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"… da wird provoziert mit parolen und ermuntert mit hohn."

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"… da wird provoziert mit parolen und ermuntert mit hohn." Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands nach dem Bau der Mauer

Hannah Schepers

/ 17 Minuten zu lesen

Volker Brauns Gedicht "Die Mauer" löst in den 1960er-Jahren heftige Reaktionen aus. Der Text schwankt zwischen Rechtfertigung des Mauerbaus und Protest gegen die Teilung Deutschlands. Er wirft Schlaglichter auf die zwiespältige Haltung von Autoren, die zwischen Loyalität und Kritik ihre Position suchen.

I

"merkwürdig das illusionistische pathos, womit ich dem schwachen zeitgeist tribut zollte, der aufbruchstimmung nach dem mauerbau. da ist alles der eignen kraft anheimgegeben, da wird provoziert mit parolen und ermuntert mit hohn. alles ist vorgefühl, nicht erkenntnis der lage. erschreckend, daß das damals solche wirkung tat. jetzt sehe ich nichts darin, das ich gelten lasse. das sind spielzeugwaffen. nur: beruhigend war das nicht, und am wenigsten für mich."

Volker Braun, Aufnahme von 1978 (© Bundesarchiv, Bild 183-T0203-0023; Foto: Hartmut Reiche/ADN-ZB)

Diese Worte schreibt Volker Braun 1977 in sein Tagebuch, sie unterscheiden sich eklatant von Euphorie und Motivation, die ihn in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre getragen haben. Braun, geboren 1939, beginnt 1961 sein Studium der Philosophie in Leipzig und gehört zu jenen jungen Dichtern, die mit ihren Texten in den Jahren nach dem Mauerbau in die Öffentlichkeit treten. Mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft kommuniziert er in der Anfangszeit seines Schreibens den eigenen Anspruch, die Gesellschaft nach seinen Vorstellungen mitzugestalten und andere Menschen zur Aktivität anzuregen. Gleichzeitig kennzeichnet sein Schreiben und Denken ein kritischer Blick auf die Missstände in der Gesellschaft, die er nicht zu akzeptieren gewillt ist.

So sucht Braun nach dem Mauerbau vergeblich eine feste Position und schwankt stattdessen zwischen Missbilligung des Geschehens und Bekenntnis zur DDR. Das Resultat seiner Bemühungen um Balance tritt besonders in seinen Gedichten "Die Mauer" und "Wir und nicht sie" zu Tage. Günter Gaus sah in dem Text "Die Mauer" eine "Selbstbeschreibung" des jungen Braun, in der er seine auseinanderdriftenden Gedanken aufzeigt. Das Nebeneinander gegensätzlicher Empfindungen schlägt sich im antithetischen Aufbau des Gedichtes nieder. Braun stellt die Widersprüche überdeutlich heraus, um die Menschen wachzurütteln und sie auf die gesellschaftlichen Missstände aufmerksam zu machen. So betont er auf der einen Seite sein Erschrecken: "Gewöhnt / An hängende Brücken und Stahltürme / Und was noch an die Grenze geht / Von Material und Maschinen, fasst / Der Blick doch nicht / Das hier."

Und doch glaubt Braun, dass der Mauerbau unter Umständen positive Begleiterscheinungen mit sich bringen könnte: "Zwischen all den Rätseln: das ist / Fast ihre Lösung. Schrecklich / Hält sie, steinerne Grenze / Auf was keine Grenze / Kennt: Den Krieg. Und sie hält / Im friedlichen Land, denn es muß stark sein / Nicht arm, die abhaun zu den Wölfen / Die Lämmer. Vor den Kopf / Stößt sie, das gehen soll wohin es will, nicht / In die Massengräber, das / Volk der Denker." Die geschlossene Grenze stellt für Braun ein Mittel zur Kriegsvermeidung und zur Eindämmung von Flucht in den Westen dar. Er argumentiert ähnlich wie die SED, die die Mauer zu Propagandazwecken einen "antifaschistischen Schutzwall" nennt.

Zugleich legt er die Widersprüche in der Politik der SED offen. Denn wären die Menschen wirklich "Lämmer", die in einem "friedlichen" Land lebten, würden sie nicht zu den "Wölfen" flüchten. Und so bemängelt Braun in dem Gedicht: "Schwer / Aus den Gewehren fallen die Schüsse: / Auf die, die es anders besser / Halten könnte."

Im Anschluss an diese Zeile lässt er ein Zitat aus dem Gedicht "Hälfte des Lebens" von Friedrich Hölderlin folgen: "Die Mauern stehn / Sprachlos und kalt, im Winde / Klirren die Fahnen". Der Satz schließt an einen Vers an, mit dem Braun die Leser zum Nachdenken anregt. Denn die Aussage deutet an, dass er sehr wohl die Gründe nachvollzieht, aus denen die Menschen in die Bundesrepublik flüchten. Offen aussprechen kann er die Kritik an der SED jedoch nicht. Braun nutzt Literatur, um sich politisch zu äußern. Der deutsche Dichter Hölderlin wird ihm zum Instrument, um die Zensur zu umgehen. Diese Verfahrensweise deutet auf das Potenzial von Sprache hin, die über alle Grenzen hinweg ihre Macht ausstrahlt.

