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"Power to the People" – Leipzig zwischen Anarchie und Nationalstaat

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? 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Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? 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"Power to the People" – Leipzig zwischen Anarchie und Nationalstaat Eine virtuelle Ausstellung des Archivs Bürgerbewegung Leipzig

Achim Beier

/ 14 Minuten zu lesen

1989/90: In der DDR setzte das Machtvakuum beachtliche Energien der Menschen frei. Eine virtuelle Ausstellung erzählt von der Dynamik des Aufbruchs in Leipzig: Runder Tisch, Polarisierung auf der Straße, neue Zeitung, Piratensender, "Montmartre" von Leipzig, Subkultur und Politik, "Stoppt den Tagebau" ...

Vorbemerkungen

Die Jubiläen zur Friedlichen Revolution und zur Deutschen Einheit 2009 und 2010 haben eine große Anzahl regionaler und überregionaler Studien zu den Ereignissen in den 1980er-Jahren hervorgebracht. Die Präsentationsformen waren dabei sehr unterschiedlich. Sie reichten von Ausstellungen über journalistische Beiträge bis zu wissenschaftlichen Untersuchungen.

Die DDR-Geschichte ist zeitlich abgeschlossen und ihre Aufarbeitung ist zum historischen Gegenstand als Ganzes geworden. Unterrepräsentiert in der historischen Debatte sind dagegen die Entwicklungslinien, die zur Deutschen Einheit und darüber hinaus führten. Hier manifestierten sich individuelle Erfahrungshorizonte und gesellschaftliche Notwendigkeiten, die ihre Auswirkungen bis heute haben. Die subjektive Beurteilung dieses Prozesses ist stark geprägt vom eigenen Wahrnehmungshorizont der Gegenwart. Sind die damaligen Hoffnungen und Wünsche bis heute in Erfüllung gegangen? Das Feuilleton spricht nicht selten von Verlierern und Gewinnern der Einheit. Dieses Schwarzweiß-Schema stigmatisiert und polarisiert. Gradmesser ist die Partizipation am heute Erwünschten. Die immer wieder durchgeführten Umfragen zum Stand der "inneren Einheit" verdeutlichen oft eine erschreckende Disharmonie in der deutschen Gesellschaft. In dem heute gültigen Primat der ökonomischen Teilhabe verschwimmen die Grundbedingungen unserer Gesellschaft – stabile demokratische Verhältnisse.

Demokratische Werte werden als selbstverständlich angesehen oder werden der gegenwärtigen Politikverdrossenheit hintangestellt. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass Demokratie die Möglichkeiten schafft sich einzubringen, zu gestalten. Besonders kontrastreich sind diesbezüglich die Ereignisse von 1989/90 in der DDR. Der Wille und die Bereitschaft, "sich einzumischen", brachte die Gesellschaft voran, und die Geschichte hat es bewiesen: Der freie Mensch engagiert sich. Neben dem Aufbau und der Etablierung demokratischer Strukturen analog zur Bundesrepublik sind es vor allem die vielen kleinen Initiativen von Menschen, die das gesellschaftliche Leben veränderten.


Werbebanner für das Onlineportal www.deutsche-einheit-leipzig.de. (© Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.)

Wie die ersten "Gehversuche" aussahen, soll in einer virtuellen Ausstellung, die das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. erstellt hat, gewürdigt und dargestellt werden: Die Menschen haben sich die Freiheit erkämpft und nutzen sie im Interesse des Gemeinwohls.

In einer Lokalstudie kommt es zur Annäherung an die Dimension des Problems. Es wird punktuell ausgelotet und zeigt den Facettenreichtum allein in einer Stadt. "Leipzig" soll dabei ein Beispiel von vielen sein. In anderen Städten der DDR passierte Ähnliches, häufig aber ganz anders. Vieles galt es zu verändern, neu zu schaffen, nachzuholen, (sich) auszuprobieren. Schön wäre es, wenn es mit der Ausstellung gelänge, Impulse zu vermitteln, den Prozess der Deutschen Einheit in die Agenda der Wissenschaft und der politischen Bildung aufzunehmen.

