Meine Merkliste Geteilte Merkliste

Was riskieren wir?

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 44 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Drei Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Frauen in der Bürgerbewegung der DDR und während der Friedlichen Revolution Die Wege zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass „DDR-Übersiedler in Afrika hochwillkommen” Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Was riskieren wir? Julian Nida-Rümelin, Gerd Koenen, Gerald Knaus, im Interview mit Svenja Flaßpöhler über Russlands Ukrainekrieg - und uns.

Svenja Flaßpöhler

/ 16 Minuten zu lesen

Nunmehr acht Monate dauert Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine - und die Hilflosigkeit vieler Regierungen, darauf zu reagieren. Auch in Deutschland hält die Debatte über die Folgen dieses Krieges und von Einmischung oder Nichtstun an. Geht es primär darum aktiv zu helfen, in der Ukraine Menschenleben zu retten - oder nur hierzulande das Wohlstandsniveau? Und muss ein Atomkrieg befürchtet werden? Oder drohen weitere Feldzüge gegen Demokratien? Auf dem Philosophie-Festival "phil.cologne 2022" diskutierten darüber drei namhafte Wissenschaftler - der Soziologe Gerald Knaus, der Historiker Gerd Koenen und der Philosoph und Risikoforscher Julian Nida-Rümelin. Die Zeitschrift "Philosophie Magazin“ hat den nachlesenswerten Dialog protokolliert, als ein "Gespräch über Fragen, die unsere Zukunft entscheiden":

Trauern über den Krieg. Berlin Unter den Linden im September 2022, in Sichtweite zur russischen Botschaft. (© bpb / Holger Kulick)

Svenja Flaßpöhler: Die Deutschen, so besagt der Ausdruck german angst, sind neurotisch, befürchten immer das Allerschrecklichste. Deshalb seien wir auch bei Kriegseinsätzen zurückhaltend. Für den Philosophen Martin Heidegger ist die Angst etwas ganz anderes: nämlich eine Grundbefindlichkeit, die uns den Weg zur Eigentlichkeit weist und aus dem Konformismus befreit. Halten Sie die Angst in der Situation, in der wir uns seit dem 24. Februar 2022 befinden, für einen guten Ratgeber?

Gerd Koenen: In der Psychoanalyse unterscheidet man neurotische Angst und Realangst. Heidegger ist ein interessantes Beispiel dafür, wie neurotische Ängste die Wahrnehmung deformieren können und man in der Sorge um seine „Eigentlichkeit“ beim Irrealsten und Brutalsten anlangt, hier im Umfeld des Nationalsozialismus. Hitler spielte mit dem hysterischen Grundgefühl vieler Deutscher, die sich durch das Versailler Diktat überfremdet, in ihrer „Eigentlichkeit“ ausgelöscht sahen. Er sprach zum Beispiel von einem „Syphilisfrieden“, was die Ansteckung durch einen fremden, zersetzenden Geist suggerierte, der ausgemerzt werden müsse. In ganz ähnlicher Weise suggeriert Putin heute der russischen Gesellschaft, dass der Zusammenbruch der „im Felde unbesiegten“ Sowjetunion im Jahr 1991 durch fremde, korrumpierende, westliche Kräfte und Einflüsse herbeigeführt worden sei, die es auszumerzen gelte. Einige, darunter ich, haben früh schon von einem „russischen Versailles-Komplex“ gesprochen. Um diese „geopolitische Katastrophe“ rückgängig zu machen, will Putin nun, nachdem er im Innern aufgeräumt hat, die abgesprengten Volks- und Landesteile wieder „heim ins Reich“ führen, neben Weißrussland vor allem die Ukraine, und danach … wer weiß.

Ungewiss, wie weit er gehen wird …?

