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Charlotte Knobloch: Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 35 Analysen & Essays. „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben Transformation und Deutsche Einheit Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Krieg der Lügner Kalter und heißer Krieg. Wie beenden? „Ihr Völker der Welt“ „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Das Scheitern der Jugendhilfe in der DDR - ein Beispiel Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? 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Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Heimat ist ein Raum aus Bytes Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? 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Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? 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Charlotte Knobloch: Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Charlotte Knobloch Sharon Adler

/ 21 Minuten zu lesen

Sie ist eine der engagiertesten Frauen Deutschlands. Im Interview spricht Dr. h.c. Charlotte Knobloch über ihre Kindheit in der NS-Zeit, über ihre zahlreichen Ämter, ihr Engagement bei WIZO und im Jüdischen Frauenbund - und wie es ihr gelang, nach 1945 aus dem Überleben ein Leben zu formen.

Charlotte Knobloch an ihrem Schreibtisch im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2021)

Sharon Adler: Sie waren drei Monate alt, als Hitler an die Macht kam, sechs Jahre, als am 9. November 1938 die Ohel-Jakob-Synagoge brannte, und sieben, als die Wehrmacht in Polen einmarschiert ist. Welche Erinnerungen haben Sie an die Ausgrenzung, die Sie und Ihre Familie erfahren haben?

Charlotte Knobloch: Ich wurde als das einzige Kind in ein gutbürgerliches Haus hinein geboren. Es gab nur noch eine Cousine, die bis 1936 in Nürnberg aufgewachsen ist. Mein Vater erzählte mir nach der Befreiung, er sei damals gar nicht so glücklich darüber gewesen, dass die Familie sich in einer so schwierigen Zeit vergrößert hat. Wir hatten ein angenehmes Familienleben, und ich hing sehr an unserer Haushälterin, der guten Johanna. Es hat mich besonders getroffen und sehr geschmerzt, als sie nicht mehr bei uns arbeiten durfte. Auch das gehörte zu diesen ersten Jahren. Bis ich vier Jahre alt war, habe ich oft mit den Kindern aus der Umgebung im Hof unseres Hauses gespielt, bis sie mich eines Tages von der anderen Seite des Zauns komisch angeguckt haben und ich vor dem verschlossenen Gatter stand. Ich habe daran gerüttelt, weil ich glaubte, dass irgendetwas damit nicht stimmt. Aber das war nicht der Fall. Vielmehr herrschte mich die Hausmeisterfrau an: „Unsere Kinder dürfen nicht mit einem Judenkind spielen, geh nach Hause!“ Das war meine erste Begegnung mit dem Anderssein.

Zuhause tröstete mich meine Großmutter, die meinen Weg durchs Fenster beobachtet hatte. Sie hat damals schon viel bei uns gelebt, 1939 ist sie dann endgültig zu uns gezogen. Meine Mutter hatte uns vorher verlassen: Sie hat dem Druck nicht standgehalten, dem sie durch Konversion und Ehe mit einem Juden ausgesetzt war.

Ich fragte meine Großmutter, warum ich nicht mit den Kindern spielen durfte und was das Wort „Jude“ bedeutet. Wir begingen zwar die jüdischen Feiertage und mein Vater und meine Großmutter nahmen mich immer in die Synagoge mit, aber das Wort „Jude“ war für mich kein Begriff. Auch sie war erst zu bestürzt, um die richtigen Worte zu finden. Um es für mich kindgerecht zu erklären, hat sie die Kirchen als solche zur Grundlage genommen: „Es gibt Menschen, die in die Kirche gehen, Menschen, die in die Synagoge gehen, das sind wir, und es gibt auch Menschen aus beiden Bereichen, die sich nicht so gerne haben.“

Ich habe das trotzdem noch nicht so richtig verstanden, das kam erst etwa ein halbes Jahr später. Meine Großeltern väterlicherseits waren Wagnerianer und sehr musikalisch. Deshalb bekam ich Klavierstunden, was mir sehr gut gefallen hat. Ich habe auch schnell Fortschritte gemacht. Bis uns eines Tages jemand aus dem Haus bei der Gestapo denunziert hat und der Klavierlehrerin erklärt wurde, sie dürfte kein jüdisches Kind unterrichten: Man hat ihr gedroht, dass sie ansonsten die Probleme bekäme, die „für die Juden vorbereitet“ seien.

Raub

Regelmäßig morgens um vier oder fünf Uhr in der Früh haben die Nazis Sturm bei uns geläutet. Sie sind dann wie selbstverständlich durch unsere Wohnung gegangen und zeigten systematisch auf verschiedene Sachen: Porzellan, Besteck, Bilder, Antiquitäten, Leuchter. Diese wurden auf den Tisch gestellt, und es wurde eine Liste erstellt, die wir unterschreiben mussten. Später kam auch das Telefon dazu. Sie bedienten sich nach Belieben und quittierten, ganz akkurat. Das waren Schreckenssekunden und -minuten, man wusste ja nie, was sie noch weiter aussuchen würden. Ich stand immer im Bademantel dabei.