Die Idee, dieses Desiderat aufzugreifen, entstand im Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. Der Verein ist ein Träger der politischen Bildung. Nachdem man in den letzten Jahren Wechselausstellungen erarbeitet hatte, werden jetzt mit dem Internet ganz andere "Ausstellungsräume" mit ganz anderen Möglichkeiten erschlossen. So kann eine virtuelle Ausstellung dazu genutzt werden, sich historischen "Gegenständen" zu nähern, sie selbstständig zu erarbeiten oder zu vertiefen oder mittels mobiler Geräte wie Smartphones einen zeitgeschichtlichen Stadtrundgang zu unternehmen.

Die Umsetzung dieser Idee wurde nur durch die Förderung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur möglich.

Thema und Design

1989/90: Die Selbstbefreiung der Völker Mittel- und Osteuropas beendet die Blockkonfrontation. Das jeweilige historische Selbstverständnis der einzelnen Länder führt zur Bildung neuer und eigenständiger Staaten oder – wie im Falle der DDR – zur Auflösung. Doch zunächst gilt das "Alte" nicht mehr und das "Neue" noch nicht. In diesem Jahr des Machtvakuums werden ungeheure Kräfte freigesetzt, fantastische Ideen entwickelt, Begehrlichkeiten entstehen und Gewohnheiten müssen aufgegeben werden.

Der 9. Oktober 1989 gilt durch die Leipziger Ereignisse als der Tag der Entscheidung im revolutionären Geschehen in der DDR. Dieser Tag stellt damit eine Zäsur in der deutschen Zeitgeschichte insgesamt dar. Von jetzt an wurde die Etablierung demokratische Strukturen in der Gesellschaft möglich. Das folgende Jahr bis zur politischen Umsetzung der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 ist in dieser Hinsicht mit vielen Brüchen von Institutionen, Bürgerbewegungen, Parteien, aber auch Einzelpersonen verbunden. Ein ganzes Land war in Bewegung. Die Menschen spürten ihre Kraft und gingen neue Wege. Dieser Einfallsreichtum und diese Gestaltungskraft, die der Ausstellungstitel "Power to the People" aufnimmt, sind würdig, dargestellt zu werden; denn so engagiert waren die Menschen später in den gesamtdeutschen Strukturen kaum wieder.

In Anbetracht der Komplexität des Themas liegt der Fokus der Ausstellung auf den beginnenden politischen Veränderungen vor Ort in Leipzig selbst, weil dies die ersten Forderungen der Opposition und der Demonstranten waren. Dieser Prozess kann natürlich nicht isoliert von der Gesamtentwicklung in der DDR gezeigt werden, doch es wird das Spezifische in Leipzig herausgearbeitet.

Eine Präsentation im Internet bietet die Möglichkeit, multimediale Objekte einzubauen und damit den Schau- und Unterhaltungswert der Ausstellung zu erhöhen. Der nachgeborenen Generation kann der Zugang und die Auseinandersetzung mit dem Thema erleichtert werden. Es wurden deshalb bewusst Stilmittel der modernen Mediennutzung verwendet. Flash-Animationen sollen den Besucher in die verschiedenen "Ausstellungsräume" leiten. Emotionalisiert wird dieser "Gang" durch die Einbindung historischer Tonaufnahmen. Die inhaltliche Darstellung ist vergleichbar mit einer grafisch gestalteten Ausstellungstafel. Doch bietet sich hier die Möglichkeit, Filme anzuschauen, Audiodokumente oder Bildergalerien zu betrachten. Gleichzeitig können Dokumente als PDF-Dateien einen vertiefenden Einblick geben.

Die Ausstellung soll Lust erzeugen, sich mit Geschichte zu beschäftigen. Von daher wurde versucht, einen "Quellenmix" zu verarbeiten, um möglichst breitem Interessen entgegenkommen zu können.

Gliederung

Die Grundidee der Ausstellung ist es, die gesellschaftlichen Veränderungen auf einem Luftbild von Leipzig zu verorten. Dabei kann zwar kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden, doch werden die gewählten Orte ihrerseits in ihrer historischen Komplexität erfasst. Diese Vorgehensweise bietet dem Benutzer den Vorteil, dass er selbst entscheiden kann, welchem Thema er sich widmen möchte.

