Meine Merkliste Geteilte Merkliste

"Das Alte des Westens wurde das Neue im Osten"

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Drei Gedanken über Werner Schulz 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Der Weg zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass „DDR-Übersiedler in Afrika hochwillkommen” Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

"Das Alte des Westens wurde das Neue im Osten"

Christa Luft

/ 16 Minuten zu lesen

Die Ökonomie-Professorin Christa Luft war 1989/90 Wirtschaftsministerin der DDR in der Regierung unter Ministerpräsident Hans Modrow und vertrat die PDS in der letzten Volkskammer der DDR, wo sie den Haushaltsausschuss leitete. In ihrer „ungehaltenen Rede“ für das Deutschland Archiv plädiert sie für eine „unvoreingenommene Aufarbeitung“ des aus ihrer Sicht „dunklen Kapitels“ der Nachwendezeit und wirbt für eine stärker „gemeinwohlorientierte Ökonomie“.

Sitzung des Zentralen Runden Tisches der Parteien und Bürgerbewegungen der DDR im Berliner Schloss Niederschönhausen am 22. Januar 1990. Christa Luft von der SED-PDS (r), ehemalige Rektorin der Berliner Hochschule für Ökonomie und Wirtschaftsministerin in der Regierung von Ministerpräsident Hans Modrow (4.v.r.), neben den Moderatoren des Zentralen Runden Tisches Monsignore Dr. Karl-Heinz Ducke (Katholische Kirche, 2.v.r.), Pastor Martin Lange (Methodistische Kirche, 3.v.r.) und Oberkirchenrat Martin Ziegler (Bund der Evangelischen Kirchen der DDR, 2.v.l.). (© picture-alliance, ZB / Peter Zimmermann)

Erinnern wir uns kurz: Im Herbst 1989 geschah auf deutschem Boden etwas, womit selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet hatten: Der Eiserne Vorhang ging hoch, ein weltgeschichtliches Ereignis nahm einen friedlichen Verlauf. Binnen Jahresfrist verschwand die implodierende DDR als selbständiger Staat von der Landkarte, ihre Bewohner fanden sich ab 3. Oktober 1990 in einem dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beigetretenen Gebiet wieder. Über Nacht änderte sich für sie alles. Ein Gefühl von Entmündigung und Belehrung griff um sich. Im Westteil hingegen blieb nahezu alles beim Alten, so als sei es für die Ewigkeit gemacht. Wer von dort in den 1990er Jahren gen Osten aufbrach, lebte weiter mit den ihm vertrauten Gesetzen, Behörden, Schulsystemen, Netzwerken usw. und musste sich auch nie für seine Vergangenheit rechtfertigen.

Ausgelöst war die Rasanz des Geschehens nach dem Mauerfall durch die Ankündigung von Bundeskanzler Kohl Anfang Februar 1990, der DDR zeitnah die D-Mark als offizielles Zahlungsmittel zu übertragen. So wollte er die anhaltende Übersiedlung ostdeutscher Frauen und Männer in die Bundesrepublik stoppen. Kohl kämpfte damals um sein politisches Überleben. Den Ostdeutschen versprach er „blühende Landschaften“. Viele waren von dem irrigen Glauben betäubt, nach bereits errungener Rede- und Reisefreiheit würde das am DDR-Alltag Geschätzte erhalten bleiben, nur die begehrte harte Währung käme dazu. Doch aus der Geschichte ist bekannt: „Wer das Geld gibt, hat das Sagen“.

Angesichts dieser Entwicklung war einer eigenständigen Reformierung der DDR-Wirtschaft und Gesellschaft, wie sie die seit dem 17. November 1989 amtierende Modrow-Regierung in Angriff genommen hatte und wie sie auch die oppositionellen Parteien und Organisationen am Zentralen Runden Tisch anstrebten, schlagartig der Boden entzogen. Rückenwind gab die genüsslich kolportierte Warnung in einer Geheimanalyse für das Politbüro der SED von Ende Oktober 1989, die DDR stehe stehe kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Die alsbaldige Versachlichung dieser Panikmeldung verhallte. Eine demokratisch reformierte und wirtschaftlich, vor allem industriell modernisierte DDR hätte zweifelsfrei ein stärkeres Gewicht in den Prozess eines künftigen Zusammenwachsens beider deutscher Staaten einbringen können, kam aber nicht mehr zustande. Bei einer Beteiligung von gut 93 Prozent entschied sich die Hälfte der Wahlberechtigten am 18. März 1990 bei einer freien Volkskammerwahl für die von der Ost-CDU geführte Allianz für Deutschland. Die strebte die schnelle staatliche Einheit an, und die ins Amt gekommene de-Maizière-Regierung begann sofort mit kräftiger Hilfe Bonner Beamter entsprechende Weichen zu stellen.

