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Ukrainische Displaced Persons in Deutschland

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Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? 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Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. 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Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Selbsthilfe als Mittel im Kampf um die Anerkennung als eigene Nationalität

Nazarii Gutsul Sebastian Müller

/ 23 Minuten zu lesen

Nach 1945 gab es auf dem Gebiet der drei westlichen Besatzungszonen etwa 6,5 bis 7 Millionen sogenannte Displaced Persons - Überlebende der Konzentrationslager, Zwangsarbeiter und zivile osteuropäische Arbeiter. Eine gesonderte Gruppe stellten die Ukrainer dar. In der Hoffnung auf einen unabhängigen Staat hatten sie die Deutschen und ihre Wehrmacht gegen die Rote Armee unterstützt und standen nun auf der Seite der Verlierer.

Territoriale Neuordnung in Osteuropa

Nach der militärischen Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands sahen sich die Alliierten nicht nur mit der Aufgabe konfrontiert, eine Nachkriegsordnung für die Besiegten zu erstellen, sondern sie mussten sich auch um eine große Anzahl an Opfern des Dritten Reiches kümmern: Überlebende der Konzentrations- und Vernichtungslager, Kriegsgefangene und Millionen Zwangs- beziehungsweise Ostarbeiter. Bereits während des Krieges gründeten die Alliierten die United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA). Sie sollte die Aufgabe übernehmen, die sogenannten Displaced Persons (DP) in Lagern zu sammeln, zu registrieren und zu versorgen, um sie schließlich in ihre Heimatstaaten zu repatriieren. Die UNRRA hatte sich nach den Vorgaben des Supreme Headquarters of the Allied Expeditionary Forces (SHAEF) zu richten, wie es im SHAEF-UNRRA-Agreement vom 25. November 1944 festgehalten wurde.

Unter den DPs gab es aber mehrere Zehntausende, die eine Heimkehr aus diversen Gründen verweigerten. Am Beispiel der ukrainischen DPs kann gezeigt werden, wie heterogen ihre Motive hierfür waren. Mitglieder der Organisation der Ukrainischen Nationalisten (OUN) etwa hatten nach dem Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion gehofft, einen eigenen Staat gründen zu können und deshalb aktiv den Vormarsch der Wehrmacht gegen die Rote Armee unterstützt. Zentral ist hier vor allem die Person Stepan Banderas. Bandera gehörte dem radikalen, faschistischen Flügel der OUN, auch OUN-B genannt, an. Mittels deutscher Hilfen hob sie die militärischen Einheiten "Roland" und "Nachtigall" aus, die sich am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligen sollten, ihre Aktionen aber auch gegen die Polen richteten. Die OUN-B sah die Truppen als Voraussetzung für eine unabhängige Ukraine, die schließlich am 30. Juni 1941 Yaroslav Stets’ko unter Billigung Banderas in Lemberg ausrief. Die Deutschen hatten jedoch kein Interesse an einer eigenständigen Ukraine: Führende Köpfe der OUN wie Bandera wurden Anfang Juli 1941 verhaftet und in Lagern interniert. Daneben gab es unter den ukrainischen DPs Kollaborateure, die der deutschen Besatzungsmacht bei der Ausplünderung des Landes geholfen oder sich in ukrainischen SS-Verbänden an der Gettoisierung und Ermordung der Juden beteiligt hatten.

Die Mehrzahl der sogenannten Repatriierungsverweigerer hatte jedoch ein ganz anderes Problem: Das Jalta-Abkommen zementierte die Verschiebung der Grenze der Sowjetunion nach Westen auf Kosten polnischen Territoriums. Das hatte zur Folge, dass Polen und Ukrainer auf einmal Sowjetbürger wurden, wenn sie in ihre Heimatorte zurückkehrten. Die UNRRA-Statuten und das SHAEF-Memorandum Nr. 39 ließen zudem eine nationale Definition "Ukrainer" nicht zu, da die Ukraine als Staat nicht existierte. Dementsprechend mussten sich die betroffenen DPs entweder als Polen oder als Sowjetbürger definieren.

Diejenigen, die in ihre Heimat zurück wollten, die nun auf sowjetischem Gebiet lag, "[...] wußten, daß die sowjetische Führung ihre in Deutschland geleistete Zwangsarbeit als 'Arbeit für den Feind' werten würde und befürchteten für sich das Schlimmste." Die Repatriierten erwartete vor und hinter der sowjetischen Grenze ein ausgedehntes Lagersystem, in dem alle einer Befragung unterzogen wurden, um antisowjetische Einstellungen aufzuspüren und Kollaborateure ausfindig zu machen. Nachgewiesenen Kollaborateuren drohten spezielle Arbeitslager oder gleich die Hinrichtung. Diejenigen ukrainischen DPs, die sich als Polen definierten, waren ebenfalls von einer Weiterüberführung in die Sowjetunion bedroht.

Im Folgenden soll dargestellt werden, welche Strategien Ukrainer entwickelten, um der Repatriierung zu entgehen. Vor allem ist das Ringen um Anerkennung als eigene, ukrainische Nationalität zu nennen, um als "Staatenlose" laut UNRRA-Statuten Anspruch auf Unterstützung zur Emigration in Drittländer zu erhalten. Da den Ukrainern aber die internationale Lobby größerer Diaspora-Gemeinden fehlte, waren sie darauf angewiesen, sich selbst zu helfen. Herausgestellt werden soll die zentrale Rolle der Tsentral'ne Predstavnytstvo Ukraiins'koi Emihratsii (TsPUE), die nach ihrer Gründung maßgeblich das Leben der ukrainischen DPs koordinierte.

Zudem wird anhand des Ukrainian Labor Camp in Gießen der Alltag in einem ukrainischen DP-Camp unter der Aufsicht der International Refugee Organization (IRO) dargestellt. Anhand von teilweise unbearbeiteten Aktenbeständen aus Archiven und von Privatpersonen (Mikrofiche aus dem Staatsarchiv Darmstadt, Akten aus der Ukrainischen Freien Universität (UFU) München, Familienalbum Kurdydyk) soll gezeigt werden, wie sich die TsPUE bemühte, ihre Landsleute für eine Aufnahme in Drittländer zu qualifizieren. Während der erste Teil eine Makroperspektive auf die ukrainischen DPs als "moving actors" bietet, zeigt der zweite Teil eine Mikroperspektive.