Die SED könnte andere Methoden als Gewalt finden, um die Menschen in der DDR zufrieden zu stellen, so Brauns indirekte Aussage. Schließlich sind die Grundvoraussetzungen für das Miteinander durchaus vorhanden: "Uns trennt keine Mauer / Das ist Dreck aus Beton, (…) / Laßt nicht Gras wachsen / Über der offenen Schande: es ist / Nicht eure, zeigt sie."

Ebenso wie er in der Politik der SED Defizite erkennt, macht er diese im Verhalten vieler Menschen aus. Das Gegebene zu akzeptieren reicht Braun nicht, er setzt sich für gemeinsame Anstrengungen für eine bessere gesellschaftliche Situation ein. Im Gedicht "Wir und nicht sie" schreibt er: "Eins könnte mich trösten: wir haben das halbe / Land frei für den Frieden. In den verbrannten / Grenzen, wo das Gras wächst / Liegt es, das seine Zeitungen loben und die Sprecher / Des Volks, mein Land, nicht mehr gefürchtet / Von seinen Bewohnern.(…) / aber es tröstet mich nicht."

Braun entfernt sich in beiden Texten innerhalb der Strophen immer wieder vom konkreten Ereignis Mauerbau und leitet aus dem Einzelerlebnis allgemeinere Schlussfolgerungen auf politischer Ebene ab. Gerhard Wolf urteilte in seinem Außengutachten für den Band "Wir und nicht sie", die Dichtung Volker Brauns gehe über rein vorgegebene Geschehen hinaus, berufe sich auf "ein Ereignis", um es "selbst in größeren Rahmen als Epochengeschehen zu zeigen".

Dazu gehört im konkreten Fall, dass Braun den Systemgegensatz zwischen Bundesrepublik und DDR hinter sich lässt und vielmehr das grundsätzliche Miteinander von Menschen in einer Gesellschaft problematisiert. Er plädiert für Strukturen, die auf Gerechtigkeit und Solidarität bauen und den Menschen die Möglichkeit geben, diese Werte auszuleben. Weder in DDR noch in der Bundesrepublik glaubt er eine solche Grundüberzeugung realisiert zu finden, da er in beiden Teilen Deutschlands ein Auseinanderklaffen zwischen Herrschenden und Beherrschten beobachtet. Während die Herrschenden Fakten schüfen, wie konkret den Bau der Mauer, hätten die Beherrschten Anweisungen blind, wie "Lämmer", zu befolgen. Ungerechtigkeiten auf Basis einer ähnlichen Konstellation zwischen oben und unten wie in der DDR macht Braun in der Bundesrepublik aus, da dort Politiker ebenfalls frei und rücksichtslos entschieden.

Daraus leitet Braun seine Haltung ab, sich für Veränderungen in beiden Gesellschaften einsetzen zu wollen, und urteilt, die DDR habe Anteil an den Weichenstellungen in der Bundesrepublik. Gerhard Wolf fasst Brauns Haltung zusammen: "Was dort geschieht – geschieht ebenfalls nicht ohne uns."

II

"Volker Braun und Günter Kunert diskutierten am 8. Januar 1965 im West-Berliner Studentenheim Siegmundshof mit Künstlern und Studenten über die Verantwortung der Deutschen in Ost und West." – Originaltext ADN (© Bundesarchiv, Bild 183-D0109-0047-001; Fotograf: o.A.)

Auf dieser Grundlage ist Brauns Verhalten im Veröffentlichungsprozess seiner Texte zu verstehen. Der Weg seines Gedichtes die "Mauer" wirft Schlaglichter auf seine Intentionen und die resultierenden Schwierigkeiten für einen Autor mit Ansprüchen in West- und Ost-Deutschland.

Erstmals erscheint das Gedicht 1966 im "Kursbuch" von Hans Magnus Enzensberger – und damit in einer westdeutschen Publikation. Den Text übergibt Braun Enzensberger bei einem von dessen Besuchen in der DDR, wie Helmut Baierl berichtet: "Volker Braun hat mir einmal erzählt, der Enzensberger ist vor seiner Tür erschienen – da waren wir noch beide beim Berliner Ensemble –, und er hat ihm ein paar Gedichte gegeben, und die erschienen dann im 'Kursbuch'. (…) Da ist eines zum Beispiel drin über die Mauer, und das ist auch im Westen in Ordnung, das ist nicht reaktionär, aber für unsere Verhältnisse ist es nicht ganz in Ordnung, uns es ist ja schwer zu sagen, wo dieses 'nicht ganz' gravierend wird."

Enzensberger schätzt Teile des Gedichtes als problematischer ein, als Baierl es vermutet, und rät Braun zu einer Umarbeitung, auf die jener eingeht. In den Zeilen "Baut / Eine Mauer, keine Schießstrecke, und ich / Euer Gewissen, verbiete / Euch zu schießen" der ungedruckten Urfassung kritisiert Enzensberger den Ausdruck "(…) ich / Euer Gewissen" und fürchtet, die Formulierung "(...) verbiete/ Euch zu schießen" könne juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Braun wechselt die Worte, die als Appell an das "Gewissen" der SED verstanden werden können, gegen "Baut / Das höher, aber / Schießt nicht" aus und nimmt dadurch die Schärfe aus der Kritik an der SED.