Ich kann mich an mehrere solche Überfälle erinnern. Einmal, da war ich schon etwas älter, war es noch schlimmer. Da sind sie am Tag gekommen. Mein Vater, der ahnte, es könnte etwas mit ihm zu tun haben, ist schnell über den zweiten Aufgang ins Parterre gelaufen. Die Nazis durchsuchten die Wohnung nach Gegenständen und nach meinem Vater. Als sie mich fragten, wo er sei und ich antwortete, ich wisse es nicht, bekam ich eine Ohrfeige, die ich heute noch spüre. Ich habe natürlich geweint, denn das hatte wehgetan, aber auf die Frage „Aber jetzt weißt du's?“ habe ich wieder behauptet „Nein, ich weiß es nicht“. Da haben sie mir anscheinend doch geglaubt und sind gegangen. Das war nicht nur bei uns so, sondern bei allen jüdischen Familien, die zu der Zeit noch da waren. Die Auswanderung hat ja da schon begonnen. Damals noch mit Erfolg, aber dann haben immer weniger Länder Juden aufgenommen. Und zu damaliger Zeit mussten die Juden sehr viel Geld mitbringen, damit man sie überhaupt ins Land gelassen hat.

Ausgrenzung und Berufsverbot jüdischer Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen

Inzwischen hatte man meinem Vater seine Zulassung als Rechtsanwalt entzogen. Er hatte dann als „Konsulent“, als Rechtshelfer für jüdische Mandanten, ein kleines Büro. Allen jüdischen Anwälten ging es so. Es hieß, sie dürften jüdische Menschen noch verteidigen, was natürlich eine Farce war, denn kein jüdischer Mensch hatte damals noch irgendeine Chance vor einem deutschen Gericht.

Es kamen viele Menschen mit der Deportationsaufforderung in den Händen zu meinem Papa. Sie weinten, schrien, flehten, sie waren in einem furchtbaren Zustand, das waren Menschen, die noch irgendeinen Ausweg gesucht haben, sich der Deportation zu entziehen. Ich kann das bis heute nicht vergessen. Am Ende traf es auch unsere Familie, über die nicht mehr existierende Jüdische Gemeinde. Die hatte auf Befehl der Gestapo einen jüdischen Mitarbeiter abgestellt, der ihr die Namen der Menschen für Transporte nennen musste. Auf den Transportlisten waren alte Menschen, Kinder, jüdische Münchner jeden Alters.

Der 9. November 1938

Mein Vater erhielt an diesem Tag eine Warnung, es sei etwas gegen die Juden im Gange, und wir sollten auf die Straße gehen. Das haben wir gemacht. Mein Vater, mit mir an der Hand und auf der Straße, hat dann in seinem Büro angerufen, von einer Telefonzelle aus, und nach sich selbst gefragt. Es hieß „Nein, der ist gerade nicht da, wir warten auch auf ihn“. Da hat er gewusst, um was es geht. Er ahnte, dass sie auch unsere Wohnung durchsuchen würden, was auch der Fall war. Um dem zu entgehen, sind wir gemeinsam durch die Straßen geirrt und haben dabei auch den Rauch gesehen, der aus den Fenstern der Ohel-Jakob-Synagoge qualmte. Wir haben die zerstörten Schaufenster der jüdischen Geschäfte gesehen. Wir haben Menschen gesehen, die Sachen herausgetragen haben. Wir haben gesehen, wie die SS einen älteren Herren auf die Straße zerrte, Justizrat Rothschild – für mich damals „Opa Rothschild“. Er hatte eine blutdurchtränkte Binde am Kopf, und man hat ihn mit Füßen in den Polizeiwagen hineingetreten.
Das sind die Momente, die mich aus dieser Zeit immer noch bewegen, wenn ich darüber spreche. Das sind meine Eindrücke aus dieser schlimmen Zeit.

Abschied von der Großmutter, Albertine Neuland

Die Großmutter von Charlotte Knobloch Albertine Neuland (© Privat)

Nach dem 9. November war mein Vater zur Auswanderung bereit. Meinem Onkel in Amerika gelang es, zwei der erforderlichen Bürgschaften zu organisieren, aber meine Großmutter war nach den US-Einreisebestimmungen zu alt. Also war das Thema erledigt. Mein Vater und ich hätten sie nie verlassen. Im Sommer 1942 kam dann auch der Deportationsbefehl für uns. Ich war da neun Jahre alt. Es hieß, entweder meine Großmutter oder ich müssen in den Zug. Für sie war aber sofort klar, dass sie das auf sich nehmen würde. Ich erinnere mich heute noch daran, wie sie sich von uns verabschiedete. Mir sagte sie, sie ginge zur Kur und käme bald wieder. Ich habe bitterlich geweint. Diesen Abschied sehe ich immer noch vor mir und das belastet mich bis heute. Die Erwachsenen wussten ja viel mehr darüber, was auf uns zukommt. Ich habe zwar mitgehört, aber die Thematik konnte ich natürlich nicht sehen oder erahnen.

"Ich werde Lotte Hummel“: Überleben im Versteck.

