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Wie wurde ich ein politischer Mensch? Ein deutsches Mosaik

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Wie wurde ich politisch? Durch erlebte Diskriminierung, Umweltskandale, Neonazigewalt, Kriege? Durch gute Vorbilder oder Bildung? Durch Zweifel oder Verzweiflung? Oder manchmal einfach nur durch spontanen Mut und Zivilcourage? Zwölf engagierte Köpfe mit vielfältigen Herkünften und Biografien berichten, was sie dazu bewogen hat, zum politisch engagierten Mensch in der Bundesrepublik zu werden. Das Ergebnis ist ein lehrreicher Streifzug durch die neuere deutsche Geeschichte, vorgetragen im alten Bonner Bundestag zum 70. Geburtstag der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Mit neun Audio-Podcasts und einem Video-Mitschnitt.

Die Journalistin und Bloggerin Valerie Schönian bei ihrem Statement "Wie ich ein politischer Mensch wurde" am 25. November 2022 im Plenarsaal des Alten Bundestags in Bonn. (© bpb / Holger Kulick)

Es war ein denkanstoßreicher Abend. Am 25. November 2022 feierte die Bundeszentrale für politische Bildung, unter deren Dach auch das Deutschlandarchiv arbeitet, ihr 70-jähriges Bestehen. Bei einem Bürgerfest im ehemaligen Bonner Plenarsaal des Deutschen Bundestags war zentraler Programmpunkt eine Vortragsreihe mit dem Titel „Moment mal! – Wie ich ein politischer Mensch wurde“.

In Kooperation mit WDR 5 wurden zwölf bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Bildung und Wissenschaft unter dem Titel „Moment mal!“ gefragt, wie sie zu politisch engagierten Menschen wurden. Sie berichten von dem biografischen oder auch gesellschaftlichen Moment, indem ihnen klar wurde, eine Veränderung der Zustände in ihrer unmittelbaren Umgebung, der Gesellschaft oder der Welt sei unabdingbar. Was sie in diesem besonderen Moment beschlossen, erlebt oder getan haben, trugen sie auf ganz persönliche Weise vor.

Hier der Externer Link: Gesamtmitschnitt auf Video. Außerdem in zwölf Audio-Podcasts in der Länge von drei bis acht Minuten die Redebeiträge von:

Bei der Feier der Bundeszentrale für Politische Bildung/bpb aus Anlass ihres 70-jährigen Bestehens am 25. November 2022 im Alten Deutschen Bundestag in Bonn. "Moment mal! – wie ich ein politischer Mensch wurde" hieß die Festveranstaltung in Kooperation mit dem WDR. (© bpb / Holger Kulick)

  • Die ukrainische Verlegerin und Schriftstellerin Kateryna Mishchenko: "Unsere Leben sind preiswert. In Europa sind wir nach wie vor billige Arbeitskräfte, auch während des Kriegs. Waffen dürfen wir monatelang erflehen, die notwendigen Papiere liegen wochenlang in den Kanzleien. Aber bloß keine Flugverbotszone! Die Lieferung schwerer Waffen verletzt die pazifistischen Gefühle deutscher Intellektueller – einfach nur Sanktionen sind preiswerter. Irgendwie ist alles teurer als ukrainische Leben. Irgendwie darf die Ukraine nicht gewinnen, auch wenn es nicht laut ausgesprochen wird. Diese politökonomische Logik sollte umgehend infrage gestellt werden! Aber nicht mittels weiterer Opfer, sondern mittels einer kritischen Position der Menschlichkeit". Externer Link: Zum Audio.

  • Der Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen bei seiner Reflexion "Wie wurde ich politisch?" am 25. November 2022 im Alten Bundestag, dem heutigen World Conference Center Bonn. (© bpb / Holger Kulick)

    Der Arzt, Moderator und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen. Er setzt sich für Gesundheits-, Klima- und Artenschutz ein und hat 2020 eine eigene Stiftung für bessere "Klimakommunikation" gegründet, die Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen (GEGM):„Wenn die Klimakrise das Fieber von Mutter Erde ist, dann ist das Artensterben ihre Demenz.“ Externer Link: Zum Audio.

  • Die Journalistin und Bloggerin Natalie Dedreux, die sich die sich als Betroffene für die Inklusion von Menschen mit Down-Syndrom engagiert. "Ich habe in der Wahlarena Frau Merkel eine Frage gestellt: wieso Babies mit Down Syndrom bis kurz vor der Geburt abgetrieben werden können hier in Deutschland. Frau Merkel sagt, das mit der freien Entscheidung der Mutter die Frauen haben Angst vor dem Down Syndrom. Darum will ich zeigen, wie ich cool drauf bin hier und meine Freunde mit Down Syndrom sind auch cool drauf. Ihr sollt aufhören Angst davor zu haben. Darum mach ich den Blog." Externer Link: Zum Audio.

  • Die Publizistin Valerie Schönian aus Magdeburg schreibt für die Wochenzeitung Die ZEIT, sie ist nach eigenen Worten "Verstehensversucherin" ostdeutscher Perspektiven: "Ich verbinde mit dem Osten ganz viel Platz, Freiräume, Möglichkeiten. Der Osten ist unfertig, aber das ist eben nicht schlimm, sondern ein Standortvorteil." Externer Link: Zum Audio.

  • Bonns 2020 gewählte Oberbürgermeisterin Katja Dörner, aufgewachsen in Siegburg: "Gleichstellung ist für mich erst dann erreicht, wenn es in allen Lebensbereichen irrelevant ist, welches Geschlecht man hat." Externer Link: Zum Audio.