Stufenprogramm ohne Chance

Die Chance, mit einem Stufenprogramm, also im Tempo angemessenem Kurs auf die deutsch-deutsche Vereinigung etwas entstehen zu lassen, das mit Fehlern und Mängeln im Osten Schluss macht, aber gleichzeitig auch Unzulänglichkeiten sowie Veraltetes im Westen überwindet und Fortschrittspotenziale beider Seiten ausbaut, blieb ungenutzt. Bewahrenswertes, Zukunftsfähiges gab es nicht nur westlich, sondern auch östlich der Elbe.

Bewährt hatten sich in der DDR das öffentliche, nicht gewinnorientierte Gesundheitswesen und Genossenschaften in Landwirtschaft und Handwerk, Grund und Boden waren kein Spekulationsobjekt, gebrochen war das Bildungsprivileg, um nur einiges zu nennen. Der Westen bot viel Modernes, aber auch Überkommenes. Ein Beispiel für Letzteres war das Bildungswesen, es blieb jedoch resistent gegenüber Vorzügen, die andere Länder - abseits ideologischer Überfrachtung - an der Bildung im kleineren deutschen Staat studierten und zum Teil übernahmen.

In einer Tagungspause der Volkskammer kam einmal im Foyer ein älterer Herr auf mich zu, stellte sich als Abteilungsleiter im Bonner Bildungsministerium vor. Er sei zur Beratung der SPD-Fraktion delegiert und habe kürzlich an einer Studie zur Analyse des DDR-Bildungssystems mitgewirkt, erzählte er. Und wörtlich: Was glauben Sie wohl, wo diese Studie geblieben ist? Seine Antwort auf mein Schulterzucken: „Im Panzerschrank. Da war der Obrigkeit zu viel Positives, Brauchbares benannt. Heute kann ich Ihnen das offen sagen, ich stehe kurz vor der Pensionierung.“

Das war kein Einzelerlebnis, es war symptomatisch für die damalige Zeit. Gerätemedizinisch zum Beispiel war die Bundesrepublik der DDR weit voraus, auch in der Bereitstellung mancher Hilfsmittel und Medikamente. Aber das Wort „Gesundheit“ mit seinen vielen Facetten taucht im Grundgesetz gar nicht auf. In den Osten entsandte westdeutsche Gesundheitsexperten erkannten - abgesehen von Defiziten - sehr wohl auch die positiven Seiten. Ihnen wurde aber gesagt, sie seien nicht dorthin geschickt worden, um den Erhalt der einen oder anderen DDR-Struktur zu empfehlen, sondern die reibungslose Ausweitung der westdeutschen Krankenversicherung zu organisieren.

Auf bundesdeutscher Seite fehlte jede Bereitschaft, Änderungen überhaupt in Erwägung zu ziehen. Wolfgang Schäuble, von der Bundesregierung beauftragt, die Vereinigungsverhandlungen mit der DDR-Seite zu führen, ließ seine Ost-Berliner Gesprächspartner darüber nicht im Unklaren. Seine Position war: „Liebe Leute, es handelt sich um einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik, nicht um die umgekehrte Veranstaltung. ... Hier findet nicht die Vereinigung zweier gleicher Staaten statt. Wir fangen nicht ganz von vorn bei gleichberechtigten Ausgangspositionen an. Es gibt das Grundgesetz, und es gibt die Bundesrepublik Deutschland. Lasst uns von der Voraussetzung ausgehen, dass ihr vierzig Jahre davon ausgeschlossen wart.“

Und die Verhandlungsführer aus der Noch-DDR, allen voran Günther Krause von der Ost-CDU, Parlamentarischer Staatssekretär in der Regierung Lothar de Maizières, übten sich in vorauseilendem Gehorsam und beriefen sich ständig auf das Wahlergebnis vom März, das doch für sich gesprochen habe. Für den umtriebigen vormaligen Bad Doberaner Ost-CDU-Vorsitzenden zahlte sich das dann mit einem Ministeramt in der Bundesregierung aus.

Die Mehrheitsfraktionen in der Volkskammer vollstreckten den politischen Willen der Mächtigen in der Bundesrepublik. Neoliberaler Ideologie folgend sollte es der Markt richten, als sei der unfehlbar. Von der Opposition angemahnte staatliche Interventionen galten als Diktaturrelikte, gesellschaftliche Alternativen überhaupt als unzumutbar. Das betraf zuoberst die Wirtschaftsordnung im Osten. Sie wurde im Eiltempo nach bundesdeutschem Vorbild umgestaltet.