Sharon Adler: 1942 hat Ihr Vater Sie in ein Dorf in Franken zum (katholischen) ehemaligen Dienstmädchen Ihres Onkels in Nürnberg gebracht, wo Sie unter falscher Identität überlebt haben. Kreszentia Hummel, „die Zenzi“, wurde 2017 posthum als „Gerechte unter den Völkern“ in Yad Vashem geehrt. Welche Erinnerungen haben Sie an die drei Jahre dauernde Zeit im Versteck?

Charlotte Knobloch: Mein Vater hat natürlich nach einer Möglichkeit gesucht, mich wegzubringen, wenigstens für einige Zeit. Er hat sich an die Hausangestellte meines Onkels erinnert, die nach dessen Emigration nach Amerika zu ihrer Familie in ihr Heimatdorf zurückgegangen war. Die hat er gesucht und gefunden. Als er sie gefragt hat, ob sie mich für einige Zeit aufnehmen könnte, hat er den wahren Grund nicht genannt. Auf unserer Fahrt dorthin mussten wir unsere Kennzeichen, den gelben Stern, abnehmen, weil Juden ja keine Verkehrsmittel mehr nutzen durften. Der Zug wurde G'tt sei Dank nicht kontrolliert.

Als wir endlich dort ankamen, mussten wir noch zweieinhalb Stunden laufen, bis wir in das Dorf kamen. Mein Vater hat dann den zwei Schwestern und ihrem Vater – die zwei Brüder waren bei der Wehrmacht – die Wahrheit gesagt. Nachdem sie sich beraten hatten, war die Antwort: Sie nehmen mich, aber sie können nicht sagen, wie lange. Wenigstens meine Anwesenheit ließ sich unerwartet leicht erklären, als dann die Dorfbewohner angefangen haben, über diese sehr fromme Frau und ihr „außereheliches Kind“ zu reden. Sie war nicht glücklich über diese Schmach. Außer ihr kannte nur der Pfarrer meine Identität, aber er hat uns nicht verraten. Offiziell war ich Lotte Hummel. Natürlich war das nicht einfach für mich, ich war ein Stadtkind, musste mich an eisige Zimmer und harte körperliche Arbeit auf dem Bauernhof gewöhnen. Und ich hatte Angst, Heimweh, und fühlte mich sehr einsam. Die Tiere haben mir das Leben erleichtert; zu ihnen habe ich mich zurückgezogen.

Das Leben nach 1945 in München

Sharon Adler: Welche Erinnerungen haben Sie an das Leben nach dem Überleben?

Charlotte Knobloch: Ich wollte eigentlich meinem Onkel nach Amerika folgen und nicht zurück nach München. Ich wollte nicht denen begegnen, die uns beleidigt, bespuckt und in jeder Form gezeigt haben, wie sehr sie uns hassten. Aber als Mädchen von nur zwölf Jahren hatte ich keine Wahl – und bin ihnen allen begegnet, auch der Hausmeisterin, die mich als Kind abgewiesen hat. Das Benehmen war jetzt natürlich überfreundlich, alle behaupteten, damals den Juden geholfen zu haben. Die Entnazifizierung ist insofern als Druck bei den Leuten angekommen. Von meinem Vater haben sie immer wieder Hilfe bei irgendwelchen Schreiben verlangt, die bestätigen sollten, dass sie sich nicht schuldig gemacht haben. Die haben sie aber nur selten bekommen.

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2021)

1948 habe ich meinen Mann kennengelernt. Wir wünschten uns nichts mehr als ein Leben in der neuen Welt. Es gab über eine jüdisch-amerikanische Wohltätigkeitsorganisation die Möglichkeit, dass die Überlebenden nach Amerika einwandern konnten. Für ein Visum mussten wir nur einen handwerklichen Beruf vorweisen können. Über die Organisation ORT konnten die Überlebenden Kurse und Fortbildungen in verschiedenen Bereichen belegen. Ich entschied mich für Damenschneiderei. Mein Mann hat sich für Spiegelherstellung eingeschrieben. Wir waren zuversichtlich, das Land verlassen zu können, aber dann wurde unser erstes Kind geboren, und wir wollten nicht ohne Sprachkenntnisse nach Amerika auswandern. Wir bekamen noch zwei Töchter und haben dann im schweigsamen Nebeneinander mit dem nichtjüdischen Umfeld versucht, aus dem Überleben ein Leben zu formen. Aber die sprichwörtlichen Koffer blieben gepackt.

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern nach 1945

Sharon Adler: Welche Erinnerungen haben Sie an die Israelitische Kultusgemeinde in München in den 1950er-Jahren?