Das Verhalten Volker Brauns zeigt, dass er seine Texte außerhalb der jeweiligen politischen Ordnung einer Gesellschaft verortet. Er stellt sich über die starren Systemgegensätze und lehnt nicht generell jegliche Zusammenarbeit zwischen Ost und West ab. Für Braun dürfte entscheidend sein, wie und mit wessen Hilfe er seine Botschaft den Lesern vermitteln kann. Er ist bereit, die positiven Aspekte der Bundesrepublik mit ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung für seine Zwecke zu nutzen, selbst wenn er Vorzüge des westlichen demokratischen Systems zugeben muss.

Nach dieser Strategie verfährt Braun auch zu späteren Zeitpunkten, an seiner Grundhaltung ändert sich wenig. 1968 reicht er beim Suhrkamp-Verlag das Manuskript zum Gedichtband "Wir und nicht sie" mit dem Gedicht "Die Mauer" ein – ohne Absprache mit der Hauptverwaltung Literatur und vor Vorlage der Druckgenehmigung für den Band in der DDR. In einem Gespräch mit politischen Vertretern muss er sich für die Weitergabe des Gedichtes verantworten. Braun erklärt, er sehe kein Problem, da das Gedicht in der Bundesrepublik als Verteidigung der Mauer verstanden werde. Bei der SED verfängt diese Behauptung nicht, sondern steigert das Misstrauen gegen Braun. Innerhalb der Hauptverwaltung wird Braun vorgeworfen, er wolle mit seinen Texten in der Bundesrepublik eine "Mission erfüllen, die nur er voll begreift", indem er einige Gedichte allein für die Westausgaben vorsieht oder sie für diese verändert.

Brauns Intention ist es dagegen, für Menschen in beiden Teilen Deutschlands zu schreiben. In diesem Sinne kämpft er für die Publikation sowohl im Westen als auch im Osten, hat aber lange Zeit nur in der Bundesrepublik Erfolg und muss dagegen in der DDR Sanktionen für sein Verhalten akzeptieren, die er ahnt und in Kauf zu nehmen bereit ist. In der DDR haben tatsächlich sowohl die "Kursbuch"-Veröffentlichung 1966 als auch sein Verhalten gegenüber dem Suhrkamp-Verlag 1968 ein Nachspiel. Die Publikation im "Kursbuch" zieht ein zweijähriges Verbot von Reisen in den Westen nach sich. Das Einreichen der Gedichte beim Frankfurter Verlag sorgt mit dafür, dass Braun der Johannes-R.-Becher-Preis 1971 verwehrt wird.

III

Dass das Gedicht Volker Braun noch 1970 enorme Probleme bereitet, deutet auf die Brisanz des Themas Mauerbau hin. Eine differenzierte Auseinandersetzung bleibt lange Zeit ein Tabu in der DDR. So finden sich neben verherrlichenden Gedichten wenige reflektierende Werke, die sich intensiv mit dem Mauerbau und dessen Konsequenzen auseinandersetzen. Ein Vergleich mit parteinahen Gedichten zeigt, wie stark Braun von der regierungstreuen Linie abweicht. Im "Neuen Deutschland" vom 14. August 1961 ist in einem Gedicht von Herbert Berge mit dem Titel "Das hat gesessen!" zu lesen: "Ein schrilles Wutgeheul aus kalten Kriegerkehlen! / Und unter denen, die sich jetzo heißer schrein – / Wie sollten jene in dem Klage-Chorus fehlen, die Chefs in Schöneberg und in Bonn am Rhein. / (…) / Je lauter sie, die kalten Krieger, geifern / beweist, dass wir am richtgen Strange ziehn. / Und mehr noch werden künftig wir wetteifern / für Frieden, Sauberkeit in ganz Berlin." Die pauschale Verurteilung der Bundesrepublik und gleichzeitige uneingeschränkte Verherrlichung der DDR hier stehen in deutlichem Kontrast zu Brauns Text.

Sein Gedicht erscheint in der DDR erst 1972 unter dem Titel "Die Grenze" im Reclam-Verlag. Die kulturpolitischen Lockerungen nach dem Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker tragen mit zur Veröffentlichung bei. Dass es aber noch zu diesem Zeitpunkt Diskussionen um das Gedicht gegeben haben muss, zeigt ein Brief von Lektor Hubert Witt an den Verfasser des Nachwortes, Walfried Hartinger. Witt betont explizit, dass die Zusammenstellung für den "Gedichte"-Band "einschließlich der 'Grenze'" genehmigt sei: "Im Interesse des Bandes fände ich gut, wenn sich der Autor mit diesem Erfolg zufriedengeben könnte. Mehr ist wohl kaum noch zu erreichen, eher weniger."

Braun hatte das Gedicht zuvor noch einmal verändert und den Titel ausgetauscht. Der Text heißt nun "Die Grenze" statt "Die Mauer". Zudem überarbeitet er den Text an einigen Stellen. Die inhaltlichen Abwandlungen sind seinen Erfahrungen der vorherigen Jahre geschuldet, die seine Haltung zum Teil verändert haben.

