Beleuchteter Reichstag

25.10.2021 | Von:
Christoph Lorke

Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik

Zwischen Grenzen und Paragraphen, Ablehnung und Anerkennung

Der Artikel ergründet die Bedeutung und die Wahrnehmung deutsch-ausländischer Eheschließungen und Paarbeziehungen in der Bundesrepublik in historischer Perspektive. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Zeit seit den 1960er-Jahren, denn seither haben diese Beziehungen einen wichtigeren Stellenwert. Im Fokus steht neben quantitativen Entwicklungen, wie diese Paare von Institutionen und Gesellschaft wahrgenommen worden sind und welche Problematiken sich für die Paare selbst ergeben haben.

Farbfoto: Titelbildausschnitt des Heftes von Walter Becker "Ehen mit Ausländern" aus dem Jahr 1965.Titelbildausschnitt des Heftes von Walter Becker "Ehen mit Ausländern" aus dem Jahr 1965. (© Urheber unbekannt)

Der Beitrag beleuchtet die Schwierigkeiten, mit denen Paare und Familien in der Bundesrepublik konfrontiert sein konnten, die als interkulturell oder bikulturell, binational oder interethnisch bezeichnet werden können – Beziehungen also, bei denen die Partner unterschiedliche ethnische und nationale Herkünfte aufwiesen. Eine solche Perspektive konzentriert sich auf die unmittelbaren Auswirkungen der Anwesenheit von Tausenden von Arbeiterinnen und Arbeitern, Studierenden, Wissenschaftlern und sonstigen Migranten, die in der "alten" Bundesrepublik und im wiedervereinigten Deutschland kurzzeitig oder längerfristig ein Zuhause gefunden hatten. Damit werden die vielfältigen individuellen und gesellschaftlichen Folgen und zugleich globalgeschichtliche, transnationale sowie transkulturelle Einflüsse auf die Bundesrepublik beleuchtet. Dadurch wird es möglich, die Bedeutung des exogamen Heiratsverhaltens – hier konkret: dem Herausheiraten aus der eigenen ethnischen Herkunftsgruppe – nachzuzeichnen, um auf diese Weise Transformationsprozesse der westdeutschen Gesellschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erforschen zu können. Dafür werden in einem ersten Schritt verschiedene zahlenmäßige Entwicklungen vorgestellt und diskutiert, ehe einige der daraus resultierenden Debatten präsentiert werden. Diese wiederum verraten einiges über den Umgang mit "Fremdheit" im Allgemeinen – aber auch über bundesdeutsche Anpassungs- und Lernprozesse.

Statistisches

Der Blick auf die Quantitäten verrät etwas über historisch gewachsene Muster der Partnerwahl und ihre Wandlungen im Verlauf der Zeit. In der Bundesrepublik nahm die Anzahl binationaler Ehen stetig zu. Waren es in absoluten Zahlen zu Beginn der 1950er-Jahre mehr als 10.000 binationale Eheschließungen jährlich, wurde die 20.000-Marke im Jahr 1967 und die Zahl von 30.000 solcher Eheschließungen im Jahr 1988 überschritten. Es ist vor allem der relative Anteil binationaler Eheschließungen unter der Gesamtzahl von Heiraten, der kontinuierlich anstieg.

Diese stetig wachsenden Zahlen spiegeln umfassende migrationshistorische Dynamiken und Kontexte, die nur stichpunkthaft umrissen werden können: Nachkriegs- und Besatzungszeit, wirtschaftlicher Aufschwung, Arbeitskräftemangel, Anwerbeabkommen und Beginn einer bemerkenswerten Arbeitsmigration, vorrangig aus dem katholisch geprägten Süden Europas sowie der Türkei, Verdopplung der ausländischen Wohnbevölkerung im Zeitraum von 1968 bis 1973 auf fast vier Millionen, Anwerbestopp im selben Jahr, Rückkehrhilfegesetz 1983 und steigende Zahlen von Asylbewerbern, Deutsche Einheit, Zusammenbruch des sogenannten Ostblocks und die Kriege im zerfallenden Jugoslawien.