Ein Detail an der Tür der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob (Zelt Jakobs), die am 9. November 2006 eröffnet wurde. Der Buchstabe He (הא) ist der fünfte Buchstabe im hebräischen Alphabet. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2021)

Charlotte Knobloch: Die Israelitische Kultusgemeinde in München war eine kleine, eine sehr kleine Gemeinde. Leute waren aus der Emigration zurückgekommen und aus den Konzentrationslagern. Außerdem Menschen aus dem Ostblock, die vor dem Holocaust in Deutschland keine Heimat hatten. Die haben ihre eigene Gruppe gebildet. Als die Kultusgemeinde wiedergegründet wurde, bestand sie fast nur aus Leuten, die vor allem aus gesundheitlichen Gründen die Pläne zur Auswanderung aufgegeben oder zurückgestellt hatten. Bleiben wollte keiner. Es war eine Zeit, in der sich alle kannten und sehr eng miteinander verbunden waren. Der Zusammenhalt war sehr groß. Damals gab es Menschen, die kein einziges Familienmitglied mehr hatten, sie waren die einzigen, die überlebt haben. Sie haben mit ihrem Überleben gehadert, sie waren in einem furchtbaren Zustand. Es gab einige, die in solchen Situationen waren. Und um die habe ich mich sehr intensiv gekümmert. Engagement in der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) und im Jüdischen Frauenbund in Deutschland

Sharon Adler: Sie sind Mitbegründerin der deutschen Sektion der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) und waren Schatzmeisterin des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland. Was lag Ihnen hier besonders am Herzen?

Charlotte Knobloch: Ich hatte mit Rosel Lessner eine politische Förderin, die sehr aktiv war. Sie hat auch den Frauenverein „Ruth“ gegründet und mich dazu gebracht, in den Vorstand zu gehen. Als dann der jüdische Frauenbund wiedergegründet wurde, hat sie mich gebeten, die Finanzabteilung zu übernehmen. Da habe ich gern zugestimmt. Später kamen zwei Damen aus Israel zurück, die hier eine WIZO gründen wollten und mich als Gründungsmitglied mit reingenommen haben. Ich war einige Jahre in der WIZO aktiv und habe mich da auch sehr wohl gefühlt. Später, als ich andere Ämter hatte, musste ich das aufgeben, denn man kann nicht nur repräsentieren, man muss auch etwas dafür tun. Die WIZO war zuerst rein im jüdischen Bereich aktiv. Aber uns war bewusst, dass wir auch finanziell erfolgreich sein mussten, um die Seniorenheime und Kinderheime in Israel zu unterstützen. Für uns war es wichtig, etwas für Israel und für den Frieden zu leisten. Es ist uns gelungen, Politiker und viele andere Leute für die Arbeit der WIZO zu interessieren. Die haben dann auch gespendet. Das war viel Arbeit, aber es hat uns wirklich einen großen Erfolg gebracht. Wir haben natürlich aufgepasst, mit wem wir es zu tun haben. Und die nichtjüdische Seite hat es auch mit Begeisterung gemacht. Sie wollte wiedergutmachen.

Sharon Adler: Von 1911 bis 1939 hatte sich Ihre Großmutter, Albertine Neuland, im Vorstand des Israelitischen Frauenvereins Bayreuth und in der Jüdischen Gemeinde Bayreuth engagiert. Ist Ihr eigenes Engagement auch eine Würdigung an Ihre Großmutter in ihrem Angedenken? Wie möchten Sie sie erinnert wissen?

Charlotte Knobloch: In jüdischen Kreisen, in jüdischen Verbänden, in jüdischen Gesellschaften stand immer die Nächstenliebe im Vordergrund. Es hat immer arme oder kranke Leute gegeben, es hat immer Leute gegeben, denen man wieder auf die Beine helfen musste. Und es gibt auch die letzte gute und ehrliche Tat gegenüber denjenigen, die von uns gegangen sind, das ist die Betreuung Verstorbener auf ihrem letzten Weg in der „Chewra Kadischa“. Diese wichtige Arbeit durfte nicht jeder ausführen. Um aufgenommen zu werden, musste man handfeste Leistungen für die Menschen erbracht haben. Es war eine gesellschaftliche Auszeichnung und eine große Ehre, wenn jemand dazu berufen wurde. Meine Großmutter als Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins Bayreuth hat sich diese Berufung erarbeitet. Sie hat mich immer sehr beeindruckt, und das Einmischen habe ich auch von ihr gelernt.

Als sie noch in ihrer Wohnung in Bayreuth lebte, war es für mich immer eine Riesenfreude, sie zu besuchen. Es war alles noch religiöser, als ich es von Zuhause gewöhnt war. Die Bindung an die Religion, die Bindung an das Judentum, die über die Religion hergestellt wurde, war bei ihr zuhause sehr intensiv.

Als erste Frau im Amt der Vorsitzenden und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Sharon Adler: Sie haben sich seit den 1970er-Jahren ehrenamtlich im Sozialbereich der Münchner Kultusgemeinde engagiert, die Ihr Vater nach dem Krieg wieder mitaufgebaut hatte. Daraus erwuchsen zahlreiche Ämter wie das der ersten weiblichen Vorsitzenden der IKG München im Jahr 1982 und seit 1985 als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Wie kam es dazu?

