Beleuchteter Reichstag

29.7.2021 | Von:
Elke Kimmel

August 1961: Mauerbau und Alltag in Westberlin

Wie veränderte die Abriegelung Westberlins den Alltag der Menschen, die hier wohnten? Der Text skizziert über Kernbereiche wie Wohnen, Freizeit und Schutz vor Kriminalität Ansätze zu einer erweiterten Geschichte Westberlins nach dem 13. August 1961.

Gäste im Café Kranzler am Kurfürstendamm in Berlin, aufgenommen 1961.Gäste im Café Kranzler am Kurfürstendamm in Berlin, aufgenommen 1961. (© picture-alliance/akg, Fotograf: Gert Schuetz)

Der Mauerbau als zeithistorisches Ereignis ist 60 Jahre später aus fast jeder Perspektive beleuchtet worden. Die städtebaulichen und sozialen Folgen, die wirtschaftlichen und kulturellen Ausgangsbedingungen, die die Teilung schuf, sind in unzähligen Publikationen dargestellt. Dennoch bleibt der Alltag in Westberlin eher unscharf. Dabei ist es gerade der Alltag und seine Wahrnehmung, der die Erinnerung der Menschen wesentlich prägt.

Zwei Beispiele mögen dies verdeutlichen: Für Peter Berlin, geboren 1942, war der 13. August 1961 der Tag, an dem er sich gezwungenermaßen seiner Mutter gegenüber als homosexuell outete, was sein weiteres Leben prägte und zunächst mit familiären Zerwürfnissen verbunden war. [1] Er hatte die Nacht auf Sonntag in Ostberlin verbracht und konnte nicht mehr unauffällig nach Hause zurückkehren. Die damals neunjährige Ursula Mahnke verbindet alltäglichere Erinnerungen mit der Abriegelung: Von nun an musste sie ihre Mutter nicht mehr über die stets zugige Oberbaumbrücke zum Friseur an der Revaler Straße begleiten, sondern konnte bequem um die Ecke im Wrangelkiez gehen – da hatte es vor dem Mauerbau keine Friseure gegeben. [2] In welchem Maße der Mauerbau als zentrales politisches Ereignis auch für private Biografien von Zeitgenoss_innen zentral war, ist auch abhängig von ihren individuellen Erlebnissen in diesem Jahr. Der erlebte Alltag spielte sich vielfach jenseits der "politischen Meistererzählung" ab, die die durch die Teilung verursachte Trennung von Menschen ins Zentrum stellt. Der folgende Text wirft Schlaglichter auf diese überwiegend unerzählte Geschichte und soll dazu ermuntern, sich mit diesen vernachlässigten Aspekten intensiver zu befassen.

Als Quellen dienen in erster Linie Zeitungen aus Berlin und dem Bundesgebiet. [3] Zusätzlich werden statistische Erhebungen herangezogen, um die Relevanz der Fallbeispiele einzuordnen.

Wohnen

Ein großes Problem war Anfang der 1960er-Jahre die Wohnraumversorgung. Noch lebten viele Menschen in Fabrikhallen und ehemaligen Bunkern. Das Statistische Jahrbuch der Bundesrepublik wies für 1961/62 in Westberlin über 3.000 "Nichtwohngebäude" aus, die als Unterkünfte genutzt wurden. [4] Dieselbe Statistik lässt auch vermuten, dass sich die Verhältnisse nur langsam verbesserten: Nicht einmal 10.000 neue Wohnungen entstanden 1961, [5] 1962 waren es knapp 20.000. Auch die offiziellen Zahlen des Senats machen das Ausmaß des Problems sichtbar: Demnach waren nur 40.000 Altbauwohnungen gut erhalten, 180.000 immerhin "verbesserungsfähig" und ganze 250.000 "abbruchreif". [6] Verschärft wurde die Wohnungsnot durch die anhaltende Zuwanderung aus der DDR. Westberlin war für viele Menschen nicht nur erste Anlaufstelle, sondern auch "neue Heimat". [7] Die Abriegelung zeigte hier unmittelbare Auswirkungen: In den letzten drei Monaten des Jahres 1961 nahm die Westberliner Bevölkerung um fast 20.000 Menschen ab, nachdem sie zuvor beständig gewachsen war. [8]

