem kühlen „Ist ihm ganz recht geschehen", wie Harry Graf Kessler in seinem Tagebuch notierte.

Zu Wilhelms überraschend feindseliger Haltung gegenüber einem der führenden Köpfe des Wilhelminischen Zeitalters, mit dem er bis 1914 etwa zwanzigmal zu Vorträgen und Unterredungen zusammengetroffen war , mochte beigetragen haben, dass Rathenau gleich nach Kriegsende ein ungeschminktes Porträt des Kaisers gezeichnet hatte, das dessen öffentlichen Ansehensverlust verstärkte. Rathenaus Analyse fiel umso unbarmherziger aus, als er die „zerrissene Natur“ des seiner Aufgabe nicht gewachsenen Monarchen weniger auf dessen persönliche Unzulänglichkeit als auf die unheilvolle Anbetung seiner „prusso-mechanischen“ deutschen Bevölkerung zurückführte , für die er freilich zwei Jahrzehnte zuvor mit einem beflissenen Vortrag vor dem Kaiser über elektrische Alchemie selbst kein geringes Beispiel gegeben hatte.
Sich selbst sah der entmachtete Kaiser als Opfer einer jüdischen Weltverschwörung, gegen die er als „das beste Heilmittel“ ein „reguläres internationales Allerweltspogrom à la Russe“ empfahl und gegen die er 1927 in einem eigenhändigen Schreiben an einen amerikanischen Freund Worte fand, die zu der Zeit selbst in der nationalsozialistischen Kampfpresse kaum zu lesen waren: „Die Presse, Juden und Mücken sind eine Pest, von der sich die Menschheit so oder so befreien muß. I believe the best would be gas?“

Wilhelms bedeutendster Biograph John Röhl hat mit Blick auf auch solche Äußerungen eine Kontinuitätslinie zwischen der Wilhelminischen Ära und dem Dritten Reich gezogen, die den exilierten Monarchen als Bindeglied zwischen Zweitem und Drittem Reich auffasst, der „in Hitler seinen Vollstrecker“ sah. Diese zugespitzte Sicht, die die Korrespondenz zwischen Isolation und Erbitterung des in seinen Hass- und Revanchefantasien eingesponnenen Kaisers a. D. außer Acht lässt, ist in der Forschung eher skeptisch aufgenommen worden. In der Tat hatte derselbe Hohenzollernchef, der 1927 das Judentum im Stile des nationalsozialistischen „Stürmers“ schmähte, bis zu seiner Abdankung enge Kontakte mit prominenten Juden von Albert Ballin bis Walther Rathenau unterhalten und wurde von völkischen Autoren wie Heinrich Claß als besonders instinktloser „Gönner der Juden“ beschimpft.

Auch sein Urteil über Hitler schwankte beständig zwischen Anerkennung und Ablehnung , ebenso wie er Göring zugleich hofierte und als eitlen Parvenu verachtete, dessen Beförderung zum General ihn in Wut versetzte, wie sein Flügeladjutant Sigurd von Ilsemann in seinen durchweg schonend gehaltenen Aufzeichnungen bezeugte. Noch in seinen letzten Lebensjahren vermochte Wilhelm sich bei Kriegsausbruch 1939 erregt über die „Schmach und Schande“ auszulassen, „daß Deutschland – und vor allem die Armee – sich diesen gemeinen Kerl mit seinen Komplizen so lange gefallen ließe“, und beglückwünschte im folgenden Sommer Hitler hymnisch „zu dem von Gott geschenkten gewaltigen Sieg mit den Worten Kaiser Wilhelms des Großen: Welch eine Wendung durch Gottes Fügung.“