Statt des Appells an das "Ihr", das in der ersten Fassung dominiert, spricht das lyrische Ich in der späteren Fassung meist vom "Wir", bezieht sich mit ein. "Wir" impliziert Gemeinschaft und Gruppenzugehörigkeit, ruft dazu auf, zusammen, nicht allein zu handeln. Diese Haltung ist auf Brauns Beobachtungen in den 1960er-Jahren zurückzuführen. Er hat erkannt, dass nur in einem Zusammenschluss etwas zu bewirken ist, Einzelaktionen oft scheitern. Gleichzeitig nimmt er alle für die Entwicklung der Gesellschaft in die Pflicht, eine Abschottung und Ausgrenzung akzeptiert er nicht mehr. Das Recht, zu kritisieren, aber nicht zu handeln, verfällt.

Braun spricht zu Menschen in Ost und West, stärker als in früheren Jahren. Dieses Verfahren ist im Kontext seiner Ernüchterung und Enttäuschung über die gesellschaftliche Entwicklung zu sehen. Braun ist deutlich kritischer geworden, er sieht sowohl in der Innen- wie in der Außenpolitik der Regierungen größere Defizite. In diesem Sinne tauscht er das Wort "Ländchen" der ersten Fassung in "Land" aus. Die Situation ist ernster zu nehmen, da die Hoffnung auf schnelle Veränderungen, die Braun zuvor getragen hat, schwindet. Dieser Eindruck bezieht sich auf die innenpolitische Situation mit der größeren Kluft zwischen Herrschenden und Beherrschten und auf außenpolitische Entwicklungen. In Bezug auf letztere stellen vor allem der Vietnamkrieg auf westlicher und die Niederschlagung des Prager Frühlings auf östlicher Seite Schockerlebnisse dar. Mit ihnen bricht ein Teil der Rechtfertigungsstrategie für die Mauer aus Brauns Sicht weg. Die Bewahrung des weltweiten Friedens und die Vermeidung jeglichen Krieges abhängig und unabhängig vom Ost-West-Konflikt waren seine wesentlichen Argumente für die Toleranz der Mauer. Sein Friedensappell an die Politiker in der ersten Fassung des Gedichtes hat sich nicht erfüllt, deshalb plädiert er nun mit dem "Wir" für den eigenen Einsatz.

Hoffnung dafür schöpft er durch die Aktivität der Jugend im Kontext und Vorfeld der 1968er Bewegung in der DDR und der Bundesrepublik. In ihr sieht er Chancen und aus ihr gewinnt er die Motivation, sein Gedicht zu publizieren und es nicht als veraltet abzulehnen. Die Studenten im Westen verfügten über das Potenzial, die Bundesrepublik in Richtung einer "neuen", einer "revolutionären" Ordnung zu entwickeln, so Braun. Die Studenten der DDR könnten dadurch Bestätigung und Ermutigung finden und die jungen Menschen in der Bundesrepublik anleiten: "Aber wird die neue Ordnung, die revolutionäre / Dort eher errichtet werden / Wenn, die sie errichten könnten, hier / Diese Ordnung erblicken als Gouvernante / Die den Stock nimmt, statt zu reden, die / Den aus dem Zimmer weist, der den Stock / nicht versteht?"

Voraussetzungen für einen Erfolg seien gegeben, da die Studenten im anderen Teil Deutschlands die richtige Einstellung hätten: "Andere Leute, die noch denken können mit all dem Zeitungspapier im Kopf, Gewerkschaftler, und Studenten, die ja nichts zu verlieren haben als ihre beschränkten Professoren, laufen herum mit Kenntnissen und Plakaten und betrachten finster die Welt."

Die Bereitschaft der jungen Menschen, etwas verändern zu wollen, sei wichtiger als der Systemgegensatz zwischen West und Ost: "Es ist ein Unsinn, diese Genossen als 'links von uns' abzuweisen, die doch nur mit vielen Mitteln versuchen, aus der Anstalt, die sie establishment nennen, auszubrechen. (…) Es ist töricht, sie, nur weil sie (wie wir!) auch mit unsern Errungenschaften nicht zufrieden sind und weil sie unsere Strategie für so wenig absolut nehmen wie die ihre, nicht als Verbündete zu sehen."

Brauns Texte wirken wie ein Versuch, diese Menschen zu ermutigen und zu fördern. Dazu verzichtet er auf die Festlegung eines starren Standpunktes, von dem aus er agiert. Er lässt sich nicht auf die Zugehörigkeit zur DDR allein reduzieren. Als "Aussprechen eines Weltgefühls, das sich nicht an ein Land klammert, sondern sich viel mehr dafür interessiert, was eigentlich die Leute aller Länder angeht", beschreibt er seine Haltung. Deshalb genügt die Kategorisierung als Deutscher ebenfalls nicht: "Als was könnten Kommunisten stehn auf gleich welchem Boden, wenn nicht als Internationalisten?"