Über eine "Einleitungsseite" gelangt man zur Ausstellung. Hier wird das Anliegen beschrieben und das Thema eingegrenzt. Um nun nicht den Eindruck eines singulären Ereignisses zu wecken, wurde die Fallstudie in einen globalen Maßstab eingebettet. Über eine Mittel- und Osteuropakarte "zoomt" der Nutzer sich nach Leipzig. Damit soll verdeutlicht werden, dass die gezeigten Ereignisse ohne die Entwicklungen in Ostmitteleuropa nicht denkbar wären und dass "Leipzig" ein Beispiel von vielen ist. Der englische Titel der Ausstellung ist auch aus diesem Grunde gewählt worden. Er bildet das Zitat eines Transparentes und soll den internationalen Charakter der Ereignisse illustrieren.

"Stadtrundgang" des Portals "Power to the people". (© Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.)

Die Inhalte werden in Form eines Stadtrundganges gegliedert. An sechs Stationen sind verschiedene Momente der gesellschaftlichen Veränderungen beschrieben. Audiovisuelle Dokumente verdeutlichen und illustrieren die Rechercheergebnisse. Das sind zeithistorische Video- und Audioclips sowie reflektierende Zeitzeugenaussagen.

Stationen des "Rundgangs" sind der Augustusplatz, das Haus der Demokratie, das Kulturhaus "naTo", das Neue Rathaus, die "Runde Ecke" und der ehemalige VEB Geophysik.

Der Augustusplatz

Der Augustusplatz ist Leipzigs zentraler Platz in der Innenstadt. Als Karl-Marx-Platz diente er der SED als Aufmarschort für ihre Kundgebungen und Demonstrationen. Jede Stadt in der DDR hatte einen derartigen Ort. Dieser öffentliche Raum war im Herbst 1989 der erste Versammlungsort der Menschen. Hier fand die Meinungsbildung durch die Montagsdemonstrationen in Form von Kundgebungen statt. Im angrenzenden Gewandhaus begannen die "Dialog"-Gespräche zwischen Vertretern der SED und der Bevölkerung. Symbol dieser Auseinandersetzung war die Dialogsäule, die auf dem ehemaligen Karl-Marx-Platz stand und wo jedermann Enthüllungen, Forderungen und Statements plakatieren konnte. Dicht gedrängt wurde auf offener Straße diskutiert.

An diesem Ort zeigt sich auch die rasche Veränderung der Alltagskultur und des Umgangs miteinander. Hier tritt zutage, wie schwer es mitunter war, eine andere Meinung anzuerkennen. So sind in der kollektiven Erinnerung der Region die Demonstrationen, die nach den montäglichen Friedensgebeten stattfanden, als Akt der Befreiung geblieben. Diese Wirkung hatten die Montagsdemonstrationen allerdings nur für eine kurze Zeit. Nachdem die SED gestürzt worden war, ist dieser Ort vielfach vom Bestreben geprägt, politisch anders Denkende auszugrenzen oder zu diffamieren. Mit der Internetpräsentation soll deshalb auch dem Mythos, der um die "Montagsdemonstration" entstanden ist, begegnet werden. Dabei wurden alle Montagsdemonstrationen in ihren Intentionen analysiert und strukturiert. Es sind drei Phasen zu erkennen:

Phase 1: "Wir sind das Volk!"

Filmstill von der Demonstration am 30. Oktober 1989 auf dem Leipziger Augustusplatz. (© Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.)

Ausgangspunkt der Präsentation ist die Demonstration am 9. Oktober 1989. In dieser ersten Phase bis zum 30. Oktober 1989 geht es um demokratische Mitbestimmung und gegen den Alleinvertretungs-anspruch der SED. Deutlich wird hier, wie sich die SED bemühte, die Demonstrationen zu verhindern, und im Gegenzug die machtvollen Demonstrationen die SED zum Einlenken zwangen.



Phase 2: "Wir sind ein Volk!"

Filmstill von der Demonstration am 6. November 1989 auf dem Leipziger Augustusplatz. (© Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.)