Warten auf die Restauration

Stetig blieb der Ex-Kaiser lediglich in seinem Bestreben, mithilfe antirepublikanischer Kräfte wieder auf seinen angestammten Thron zurückkehren zu können. Die Hoffnung auf Wiedererrichtung der Monarchie mit ihm an der Spitze durchzog sein Denken im Exil von dem Tag an, an dem er sich vor der Auslieferung an die Entente sicher fühlte, bis zum Hitler-Stalin-Pakt 1939, mit dem er die Hoffnung auf eine Empörung des deutschen Volkes gegen Hitlers Alleinherrschaft verband. Alle zu Hause seien „zu schlapp“, befand er nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch im November 1923 und befand optimistisch: „Es bedarf ja nur eines kleinen Stoßes, und die Regierung fliegt, um den alten Verhältnissen Platz zu machen.“ Doch die Haus Doorn durchwehende Hoffnung auf eine Restauration der Monarchie, die dem exilierten Herrscher Gelegenheit geben würde, die Dinge daheim „schon wieder in Schwung (zu) bringen als Diktator“, sah sich Jahr um Jahr enttäuscht, bis dann der nationalsozialistische Aufstieg endlich den ersehnten Umschwung zu bringen schien:

In Doorn hört man seit Monaten nur noch, daß die Nationalsozialisten den Kaiser auf den Thron zurückbringen würden; alles Hoffen, alles Denken, Sprechen und Schreiben gründet sich auf diese Überzeugung“, beobachtete Ilsemann Ende 1931.

Zweimal ließ sich der Ex-Monarch dazu bringen, Hermann Göring in Doorn zu empfangen, um die NS-Bewegung hinter sich und seine Rückkehrambitionen zu bringen, und sah sich mit der von ihm mit Befriedigung aufgenommenen Regierungsübernahme am 30. Januar 1933 kurz vor dem Ziel, auf den Thron zurückgerufen und gleichsam als siegreicher Dritter aus dem Kampf zwischen Deutschnationalen und Nationalsozialisten hervorzugehen. Erst als Hitler vor der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes im Reichstag erklärte, dass er „die Frage einer monarchischen Restauration (...) zur Zeit als indiskutabel“ ansehe, sah sich Wilhelm von einer Sekunde auf die andere seiner Hoffnungen beraubt: „Das saß wie ein Blattschuß“, hielt Wilhelms Adjutant fest. „Ich beobachtete den hohen Herrn ganz genau, seine Züge strafften sich, die Augen wurden ganz groß, mehr als das eine Wort: ‚So!‘ brachte er nicht über seine Lippen. Wie er das sagte, klang es wie die Bestätigung eines Verurteilten, der seinen Urteilsspruch vernimmt.“

Fortan nahm Wilhelm Abschied von der Vorstellung, seine Restaurationshoffnungen auf die NS-Bewegung zu gründen. Ende 1933 notierte Ilsemann als Standpunkt des Ex-Kaisers, „daß man sich dem neuen System restlos feindlich gegenüberstellen müsse, daß man Hitler auch nicht helfen dürfe, sondern daß man abwarten müsse, bis die Nazis kaputt seien, um dann den Thron wieder zu besteigen“. Das Verbot monarchistischer Organisationen nach Wilhelms 75. Geburtstag 1934 schließlich ließ dessen Begeisterung über den Zerfall der Weimarer Republik weiter abkühlen. Fortan ging der enttäuschte Ex-Kaiser auf Distanz zu Hitler, den er nur mehr als früher oder später scheiternden Konkurrenten betrachtete, und erst dessen Siege über Polen und Frankreich brachten ihn ab 1939 wieder zum Jubeln über Deutschlands erneuerte Größe.

