Beleuchteter Reichstag

3.3.2021 | Von:
Holger Kulick und Anja Linnekugel

Mauerüberwindendes

Das Deutschland Archiv der bpb prämiert SchülerInnenzeitungen

Die Berliner Mauer? Zwei Deutsche Staaten? Wiedervereinigung? Transformation? Zusammenwachsen? Was recherchieren und berichten deutsche SchülerInnenzeitungen darüber? Ein Wettbewerb der Redaktion Deutschland Archiv der bpb für junge NachwuchsjournalistInnen. Ein Überblick über die PreisträgerInnen 2020/21.

Die beiden 2021 vom Deutschland Archiv der bpb ausgezeichneten Hauptpreisträgerinnen. Die Schülerzeitungen "MORON" aus Berlin und "Georg." aus KasselDie beiden 2021 vom Deutschland Archiv der bpb ausgezeichneten Hauptpreisträgerinnen. Die Schülerzeitungen "MORON" aus Berlin und "Georg." aus Kassel

Erstmalig hat sich die Redaktion Deutschland Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit einem Sonderpreis an der alljährlichen Wahl der besten SchülerInnenzeitungen Deutschlands beteiligt. Prämiert wurden Zeitungen, die in vorbildlicher Weise das Themenfeld rund um die deutsch-deutsche Geschichte und den Prozess der Wiedervereinigung bearbeiten. Der Wettbewerb wird vom Verband der Jugendpresse Deutschland e.V. in Kooperation mit allen Bundesländern durchgeführt. Am 25. und 26. Februar 2021 fand die Jurysitzung statt.

Zwei HaupgewinnerInnen aus Kassel und Berlin-Pankow

Aus dem Jahr 2020 schafften es 18 Beiträge zum Themenbereich DDR und Wiedervereinigung in die Endauswahl von Jugendpresseverband und Deutschland Archiv (DA). Davon kamen sechs Beiträge von Schulen aus dem ehemaligen Ostdeutschland und 12 aus dem einstigen „Westen" der Bundesrepublik. Zwei der eingereichten Texte belegen nach einhelliger Jurymeinung gleichberechtigt den 1. Platz in dieser Sonderpreiskategorie. Sie greifen ein ähnliches Thema auf und befragen „Mauerüberwinder“, die die Leserinnen und Leser anschaulich und denkanstoßreich mit auf eine Zeitreise in den deutsch-deutschen Alltag nehmen.

Lehrreiche Lebenswege - von Ost nach West und West nach Ost

In MORON" , der Zeitung des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Berlin-Pankow, rekonstruiert Johann Faust detailliert die gewagte Flucht seines Großvaters Peter im Jahr 1988 in einem Schlauchboot über die Ostsee, und fragt nach dessen Beweggründen für dieses lebensgefährliche Wagnis. Die Zeitung bettet diese Erzählung in einem vielseitigen Themenschwerpunkt "Wasser" ein in Geschichten über vergleichbare Fluchten - wie heutzutage über das Mittelmeer.

In Georg.“, der SchülerInnenzeitung des Christoph-Lichtenberg Gymnasiums in Kassel, beschreibt Aurelie Ade in „Liebe über Grenzen" den umgekehrten Weg. Also von von der Bundesrepublik in die DDR, ein Weg, über den es bislang nur wenige journalistische Zeitzeugnisse gibt. Sie befragt den heute 69-jährigen Werner D. aus Wolzig, der zum Entsetzen seiner Freunde (und misstrauisch beäugt in der DDR), in den Osten übersiedelte und darüber reflektiert („Ich war kein begeisterter DDRler“). Seine Geschichte wird vergleichsweise nüchtern, wertungs- und klischeefrei in einem Interview erzählt sowie eindrucksvoll bebildert und gestaltet. Trotz manchen Tippfehlers sind beide Texte außergewöhnliche journalistische Leistungen in dieser Altersgruppe.
Ein Teil der Beiträge aus SchülerInnenzeitungen, die im Februar 2021 zur Auswahl standen.Viel Lesestoff. Ein Teil der Beiträge, die im Februar 2021 zur Auswahl standen. (© bpb/Kulick)

Zehn zweite Plätze: Textveröffentlichungen im DA geplant

Zehn weitere SchülerInnenzeitungen haben gemeinsam eine besonders lobende Erwähnung verdient - sie teilen sich Platz 2. Sie kommen aus Bochum („wir-am-ngb“), Flörsheim (“Headline“), Gingst („Gingster Welle“), Herne („Blattsalat“), Ingolstadt („Insider“), Kronach („1240“), Mümmelmannsberg („Mümmel-Express“), Münsterschwarzach („PEERplus“), Schwalbach am Taunus („FrEddyS“) und eine weitere noch einmal aus Kassel („jacobsblick“). Alle Texte, darunter weitere zum Thema Fluchten, über die Stasiaufarbeitung, zur Geschichte des 3. Oktobers 1990, über frühere Klassenfahrten in die DDR (dazu wird ein Lehrer befragt) und anderes mehr, wird die DA-Redaktion zu Ostern hier auf www.deutschlandarchiv.de dokumentieren und auch honorieren.

Wir zeichnen damit gelungene Versuche aus, das Thema Mauer (im Kopf) und deren Überwindung auch heute mit Neugier und Einfallsreichtum zu beschreiben. So, wie exemplarisch in „Georg.“ und „Moron.“ Den beiden HauptpreisträgerInnen und allen anderen Teilnehmenden dankt und gratuliert die DA-Redaktion der bpb herzlich. Die Preisverleihung findet Corona-bedingt erst im September im Bundesrat statt.

2021/22 erneut ein Sonderpreis: "Die Mauer noch im Kopf?"

Wegen Corona tagte die Jury im Frühjahr 2021 online. Hier zugeschaltet für ein Grußwort Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, der in diesem Jahr Gastgeber bei diesem Wettbewerb der Länder für SchülerInnenzeitungen war.Wegen Corona tagte die Jury im Frühjahr 2021 online. Hier zugeschaltet für ein Grußwort Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, der in diesem Jahr Gastgeber bei diesem Wettbewerb der Länder für SchülerInnenzeitungen war.
Im kommenden Jahr sind wir dann voraussichtlich erneut als Sonderpreisstifter mit an Bord, das Motto: "Die Mauer noch im Kopf?". Beim Verband der Jugendpresse können dann bis Dezember 2021 Themenausgaben oder Einzelbeiträge eingereicht werden, die in diesem Jahr in bundesdeutschen SchülerInnenzeitungen erscheinen oder bereits erschienen sind.

Hier alle weiteren Auszeichnung der besten SchülerInnenzeitungenDeutschlands 2020/21

Zitierweise: Holger Kulick, Anja Linnekugel, „Mauerüberwindendes. Das Deutschland Archiv der bpb prämiert SchülerInnenzeitungen“, in: Deutschland Archiv, 02.03.2021, Link: www.bpb.de/327686.

Die preisgekrönten Texte 2021:

  • HIER zu den von uns ausgewählten Beiträgen.


Deutschland Archiv

Illustration, die Kathrin und Ereignisse rund um den Mauerfall 1989 zeigt.
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Der Mauerfall und ich

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Bildmontagen und eine VR-Animation

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Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

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Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

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30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

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Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

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Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

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Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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