Anhand dieser Quantitäten lassen sich verschiedene Entwicklungen ablesen: Deutlich wird zunächst eine markante Lockerung des sogenannten Endogamiegebotes: Es war im Laufe der Zeit immer weniger üblich, dass ein deutscher Staatsangehöriger mit einer deutschen Staatsangehörigen den Gang zum Standesamt antrat, was ein Schwinden von Zwängen und eine Individualisierung der Partnerwahl bezeugt. Die beständige Zunahme binationaler Ehen im Verhältnis zur Gesamtzahl von Eheschließungen ist zwar partiell auch mit deren Rückgang in der Bundesrepublik insgesamt zu erklären; dennoch ist der hier zu beobachtende Trend durchaus bemerkenswert. Schon Ende der 1980er-Jahre war knapp jede zehnte auf einem bundesdeutschen Standesamt geschlossene Ehe eine binationale mit deutscher Beteiligung.

Diese Tendenz ist allerdings kaum für das gesamte Bundesgebiet gleichermaßen zu erkennen; vielmehr sind massive regionale Schwankungen und insbesondere Stadt-Land-Unterschiede zu vermerken, die wiederum durch unterschiedliche lokale Konzentrationen einzelner Nationalitäten in bestimmten Gegenden zu begründen ist. In Großstädten wie West-Berlin oder Frankfurt am Main war Ende der 1980er-Jahre jede fünfte Ehe eine binationale mit deutscher Beteiligung. Damit lagen diese Zahlen, ähnlich auch in Städten wie München, Stuttgart oder Hamburg weit über dem Bundesdurchschnitt. In eher ländlich geprägten, wenig verstädterten sowie kaum industrialisierten Bundesländern wie Rheinland-Pfalz, aber auch Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, wurden jene Verehelichungen hingegen weit seltener gezählt.

Verschiebungen lassen sich darüber hinaus auch bei der geschlechtlichen Verteilung erkennen. Geschlecht ist ein fundamentales Strukturprinzip von Migration, und zwar bezogen auf den Arbeitsmarkt, aber nicht zuletzt auch auf Vorbehalte und Ängste, die durch die Wanderung und die Präsenz von "fremden" Männern beziehungsweise Frauen ausgelöst werden können und konnten. Aufschlussreich ist daher ein Blick auf den Anteil ausländischer Männer unter allen binationalen Eheschließungen und die Veränderungen der Verhältniszahl. Zunächst und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren insbesondere Soldaten der Besatzungsmächte und später männliche Arbeitsmigranten Ehegatten von deutschen Frauen. Dieser Umstand verweist auf die erhebliche Knappheit an männlichen Bewerbern nach Kriegsende insgesamt, aber auch auf die unausgeglichenen Geschlechterproportionen bei der ausländischen Bevölkerung – denn es waren vor allem männliche "Gastarbeiter", die in die Bundesrepublik kamen. Dieser eindeutige Trend zum "Herausheiraten" von deutschen Frauen im Vergleich zu deutschen Männern änderte sich jedoch im Laufe der Zeit. Seit den ausgehenden 1980er-Jahren ist eine deutliche Verschiebung zu erkennen, denn seither heiraten auch deutlich mehr deutsche Männer nichtdeutsche Frauen.

Dabei ist die Partnerwahl niemals völlig willkürlich oder zufällig, sondern unterliegt stets einem Set von Regeln und Restriktionen. Sie ist hochgradig abhängig von Opportunitätsstrukturen und der Heiratsneigung Einzelner, die wiederum durch kulturell-soziale Faktoren und individuelle Partnerwahlpräferenzen strukturiert wird oder auch Barrieren bildet. Dazu gehört etwa das sozial imaginierte Prestige der Herkunftskultur des "fremden" Partners beziehungsweise der "fremden" Partnerin und die daraus resultierende wahrgenommene kulturelle Nähe oder Distanz derselben.[1]

Für die Geschichte der Bundesrepublik ist eine zunehmende Diversifizierung bei der Verteilung der Herkunftsländer abzulesen, die wiederum geschlechtsspezifisch zu differenzieren ist und markante Unterschiede offenlegt: Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit (Bundesrepublik) bevorzugten, nachdem viele Jahre erst Österreicherinnen und danach Jugoslawinnen an der Spitze unter den nichtdeutschen Heiratspartnerinnen rangierten, bald andere Herkunftsländer. Besonders auffällig ist ein regelrechter Boom von Heiraten mit Frauen von den Philippinen und aus Thailand seit dem Ende der 1970er-Jahre. Eine zunehmend wichtige Bedeutung als Ehepartnerinnen nahmen außerdem Frauen aus Osteuropa ein, vor allem aus Polen, und zwar seit den 1980er-Jahren und noch einmal verstärkt nach dem Ende des "real existierenden Sozialismus".

