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24.4.2020 | Von:
Jörg Ganzenmüller

Ostdeutsche Identitäten

Selbst- und Fremdbilder zwischen Transformationserfahrung und DDR-Vergangenheit

Ostdeutschen wird eine spezifische Identität bescheinigt, die durch die SED-Diktatur und die Transformationszeit seit 1990 geformt worden sei. Auch eine westdeutsche Identität wird ausgemacht, die in der Zeit vor 1990 wurzele. Woher stammen diese Selbst- und Fremdzuschreibungen, und was bedeuten sie für die deutsche Vereinigungsgesellschaft?

Das Foto zeigt den Abbau des Schriftzuges "OST" vom Dach der Volksbühne in Berlin am 24.06.2017 während der letzten Vorstellung von "Die Brüder Karamasow".Der Schriftzug "OST" auf dem Dach der Volksbühne in Berlin ist am 24.06.2017 während der letzten Vorstellung von "Die Brüder Karamasow" entfernt worden. (© picture-alliance/dpa)

Auch 30 Jahre nach der deutschen Einheit denken wir noch stark in Kategorien von West- und Ostdeutschland. Diese Einteilung findet sich nicht nur bei struktur- und wirtschaftspolitischen Fragen, sondern häufig auch mit Blick auf die Menschen und deren unterschiedliche Prägungen: Ost- und Westdeutsche werden jüngst wieder verstärkt als zwei Wesen begriffen, die zwar miteinander verwandt, aber doch recht unterschiedlich sind. Für die Ostdeutschen mehr als für die Westdeutschen geht damit die Frage einher, worin sie sich eigentlich von ihren Landsleuten unterscheiden und was das spezifisch Ostdeutsche an ihnen ist. Wolfgang Engler und Jana Hensel sind in dem Gesprächsband „Wer wir sind: Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“ dieser Frage nachgegangen, und das Buch wurde ein Bestseller.[1] Was aber macht diese ostdeutsche Identität aus?

Die Erfindung des Ostdeutschen

Es besteht weitgehende Einigkeit darin, dass es eine ostdeutsche Identität vor 1989/90 nicht gab, sondern sich erst im Zuge des deutschen Vereinigungsprozesses herausgebildet hat. Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, stellte im September letzten Jahres in der Berliner Zeitung fest:

„Ich kann mich nicht entsinnen, dass wir uns zu DDR-Zeiten als Ostdeutsche definiert haben. Im Gegenteil: Wir haben uns immer als Deutsche verstanden. Eine ostdeutsche Identität gab es erst nach der DDR. Die gemeinsamen Erlebnisse von Benachteiligung und fehlender Wertschätzung haben sie geschaffen. Nicht bei allen – aber wenn 80 Prozent der Berufsaktiven ihren Job verlieren, wenn sie wieder auf die Schulbank müssen, weil ihre Berufe nicht mehr anerkannt werden, hat das Folgen für jede Gesellschaft. Das Ende der Diktatur, die neuen Freiheiten, wurden bei manchen durch diese Erfahrungen überwogen.“[2]

Auch für Jana Hensel speist sich die ostdeutsche Identität aus den negativen Transformationserfahrungen der 1990er Jahre:

Die ostdeutsche [Identitätserzählung] bleibt die defizitäre, die nachrangige, die marginalisierte und oft auch einfach jene, die schlicht übersehen wird. Auf jeden Fall eine, die weit davon entfernt ist, in eine gesamtdeutsche Identitätserzählung aufgenommen zu werden. Eher bildet sie eine Art Gegenerzählung, von der man sich, je nach Bedarf und Thema, abzugrenzen versucht.“ [3] Der Soziologe Raj Kollmorgen geht wiederum davon aus, dass die Selbstwahrnehmung als Ostdeutsche eine Folge des Elitenaustausches und der medialen Stigmatisierung der Ostdeutschen ist:

„Die Fremd- und die Selbstwahrnehmung als Ostdeutsche hat sich erst nach 1990 herausgebildet. Als klar wurde, dass die Wiedervereinigung schwieriger werden würde als gedacht. Als Menschen aus Ostdeutschland massenhaft ihre Arbeit verloren haben oder ihnen westdeutsche Chefs vorgesetzt wurden, als sie in Medien als faul und vormodern beschrieben wurden. Identitäten formieren sich immer dann besonders intensiv und werden wirkmächtig, wenn sie bedroht erscheinen und soziale Desintegration herrscht.“[4]