Kronprinz Wilhelm und der Nationalsozialismus

Kronprinz Wilhelm von Preußen 1933

So erwies sich der gestürzte Monarch, dem der eigene Sohn attestierte, dass er „von erschreckender Weltfremdheit“ sei , in seiner notorischen und grotesken Fehlperzeption als eine weitgehend wertlose Figur auf dem Spielfeld der Weimarer Republikfeinde. Allerdings hatte auch der frühere Kronprinz und „frische Lebemann“ Wilhelm nicht die Statur, um das von seinem Vater hinterlassene „politische und symbolische Vakuum“ zu füllen, wenngleich die Rolle, die er in der Spätphase der Weimarer Republik spielte, bis heute in der Forschung umstritten ist. Ihre Bewertung berührt zusammen mit der historischen Einordnung bekanntlich auch eine politisch und vermögensrechtlich immer noch aktuelle Frage, seitdem der Bund im Ausgleichsleistungsgesetz von 1994 Personen, die dem Nationalsozialismus „erheblichen Vorschub“ geleistet hätten, von jeder Entschädigung für besatzungsrechtlichen oder besatzungshoheitlichen Vermögensverlust ausgeschlossen hat. Was unter Vorschubleistung genau zu verstehen sei, wurde im sogenannten Hugenberg-Urteil 2005 durch die Kriterien einer „gewissen Stetigkeit“ und einer „nicht ganz unbedeutend(en) Wirkung“ präzisiert und ist auf die Zeit vor der nationalsozialistischen Machtübernahme eingegrenzt worden. Beide Kriterien wird man im Fall der Hohenzollern für erfüllt ansehen müssen. Nicht nur der ehemalige Kaiser hatte sich bis zu seinem abrupten Schwenk im März 1933 zur Unterstützung Hitlers bekannt, weil dessen Bewegung „nationale Energie“ verkörpere, „die uns Deutsche wieder aufwärts führen“ werde.

Sein Sohn Wilhelm warb nicht erst nach dem nationalsozialistischen Machtantritt in den USA für eine Anerkennung Hitlers als Retter der zivilisierten Welt. Schon 1928 hatte er den italienischen Faschismus als „eine fabelhafte Einrichtung“ gerühmt, deren „geniale Brutalität“ dafür gesorgt habe, dass „Sozialismus, Kommunismus, Demokratie und Freimaurerei (...) ausgerottet (sind) und zwar mit Stumpf und Stil [sic!]“.fussnote id="56">Zit. n. von Preußen, „Gott helfe unserem Vaterland“, S. 209. Folgerichtig protestierte Wilhelm bei Reichswehrminister Wilhelm Groener im April 1932 energisch gegen das von der Reichsregierung verfügte Verbot von SA und SS, das ein „wunderbares Menschenmaterial“ zerschlage, und er sondierte in derselben Zeit auf Schloss Cecilienhof eine Machtteilung mit Hitler, falls er sich selbst für die Wahl zum Reichspräsidenten zur Verfügung stellen würde. Nachdem diese Kandidatur am Einspruch seines Vaters in Doorn gescheitert war, der um jeden Preis verhindern wollte, dass ein Hohenzoller im Fall seiner Wahl einen Eid auf die Republik hätte schwören müssen, verlegte Wilhelm sich auf eine Unterstützung seines vermeintlichen Bündnispartners und gab bekannt, dass er im zweiten Wahlgang Hitler wählen werde.

Unabhängig von der Frage, ob dieser Aufruf Hitler im zweiten Wahlgang zwei Millionen Stimmen eingebracht – wie der Kronprinz selbst behauptete – oder vielmehr gekostet haben mag, wie in der Forschungsdiskussion geltend gemacht worden ist, lässt sich diese Handlung schwerlich anders denn als willentliche Unterstützung interpretieren. Eine solche Sicht kann sich auch auf die hier aufschlussreichen Tagebucheinträge von Joseph Goebbels stützen, der seine ursprüngliche Aversion gegenüber dem Kronprinzen, über den er am 10. Februar 1933 überaus abfällig „Ein Anschmeißer! Brechreiz!“ geurteilt hatte, nur einen Monat später gründlich revidierte und Wilhelms Eintreten für die NS-Regierung in den USA als maßgebliche Unterstützung einstufte: „Greuelpropaganda: Kronprinz hilft mir sehr durch einen offenen Brief (...).”