IV

Damit wird deutlich, dass der Zustand des geteilten Deutschlands für Braun mehr ist als die Spaltung eines Landes in zwei politische Systeme. Politik geht für ihn über die Außenwahrnehmung und -darstellung hinaus, berührt vielmehr die Entwicklung des Umganges der Menschen miteinander und untereinander. Er sieht dank seines Status als Autor zumindest durch seine Texte die Möglichkeit, zwischen Ost und West zu schweben und eine Vermittlungsposition einzunehmen. Als Autor, der sich politisch versteht, sieht er sich in der Lage, durch Literatur übergreifende Thesen zu präsentieren und transportieren.

In der Realität erlebt Braun jedoch, dass sich eine solche Haltung nicht leicht realisieren lässt. Er erkennt, dass sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik viele in festen Rollenbildern denken. So kategorisieren Westdeutsche ihn bei Reisen nicht oder nicht nur als Autor, sondern als "Bürger der DDR". Die Menschen haben ein Bild von ihm, das sie bestätigt sehen wollen und das stets die politische Situation in der DDR mitdenkt. Über eine Lesung in der Bundesrepublik berichtet er, man sehe ihn ihm einen, "der was zu sagen hat nicht nur über ihren Staat, sondern über seinen Staat, weil er in ihm was zu sagen haben müsste. Als dieses Sagen ausblieb, entlud sich auf mich einiges vom Ressentiment gegen diesen Staat. Jene Texte, die am Platze waren, schienen eine ungenügende Stellungnahme, die aussieht, als hätte die DDR keine Probleme. Und da sie ungenügend schien denen, für die gelesen wurde, hatten diese Leute wirklich recht. (Als ich bei weiteren Lesungen zuerst ein Gedicht brachte, das ich in der DDR lese, waren sie 'aufgeschlossen' und nahmen nachher die Warnung vor den Entwicklungen in ihrem Staat als das, was sie sein soll: Unterstützung ihrer Arbeit, Handreichung.)"

Die Politik lässt sich nicht ausblenden, ist dauerpräsent und bestimmt die Wahrnehmung der Menschen. Literatur und Sprache dienen Braun deshalb als Vermittlungsfunktion und gemeinsamer Haltepunkt, der über die Tagespolitik hinausgehende gesellschaftliche Maßstäbe setzen kann: "Der ich von irgendwoher / (…) rede / (…) / Bin ich der eine, der außer / Allem ist, außer sich, ein Blatt nur wendet / Sonst nichts, nichts, ich / Bin hier, (…) aber was ich auch rede / Mir gilt jedes gleich / Das ich bewohne / Mit meinen Gedanken, (…) Ich bin international / Wie der Stein, den ich werfe / Auf mein Land."

Die Kehrseite dieses Spielraumes eines Autors ist der Verzicht auf eine feste Position und Haltepunkte im eigenen Leben. Es ist ein ständiger Balanceakt, der Gewissenskonflikte und Risiken mit sich bringt. Braun beschreibt dieses dauerhafte Schwanken in seinem Gedicht "Bruchstücke": "Messerscharf ist die Wahrheit. Mein Gedicht / Turnt auf der Schneide des Messers: ein Schritt zur Seite, ich stürze. Mein Blut hat die Freiheit des Seiltänzers: Hohe Kunst der Beherrschung. Tausend Möglichkeiten / Der Lüge, eine Möglichkeit der Wahrheit. Und / Ungewagter Schritt: weder Lüge noch Wahrheit! / Ungeschriebener Vers: Kapitulation! Und / Von wo den ersten Schritt tun? Wo stehn? Wo / Stellung beziehn zum neuen Tag?"

Die Frage des Wie und Ob beim "Stellung beziehn" bleibt und sorgt nicht selten für Widersprüche im eigenen Denken und Selbstzweifel. Brauns Urteile über politische Ereignisse verschieben sich im Laufe der Zeit, wie seine Gedanken zum Mauerbau zeigen. Aus dem Provozieren mit Parolen und dem Ermuntern mit Hohn der 1960er-Jahre schält sich die Einsicht in die eigene Naivität in den 1970er-Jahren und mündet 1988 in die Beschreibung der Mauer als einem "negativen mythos". Diese Formulierung deutet Brauns zunehmende Enttäuschung an. Mit dem Verweis auf den Begriff "Mythos" verurteilt er die Realitätsferne der Politik der SED, die immer noch an einem Relikt aus der Vergangenheit festhält. Seine eigene Zustimmung zum Mauerbau ist in weite Ferne gerückt und als verfehlt zu betrachten. Das Gedicht sei ein "Dokument", das von "radikalerem Denken" überholt sei, so Volker Braun 2007. Der Anspruch, den Menschen in West und Ost den gesellschaftlichen Zustand vor Augen zu führen und für sie zu sprechen, ist jedoch geblieben.

QuellentextVolker Braun

Die Mauer Die Grenze


1
Zwischen den seltsamen Städten, die den gleichen
Namen haben, zwischen vielem Beton
Eisen Draht Rauch, den Schüssen
Der Motore: in des seltsames Lands
Wundermal steht aus all dem
Ein Bau, zwischen den Wundern
Auffallend, im erstaunlichen Land
Ausland. Gewöhnt

An hängende Brücken und Stahltürme
Und was noch an die Grenze geht
Von Material und Maschinen, faßt
Der Blick doch nicht
Das hier.

