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Der lange Weg zur inneren Einheit. Ergebnisse der Sächsischen Längsschnittstudie

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwende Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? 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Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? 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Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? 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Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? 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Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Der lange Weg zur inneren Einheit. Ergebnisse der Sächsischen Längsschnittstudie

Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler, Markus Zenger, Anja Zimmermann & Yve Stöbel-Richter

/ 14 Minuten zu lesen

Bereits seit 1987 dokumentiert die Sächsische Längsschnittstudie das Erleben der deutschen Wiedervereinigung bei einer identischen Gruppe Ostdeutscher. Die letzte Erhebungswelle fand 2013/2014 statt. Heute sehen sich 76 Prozent als Gewinner der Wiedervereinigung. Auch die Einschätzung, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes zwischen Ost- und Westdeutschen gibt, findet von Jahr zu Jahr mehr Zustimmung.

Jugendliche am Dorfanger. (© Bundesregierung, B 145 Bild-00184177, Foto: Klaus Lehnartz)

Die Sächsische Längsschnittstudie

Bereits drei Mal konnten in den vergangenen 15 Jahren ausgewählte und aktuelle Ergebnisse der Sächsischen Längsschnittstudie im Deutschland Archiv vorgestellt werden. Die Studie gibt es immer noch, die letzte Befragungswelle fand von November 2013 bis März 2014 statt. Für 2015 ist die nächste Erhebungswelle geplant.

Im Jahr 1987 wurde durch das Zentralinstitut für Jugendforschung der DDR in Leipzig eine ursprünglich auf drei Jahre angelegte Studie zum politischen Mentalitätswandel bei 14-jährigen Schülerinnen und Schülern in Sachsen gestartet. Die Schüler wurden aus 72 achten Klassen an 41 Schulen der DDR-Bezirke Leipzig und Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) rekrutiert. Die Stichprobe von zunächst 1281 Jugendlichen war repräsentativ für den DDR-Geburtsjahrgang 1973. Es wurden drei Erhebungswellen in den Jahren 1987, 1988 und im Frühjahr 1989 durchgeführt, an deren Ende die Teilnehmerinnen und Teilnehmer 1989 gefragt wurden, ob sie auch weiterhin an der Studie teilnehmen möchten. Von den Befragten erklärten sich damals 587 (N = 587) dazu bereit.

Seit Beginn der Studie ist jedem Teilnehmenden eine eigene, sechsstellige Nummer zugeordnet. Dadurch ist es möglich, einen Einstellungswandel bei einzelnen Teilnehmenden oder bestimmten Gruppen festzustellen. Die Adressen der Befragten sind getrennt davon gespeichert, sodass die Anonymität gewährleistet ist. In den drei ersten Erhebungen erfolgten die Befragungen während der Schulstunde im Klassenzimmer. Dies entspricht dem damals üblichen sozialwissenschaftlichen Forschungsvorgehen. Seit 1990 werden die Bogen den Teilnehmenden postalisch nach Hause geschickt. Die Befragungen erfolgten etwa einmal jährlich. Seit 2010 gibt es die Studie auch als Internet-Umfrage.

Die Sächsische Längsschnittstudie konnte bis zum heutigen Tag fortgesetzt werden, mit immer noch deutlich mehr als 300 Teilnehmenden. Sie dokumentiert damit seit 27 Jahren, wie keine andere sozialwissenschaftliche Untersuchung, den Transformationsprozess bei einer identischen Gruppe Ostdeutscher.