I. Das Ringen um Anerkennung als Nationalität: Ukrainische DPs zwischen 1945-1947

Noch vor Ende des Krieges formierten die Ukrainer eigene Gemeinschaften und Selbsthilfe-Komitees in den befreiten Gebieten und baten die Westalliierten um Unterstützung für ihre Interessen. So wollten sie den sowjetischen Repatriierungsoffizieren selbst die Namen derjenigen Ukrainer übermitteln, die eine Rückkehr in die Heimat wünschten. Zu begründen ist dieser Wunsch mit der Furcht, von den Sowjets als Kollaborateure betrachtet und Repressalien ausgesetzt zu werden. Ab Juni 1945 begannen sie, ihre Aktivitäten zu koordinieren. Sie planten, eigene "Assembly-Center" für Ukrainer einzurichten, um diejenigen schützen zu können, die nicht zurückkehren wollten. Zudem wollten sie Kontakte zu internationalen Organisationen und Diplomaten knüpfen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und sich mit den Ukrainern in der Diaspora – vor allem in Kanada und den USA – besser zu vernetzen. Diese Forderungen formulierten die Führer verschiedener ukrainischer Gemeinschaften aus den westlichen Besatzungszonen auf einem gemeinsamen Treffen am 25. Juni 1945 im DP-Camp Heidenau bei Hamburg.

Doch die Besatzungsmächte waren, bis auf Einzelfälle bei den US-Amerikanern, den ukrainischen DPs gegenüber wenig aufgeschlossen. Bittschriften blieben unbeantwortet. Im Gegenteil, die Militärs verfolgten weiterhin die Strategie der Zwangsrepatriierung, ganz im Sinne des SHAEF-Memorandums "regardless of their individual wishes". Während der Zusammenstellung der Transporte kam es teilweise zu dramatischen Szenen: Die DPs brachen mit Weinkrämpfen zusammen, schrien, rissen sich die Kleider vom Leib, versuchten, die Soldaten gewaltsam am Zutritt zu Lagern zu hindern, manche begingen sogar, mitunter gemeinschaftlich, Selbsttötungen. Um der Repatriierung zu entgehen, bezeichneten sich viele Ukrainer als Staatenlose. Dieser Terminus findet sich zwar sowohl in den Statuten der UNRRA als auch im SHAEF-Memorandum, sollte aber explizit bei sowjetischen DPs, zu denen die Ukrainer gezählt wurden, nicht angewendet werden. Doch die Westalliierten kamen in Erklärungsnöte, da sie den baltischen DPs, deren Heimatländer aus westalliierter Sicht durch die Sowjetunion widerrechtlich annektiert worden waren, den Sonderstatus als "political entities" zugestanden und darüber hinaus "jüdisch" als Nationalität akzeptiert hatten, dieses Recht den Ukrainern aber vorenthalten wollten. Vor allem die US-amerikanischen Besatzungsbehörden verhielten sich hinsichtlich der Repatriierung ukrainischer DPs bald uneinheitlich. Bereits ab Juli 1945 galten sie häufig inoffiziell als "Staatenlose", ab dem 16. November 1945 wurde diese Bezeichnung dann offiziell. Dennoch blieb weiterhin unklar, wie künftig mit ihnen verfahren werden sollte. Schon vorher hatten die ukrainischen Selbsthilfe-Komitees ihre "Landsleute" aufgefordert, sich in die amerikanische Zone zu begeben, da sie dort vor Zwangsrückführungen relativ sicher waren.

Um gegenüber den Militärbehörden mit einer Stimme sprechen zu können, planten führende Köpfe der ukrainischen DPs, allen voran Vasyl‘ Mudryj, eine zentrale Dachorganisation der Selbsthilfe-Komitees zu gründen. Obwohl den DPs politische Aktivitäten eigentlich verboten waren und Zonenübertritte nur nach Genehmigung erfolgen durften, konnten sie sich dennoch untereinander über ihre Ziele verständigen. Teilweise reisten sie illegal von Lager zu Lager oder nutzten Mitarbeiter bei der Armee als Boten. Mudryj bat schließlich die US-Amerikaner und die UNRRA darum, am 29. Mai 1945 eine Konferenz in Aschaffenburg abhalten zu dürfen. Dort wurde die TsPUE mit Genehmigung der Alliierten gegründet.

Vorsitzender wurde der Westukrainer Mudryj, mit Mykhailo Vetukhi wurde ein Ostukrainer Vizepräsident, um einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessenlagen der DPs aus der Ost- und Westukraine zu ermöglichen. Zu den Zielen der TsPUE gehörten die legale, moralische und materielle Unterstützung aller ukrainischen Flüchtlinge und die Repräsentation derjenigen Wohlfahrts- und nicht-politischen Organisationen, die sich der TsPUE anschlossen. Diese sollte zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle für Hilfe und Kontakte werden und den Ukrainern eine Stimme verleihen.

Die TsPUE finanzierte sich vor allem aus Spenden der Diaspora in Kanada oder den USA und organisierte sich in mehreren Arbeitsgruppen, die Programme für die ukrainischen DPs entwickelten. Es gab solche, die sich mit den Themen Arbeit und Beruf, Rechtshilfe, Fürsorge, Finanzen, Jugend und Frauen beschäftigten. Ein Bereich kümmerte sich um Bildung und Kultur und sollte vor allem das ukrainische Identitätsgefühl stärken. Damit setzte sich die TsPUE allerdings über UNRRA-Vorgaben hinweg, die zwar Allgemeinbildung vorsahen, aber keine geschichtspolitische Indoktrinierung, die gegen einen beteiligten Staat, hier die UdSSR, zielte. Die Informationssektion gab mehrere Zeitungen heraus, die sich inhaltlich vor allem gegen die Repatriierung aussprachen. Damit offenbarte sich die Stoßrichtung des neu gegründeten Dachverbandes. Sowohl nach innen als auch nach außen wurden zwei zentrale Forderungen der Konferenz von Aschaffenburg propagiert: Zum einen sollten die Zwangsrepatriierungen gestoppt und zum anderen das Recht der Ukrainer auf politische Emigration anerkannt werden.