Dass vielfach schon die Beheizung der Bleibe eine Herausforderung für deren Bewohner_innen bedeutete, belegt die aufwendige Zeitungsannonce für den anscheinend sehr gut verkauften "Infrarot-Heißluft-Strahlkamin Modell 1961 Passat", der warme Zimmer in kürzester Zeit versprach. Immerhin 168 D-Mark sollte er kosten – angesichts des versprochenen "Wohlbehagen[s] an mindestens 200 Tagen im Jahr" sicher ein guter Preis. [9] Ebenfalls auf verbreitet prekäre Wohnverhältnisse lässt der Leserbrief eines Kreuzbergers vom 17. August schließen: Der Schreiber beklagt sich über das gerade in den frühen Morgenstunden unerträgliche Taubengurren, das ihn nicht schlafen lasse. Die Tiere hätten sich in den über seiner Wohnung liegenden, ausgebrannten Stockwerken eingenistet – der Mann lebte in einer Ruine, ohne dies jedoch zu beklagen. [10]

Der Abriss eines zuvor entmieteten Wohnblocks in der Kösliner Straße in Berlin-Wedding am 6. Juni 1961 sollte den Startschuss für das Ende solcher Wohnverhältnisse setzen. Anstelle der beseitigten "Bruchbuden" sollten auf der "Schillerhöhe" moderne Wohnungen entstehen. Für die Mieter_innen der gesprengten Häuser waren diese allerdings vielfach nicht erschwinglich, und ältere Menschen fühlten sich nun schlicht heimatlos. [11]

Wirtschaft und Arbeiten

Das Westberliner Statistische Landesamt meldete im Verlauf des Jahres 1961 abnehmende Arbeitslosenzahlen. Es zählte Ende Dezember 1961 17.000 Erwerbslose, was einem Prozentsatz von knapp zwei Prozent entsprach. [12] Damit lag diese Zahl zwar doppelt so hoch wie im Bundesgebiet, hatte sich aber dennoch seit Jahresbeginn fast halbiert. [13] Abgenommen hatte zudem auch die Zahl der als Notstandskraft arbeitenden Menschen – Personen, die mit Arbeiten wie der Enttrümmerung befasst waren, dafür aber kein reguläres Gehalt bezogen.

Zumindest für Teilbereiche im Dienstleistungssektor wurde das Leben nach dem Mauerbau einfacher – etwa für die Friseurgeschäfte. Vor dem August 1961 hatte es im Wrangelkiez nahe der Oberbaumbrücke kaum Friseur_innen gegeben, da die potenzielle Kundschaft für einen Haarschnitt oder eine Dauerwelle lieber über die Sektorengrenze ging, wo dergleichen deutlich billiger war. [14] Die Preise zogen infolge des Mauerbaus deutlich an. Eine Dauerwelle kostete Ende 1961 eine D-Mark mehr als zu Jahresbeginn – 13,66 DM. [15]

In anderen Bereichen des Handwerks fehlten Arbeitskräfte. Zwar betonte die Berliner Morgenpost, dass es im Baugewerbe trotz des bislang hohen Anteils von Grenzgänger_innen aus Ostberlin nicht zu gravierenden Engpässen kommen werde; allenfalls seien Verzögerungen zu befürchten. [16] Der Tagesspiegel warnte hingegen, dass es in einzelnen Bereichen durchaus schwierig werde: Besonders betroffen seien Damenschneidereien, denn es sei "fast eine Tradition in diesem Handwerk, daß ein großer Teil der Arbeitskräfte im Osten Berlins" wohne. [17] Tatsächlich war die Zahl der Grenzgänger_innen bis zum Juli 1961 kontinuierlich gestiegen. [18] Auch der zuständige Senator für Arbeit und Soziales, Kurt Exner (SPD), warnte vor den Folgen der "Abschnürung" für die Westberliner Wirtschaft und forderte weitere Maßnahmen, um den Standort für Arbeitskräfte von außerhalb attraktiver zu machen. [19]

Stark betroffen war der Einzelhandel in Nähe der Sektorengrenze: [20] So büßten Kioske und Kinos bis zu 95 Prozent ihres Umsatzes ein. Demgegenüber verzeichneten Kneipen und Lokale in Nähe der Mauer wachsende Umsätze, denn viele der frühen Mauertourist_innen machten hier Station. [21] Vor anderen Problemen stand eine Reihe von Westberliner Betrieben, deren Inhaber_innen im Ostteil wohnten; allein in Schöneberg wusste der zuständige Stadtrat von 15 betroffenen Unternehmen. Er forderte die Innungen auf, sich um die "verwaisten" Geschäfte zu kümmern. [22] Als "Abwesenheitspfleger" seien insbesondere ältere Meister geeignet, die ihren Ruhestand unterbrechen könnten. [23]