Exemplarisch sind einige ausgewählte soziodemografische Merkmale der Teilnehmenden für einige Erhebungswellen in Tabelle 1 dargestellt. Zum Zeitpunkt der letzten Erhebungswelle 2013/2014 waren die Teilnehmenden im Mittel 40 Jahre alt, die meisten von ihnen lebten in einer Ehe oder Partnerschaft, 77 Prozent hatten Kinder. Es handelt sich – wie erwähnt – um eine altershomogene Stichprobe (alle Befragten sind 1973 geboren). Unter den Befragten sind etwas mehr Frauen als Männer (2013/2014: 56 Prozent). Der Anteil der Befragten, die zum jeweiligen Befragungszeitpunkt arbeitslos waren, liegt stets deutlich unter dem ostdeutschen Mittel. Der Bildungsstand und das Einkommen liegen über dem Mittel. Etwa 75 Prozent der Befragten leben nach wie vor in Ostdeutschland.

Alle Teilnehmenden traten etwa im Alter von 17 Jahren, nach einem zehn-jährigen Schulbesuch mit einem Abschluss der allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule der DDR (POS, vergleichbar etwa mit dem heutigen Realschulabschluss), in die neue gesamtdeutsche Wirklichkeit ein. Ihre Berufsausbildung absolvierten die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer jedoch bereits unter den Bedingungen und Möglichkeiten der Bundesrepublik. Viele von ihnen erlebten durch die Umstrukturierung der gesamten ostdeutschen Wirtschaft zu Beginn des Berufslebens massive biografische Umbrüche. Das Bildungsniveau der Teilnehmenden ist etwas höher als in der Normalbevölkerung, viele haben Abitur und/oder einen Hochschulabschluss. 25 Prozent leben mittlerweile nicht mehr in den neuen Ländern. Meist aus beruflichen Gründen (Arbeitssuche) waren die Teilnehmenden der Sächsischen Längsschnittstudie motiviert, in die alten Länder beziehungsweise in das Ausland umzuziehen. Diese und andere Faktoren ermöglichten den Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern eventuell einen besseren Start in den ostdeutschen Transformationsprozess. Dies trifft etwa im Vergleich mit älteren Kohorten zu oder mit Personen, deren Berufsausbildung im wiedervereinigten Deutschland nicht anerkannt wurde, oder mit Menschen, die aus verschiedensten Gründen keine solche soziale Mobilität aufwiesen.

Tabelle 1: Ausgewählte soziodemografische Merkmale der Teilnehmenden an der Sächsischen Längsschnittstudie (© Sächsische Längsschnittstudie)

An der letzten Welle nahmen 328 Personen teil. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 55,9 Prozent, bezogen auf ursprünglich N = 587. Hier sind jedoch die Dropouts (unbekannt verzogen, erklärte Nichtteilnahme, verstorben, nicht mehr auffindbar usw.) der letzten beiden Jahrzehnte nicht berücksichtigt. Derzeit gehen wir von 432 (N = 432) nach wie vor aktiven Adressen aus, die als potenzielle Teilnehmende in Frage kommen. Damit ergibt sich eine Rücklaufquote von 75,9 Prozent.

In den 27 Jahren Sächsische Längsschnittstudie wurden mehr als 5000 Fragen durch die Teilnehmenden beantwortet, die meisten davon mehrfach in verschiedenen Wellen. Schwerpunkt war das Erleben der deutschen Wiedervereinigung in all ihren Facetten. Weitere wichtige Fragestellungen widmeten sich den Themen Gesundheitsfolgen von Arbeitslosigkeit, Familiengründung, Auswirkungen der frühkindlichen Sozialisation auf den späteren Lebensweg oder der innerdeutschen Migration. Die Fragebögen der Studie, Codebücher und zusammengefasste Auswertungen sind im Internet abrufbar.