Wolfgang Jacobmeyer hält daher auch fest, dass sich in der TsPUE vor allem die Verweigerer einer Rückkehr sammelten. Doch die Haltung gegenüber der Repatriierung war keineswegs einheitlich. Vor allem die ostukrainischen DPs, die größtenteils zur Zwangsarbeit in das Deutsche Reich deportiert worden waren, erwogen eine Rückkehr. Die Westukrainer hingegen, sowohl Zwangsarbeiter als auch Flüchtlinge, schlossen dies mehrheitlich für sich aus und träumten weiterhin von einem ukrainischen Staat. Mitglieder der OUN, insbesondere der Bandera-Fraktion OUN-B, hatten einen starken Einfluss auf die (west-)ukrainischen DPs. "Both nationalists and democrats agreed that Ukrainians were a distinct people and that the Ukrainian DPs should not return home as long as their native land was dominated by a foreign power, in this case the Soviets, who were at bottom 'Russians'. Both saw the creation of an independent Ukrainian state as the ultimate goal." Die OUN-B schreckte auch nicht vor gewaltsamen Methoden gegenüber denjenigen zurück, die sich ihrer Linie widersetzten. Die Dominanz der OUN-B dürfte nicht zuletzt aus dem Umstand herrühren, dass Stepan Bandera in München lebte, der als Galionsfigur der ukrainischen Nationalisten immer noch einen großen Einfluss hatte und über Mittelsmänner Kontakt zu ihm ergebenen Mitgliedern der OUN-B in den DP-Lagern hielt.

Das konsequente Auftreten der TsPUE gegen die Repatriierung und ihre gleichzeitig sehr effektive Selbsthilfe stellten die Besatzungsbehörden und die UNRRA zunehmend vor Probleme. Sie begannen, die Ukrainer in separate Lager zu überführen, übten sie doch auf andere Nationalitäten wie die Polen einen "schlechten Einfluss" aus. Bis zur offiziellen Anerkennung einer ukrainischen Nationalität dauerte es noch etwas, doch "[...] durch die Konsolidierung dieser Gruppe in Nationallagern [war eine] nationale Versäulung der ukrainischen DPs nicht mehr zurückzunehmen". Bis 1946 hielten die westlichen Besatzungsbehörden offiziell an der "Zwangsrepatriierung" fest, doch sie setzten diese sehr unterschiedlich um. Während die US-Amerikaner bereits seit Ende 1945 davon absahen, die ukrainischen DPs gegen ihren Willen zu repatriieren, behielten die Briten diese Praxis offiziell bis zum Juni 1946 bei. Der Widerstand gegen die Repatriierung gestaltete sich zunehmend auch nationalitätenübergreifend. Vor allem Polen und Ukrainer beschafften sich alsbald gegenseitig neue Identitäten, indem sie DP-Ausweise fälschten. Man bemühte sich nun auch gemeinsam um die Anerkennung als politische Flüchtlinge.

Da die Besatzungsmächte und die UNRRA nach wie vor nicht bereit waren, eine ukrainische Nationalität anzuerkennen, wurde für sie ab August 1946 das Label "undetermined" verwendet. Damit hatten die Ukrainer eines ihrer Ziele erreicht: Wenn ihre Herkunft unklar war, konnten sie auch nicht repatriiert werden. In der alltäglichen Arbeit mit den DPs hatte sich bereits der Nationalitätenbegriff "ukrainisch" durchgesetzt. Jedoch erst ein Vorläufer der IRO, das Inter-Governmental Committee for Refugees führte als erste Organisation offiziell die Kategorie "Ukrainer" ein, als es mit der Registrierung der Nicht-Repatriierbaren begann. Als dann die IRO gegründet wurde, trat deren Preparatory Commission (PCIRO) an die TsPUE heran, um die künftige, gemeinsame Arbeit zu besprechen. Am 14. Dezember 1948 wurde sie schließlich das offizielle Repräsentationsorgan der Ukrainer und nahm seitdem an den IRO-Sitzungen teil. Dies bedeutete die endgültige Anerkennung der Ukrainer als eigene Nationalität, die TsPUE war bestimmend für das künftige Schicksal der ukrainischen DPs.

II. Das Ukrainische Arbeiterlager in Gießen (1948-1949)

Um die Kosten für den Unterhalt der DP-Lager zu senken, hatte die UNRRA bereits seit 1946 begonnen, DPs in Arbeitsverhältnisse zu vermitteln. Dafür richtete sie sogenannte "Arbeiterlager" für die DPs ein, insbesondere für Polen, Esten, Litauer, Letten und Ukrainer, die den größten Teil der heimatlosen Personen bildeten. Die IRO übernahm diese Praxis und so entstand 1948 auch in Gießen eines der Lager für ukrainische DPs, das Ukrainian Labor Camp (ukrainisch "Robitnyča Oselja", deutsch "Heim für Arbeiter").

Den Aufbau des Lagers koordinierte ein gewisser Herr Stepanenko, Referent zur Organisation der Arbeit beim TsPUE, der bis Ende Dezember 1947 in Aschaffenburg im DP-Camp Lagarde-Kaserne lebte und im Januar 1948 nach Gießen kam. Er bildete vor Ort einen Stab aus fünf Personen. Dieser wurde durch das Vereinigte ukrainische Amerikanisch-Kanadische Komitee bei der IRO als Lageradministration geordert. Das Komitee hatte die Planung des Lagers übernommen, der neu gebildete Stab sollte diese in Gießen umsetzen.

Die Vorarbeiten im Dezember 1947 waren erfolgreich, sodass das Lager schon im Januar 1948 eröffnet werden konnte. Es wurde von der Labor Service Company in Gießen in der Licher Straße verwaltet. Die Gebäude beziehungsweise Baracken des Lagers befanden sich etwa acht Kilometer östlich des Stadtzentrums.