Charlotte Knobloch: Als man mich gebeten hat, für den Vorstand zu kandidieren, habe ich das getan und bin dann auch gewählt worden. Vorsitzende wollte ich jedoch nicht sein und habe dafür nie kandidiert. Die Gemeinden waren ja sehr orthodox, und die Frauen standen da nicht überall an erster Stelle. Ich bin dann aber gefragt worden, ob ich den Vorsitz übernehmen würde und war wirklich überrascht, dass mich, wie man bei uns in Bayern so schön sagt, die gestandenen Männer gefragt haben. „Da müsst ihr die Rabbiner fragen“ war meine spontane Antwort in der Hoffnung, dass sie aufgrund der Religion Nein sagen würden. Ein bisschen habe ich gedacht, die retten mich davor. Die Rabbiner hatten aber zu meiner großen Überraschung nichts dagegen. Das war 1985, und damals war alles noch nicht so leicht, wie man sich das vorgestellt hat, aber ich habe es am Ende doch irgendwie geschafft.

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern am 13. November 2021 anlässlich der Verleihung des „Preises für Verständigung und Toleranz“ im Jüdischen Museum Berlin. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2021)

Sharon Adler: Wie haben Sie die Öffnung der innerdeutschen Grenze, die deutsche Wiedervereinigung erlebt?

Charlotte Knobloch: Ich muss sagen, dass wir erst nicht ganz überzeugt waren, ob sich so ein großes Deutschland nicht wieder in eine Richtung bewegen würde, die für uns nicht so gut wäre. Ich habe auch die Zurückhaltung in Israel gesehen, die waren dort nicht begeistert. Aber es hat sich so ergeben, und es hat sich nicht zu unserem Schaden ergeben, das haben wir auch gemerkt. Die Regierungen haben sich zu damaligen Zeiten und auch später für Israel eingesetzt. Insgesamt hat die Wiedervereinigung dem jüdischen Leben natürlich sehr genutzt, weil viele Gemeinden durch die Öffnung und die Einwanderung stark anwachsen konnten.

Sharon Adler: Am 7. Juni 2006 wurden Sie einstimmig zur Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt. Direkt nach Ihrer Wahl kündigten Sie an: „Schwerpunkt meiner künftigen Arbeit werden die Förderung der Integration der Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und der Kampf gegen wachsenden Antisemitismus, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit sein.“ Wie konnten diese Ziele umgesetzt werden? Was waren die größten Herausforderungen?

Charlotte Knobloch: Das war am Anfang natürlich sehr schwierig, denn es gab keine Wohnungen, die Menschen sind in irgendwelchen Kasernen untergekommen. Die Kinder haben die Eltern beschimpft, dass sie sie aus ihrem Umfeld herausgerissen haben. Sie hatten keine Freunde, sie haben die Sprache nicht verstanden. Und wir hatten keine Infrastruktur, keine Kindergärten und Schulen, die Synagogen waren für eine Zuwanderung nicht ausgestattet, wir brauchten Leute, die dolmetschten. Das waren sehr wichtige Aufgaben. Es war schon herausfordernd, was die Kultusgemeinde da geleistet hat, aber wir haben es geschafft. Trotzdem waren diese Themen natürlich auch während meiner Zeit als Präsidentin des Zentralrats noch nicht abgeschlossen. Das war eine Zeit, als die größte Einwanderung vorbei war und man anfangen konnte, zu konsolidieren. Ich glaube, wir stehen heute recht gut da, und zwar auch dank der Arbeit von damals.

20. Verleihung "Preis für Verständigung und Toleranz“ im Jüdischen Museum Berlin, 13.11.2021 V.l.n.r. Schauspielerin Iris Berben; Architekt und Preisträger Daniel Libeskind; Direktorin des Jüdischen Museums Berlin Hetty Berg; Charlotte Knobloch, Preisträgerin und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern; Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2021)

Wir alle – auf allen Ebenen – hätten das aber nie geschafft, wenn wir nicht die Unterstützung durch die öffentliche Hand gehabt hätten, um die Menschen aufnehmen und zumindest grundlegend versorgen zu können. Manche kamen ja damals mit Sack und Pack, sogar mit ihren Haustieren, die dann nicht mit in die Heime durften. Ich bin ein großer Tierfreund und habe die ganzen Tiere dann für den Moment an gute Menschen verteilt. Die, die sie mitgebracht hatten, waren todunglücklich, aber sie konnten die Tiere besuchen. Das sind Kleinigkeiten, aber ich wollte unbedingt, dass die Menschen sich in irgendeiner Form wohlfühlen. Sie sind ja doch alle mehr oder weniger gekommen, ohne zu wissen, wie ihre Zukunft in Deutschland sein wird. Das war ein gewaltiger Schritt für sie.

Sharon Adler: Während Ihrer Zeit als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern haben Sie den Bau des neuen Jüdischen Gemeindezentrums und der Synagoge am Münchner St. Jakobs-Platz verantwortet. In Deutschland gibt es heute wieder jüdische G’tteshäuser sowie jüdische Kindergärten, Grund-, Ober- und Hochschulen. Sie sagen: „In unserer Gesellschaft ist das pluralistische, vitale deutsche Judentum wieder eine anerkannte Kraft.“ Was macht für Sie das „pluralistische, vitale deutsche Judentum“ aus?