Koenen: Die Ukrainer, die sich dieser Invasion entgegenstellen, wissen, worum es geht. Wenn sie sich unterwerfen, droht ihnen nicht nur die Vernichtung ihres Staates, ihrer demokratischen Institutionen und Freiheiten. Sondern man will sie „entukrainisieren“, was in perverser Verkehrung mit „Entnazifizierung“ gleichgesetzt wird. Pervers, weil dieses Denken aus deutsch-völkischen Theorien bekannt ist, wie sie im „Generalgouvernement“, in Polen nach 1939 und in der Ukraine nach 1941, umgesetzt wurden. Die Nazis nannten das: „Umvolkung“ – per „Eindeutschung“, Kinderraub, Ausrottung der Eliten und Helotisierung der Masse. Der Kampf der Ukrainer gegen den völkischen Vernichtungskrieg Putins ist ein Beispiel hellsichtiger Realangst. Davon bräuchten wir selbst mehr!

Julian Nida-Rümelin: Im angelsächsischen Raum gibt es neben der german angst noch einen anderen interessanten Begriff: precautionary principle. Das ist eine Übersetzung aus dem Deutschen und meint: Vorsorgeprinzip. Die Risikopraxis in den USA ist noch weit von diesem Prinzip entfernt, findet aber langsam dort Eingang. Mit Blick auf den Umgang mit digitalen Medien hat man dort früher gesagt: Die Deutschen sind so überängstlich! Was wollen die mit einer Datenschutzgrundverordnung? Inzwischen sieht man: Aha. Ein bisschen vorsichtiger zu sein, ist gar nicht so schlecht. Und um auf Krieg und Frieden zu sprechen zu kommen: Die US-amerikanischen Militärstrategen haben ja den schönen Ausdruck theatre nuclear forces entwickelt. Was ist das? Das sind Nuklearwaffen, die so zum Einsatz gebracht werden, dass sie nicht US-amerikanisches Territorium erreichen, sondern auf das europäische theatre beschränkt bleiben. Und in der Zeit des Kalten Krieges ging man davon aus, dass ein Krieg sehr wahrscheinlich am Anfang auf deutschem Boden ausgetragen worden wäre. Das heißt: Die besondere Sorgfalt der Deutschen, was die atomare Bedrohung angeht, hat durchaus seine geopolitischen Hintergründe.

Gerald Knaus: Auch Gangster setzen Angst ein, um ihre Ziele zu erreichen. Die entscheidende Frage lautet dann: Wie reagieren die, die das primäre Ziel solcher Aktionen und tatsächlich mit einer realen Gefahr konfrontiert sind? Ich denke da an die 1,7 Millionen Ukrainer, vor allem Ukrainerinnen, die von Februar bis Ende Mai aus Polen wieder in die Ukraine zurückgekehrt sind, obwohl der Krieg nicht vorbei ist und ihre Städte, auch Kiew, weiter bombardiert werden. Ich denke an russische Dissidenten wie Wladimir Kara-Mursa, der eben erst in Westeuropa war, vor Putin gewarnt hat und dann nach Moskau zurückgereist ist, obwohl er schon zweimal Opfer eines Giftgasattentats wurde. Er wurde wieder verhaftet und angeklagt. Er wusste, was ihn erwartet. Das sind gute Gründe, Angst zu haben. Aber Angst hat ihn nicht gelähmt, darf auch uns nicht lähmen. Ich denke auch an Freunde in Moldau, der ärmsten Republik Europas wenige Kilometer von Odessa entfernt, wo binnen weniger Monate trotz der ständigen Gefahr eines Ausgreifens des Krieges pro Kopf die größte Zahl von Flüchtlingen aufgenommen wurde. Und natürlich denke ich an die Balten und Polen. Sehr viele Menschen in Europa haben heute berechtigterweise Angst. Deshalb ist es wichtig, dass wir hier nicht eine rein deutsche Debatte über Angst führen. Dass sich die westlichen Interessen dennoch nicht eins zu eins aus den ukrainischen Interessen ableiten lassen, zeigt sich darin, dass der Westen – bei aller Unterstützung, die er leistet, damit die Ukrainer sich verteidigen können – primär eine Eskalation des Krieges verhindern will.