Weniger Einigkeit besteht allerdings darin, ob es DIE ostdeutsche Identität überhaupt gibt. Der Historiker Patrice Poutrus, der als Sohn einer deutschen Mutter und eines sudanesischen Vaters in Ost-Berlin aufgewachsen ist, fühlt sich darin nicht aufgehoben:

„Dass immer wieder behauptet wird, es gebe eine einheitlich ostdeutsche Identität, zeigt, wie ambivalent Identitätsfragen sind. Dabei handelt es sich um eine zutiefst persönliche Angelegenheit. Wer ich bin, was mich ausmacht, wem ich mich zugehörig fühle und ob das anerkannt wird, das hängt von vielen und sich ständig wandelnden Faktoren meines Lebens ab.“[5]

Ein Identitätsgefühl entsteht, folgt man Patrice Poutrus, nicht nur über die individuelle Einschreibung in eine Gemeinschaft, sondern auch in der Anerkennung der Zugehörigkeit des Einzelnen durch die Gemeinschaft. Im Gegensatz dazu wirft Jana Hensel denjenigen Ostdeutschen vor, die sich nicht als solche bezeichnen wollen, ihre eigene Identität zu verleugnen.[6] Vor dem Hintergrund dieser Debatte stellt sich die Frage, was kollektive Identitäten sind, wie sie entstehen und was sich daraus für die Identitäten von Ost- und Westdeutschen ableiten lässt.

Das Konzept der Kollektiven Identität

Identität ist eine Vorstellung des Menschen von sich selbst. Kollektive haben kein Selbst, sondern bestehen aus unterschiedlichen Individuen. Es kann also im engeren Sinne keine kollektiven Identitäten geben. Vielmehr sind kollektive Identitäten Konstrukte, welche die Homogenität einer Gemeinschaft suggerieren, die es gar nicht geben kann. Die Konstruktion von kollektiven Identitäten ist wiederum ein sozialer Prozess, der durch Kommunikation erfolgt und durch Identitätspolitik gefördert werden kann.[7] Auch wenn kollektive Identitäten gesellschaftlich konstruiert sind, so sind sie zugleich äußerst wirkmächtig. Sie können das Zugehörigkeitsgefühl zu einem Kollektiv maßgeblich fördern, aber auch behindern. Dieses Zugehörigkeitsgefühl wird nicht zuletzt dadurch erzeugt, indem sich die eigene Gruppe nach außen abgegrenzt. Kollektive Identitäten werden infolgedessen ganz wesentlich in einer Auseinandersetzung mit einer Alterität konstruiert. Identitäten sind immer auch eine Abgrenzung von einem vorgestellten Anderen.[8] Berücksichtigt man die sozialwissenschaftlichen Theorien zur Identitätskonstruktion, dann stellen sich folgende Fragen: Was kennzeichnet die Ostdeutschen als eine vorgestellte Gemeinschaft? In welcher Weise findet die Konstruktion einer ostdeutschen Identität in Abgrenzung zu den Westdeutschen statt? Und gibt es als Pendant auch eine westdeutsche Identität?

Ostdeutsche Identitäten und Transformationserfahrungen

Zieht man sozialwissenschaftliche Befragungen der Ostdeutschen heran, dann ist die ostdeutsche Identität nur eine unter vielen. Der Thüringen-Monitor zeigt etwa, dass sich in den vergangenen 18 Jahre eine Mehrheit der Befragten in erster Linie stets als Thüringer*innen sahen (im Schnitt 43 Prozent), gefolgt von einer Selbstidentifikation als Deutsche (im Schnitt 27 Prozent), erst dann als Ostdeutsche (im Schnitt 14 Prozent) und schließlich als Europäer*innen (8 Prozent).[9] Die ostdeutsche, die thüringische und die gesamtdeutsche Identität schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern sind ineinander eingebettet. Deshalb führt die ostdeutsche Identität zu keinen separatistischen Tendenzen oder eine regionale politische Bewegung.[10]