Transparent bei einer Demonstration währende der Friedlichen Revolution 1989 in Ost-Berlin (© Holger Kulick)

Das Treuhand-Trauma

Die vorgefundene Treuhand des Modrow-Kabinetts, die das Volkseigentum in den Schlüsselbereichen und der öffentlichen Daseinsvorsorge im Interesse der Allgemeinheit bewahren und reformieren sollte, wurde sofort in eine Agentur zu dessen rascher und kompletter Privatisierung umfunktioniert. Prominente Ökonomen hatten davor gewarnt und für eine moderate Gangart plädiert. So auch der frühere Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller. Der hatte die Modrow-Regierung Ende Januar 1990 gemeinsam mit Henning Voscherau, dem Ersten Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, besucht und uns anschließend geschrieben: „Die beiden deutschen Staaten können sich vereinigen, ohne dass von der einen Seite erwartet wird, erst alles zu privatisieren…Man kann das über Zeiten strecken. Natürlich müssen sich die ostdeutschen Unternehmen im Wettbewerb bewähren können.“

Die Übertragung der D-Mark auf Ostdeutschland, also die Währungsunion, und die schnelle Privatisierung des Volkseigentums galten aber für die Bundesregierung als unverhandelbares Junktim. Das hatte Bundesfinanzminister Theo Waigel bei einer Zusammenkunft der Ausschüsse „Deutsche Einheit“ der Volkskammer und des Bundestages im Mai 1990 in Bonn noch einmal unmissverständlich erklärt. Selbst der Freiraum, den die Väter und Mütter des Grundgesetzes in Bezug auf die Wirtschaftsverfassung der Bundesrepublik gelassen hatten, wurde nicht genutzt. Diese kennt und schützt Gemeineigentum und hätte problemlos auch als Dach für das Volkseigentum dienen können, um ohne Hektik dessen notwendige Reformierung vorzubereiten und eine Hals über Kopf-Privatisierung zu verhindern.

Aber im Vertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik vom 18. Mai 1990 war die Offenheit für pluralistische Eigentumsstrukturen quasi durch die Hintertür als Relikt der Vergangenheit entsorgt worden. Dekretiert wurde, auch im Beitrittsgebiet eine von „Privateigentum, Leistungswettbewerb, freier Preisbildung und grundsätzlich voller Freizügigkeit von Arbeit, Kapital, Gütern und Dienstleistungen“ bestimmte Ordnung einzuführen. Diesem Duktus entsprach das am 17. Juni 1990 von der Volkskammer nach kontroverser Debatte in den zuständigen Ausschüssen und im Plenum beschlossene Treuhandgesetz. Nach Bonner Vorgaben bestimmte es die unverzügliche rasche und komplette Privatisierung des Volksvermögens zum Kern marktwirtschaftlicher Transformation.

CDU-Ministerpräsident de Maizière räumte bei einer Befragung im federführenden Wirtschaftsausschuss offen ein, dass von der Opposition geforderte Ergänzungen des Gesetzentwurfs, zum Beispiel Belegschaften durch Übertragung von Betriebsteilen an der Entstaatlichung des Volkseigentums zu beteiligen, den volkseigenen Grund und Boden von der Privatisierung auszunehmen, Kommunen volkseigene Vermögenswerte zu übereignen usw. in Bonn keine Chance hätten. Die Privatisierungsagentur nahm am 1. Juli 1990 parallel mit dem Start der Währungsunion ihre Arbeit auf. Der einsetzende Crashkurs stieß selbst bei namhaften westdeutschen Ökonomen und Vertretern der Wirtschaft auf Skepsis und Kritik. Es war damals aber einzig die Zeit der Politiker.

Mitarbeiter der Maxhütte Unterwellenborn fordern im Dezember 1990 von der Treuhand die Sicherung ihrer Arbeitsplätze. (© Bundesarchiv, Bild 183-1990-1219-006, Foto: Klaus Franke)

Fällt das Stichwort „Interner Link: Treuhand“, kommen viele Ostdeutsche bis heute sofort in Wallung. Mit dieser Institution verbinden sie eine massenhafte Abwicklung und Verschleuderung von DDR-Industrie-, Transport- und Bauunternehmen zumeist an westdeutsche „Investoren“, millionenfachen Arbeitsplatzverlust mit gravierenden biographischen Einschnitten für die Betroffenen, das Entstehen einer kleinteiligen Wirtschaft, eine Marktumverteilung und Vermögensverschiebung zugunsten des Westens usw..