An Goebbels‘ schwankendem Hohenzollernbild lässt sich aber zugleich zeigen, dass die historische Fachwissenschaft nicht mit der juristischen Urteilsfindung deckungsgleich sein kann, in die sie in Folge des Hugenberg-Urteils unglücklicherweise hineingezogen worden ist, sondern der notwendigen Eindeutigkeit der Rechtsprechung das Bemühen um inhaltliche Differenzierung und zeitliche Kontextualisierung entgegensetzen muss. Derselbe Goebbels, der sich Anfang August so dankbar für die Unterstützung des Kronprinzen zeigte, hatte nur wenige Tage zuvor selbst unterstrichen, dass das Haus Hohenzollern offenbar ganz andere Ziele verfolgte als die zur Macht gelangte NS-Elite: „Unterredung Kronprinz. Frage Monarchie. Die glauben alle an ihre Restaurierung. Ich habe keinen Hehl gemacht. Wäre unsere größte Dummheit.“

Entgegen einer teleologischen Betrachtung, die ungeprüft von der Wirkung auf die Absicht schließt, bleibt festzuhalten, dass Hitler und die Hohenzollern sich auf der Grundlage von ideologischer Nähe und politischer Konkurrenz wechselseitig für ihre Zwecke einzuspannen suchten. Um sich die Unterstützung durch den Kronprinzen zu sichern, hatte ihm Hitler bereits 1926 so listig wie lügnerisch versichert, allein die Wiederherstellung der Hohenzollernmonarchie anzustreben. Aber auch Wilhelm spielte mit unterschiedlichen Karten und war sich, anders als sein 1930 in die NSDAP eingetretener und ein Jahr später in der SA zum Standartenführer aufgestiegenen Bruder August Wilhelm, lange unschlüssig, ob er mehr auf den mit ihm befreundeten Hindenburg-Intimus Kurt von Schleicher oder aber auf den rabaukenhaften Hitler setzen sollte.

Der Tag von Potsdam

Das Finale dieses Ringens um gegenseitige Indienstnahme fand bei einem Staatsakt am 21. März 1933 in Potsdam statt, der der anschließenden Reichstagseröffnung in der Berliner Krolloper vorausging und symbolpolitisch das letzte Erlöschen der seit 1930 in Agonie verfallenen Weimarer Republik markiert. Am „Tag von Potsdam“, der bis heute vorwiegend und verkürzt als eine von Hitler und Goebbels listig inszenierte „Rührkomödie“ (François-Poncet) begriffen wird, betraten die unterschiedlichen

Der Handschlag von Adolf Hitler und Paul von Hindenburg am Tag von Potsdam. (© picture-alliance, Mary Evans Picture Library/WEIMA)

Umgestaltungshoffnungen von Monarchisten und Nationalsozialisten die Potsdamer Garnisonkirche in effektvollem Mummenschanz – Hitler linkisch im ungewohnten Frack und Zylinder statt im Braunhemd; der ehemalige Kronprinz in der Uniform des ihm früher unterstellten Husarenregiments „Wilhelm Kronprinz“. Die Umstände sprachen für die monarchische Reaktion und nicht für die braune Revolution; das den Hohenzollern so eng verbundene Potsdam präsentierte sich überwiegend in Schwarz-Weiß-Rot statt in der Hakenkreuzfahne, und zum öffentlichen Sieger dieses Tages avancierte nicht Hitler, sondern der messianisch verehrte Hindenburg, der schon vor dem Staatsakt eine Triumphfahrt durch die Stadt unternommen hatte und unter dem Jubel der Massen anschließend noch eine Parade abnahm, als Hitler schon längst wieder eilig nach Berlin entschwunden war. Doch das von Vizekanzler Franz von Papen verfolgte Zähmungskonzept, das Hitlers Massenbewegung für einen ständischen und monarchischen Umbau der Republik in Dienst zu nehmen hoffte, hatte der Dynamik der nationalsozialistischen Bewegung und ihrer raschen Gesellschaftsdurchdringung außer leerer Symbolik nichts entgegenzusetzen. Vergeblich hoffte an diesem Tag noch im fernen Doorn Wilhelm II., als triumphierender Dritter aus dem Kampf zwischen Demokratie und Hitler-Diktatur hervorzugehen. Doch seine Hoffnung, als „der einzige Unparteiische“ nun unverzüglich zurückberufen zu werden und dafür den „Nazi-Schwung“ mitzubenutzen , stand in groteskem Gegensatz zur politischen Wirklichkeit in den Wochen des nationalsozialistischen Machtausbaus. Er „habe bestimmt nicht die Absicht, als Rennpferd für einen kaiserlichen Jockey zu dienen, der ausgerechnet in dem Augenblick, in dem ich die Ziellinie passiere, auf meinen Rücken springen will“, bekannte Hitler unmittelbar vor seiner Betrauung mit der Regierung. Am Ende gelang es den Hohenzollern nicht, die „NS-Bewegung als trojanisches Pferd der Restauration" (Stephan Malinowski) zu nutzen; vielmehr bedienten sich die Nazis erfolgreich des monarchischen Renommees, solange es ihnen dienlich war, und sie machten den fundamentalen Unterschied von brauner Revolution und monarchischer Reaktion handgreiflich sichtbar, als sie fest im Sattel saßen – ein Jahr nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden die monarchistischen Vereinigungen verboten.