Noch deutlicher wird die Akzentverschiebung, wenn man nur die prozentuale Verteilung der jeweiligen Ehepartner betrachtet, und zwar unter allen binationalen Eheschließungen. Diese relative Dimension hilft dabei, die Veränderungen auf dem bundesdeutschen Heiratsmarkt aus Sicht der Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit kenntlich zu machen: Heiratete ein solcher Mann in den frühen 1960er-Jahren eine nichtdeutsche Frau, war jede fünfte davon eine Italienerin, Spanierin oder Griechin; diese Spitzenposition nahm gut zehn Jahre später Jugoslawien ein.

Bei westdeutschen Frauen sah das Bild wesentlich anders aus. Der Bedeutungsrückgang von Ehepartnern aus Großbritannien und den USA – 1962 war noch fast ein Viertel aller Ausländer-Heiraten deutscher Frauen eine mit einem Soldaten aus einem der jeweiligen Länder, 1975 betrug der Anteil nur noch 5 Prozent – stand einem gleichzeitig auffallenden Anstieg von Ehepartnern aus der Türkei oder nordafrikanischen Ländern gegenüber.

Auch hier offenbart die relative Verteilung markante Verschiebungen im Laufe der Jahre – und diese Verschiebungen wiederum strukturierte auch unterschiedliche Diskurse rund um das Phänomen der binationalen und interkulturellen Eheschließungen, die sich aus solchen Entwicklungen am Heiratsmarkt ergaben.

Ablehnung und Delegitimierung, Versuche der Regulierung, Prävention und Kontrollierung

Für nicht wenige der zeitgenössischen Beobachterinnen und Beobachter wurde die geschilderte Aufweichung endogamer Heiratspraktiken skeptisch betrachtet oder gar offen abgelehnt – denn bei diesen Eheschließungen handelte es sich, von einem auf Tradition fokussierten Standpunkt betrachtet, um eine von der Norm abweichende Paarbeziehung. Mit einem Blick auf die mannigfachen Widersprüche, Ablehnungsmodi und Regulierungsansprüche, mit denen die besagten Paare konfrontiert sein konnten, geraten die politischen, rechtlichen und allen voran kulturellen wie mentalitätsgeschichtlichen Normen in den Blick, die den Grad von Akzeptanz oder Ablehnung dieser Paarbeziehungen kennzeichneten.

Kontinuitäten, die von der Bundesrepublik in die Zeit vor 1945 zurückreichen, sind zum einen in der administrativen Praxis gegenüber ausländischen Ehebewerberinnen und Ehebewerbern auszumachen. Im April 1953 wurde der zunächst noch gültige Passus aus dem Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913, wonach die deutsche Frau bei einer Eheschließung mit einem Nichtdeutschen ihre deutsche Staatsangehörigkeit verlor, aufgehoben. Dies stellt zwar eine erhebliche Verbesserung für die beteiligten Frauen dar, verweist aber auf geschlechtsspezifisch interessante privatrechtliche Entwicklungen; außerdem ging mit diesem Zugewinn an weiblicher Selbstbestimmung keineswegs ein sofortiger Abbau tradierter Vorbehalte bei "fremden" Heiratspartnern aus bestimmten Herkunftsländern einher.

Abgesehen von Ablehnungen und Vorbehalten auf familiärer Ebene, waren es vor allem die institutionellen Imaginationen und Narrationen über außereuropäische Männer, die die innerbehördlichen Diskurse und Wahrnehmungen maßgebend strukturierten. Zentral war dabei die Figur des "Mohammedaners" als anschauliches Beispiel für eine vorherrschende Angst vor dem "anderen Mann". Noch Ende der 1950er-Jahre wurde auf verschiedenen Ebenen im Lichte der stetig wachsenden Zahl von muslimischen Verlobten eine umfassende Vorbeugung angemahnt. Diese sollte etwa durch das Bundesamt für Auswanderung, Eheberatungsstellen, Standesämter oder kirchliche Beratungsstellen umgesetzt werden und wurde mit "Unterschiede[n] in der Rasse, der religiösen Lebensauffassung und ganz besonders" mit der "vollkommen andere[n] Art des Familienlebens" begründet. Die Diskrepanzen zwischen den Heiratspartnern wurden als "so schwerlich" eingeschätzt, "dass sich deutsche Frauen nur nach eingehender Prüfung sämtlicher Umstände zu einer solchen Ehe entschließen sollten",[2] folgerte etwa die bundesdeutsche Botschaft in Kairo. Daneben klingen in den Akten immer wieder Verweise auf angeblich tatsächlich gemachte Erfahrungen an, die sich allerdings unverhohlen auf Beobachtungen des Privatrechtlers Ernst Brandis aus dem Jahr 1931 bezogen – und dies ein gutes Vierteljahrhundert später und ungeachtet (oder in geflissentlichem Ausblenden) der nationalsozialistischen Exklusionspolitik. Von derartigen früheren Einschätzungen ausgehend wurde für solche Heiratsgesuche immer der Abschluss eines Ehevertrages angemahnt, da die damaligen "Gefahren" weiterhin als aktuell eingeschätzt wurden.[3]