Nur schwer ließen sich zudem die Lücken in der Kinderbetreuung füllen, wie der Tagesspiegel schrieb: "Die Oma aus Ost-Berlin fehlt". [24] Jugendsenatorin Ella Kay (SPD) organisierte bis Ende August Notlösungen vor allem für alleinstehende Mütter und Eltern, die im Schichtbetrieb arbeiteten – so wurde etwa in der Dahlemer Fontanestraße ein "zentrales Übernachtungsheim für die Kinder alleinstehender Mütter" eingerichtet.
Aber die Abriegelung traf auch die in Westberlin gedruckte und verbreitete SED-Zeitung Wahrheit. Die Weddinger Arbeiter weigerten sich, die Arbeit aufzunehmen. Anders als bei ähnlichen Gelegenheiten konnten sie nicht durch Streikbrecher aus Ostberlin ersetzt werden. [25] Noch bis 1964 operierte die Zeitung in Westberlin nur aus der Illegalität heraus. [26]

Großereignis

Am 25. August begann in den Messehallen unter dem Funkturm die 22. Deutsche Rundfunk-, Fernseh- und Phono-Ausstellung Berlin, die Vorläuferin der Internationalen Funkausstellung (IFA). Der Zentralverband der elektrotechnischen Industrie e.V. als Veranstalter hatte bewusst an Westberlin als Standort festgehalten. Es hätten sich sogar, so meldete der Tagesspiegel, zusätzliche Aussteller aus dem Bundesgebiet gemeldet, um ihre Verbundenheit mit Westberlin zu demonstrieren. [27] Bis zum 3. September präsentierten 158 Aussteller – deutlich weniger als zwei Jahre zuvor in Düsseldorf – ihre Neuheiten. Daneben sollte ein umfangreiches Showprogramm Publikum anlocken.

Allerdings gestaltete sich schon die Anreise von Interessierten aus dem Bundesgebiet schwieriger als gedacht, weil die ostdeutsche Reichsbahn nicht bereit war, Sonderzüge einzusetzen. In den eigens eingesetzten Sonderbussen blieb mancher Platz leer. [28] So manchen verunsicherte die politische Situation, und etliche Reservierungen wurden zurückgenommen. Apelle, dass Westberlin gerade jetzt Unterstützung brauche, verhallten dagegen ungehört: [29] Es kamen deutlich weniger zahlende Besucher_innen, als die Veranstalter erwartet hatten. [30] Die Passauer Neue Presse etwa hatte ein "Volksfest" mit etwa einer halben Million Teilnehmer_innen vorausgesagt. [31]

Am Unterhaltungsprogramm lag dies sicher nicht, denn zwischen Thüringen-, Sachsen-, Pommern-, Danzig- und Westschlesienhalle – so die zeitgenössischen Bezeichnungen – war einiges los. [32] Am Messestand des Sender Freies Berlin (SFB) konnten Interessierte mitverfolgen, wie die Show "Ein Platz an der Sonne" produziert wurde. [33] Die Polizei zeigte, wie sie Verbrecher per Radar jagte und in einem gläsernen "Do-it-yourself-Studio", konnte sich jede_r selbst als Fernsehstar versuchen. [34] Im "Wunschkonzert-Café" auf dem Messegelände servierte das Personal für eine Mark nicht nur ein Kaffee- und Kuchen-Gedeck, sondern (auf Wunsch) obendrein eine "humorvoll angesagte" Lieblingsmelodie. [35] Etwa 100 Veranstaltungen waren allein auf dem Messegelände geplant, viele davon wurden im Fernsehen live übertragen, wie etwa Werner Höfers Frühschoppen. [36] Allein der große Ball am 26. August wurde abgesagt.

Sensationelle Messeneuheiten fehlten auf der Berliner Schau, stattdessen waren Transistorradios und Radios im "Westentaschenformat" der Renner – "Musik zu jeder Zeit und überall – so heißt die Parole –, sehr zum Leidwesen jener, die noch ein stilles Plätzchen in der Natur schätzen," wie ein Zeit-Autor berichtete. [37] Auf eine bereits recht weite Verbreitung der tragbaren Geräte lässt der genervte Brief eines Tagesspiegel-Lesers vom 17. August schließen: Dieser lobt zunächst die vielen Parkanlagen in der Westberliner Innenstadt als Möglichkeiten für Naherholung. Allerdings würden die vielen "Radioten, (…) denen man allerorts begegne[t]", die gesuchte Ruhe mit ihrer "kitschigen Schlagermusik" empfindlich stören. Deshalb empfiehlt er: "Es wäre sehr wünschenswert, wenn auch in Berlin, wie in den meisten Ländern der Bundesrepublik, der Gebrauch von Radiogeräten in der Öffentlichkeit verboten würde." [38]