Die ersten ukrainischen DPs trafen am 23. Januar 1948 in Gießen ein. Sie kamen aus verschiedenen DP-Lagern der US-amerikanischen Besatzungszone, etwa aus Aschaffenburg, Cornberg, Mainz-Kastell oder Korbach. Die Arbeitergruppen wohnten zuerst in Holzbaracken. In wenigen Wochen richteten sie ein Kanalisationssystem sowie Wasser- und Stromleitungen ein und sanierten einige Wohnräume. Schon im April 1948 wohnten 217 Personen dort: etwa 130 von ihnen waren weiter mit dem Ausbau des Lagers beschäftigt, zehn arbeiteten bereits im US-Depot.

Ukrainische DPs beim Aufbau des Lagers in Gießen (© Familienalbum Kurdydyk)

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Lagers wurden in 20 "englischen Baracken", sogenannten "Nissenhütten", und in 4 Holzbaracken untergebracht. In einer Metallbaracke wohnten 28 Personen, überwiegend alleinstehende Männer und in kleinerer Zahl Frauen. In den Holzbaracken lebten Familien. Diese Unterkünfte waren zwar größer, bestanden aus je 23 Zimmern, boten aber normalerweise nur 40 Personen Platz. Tatsächlich wurden diese Räume durchschnittlich mit 50-70 Einwohnern belegt.

Mit der US-Armee wurden die Regeln für das Ukrainian Labor Camp festgelegt. Im Lager durften Personen wohnen, die im US-Depot arbeiteten. Auch die Mitarbeiter der Lageradministration, Lagerpolizei und Hausverwaltung erhielten hier eine Unterkunft. Die Familien der Arbeiter lebten in den separaten Lagerbaracken. Die Personen, die aus ihren Beschäftigungsverhältnissen entlassen wurden, mussten dieses Lager zusammen mit ihren Familien innerhalb kürzester Zeit verlassen. Die Bewohner waren verpflichtet, die Aufgaben und Erlasse des Lagerdirektors (beziehungsweise Lagerkommandanten) auszuführen, der von der US-Militärverwaltung ernannt wurde. Alle Beschäftigten hatten die vorgeschriebenen Arbeitsstunden zu leisten und durften ihre Arbeitsplätze nicht ohne Genehmigung verlassen. Wer gegen diese Regel verstieß oder nachweislich des Diebstahls, der Sabotage oder "antigesellschaftlicher Provokationen" überführt worden war, wurde sowohl aus dem Arbeitsverhältnis als auch aus dem Lager entlassen. Die Verwaltung des Lagers wollte die Aufnahme von "unsicheren" Personen vermeiden, um den Ruf der Ukrainer zu pflegen. Im April 1948 bestand die Verwaltung des Camps aus insgesamt acht Abteilungen. Die Aufgaben und Arbeitseinsätze wurden von der Arbeitsabteilung koordiniert. In Krankheitsfällen sollten die Arbeiter sofort den Lagerarzt aufsuchen und eine "Befreiung" beantragen. Wer aus anderen Gründen die Arbeitsstelle verlassen wollte, hatte dem Vorgesetzten oder der Arbeitsverwaltung Bescheid zu geben.

Alltag im Arbeiterlager

Metal- und Holzbaracken des Lagers (© Familienalbum Kurdydyk)

Der Lager-Alltag verlief nicht problemlos. Es gab eine Reihe von Schwierigkeiten wie beispielsweise fehlendes Baumaterial, Verpflegungs- und Disziplinmängel. Problematisch war auch die ungleiche Behandlung der ukrainischen und nicht-ukrainischen Mitarbeiter des US-Depots durch die US-Amerikaner. Die ukrainischen Arbeiter bekamen für ihre Arbeit eine normale Tagesration von 2.500 Kilokalorien. Im Gegensatz dazu erhielten die polnischen und baltischen DPs und die deutschen Mitarbeiter zu der normalen auch noch eine Ration "für Schwerarbeitende", also insgesamt circa 3.200 Kilokalorien. Zum Mittagessen erhielten die nicht-ukrainischen DPs eine Soldatenration, unter den DPs auch "amerikanisches Mittagessen" genannt. Manche ukrainische DPs ließen sich als Balten registrieren und zogen in die baltischen DP-Lager nach Hanau, Frankfurt oder Marburg, um bessere Arbeitsbedingungen zu erlangen. Die Ukrainer bekamen zudem weniger Lohn und Tabak, welcher auch als Zahlungsmittel galt. Ein durchschnittlicher, ukrainischer DP konnte damals zwischen 77 und 86 Pfennig pro Stunde, etwa 140-160 Deutsche Mark im Monat, verdienen. Die Abteilungsleiter, Dolmetscher und Stenografen verdienten zwischen 200 und 220 Deutsche Mark im Monat. Die ukrainischen Arbeiter gehörten überwiegend der orthodoxen oder griechisch-katholischen Kirche an. Dennoch mussten sie während ihrer religiösen Feste arbeiten, an katholischen Feiertagen hatten sie dagegen arbeitsfrei.

Auf Anweisung der US-Militärverwaltung übernahm hauptsächlich die IRO-Verwaltung in Fulda die Versorgung des ukrainischen DP-Camps in Gießen, stattete das Lager mit Lebensmitteln und Materialien aus. Die Ausgabe von Heizmaterial, warmen Bettdecken und warmer Kleidung wurde jedoch stark begrenzt. Aus Sicht der Verwaltung des Arbeiterlagers in Gießen erhöhte die IRO die Hilfsrationen deshalb nicht, weil sie kein wirkliches Interesse am Aufbau des Lagers hatte. Die ukrainischen DPs betonten, dass in anderen DP-Camps jeder Beschäftigte in ausreichendem Maße Anspruch auf warmes Bettzeug und entsprechende Kleidung hatte, damit er seine Arbeit besser ausüben konnte. Vermutlich hatte die IRO-Verwaltung in Fulda jedoch keine ausreichenden Geldmittel, um das neue, ukrainische DP-Camp in Gießen weitergehend zu versorgen. Deswegen meinten ukrainische DPs, dass sie in Gießen benachteiligt würden.