Zentrale Studienergebnisse

1. Große Zustimmung zur deutschen Einheit

Eine Frage der Sächsischen Längsschnittstudie lautet "Wie stehen Sie zur Vereinigung?" Im Mai 1990 (Welle 4) waren 73 Prozent dafür oder sehr dafür, 1996 85 Prozent, 2000 88 Prozent, 2005 85 Prozent, 2010 86 Prozent und 2013 in der letzten Erhebungswelle 91 Prozent. In mehr als 20 Jahren ist, trotz erlebter persönlicher Einschnitte und Umbrüche, festzustellen, dass die Wiedervereinigung als Großes und Ganzes von der überwiegenden Mehrheit der Befragten begrüßt wird. Kaum einer spricht sich explizit dagegen aus und wünscht sich die DDR zurück. Diese Einschätzung besteht in ihrer Grundaussage unverändert bereits seit 1990. Seitdem hat die Zustimmung von 73 Prozent auf 91 Prozent zugenommen, was für ein Fortschreiten des Wiedervereinigungsprozesses spricht. Auch die Einschätzung, ob man sich als Gewinner oder Verlierer der deutschen Einheit sieht, hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt: 2005 sahen sich nur 44,1 Prozent als Gewinner, 2013 war es mit 73,3 Prozent die deutliche Mehrheit. Aber immer noch bezeichnet sich etwas mehr als ein Viertel der Teilnehmenden als Verlierer der Wiedervereinigung. Frauen, im Osten lebende Personen, Personen mit Arbeitslosigkeitserfahrungen und Personen mit niedrigerem Einkommen erleben sich häufiger als Verlierer der Einheit.

2. Politische Überzeugungen des Jugendalters wirken sich bis heute aus

Von 1987 bis 1989 wurden in den ersten drei Wellen der Studie die Zustimmung zu politischen Aussagen erfragt, wie zum Beispiel "Ich fühle mich mit der DDR als meinem sozialistischen Vaterland eng verbunden", "Ich bin stolz, Mitglied der FDJ zu sein", "Ich bin bereit, die DDR jederzeit mit allen meinen Kräften zu verteidigen" oder "Ich habe in der DDR eine gesicherte Zukunft". Aus zehn solcher Fragen der Jahre 1987 bis 1989 wurde ein Index für die Systemidentifikation berechnet. Je höher die Zustimmung zu den Fragen, desto größer dieser Indexwert und desto größer die Identifikation mit dem DDR-System. Anhand des Index kann man zwischen den Extremgruppen Systemgegner und Systembefürworter unterscheiden und prüfen, wie diese Einstellung von damals bis heute fortwirkt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Systemidentifikation (Gegner/Befürworter) vor der Wiedervereinigung und die Auswirkung auf heutige Einstellungen – zustimmende Antworten in Prozent (Welle 27 2013/2014) (© Sächsische Längsschnittstudie)

Teilnehmende, die sich vor der deutschen Wiedervereinigung mehr mit der DDR identifizierten (Systembefürworter), beschreiben sich heute politisch eher links orientiert, fühlen sich mehr als Ostdeutsche und sehen den Sozialismus mehr als eine gute Idee an. Die Systemgegner von einst fühlen sich heute mehr als Gewinner der Einheit, stimmen der Wiedervereinigung im Allgemeinen etwas mehr zu, sehen die DDR stärker als einen Unrechtsstaat an, betonen die Wichtigkeit der Freiheit und sind zufriedener mit ihrer Lebenssituation. Die prozentualen Unterschiede sind bei einigen Fragen zwischen den beiden Gruppe zwar relativ gering, aber dennoch statistisch signifikant. Die in der Jugend vertretenen politischen Einstellungen sind auch 25 Jahre später in sozialwissenschaftlichen Indikatoren noch nachweisbar.

Die Abbildung 2 zeigt die zustimmenden Antworten zu den zwei Aussagen "Ich bin froh, dass es die DDR nicht mehr gibt" und "Ich bin froh, die DDR noch erlebt zu haben" von 2000 (Welle 14) bis 2012 (Welle 26). In der letzten Erhebung 2013/2014 wurden diese Fragen nicht gestellt. Die Zustimmung/Ablehnung erfolgte auf einer 5-stufigen Skala.