Die zweite Phase erstreckte sich vom 6. November 1989 bis zum 29. Januar 1990. Nun stand die nationale Frage auf der Tagesordnung. Die Organisatoren der Demonstrationen vom Neuen Forum wurden ausgepfiffen, weil sie danach strebten, zunächst die Machtfrage zu klären. In dieser Phase kam es zu vehementen Auseinandersetzungen nicht nur verbaler Art zwischen den Demonstranten. Das gesamte politische Spektrum, einschließlich der extremen Ränder, nutzte die Demonstrationen.



Phase 3: "Wir sind Deutsche!"

Filmstill von Demonstrationen im Februar/März 1990 auf dem Leipziger Augustusplatz. (© Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.)

Die dritte Phase erstreckte sich vom 5. Februar bis zur letzten Montagsdemonstration am 12. März 1990. Jetzt wurde massiv Wahlkampf betrieben. Nachdem die Volkskammerwahl auf den 18. März vorgezogen worden war, nutzten die Parteien und Gruppierungen die Montags-demonstrationen zur Abrechnung mit dem politischen Gegner.

"Dialog"-Gespräche gab es an verschiedenen Orten der Stadt, oft in unmittelbarer Nähe zum damaligen Karl-Marx-Platz. Am bekanntesten wurden die Foren im Gewandhaus. Für die Foren im nahegelegenen "academixer"-Keller, der Spielstätte eines Kabaretts, und der Moritzbastei, einem Studentenklub, sind bisher unbekannte Gesprächsmitschnitte recherchiert worden. Sie sind verschriftet worden und können in der Ausstellung als PDF betrachtet werden. Diese Aufzeichnungen projizieren die Krise der SED-DDR auf die Alltagsebene. Sie vermitteln sehr viel Zeitgeist und machen die ungeheure Dynamik der Ereignisse sichtbar.

Das Haus der Demokratie

Die Forderung nach einem geeigneten Haus für die Opposition wurde vom Neuen Forum als Ultimatum formuliert: "Wenn ein solches nicht binnen kürzester Zeit zur Verfügung steht, gibt es keinen Runden Tisch und die politische Entwicklung dieser Stadt wird weiter der Straße überlassen". Nachdem die SED-Führung zu einem ersten Termin noch zu beschwichtigen versuchte und vorerst nur in den Sachdialog mit den oppositionellen Gruppen eintreten wollte, wurde schon beim zweiten Treffen die Forderung erfüllt. Einer der Sekretäre der SED-Bezirksleitung, Jochen Pommert, schlug das Haus der SED-Stadtleitung in der Bernhard-Göring-Straße als Sitz der neuen Bürgerbewegungen und Parteien vor. Am 2. Januar 1990 wurde das Haus übergeben. In dieser Zeit entstanden in vielen Städten der DDR derartige Häuser als Arbeitsräume für die Opposition. Dabei ist das Leipziger "Haus der Demokratie" das einzige, das sich nach wie vor am historischen Ort befindet. Gleichzeitig ist es eine Art Symbol, dass die alte Staatspartei den Platz für neue politische Kräfte räumen musste.

An dieser Station finden sich die meisten Inhalte. Das Haus steht für die politische Partizipation der Opposition. Neben der Darstellung der ständigen Auseinandersetzung mit dem Hauseigentümer SED/PDS werden exemplarisch sechs Mieter des Hauses vorgestellt. Sie gehören zu den ersten Organisationen im Haus – drei politische Gruppierungen (Neues Forum, Sozialdemokratische Partei/SDP, Demokratischer Aufbruch) und drei Vereine (Ökolöwe, Kanal X, Initiative Freie Pädagogik). Dabei ist das Neue Forum in Leipzig der Dreh- und Angelpunkt vieler Aktionen gewesen.

Bei den Recherchen für die Ausstellung wurde einmaliges Filmmaterial gefunden, darunter ein Videomitschnitt der ersten öffentlichen Veranstaltung des Neuen Forum in Leipzig bereits am 8. Oktober 1989 (!) und Material des Piratensenders "Kanal X".