Gleichzeitig stellt der Thüringen-Monitor eine signifikante Ost-Deprivation fest. Viele haben den Eindruck, dass sie als Ostdeutsche im Vergleich mit anderen weniger als den gerechten Anteil erhalten und zugleich von Westdeutschen als „Menschen zweiter Klasse“ behandelt werden.[11] In den Jahren von 2003 bis 2018 hielt sich konstant rund eine Drittel der Befragten in diesem Sinne für persönlich benachteiligt. Bemerkenswert ist, dass mit rund 59 Prozent rund doppelt so viele der Befragten die Ostdeutschen insgesamt für benachteiligt und gering geschätzt halten, und unter den 25-bis 34-jährigen sind sogar 74 Prozent dieser Meinung.[12] Ganz ähnlich ist das Bild in Sachsen: Laut Sachsen-Monitor von 2018 sahen 52 Prozent der Sächsinnen und Sachsen die Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse. Gleichzeitig empfanden 61 Prozent, dass die Leistungen der Ostdeutschen für den Aufbau der neuen Länder nicht angemessen gewürdigt werden.[13]

Die Konstruktion „des Ostdeutschen“ findet somit im Modus einer kollektiven Unterprivilegierung statt. Folgt man der allgemeinen Einschätzung, dass die Konstruktion einer ostdeutschen Identität erst nach 1989 erfolgte, dann steht die Ausbildung dieser Identität offenbar in einem engen Zusammenhang mit den Transformationserfahrungen. Es ist eine Abgrenzungsidentität, die man als einen Akt der Selbstbehauptung gegenüber dem Westen interpretieren kann.[14]Da das Selbstverständnis einer Mehrheit von Ostdeutschen als benachteiligte Bevölkerungsgruppe auch jenseits eigener Erfahrungswerte existiert,[15] kann man durchaus von einer kollektiven Vorstellung ostdeutscher Identität sprechen, auch wenn naturgemäß nicht alle Ostdeutschen diese Vorstellung teilen.

Ostdeutsche Identität und DDR-Erfahrung

Die Konstruktion einer Identität vollzieht sich allerdings nicht nur durch die Abgrenzung von gegenwärtigen Alteritäten, sondern auch in der Reflexion auf die Vergangenheit und in Auseinandersetzung mit einem anderen, früheren „Wir“.[16] 2016 gaben 63 Prozent der Ostdeutschen an, sie fühlten sich stark oder ziemlich stark mit der DDR verbunden. Dieser Wert betrug im Jahr 1991 noch 43,2 Prozent, ist im Laufe der 1990er Jahren auf 69,0 Prozent gestiegen und verharrt seitdem auf diesem Niveau.[17] Diese autobiographische Selbstvergewisserung ist Bestandteil einer Identitätskonstruktion, doch ist die ostdeutsche Identität keine bloße Fortsetzung einer DDR-Identität unter gesamtdeutschen Bedingungen, zumal es eine eindeutige DDR-Identität nie gegeben hat. Neben dem staatlich produzierten und kontrollierten Identitätsangebot gab es stets konkurrierende Identitätsangebote, die sich jenseits des Staates herausbildeten und als staatsfern verstanden.[18] Eine ostdeutsche Identität kann deshalb ein Festhalten an den Errungenschaften der DDR, Stolz auf den Sturz einer ungeliebten Diktatur oder eine wehmütige, eher unpolitische Erinnerung an die eigene Jugend beinhalten.[19] Die Konstruktion einer ostdeutschen Identität findet allerdings stets in einer Auseinandersetzung mit der DDR statt und kann die Freude über deren Überwindung ebenso wie den Wunsch nach dem Bewahren einer spezifischen Alltagskultur integrieren.[20] Dies kommt in dem zunächst widersprüchlich erscheinenden sozialwissenschaftlichen Befund zum Ausdruck, dass etwa zwei Drittel der Ostdeutschen das politische System der SED-Diktatur als „Unrechtsstaat“ ablehnen, etwa genauso viele jedoch den vermeintlichen „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ positiv erinnern.[21] Identitäten sind nicht widerspruchsfrei. Und gerade die Integration von ambivalenten DDR-Erfahrungen ist ein Spezifikum ostdeutscher Identitäten.