Für mich steht sie zusammengefasst für die größte Vernichtung von Produktivvermögen in Friedenszeiten, und das unter den Augen der Bundesregierung und mit deren Duldung. Was nach dem Zweiten Weltkrieg in Jahrzehnten unter schwierigen inneren und äußeren Bedingungen in der DDR aufgebaut wurde, innerhalb von vier Jahren platt zu machen, ist eine „Leistung“, die ihresgleichen sucht, spricht aus meiner Sicht von Arroganz der Macht und Siegermentalität.

Solches Tempo konnte nicht einmal die britische Privatisierungsaktivistin Margaret Thatcher vorweisen. Der Wirtschaftskörper Ostdeutschlands wurde nicht seinen Stärken entsprechend sinnvoll in einen gesamtdeutschen ökonomischen Organismus integriert, sondern zum Auffüllen von Nischen und zum Aufstocken von Kapazitäten etablierter Unternehmen zurechtgestutzt. „Verdiente und verantwortungsbewusste Mitarbeiter in volkseigenen Betrieben wurden auf einmal zu Umschülern, zu Erstklässlern“, so die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) in ihrem 2018 erschienenen Buch „Integriert doch erst mal uns“. Die Folgen sind auch nach dreißig Jahren noch spürbar und zum Teil irreparabel. Die Deindustrialisierung des Ostens verlieh der Westwirtschaft per Konsumnachfrage der Neubundesbürger einen massiven Schub. Der umfangreiche Vermögenstransfer von Ost nach West ist bis heute offiziell nicht beziffert, brachte dort aber in kürzester Zeit zig Tausend neue Millionäre hervor. Der in der Tat respektable Finanztransfer von West nach Ost hingegen wird ständig benannt.

Ausgeschlagene Wege, Volkseigentum zu entstaatlichen

Nach dem Vorbild der aus dem Kombinat Carl-Zeiss-Jena hervorgegangenen und noch viele Jahre zu 100 Prozent im Eigentum des Freistaates Thüringen gehaltenen Jenoptik GmbH hätten einige andere traditionelle, zumeist eine ganze Region prägende und begehrte Erzeugnisse anbietende Großunternehmen ebenfalls befristet im Bundes- oder Landeseigentum fortgeführt werden können (zum Beispiel Umformtechnik Erfurt, Chemieanlagenbau Grimma, TAKRAF Leipzig). Seit 1998 ist die Jenoptik als Aktiengesellschaft an der Frankfurter Börse gelistet, anno 2002 entfielen immer noch 18,92 Prozent der Anteilscheine auf den Freistaat. Das hat die Landesregierung stärker zur Rück- und Neugewinnung von Märkten im In- und Ausland in die Pflicht genommen und Arbeitsplätze erhalten. Die Jenoptik hat die marktwirtschaftliche Umstrukturierung und Neuorientierung nicht ohne Aderlass, insgesamt aber besser überstanden als andere Großunternehmen. Sie ist heute ein global agierender Technologiekonzern.

Möglich und sinnvoll wären Minderheitsbeteiligungen privater Investoren an den Geschäftsanteilen der Treuhandanstalt gewesen, auch die Verpachtung von Gemeineigentum an Existenzgründer, Mitarbeiterkapitalbeteiligung zu Vorzugskonditionen und die Vergenossenschaftlichung von Betrieben oder von Betriebsteilen. Vorschläge dieser Art wurden aus der Opposition im Parlament, auch aus ostdeutschen Wirtschaftskreisen mit Nachdruck vorgetragen, aber von den Bonn-hörigen Mehrheitsfraktionen zurückgewiesen.

Eine Option war die zeitweilige Fortsetzung von Kopplungsgeschäften mit Russland, also die Lieferung von in Sachsen und Sachsen-Anhalt produzierten Ausrüstungen für die Öl- und Gasförderung gegen in Deutschland bzw. Europa zu vermarktendes Erdöl. Solche devisenlosen „Tauschgeschäfte“ waren und sind selbst in westdeutschen Konzernen übliche Praxis. Wer wie auch ich so etwas vorschlug, galt in den von Bonn gesteuerten Fraktionen als unfähig, das Wesen der Marktwirtschaft zu begreifen.