Die Tür der Ohel-Jakob-Synagoge (Zelt Jakobs), die am 9. November 2006 eröffnet wurde. Die Grundsteinlegung war am 9. November 2003. Die Synagoge am Münchner St. Jakobs-Platz befindet sich an der Stelle, wo von 1887 bis 1938 die drittgrößte Synagoge Deutschlands stand. Charlotte Knobloch hat den Bau des neuen Jüdischen Gemeindezentrums und der Synagoge maßgeblich verantwortet. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2021)

Charlotte Knobloch: Das sehe ich momentan wieder mehr und mehr skeptisch. Es beginnt schon damit, dass unsere Standpunkte trotz eines gewissen Interesses in den Medien oft nicht vorkommen. Hier nehme ich alle gleichermaßen in die Pflicht, private Sender, öffentliche, die Zeitungen. Wir versuchen häufig Wege zu gehen, die uns dann nicht offen sind. Das sind Themen, die jüdische Menschen in der derzeitigen Situation umtreiben. Es ist eine Unruhe im deutschen Judentum entstanden. Und das betrifft Familien, die nicht wissen, ob sie eine Zukunft in Deutschland haben, oder junge Menschen, die aus Israel hierher kommen und hier mit Antisemitismus konfrontiert werden. Ich hoffe, das alles wird nicht dazu führen, dass sie in Zukunft um Deutschland einen Bogen machen. Ich hoffe, dass diese Menschen sich mit Deutschland in irgendeiner Form verbinden können. Aber das deutsche Judentum hat eine Zukunft, es gibt neue Synagogen, Schulen, Rabbinerseminare. Die Probleme verschwinden nicht, aber es gibt eine starke jüdische Gemeinschaft mit guten Strukturen, die sie angehen kann.

Antisemitismus heute

Sharon Adler: In Ihrer Rede anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar 2021 im Bundestag sagten Sie: „Der Kampf gegen Antisemitismus ist eine Sisyphos-Aufgabe. Aber wer sich nicht an Maschinengewehre vor jüdischen Einrichtungen gewöhnen möchte, muss diese bewältigen.“ Wie kann diese Aufgabe bewältigt werden, welche Werkzeuge sind dafür nötig?

Charlotte Knobloch: Wir können uns leider wie gesagt nicht auf die Medien verlassen. Sie meinen es oft gut, denken aber leider sehr kurzfristig, und in ihrer Agenda sind diese Themen am Tag darauf vergessen, erledigt. Im Bildungsbereich wurde schon einiges getan, aber bei weitem nicht genug. Ich habe den Politikern immer vorgeworfen, dass man in unserem Land immer sehr lange wartet und nur darüber nachdenkt, was man gegen solchen Hass tun kann. Ein einmaliger Hinweis, dass dies und jenes passiert ist, reicht nicht. Und die Politik in Bund und Ländern müsste parteiübergreifend zu diesen Themen sprechen. Sie müsste die Leute ansprechen und auffordern, und sie müsste Worte finden, die die Menschen zum Nachdenken zwingen. Denn es denkt ja niemand darüber nach, dass hier eine Gruppe von Menschen im Internet laufend bedroht und beleidigt wird. Es denkt niemand darüber nach, dass der Staat Israel ständig an den Pranger gestellt wird. Ich hoffe, dass mit dieser Hetze endlich mal Schluss ist. Dagegen muss die Politik versuchen vorzugehen. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass ein Land zusieht, wie ein befreundetes Land dauernd in den Schmutz gezogen wird, zumal mit den Folgen, die wir auch hier spüren. Das kann man alles nicht mehr mit dem beschönigenden Fremdwort Antisemitismus bezeichnen, das ist reiner Judenhass. Aber, und das muss ich wieder auf meine bayerische Art sagen, es wird zu wenig auf den Tisch gehauen. Manchmal braucht es das, damit alle die Dinge klarer sehen. Das sind Themen, die ich immer wieder anspreche, das sind unsere Herausforderungen seit 1700 Jahren. Aber all das sollte auch nicht allein unsere Aufgabe sein, sondern vor allem die Aufgabe der Anderen.

Gedenken. Gegen das Vergessen

Sharon Adler: Wir erleben eine Zeit, in der ein erschreckend hoher Anteil junger Leute nicht weiß, wofür Auschwitz steht. Wie können Ihrer Meinung nach die Erinnerungen an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachgehalten werden, wenn die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nicht mehr in der Lage oder am Leben sind?

Charlotte Knobloch: Der Stab der Erinnerung muss an die jungen Menschen, an die nächste Generation weitergegeben werden. Es müssen Wege gefunden werden, damit sie Verantwortung übernehmen. Man muss ihnen auch begreiflich machen, was die Machthaber in diesen zwölf Jahren angerichtet haben. Man muss den jungen Menschen nahebringen, dass Millionen Menschen zu Tode gekommen sind, dass Menschen einfach umgebracht wurden, weil sie eine Religion hatten, die den Nationalsozialisten nicht gepasst hat. Und sie müssen wissen, dass das ihre Vorfahren waren. Sie selbst haben heutzutage natürlich keine Schuld, aber ihre Vorfahren haben das geschehen lassen, obwohl sie genau wussten, was kommen würde „Mein Kampf“ sagte alles aus.