Beim "Kanal X" versammelten sich Enthusiasten, die dem Meinungsmonopol der SED/PDS ein eigenes Medium entgegensetzten. Der Fundus des erhaltenen Videomaterials harrt jedoch noch seiner Aufarbeitung, sodass momentan nur sehr wenige Ausschnitte genutzt werden können. Sowohl am "Kanal X" als auch an der Freien Schule Connewitz (gegründet aus der Initiative Freie Pädagogik) wird deutlich, dass deren Wirken nur in diesem schmalen Zeitfenster im Jahr der "Anarchie" zwischen Oktober 1989 und Oktober 1990 möglich war. Mit den gesamtdeutschen Strukturen 1990/91 endete für "Kanal X" die juristische Grauzone und eine Legalisierung des Senders scheiterte. Die heute noch arbeitende Freie Schule Connewitz hätte in diesem Kontext ebenfalls keine Zulassung bekommen und nutzte das schmale Zeitfenster, um ihre Anerkennung zu erhalten.

Der Verein "Ökolöwe" gehörte zu den Initiatoren der größten Protestbewegung in der ersten Hälfte des Jahres 1990. Die Stadt Leipzig war von Braunkohlentagebauen "umzingelt". Jetzt nutzten Tagebaubetriebe ihrerseits das relative Machtvakuum und versuchten, mit einer raschen Abholzung des stadtnahen Biotops Lauer vollendete Tatsachen für den Abbau von Braunkohle dort durch eine Ausweitung des Tagebaus Cospuden zu schaffen. Es entstand eine breite Bürgerbewegung ("Stoppt Cospuden"), die das verhindern konnte. Der "Ökolöwe" ist auch heute noch ein überaus engagierter Verein in der Stadt. Damit kann gezeigt werden, dass es auch auf Vereinsebene Kontinuitäten gibt, die aus der Friedlichen Revolution gewachsen sind.

Die "naTo"

Das Kulturhaus "Nationale Front", im Volksmund kurz "naTo" genannt, steht für die aktive Subkultur, die es in Leipzig schon vor 1989 gab. Zum ersten Mal ist die Geschichte der subkulturellen Szene, insbesondere des Punk, in Leipzig von ihren Anfängen seit dem Beginn der 1980er-Jahre über ihre Aktionsformen – nämlich Musik als Mittel, um politische Inhalte zu transportieren – bis zu ihrem Ende in dieser Ausstellung historisierend dargestellt worden. Nach jahrelangem Agieren in Kirchenräumen, etwa im Mockauer Keller, konnte die "naTo" als öffentlicher Raum genutzt werden. Hier fanden viele der sogenannten "ReAktions-Konzerte" statt. Dabei stand neben der Musik die politische Diskussion des Tagesgeschehens im Vordergrund. Die selbstverwaltete Konzertreihe bot stets auch anderen Initiativen ein Podium, um an die Öffentlichkeit zu treten.

So auch der "Connewitzer Alternative", die sich um die Legalisierung der Hausbesetzungen im Stadtteil Connewitz bemühte. Mit diesem Kapitel wird ein Reizpunkt für die Gesellschaft angesprochen, den die Hausbesetzerszene grundsätzlich. Auch hier wurden erstmals analytische Perspektiven von aus der Not geborener Selbsthilfe – durch Schwarzwohnen – über die Etablierung einer "freien Szene" bis zu deren Radikalisierung aufgezeigt. Mit dem Abrissstopp der Häuser von Altconnewitz im Januar 1990 setzte eine schleichende Besetzung des leerstehenden Wohnraums durch Jugendliche ein. Im April 1990 gründete sich der Verein "Connewitzer Alternative". Um den Verein entwickelte sich eine aktionsbetonte Szenekultur, die die Unsicherheit der alten Strukturen als Möglichkeiten für Neues begriff. Schnell sprach man vom "Montmartre" von Leipzig.