Freizeit und Kultur

Weniger im Kontext mit der IFA zu sehen als den aktuellen politischen Ereignissen geschuldet war die Einführung des Vormittagsprogramms in der ARD: In der DDR gab es diesen Service für Schichtarbeiter_innen seit längerem, und in Zeiten, in denen das Fernsehen zur erstrangigen Informationsquelle für die Ostdeutschen avancierte, zogen die westdeutschen Sender explizit nach. [39]

Angesichts des Mauerbaus entschied sich der Bezirk Wedding, die anstehenden 100-Jahr-Feierlichkeiten, für die einzelne Schausteller bereits angereist waren, abzusagen. [40] Hingegen fanden die "Kreuzberger Festlichen Tage" im Viktoriapark statt. Ausfallen mussten – auf Weisung von Bezirksbürgermeister Willy Kressmann (SPD) – lediglich einzelne Programmteile wie der "Jungbürgerball" am Freitag, das Feuerwerk am Samstag und der festliche Umzug am Sonntag. [41] Über Programmänderungen bei der "Steglitzer Woche 1961", die ab dem 15. August veranstaltet wurde, ist nichts bekannt: Besucher_innen konnten sich dort unter anderem einen "südlichen Schaumarkt" ansehen. [42] Auch Privatunternehmen reagierten: Die Kreuzberger Deutschen Telephonwerke und Kabelindustrie AG (DeTeWe) sagten ihr alljährlich für die Beschäftigten ausgerichtetes Herbstfest ab – die dafür eingeplanten 35.000 DM spendete die Firma an die Flüchtlingshilfe des Senats. [43]

Beim "Tag der Heimat" – dem traditionelle Treffen der Vertriebenenverbände – erschienen am 3. September 1961 in der Westberliner Waldbühne nur etwa halb so viele Besucher_innen wie in den Vorjahren. [44] Es erwartete sie unter anderem Bundesvertriebenenminister Ernst Lemmer (CDU) als Festredner. Das Neue Deutschland aus Ostberlin hob ausdrücklich die vielen "große Lücken" hervor, die in den Sitzreihen der Waldbühne geklafft hätten. [45]

Zunächst wirkte sich der Mauerbau auf die Berliner Bühnen nicht aus: Das Renaissance-Theater gab das Lustspiel "Geliebte Hexe" von John van Druten, das Theater am Kurfürstendamm "Nicht von gestern" mit Hildegard Knef und das Schiller-Theater das gesellschaftskritische Drama "1913" von Carl von Sternheim. Für den Herbst 1961 wollte Intendant Boleslav Barlog hier das Brecht-Stück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" zeigen. Nach dem Mauerbau verzichtete er darauf, weil ein Stück des regimetreuen Bertolt Brecht dem Westberliner Publikum nicht zuzumuten sei. [46] Zeit-Autor Josef Müller-Marein verteidigte diese Entscheidung mit der Begründung, dass Stück und Autor für den Kommunismus stünden und es bereits mehrfach in Ostberlin gezeigt werde. Man habe zu Recht "Mißverständnisse und Ausschreitungen" anlässlich der Premiere befürchtet, zumal das Stück auch noch die Berliner Festwochen 1961 eröffnen sollte. [47] Einem Leser des Tagesspiegel kam diese Distanzierung vom "Galatrommler des Marxismus" viel zu spät: Brechts Stücke hätten auf den Bühnen der "freien Stadt" nichts verloren. [48] Kritiker solcher Zensurmaßnahmen fragten allerdings, ob demnächst auch Tolstoi aus den Bibliotheken verbannt und Tschaikowskis Musik nicht mehr gespielt werden dürfe. [49]

Sicherheit

Rein statistisch war das Leben in Westberlin gefährlicher als in der restlichen Bundesrepublik: 1961 wurden dort 115.196 Straftaten angezeigt und in nur 66.000 Fällen konnten die Täter_innen ermittelt werden – eine Quote, die deutlich unter der im Bundesgebiet lag. [50] Ein zweiter Blick in die Statistik relativiert den Eindruck des "Molochs" zumindest rückblickend.