Westdeutsche Identität als Selbstvergewisserung

In den alten Bundesländern ist das Selbstverständnis als „Westdeutscher“ nur schwach ausgeprägt, hier dominieren regionale Identitäten. „Ostdeutschland“ wird in zweifacher Hinsicht als eine Alterität zu „Westdeutschland“ gesehen. Zum einen ist hier noch immer die Identitätspolitik aus der Zeit der deutschen Teilung wirksam. Auf politischer Ebene definierten sich beide deutsche Staaten als das jeweils „andere“ Deutschland: Die DDR verstand sich als antifaschistische Fortschrittsalternative zur restaurativen Bundesrepublik, die Bundesrepublik sah sich als freiheitlich demokratischer und wirtschaftlich erfolgreicher Gegenentwurf zum maroden Unterdrückungsregime der SED. Gleichzeitig hielt man in der Bundesrepublik an der Vorstellung einer deutschen Nation, die beiderseits der Mauer lebte, fest. Nach der Maueröffnung machten Westdeutsche naturgemäß Alteritätserfahrungen mit der DDR und ihren Bürger*innen. Politisch galt diese Alterität jedoch als etwas, das es zu überwinden gelte. Die viel diskutierte Erwartung, nach der staatlichen Vereinigung müsse auch eine „innere Einheit“ hergestellt werden, entsprang einer gesellschaftlichen Homogenisierungsvorstellung.[22] Zudem sollte das Zusammenwachsen von Ost und West unter westdeutschen Vorzeichen stattfinden: Der Osten habe sich dem Westen anzupassen bzw. dessen versäumte Entwicklung nachzuholen. In diesem Kontext wurde die ursprünglich politische Abgrenzung zum Sozialismus auf die ostdeutsche Gesellschaft übertragen und zur Stabilisierung des westdeutschen Selbstbildes einer Wirtschaftswundernation genutzt. „Arbeiten wie bei Honecker und leben wie bei Kohl geht nicht.[23] – so formulierte 1992 Otto Graf Lambsdorff den von ihm diagnostizierten Unterschied im west- und ostdeutschen Arbeitsethos. Die Unterstellung einer mangelnden Leistungsbereitschaft bei gleichzeitiger Unselbständigkeit und einer Neigung zum Selbstmitleid prägt das Bild der West- von den Ostdeutschen seit den 1990er Jahren.[24] Diese Stereotypen sind das ins Negative gewendete Selbstbild, das sich in der alten Bundesrepublik nach dem Krieg herausgebildet hat: Eine Nation, die den Wiederaufbau des Landes angepackt und sich durch Fleiß einen Wohlstand erarbeitet habe. Während die Konstruktion einer ostdeutschen Identität die Folge von Transformationserfahrungen ist, ist die westdeutsche Identität eine Fortschreibung jenes Selbstbildes, das sich während der deutschen Teilung herausgebildet hat und von den westdeutschen Medien perpetuiert wurde.[25] Allerdings hat sich der westdeutsche Blick auf den Osten zuletzt im Zuge des NSU, von Pegida, den Wahlergebnisse der AfD und von Ausschreitungen wie im August 2018 in Chemnitz gewandelt. Als Teil der nationalen Identität im vereinigten Deutschland hat sich zunehmend eine Abgrenzung zum Nationalsozialismus etabliert. Für diese aufgeklärt-demokratische Identität, wie sie sich in der alten Bundesrepublik schrittweise über Jahrzehnte und nicht frei von gesellschaftlichen Konflikten ausgebildet hat,[26] ist vor allem „der Nazi“ der Andere. Indem nun Rechtsextremismus als ein vorwiegend ostdeutsches Phänomen wahrgenommen wird, was es nicht ist, besteht die Gefahr, den Ostdeutschen zu einem fundamental Anderen, zum Gegenentwurf des Westdeutschen zu konstruieren. Dann wäre der Ostdeutsche in einer Weise ein Anderer, wie er es während vierzig Jahren Teilung nicht gewesen ist.