Verantwortung der Bundesregierung

Die Treuhand hat ihren Hauptauftrag, „die Wettbewerbsfähigkeit möglichst vieler Unternehmen herzustellen und Arbeitsplätze zu sichern“, nicht erfüllt. Auch duldete sie Subventionsbetrug und andere kriminelle Machenschaften. Nicht vergessen werden darf aber, dass sie im Auftrage der Bundesregierung und unter deren Augen agierte. Diese verantwortete den Währungskurs zwischen Mark der DDR und der D-Mark, der vorhersehbar zu einem bedrohlichen, vielfach tödlichen Aufwertungsschock für Ost-Unternehmen führte, ebenso war sie zuständig für die Unterstellung der Treuhand unter das Finanzministerium anstatt unter das für Strukturpolitik zuständige Wirtschaftsressort.

Auf das Konto der Bundesregierung ging auch die Altschuldenregelung, die die zu privatisierenden Ost-Betriebe mit Schulden belastete, die eigentlich welche des Staates waren, an den sie nach geltenden Regeln ihre geplanten Gewinne abzuführen hatten. Auch erhöhte die Regierung den Druck aufs Privatisierungstempo mit Bonuszahlungen an die Manager für schleunigen „Verkauf“, und – ein Skandal erster Güte – sie stellte die Treuhandmanager haftungsfrei vom Straftatbestand der „groben Fahrlässigkeit“. Die in Teilen schwächere ostdeutsche Wirtschaft wurde schutzlos der westdeutschen Konkurrenz ausgeliefert, dem Kapital freie Hand gelassen, nach wachstumsunabhängigen Quellen zu suchen, um seinen Profithunger zu stillen. Dafür stehen auch die Privatisierung der einst volkseigenen schuldenfreien Acker- und Waldflächen und die zunehmende Kommerzialisierung von Bereichen der Daseinsvorsorge, darunter des Gesundheitswesens.

Wie marode war die Ostökonomie wirklich?

Bis heute halten sich hartnäckig Legenden über die Ostökonomie. So heißt es: Die Wirtschaft der DDR war marode, kaum etwas erhaltenswert. Gilt als einziger Maßstab die Wettbewerbsfähigkeit des damals höchst entwickelten europäischen Landes, der Bundesrepublik, dann stimmt das für etliche Bereiche. Bezieht man andere westeuropäische Marktwirtschaften oder osteuropäische Planwirtschaften ein, sieht es anders aus. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt je Einwohner verzeichnete die DDR 1988 ein Produktivitätsniveau von etwas mehr als der Hälfte dessen der Bundesrepublik, aber zum Beispiel 80 Prozent des britischen. Demgegenüber lag es weit über dem Spaniens, Portugals oder Griechenlands. Unter den osteuropäischen Ländern bildete die DDR die Spitze. Polen, die Tschechoslowakei und Ungarn haben die etwa gleichzeitige Transformation in die Marktwirtschaft auch nicht ohne Blessuren, aber mit geringerem Absturz der Produktion überstanden als Ostdeutschland. Dort wurde die Umwandlung stufenweise vollzogen und nicht schockartig. Die industrielle Produktion brach um etwa 30 Prozent ein, in Ostdeutschland aber um 53 Prozent gegenüber dem Zeitraum vor 1990.

Oder es wird behauptet: Die Auslandsmärkte der DDR seien nach 1990 zusammengebrochen. Statistisch nachweisbar ist aber, dass die beträchtlichen Marktanteile der DDR-Kombinate vor allem in der Sowjetunion und in osteuropäischen Ländern flugs von westdeutschen Konzernen übernommen wurden. Diese konnten anders als die unter dem D-Mark-Aufwertungsschock und dem Treuhandknebel leidenden Ostbetriebe Kredite an die Abnehmer vergeben für deren nun in konvertierbarer Währung zu begleichenden Importe. Den Ostunternehmen war das versagt.

Christa Luft (2.v.r) im Wahlkampfteam von PDS-Chef Lothar Bisky (r) am 24.September 1998 auf der Abschlußkungebung der SED-Nachfolgepartei auf dem Berliner Alexanderplatz. (© picture-alliance/dpa, Bernd Settnik)

Und noch eine These: Die Löhne müssen im Osten geringer sein als die im Westen, weil Löhne der Produktivität folgen, und die ist östlich der Elbe eben niedriger. Die aber ist niedriger, weil die Treuhand eine kleinteilige Wirtschaft hinterlassen hat, in der das Lohngefüge üblicherweise nicht mit dem in Großbetrieben mithalten kann. Solche und andere Legenden gehören endlich ausgeräumt.