Der Soziologe und Migrationsforscher Gerald Knaus (l), der Philosoph Julian Nida-Rümelin und der Historiker Gerd Koenen diskutieren über «Zeitenwende. Deutschland und der Krieg.» während der "Phil.Cologne" 2022. (© picture-alliance/dpa, Federico Gambarini)

In seinem Buch Das Prinzip Verantwortung bringt der Philosoph Hans Jonas mit Blick auf Technologien, die in der Lage sind, der gesamten Menschheit schweren Schaden zuzufügen, die „Heuristik der Furcht“ ins Spiel. Meint: Wir müssen angesichts einer solchen Menschheitsgefahr notwendigerweise vom Schlimmsten ausgehen. Was bedeutet das für die Verantwortung des Westens?

Koenen: Ich sehe gar nicht, dass in dem Krieg, um den es hier geht, komplizierte Technologien eingesetzt werden. Wir haben es vielmehr mit einer Kriegsführung zu tun, in der massenhaft Artillerie, Panzer, ungerichtete Geschosse zum Einsatz kommen, die ganze Städte einebnen und alle Versorgungssysteme (von Wasserwerken bis Schulen) gezielt ausschalten. Also brauchen die Ukrainer Waffen, die geeignet sind, um diesem Vernichtungskrieg entgegentreten zu können. Dass sie sich erfolgreich wehren können, haben sie gezeigt. Indem wir ihnen diese Waffen verweigern, verlängern wir diesen Krieg und steigern die Eskalationsgefahr.

Nida-Rümelin: Ich bin kein Militärexperte. Mein Arbeitsfeld ist die Rationalität der Entscheidung in komplexen Situationen. In der Coronakrise verfügten wir über wissenschaftliche Einschätzungen, was Wahrscheinlichkeiten angeht. Wie wahrscheinlich ist es, dass man stirbt, wenn man sich infiziert? Und so weiter. Das war kein reines Stochern im Nebel. Jetzt, im Ukrainekrieg, ist die Situation ganz anders. Anders als Viren sind menschliche Akteure nicht berechenbar. Menschen haben die Möglichkeit, unter ähnlichen oder sogar denselben Umständen unterschiedlich zu entscheiden. Das heißt in der Sprache der Entscheidungstheorie, dass wir uns hier nicht in einer Risikosituation befinden. Risikosituationen sind nämlich dadurch charakterisiert, dass man Wahrscheinlichkeiten hat für mögliche Ereignisse, mögliche Weltzustände der Zukunft. Und man reagiert darauf, indem man diejenige Strategie wählt, die unter bestimmten Umständen als günstigste erscheint. Wenn die Freiheit des Menschen ins Spiel kommt, ist genau das aber nicht möglich. In der Sprache der Entscheidungstheorie befinden wir uns dann in einer Situation der Unsicherheit. Und in Situationen der Unsicherheit gilt es als rational, das ist weitgehend Konsens, risikoavers zu reagieren. Es geht darum, den größtmöglichen Schaden zu vermeiden. Auf jeder Stufe des Konflikts kann Russland noch mehr eskalieren. Es gibt keine Generalmobilmachung bislang. Das bedeutet, dass die Vorstellung, die Ukraine müsse siegen über Russland, nicht das empirische Fundament hat, das sie haben müsste. Und es bedeutet auch, dass der Westen die immense Verantwortung trägt, eine Eskalation zum europäischen oder gar zum Weltkrieg zu verhindern.