Die Verwaltung des ukrainischen Arbeiterlagers Gießen war mit dem Vertrag zwischen dem TsPUE und der IRO unzufrieden. Das Abkommen war ohne Wissen über ähnliche Verträge mit anderen DP-Nationalitäten unterschrieben worden. Sie wollte die Konditionen neu verhandeln, da ansonsten kein ukrainischer Arbeiter mehr nach Gießen kommen würde. In späteren "Sonderverhandlungen" mit den US-Amerikanern verpflichtete dich die IRO gegenüber den Ukrainern, 300 bis 500 Arbeitsplätze im US-Depot anzubieten, je nachdem, wie viele Arbeiter die TsPUE stellen konnte. Dann sollten sie einerseits bessere Verpflegung erhalten und andererseits eine selbstständige Arbeitsgruppe mit einem eigenen, ukrainischen Leiter bilden können, der wiederum die ukrainischen Interessen statt der TsPUE gegenüber den lokalen DP- und US-Behörden vertreten sollte.

Die ukrainischen LKW-Fahrer aus dem US-Depot, Gießen, 1948 (© Familienalbum Kurdydyk)

Im April 1948 umfasste der ukrainische Arbeiteranteil im US-Depot nur zehn Personen. Diese waren nicht als Mechaniker oder Kraftfahrer qualifiziert, sondern Ungelernte, daher verrichteten sie meist niedere Arbeiten. Häufig wurden sie auf die deutschen Arbeitsgruppen aufgeteilt. Deshalb wollte die Verwaltung aus den ukrainischen DP-Camps hochqualifizierte Arbeiter nach Gießen abwerben. Sie hoffte, durch diesen Zuwachs eine eigene Branche im US-Depot übernehmen zu können. Letztlich sollte auch bewiesen werden, dass Ukrainer "gute Arbeiter" waren.

Die Schwierigkeiten mit der IRO zeigten sich auch in anderen Bereichen. So sollte sie alle zwei Wochen für Ukrainer den Besuch eines "Wanderkinos" in Gießen unterstützen, was aber mit dem Hinweis verweigert wurde, dass im "Arbeiterlager" weniger als 200 Personen wohnten. Und obwohl die Verwaltung des Lagers sogar versprach, einen doppelten Preis für die Kinotickets zu zahlen, blieb die Antwort der IRO negativ. Die finanzielle Lage der IRO war nicht im besten Zustand, deswegen konnten ihre Mitarbeiter nicht immer eine ausreichende Hilfe für DPs anbieten.

Lager-Referent für Kulturangelegenheiten Kurdydyk (© Familienalbum Kurdydyk)

Bezüglich des Kulturlebens und anderer Dienstleistungsaktivitäten waren der Direktor des Lagers und der zuständige Kulturreferent ideenreich. Sie sammelten Bücher für eine kleine Bibliothek und gründeten einen "Arbeiterklub", um dort Konzerte, Theaterstücke und andere Veranstaltungen aufzuführen. Des Weiteren wurden Rundfunkempfänger angeschafft sowie ein Friseur und eine Schneiderei eröffnet.

Es muss unterstrichen werden, dass Unverheiratete und Männer, deren Familien in anderen DP-Lagern blieben, bevorzugt zum Arbeitseinsatz nach Gießen kommen durften, Verwandte wurden nur in begrenzter Zahl im Lager aufgenommen. Denn die Lager dienten in erster Linie dafür, die Arbeitskraft der meist männlichen Ukrainer zu nutzen und somit ihre Chancen auf die Aufnahme in das Resettlement-Programm der IRO zu erhöhen. Die Aufnahme in dieses Programm bedeutete für die Ukrainer bessere Möglichkeiten nach Übersee auszuwandern.

Die Einwanderungsbestimmungen potenzieller Aufnahmestaaten, vor allem Kanadas und Australiens, änderten sich nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem aufgrund fehlender Arbeitskräfte. Diese hoffte man auch in den DP-Camps Europas zu finden. Mitunter waren die neuen Einwanderungsprogramme zunächst unter anderem gegenüber Ukrainern sehr restriktiv. Über letztere wurde in innergesellschaftlichen Debatten zum Beispiel die Besorgnis geäußert, sie könnten sowjetische Propaganda transportieren. Balten waren dagegen beliebt, aufgrund ihres vermeintlich höheren Bildungsgrades und ihres westeuropäischen Aussehens.

Ende 1949 wurde das ukrainische Arbeiterlager in Gießen aufgelöst. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner wanderten nach Übersee aus, während die wenigen Zurückgebliebenen, wie Kranke, Behinderte oder ältere Bewohner, in bayerische DP-Camps umgesiedelt wurden.

Fazit

Betrachtet man die Geschichte der ukrainischen DPs zwischen 1945 und 1949, lässt sich die Beschreibung der DPs als "moving actors" anhand vieler Faktoren belegen. Es gelang ihnen – trotz fehlender beziehungsweise geringer Lobby – die Weltgemeinschaft auf ihre Lage aufmerksam zu machen und sie für ihre Interessen zu sensibilisieren. Ausgangspunkt hierbei waren vor allem die bayrischen DP-Camps. Von hier aus organisierten führende Köpfe den Widerstand gegen die Repatriierung. Gegenüber den Besatzungsmächten und der UNRRA gelang dies bis November 1945 häufig nur durch die Leugnung der eigenen Herkunft. Innerhalb der DP-Lager wurde jedoch bereits früh eine eigene, ukrainische Nationalität und also auch Identität betont. Diese Abgrenzung war zugleich eine Sammelbewegung, in deren Folge ukrainische DPs in Lager übersiedelten, in denen sich bereits größere Gruppen ihrer "Landsleute" niedergelassen hatten. Deren Selbstbewusstsein wurde dadurch gestärkt und führte schließlich zur Gründung der TsPUE, die nicht nur mit einer Stimme nach außen sprach, sondern auch weiterhin homogenisierend nach innen wirken sollte.