Zwischen all den Rätseln: das ist
Fast ihre Lösung. Schrecklich
Hält sie, steinerne Grenze
Auf was keine Grenze
Kennt: den Krieg. Und sie hält
Im friedlichen Land, denn es muß stark sein
Nicht arm, die abhaun zu den Wölfen
Die Lämmer. Vor den Kopf
Stößt sie, das gehn soll wohin es will, nicht
In die Massengräber, das
Volk der Denker.

Aber das mich so hält, das halbe
Ländchen, das sich geändert hat mit mir, jetzt
Ist es sichrer, aber
Ändre ichs noch? Von dem Panzer
Gedeckt, freut sichs
Seiner Ruhe, fast ruhig? Schwer
Aus den Gewehren fallen die Schüsse:
Auf die, die es anders besser
Halten könnte.
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.


2
Die hinter den Zeitungen
Anbelln den Beton und, besengt
Von den Sendern, sich aus dem Staub machen
Der Baustellen oder am Stacheldraht
Brüderlich harfen und
Unter den Kirchen scharrn Tunnel: die
Blinden Hühner finden sich
Vor Kimme und Korn. Unerfindlich
Aber ist ihnen, was diese Städte
Trennt. Weil das nicht
Aus Beton vor der Stirn pappt.
Uns trennt keine Mauer

Das ist Dreck aus Beton, schafft
Das dann weg, mit Schneidbrennern
Reißt das klein, mit Brecheisen
Legts ins Gras: wenn sie nicht mehr
Abhaun mit ihrer Haut zum Markt
Zerhaut den Verhau. Wenn machtlos sind
Die noch Grenzen ändern wollen
Zerbrecht die Grenze. Der letzte
Panzer
Zerdrück sie und sie ihn.
Daß sie weg ist.

Jetzt laßt das da.
Und.
Macht nicht aus dem Beton was, das
Schießt, nicht nur das Schüsse verhindert
Vermehrt nicht, zwischen den seltsamen
Städten, die Rätsel, krachend. Baut
Das höher, aber
Schießt nicht.

3
Aber
Ich sag: es bleibt Dreck, es steht
Da durch die Stadt unstattlich,
Es stinkt zum offenen Himmel, der Baukunst
Langer Unbau, streicht ihn schwarz
Die Brandmauer, nehmt die Farbe ab
Ich sage: es ist ein
Schundbau, scheißt drauf
Denn es ist nicht
Eure Schande: zeigt sie.
Macht nicht in einem August
Einen Garten daraus, wälzt den Dreck nicht
Zu Beeten breit, mit Lilien über den Minen
Pflanzt Nesseln, nicht Nelken, was sollen
Uns, die wir ausruhn drin, Lorbeerhaine
Macht nicht wohnlich das Land dort
Wo kein Mensch wohnen kann


Schmückt das Land nicht
Mit seiner Not. Und
Laßt nicht Gras wachsen
Über der offenen Schande: es ist
Nicht eure, zeigt sie.
[Änderungen im Vergleich zu "Die Mauer" fett gedruckt]

1
Zwischen den seltsamen Städten, die
den gleichen
Namen haben, zwischen vielem Beton
Eisen Draht Rauch, den Schüssen
Der Motore: in des seltsames Lands
Wundermal steht aus all dem
Ein Bau, zwischen den Wundern
Auffallend, im erstaunlichen Land
Ausland. Gewöhnt

An hängende Brücken und Stahltürme
Und was noch an die Grenze geht
Von Material und Maschinen, faßt
Der Blick doch nicht
Das hier.

Zwischen all den Rätseln: das ist
Fast ihre Lösung. Schrecklich
Hält sie, steinerne Grenze
Auf was keine Grenze
Kennt: den Krieg. Und sie hält
Im friedlichen Land, denn es muß stark
sein
Nicht arm, die abhaun zu den Wölfen
Die Lämmer. Vor den Kopf
Stößt sie, das gehn soll wohin es will,
nicht
In die Massengräber, das
Volk der Denker.

Aber das mich so hält, das halbe
Land, das sich geändert hat mit mir,
jetzt
Ist es sichrer, aber
Ändre ichs noch? Von dem Panzer
Gedeckt, freut sichs
Seiner Ruhe, fast ruhig? Schwer
Aus den Gewehren fallen die Schüsse:
Auf die, die es anders besser
Halten könnte.
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.


2
Die hinter den Zeitungen
Anbelln den Beton und, besengt
Von den Sendern, sich aus dem Staub machen
Der Baustellen oder am Stacheldraht
Unter Brüdern geigen und
Unter den Kirchen scharrn Tunnel: die
Blinden Hühner finden sich
Vor Kimme und Korn. Unerfindlich
Aber ist ihnen, was diese Städte
Trennt. Weil das nicht
Aus Beton vor der Stirn pappt.
Uns trennt keine Mauer

Das ist Dreck aus Beton, das schaffen
Wir
dann weg, mit Schneidbrennern
Reißen wirs klein, mit Brecheisen
Und legens ins Gras: wenn sie nicht mehr
Abhaun mit ihrer Haut zum Markt
Zerhaun wir den Verhau. Wenn machtlos sind
Die noch Grenzen ändern wollen
Zerbrechen wir die Grenze. Der letzte Panzer
Zerdrück sie und sie ihn.
Daß sie weg ist.