Abbildung 2: Zustimmungen zu den Aussagen "Ich bin froh, dass es die DDR nicht mehr gibt" und "Ich bin froh, die DDR noch erlebt zu haben" 2000 bis 2012 (Prozent) (© Sächsische Längsschnittstudie)

In allen Erhebungen seit 2000 findet die Aussage, "Ich bin froh, die DDR noch erlebt zu haben" eine sehr hohe Zustimmung von 80 bis 92 Prozent. Für die Teilnehmenden sind die Jahre von ca. 1973 bis 1990, die sie als Kinder und Jugendliche in der DDR erlebten, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erinnerung und Identität, die sie nicht missen möchten. Deutlich geringer sind die Zustimmungsraten zur Aussage "Ich bin froh, dass es die DDR nicht mehr gibt". Nur 40 bis 50 Prozent stimmen dieser Aussage zu. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die verbliebenen Teilnehmenden traurig sind über den Untergang der DDR. Von denen, die der Aussage nicht zustimmten (wie in Abbildung 2 dargestellt), haben die meisten (jeweils deutlich über 30 Prozent) eine Antwortposition in der Mitte, das heißt zwischen Zustimmung und Ablehnung gewählt. Mit dem Untergang der DDR werden also von einer beachtlichen Teilgruppe der Studienpopulation gleichermaßen positive wie negative Aspekte verknüpft. Nur ein kleiner Teil der Studienbefragten (< 20 Prozent) lehnt die Aussage "Ich bin froh, dass es die DDR nicht mehr gibt" deutlich ab.

3. Ost und West – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Seit etwa dem Jahr 2000 ist der Anteil der Befragten, die nicht mehr in den neuen Bundesländern wohnen, konstant bei 25 Prozent. Entsprechende Analysen aus der Sächsischen Längsschnittstudie zeigen, dass die meisten der Fortgezogenen mit diesem Schritt sehr zufrieden sind. Sie fühlen sich wohl in ihrer neuen Heimat, sind mit vielen Lebensbereichen (zum Beispiel Einkommen) deutlich zufriedenerer und wollen nur in wenigen Fällen wieder nach Ostdeutschland zurückziehen.

Eine Frage der Sächsischen Längsschnittstudie lautet "Gibt es gegenwärtig zwischen Ost- und Westdeutschen insgesamt gesehen mehr Trennendes oder mehr Gemeinsamkeiten?" Von 1996 bis 2013 nimmt die Einschätzung, dass die Gemeinsamkeiten zwischen Ost- und Westdeutschen überwiegen, deutlich zu. Damit geht folglich auch die Einstellung, es gebe mehr Trennendes, zurück. In der Gesamtgruppe wurde 1996 noch mehr Trennendes gesehen (55,6 Prozent). 2013/2014 sind über 75 Prozent der Meinung, dass die Gemeinsamkeiten überwiegen. In Abbildung 3 sind die Antworten auf diese Frage, unterschieden nach dem Wohnort Ost- beziehungsweise Westdeutschland/Ausland, aufgeschlüsselt.

Abbildung 3: Gibt es insgesamt gesehen mehr Trennendes oder mehr Gemeinsamkeiten zwischen Ost- und Westdeutschen? (Gemeinsamkeiten in Prozent 1996 bis 2013/2014 nach Wohnort) (© Sächsische Längsschnittstudie)

Bis Mitte/Ende der 1990er Jahre war unabhängig vom aktuellen Wohnort jeweils die Mehrheit der Befragten der Meinung, es gebe mehr Trennendes zwischen Ost- und Westdeutschen. Bei den Teilnehmenden, die im Westen leben, änderte sich diese Einstellung ab der Jahrtausendwende (Welle 14 2000). Seitdem sind von den in den alten Ländern Lebenden stets mehr Befragte anteilig der Meinung, die Gemeinsamkeiten überwiegen. Bei den in Ostdeutschland Wohnenden sagte erstmals 2003 und durchgängig erst ab dem Jahr 2006 eine Mehrheit, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes zwischen gebe. Dieser ermutigende Befund spricht für ein Zusammenwachsen der Deutschen in der ehemaligen DDR und der alten Bundesrepublik. Jedoch sind immer noch einige Befragte der Meinung, dass die Unterschiede überwiegen. Zudem sind die Unterschiede in Abhängigkeit vom Wohnort nach wie vor deutlich: Personen, die im Westen leben, sehen mit 87 Prozent deutlich mehr Gemeinsamkeiten.