Ebenfalls in diesem Szenetreff wird die erste unabhängige Zeitung von Leipzig verortet, obwohl deren Redaktion nicht hier ansässig gewesen ist. "Die Andere Zeitung" ("DAZ"), im Januar 1990 von Mitgliedern des Neuen Forum gegründet, stellte sich dem Meinungsmonopol der SED und der (ehemaligen) Blockparteien entgegen. Sie erschien wöchentlich und bot auch der subkulturellen Szene, insbesondere der "naTo" und "ReAktion", ein Forum. Die journalistisch anspruchsvolle Zeitung scheiterte 1991 an den marktwirtschaftlichen Strukturen. Der Idealismus des Neuanfangs war dann nicht mehr zu halten. Für die Ausstellung ist es gelungen, einen großen Teil der "DAZ"-Ausgaben erstmals digital zu veröffentlichen. Diese PDF-Dateien bilden eine hervorragende Recherchemöglichkeit für das damalige Zeitkolorit.

Neues Rathaus

Hier werden die kommunalpolitischen Veränderungen beschrieben. Leipzig war die einzige Stadt in der DDR, wo der Runde Tisch für einige Wochen das legislative und zum Teil auch das exekutive Organ der Kommune bildete. Die alte Stadtverordnetenversammlung löste sich in einer spektakulären Sitzung im Januar 1990 selbst auf, weil ihre Legitimation durch den Wahlbetrug im Mai 1989 angezweifelt wurde. Infolge dessen bekam der Runde Tisch der Stadt Leipzig eine wichtige Funktion, den Übergang zu einer demokratisch legitimierten Versammlung zu organisieren.

Durch intensive Quellenrecherchen konnte dieser Prozess nachgezeichnet werden. Entgegen der bisherigen multimedialen Präsentation entstand hierzu ein grafisch strukturierter Kurzaufsatz. Außerdem wurden die bisher unveröffentlichten Beschlüsse des Runden Tisches zusammengetragen. Mit der Kommunalwahl am 6. Mai 1990 fand dieser Prozess seinen Abschluss. Für die Folgezeit wird der schwierige Anfang der "Berufslaien" nachgezeichnet. Dabei wird deutlich, dass der Enthusiasmus manches Defizit an politisch-parlamentarischer Erfahrung ausgleichen konnte.

Die "Runde Ecke"

Die "Runde Ecke" bezeichnet den Hauptsitz der ehemaligen Bezirksverwaltung der Staatssicherheit am Leipziger Innenstadtring. Es geht an dieser Station vor allem um die Besetzung der Bezirkszentrale in Leipzig am 4. Dezember 1989. Dabei rücken die Besetzung der Stasi-Zentrale und der schwierige Umgang mit der Stasi-Hinterlassenschaft ins Blickfeld. Das Thema und das Material sind so umfangreich, dass die Darstellung auf den Besetzungsakt und auf die Mahnwachen im September 1990 zum Verbleib der Stasi-Akten vor Ort begrenzt wurde.

Die Wochen vor dem 3. Oktober 1990 waren unter anderem von dem Bemühen geprägt, die Unterlagen der Stasi zugänglich zu halten. Es bestand die Sorge, dass der gesamte Bestand in das Bundesarchiv überführt und damit unter das bundesdeutsche Archivgesetz fallen würde. Als Ergebnis der Auseinandersetzungen entstand das Gesetz über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (Stasi-Unterlagen-Gesetz/StUG).

Auf die Staatssicherheit selbst ist an dieser Station nicht näher eingegangen worden, obwohl es sich angeboten hätte. Der Erzählstrang sollte jedoch stringent bei den Akteuren der Bürger-Bewegung verbleiben.

VEB Geophysik

Wenn man die Transformation zur Deutschen Einheit darstellt, können die wirtschaftliche Erosion und der ökonomische Wandel nicht ausgespart bleiben. Gerade die damit verbundenen sozialen Verwerfungen werden in der Gegenwart mitunter stärker wahrgenommen als der Gewinn von Freiheit.

Dieser überaus komplizierte Prozess, der zudem von der Basis nur bedingt mitgestaltet werden konnte, bedarf einer anderen Plattform. Daher ist das Thema bzw. der Link dazu grafisch anders dargestellt als die anderen Orte des Geschehens, um die Sonderrolle dieser Station zu verdeutlichen. Konsequent hat sich die Ausstellung hier an den Forderungen der Friedlichen Revolution nach Demokratisierung der Gesellschaft orientiert und diese am Beispiel von Betrieben thematisiert.