Jetzt lassen wirs da.









3
Aber
Ich sag: es steht durch die Stadt
Unstattlich, der Baukunst langer Unbau
Streicht das schwarz
Die Brandmauer (scheißt drauf)





Denn es ist nicht
Unsre Schande: zeigt sie.
Macht nicht in einem August
Einen Garten daraus, wälzt den Dreck
nicht
Zu Beeten breit, mit Lilien über den
Minen
Pflanzt Nesseln, nicht Nelken, was
sollen
Uns, die wir ausruhn drin, Lorbeerhaine
Macht nicht wohnlich das Land dort
Wo kein Mensch wohnen kann
Vermehrt nicht zwischen den seltsamen
Städten, die Rätsel, krachend;

Schmückt das Land nicht
Mit seiner Not. Und
Laßt nicht Gras wachsen
Über der offenen Schande: es ist
Nicht unsre, zeigt sie.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Volker Braun, Werktage 1, Frankfurt a. M. 2009, S. 87.

  2. Vgl. Anneli Hartmann, Lyrik-Anthologien als Indikatoren des literarischen und gesellschaftlichen Prozesses in der DDR (1949–1971), Frankfurt a. M. 1983, S. 242.

  3. Vgl. Günter Gaus, Botschafter der Wahrheit, in: Franz Hörnigk (Hg.), Volker Braun, Arbeitsbuch, Berlin 1999, S. 132.

  4. Volker Braun, Die Mauer, in: Ders., Gedichte, Frankfurt a. M. 1979, S. 23. – Alle Zitate des Gedichts ebd., S. 23–25.

  5. Vgl. Volker Braun, Anmerkungen, in: Ders., Texte in zeitlicher Folge, Bd. 2, Halle/S. 1990, S. 101.

  6. Vgl. Christine Cosentino/Wolfgang Ertl, Zur Lyrik Volker Brauns, Königstein/Ts. 1984, S. 86.

  7. Volker Braun, Wir und nicht sie, in: Ders., Gedichte, Frankfurt a. M. 1979, S. 26. – Alle Zitate des Gedichts ebd.

  8. Gerhard Wolf, Außen-Gutachten zu Volker Brauns "Wir und nicht sie", Gedichtband, 16.4.1968, BArch, DR 1/2170/107.

  9. Ebd.

  10. Enzensberger mischt sich wie Braun in die Politik ein oder versucht es zumindest: "Ich widersetze mich heute wie eh und je dem deutschen Bürgerkrieg, zu dem auf beiden Seiten gerüstet wird. Die Möglichkeiten eines Schriftstellers, ihm zu wehren, sind gering. Ich kann mich nicht dazu bereiterklären, die Bewohner der DDR deklamatorisch zu bedauern und faktisch zu ignorieren (…).": Hans Magnus Enzensberger, Bürgerkrieg im Briefkasten, Ich spüre im Angriff aus Ost und West den gleichen Ungeist, in: Hans Werner Richter (Hg.), Die Mauer oder der 13. August, Reinbek 1961, S. 175ff, hier 176.

  11. Aus der Stenografischen Niederschrift der Sektionssitzung Literatur und Sprachpflege 2. April 1971, in: Zwischen Diskussion und Disziplin, Dokumente zur Geschichte der Akademie der Künste 1945/1950 bis 1993, Hg. Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin 1997, S. 344–346, hier 346.

  12. Braun und Enzensberger teilen die grundsätzliche Haltung, sich durch Schreiben in den gesellschaftlichen Prozess einzumischen. Beide beschäftigen sich mit der Frage, ob Literatur die Menschen beeindrucken und beeinflussen kann, die ansonsten gleichgültig eingestellt sind. Dabei spielt für sie die Kategorie der Öffentlichkeit eine Rolle. Für Braun war Enzensbergers Vorstellung davon besonders in den Anfangsjahren seines Schreibens wichtig: "Die Gedichte Mitte der sechziger Jahre waren bewusst öffentliche Gedichte – in ähnlichem Sinne, wie ihn Enzensberger versteht.": Silvia Schlenstedt, Interview mit Volker Braun, in: Weimarer Beiträge, 10 (1972), S. 41–51, hier 46. – Braun schreibt Enzensberger daneben die Fähigkeit zu, ironisch schreiben zu können und dadurch in politischen Gedichten die Missstände offen zu legen: Volker Braun, Eine große Zeit für Kunst? (Auf eine Umfrage), in: Ders., Es genügt nicht die einfache Wahrheit, Leipzig 1975, S. 22–27, hier 24. Enzensberger hatte in seinem Text "Poesie und Politik" formuliert, Dichtung sei ein "Produktionsmittel, mit deren Hilfe es dem Leser gelingen kann, Wahrheit zu produzieren.": Hans Magnus Enzensberger, Poesie und Politik, in: Ders., Einzelheiten II, Frankfurt a. M. 1962, S. 131.