Knaus: Wir müssen diesen Krieg in einen größeren Kontext stellen. Ein amerikanischer Philosoph, der sich als Neopragmatiker bezeichnet, Richard Rorty, hat oft betont, dass es auch hätte sein können, dass Europa heute ein Kontinent ist, in dem es keine Menschenrechtskonvention gibt, keine Gerichte, keine Demokratien. Dass eine Welt, wie sie George Orwell in seinem Buch 1984 beschrieben hat – in der es keine Hoffnung gibt, in der die wenigen Dissidenten am Ende von Mächtigeren besiegt werden –, auch in Europa hätte entstehen können, hätte Hitler den Zweiten Weltkrieg oder Stalin den Kalten Krieg gewonnen. Jetzt haben wir ein Europa, das historisch ziemlich einzigartig ist. Wir denken heute nicht nach über einen Krieg zwischen den Niederlanden und Deutschland, zwischen Litauen und Polen, zwischen Ungarn und Rumänien. Allerdings gibt es ein anderes Europa, wo ich in den letzten drei Jahrzehnten viel Zeit verbracht habe, in dem seit 1990 20 Kriege oder bürgerkriegsähnliche, gewalttätige Konflikte stattgefunden haben. 20! Von Transnistrien über die Tschetschenienkriege, die Gewalt in Südostanatolien, Kroatien, Bosnien, Kosovo, Ossetien, Abchasien, Karabach … ein Europa der Kriege. Es war nur im Westen friedlich, weil es hier gelang, die Prinzipien der Charta von Paris für ein neues Europa, die alle Staaten 1990 unterschrieben haben, zu respektieren. Das gelang durch Institutionen: die Europäische Union, den Europarat, die NATO. Doch noch in den 1950er-Jahren haben Niederländer, Franzosen und Engländer auch Kolonialkriege geführt. In Indonesien, Indochina, Malaysia. Am Ende haben die Kolonialmächte erkennen müssen, dass die Ära des Imperialismus vorbei war. Putin und seine Elite hingegen sagen seit Jahren offen: Wir akzeptieren den Verlust unserer Kolonien nicht. Und führen Krieg.

Koenen: Ich gebe Ihnen an sich recht. Aber der Ukrainekrieg ist ja ein Krieg gegen einen völkerrechtlich auch von Russland anerkannten unabhängigen Staat, der seit 30 Jahren existiert. Es geht Putin um mehr als nur darum, die Verträge über die Unabhängigkeit von 1991 zu annullieren. Sondern die Ukraine soll eher eine Art Generalgouvernement werden, in dem eine eingeschmolzene, russifizierte, homogenisierte Bevölkerung dem großen Imperium angegliedert würde. Der Einsatz von Atomwaffen wäre dafür völlig dysfunktional, sondern diese offene Drohung zielt allein auf uns, auf unsere neurotische Angst. Nuklearwaffen sind noch nie militärisch eingesetzt worden, sie machen als Gefechtsfeldwaffen keinen Sinn, ebenso wenig wie Gaswaffen. Auch Hiroshima und Nagasaki waren keine militärischen Aktionen, sondern ein rein politisches, demonstratives Signal, das weniger auf das vor der Kapitulation stehende Japan als auf die Sowjetunion zielte.

Nida-Rümelin: Dazu habe ich ein paar Anmerkungen. Lassen Sie mich mit einem vielleicht ganz erhellenden Beispiel beginnen. Wer darauf hinweist, dass der Versailler Vertrag eine wichtige Rolle dafür spielte, dass die NSDAP am Ende erfolgreich war und die NS-Diktatur ganz Europa mit einem Angriffskrieg und einem Terrorregime überzogen hat, der entschuldigt natürlich nicht Hitler. Es war unklug, nach dem Ersten Weltkrieg in dieser Weise einen Vertrag zu schließen, der eine massive Demütigung Deutschlands beinhaltete. Und das hat sich politisch sehr rasch gezeigt. So ähnlich verhält es sich auch jetzt: Vielleicht erinnern sich einige noch an Obamas Abwertung Russlands als bloßer Regionalmacht. Man muss doch die Frage stellen, welche Rolle der Westen in der Vorgeschichte zu diesem Krieg gespielt hat. Vertreter der realistischen Theorie internationaler Beziehungen – von John Mearsheimer bis zu Henry Kissinger – haben die Entwicklung, die seit 2007/2008 eingeschlagen wurde, als hochgefährlich angesehen. Ende der 1990er-Jahre hatte Biden davor gewarnt, die NATO bis an die Grenze Russlands auszudehnen. 2007/2008 hatten die USA dennoch Georgien und der Ukraine angeboten, in die NATO aufgenommen zu werden. Merkel hatte damals die Situation vorübergehend dadurch beruhigt, dass sie in Abstimmung mit dem französischen Präsidenten einer Aufnahme der Ukraine und Georgiens eine Absage erteilte. Und natürlich muss man, wie es auch der Vizepräsident der Europäischen Union, Verheugen, gemacht hat, die Einmischung des Westens in die innerukrainischen Angelegenheiten im Jahr 2014 problematisieren. Der damalige Präsident Janukowytsch war immerhin demokratisch gewählt worden. Außenminister Westerwelle hatte eine Rede gehalten auf dem Maidan! Man überlege mal, was es bedeuten würde, wenn Lawrow in Berlin eine Rede hielte, während es Unruhen und Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften gibt. Das alles war ein unnötiges Zündeln. Kurz gesagt: Nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums wurde versäumt, das window of opportunity zu nutzen und eine neue, stabile Sicherheitsarchitektur aufzubauen. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen.