Zukunftsaufgaben

Ein Schlussstrich darf auch nach über 30 Jahren unter ein dunkles Kapitel in der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte nicht gezogen werden. Eine unvoreingenommene Aufarbeitung der Nachwendezeit steht noch aus. Dass Private, insbesondere Konzerne, wenn sich die Chance ergibt zugreifen, das eigene Potenzial zu erweitern, ja nahezu geschenkt zu bekommen, ist sonnenklar. Eine Regierung aber hat das Gemeinwohl im Auge zu haben, hat sozial- und gesellschaftspolitische Verwerfungen zu verhindern, mindestens zu begrenzen. Die Bundesregierung aber hat die Treuhand gewähren lassen bei ihrer Privatisierungs-, Kahlschlags- und Stilllegungsagenda und damit westdeutschen Kapitalinteressen das Primat eingeräumt. So sehe ich das.

Einzufordern ist nach wie vor Unabgegoltenes aus dem Treuhandgesetz, darunter: die Herstellung der Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Wirtschaft und die -– wenn auch vage – Inaussichtstellung, nach Strukturanpassung der ostdeutschen Wirtschaft die Möglichkeit des Ausgleichs von finanziellen Verlusten der Ostdeutschen beim Umtausch der DDR-Mark-Sparbestände in D-Mark zu prüfen. Angesiedelt werden müssen endlich in Ostdeutschland Unternehmenszentralen. Die Bundesregierung könnte zum Beispiel aus ihrem Bestand an Unternehmensbeteiligungen (anno 2020 immerhin 109 Organisationen, darunter Konzerne) die börsennotierten Unternehmen Deutsche Telekom und Deutsche Post nach Ostdeutschland holen.

Mit finanzieller Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung hat die Berliner Firma „Rohnstock-Biografien“ eine Ausstellung mit dem Titel „Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale“ kuratiert, die seit einem Jahr in ostdeutschen und beginnend auch in westdeutschen Städten (u.a. Heidelberg, Braunschweig, Fürstenfeldbruck und Erlangen) gezeigt wurde und wird. Der rege Besuch zeugt davon, dass das die meisten Ostdeutschen anhaltend bewegende Treuhandagieren nun auch in Westdeutschland wachsendes Interesse weckt und dort zum Teil auf Kopfschütteln bis Entsetzen stößt.

In der Tat weist das Geschehen in Ostdeutschland Züge auf, die aus meiner Sicht denen einer Kolonialisierung gleichen. „Wenn nur 1,7 Prozent von Ostlern in Führungspositionen sind, wenn ich frage, wem gehören die Immobilien, die Betriebe, das Land, wo befinden sich die Zentralen, in die der Gewinn fließt, dann muss man auch einen Begriff dafür finden“, argumentiert der Schriftsteller Ingo Schulze. Als Zeugin damaliger Ereignisse habe ich diesen Terminus immer vermieden, denn anders als einst die Bewohner afrikanischer oder asiatischer Kolonien haben die Ostdeutschen mehrheitlich per Stimmzettel die später beklagte Entwicklung herbeigeführt. Daniela Dahn nennt das zutreffender „eine feindliche Übernahme auf Wunsch der Übernommenen“. Und anders als in den originären Kolonien haben sich in Ostdeutschland trotz offensichtlicher Probleme auch manche Hoffnungen und Erwartungen erfüllt.

Corona-Krise im Spiegel des Vereinigungsgeschehens

Es mag eigenartig klingen, aber aus dem Verlauf der Vereinigung beider deutscher Staaten können und sollten Folgerungen für den Umgang mit dem Corona-Geschehen gezogen werden. Vergleichbar sind der tiefe Produktionseinbruch, die millionenfache Arbeitslosigkeit, die Verunsicherung vieler noch Beschäftigter, die physische und psychische Belastung von Familien usw. Die größten Vereinigungsschmerzen wurden nach 1990 im Osten mit Finanztransfers gelindert, die Corona-Folgen in ganz Deutschland heute mit milliardenschweren Konjunkturpaketen.

Die staatliche Vereinigung endete aber damit, dass das Gewesene des Westens im Osten als das Neue implantiert wurde. Die jetzt von Ost und West gemeinsam zu durchlebende Pandemie darf nicht enden nach dem Motto: Wiederherstellung von Normalität, also des Gewesenen, selbst mit größtem finanziellen Aufwand. Es müssen auch Lehren gezogen werden, die über das Gewesene hinausreichen:

1. Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass die gefährlichsten Bedrohungen für die Menschheit nicht allein militärischer, sondern auch sozialer und ökologischer Natur sind.

