Beleuchteter Reichstag

28.9.2021 | Von:
Clara und Layan

Warum wird der 3. Oktober gefeiert?

Zwei Redakteurinnen auf Spurensuche. Clara und Layan aus der 4. Klasse der Hamburger Grundschule am Mümmelsmannberg recherchierten, warum der 3. Oktober seit 1990 ein Feiertag ist. Dabei tauchten sie tief in die deutsche Geschichte.

Ausgelassen feiert eine riesige Menschenmenge in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 vor dem Brandenburger Tor in Berlin die deutsche Wiedervereinigung.Mit einem Volksfest feierten Millionen in Berlin und ganz Deutschland die Wiedervereinigung am 3. Oktober. (© picture-alliance/dpa, Fotoreport)

Der 3. Oktober ist ein Feiertag, er wird der „Tag der Deutschen Einheit“ genannt. Was wird an diesem Tag gefeiert? Um diese Frage zu beantworten, muss man in der deutschen Vergangenheit ein großes Stück zurückgehen – und zwar in das Jahr 1933. Seit 1933 war in Deutschland die Partei der Nationalsozialisten, unter der Führung von Adolf Hitler, an der Macht. Der Diktator Adolf Hitler hatte vor, die ganze Welt zu beherrschen.

Eine Folge der Nazi-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs

Am 1. September 1939 überfielen deutsche Soldaten Polen; das war der Beginn des Zweiten Weltkrieges. Der Krieg heißt so, weil er der zweite Krieg im 20. Jahrhundert war, an dem alle mächtigen Staaten der Welt beteiligt waren. Neben Polen marschierten die deutschen Truppen in weitere Länder ein, wie zum Beispiel Dänemark, Norwegen, Frankreich, die Niederlande; im Jahr 1941 griffen sie auch die Sowjetunion an. In diesem schrecklichen Krieg gab es 60 Millionen Tote – eine unvorstellbar große Zahl!

Im eigenen Land errichteten die Nationalsozialisten eine Diktatur und gingen gegen Menschen vor, die eine andere Meinung hatten oder die sie für minderwertig hielten. Das betraf zum Beispiel behinderte Menschen oder Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung, auch Sinti und Roma wurden verfolgt und ermordet. Ganz besonders verhasst waren den Nationalsozialisten aber Juden, selbst kleine Kinder mussten schlimme und gemeine Dinge erleben: Sie durften nicht mehr in die Schule gehen oder mit anderen spielen. Es war verboten, bei Juden einzukaufen, ihre Wohnungen und Geschäfte wurden zerstört.
Schwarz-Weiß-Foto: Eine Gruppe von Juden, darunter ein kleiner Junge, wird  von bewaffneten deutschen Soldaten am 19. April 1943 mit erhobenen Händen aus dem Warschauer Ghetto geführt. Das Bild gehörte zu einem Bericht von SS-General Stroop an seinen Kommandeur und wurde als Beweis in den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg im Jahr 1945 eingeführt. Die französische Zeitung "Le Figaro" berichtete am 23. Mai 1998, dass Tsvi Nussbaum, ein in Palästina geborener und heute in New York lebender Mann, vermutlich der Junge mit den erhobenen Händen sei.Eine Gruppe von Juden wird von deutschen Soldaten aus einem Haus im Warscheuer Ghetto geführt. (© AP)

Viele jüdische Familien flohen aus Deutschland; andere wurden in große Lager - Konzentrationslager (KZ) - gebracht und dort grausam gequält. Insgesamt wurden 6 Millionen Juden ermordet. Am 8. Mai 1945 besiegten die Truppen der Sowjetunion sowie die Amerikaner, Briten und ihre Verbündeten die deutsche Armee.

Nach 1945. Wie ging es weiter?

Deutschland hatte den Krieg verloren und die Siegermächte USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion teilten das Land zunächst unter sich in vier Zonen auf. Später wurde Deutschland dann in zwei Staaten geteilt: in die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und in die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Auch die Hauptstadt Berlin wurde in der Mitte geteilt.