Knaus: Als ich 1993/1994 im ukrainischen Czernowitz, an der Grenze zu Rumänien, lebte, machte das Land keine Anstalten, sich Richtung Westen zu bewegen. Auch ein Konflikt mit Russland schien undenkbar. Die Ukraine gab 1994 ihre Atomwaffen auf, dafür gab es einen Vertrag mit Sicherheitsgarantien. Die Ukraine war damals ein kaputter Staat, die Wirtschaft befand sich im freien Fall, mein Monatsgehalt an der Universität waren 10 Euro, dazu Inflation. Dann aber geschahen in Rumänien und Polen dramatische Umwälzungen, die Länder holten auf einmal auf, Straßen und Krankenhäuser wurden gebaut, in Rumänien kamen Bürgermeister, dann ein Premierminister wegen Korruption ins Gefängnis. Diese Veränderungen führten bei jungen Ukrainern dazu, dass immer mehr sagten: Das wollen wir auch. Bei dem Maidan-Protest 2014 ging es daher um Europa – und nicht um die NATO.

Nida-Rümelin: Ja, das ist doch klar.

Knaus: Das Problem von Putin war: Das konnte er nicht akzeptieren. Als Janukowytsch floh, waren in Kiew bereits 100 Menschen von Scharfschützen erschossen worden. Ich kannte viele Ukrainer, die damals gesagt haben: Jetzt geht es um unsere Zukunft. Doch nach der Jahrtausendwende sagte Putin immer klarer und immer öffentlicher: Dieses Europa hat keinen Bestand. Bestand haben nur Großmächte, alles andere wären Vasallen. Die Europäische Union gebe es nur, weil sie ein geheimes Zentrum habe: Amerika. Und wenn Amerika sich zurückziehe, zerfalle auch endlich die Europäische Union. Dann werde Russland als dominierende Macht den Respekt bekommen, den es verdiene. Menschenrechte wären nur Heuchelei. Internationale Organisationen seien eine Fata Morgana. In Wirklichkeit bestimmen Großmächte, wie China und Amerika und Russland, vielleicht noch Indien. Es gab in den 1990er-Jahren auf dem Balkan ein ähnliches Narrativ. Miloševic´ sagte damals: Wir gehen zurück ins 19. Jahrhundert. Macht und Waffen schufen damals Nationalstaaten mit Gewalt. Doch nach vielen Kriegen scheiterte er, auch aufgrund von NATO-Interventionen. Wird Putin auch scheitern? Ob ein demokratisches Europa eine Zukunft hat, wird heute auch in der Ukraine entschieden.