Statt expansiver Aufstockung von Rüstungsausgaben in EU und NATO ist der Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge prioritär. Frühzeitige politische Warnungen aus Oppositionskreisen in der Volkskammer zum Beispiel vor Kommerzialisierung des Gesundheitswesens oder der Privatisierung von Grund und Boden wurden stets als kommunistische Ideologie abgetan. Es hat einer Pandemie bedurft, um zu demonstrieren, wie wichtig zum Beispiel ein zur öffentlichen Infrastruktur der Gesellschaft gehörender, nicht profitorientierter Gesundheitsdienst mit vorausschauender Planung und Bestandshaltung ist gegenüber einer vorrangig auf Rendite zielenden Gesundheitswirtschaft. Auch darüber nachzudenken, wie strategische Unternehmen mit marktbeherrschender Position, so die Energie- und Wasserversorgung, auf Basis des Grundgesetzes schrittweise in die öffentliche Hand gebracht werden können, wird wieder aktuell.

2. Die Pandemie zeigt die Verwundbarkeit einer globalisierten Wirtschaft und die Notwendigkeit, die Versorgung mit Grundgütern so weit wie möglich regional zu sichern. Regionalisierung von Produktion, Weiterverarbeitung, Vermarktung und Konsum ist ohnehin ein Gebot, um Transportwege zu reduzieren, die Umwelt zu schonen sowie kulturellen und ökologischen Aspekten des Landschaftsschutzes besser gerecht zu werden.

Was es bedeutet, wenn Lieferketten selbst für lebensnotwendige Dinge wie Antibiotika und andere Medikamente zerreißen, die wegen Kostenersparnis nach China oder Indien ausgelagert wurden, haben wir gerade erlebt. Das neue Virus widerlegt schlagartig die Legende von der nur wohlstandssteigernden Globalisierung. Globale Märkte brauchen Sicherungsnetze. Das Festhalten an der bisherigen Wirtschaftsweise bedeutet Explosion der Lebensrisiken der eigenen wie der Weltbevölkerung.

3. Eine überfällige Antwort auf die aktuelle Krise ist, dass der Marktradikalismus gescheitert ist. Für eine sichere Zukunft gehören Sozialstaat und Demokratie gestärkt, wirtschaftspolitische Interventionen intensiviert, extremer Reichtum umverteilt und globale Handelsbeziehungen reguliert. Die Selbstheilungskräfte des Marktes haben offensichtlich versagt. Der britische Journalist und Buchautor Paul Mason schrieb kürzlich: „Wir haben vierzig Jahre lang so getan, als sei der Markt eine unfehlbare Maschine, intelligenter als ein Mensch es je sein kann, ausgestattet mit dem Recht, gegen menschliche Entscheidungen über unsere sozialen Prioritäten sein Veto einzulegen. Doch 2008 [gemeint ist die globale Finanzkrise, C.L.] erlitt diese Maschine einen Totalschaden.“

Statt prioritärer Kapitallogik eine zuvorderst gemeinwohlorientierte Ökonomie ins Zentrum demokratisch-politischer Tätigkeit zu stellen, ist aus meiner Sicht im Prozess deutsch-deutscher Vereinigung nicht gelungen. Es bleibt nach den Pandemieerfahrungen eine herausfordernde Aufgabe.

Zitierweise: Christa Luft, „Das Alte des Westens wurde das Neue im Osten“, in: Deutschland Archiv, 23.06.2020, Link: www.bpb.de/311489. Weitere "Ungehaltene Reden" ehemaliger Parlamentarier und Parlamentarierinnen aus der ehemaligen DDR-Volkskammer werden nach und nach folgen. Eine öffentliche Diskussion darüber ist im Lauf des Jahres 2021 geplant. Es sind Meinungsbeiträge der jeweiligen Autorinnen und Autoren, sie stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar.

In dieser Reihe bereits erschienen:

- Sabine Bergmann-Pohl, Interner Link: "Ein emotional aufgeladenes Parlament"

- Rüdiger Fikentscher, Interner Link: "Die 10. Volkskammer als Schule der Demokratie"

- Hinrich Kuessner Interner Link: „Corona führt uns die Schwächen unserer Gesellschaft vor Augen“

- Klaus Steinitz, Interner Link: "Eine äußerst widersprüchliche Vereinigungsbilanz"

- Richard Schröder -Interner Link: "Deutschland einig Vaterland"

- Maria Michalk, Interner Link: "Von PDS-Mogelpackungen und Europa?"