Wenig später erstickte die als „Röhm-Putsch“ in die Geschichte eingegangene Säuberungsaktion innerhalb der deutschen Rechten die letzten Illusionen der Monarchisten. Die Hohenzollern verschwanden aus dem Blick der Öffentlichkeit; auch der zum Gruppenführer aufgestiegene Hohenzollernprinz August Wilhelm sah sich kaltgestellt. Prinz Wilhelm selbst trat 1936 aus dem Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) aus, nachdem er infolge eines überschwänglichen Gratulationstelegramms an Mussolini für dessen Sieg in Abessinien unter Zensur gestellt worden war. In der Folge machte er nur noch durch sporadische Glückwunschtelegramme an Hitler von sich reden, in denen er Hitler 1939 zur Angliederung Böhmens und Mährens ebenso gratulierte wie 1940 zu seinen Siegen über Polen, Belgien und Frankreich.

Zum aktiven Widerstand fanden die Hohenzollern im Gegensatz etwa zu den Habsburgern oder den Wittelsbachern nicht. Einzig Louis Ferdinand ließ sich, folgt man seinen Memoiren, seit November 1939 passiv in Planungen des militärischen Widerstands einbinden und zeigte sich 1943 sogar bereit, für den Fall eines Regimesturzes als Kronprätendent zur Verfügung zu stehen, sofern sein Vater dem zustimme. Der aber erklärte, „sich allen derartigen Bewegungen ferngehalten“ zu haben, und riet dies auch seinem Sohn, der in der Folge auch nicht in das Attentat vom 20. Juli 1944 involviert war. Die Hohenzollern teilten so das Schicksal der monarchistischen Bewegung nach 1918 insgesamt. In ihrem Traum von der Wiederaufrichtung eines erneuerten Volkskönigtums hatte das monarchistische Lager die nationalsozialistische Bewegung zunächst als Konkurrenz angesehen und sich ihr dann 1933 begeistert zugewandt, weil es glaubte, „dass dank Hitler die Restauration der Hohenzollernmonarchie unmittelbar bevorstehe“, wie der „Bund der Aufrechten“ verlautbarte, in dem Prinz Eitel Friedrich Mitglied war. Als sich dies als Fehlspekulation erwies, zogen sich die Mitglieder des aufgelösten Bundes in eine enttäuschte Halbdistanz zurück, die infolge der vielen ideologischen Gemeinsamkeiten aber durch Hitlers außenpolitische Erfolge und militärische Siege immer wieder in enthusiastische Zustimmung umschlagen konnte.

Zitierweise: Martin Sabrow, "Die Hohenzollern und die Demokratie nach 1918 Teil I", in: Deutschland Archiv, 18.12.2020, Link: www.bpb.de/324774.