Nida-Rümelin: Der kantische Friede besagt: Wenn wir eine Welt von Republiken haben und wenn Menschenwürde und Menschenrechte die Grundlage dieser Republiken sind, dann brauchen wir keine Weltstaatskonstruktion. Dann brauchen wir kein Gewaltmonopol auf globaler Ebene. Dann lässt sich der Frieden sichern. Und tatsächlich sollte Kant recht behalten: Es gab noch nie einen Krieg zwischen zwei genuinen Demokratien. Der kantische Friede ist also immer noch eine plausible Vision; und dazu gehört das Zurückdrängen des ethnischen, nationalistischen Denkens. Völlig d’accord. Was wir aber an dieser Stelle brauchen, ist Realismus! Wir leben in einer Welt, in der ethnisches, nationalistisches Denken leider immer noch sehr präsent ist. Wir haben einen indischen Hindunationalismus, über den man kaum redet. Der ist sehr stark. Narendra Modi ist Chef einer hindunationalistischen Partei. Das ist nach Einwohnerzahlen der zweitgrößte Staat auf der Welt und wahrscheinlich eine Supermacht der Zukunft. Wir haben in China eine hanchinesische, ethnozentrische Nationalitätskonzeption. Alle Han-Chinesen auf der Welt, ob sie in Taiwan leben oder woanders, werden nach dieser ethnozentrischen Sicht von der Volksrepublik China vertreten. China ist bereits eine Supermacht. Die USA sind abhängig von chinesischen Importen, weil sie nämlich nur durch billige Waren ihre sozial zerklüftete Gesellschaft halbwegs aufrechterhalten können. Wir müssen uns also in einer Welt zurechtfinden, die auf absehbare Zeit erst einmal von zahlreichen teilweise großen und mächtigen Nichtdemokratien, Autokratien, Diktaturen, totalitären Staaten bestimmt sein wird. Wenn uns das nicht gelingt, stolpern wir in eine neue bipolare Welt hinein: Der eine Pol bestünde aus USA und EU. Der andere Pol aus Russland und China. Und dann gibt es viele Staaten auf der Welt, die versuchen werden zu lavieren. Indien hat sich so schon geäußert. Südafrika hat sich so schon geäußert. Eventuell gesellt sich Brasilien dazu. Alles keine kleinen, unbedeutenden Staaten.

Wenn ich Sie recht verstehe, heißt das, Sie würden, um die Blockbildung zu vermeiden, auch weiter Handel treiben mit autokratischen, diktatorischen Staaten.

Nida-Rümelin: Das Narrativ ist ja weit verbreitet: Wir müssen uns unabhängig machen nicht nur von Russland, sondern auch von China, Pakistan oder Saudi-Arabien! Das hieße dann: Deglobalisierung. Mit massiven sozialen Problemen und einem massiven Anstieg von Hunger und Elend im globalen Süden. Wir haben jetzt schon sehr viel Elend auf diesen Teil der Welt gebracht durch die Coronamaßnahmen. Ich plädiere für zweierlei: Erstens für ein klares demokratisches Bewusstsein. Wir dürfen uns nicht faszinieren lassen von Diktaturen, Nationalismen, Ideologien. Auf der anderen Seite müssen wir hinreichend viel Realismus aufbringen, um eine Außen- und Sicherheitspolitik zu betreiben, die einen dritten Weltkrieg und massives Elend ausschließt.

Knaus: Wir müssen die Vision von 1990 weiterführen. Kant sprach von einer freiwilligen Kooperation zwischen freien Staaten. Diese versprach auch die Satzung des Europarats und die Charta von Paris der OSZE. Diese Vision zu verteidigen, bedeutet allen Demokratien in Europa ein Angebot zu Kooperation zu machen. Ich hoffe, dass wir jetzt Moldau, einer jungen Demokratie mit 2,6 Millionen Einwohnern und einer Reformregierung, der Ukraine und auch den Balkandemokratien anbieten, schon in den nächsten Jahren Teil des europäischen Wirtschaftsraums zu werden. Selenskyj weiß, dass die Ukraine jetzt nicht in die NATO kommt. Er will in die Europäische Union. Wir müssten ein Signal geben, dass das möglich ist. Auch ein Signal Richtung Russland. Dazu gehört militärische Abschreckung wie im Kalten Krieg. Doch eine russische Demokratie muss in Europa willkommen sein. Viele europäische Länder haben diesen Übergang von Diktatur zu Demokratie geschafft, allen Erwartungen zum Trotz: Spanien, Griechenland, Deutschland, Italien, Portugal, die mitteleuropäischen ehemaligen Volksdemokratien. Für mich ist die Zeitenwende ein Weckruf, unsere Werte und Ideale von 1990 nicht Gangstern zu opfern. Die Gangster sind Lukaschenko und Putin. Niemand will einen Krieg mit ihnen. Wir müssen alles tun, um das zu verhindern. Aber wir dürfen uns auch nicht einschüchtern lassen.