- Markus Meckel, Interner Link: "Eine Glücksstunde mit Makeln"

- Hans-Peter Häfner, Interner Link: "Brief an meine Enkel"

- Konrad Felber, Interner Link: "Putins Ausweis"

- Walter Fiedler, Interner Link: "Nicht förderungswürdig"

- Hans Modrow, Interner Link: "Die Deutsche Zweiheit"

- Joachim Steinmann, "Interner Link: Antrag auf Staatsferne"

- Christa Luft, Interner Link: "Das Alte des Westens wurde das Neue im Osten"

- Dietmar Keller, "Interner Link: Geht alle Macht vom Volke aus?"

- Rainer Jork, Interner Link: "Leistungskurs ohne Abschlusszeugnis"

- Jörg Brochnow, Interner Link: "Vereinigungsbedingte Inventur"

- Gunter Weißgerber, "Interner Link: Halten wir diese Demokratie offen"

- Hans-Joachim Hacker, Interner Link: "Es gab kein Drehbuch"

- Marianne Birthler - Interner Link: "Das Ringen um Aufarbeitung und Stasiakten"

- Stephan Hilsberg - Interner Link: "Der Schlüssel lag bei uns"

- Ortwin Ringleb - Interner Link: "Mensch sein, Mensch bleiben"

- Martin Gutzeit, Interner Link: "Gorbatschows Rolle und die der SDP"

- Reiner Schneider - Interner Link: "Bundestag - Volkskammer 2:2"

- Jürgen Leskien - Interner Link: "Wir und der Süden Afrikas"

- Volker Schemmel - Interner Link: "Es waren eigenständige Lösungen"

- Stefan Körber - "Interner Link: Ausstiege, Aufstiege, Abstiege, Umstiege"

- Jens Reich - Interner Link: Revolution ohne souveränes historisches Subjekt

- Carmen Niebergall - Interner Link: "Mühsame Gleichstellungspolitik - Eine persönliche Bilanz"

- Susanne Kschenka - Interner Link: "Blick zurück nach vorn"

- Wolfgang Thierse - Interner Link: "30 Jahre später - Trotz alldem im Zeitplan"

- u.a.m.

Mehr zum Thema:

- Die Interner Link: Wahlkampfspots der Volkskammerwahl

- Die Interner Link: Ergebnisse der letzten Volkskammerwahl

- Film-Dokumentation Interner Link: "Die letzte Regierung der DDR"

- Analyse von Bettina Tüffers: Interner Link: Die Volkskammer als Schule der repräsentativen Demokratie, Deutschland Archiv 25.9.2020

Fussnoten

Fußnoten

  1. Schäuble, Wolfgang: Der Vertrag. Wie ich über die deutsche Einheit verhandelte. Stuttgart 1991, S. 131.

  2. Beschluß zur Gründung der Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums (Treuhandanstalt), in: Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik (GBL DDR), Jahrgang 1990, Teil I, Nr. 14 vom 8.3.1990.

  3. Treuhandgesetz), in:. GBL DDR Jahrgang 1990, Teil I, Nr. 33 vom 17. 6. 1990.

  4. Christa Luft:, Treuhandreport, Aufbauverlag Berlin 1992; Michael Jürgs,: "Die Treuhändler. Wie Helden und Halunken die DDR verkauften", List Verlag, München-/Leipzig 1997; Dirk Laabs:, „Der deutsche Goldrausch“, Pantheon Verlag München 2012; Yana Milev:, „Das Treuhand-Trauma“-Die Spätfolgen der Übernahme. Das Neue Berlin 2020.

  5. Vgl. § 5, Absatz 2 des Treuhandgesetzes (Anm.3).

  6. Wir haben die Macht schnell abgegeben,. iIn: Berliner Zeitung, vom 18./19.4. April 2020, S.16.

  7. Daniela Dahn:, Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute., Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbek bei Hamburg 2019, S. 13.

  8. Paul Mason,: Die Pandemie, der Brexit und die Zeit danach,. iIn: Aus Politik und Zeitgeschichte, 70. Jahrgang, 23-25/2020, S. 08.

Prof. Dr. Christa Luft war stellvertretende Vorsitzende des Ministerrates und Wirtschaftsministerin der DDR in der Regierung von Hans Modrow (PDS) 1989/90. In der DDR hatte sie sich auf Außenhandel spezialisiert und war ab 1988 Rektorin der Hochschule für Ökonomie „Bruno Leuschner“ (HfÖ) in Berlin-Karlshorst. In der letzten DDR-Volkskammer war sie Vorsitzende des Haushaltsausschuss und von 1994 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages für die PDS.