Schlussfolgerungen

Es ist für die deutsche Vereinigungsgesellschaft wichtig, über die Ursprünge von ost- bzw. westdeutschen Identitäten nachzudenken. Das heißt aber nicht, dass die Existenz von ostdeutschen Identitäten ein Problem ist, das es zu überwinden gelte. Im Gegenteil: Unterschiedliche regionale Identitäten sind Kennzeichen für die regionale Vielfalt, die Deutschland ausmacht. Zu diesen regionalen Identitäten wird noch lange Zeit eine ostdeutsche Variante gehören, denn vierzig Jahre DDR und die tiefgreifenden Transformationserfahrungen haben tiefe Spuren hinterlassen, die es in den alten Bundesländern nicht gibt. Es gibt nicht DIE Ostdeutschen, aber es gibt eine ostdeutsche Gesellschaft, die anders ausdifferenziert ist als die westdeutsche, die andere kulturelle Codes hat und durch andere biographische Erfahrungen geprägt ist.[27] Dies ist nicht besorgniserregend. Ein politisches und gesellschaftliches Problem entsteht daraus nur, wenn eine ostdeutsche Identität als Gegenentwurf zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung konstruiert wird: sei es als Selbstbeschreibung oder als Fremdzuschreibung. Versuche einer solchen Identitätspolitik gab es in den vergangenen 30 Jahren immer wieder. Sollten diese am Ende erfolgreich sein, entsteht ein Demokratieproblem, das nicht nur Ostdeutschland, sondern Deutschland als Ganzes betrifft.

Zitierweise: Jörg Ganzenmüller, "Ostdeutsche Identitäten: Selbst- und Fremdbilder zwischen Transformationserfahrung und DDR-Vergangenheit", in: Deutschland Archiv, 24.4.2020, Link: www.bpb.de/308016

