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Vita von Peggy Parnass

Sharon Adler

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Ruth Peggy Sophie Parnass wurde am 11. Oktober 1927 in Hamburg als Tochter von Hertha Parnass, geborene Emanuel, und Simon „Pudl“ Parnass geboren. Ihr Vater war Pole, die Mutter Halbportugiesin.

Ruth Peggy Sophie Parnass wurde am 11. Oktober 1927 in Hamburg als Tochter von Hertha Parnass, geborene Emanuel, und Simon „Pudl“ Parnass geboren. 2012 veröffentlichte Peggy Parnass gemeinsam mit der Künstlerin Tita do Rego Silva das Buch „Kindheit. Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete“. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

Sie schickte Peggy mit dem vierjährigen Bruder Gady („Bübchen“) Externer Link: 1939 mit einem Kindertransport nach Stockholm, um sie vor der Verfolgung durch die Deutschen zu retten. Dort wurden die Geschwister voneinander getrennt. Peggy kam in zwölf verschiedene Pflegefamilien, während Gady in einem Kinderheim aufwuchs. Ihre Eltern wurden ins Warschauer Ghetto deportiert und 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Etwa einhundert Familienmitglieder kamen während der Shoah um. Kurz vor Ende des Krieges kamen die Geschwister, die ihre Kindheit als „Staatenlose“ verbracht hatten, nach London zum Bruder ihres Vaters. Er war der einzige Überlebende von zwölf Geschwistern. Dort lebte das Geschwisterpaar drei Jahre zusammen. Gady nahm die britische Staatsangehörigkeit an und wanderte später nach Israel aus, Peggy ging zurück nach Schweden. Sie wurde schwedische Staatsbürgerin und brachte 1951 ihren Sohn Kim zur Welt.

Peggy Parnass verdiente seit ihrem 14. Lebensjahr ihren Lebensunterhalt als autodidaktische Sprachlehrerin, Übersetzerin von Märchen und Dolmetscherin für die Kriminalpolizei, als Kindermädchen und als Filmkritikerin bei einer kommunistischen Zeitung in Schweden. Sie studierte in London, Hamburg und Paris. In Deutschland arbeitete sie als Schauspielerin in Film- und Fernsehproduktionen,

"Das Fernsehgericht tagt", Fernsehserie, Bundesrepublik Deutschland 1961 - 1978, Folge: Verleumdung, Darstellerinnen v.l.: Hertha Barian, Peggy Parnass, aufgenommen 1970 am Set (© picture-alliance, United Archives/Schweigmann)

als Schriftstellerin, Journalistin, Kolumnistin und Gerichtsreporterin. Sie galt neben Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, dem Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse in der Zeit von 1963 bis 1965, in weiten Kreisen als moralische Instanz im Nachkriegsdeutschland.

Im Hamburg der 1950er-Jahre lebte sie mit dem Schriftsteller Peter Rühmkorf, Konkret -Gründer Klaus Rainer Röhl und Dick Busse in einer Wohngemeinschaft. Gemeinsam gründeten sie – nachdem ihnen die Mitwirkung an der Theatergruppe der Uni verwehrt wurde, weil Peggy Parnass Jüdin war, eine eigene Theatergruppe und machten politisches Kabarett. Die Gruppe nannte sich „Die Pestbeule“.

In ihren Essays und Monografien dokumentierte Peggy Parnass das gesellschaftspolitische Leben in der jungen Bundesrepublik Deutschland. Von 1970 bis 1987 schrieb sie für die Zeitschrift Konkret Kolumnen und Gerichtsreportagen, unter anderem über Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher*innen. Diese sind 1978 unter dem Titel „Prozesse 1970 bis 1978“ als Buch erschienen. Es folgten autobiografisch geprägte Anthologien („Unter die Haut“, 1983; „Kleine radikale Minderheit“, 1985;

In ihren Essays und Monografien dokumentierte Peggy Parnass das gesellschaftspolitische Leben in der Bundesrepublik Deutschland. Von 1970 bis 1987 schrieb sie für die Zeitschrift Konkret Kolumnen und Gerichtsreportagen. Ihr Buch „Süchtig nach Leben“ erschien 1990. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

„Süchtig nach Leben“, 1990, und „Mut und Leidenschaft“, 1993). Zuletzt veröffentlichte sie 2012 gemeinsam mit der Künstlerin Tita do Rego Silva das Buch „Kindheit. Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete“.

Für ihr gesellschaftspolitisches Engagement und für ihr journalistisches Arbeiten erhielt Peggy Parnass zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, unter anderem 1979 den Preis der Joseph-E.-Drexel-Stiftung für herausragende Leistungen im Journalismus und 1980 den Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union für ihr Buch „Prozesse 1970-1978“.

Für den Dokumentarfilm Externer Link: „Von Richtern und anderen Sympathisanten“ wurde sie 1982 gemeinsam mit Regisseur Axel Engstfeld und Co-Autorin Gisela Keuerleber mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. 1989 erhielt sie die Biermann-Ratjen-Medaille, 2005 die St.-Georgs-Medaille, 2008 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und 2019 die Ehrendenkmünze in Gold des Hamburger Senats. 2021 wurde Peggy Parnass vom Präsidium des deutschen PEN-Zentrums zum Ehrenmitglied ernannt. Peggy Parnass ist in zahlreichen Protestbewegungen aktiv und nimmt an öffentlichen Veranstaltungen, Lesungen und Demonstrationen teil, „weil es der Selbstrespekt verlangt, den Versuch zu machen, etwas zu bewegen“. Ihren umfangreichen Vorlass hat sie dem Externer Link: Archiv des Hamburger Instituts für Sozialforschung anvertraut – fast 100 Umzugskartons voller Briefe, persönlicher Dokumente, Manuskripte, Recherchematerialien, Fotos, Video- und Tonaufnahmen.

Peggy Parnass lebt im Hamburger Stadtteil St. Georg.

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