Koenen: Es geht meines Erachtens nicht nur und nicht einmal in erster Linie um politische Systeme, demokratische Werte, ethische Prinzipien, sondern um reale, evolutionäre geschichtliche Prozesse. Dazu gehört mit an erster Stelle, dass das Leben in großen Reichen über die längste Zeit die Normalform für einen Großteil der Menschheit gewesen ist. Diese Reiche sind im 20. Jahrhundert in einer Kette von imperialistischen Kriegen oder durch Befreiungskriege sukzessive zusammengebrochen. Das heutige Europa besteht mehrheitlich aus den kleinen Ausgangs- oder Reststaaten kollabierter Imperien. Dieser Tendenz einer steten Devolution – für die es sehr gute Gründe gibt – stemmen die beiden großen ehemaligen roten Reiche sich mit allen Mitteln entgegen, nämlich Russland und China. Was übrigens ein bezeichnendes Licht zurück auf die tiefere realgeschichtliche Logik des Agierens kommunistischer Parteien im 20. Jahrhundert wirft; mein Thema. In Wirklichkeit stammt das auf die NATO fixierte „Sicherheitsinteresse“ Russlands aber vor allem aus einer realen, hausgemachten inneren Schwäche. Warum, um Gottes willen, konzentriert Russland sich nicht auf seine eigenen großartigen Potenziale, die natürlichen und die menschlichen! Warum schafft es Russland nicht, um sich herum Freunde zu finden – außer Autokraten wie Lukaschenko, die sich gegen ihr eigenes Volk an die Macht krallen? Die Europäische Union zieht trotz hoher Hürden noch immer Zutrittswillige an. Und auch die NATO tut das – aber vor allem wegen Russland, von dem ihre Mitglieder sich zu Recht bedroht fühlen, während es selbst von niemandem ernsthaft bedroht wird.

Dem Philosophen Walter Benjamin zufolge gibt es in der Geschichte messianische Momente, in denen sich alles ganz plötzlich radikal ändern kann, zum Schlechten wie zum Guten. Üben wir uns am Ende des Gesprächs in Zuversicht. Was könnte so ein Moment sein, jetzt, in diesem Krieg, in dem sich der Verlauf zum Guten wendet?

Blick auf ein durch russische Raketen zerstörtes Wohnhaus im Stadteil Podil in Kyjiw. (© picture alliance / AA | Andre Alves)

Knaus: 2022 ist der Moment, in dem die EU klarmachen kann, dass sie die Tür für alle Demokratien offen hält. Wann es zu Beitritten kommen wird, ist unklar, dafür muss sich auch die EU noch verändern, aber das Ziel sollte jetzt schon verfolgt werden. Was sofort möglich wäre, ist das, was der Römische Vertrag von 1957 versprach: Friede durch das Beseitigen der „Europa trennenden Schranken“. Dazu die Stärkung des Europarats, der die Menschenrechtskonvention verteidigen soll. Solidarität zwischen Demokratien, auch im Widerstand gegen ein revanchistisches Russland. Es darf keinen Rückfall in Europa in imperialistisches Denken geben. Ob der seit 1950 in Westeuropa bestehende Friede ewig währen wird, wissen wird zwar nicht, aber er währt schon ziemlich lange. Darauf aufbauen, Kant ernst nehmen, aber mit Rortys Pragmatismus, Schritt für Schritt. Damit dies der letzte große Krieg in Europa in unserer Lebenszeit ist und nicht der Beginn eines neuen dunklen Zeitalters der Unterdrückung.