Tatsächlich gefährlich war es (und das galt für die ganze Bundesrepublik) im Straßenverkehr, wo fast die Hälfte aller Delikte in der Bundesrepublik verübt wurde, darunter fahrlässige Tötung oder Körperverletzung anderer Verkehrsteilnehmer_innen, aber auch Fahrerflucht und Beleidigungen. [51] Auch und gerade in Westberlin wurde der Verkehr immer dichter, allein 1961 waren 33.184 PKW neu zugelassen worden. Insgesamt waren mehr als 20.000 Autos mehr als im Vorjahr auf Westberlins Straßen unterwegs. [52] Parallel stieg die Zahl der Verkehrstoten: Sie erreichte mit 323 einen neuen Höchststand, [53] allein 31 Menschen starben im August 1961, die meisten von ihnen waren Fußgänger_innen. [54]

Die Westberliner Polizeistatistik erfasste 1961 außerdem einen deutlichen Anstieg einfacher und schwerer Diebstähle auf über 50.000 Fälle. [55] Die gegenüber den 1950er-Jahren hohe Zahl von Diebstählen erklärte der SFB unter anderem mit der Modernisierung des Einzelhandels. Viele Konsument_innen nähmen den Begriff "Selbstbedienung" ein wenig zu wörtlich und ließen Ware unbezahlt in der eigenen Tasche verschwinden. [56] Einer von ihnen war der im August 1961 verurteilte Jürgen R. aus Ostberlin: Er hatte "auf Bestellung" Schallplatten in Westberlin gestohlen. Acht Monate Jugendstrafe ohne Bewährung lautete die Strafe für den erst 15-Jährigen, sein wenig älterer Komplize kam mit vier Wochen Dauerarrest davon. [57] Anscheinend wirkte die fehlende Einsicht des überaus erfolgreichen Delinquenten strafverschärfend.

In die Kriminalstatistik flossen auch Delikte ein, die eher Ausdruck einer fehlenden Toleranz für nicht der (heterosexuellen) Norm entsprechende Lebensweisen waren, wie der Kuppelei-Paragraph 180 und der erst 1994 abgeschaffte Paragraph 175, der homosexuelle Beziehungen zwischen Männern kriminalisierte. Demnach war etwa das Zwangsouting von Peter Berlin 1961 wesentlich mehr als eine private Unannehmlichkeit. 432 Anzeigen gingen allein 1961 wegen "Unzucht zwischen Männern" bei der Westberliner Kripo ein. [58] Knapp 200 Männer ab 18 Jahren wurden 1961 wegen dieses "Verbrechens" verurteilt. [59]

Mauerbau und Alltag

Der Mauerbau ist ganz unbestritten das prägendste Ereignis des Jahres 1961 – auch und gerade für die Westberliner Stadtgesellschaft. Doch gerade weil dies so ist, verdrängt er vielfach den gelebten Alltag der Westberliner_innen ins historische Abseits, dahin, wo man nicht genauer hinschaut. So gibt es auch 60 Jahre nach dem Mauerbau Teilbereiche, die unterbelichtet geblieben sind, Folgen der Abriegelung, die nicht oder doch zu wenig beachtet wurden, ob das Sport, Ausbildung, Gesundheitsversorgung oder Einkaufsmöglichkeiten betraf. Ganz offensichtlich hing es wesentlich von der eigenen sozialen Lage ab, von jäh unterbrochenen Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen, wie hart ein Mensch vom Mauerbau getroffen wurde – oder ob er für einige auch als Erleichterung wahrgenommen wurde, weil etwa die Konkurrenz um eine bezahlbare Wohnung nachließ, weil nun kaum noch Flüchtlinge nach Westberlin kamen. Der Alltag lief für viele Menschen in Westberlin trotz des Mauerbaus weiter. Die Abriegelung machte sich für sie vor allem in Momenten abseits des Alltags bemerkbar – etwa bei Reisen oder weil Angehörige lange nicht besucht werden konnten. Möglicherweise ist dies auch ein Grund dafür, dass die Gewöhnung an die neuen Zustände nicht so schwerfiel, wie im Rückblick – gerade angesichts der verbreiteten "Mauerstadt-Bilder" – angenommen wird. Detailstudien und die fortgesetzte Arbeit mit Zeitzeug_innen sind ein Mittel, das Klischeebild der eingemauerten Stadt um lebendige Facetten zu bereichern.