Die Aktivitäten der TsPUE waren bereits seit ihrer Gründung davon geprägt, die DPs durch Arbeitseinsätze unentbehrlich zu machen, um sie vor den Rücktransporten zu bewahren. Als die UNRRA ab 1946 und später die mit wesentlich weniger Budget ausgestattete IRO auf Druck der Besatzungsmächte dazu übergingen, einen Teil der Kosten für die DPs durch diese selbst erwirtschaften zu lassen, konnte die TsPUE diese Forderung schnell umsetzen. Die Bereitschaft unter den Ukrainern, sich dieser "Zwangsmaßnahme" zu unterwerfen, war höher als bei anderen DP-Nationalitäten, da sie hofften, so für sich zu werben und Vorbehalte abbauen zu können. Daher war die TsPUE bestrebt, die ukrainischen DPs in eigenen Arbeiterlagern wie in Gießen zum einen weiter auszubilden, zum anderen deren "Tüchtigkeit" anzupreisen. Vor allem ihre Arbeitskraft und ihr Arbeitswille führten schließlich dazu, dass Kanada und dann Australien größere Kontingente an ukrainischen DPs anwarben. Bis heute gibt es in diesen beiden und auch anderen Staaten viele Zeugnisse der ukrainischen Auswanderung aus den DP-Camps in die Welt. Der Artikel präsentiert einen Teil der Rechercheergebnisse des studentischen Projektes "Displaced Persons in Mittelhessen 1945-60. Miteinander, Nebeneinander oder Gegeneinander?" Es wurde in das Förderprogramm der Geschichtswerkstatt Europa für die Erforschung der Nachkriegsgeschichte Europas aufgenommen und mittels der Gelder der Stiftung EVZ im Laufe des Jahres 2012 realisiert.

Zitierweise: Nazarii Gutsul und Sebastian Müller, Ukrainische Displaced Persons in Deutschland. Selbsthilfe als Mittel im Kampf um die Anerkennung als eigene Nationalität, in Deutschland Archiv, 30.6.2014, http://www.bpb.de/187210

Fussnoten

Fußnoten

  1. Malcolm J. Proudfoot, European Refugees 1939-52. A Study in Forced Population Movement, London 1957, S. 98-100.

  2. Wolfgang Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945-1951, Göttingen 1985, S. 33; Anna Holian, Between National Socialism and Soviet Communism. Displaced Persons in Postwar Germany, Ann Arbor 2011, S. 43.

  3. Andere Mitglieder der OUN-B tauchten ab und bildeten ab 1942 den zentralen Kern der Ukrajinska Powstanska Armija (UPA), die im Namen Banderas mittels terroristischer Methoden weiter für die unabhängige Ukraine kämpfte, vgl. David R. Marples, The Resurrection of a Ukrainian National Hero, in: Europe-Asia Studies 58 (2006) 4, S. 555-566, hierzu S. 560-562.

  4. Hinsichtlich der ukrainischen DPs Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 106-107. Jacobmeyer erwähnt diesen Verdacht im Zusammenhang mit baltischen DPs, vgl. Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer (Anm. 2), S. 80-81. Der Vorwurf der Kollaboration wurde während und nach dem Krieg vor allem seitens der Sowjetunion, nicht selten pauschal, gegen alle erhoben, die mit den deutschen Besatzungsbehörden zusammenarbeiteten oder im Deutschen Reich als Ost- oder Zwangsarbeiter arbeiteten. Die Westalliierten teilten diese Sichtweise kurz nach Kriegsende meistens nur hinsichtlich der Ermordung der Juden. Die heutige Geschichtswissenschaft sieht den Begriff Kollaboration differenzierter, vgl. Grzegorz Motyka, Der polnisch-ukrainische Gegensatz in Wolhynien und Ostgalizien, in: Bernhard Chiari (Hg.), Die polnische Befreiungsarmee. Geschichte und Mythos der Armia Krajowa seit dem Zweiten Weltkrieg, München 2003, S. 531-548, hierzu S. 533 und 539.

  5. Die erste Resolution der UNRRA im Dezember 1943 definierte unter Punkt 5, wer Hilfe erwarten konnte. Sie sprach von "Angehörigen der Vereinten Nationen", also den Staaten bzw. von den Alliierten anerkannten Exil-Regierungen, welche das Gründungspapier der Vereinten Nationen unterzeichnet hatten. Zu den UNRRA-Statuten vgl. United Nations Relief and Rehabilitation Administration, A Compilation of the Resolutions on Policy. First and Second Sessions of the UNRRA Council, Appendix III, Punkt 5, S. 89, in: Externer Link: http://hdl.handle.net/2027/mdp.35112101302927?urlappend=%3Bseq=101, Washington D.C. 1944, letzter Zugriff am 29. Juli 2012. Der Begriff "Displaced Persons" wurde zum ersten Mal im SHAEF-Outline-Plan im Juni 1944 verwendet. Das Militär gab hier die Richtlinien vor, nach denen die Versorgung der DPs durch die UNRRA stattfinden sollte. Die endgültige Definition von DPs gab die SHAEF in ihrem Memorandum No. 39 heraus, Appendix B, in: Proudfoot, European Refugees (Anm. 1), S. 446-447.

  6. Ulrike Goeken-Haidl, Repatriierung in den Terror? Die Rückkehr der sowjetischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen in ihre Heimat 1944-1956, in: Wolfgang Benz und Barbara Distel (Hg.), Zwangsarbeit, Dachauer Hefte, Bd. 16, Dachau 2000, S. 190-209, hierzu S. 200-201.

  7. Marta Dyczok, The Grand Alliance and Ukrainian Refugees, Basingstoke u.a. 2000, S. 56-62; Goeken-Haidl, Repatriierung in den Terror? (Anm. 6), S. 203-209. Goeken-Haidl spricht von etwa 157.000 sowjetischen Repatriierten, die seit der Einrichtung der Repatriierungslager hingerichtet wurden, die Zahl derjenigen, die anderen Strafmaßnahmen unterzogen wurden, bleibt unklar. Weder Dyczok noch Goeken-Haidl merken an, ob gewisse Nationalitäten genauer untersucht wurden.

  8. Die United States Forces European Theater (USFET) berichtete davon Ende 1946 in einem Schreiben an das War Department, vgl. Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer (Anm. 2), S. 76. Während des Krieges war es zu brutalen Gewaltakten zwischen der national-polnischen Armia Krajowa und der ukrainischen Untergrundarmee Ukraiin'ka Povstans'ka Armiia (UPA) gekommen. Um den Unruheherd im östlichen Landesteil zu befrieden, hatten sich die sowjetische und die neue polnische Regierung im September 1944 auf ein Repatriierungsabkommen geeinigt. Danach wurden alle Ukrainer Polens in die Sowjetunion und umgekehrt alle Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten nach Polen umgesiedelt.