Interner Link: Hier können Sie den Teil II des Beitrages lesen >>

Fussnoten

Fußnoten

  1. Zur Problematik der auf Distanz zum NS-Regime bedachten Ich-Erzählung Louis Ferdinands: Karina Urbach, Nützliche Idioten. Die Hohenzollern und Hitler, in: Thomas Biskup/Truc Vu Min/Jürgen Luh (Hg.), Preußendämmerung. Die Abdankung der Hohenzollern und das Ende Preußens. Heidelberg 2019, S. 65-93, hier S. 74.

  2. Thomas Biskup/Martin Kohlrausch, Einleitung, in: dies. (Hg.), Das Erbe der Monarchie. Nachwirkungen einer deutschen Institution seit 1918, Frankfurt a. M. 2018, S. 11-34, hier S. 30.

  3. Anmaßende und ungeschickte Äußerungen Wilhelms II. über das deutsch-britische Verhältnis, die am 28. Oktober 1908 als Interview im Londoner „Daily Telegraph“ erschienen, sorgten für Empörung in der deutschen Öffentlichkeit und wurden auch von Seiten Großbritanniens, Russlands und Frankreichs als diplomatische Taktlosigkeit empfunden. Der „Telegraph“-Artikel löste eine Staatskrise aus, in deren Zuge Reichskanzler Bernhard von Bülow, dem der Text vorab zur Durchsicht vorgelegen hatte, seinen Rücktritt anbot und auch Forderungen nach einer Abdankung des Kaisers laut wurden.

  4. Dem Kaiser. Zum 27. Januar, in: Deutsche Tageszeitung, 27.1.1919.

  5. Angelika Obert, Auguste Victoria. Wie die Provinzprinzessin zur Kaiserin der Herzen wurde, Berlin 2011, S. 91 ff.

  6. Bundesarchiv, R 43 I/1363, Nr. 152, Kabinettssitzung vom 11.1.1921.

  7. Die Trauerfeier in Potsdam, in: Vossische Zeitung, 19.4.1921, Morgen-Ausgabe (M.-A.).

  8. Kundgebungen in Potsdam, in: ebd., 20.4.1921, M.-A.

  9. Der Kaiserin Heimkehr, in: Deutsche Allgemeine Zeitung, 19.4.1921, M.-A.

  10. Kundgebungen in Potsdam, in: Vossische Zeitung, 20.4.1921, M.-A.

  11. Die Beisetzung der Kaiserin, in: ebd., 19.4.1921, Abend-Ausgabe (A.-A.).

  12. Die Beisetzung der Kaiserin, in: Deutsche Allgemeine Zeitung, 19.4.1921, A.-A.

  13. Kundgebungen in Potsdam, in: Vossische Zeitung, 20.4.1921, M.-A.

  14. Martin Sabrow, Die verdrängte Verschwörung. Der Rathenau-Mord und die deutsche Gegenrevolution, Frankfurt/M. 1999, S. 98 ff.

  15. Die Kaiserstatue in der Wandelhalle, in: Vossische Zeitung, 27.6.1922, M.-A.

  16. Schleswig-Holsteinische Volkszeitung, 8.7.1922.

  17. Ebd.

  18. Der Westen, 5.10.1922.

  19. Lothar Machtan, Der Kaisersohn bei Hitler, Hamburg 2006, S. 96.

  20. Rainer Stentzel, Zum Verhältnis von Recht und Politik in der Weimarer Republik. Der Streit um die sogenannte Fürstenenteignung, in: Der Staat 39 (2000) 2, S. 275-297, hier S. 275 f.

  21. Cajetan von Aretin, Vom Umgang mit gestürzten Häuptern: Zur Zuordnung der Kunstsammlungen in deutschen Fürstenabfindungen 1918-1924, in: Biskup/Kohlrausch (Hg.), Das Erbe der Monarchie (Anm. 2), S. 161-183, hier S. 162.

  22. Sigurd von Ilsemann, Der Kaiser in Holland. Aufzeichnungen des letzten Flügeladjutanten Kaiser Wilhelms II., Bd. 1: Amerongen und Doorn. 1918-1923, hg. von Harald von Koenigswald, München 1967, S. 114; Marc Schalenberg, Schlösser zu Museen: Umnutzungen von Residenzbauten in Berlin und München während der Weimarer Republik, in: Biskup/Kohlrausch (Hg.), Das Erbe der Monarchie (Anm. 2), S. 184-199, hier S. 189.