  • Der Kolumnist Florian Schroeder, gern querdenkender Kabarettist und Moderator, aufgewachsen in Lörrach: "Das Geschrei hat das Gespräch ersetzt, es gibt keine Freunde mehr, nur noch Feinde – und Opfer. Die Digitalisierung ist unsere Chance und doch schafft sie uns ab! Disruption und Revolution sind permanent geworden. Wir kennen alles und wissen nichts". Externer Link: Zum Audio.

  • Die Musikerin Dota Kehr, Frontfrau der Berliner Band Dota und die Stadtpiraten, die seit 2013 nur noch Dota heißt: "Wo ist oben, wo unten? Wer könnte, wer wollte das ändern? Was geschieht in den Ländern an ihren Rändern? Es gibt Frontex und push-backs, Zäune, Waffen, Flüchtlingsabwehrkonferenzen. Das Mittelmeer wird ein Massengrab, Es gibt Grenzen. Sie führen zu Nationalismus mit seinen bekloppten Konsequenzen...". Externer Link: Zum Audio.

  • Der Theatermacher, Verleger und Lyriker Dinçer Güçyeter aus Nettetal, seine Eltern wanderten 1964 aus der türkischen Ägäis-Region in die Bundesrepublik ein. 2022 erschien sein Buch "Unser Deutschlandmärchen". Mit seinen Texten will er "den Bruch sichtbar machen, den keiner sieht, wenn der Knochen bricht und unter der Haut bleibt“. Er setze Menschen nicht als Feindbilder in einen Rahmen. "Denn der Riss zwischen den Menschen, überall auf der Welt, mittlerweile auch in Deutschland, macht mir Angst". Externer Link: Zum Audio.

  • Sowie die Autorin, Kommunalbeamtin und Migrations- und Integrationsexpertin Souad Lamroubal, aufgewachsen in Neuss und Düsseldorf. 2019 initiierte sie den Dokumentarfilm „Bleibeperspektive, eine machtvolle Praxis“. Für gelingende Integration nimmt sie beide Seiten in die Pflicht, Hiergeborene und Zugewanderte: „Wir müssen reden, bevor es zu spät ist“. Externer Link: Zum Audio.

Die Integrations- und Bildungsexpertin Souad Lamroubal bei ihrem Redebeitrag in Bonn. (© bpb / Holger Kulick)

In einigen Tagen folgen nach:

  • Der Kölner Journalist und Schriftsteller Jürgen Wiebicke, verfasste 2017 einen "Leitfaden zur Rettung und Neubelebung der Demokratie" und 2021 ein Buch über die Kriegs-Erlebnisse sener Mutter: „Wir alle sind Produkte einer seelisch kaputten Gesellschaft gewesen. Das ist eine erschreckende Erkenntnis, zeigt aber auch die Notwendigkeit, nochmal so spät selber an diese Frage heranzugehen". Zum Audio (folgt Mitte Februar).

  • Der Schriftsteller und Schriftsteller und Philosoph Senthuran Varatharaya, seine Familie floh in den 1980er Jahren vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka nach Deutschland und ließ sich in Oberfranken nieder: „Wenn ich gefragt werde, wo ich herkomme, sage ich: aus der Sprachlosigkeit.“ Zum Audio (folgt Mitte Februar).

  • Die Hamburger Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie, sammelte zunächst Erfahrungen als Lehrerin: "Ich war erschrocken über die Unterschiede. Vorher war mir überhaupt nicht bewusst gewesen, wie vollkommen unterschiedlich die Lebensbedingungen für Kinder in unserem Land sind und wie stark das ihre Entwicklung prägt." Zum Audio (folgt Mitte Februar).

Hier der komplette Externer Link: Video-Mitschnitt aller Redebeiträge (90 Minuten). Untermalt werden die Auftritte durch den Jazz-Musiker und Saxophonist Bernd Winterschladen, es moderiert die WDR-Journalistin Merjam Wakili. Zum Auftakt schildert bpb-Präsident Thomas Krüger, was ihn im Mai 1989 dazu bewegte, politisch aktiv zu werden - die Externer Link: Fälschung der DDR-Kommunalwahlergebnisse, die er damals mitbeobachtet hatte:

"Moment mal! – Wie ich ein politischer Mensch wurde" #bpb70

Video

"Moment mal! – Wie ich ein politischer Mensch wurde" #bpb70

Bei der bpb-Geburtstagsfeier anlässlich von 70 Jahren bpb fand in Kooperation mit WDR 5 die Show "Moment mal! – Wie ich ein politischer Mensch wurde" im Alten Bundestag in Bonn statt, u.a. mit der Bonner Oberbürgermeisterin Katja Dörner, Eckhardt von Hirschhausen und Dota Kehr.

Und Sie? Wie oder durch wen wurden Sie politisch beeinflusst und aktiv? Berichten Sie uns Ihre Erfahrungen an E-Mail Link: deutschlandarchiv@bpb.de, wir werden LeserInnen-Beiträge sammeln und in einiger Zeit eine Auswahl bündeln und veröffentlichen.

Zitierweise: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb & WDR 5, "Wie wurde ich ein politischer Mensch?" Ein deutsches Mosaik. In: Deutschland Archiv, 03.02.2023 (hk), Link: www.bpb.de/517872

Ergänzend:

Externer Link: "Zeitenwenden. Aus der Geschichte lernen, aber wie und wofür?" Eine Reflexion des Siegburger Lehrers Werner Schneider im Rückblick auf seine eigene politische Sensibilisierung. Deutschland Archiv 4.1.2023

Externer Link: Aus der Diktatur in die Demokratie. 35 ehemalige ParlamentarierInnen der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer im Mai 1990 ziehen 30 Jahre später in "ungehalteten Reden" ihre persönliche Demokratiebilanz. Deutschlandarchiv 2020/21.

Fussnoten

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