Zitierweise: Elke Kimmel "August 1961: Mauerbau und Alltag in Westberlin", in: Deutschland Archiv, 29.7.2021, Link: www.bpb.de/337349

Auf der Themenseite "60 Jahre Mauerbau“ gibt es mehr Informationen zur Berliner Mauer >>

Fußnoten

1.
https://soundcloud.com/berlinerkindheiten/peter-berlin-1942, (ab ca. 15:20), letzter Zugriff am 21.7.2021.
2.
https://soundcloud.com/berlinerkindheiten/ursula-mahnke-1952, (ca. 9:30 min), letzter Zugriff am 21.7.2021.
3.
Namentlich sind dies: Der Spiegel, Die Zeit, die Berliner Morgenpost (im folgenden BM), der Tagesspiegel (Tsp), daneben Passauer Neue Presse (PNP), die Süddeutsche Zeitung (SZ) und die Honnefer Volkszeitung (HVZ). Ergänzend wurde das Neue Deutschland (ND) durchgesehen. Zudem wurden die relevanten Passagen von Zeitzeug_inneninterviews auf der Website "Berliner Kindheiten" ausgewertet, online unter: https://www.berlinerkindheiten.de.
4.
Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1962, Stuttgart 1963, S. 270, online unter: https://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PID=PPN514402342_1963%7Clog50, letzter Zugriff am 1.6.2021.
5.
Laut Statistischem Landesamt waren im Jahr 1961 23.000 Wohnungen neu entstanden, vgl. Statistisches Landesamt Berlin (Hg.), Statistisches Jahrbuch 1962, S. 182, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/182/, letzter Zugriff am 1.6.2021.
6.
Boris von Brauchitsch, Geschichte des Berliner Mietshauses, in: Sabine Krüger (Hg.): Armutszeugnisse. West-Berlin vor der Stadterneuerung in den sechziger Jahren, Berlin 2014, S. 7-17, hier: S.14.
7.
Statistisches Jahrbuch 1962, S. 73, online unter: http://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PID=PPN514402342_1962|log15&physid=phys93#navi, letzter Zugriff am 1.6.2021.
8.
Statistisches Landesamt, S. 62, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/62/, letzter Zugriff am 1.6.2021.
9.
Des großen Erfolgs wegen 3. Woche verlängert, in: BM, 15.8.1961, S. 4 (unten).
10.
Max Henschel (Leserzuschrift), Taubenplage, in: Tsp, 17.8.1961, S. 7.
11.
Boris von Brauchitsch, Geschichte des Berliner Mietshauses (Anm. 6), S. 12 f.
12.
Statistisches Landesamt, S. 122, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/122/, letzter Zugriff am 1.6.2021.
13.
Statistisches Landesamt, S. 128, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/128/, letzter Zugriff am 1.6.2021.
14.
Zeitzeugen-Interview mit Ursula Mahnke (Anm. 2).
15.
Statistisches Landesamt, S. 287, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/287/, letzter Zugriff am 1.6.2021.
16.
Berlin arbeitet weiter, in: BM, 15.8.1961, S. 6.
17.
L.H., Einige Schneidermeister arbeiten für andere mit, in: Tsp, 24.8.1961, S. 10.
18.
Statistisches Landesamt, S. 162, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/162/.
19.
Kurt Exner, Ein neuer Berlinplan ist notwendig, in: SZ, 2./3.9.1961, S. 7.
20.
L.R., Läden und Kinos an der Grenze verloren Tausende von Kunden, in: BM, 15.8.1961, S. 4.
21.
K. S., Nur ein paar Mark klimpern in der Kasse, in: Tsp, 25.8.1961, S. 8. Siehe auch: Grul, Wer in die Zukunft sieht..., in: Zeit 37/1961, 8.9.1961: Seit dem 13.8.1961 biete die Hamburger Studierendenvertretung Reisen an den Stacheldraht für 35 D-Mark an.
22.
Durch Stacheldraht von ihren Geschäften getrennt, in: Tsp, 18.8.1961, S. 8.
23.
Innungen sorgen für verwaiste Geschäfte, in: Tsp, 23.8.1961, S. 10.
24.
Die Oma aus Ost-Berlin fehlt, in: Tsp, 23.8.1961, S. 10.
25.
SED-Blatt "Wahrheit" muß Erscheinen einstellen, in: Tsp, 15.8.1961, S. 2.
26.