Fußnoten

1.
Wolfgang Engler/Jana Hensel, Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein, Berlin 2018.
2.
Eine ostdeutsche Identität gab es erst nach der DDR, Interview mit Thomas Krüger, in: Berliner Zeitung, 1.9.2019, www.bz-berlin.de/berlin/umland/eine-ostdeutsche-identitaet-gab-es-erst-nach-der-ddr, letzter Zugriff am 14.4.2020.
3.
Engler/Hensel, Wer wir sind (Anm. 1), S. 57.
4.
Das begann erst nach der Wende, Interview mit Raj Kollmorgen, in: TAZ, 29.6.2018, taz.de/Soziologe-ueber-ostdeutsche-Identitaet/!5516855/, letzter Zugriff am 14.4.2020.
5.
Patrice Poutrus, Neo-Ostalgiker, in: Zeit-Online, 9.11.2019, www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-11/ostdeutsche-identitaet-rechte-patrice-poutrus, letzter Zugriff am 14.4.2020.
6.
Engler/Hensel, Wer wir sind (Anm. 1), S. 76.
7.
Lutz Niethammer, Kollektive Identität. Heimliche Quellen einer unheimlichen Konjunktur, Hamburg 2000, S. 19f.
8.
Philipp Sarasin, Die Wirklichkeit der Fiktion. Zum Konzept der imagined communities, in: Ulrike Jureit (Hg.), Politische Kollektive. Die Konstruktion nationaler, rassischer und ethnischer Gemeinschaften, Münster 2001, S. 22-45, hier S. 36.
9.
Heinrich Best u.a., Politische Kultur im Freistaat Thüringen. Thüringen im 25. Jahr der deutschen Einheit – Ergebnisse des Thüringen-Monitors 2015, www.landesregierung-thueringen.de/fileadmin/user_upload/Landesregierung/Landesregierung/Thueringenmonitor/thuringen-monitor_2015.pdf, letzter Zugriff am 14.4.2020.
10.
Steffen Mau, Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft, Berlin 2019, S. 211.
11.
Dieses Phänomen kennt die Umfrageforschung bereits seit der deutschen Einheit. War diese Einschätzung in den ersten Jahren noch rückläufig, so nimmt dieser Eindruck seit Mitte der 1990er Jahre wieder signifikant zu, siehe Wolfram Brunner/Dieter Walz, Selbstidentifikation der Ostdeutschen 1990-1997. Warum sich die Ostdeutschen zwar als ‚Bürger 2. Klasse‘ fühlen, wir aber nicht auf die ‚innere Mauer‘ treffen, in: Heiner Meulemann (Hg.), Werte und nationale Identität im vereinten Deutschland. Erklärungsansätze der Umfrageforschung, Opladen 1998, S. 229-250, hier S. 230.
12.
Marion Reiser u.a., Politische Kultur im Freistaat Thüringen. Heimat Thüringen – Ergebnisse des Thüringen-Monitors 2018, www.thueringen.de/mam/th1/tsk/thuringen-monitor_2018_mit_anhang.pdf, letzter Zugriff am 14.4.2020.
13.
Sachsen-Monitor, Ergebnisbericht, www.staatsregierung.sachsen.de/download/ergebnisbericht-sachsen-monitor-2018.pdf, letzter Zugriff am 14.4.2020.
14.
Detlef Pollack, Ostdeutsche Identität – ein multidimensionales Phänomen, in: Heiner Meulemann (Hg.), Werte und nationale Identität im vereinten Deutschland. Erklärungsansätze der Umfrageforschung, Opladen 1998, S. 301-318, hier S. 311.
15.
Siehe etwa die Selbsteinschätzung von Valerie Schönian, die erst im Zuge der westdeutschen Reaktion auf Pegida und die AfD-Landtagswahlergebnisse ein „Ostbewusstsein“ ausgebildet hat: Valerie Schönian, Ostbewusstsein. Warum Nachwendekinder für den Osten streiten und was das für die Deutsche Einheit bedeutet, München 2020, S. 17-27.
16.
Willem von Reije,: Konsens oder Heil? Zur Prozedualisierung von Identität und Alterität, in: Wolfgang Eßbach (Hg.), wir / ihr / sie. Identität und Alterität in Theorie und Methode, Würzburg 2000, S. 21-37, hier S. 22.
17.
Susanne Rippl, Nelly Buntfuß, Nicole Malke, Natalie Rödel, unter Mitarbeit von Luisa Schubert, Ostdeutsche Identität, Zwischen medialen Narrativen und eigenem Erleben, in: Deutschland Archiv, 16.5.2018, Link: www.bpb.de/269349, letzter Zugriff am 14.4.2020.
18.
Vgl. Antonia Grunenberg, Die gespaltene Identität. Gesellschaftliches Doppelleben in der DDR, in: Werner Weidenfels (Hg.), Die Identität der Deutschen, Bonn 1983, S. 210-227.
19.
Mau, Lütten Klein (Anm. 10), S. 213.
20.
Engler/Hensel, Wer wir sind (Anm. 10), S. 67.
21.
Best, Politische Kultur (Anm.9), S. 38-48.
22.
Zur Kritik an der Vorstellung einer „inneren Einheit“ bei Hans-Joachim Veen, Innere Einheit – aber wo liegt sie?, in: APuZ B40-41/1997, S. 19-28.
23.
"Zeit-Online, Worte der Woche, 13.11.1992, www.zeit.de/1992/47/worte-der-woche/seite-5, letzter Zugriff am 14.4.2020.
24.
Siehe Max Kaase/Petra Bauer-Kaase, Deutsche Vereinigung und innere Einheit 1990-1997, in: Heiner Meulemann (Hg.), Werte und nationale Identität im vereinten Deutschland. Erklärungsansätze der Umfrageforschung, Opladen 1998, S. 251-267, hier S. 258; Katja Neller, Getrennt vereint? Ost-West-Identitäten, Stereotypen und Fremdheitsgefühle nach 15 Jahre deutscher Einheit, in: Jürgen W. Falter u.a. (Hg.), Sind wir ein Volk? Ost- und Westdeutschland im Vergleich, München 2006, S. 13-36, hier S. 29-33.
25.
Michael Meyen, „Wir haben freier gelebt“. Die DDR im kollektiven Gedächtnis der Deutschen, Bielefeld 2013, S. 169-179.
26.
Zu diesem langwierigen Prozess siehe Norbert Frei, 1945 und wir, München 2005.
27.
Engler/Hensel, Wer wir sind (Anm. 1), S. 65.

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