  9. Zentrale Repräsentation der Ukrainischen Emigration.

  10. Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer (Anm. 2), S. 76; Dyczok, The Grand Alliance (Anm. 7), S. 66-67; vgl. auch Anm. 3.

  11. Dyczok, The Grand Alliance (Anm. 7), S. 67.

  12. Ebd., S. 67-69.

  13. Shepard, The Long Road Home. The Aftermath of the Second World War, London 2011, S. 88-89; vgl. auch Mark Wyman, DPs. Europe’s Displaced Persons, 1945-51, Ithaca 1998, S. 65-66.

  14. Teilweise wurden sie "über Nacht" auch Polen, da diese noch nicht von den Massenrepatriierungen betroffen waren, Shepard, The Long Road (Anm. 13), S. 89.

  15. Laut den UNRRA-Statuten hätte "staatenlos" aber auch bedeutet, dass die so bezeichneten DPs in die Länder ihres letzten Aufenthalts zurückgeführt werden sollten. Nur in begründeten Fällen wäre eine Ansiedlung in einem anderen Land unterstützt worden. Das SHAEF-Memorandum weichte die Bedingungen vor allem aufgrund der jüdischen DPs auf.

  16. So gab es Unterschiede in der Behandlung ukrainischer DPs in Bayern und Hessen, aber auch in anderen Ländern gab es keine einheitliche Politik gegenüber den Ukrainern in den diversen DP-Lagern. In manchen wurden sie nach wie vor als polnische oder sowjetische Staatsbürger angesehen und dementsprechend in Repatriierungstransporte eingegliedert, in anderen Lagern gestand man ihnen aber bereits den Status "political entities" zu.

  17. Lynne Taylor, 'Please report only true nationalities'. The Classification of Displaced Persons in Post-Second World War Germany and its Implications, in: David Cesarani u.a. (Hg.), Survivors of Nazi Persecution in Europe after the Second World War, Landscapes after Battle, Bd. 1, London und Portland 2010, S. 35-53, hierzu S. 41-42.

  18. Vasyl‘ Mudryj war ein ehemaliger Abgeordneter im polnischen Sejm.

  19. Dyczok, The Grand Alliance (Anm. 7), S.78; Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 99. An der Konferenz nahmen Vertreter aus den deutschen und österreichischen Besatzungszonen teil.

  20. In der TsPUE waren die Westukrainer aus der Region um Lemberg oder Czernowitz, die vor der Grenzverschiebung in Jalta auf polnischen Gebiet wohnten, eher antisowjetisch/ -russisch eingestellt, als jene aus dem Osten, sprich dem Teil, der bereits in der UdSSR inkorporiert war. Das gemeinsame Engagement speiste sich aus der Angst vor der Behandlung durch die UdSSR-Behörden im Falle einer Rückkehr, weniger aus nationalen Motiven, welche Großteils nur von Westukrainern vertreten wurden, vgl. Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 103-104.

  21. Dyczok, The Grand Alliance (Anm. 7), S.78; Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 99.

  22. Dyczok, The Grand Alliance (Anm. 7), S. 80-82.

  23. Ebd., S. 82-83; vgl. Roman P. Smolorz, Displaced Persons (DPs). Autoritäten und Anführer im angehenden Kalten Krieg im östlichen Bayern, Regensburger Studien 11, Regensburg 2009, S. 61-62.

  24. Dyczok, The Grand Alliance (Anm. 7), S. 83; Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 100.

  25. Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer (Anm. 2), S. 77.

  26. Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 108.

  27. Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer (Anm. 2), S. 78; Smolorz, Displaced Persons (Anm. 23), S. 85; Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 107.

  28. Smolorz, Displaced Persons (Anm. 23), S. 86-91. Banderas Einfluss reichte sogar bis in die Gebiete in Polen und der Sowjetunion, in denen die UPA weiterhin kämpfte, und er hielt Kontakt zur OUN-Spitze vor Ort. Er wurde schließlich im Auftrag des KGB getötet. Nicht alle Anhänger der OUN-B waren mit dem radikalen Kurs einverstanden. Die Folge war die Spaltung der Fraktion Banderas im Jahr 1948.

  29. Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 117. Holian beschreibt, wie Ukrainer zum einen versuchten, DPs aus anderen Nationen dazu zu bewegen, sich der Repatriierung zu verweigern. Zum anderen wirkten die Verweigerungsstrategien, welche die TsPUE entwickelte, attraktiv auf andere DP-Nationalitäten, die ihrerseits begannen, sich vereinzelt gegen ihre Rückführung zu wehren.

  30. Jacobmeyer, Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer (Anm. 2), S. 78.

  31. Der Begriff "Zwangsrepatriierung" wird von Vasyl' Mudryj bereits im Sommer 1945 verwendet, vgl. Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 99.

  32. Dyczok, The Grand Alliance (Anm. 7), S. 108.

  33. Holian, Between National Socialism and Soviet Communism (Anm. 2), S. 117.

  34. Taylor, 'Please report only true nationalities' (Anm. 17), S. 42.

  35. Dyczok, The Grand Alliance (Anm. 7), S. 127.

  36. Ebd., 153.

  37. Archiv UFU (Ukrainische Freie Universität München), Hauptumsiedlungsamt des CPUE [TsPUE, Anm. d. Verf.] an Vereinigtes ukrainisches Amerikanisch-Kanadisches Komitee, Brief vom 18.12.1947. Da die Archivbestände an der UFU München ungeordnet und nicht beschrieben sind, wird als Quelle hier einfach Archiv UFU angegeben.