Innere Einheit – Wie lange wird es noch dauern?

Wenn auch 25 Jahre nach dem Mauerfall noch immer Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen wahrgenommen werden, stellt sich die Frage, wie lange es noch dauern wird, bis Ost und West wirklich wiedervereint sind. Eine Frage in der Sächsischen Längsschnittstudie beschäftigt sich genau mit diesem angenommenen Zeitfenster. Die Frage lautet: "Wie lange wird es wohl dauern, bis Ost- und Westdeutsche zu einer richtigen Gemeinschaft zusammengewachsen sind?" Anzugeben sind hier die erwarteten Jahre in absoluten Zahlen (Abbildung 4). 1990 gingen die Teilnehmenden noch davon aus, dass in etwa acht Jahren (1998) die sogenannte "innere Einheit" hergestellt sein würde. Bereits 1996 hat sich die erwartete Zeitspanne auf mehr als 20 Jahre erhöht, bis 2019. Auch in den nachfolgenden Erhebungen ab 1998 wird als Mittelwert immer eine Zahl größer als 20 Jahre bis zum Zusammenwachsen der Deutschen in Ost und West ermittelt. Die Spanne reicht dabei meist von 0 Jahren bis hin zu 100 Jahren. Die erwartete Zeit bis zur tatsächlichen Einheit schiebt sich somit von Jahr zu Jahr immer weiter nach hinten, anstatt, wie vielleicht zu erwarten wäre, geringer zu werden.

Abbildung 4: Angenommene Jahre bis zur Herstellung der sogenannten "inneren Einheit" (1990 bis 2013/2014, Mittelwerte) (© Sächsische Längsschnittstudie)

In der 27. Welle der Studie 2013/2014 wurden 24,6 Jahre als Mittel angegeben (Spanne von 0 bis 100 Jahre, Standardabweichung 21,91). Nach Meinung der Befragten wird es also erst 2038 die vielbeschworene innere Einheit geben. Die heute ca. 40-jährigen Studienteilnehmer werden dann etwa 65 Jahre alt sein. Nur 17 Personen (5,3 Prozent) haben einen Wert von Null angegeben und gehen somit davon aus, dass die innere Einheit bereits vollzogen ist. Da die Spanne in der angenommenen Zeitdauer sehr groß ist, stellt sich die Frage, wovon die eingeschätzte Dauer abhängt. In Tabelle 2 sind dazu die Analysen einiger Subgruppenvergleiche dargestellt.

Tabelle 2: Unterschiede in der Einschätzung der Dauer (Jahre) bis zur Herstellung der inneren Einheit in verschiedenen Teilgruppen (Welle 27 2013/2014, Mittelwerte (M), Standardabweichungen (SD) und Vergleich der Mittelwerte mittels des statistischen Verfahrens t-Test) (© Sächsische Längsschnittstudie)

Es zeigt sich, dass Personen, die im Westen Deutschlands leben, verglichen mit in Ostdeutschland Wohnenden, die Zeitspanne bis zur Herstellung der inneren Einheit signifikant, das heißt statistisch abgesichert, als kürzer wahrnehmen. Aber auch unter den im Westen lebenden Befragten werden im Mittel noch 20 Jahre angenommen, bis die innere Einheit vollzogen sein wird. Ebenfalls hat das persönliche monatliche Nettoeinkommen einen Einfluss: Personen mit einem Verdienst über 2000 Euro schätzen die Dauer bis zur Herstellung der inneren Einheit als kürzer ein. Weiterhin statistisch signifikant war die Einschätzung, ob man sich als Verlierer oder Gewinner der deutsches Einheit sieht und ob es derzeit mehr Trennendes oder mehr Gemeinsamkeiten zwischen Ost- und Westdeutschen gibt. Die subjektiven Wiedervereinigungs-Verlierer und die Personen, die mehr Trennendes zwischen den Deutschen in Ost und West sehen, nehmen eine deutlich längere Zeitdauer bis zur Herstellung der inneren Einheit an.