In Ostdeutschland wurde streng regiert, weil die Menschen dort nicht frei reisen oder ihre Meinung frei sagen durften. In Westdeutschland war es so, wie wir es heute kennen. Die Menschen, die in Ostdeutschland oder Westdeutschland lebten, konnten sich nicht mehr treffen, weil es dort seit 1961 eine Mauer gab, die von Soldaten bewacht wurde. Menschen in Ostdeutschland, die unzufrieden waren versuchten, nach Westdeutschland zu fliehen. Viele sind dabei ums Leben gekommen. Im Jahr 1989 war die Unzufriedenheit der Menschen in der DDR so groß, dass sie anfingen gegen die Einschränkungen öffentlich zu protestieren. Sie trafen sich jeden Montag zu großen, friedlichen Demonstrationen. Man spricht heute von der „Friedlichen Revolution“.

Der Mauerfall am 9. November 1989

Am 9. November 1989 gab die Regierung den Protesten nach und beschloss die Reisebeschränkungen zu lockern. Als die Menschen davon erfuhren, rannten sie zur Mauer. Plötzlich war die Mauer kaputt. Die Ostberliner wurden von den Westberlinern herzlich empfangen, alle freuten sich und haben tagelang gefeiert. Nun konnten sie sich wieder treffen und von Westen nach Osten reisen.
Mauerbresche Ende November 1989 nahe dem Reichstagsgebäude in Berlin.Mauerbresche Ende November 1989 nahe dem Reichstagsgebäude in Berlin. (© Holger Kulick)

Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990

Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland wiedervereinigt, Berlin wurde wieder die Hauptstadt von Deutschland. Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist inzwischen 76 Jahre her! Die Erwachsenen, die damals Kinder waren, erinnern sich nur ungern an diese schreckliche Zeit und wollen so etwas niemals wieder erleben.

Benutzte Quellen: Marie R. Pimont, Dein buntes Wörterbuch Geschichte, Köln 2005, und: Sendung Neuneinhalb (WDR) https://t1p.de/clwf, und anderes mehr.

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Fragen an die Autorinnen Clara und Layan aus der 4a

1) Wie seid ihr zu dem Thema gekommen?

Wir haben in der Schule unsere Lehrerin gefragt, warum der 3. Oktober ein Feiertag ist. Sie hat dann vom Weltkrieg gesprochen und uns etwas darüber erzählt, wie es überhaupt zur Teilung von Deutschland gekommen ist. Das hat uns neugierig gemacht, wir wollten unbedingt noch mehr über die Zeit damals wissen und in der Schülerzeitung einen Artikel dazu schreiben. Wir haben Bücher und Zeitungsartikel zum Thema gelesen, im Internet recherchiert und uns Filme angeschaut. Anschließend haben wir sehr viel darüber aufgeschrieben.

2) Hat das Thema DDR, Mauer und Wiedervereinigung bei euch in der Schule überhaupt schon eine Rolle gespielt? Oder in eurer Familie?

Ja, wir haben in der Klasse über diese Fragen gesprochen und ich habe auch selbst erlebt, wie schrecklich der Krieg ist. Ich habe gesehen, dass Häuser umgestürzt sind, gebrannt haben und auch, dass Menschen umgekommen sind. Wir hatten großes Glück, dass uns nichts passiert ist – wir konnten fliehen.

3) Hattet ihr auf diesen Text ein Leserecho?

Die Zeitung ist ja im Juni 2020 erschienen, damals gab es den Lockdown wegen Corona und wir wissen deshalb nicht, ob dieser Text für einige besonders interessant war. Insgesamt wurde die Zeitung jedoch positiv aufgenommen.


Zitierweise: Layan und Clara, "Warum wird der 3. Oktober gefeiert?", in: Deutschland Archiv, 30.09.2021, Link: www.bpb.de/340959. Der Beitrag der beiden Viertklässlerinnen ist der Schülerzeitung "Mümmelmann Express" der Ganztagsgrundschule Mümmelmannsberg entnommen. Weitere Schülerzeitungstexte unter diesem Link.


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