Jenny Niederstadt, "Erbitten Anweisung". Die West-Berliner SEW und ihre Tageszeitung "Die Wahrheit" auf SED-Kurs, Berlin 1999; Link: http://docplayer.org/66553393-Erbitten-anweisung-die-west-berliner-sew-und-ihre-tages.html, letzter Zugriff am 15.6.2021.
27.
H.G., Spontane Zusagen westdeutscher Funkschau-Aussteller, in: Tsp, 19.8.1961, S. 12. Zu vergleichbarer Unterstützung forderte auch die SZ auf: Elly Staegmeyr, Westberlin braucht Arbeit für seine Fabriken, in: SZ, 19./20.8.1961, S. 17.
28.
Berlin-Reisen zur Rundfunk-Schau, in: SZ, 17.8.1961, S. 13.
29.
L.H., Für alle noch eine Unterkunft, in: Tsp, 22.8.1961, S. 10.
30.
H. Michaels: Auf der Sonnenseite Berlins. Töne und Träume am Funkturm, in: Zeit 37/1961, 8.9.1961.
31.
Claus Schaale, Hochbetrieb rund um die Funkturm, in: PNP, 24.8.1961, S. 5.
32.
we., Wie der mit den Nasenflügeln zittert …, in: Tsp, 27.8.1961, S. 12.
33.
st., Favorit war bald die SFB-Fernsehschau, in: Tsp, 26.8.1961, S. 10.
34.
we., Wie der mit den Nasenflügeln zittert …, in: Tsp, 27.8.1961, S. 12.
35.
Anregungen auch für den Fachmann, in: Tsp, 17.8.1961, S. 8.p
36.
Funk und Fernsehen die Brücke nach drüben, in: Tsp, 24.8.1961, S. 10.
37.
Funk und Fernsehen die Brücke nach drüben, in: Tsp, 24.8.1961, S. 10.
38.
Gerhard Heydt (Leserzuschrift), Parks und Kofferradios, in: Tsp, 17.8.1961, S. 7.
39.
Fernsehen für die Ostzone, in: HVZ, 25.8.1961, S. 1.
40.
Wedding feiert nicht, in: Tsp, 19.8.1961, S. 12.
41.
Programm geändert, in: BM, 15.8.1961, S. 4.
42.
Blick nach Steglizza, in: Tsp, 17.8.1961, S. 8.
43.
Spende statt Herbstfest, in: Tsp, 23.8.1961, S. 10.
44.
Lemmer beim "Tag der Heimat", in: PNP, 4.9.1961, S. 2.
45.
Revanchistentreffen in Westberlin, in: ND, 4.9.1961, S. 2.
46.
Josef Müller-Marein, "Mahagonny" hinter der Mauer, in: Zeit, 1.9.1961, online unter: https://www.zeit.de/1961/36/mahagonny-hinter-der-mauer/komplettansicht, letzter Zugriff am 19.5.2021.
47.
Johannes Jacobi, Die Welt zu Gast in Berlin, in: Zeit, 6.10.1961, online unter: https://www.zeit.de/1961/41/die-welt-zu-gast-in-berlin/komplettansicht, letzter Zugriff am 19.5.2021.
48.
Johann Hermann (Leserzuschrift), Brecht-Premiere, in: Tsp, 27.8.1961, S. 14.
49.
Lupus, Fernsehen: Tanzen für Moskau?, in: Zeit 36/1961, 1.9.1961, online unter: https://www.zeit.de/1961/36/tanzen-fuer-moskau, letzter Zugriff am 1.6.2021.
50.
Statistisches Jahrbuch 1962, S. 121, online unter: https://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PID=PPN514402342_1963%7Clog22, letzter Zugriff am 1.6.2021.
51.
Statistisches Jahrbuch 1962, S. 123, online unter: https://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PID=PPN514402342_1963|log23&physid=phys144#navi, letzter Zugriff am 1.6.2021.
52.
Statistisches Landesamt, S.205, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/205/, letzter Zugriff am 1.6.2021.
53.
ebd.
54.
31 Verkehrstote, in: Tsp, 31.8.1961, S. 12. Vgl. Statistisches Landesamt, S. 207, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/207/, letzter Zugriff am 1.6.2021.
55.
Statistisches Landesamt, S. 117, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/117/,letzter Zugriff am 19.5.2021.
56.
Selbstbedienungsläden 1962 https://www.berlin-mauer.de/videos/versorgungslage-in-ost-und-west-543/ , letzter Zugriff am 26.4.2021.
57.
Schallplatten auf Bestellung gestohlen, in: Tsp, 18.8.1961, S. 8.
58.
Statistisches Landesamt, S. 117 (wie Anm. 54).
59.
Statistisches Landesamt, S. 110, online unter: https://digital.zlb.de/viewer/image/16308449_1962/110/, letzter Zugriff am 27.5.2021.