Auf tendenzieller Ebene (p < 0.10, ein niedrigeres Signifikanzniveau) zeigten sich auch Einflüsse des Geschlechts und der Bildung: Frauen und Personen mit einem niedrigeren Bildungsgrad (keine Fachhochschulreife/Abitur oder höher) vermuten eine etwas größere Anzahl von Jahren. Keine statistisch bedeutsamen Einflüsse in den dargestellten Analysen hatten das Zusammenleben in einer Partnerschaft, das Vorhandensein von Kindern, erlebte Arbeitslosigkeitserfahrungen, die Präferenz der politischen Parteien CDU/CSU oder Die Linke und auch die vor der Wiedervereinigung ermittelte Identifikation mit dem DDR-System (Gegner/Befürworter) wirkten sich nicht signifikant aus.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Sächsische Längsschnittstudie gehört weltweit zu den wenigen Studien mit einer Dauer von über 25 Jahren, bei denen immer dieselben Befragten teilnehmen. Es ist die einzige Langzeitstudie, die in dieser inhaltlichen Tiefe und einem breiten Fragenspektrum das Erleben der deutschen Wiedervereinigung und der ostdeutschen Transformation bei einer ausreichend großen Untersuchungsgruppe erfasst. Auch nach der langen Dauer der Studie wurden in den letzten Wellen stets Rücklaufquoten von um die 75 Prozent erreicht.

Vergleicht man die aktuellen Daten aus der letzten Welle 2013/2014 mit den vorherigen Analysen, so zeigt sich, dass sich viele Trends fortsetzen. Konstant seit der Wiedervereinigung wird dieses Ereignis von den mit deutlicher Mehrheit begrüßt (2013/2014: 91 Prozent). Die deutsche Einheit schreitet voran, es ist eine Annäherung von Ost und West zu verzeichnen. Die Studienteilnehmer sehen zunehmend mehr Gemeinsamkeiten zwischen Ost- und Westdeutschen. Immer mehr Teilnehmende nehmen sich als Gewinner und zunehmend weniger als Verlierer des Wiedervereinigungsprozesses wahr. Es lassen sich aber auch 25 Jahre nach dem Mauerfall noch Einflüsse der Sozialisation unter den Bedingungen der ehemaligen DDR nachweisen: Ehemalige Systemgegner und -befürworter unterscheiden sich in zahlreichen heutigen Einschätzungen in Bezug auf die Wiedervereinigung. Die Systembefürworter von einst sehen auch heute noch einige Aspekte des Vereinigungsprozesses kritischer. Weitere Einflussmerkmale auf die Beurteilung der deutschen Einheit in einigen Fragen sind unter anderem das Geschlecht, der Wohnort Ost- oder Westdeutschland, der Bildungsstand und das persönliche Einkommen: Frauen beurteilen die deutsche Einheit etwas kritischer, ebenso Personen, die in Ostdeutschland leben, Personen mit einem niedrigeren Bildungstand (weniger als Abitur) und Personen mit einem niedrigeren Einkommen. Männer, Teilnehmende mit Wohnort Westdeutschland, höherer Bildung und höherem Einkommen beurteilen verschiedene Aspekte der Wiedervereinigung positiver.