  23. Schalenberg, Schlösser zu Museen (Anm. 21), S. 198.

  24. Ich folge hier und im Weiteren der luziden Analyse von Jürgen Luh, Eine Erbschaft der Monarchie: Das Hohenzollern-Museum, in: Biskup/Kohlrausch (Hg.), Das Erbe der Monarchie (Anm. 2), S. 200-216.

  25. Ebd., S. 210.

  26. Louis Ferdinand Prinz von Preußen, Die Geschichte meines Lebens, Göttingen 21969, S. 66 f.

  27. Ebd., S. 76.

  28. Ebd., S. 290.

  29. Zur Unterscheidung zwischen einem „Monarchismus im weiteren“ bzw. „im engeren Sinne“ siehe Arne Hofmann, Obsoleter Monarchismus als Erbe der Monarchie: Das Nachleben der Monarchie im Monarchismus nach 1918, in: Biskup/Kohlrausch (Hg.), Das Erbe der Monarchie (Anm. 2), S. 241-260, hier S. 242.

  30. Zur Bedeutung der Kaiserflucht für die „Dekomposition des adligen Weltbilds“: Stephan Malinowski, Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus, Berlin 32003, S. 228 ff.

  31. Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen, Zur Beurteilung des „Monarchismus“ in der Weimarer Republik, in: Gotthard Jasper (Hg.), Tradition und Reform in der deutschen Politik, Frankfurt a. M./Berlin/Wien 1976, S. 138-186.

  32. Institut für Zeitgeschichte, Archiv, Ed 414, Nl, Herbert Frank, Nationale Einheit tut not. Arbeitsprogramm des Kapitän Ehrhardt und der ihm angeschlossenen Verbände, März 1926.

  33. Andreas Rödder, Dichtung und Wahrheit. Der Quellenwert von Heinrich Brünings Memoiren und seine Kanzlerschaft, in: Historische Zeitschrift 265 (1997), S. 77-116, hier S. 116.

  34. John C.G. Röhl, Wilhelm II. Der Weg in den Abgrund 1900-1941, München 2008, S. 1278.

  35. Zit. n. ebd., S. 1279.

  36. Harry Graf Kessler, Tagebücher: 1918-1937, hg. von Wolfgang Pfeiffer-Belli, Frankfurt/M. 2003, S. 386 (Eintrag vom 3. April 1923).

  37. Die Angabe nach Rathenaus eigenem Zeugnis: Walther Rathenau, Der Kaiser. Eine Betrachtung, Berlin 1919, S. 26.

  38. Ebd., S. 27 u. 29. Rathenaus Gesamturteil: „Nie hat eine Epoche mit größerem Recht den Namen ihres Monarchen geführt. Die Wilhelminische Epoche hat am Monarchen mehr verschuldet als der Monarch an ihr; sie waren verstrickt in Leben und Tod, und wie beim Holzscheit Meleagers war der Brand des einen das Ende des andern.“ Ebd., S. 44.

  39. Hans Dieter Hellige, Wilhelm II. und Walther Rathenau, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 19 (1968) 9, S. 538-544.

  40. Wilhelm II. an Poultney Bigelow, 15.8.1927, zit. n. Lamar Cecil, Wilhelm II., Bd. 2: Emperor and exile, 1900-1941, London 1989, S. 311 f.; Röhl, Wilhelm II. Der Weg in den Abgrund (Anm. 33), S. 1295.

  41. “Wilhelm II. sah in Hitler seinen Vollstrecker”. Biograph John Röhl erklärt, inwieweit Deutschlands Ex-Monarch in den Nazis seine politischen Erben sah, in: Süddeutsche Zeitung, 4.6.2011.