Hitler hat nichts in irgendeiner Form versteckt. Die jungen Leute müssen lernen, dass das, was Menschen anderen Menschen angetan haben, real war. Und man muss sie darauf aufmerksam machen, dass sie auch eine Verantwortung dafür tragen, dass dieses Land, die heutige Bundesrepublik, nicht in zehn Jahren wieder in eine Richtung fällt, die dem sehr ähnelt. Es wird Zeit, diese Diskussionen zu führen und über die Fragen zu sprechen, die noch im Raum stehen. Ich erlebe das ja, wenn ich mit jungen Menschen diskutiere oder aus meinem Leben erzähle. Ich sehe, dass sie heute interessierter sind, weil sie gut vorbereitet sind. Aber das ist natürlich nur punktuell gesehen, nicht die allgemeine Situation, leider. Wir müssen die politische Bildung bei uns stärken, auch früher im Bildungsleben, am besten schon im Kindergarten. Dann können auch keine Querdenker mehr entstehen, weil diese Leute in Wahrheit ja überhaupt keine politischen Grundlagen haben.

Der Bundestag gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus in seiner jährlichen Gedenkstunde im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes.; Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hält die Gedenkrede, 27. Januar 2021. (© Deutscher Bundestag, Marco Urban)

Es gäbe noch sehr viel zu tun, gerade jetzt in dieser Wechselzeit von den Zeitzeugen hin zu denen, die den Stab der Verantwortung übergeben bekommen haben. Deshalb brauchen wir auch Persönlichkeiten in der Politik, die sich das zu Herzen nehmen. Heute mehr denn je.

Hier geht es zur Interner Link: Vita von Charlotte Knobloch >>

Zitierweise: "Charlotte Knobloch: Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern", Interview mit Charlotte Knobloch, in: Deutschland Archiv, 29.10.2021, Link: www.bpb.de/342809

Fussnoten

Fußnoten

  1. Fritz Neuland (1889-1969), Rechtsanwalt, hatte in den 1920er-Jahren zusammen mit dem späteren bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner eine Anwaltskanzlei in München, bis ihm die Zulassung von den Nationalsozialisten entzogen wurde. Er war danach als „Konsulent" als Rechtshelfer für jüdische Mandanten tätig. Er musste während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeit leisten. Anfang 1945 tauchte er unter und überlebte, versteckt durch Freunde. Er gehörte zu den Mitbegründern des im Dezember 1946 neu gegründeten „Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern“ und war 18 Jahre lang Präsident der IKG München, an deren Wiedergründung er im Juli 1945 ebenfalls beteiligt gewesen war. Er war von 1952 bis 1963 Mitglied des Bayerischen Senats und erhielt den Bayerischen Verdienstorden.

  2. Am 15. September 1935 wurden die „Nürnberger Gesetze“ erlassen. Jüdinnen und Juden wurde es untersagt, „arische“ Dienstmädchen unter 45 Jahren in jüdischen Haushalten zu beschäftigen. https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/68999/nuernberger-gesetze, zuletzt aufgerufen am 29.8.2021.

  3. Siehe Bundesrechtsanwaltskammer (Hg.), Anwalt ohne Recht. Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933, Berlin 2007, S. 92 und 99: Das „Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft" vom 7. April 1933 sah für die jüdischen Rechtsanwälte ein Berufsverbot vor. Bis zum 30. November 1938 verschärften die Nationalsozialisten ihre antisemitischen Maßnahmen und belegten alle noch agierenden jüdischen Anwälte mit einem Berufsverbot.

  4. Einigen wenigen jüdischen Rechtsanwälten wurde unter dem Titel „Konsulenten" unter zahlreichen Auflagen erlaubt, aktiv zu sein, allerdings ausschließlich für jüdische Mandant/innen.

  5. Charlotte Knoblochs Großmutter, Albertine Neuland, geb. Lehmann, geboren 30.01.1866 in Schornweisach, engagierte sich in der Jüdischen Gemeinde Bayreuths. Von 1911 bis 1939 war sie im Vorstand des Israelitischen Frauenvereins aktiv. Sie wurde am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 19. Januar 1944 ermordet wurde. An sie erinnert eine Inschrift am Grab ihres Ehemannes auf dem Jüdischen Friedhof in Bayreuth und eine Page of Testimony in Yad Vashem in Jerusalem. Siehe https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/Stadtarchiv/Erinnerungszeichen/Biografien/Albertine-Neuland.html, zuletzt aufgerufen am 30.8.2021.

  6. „Christliche Dienstmädchen in jüdischen Familien. Ein Denkmal für unsere Marie", Deutschlandfunk Kultur, 28.02.2018, https://www.deutschlandfunk.de/christliche-dienstmaedchen-in-juedischen-familien-ein.2540.de.html?dram:article_id=408751, zuletzt aufgerufen am 6.6.2021.