Nida-Rümelin: Ein baldiger Waffenstillstand und Beginn von Verhandlungen unter Führung der Vereinten Nationen, Referenden unter internationaler Aufsicht in den umstrittenen Territorien, EU-Integrationsperspektive für die Ukraine, keine weitere Ausdehnung der NATO, Aufbau einer europäischen Sicherheitsarchitektur in internationalen Verhandlungen mit dem Ziel konventioneller Nicht-Angriffsfähigkeit in der europäischen Staatenwelt.

Koenen: Ich setze, insoweit eher mit Marx als mit Benjamin, der ja doch wohl ein hoffnungslos Verzweifelnder war, auf den realen geschichtlichen Prozess, in dem Menschen gerade auch in und aus Kriegen und Katastrophen lernen. Dazu müssen wir neurotische in Realangst verwandeln und den intellektuellen und notfalls auch physischen Mut entwickeln, den realen Bedrohungen ins Auge zu schauen und rettende Auswege zu finden. Diesen völlig anachronistischen, für Russland selbst ruinösen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine eklatant scheitern zu lassen, und zwar mit allen dafür nötigen Mitteln, über die wir als Bund freier und entwickelter Staaten durchaus verfügen, würde die gesamte weltpolitische Lage entscheidend verbessern. Und es würde den Raum der Zukunft wieder nach vorne hin öffnen – dort, wo der Klimawandel und andere Weltprobleme uns gerade noch ein window of opportunity offenhalten.

Die Gesprächspartner:

Gerald Knaus ist Soziologe und Gründungsdirektor der European Stability Initiative in Berlin. Er unterrichtete in den USA, der Ukraine und am NATO Defense College in Rom. Gemeinsam mit Rory Stewart schrieb er das Buch „Can Intervention Work?“ (2012) sowie 2020 „Welche Grenzen brauchen wir?“.

Das Gespräch zwischen Gerd Koenen, Julian Nida-Rümelin und Gerald Knaus wurde vom "Philosophie Magazin" protokolliert. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Beitrags-Übernahme. (© bpb / mit Bildern von Albrecht Fuchs / philosophie Magazin)

Julian Nida-Rümelin ist Philosoph. Er lehrt praktische Philosophie und politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Humboldt-Universität Berlin. Er war Staatsminister für Kultur und Medien im ersten Kabinett von Gerhard Schröder und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie. Sein Buch „Die Realität des Risikos. Über den vernünftigen Umgang mit Gefahren“ (gemeinsam mit Nathalie Weidenfeld) erschien 2021.

Gerd Koenen ist Historiker und Publizist. Seine Forschungsschwerpunkte sind die russisch-deutschen Beziehungen im 20. Jahrhundert und die Geschichte des Kommunismus. Sein Buch zum Thema: „Der Russland-Komplex“ (2005). Zuletzt erschien von ihm „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“ (2017).

Zitierweise: Julian Nida-Rümelin, Gerd Koenen, Gerald Knaus, im Interview mit Svenja Flaßpöhler: „Was riskieren wir?“, in: Deutschland Archiv, 01.11.2022, Link: www.bpb.de/513095. Der Dialog fand auf der phil.cologne 2022 statt. Die Erstveröffentlichung erfolgte am 7.7.2022 unter dem Link www.philomag.de/artikel/was-riskieren-wir sowie im Philosophie Magazin 05/2022.

Externer Link: Zeitenwende? 42 weitere Stimmen zum Ukrainekrieg im Deutschland Archiv.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Svenja Flaßpöhler ist Philosophin, Journalistin und Autorin. Seit 2018 leitet sie das Philosophie Magazin und ist Mitbegründerin des PEN Berlin 2022.

Weitere Inhalte

Svenja Flaßpöhler ist Philosophin, Journalistin und Autorin. Seit 2018 leitet sie das "Philosophie Magazin" und ist Mitbegründerin des PEN Berlin 2022.