  42. Vgl. Michael Epkenhans, Rezension von: John C.G. Röhl, Wilhelm II. Der Weg in den Abgrund 1900-1941, München 2008, in: sehepunkte 9 (2009) 4, 15.4.2009, http://www.sehepunkte.de/2009/04/14559.html, zuletzt aufgerufen am 14.12.2020; Christopher Clark, Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers, München 2008, S. 325.

  43. Daniel Frymann (i.e. Heinrich Claß), Wenn ich der Kaiser wär‘. Politische Wahrheiten und Notwendigkeiten, Leipzig 1912.

  44. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, „Gott helfe unserem Vaterland“. Das Haus Hohenzollern 1918-1945, München 22003, S. 85 ff.

  45. Sigurd von Ilsemann, Der Kaiser in Holland. Aufzeichnungen des letzten Flügeladjutanten Kaiser Wilhelms II., Bd. II. Monarchie und Nationalsozialismus 1924-1941, hg. von Harald von Koenigswald, München 1968, S. 229 (Eintrag vom 3.9.1933).

  46. Ebd., S. 332 (Eintrag vom 26.8.1939).

  47. Telegramm Wilhelms an Adolf Hitler, 17.6.1940, zit. n. ebd., S. 345. Wilhelms I. tatsächliche Äußerung lautete: „Welch‘ eine Wendung durch Gottes Führung!“

  48. Röhl, Wilhelm II. Der Weg in den Abgrund (Anm. 33), S. 1281.

  49. Ilsemann, Der Kaiser in Holland, Bd. II (Anm. 44), S. 175.

  50. Ilsemann, ebd., S. 216 (Eintrag vom 21. März 1933).

  51. Ebd., S. 239 (Eintrag vom 26. November 1933).

  52. Zit. n. Röhl, Wilhelm II. Der Weg in den Abgrund (Anm. 33), S. 1298.

  53. Malinowski, Vom König zum Führer (Anm. 29), S. 229.

  54. Urteil vom 17.03.2005 - BVerwG 3 C 20.04, https://www.bverwg.de/170305U3C20.04.0, zuletzt aufgerufen am 14.12.2020.

  55. Zit. n. Urbach, Nützliche Idioten (Anm. 1), S. 75.

  56. Kronprinz Wilhelm an Lord Rothermere, 20.6.1934, zit. n. Franz zu Hohenlohe, Stephanie. Das Leben meiner Mutter, München 1991, S. 100 f.

  57. Christopher Clark, Hat Kronprinz Wilhelm dem nationalsozialistischen System erheblichen Vorschub geleistet?, http://www.hohenzollern.lol/gutachten/clark.pdf, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020; Wolfram Pyta/Rainer Orth, Gutachten über die politische Haltung und das politische Verhalten von Wilhelm Prinz von Preußen (1882-1951), letzter Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen, in den Jahren 1923 bis 1945, S. 51 ff., http://www.hohenzollern.lol/gutachten/pyta.pdf, zuletzt aufgerufen am 27.11.2020.

  58. Eintrag vom 10.2.1933, in: Elke Fröhlich (Hg.), Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Teil I, Band 2/III, Oktober 1932-März 1934, München 2006, S. 126.

  59. Eintrag vom 25.März 1933, in: ebd., S. 155.

  60. Eintrag vom 5. August 1933, in: ebd., S. 241.

  61. Urban, Nützliche Idioten (Anm. 1), S. 84.

  62. Zit. n. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, Das Haus Hohenzollern 1918-1945, München/Wien 1985, S. 119.

  63. So gab Goebbels einen Ausspruch Hitlers wieder. Vgl. Fröhlich (Hg.), Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Teil I, Band 2/III, S. 98, Eintrag vom 4.1.1933.

  64. Zum anlassgebenden Tumult während einer Berliner Feierveranstaltung zum 75. Geburtstag Wilhelms II. am 27. Januar 1934 s. Malinowski, Vom König zum Führer (Anm. 29), S. 511 f.

  65. Louis Ferdinand Prinz von Preußen, Die Geschichte meines Lebens (Anm. 25), S. 259 f. u. 298 ff.

  66. Hofmann, Obsoleter Monarchismus (Anm. 28), S. 254.

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