  7. Seit 1963 ehrt Yad Vashem jene Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges Juden und Jüdinnen retteten, mit dem Ehrentitel „Gerechte/r unter den Völkern“. Dies ist die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Nichtjuden/Nichtjüdinnen vergibt. Kreszentia Hummel ist Nr. 13.133 auf der Liste der als „Gerechte/r unter den Völkern“ ausgezeichneten Retter/innen. Siehe https://www.yadvashem.org/yv/pdf-drupal/germany.pdf, und https://www.yadvashem.org/righteous.html#, zuletzt aufgerufen am 6.6.2021.

  8. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem wurde im Jahr 1953 als Zentrale Datenbank der Dokumentation des Holocaust, seiner Erforschung und Lehre sowie seines Gedenkens gegründet. Hauptziel ist, den Namen jedes einzelnen Opfers aufzufinden und dessen Lebensgeschichte sowie die Umstände und den Ort seiner Ermordung zu rekonstruieren. Zum jetzigen Zeitpunkt wird mit der Datenbank schätzungsweise viereinhalb Millionen im Holocaust ermordeten Juden und Jüdinnen ein Denkmal gesetzt, https://www.yadvashem.org/de.html, zuletzt aufgerufen am 6.6.2021.

  9. Samuel Knobloch sel. A., geboren 1922 in Krakau, gestorben 1990 in München.

  10. Die ursprünglich russische Berufsausbildungsorganisation ORT (gegründet 1880 in St. Petersburg unter dem Namen "Obschtschestwo Rasprostranenja Truda", zu dt.: „Gesellschaft zur Förderung des Handwerks") ermöglichte nach 1945, jetzt unter dem Namen „Organization for Rehabilitation Through Training", eine Berufsausbildung. Diese sollte in erster Linie auf die Auswanderung nach Israel vorbereiten. Das Programm der ORT-Schulen richtete sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren sowie an Erwachsene, die ihre Berufskenntnisse erweitern oder eine Umschulung machen wollten. Rebecca Heinemann, Jüdisches Schulwesen in Bayern (nach 1945), in: Historisches Lexikon Bayerns, 27.01.2015, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/J%C3%BCdisches_Schulwesen_in_Bayern_(nach_1945), zuletzt aufgerufen am 30.8.2021.

  11. Die am 15. Juli 1945 neu gegründete Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) war im März 1946 wieder auf rund 2.800 Mitglieder angewachsen. Siehe „Neubeginn: Von 1945 bis heute", https://www.ikg-m.de/gemeinde/organe-2/3/, zuletzt aufgerufen am 30.8.2021.

  12. Der Jüdische Frauenbund (JFB) wurde 1904 von Bertha Pappenheim und Sidonie Werner gegründet. Bis zu seinem Verbot durch die Nationalsozialisten 1938 war der JFB vor allem in der Bekämpfung des Mädchenhandels aktiv. Der Jüdische Frauenbund wurde 1953 unter Leitung von Jeanette Wolff in Westdeutschland neu gegründet.

  13. Der Jüdische Frauenbund (JFB) wurde 1904 von Bertha Pappenheim und Sidonie Werner gegründet. Bis zu seinem Verbot durch die Nationalsozialisten 1938 war der JFB vor allem in der Bekämpfung des Mädchenhandels aktiv. Der Jüdische Frauenbund wurde 1953 unter Leitung von Jeanette Wolff in Westdeutschland neu gegründet.

  14. Die neue Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob wurde am 9. November 2006 eröffnet, das von der Stadt München gebaute und betriebene Jüdische Museum sowie das Gemeindezentrum für die auf rund 9500 Mitglieder angewachsene Gemeinde der Stadt folgten im März 2007. Siehe https://www.ikg-m.de/, zuletzt aufgerufen am 6.6.2021.

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Weitere Inhalte

Charlotte Knobloch, am 29. Oktober 1932 in München als Charlotte Neuland geboren, ist seit 1985 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Seit 1997 war sie Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und von 2006 bis 2010 dessen Präsidentin. Von 2003 bis 2010 war sie Vizepräsidentin des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC) und von 2005 bis 2013 Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses (WJC), wo sie seit 2013 als Commissioner for Holocaust Memory tätig ist. Interner Link: Mehr zu Charlotte Knobloch >>

geboren 1962 in West-Berlin, ist Journalistin, Moderatorin und Fotografin. Im Jahr 2000 gründete sie das Online-Magazin und Informationsportal für Frauen AVIVA-Berlin, das sie noch heute herausgibt. Das Magazin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in der Gesellschaft sichtbarer zu machen und über jüdisches Leben zu berichten. Sharon Adler hat verschiedenste Projekte zu jüdischem Leben in Deutschland für unterschiedliche Auftraggeber/-innen umgesetzt und auch selbst Projekte initiiert wie "Schalom Aleikum“, das sie zur besseren Verständigung von Jüdinnen und Muslima entwickelte. Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 initiierte sie das Interview- und Fotoprojekt "Jetzt erst recht. Stop Antisemitismus". Hier berichten Jüdinnen und Juden in Interviews über ihre Erfahrungen mit Antisemitismus in Deutschland. Seit 2013 engagiert sie sich ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzende der Stiftung ZURÜCKGEBEN. Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft. Für das Deutschland Archiv der bpb betreut sie die Reihe "Jüdinnen in Deutschland nach 1945"