Die SED sollte damals aus den Betrieben verschwinden. Davon erhoffte man sich neben der notwendigen Brechung der Parteiherrschaft an der Basis kurzfristig eine Steigerung der wirtschaftlichen Effektivität. In diesem Prozess spielte das Bürgerkomitee eine wichtige Rolle, das die Gründung von Betriebsräten vorantrieb und dabei eine überregionale Ausstrahlung genoss.

Nach diesen prinzipiellen Ausführungen werden diese am Beispiel des VEB Geophysik Leipzig konkretisiert. Der Betriebsrat im VEB Geophysik ist der zweite gewesen, der sich in Leipzig gebildet hat. Seine Bedeutung erwuchs aus der starken Außenwirkung, die er hatte. Der Betriebsrat half vielen anderen Betrieben bei der Gründung eigener Betriebsräte.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Präsentation beinhaltet 936 Dateien. In der Ausstellung befinden sich also über 900 "Objekte". Auch wenn der Vergleich hinkt, entspricht das in etwa den Wechselausstellungen großer Institutionen wie dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Dies verdeutlicht, wie viel Material in die Darstellung eingeflossen ist.

Mit der Ausstellung hat das Archiv Bürgerbewegung Leipzig ein "niedrigschwelliges" Angebot schaffen wollen, das es Laien ermöglicht, einen einfachen Zugang zur DDR-Geschichte zu bekommen. Die Texte sind kurz, die Filme und Audiomitschnitte meist nur ein bis zwei Minuten lang. Die Darstellung von Kontrasten soll zusätzlich emotionalisierend wirken. Der Nutzer kann "stöbern" und entdecken. Die reflektierenden Zeitzeugenaussagen machen hinter den verschiedenen Ereignissen und Entwicklungen konkrete Akteure sichtbar und brechen das Thema auf eine persönliche Ebene. Sie können zu der Frage herausfordern: "Wie hätte ich gehandelt, wie wäre es mir ergangen?"

Das Internet ist zum meistgenutzten "Nachschlagewerk" geworden. Aber es wird von der Generation, die damit aufwächst, auch zur Unterhaltung genutzt. Dieses Medienverhalten ist in der Ausstellung respektiert und berücksichtigt worden, um politische Bildungsinhalte zu vermitteln. Ein Problem stellt dabei die Fülle von Inhalten im Internet dar, die es erschweren, dieses Angebot zu finden. Sinnvoll erscheint es deshalb in einem weiteren Schritt, didaktisches Material zu erstellen, sodass – wie bei Mitmachangeboten in Museen – über das Internet Aufgaben gelöst werden können.

Die friedliche Revolution in der DDR steht mit den Entwicklungen in den Ländern Ost- und Mitteleuropas in Zusammenhang. (© Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.)

Nachdem die Fallstudie "Leipzig" in den globalen Zusammenhang von Mittel- und Osteuropa verortet worden ist, erscheint es fast zwangsläufig, die europäische Dimension der Friedlichen Revolution und der Vereinigung Deutschlands darzustellen und damit die Bedeutung der Demokratiebewegungen in den ehemaligen Ostblockstaaten sowohl international als auch im Besonderen für die deutsche Geschichte zu thematisieren. Der englische Ausstellungstitel soll diese Möglichkeit vermitteln.

In einem laufenden Projekt wird diese Erweiterung der Sichtweise vorgenommen. Dieser Transfer hat von Land zu Land natürlich unterschiedliche Kontinuitäten, sodass es mitunter auch darum geht, weitestgehend unbekannte diktatorische Regimes zu beleuchten, wie beispielsweise Albanien.

So wie man sich bisher nach "Leipzig" gezoomt hat, wird diese Annäherung künftig an die einzelnen vormals sozialistischen Staaten möglich. Dabei geht es nicht darum, die Nationalgeschichte der einzelnen Länder nachzuzeichnen, sondern der Schwerpunkt liegt auf der Wahrnehmung und Wirkung aus DDR-Sicht.

Fussnoten

Historiker, Archiv Bürgerbewegung e.V., Leipzig.