  38. Vorname unbekannt.

  39. Archiv UFU, Brief vom Hauptumsiedlungsamt des CPUE (Anm. 37).

  40. Vgl. Hessisches Staatsarchiv (HessStA) Darmstadt Q 4, 8/58-3/13, Monthly Sanitary Report on DP Camp Smith, 01.10.1945.Vermutlich lag dieses Camp auf dem Territorium des ehemaligen Brauchitschlagers, wo sich zwischen Frühjahr und Herbst 1945 das DP-Camp "Smith" befunden hatte. Diese Ortsangabe nannte die Gießener Freie Presse, vgl. Gießener Freie Presse, Nr. 156, 23.10.1948. Wir danken Jeanette van Laak für den Hinweis. Amerikanische Quellen berichten, dass sich das Lager auf dem Gelände eines Hitlerjugendlagers befand, vgl. HessStA Darmstadt Q 4, 8/58-3/13, Report of Inspection, Displaced Persons Camp, Gießen, 12.10.1945. Der Leiter des Lagers P. Šynkar spricht dagegen in seinen Berichten davon, dass sich das Lager auf dem Gelände der ehemaligen Wehrmachtskasernen befand, vgl. Archiv UFU, Bericht vom 10.9.1948.

  41. Es gibt keine Angaben zu diesen Personen. Es ist nur bekannt, dass sie Ukrainer waren.

  42. Die anderen Personen waren die Angehörigen von Lagerarbeitern.

  43. Vgl. Jakub Ajzenbach, Die Gesundheitsverhältnisse in einigen hessischen D.P.-(Displaced Persons-)Lagern, Dissertation, Frankfurt am Main 1950, S. 17.

  44. Gießener Freie Presse, Nr. 156, 23.10.1948, S. 4.

  45. Archiv UFU, "Prypysy vnutrišnjoho porjadku v Oseli" (Schreiben für die Innenregeln im Lager), 25.02.1948.

  46. Unter den "unsicheren Personen" versteht man Mörder, Kriegsverbrecher, Provokateure usw.

  47. Vgl. ebd.

  48. Ebd. Die Abteilungen waren: 1.) "Arbeitsabteilung": Schließung von Arbeitsverträgen mit der IRO und US-Armee, Vorbereitung der Arbeitskräfte für das US-Depot; 2.) "Rüstungs- und Lebensmittelabteilung": Verwaltung der Lagerküche und der Lebensmittel- und Bekleidungslager; 3.) "Haushaltsabteilung": Bereitstellung des Hausrats, Innenausbau der Baracken; 4.) "Umsiedlungsabteilung": Verteilung der Wohnungen an die Arbeiter, Auswahl der neuen Bewohner; 5.) "Abteilung für Gesellschaftsüberwachung": Durchführung der Kultur- und Bildungsarbeit, Verteilung der Kleidung und Schuhe unter den Bewohnern des Lagers gemeinsam mit der Rüstungs- und Lebensmittelabteilung; 6.) "Bauabteilung": Bau neuer Wohnungen bzw. Baracken; 7.) "Medizinabteilung": sie bestand aus zwei Ärzten und einer Krankenschwester und war zuständig für die medizinische Überwachung des "Heimes"; 8.) "Administrationsabteilung": Korrespondenz mit der IRO, Zusammenfassung von Berichten für das TsPUE.

  49. Ebd.

  50. Vgl. Ebd.

  51. In Gießen arbeiteten auch andere DPs, wie polnische und baltische. Es wurden für sie zu dieser Zeit aber keine separaten Lager eingerichtet.

  52. Schreiben für die Innenregeln im Lager (Anm. 45).

  53. Ebd.

  54. Vgl. ebd. Über die Labor Service Company wurden mehrere DP-Camps vereinigt. In Gießen gab es noch ein polnisches und ein baltisches DP-Lager.

  55. Um mehr zu verdienen und mehr Tabak zu bekommen, musste man zur Kategorie 1 der Arbeiter gehören, die 44 Stunden in der Woche arbeiteten. Vgl. ebd.

  56. Archiv UFU, undatierter Bericht, 1948.

  57. Vgl. ebd.

  58. Vgl. Archiv UFU, Protokoll der Verwaltung des "Ukrainischen Arbeitslager" in Gießen, 8.4.1948.

  59. Vgl. ebd.

  60. Vgl. ebd.

  61. Die restlichen Ukrainer warteten auf Arbeit und wurden zum Ausbau und Betrieb des Lagers eingesetzt.

  62. Protokoll der Verwaltung des "Ukrainischen Arbeitslager" in Gießen (Anm. 58).

  63. Vgl. ebd.

  64. Vgl. Archiv UFU, Protokollbericht vom 28.10.1948.

  65. Vgl. Archiv UFU, undatiertes Protokoll, 1948.

  66. Henriette von Holleuffer, Zwischen Fremde und Fremde. Displaced Persons in Australien, den USA und Kanada 1946-1952, Studien zur Historischen Migrationsforschung, Bd. 9, Osnabrück 2001. Diese vergleichende Studie untersucht die Diskussion über die Aufnahme von DPs, die daraufhin aufgestellten Einwanderungsgesetze und Erfahrungen der DPs in ihrer neuen Umgebung anhand der drei Staaten.

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Dr. phil. des., geb. 1984; Promotion an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit dem Thema "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg und seine Tätigkeit in der Ukraine 1941-1944", seit Januar 2014 Mitarbeit im Startprojekt "Mediziner in der SS" am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin in Aachen. Verschiedene Tätigkeiten im DAAD-Netzwerk "Kulturelle Kontakt- und Konfliktzonen im östlichen Europa" am Gießener Zentrum Östliches Europa, 2012 Arbeit im Projekt "Displaced Persons in Mittelhessen: Miteinander, Nebeneinander, Gegeneinander (1945-1960)" an der JLU Gießen und 2013 Koordinator der Europäischen Aktionswoche "Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ in Gießen und Marburg.

Geb. 1980; Masterstudium in der Osteuropäischen Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Mitarbeit u.a. im transnationalen, studentischen Projekt "Displaced Persons in Mittelhessen: Miteinander, Nebeneinander, Gegeneinander (1945-1960)" gemeinsam mit ukrainischem Partner, gefördert durch die Stiftung EVZ. Forschungsprojekte u.a. zur Jüdischen Geschichte Böhmens und der Tschechoslowakei sowie zu Displaced Persons nach dem 2. Weltkrieg aus dem östlichen Europa.