Die Studienteilnehmer möchten in der Mehrzahl die in ihrer Kindheit und Jugend gemachten Erfahrungen in der DDR nicht missen. Unverändert gibt nach wie vor die überwiegende Mehrheit an, dass sie froh seien, die DDR noch erlebt zu haben. Trotz der in Zahlen deutlich belegbaren weiteren Annährung zwischen Ost und West sehen die Teilnehmenden den Wiedervereinigungsprozess noch nicht als vollendet an. Bis zur tatsächlichen Wiederherstellung der inneren Einheit, so geben sie an, werden noch 25 Jahre vergehen. Es liegt somit noch ein weiter Weg vor uns, wie die aktuellen Ergebnisse der Studie zusammenfassend belegen. Aus diesem Grunde soll die Sächsische Längsschnittstudie möglichst noch viele Jahre fortgesetzt werden.

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass es sich um eine Stichprobe ausschließlich von (ehemaligen) Ostdeutschen handelt. Aussagen zur westdeutschen Sicht auf die analysierten Transformationsprozesse sind damit nicht möglich. Es existiert unseres Wissens auch keine vergleichbare Stichprobe aus den alten Ländern, die zu Vergleichszwecken herangezogen werden könnte. Alle Studienteilnehmer sind 1973 geboren und stammen aus den ehemaligen DDR-Bezirken Leipzig und Karl-Marx-Stadt. Eine Verallgemeinerung auf andere Altersgruppen oder ostdeutsche Länder sollte mit Zurückhaltung erfolgen.

Zitierweise: Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler, Markus Zenger, Anja Zimmermann & Yve Stöbel-Richter, Der lange Weg zur inneren Einheit. Ergebnisse der Sächsischen Längsschnittstudie, in: Deutschland Archiv, 12.11.2014, Link: http://www.bpb.de/194856

Fussnoten

Fußnoten

  1. Peter Förster, "Es war nicht alles falsch, was wir früher über den Kapitalismus gelernt haben." Empirische Ergebnisse einer Längsschnittstudie zum Weg junger Ostdeutscher vom DDR-Bürger zum Bundesbürger, in: Deutschland Archiv 34 (2001) 2, S. 197-218; Peter Förster, Die aus der Sicht einer Gruppe ostdeutscher Erwachsener in den neuen Bundesländern: Keine Zukunft im Osten! Ergebnisse einer systemübergreifenden Längsschnittstudie, in: Deutschland Archiv 37 (2004) 1, S. 23-42; Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler, Markus Zenger und Yve Stöbel-Richter, 20 Jahre deutsche Wiedervereinigung aus der Sicht einer Gruppe ostdeutscher Erwachsener. Ergebnisse der Sächsischen Längsschnittstudie 1987 bis 2009, in: Deutschland Archiv 43 (2010) 5, S. 787-794.

  2. Vgl. Walter Friedrich, Peter Förster und Kurt Starke (Hg.), Das Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig 1966-1990. Geschichte - Methoden – Erkenntnisse, Berlin 1999.

  3. Vgl. Peter Förster, Junge Ostdeutsche auf der Suche nach der Freiheit. Eine systemübergreifende Längsschnittstudie zum politischen Mentalitätswandel vor und nach der Wende, Opladen 2002; Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler und Yve Stöbel-Richter, Einheitslust und Einheitsfrust. Junge Ostdeutsche auf dem Weg vom DDR- zum Bundesbürger. Eine sozialwissenschaftliche Langzeitstudie von 1987–2006, Gießen 2007; Hendrik Berth, Elmar Brähler, Markus Zenger und Yve Stöbel-Richter (Hg.), Innenansichten der Transformation. 25 Jahre Sächsische Längsschnittstudie (1987-2012), Gießen 2012.