Deutschland Archiv

Illustration, die Kathrin und Ereignisse rund um den Mauerfall 1989 zeigt.
Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

Mehr lesen

Die Mauer. 1961 bis 2021

Bildmontagen und eine VR-Animation

Anlässlich des 60. Jahrestags des Mauerbaus erinnert das Deutschland Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit 46 Bildmontagen und einer Virtual-Reality-Animation an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

Mehr lesen

Themenseite

60 Jahre Mauerbau

Die Berliner Mauer trennte mehr als 28 Jahre lang Ost und West. Sie ist zum Symbol der konfliktreich verkanteten Nachkriegsordnung der Alliierten geworden. Zwischen 1961 und 1989 wurden mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. In diesen Angaben nicht erfasst ist die unbekannte Anzahl von Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihre individuellen Lebensverhältnisse starben.


Mehr lesen

NEU: "(Ost)Deutschlands Weg 1989-2021". 80 Studien zur Lage des Landes

Ein Mosaik der (ost)deutschen Transformationsgeschichte von 1989/90 bis in die Gegenwart. Mit Texten von Ilko-Sascha Kowalczuk, Krisztina Slachta, Jens Reich, Marianne Birthler, Hans Modrow, Steffen Mau, Antonie Rietzschel, Andreas Zick, Esther Dischereit, Bernd Wagner, Naika Foroutan, Raj Kollmorgen und 70 weiteren AutorInnen. Der Doppelband mit 1.350 Seiten und zahlreichen Fotos kostet 7 Euro im Angebot der bpb.

Mehr lesen

Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

Jetzt ansehen

Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

Mehr lesen auf chronik-der-mauer.de

Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

Mehr lesen

Deutschlandarchiv bei Twitter

Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen und Designers, Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, zeigen, dass bei Kriegsende im Mai 1945 in der Stadt kaum ein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Bildmontagen rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen und Schuttberge aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

Mehr lesen

Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

Mehr lesen

Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

Mehr lesen

13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

Mehr lesen

Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

Mehr lesen

Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

Mehr lesen auf bpb.de

Der Tag in der Geschichte

  • 28. September 1950
    Aufnahme der DDR in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW/COMECON). Der RGW war am 18. 1. 1949 in Moskau von Bulgarien, der CSR, Polen, Rumänien, der Sowjetunion und Ungarn gegründet worden. Er will einen sozialistischen Weltmarkt schaffen, um den... Weiter
  • 28. September 1950
    Die DDR wird in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW / COMECON) aufgenommen. (28. 9. 1950) Anders als die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (18. 4. 1951) entsteht der RGW als zwischenstaatliche Organisation ohne supranationale Rechte. Ein... Weiter
  • 28. Sept. - 3. Okt. 1954
    Die Londoner Neunmächtekonferenz (Beneluxstaaten, BRD, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada, USA) berät über Alternativen nach dem Scheitern des EVG-Vertrages. (30./31. 8. 1954) Ergebnisse: 1. Italien und der BRD wird empfohlen, dem revidierten... Weiter
  • 28. September 1969
    Wahlen zum 6.Bundestag: Zwar bleibt die CDU/ CSU stärkste Partei, doch überspringt die SPD erstmals die 40-Prozent-Hürde. Die FDP verliert Mandate, die NPD bleibt deutlich unter der 5-Prozent-Klausel. SPD-Kanzlerkandidat Willy Brandt und der neue... Weiter
  • 28. September 1982
    CDU, CSU und FDP einigen sich auf das Koalitionspapier. Es sieht u. a. vor, Sozialausgaben einzusparen, die Mehrwertsteuer zu erhöhen und eine rückzahlbare Zwangsanleihe für Besserverdienende einzuführen. Die Bundestagsfraktion der FDP billigt nach einer... Weiter
  • 28. September 1990
    Das 1. Mantelgesetz vereinheitlicht das Berliner Landesrecht. Danach ist das am 25. 9. 1990 geltende West-Berliner Landesrecht auf Ost-Berlin - von aufgeführten Ausnahmen abgesehen - zu erstrecken. Damit wird weitgehende Rechtseinheit in beiden Teilen der... Weiter
  • 28. September 1993
    Die Bundesregierung legt ihren ersten Altenbericht über die Lebenssituation älterer Menschen in Deutschland vor. Er wurde von einer unabhängigen Sachverständigenkommission, die am 22. 2. 1989 von der Ministerin Ursula Lehr berufen worden war, erarbeitet. Der... Weiter

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

Mehr lesen