  13. Vgl. Satzgenehmigung "Wir und nicht sie", 20.8.1968, BArch, DR 1/2170/142.

  14. Vgl. Deutscher Schriftstellerverband, Notiz über ein Gespräch mit Volker Braun am 17.9.1969, BArch, DR 1/2170/216.

  15. Vgl. Leiter der HV Bruno Haid an Alexander Abusch, undatiert, im Kontext zur Ablehnung der Verleihung des Johannes-R.-Becher-Preises an Volker Braun 1971, in: Holger Brohm, Die Koordinaten im Kopf: Gutachterwesen und Literaturkritik in der DDR in den 1960er Jahren, Fallbeispiel Lyrik, Berlin 2001, S. 153.

  16. Vgl. Volker Braun, Brief an Gunnar Müller-Waldeck im April 1993, zit.: Gunnar Müller-Waldeck, "Der Baukunst langer Unbau", zum Mauer-Gedicht von Volker Braun, in: SAXA, 13 (1993), S. 16.

  17. Vgl. Aus der Stenografischen Niederschrift (Anm. 11), S. 344.

  18. Vgl. Christine Horn, Mitarbeiterin der HV: "Ein anderes Problem war die Darstellung der Mauer, das war fast ein Tabu.": Dies., IRRGARTEN. Über Zensur und Staatssicherheit, ein Gespräch mit Frauke Meyer-Gosau, in: Text und Kritik, Nr. 120, 1993, S. 36–47, hier 38.

  19. Vgl. Stefan Wolle, Aufbruch nach Utopia, Alltag und Herrschaft in der DDR 1961–1971, Berlin 2011, S. 78.

  20. Hubert Witt, Brief an Walfried Hartinger, 9.8.1971, Reclam Archiv Leipzig 161, 9.8.1971.

  21. Braun schreibt in seinen Epigrammen unter der Überschrift "Vietnam": "Beifall zollt die Menge den kämpfenden Gladiatoren / Hoch vom sicheren Rang reicht sie die Äxte herab.": Volker Braun, Epigramme, in: Ders., Texte (Anm. 5), Bd. 3, S. 100–104, hier 104.

  22. Im Gedicht "Prag" heißt es: "Goldene Stadt / Die wir uns versprachen / (…) / Durchdröhnt / Aber von schwarzen Panzern / (…), die Luft riß ab / Vor dem Mund / (…) / So liegt die Stadt / Sicher, darnieder / (…) / Geschützt und beschattet / Unter der vor- / schreibenden Hand. / (…) / (Freunde (…) / Fahrt aus aus den Rissen der Zeit / Stellt eure Netze quer / In den Strom / (…) / So war es. Ich sage dafür nicht gut / Oder böse, ich zeige die Zunge / Zitternder Stift.": Volker Braun, Prag, in: Ders., Texte (Anm. 6), Bd. 4, S. 99ff.

  23. Volker Braun, Über das deutsche Gespräch zu Leipzig am 4. März 1964, in: Klaus Wagenbach u.a., Vaterland, Muttersprache. Deutsche Schriftsteller und ihr Staat seit 1945, Berlin 1979, S. 213–215, hier 214.

  24. Volker Braun, Künftige Bezirke des Sozialismus, in: Ders., Texte (Anm. 5), Bd. 2, S. 234–239, hier 235.

  25. Ebd., S. 236.

  26. Schlenstedt (Anm. 12), S. 41f.

  27. Braun, Künftige Bezirke (Anm. 24), S. 239.

  28. "Ohne Zweifel stimmt Braun parteilich mit den Grundsätzen unserer Politik überein, ohne dann als Dichter seine schöpferische Subjektivität mit kritischem Empfinden und visionären Vorauseilen einzuschränken.": Wolf (Anm. 8).

  29. Dazu kommt eine veränderte inhaltliche Position, wie auch Wolf betont: "er beharrt nicht auf heutigen Ereignissen, er will die große Perspektive, die über das Erreichte hinausweist. Hier unterscheidet sich Dichtung vom üblichen tagespolitischen Vers.": ebd.

  30. Volker Braun, Künftige Bezirke des Sozialismus (Notiz nach der Ostermarsch-Deutschland-Tournee 1968), in: Ders., Es genügt nicht (Anm. 12), S. 33–36, hier 35.

  31. Ebd., S. 35f.

  32. Volker Braun, Landverweis, in: Ders., Texte (Anm. 5), Bd. 2, S. 89–91, hier 91.

  33. Volker Braun, Bruchstücke, in: Neue Deutsche Literatur, 1/1964.

  34. "die chinesische mauer, die das land ruinierte, bewog allerdings die hunnischen reiterheere, ihre stoßrichtung zu ändern: und verursachte die völkerwanderung. die mauer war, das monumentale stückwerk, weniger verteidigungssystem als mythos, von der unüberwindlichkeit des weltreichs im süden. (…) unsere mauer ein negativer mythos, auch gerade für die inwendig wohnenden. Die nichts als hinauswollen.": Braun, Werktage (Anm. 1), S. 877.

  35. Zit.: Die Mauer, in: FAZ, 29.1.2007, S. 33.

M.A., Doktorandin der Politischen Wissenschaft, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.