  4. Vgl. auch: Externer Link: http://www.wiedervereinigung.de/sls - Internetseite der Sächsischen Längsschnittstudie; http://de.wikipedia.org/wiki/Sächsische_Längsschnittstudie - Wikipedia-Eintrag der Sächsischen Längsschnittstudie; Externer Link: https://facebook.com/wiedervereinigung - Facebook-Profil der Sächsischen Längsschnittstudie; Externer Link: http://www.generation-wende.de – Internetseite zum Dokumentarfilm über die Sächsische Längsschnittstudie

  5. Die Verteilung auf Einkommensgruppen (persönliches Nettoeinkommen/Monat) wurde 2013 durch die Teilnehmenden wie folgt angegeben: unter 500 Euro 4,0 Prozent, 500 bis 999 Euro 12,2 Prozent, 1000 bis 1499 Euro 30,1 Prozent, 1500 bis 1999 Euro 23,7 Prozent, 2.000 Euro und mehr 28,0 Prozent sowie kein Einkommen 2,1 Prozent.

  6. Der Bildungsstand in der Stichprobe stellt sich wie folgt dar: Polytechnische Oberschule/Mittlere Reife 54,5 Prozent, Fachschulabschluss 6,5 Prozent, Abitur 13,4 Prozent, Universitätsabschluss 25,2 Prozent, anderer Abschluss 0,4 Prozent.

  7. Vgl. Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler, Markus Zenger und Yve Stöbel-Richter, "Warum machen Sie noch mit?" Die Sächsische Längsschnittstudie 1987 bis 2010, in: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. (Hg.), Jahrbuch Volkskunde in Sachsen, Band 23/2011, Dresden 2011, S. 227-243.

  8. Vgl. Markus Zenger, Hendrik Berth, Elmar Brähler und Yve Stöbel-Richter, Health complaints and unemployment: the role of self-efficacy in a prospective cohort study, in: Journal of Social and Clinical Psychology, 32 (2013) 1, S. 95-112; Yve Stöbel-Richter, Markus Zenger, Hendrik Berth und Elmar Brähler, To what extent family planning can be seen as a rational decision making process?, in: Samuel Salzborn, Eldad Davidov und Jost Reinecke (Hg.), Methods, Theories and Empirical Applications in the Social Sciences,Wiesbaden 2012, S. 303-307; Hendrik Berth, Peter Förster, Friedrich Balck, Elmar Brähler und Yve Stöbel-Richter, Der Einfluss des frühkindlichen Krippenbesuchs auf die Psyche im jungen Erwachsenenalter, in: Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 60 (2010), S. 73-77.

  9. Externer Link: https://dbk.gesis.org/dbksearch/GDESC2.asp?no=0013&search=&search2=&DB=d&tab=0¬abs=&nf=1&af=&ll=10

  10. Vgl. Berth u.a., 20 Jahre deutsche Wiedervereinigung (Anm. 1).

  11. Vgl. ausführlich Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler, Markus Zenger, Anja Zimmermann und Yve Stöbel-Richter, Wer sind die Verlierer der deutschen Einheit? Ergebnisse aus der Sächsischen Längsschnittstudie, in: Elmar Brähler und Wolf Wagner (Hg.), Kein Ende mit der Wende? Perspektiven aus Ost und West, Gießen 2014.

  12. Vgl. Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler, Markus Zenger und Yve Stöbel-Richter, "Wir Thälmannpioniere lieben unser sozialistisches Vaterland, die Deutsche Demokratische Republik." - Was bleibt davon nach 20 Jahren?, in: Elmar Brähler und Irina Mohr (Hg.), 20 Jahre deutsche Einheit - Facetten einer geteilten Wirklichkeit, Gießen 2010, S. 155-171.

  13. Vgl. Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler, Markus Zenger, Anja Zimmermann und Yve Stöbel-Richter, Innerdeutsche Migration und seelische Gesundheit. Ergebnisse aus der Sächsischen Längsschnittstudie, in: Elmar Brähler und Wolf Wagner (Hg.), Kein Ende mit der Wende? Perspektiven aus Ost und West, Gießen 2014.

Lizenz

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler, Markus Zenger, Anja Zimmermann & Yve Stöbel-Richter für bpb.de

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