Beleuchteter Reichstag

10.11.2016 | Von:
Clemens Maier-Wolthausen, Katharina Barnstedt

Conclusion: "Lessons Learned and Prospects for Civic Education in Europe"

Samstag, 5. November 2016, 12:30–14:00 Uhr

In der Abschlussdiskussion reflektierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Essenz der "Europeanness" aus ganz persönlicher Sicht.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Abschlussveranstaltung: "Conclusion: 'Lessons Learned and Prospects for Civic Education in Europe'"Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Abschlussveranstaltung: "Conclusion: 'Lessons Learned and Prospects for Civic Education in Europe'" (© Barbara Klaus)

Conclusion:
Hans-Georg Golz, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, Bonn
Sanja Milutinović Bojanić,Center for Advanced Studies – South Eastern Europe, Universität Rijeka, Kroatien
Oliver Rathkolb,Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien
Pavel Kolář, Department of History and Civilization, European University Institute (EUI), Florence, Italien

Moderation:
Caroline Hornstein Tomić,Fachabteilungsleiterin, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, Bonn

Die Diskussionen im Anschluss an die vier Panels der Tagung hatten immer wieder die Frage nach einer europäischen Identität aufgeworfen. Dies nahm die Moderatorin der Abschlusssitzung, Caroline Hornstein Tomić (Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, Bonn), mit ihrer Eingangsfrage des letzten Panels "Conclusion: Lessons Learned and Prospects for Civic Education in Europe" auf. So fragte sie alle Anwesenden, ob sie sich jemals selbst als Europäerinnen und Europäer identifizieren mussten oder sich als solche vorgestellt haben. Viele Anwesende fühlten sich als Europäer, sobald sie außerhalb Europas waren, beispielsweise in den USA. Doch nicht alle konnten die Frage bejahen, worauf sich die nächste Frage anschloss: warum nicht? Und was ist eigentlich damit gemeint, wenn man sich als europäisch bezeichnet?

Die anschließende engagierte Diskussion drehte sich im Wesentlichen um die Frage, was die Anwesenden als die Essenz einer "Europeanness" sähen. Für viele stand die mit der Europäischen Union einhergehende Mobilität im Vordergrund. Wichtigstes Beispiel und Symbol dafür war das Abkommen von Schengen. Dies warf die Frage auf, ob die Diskutanten sich auf unterschiedliche Dinge beziehen, wenn sie von "Europeanness" sprechen: auf die Idee Europa oder die Institution Europäische Union.

Im Anschluss wurde darüber diskutiert, ob Europa im Grunde genommen nur für eine kleine privilegierte Gruppe von Menschen funktioniere, zu denen sich die Forscherinnen und Forscher durchaus zählten, und ein großer Teil der europäischen Bevölkerung eben nicht oder nur indirekt von der EU profitieren würde. Dies würde auch die gegenwärtigen Fliehkräfte erklären. Europa habe sich zuletzt nicht mehr an alle Menschen gleichermaßen gewandt.

Pavel Kolář (Department of History and Civilization, European University Institute, Florenz), warf die Frage auf, ob der Titel der Konferenz nicht eigentlich ambivalent wäre. So gab er zu bedenken, dass Osteuropäer von außen und im Selbstbild als immer noch oder immerwährend "in transition" begriffen werden – als "noch nicht da" und "ewig aufholend". Eine solche Sichtweise habe diskriminatorische Züge. Daran anschließend kam aus dem Publikum der Vorschlag, Europa nicht als eine Vereinigung von Ländern zu definieren, sondern den Fokus weniger auf nationale Identität als auf soziale Inklusion zu richten. Diese sowie Gleichheit und Solidarität könnten als verbindende Ideen und Kern einer Europeanness verstanden werden. Prof. Rainer Gries (Franz Vranitzky Chair for European Studies, Universität Wien) gab zu bedenken, dass er den Eindruck habe, dass wenn von Europa geredet würde es insbesondere um die Dinge ging, die man vermisst, nicht aber um die, die man bereits genießen kann.

Zum Abschluss der Diskussion wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern noch die Frage reflektiert, warum trotz vieler Anstrengungen und einer intensiven Verbreitung der Aufruf zur Teilnahme an der Tagung nur sehr wenige oder gar keine Reaktionen aus Polen und Ungarn hervorgerufen hat. So war nur eine Forscherin aus Polen, aber gar keine ungarischen Forscherinnen oder Forscher vertreten. Einigkeit herrschte darüber, den Austausch über die "Generation of Transition" mit allen europäischen Ländern zu vertiefen und die Arbeit mit den auf der Konferenz aufgeworfenen Begriffen und Vorstellungen in den nächsten Jahren fortzusetzen.


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