Diese Episoden belegen exemplarisch Überhänge bei der Bewertung solcher Ehevorhaben, die nicht selten pauschalisierend artikuliert wurden – denn ähnliches lässt sich auch für die 1960er-Jahre erkennen, wenn vor einer Eheschließung mit ausländischen Arbeitern und Studenten aus Südeuropa und aus den "außereuropäischen Entwicklungsländern" die Beteiligten "deutlich gewarnt werden" müssten, so ein Jurist vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg.[4]

Allen voran waren es kirchliche Vertreter, die wiederholt und dezidiert von diesen Ehen abrieten. Solchen Vorhaben läge allenfalls Naivität, "exotischer Zauber" oder eine "Jungmädchenschwärmerei"[5] zugrunde, urteilten die einen, während andere von "Abenteuerlust" und "Erlebnisfreude", dem gefährlichen "Reiz des Fremden und Exotischen" oder "Märchenprinzen" sprachen, denen– so die wiederum überaus degradierende Behauptung – "Mädchen meist aus unteren sozialen Schichten" verfallen würden.[6] Diese Ausführungen wurden häufig mit paternalistischen Mahnrufen an die Eltern und einem dezidierten Bemühen um Aufklärung verknüpft, wobei unumwunden vor Heiraten mit "Fremdvölkischen" beziehungsweise vor "Rassenverschiedenheit" gewarnt wurde. Letztlich wurde hier ein Bild von zum Scheitern verurteilter Ehen gezeichnet, wodurch man sich eine abschreckende Wirkung erhoffte.[7] Insbesondere mit Männern aus Afrika oder Asien ginge die Mehrzahl der "deutschen Mädchen" – so die übliche verniedlichende und somit abwertende Bezeichnung – "nach allen Beobachtungen zu Grunde",[8] schloss das Kirchliche Außenamt der Evangelischen Kirche im Jahr 1967.

Solche ablehnenden Einschätzungen von einflussreicher Stelle hielten sich auch in den Folgejahren, oftmals gepaart mit Abwertungen der beteiligten deutschen Frauen; beispielsweise auch bei Friedrich Minning, dem damals leitenden Regierungsdirektor beim Bundesamt für Auswanderung, der Anfang der 1970er-Jahre wie folgt zitiert wurde: "Eingefangen vom Reiz des Fremdartigen, halten sie Wunschbilder für Realitäten. Das den meisten Orientalen wesenseigene höfliche, aufmerksame Verhalten wirkt faszinierend und begründet in ihren Partnerinnen gleichzeitig die Überzeugung, daß ihre gegenseitige Liebe auch in Zukunft alle Hindernisse überwinden werde – ein, wie man weiß, im allgemeinen gefährlicher Irrtum".[9]

Solche Warnungen mögen verwundern, zumal Ehen deutscher Frauen mit ausländischen Männern, wie die obigen Zahlen belegen, längst Realität waren. Nicht wenige Standesbeamte sahen sich vermutlich dazu angehalten, bei Eheschließungen vor allem mit "Orientalen, Andersgläubigen und Fremdstaatigen an das alte Sprichwort zu erinnern: Drum prüfe, wer sich ewig bindet!"[10] Ob dieses in einer Handreichung aus den mittleren 1960er-Jahren formulierte Vorgehen flächendeckend Anwendung fand oder vielmehr Wunschdenken Einzelner war, kann nicht eruiert werden – ein reserviertes standesamtliches Tun bei der Konfrontation mit diesen Ehegesuchen wenigstens in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten scheint durchaus üblich gewesen zu sein, wobei sich die tendenzielle Skepsis mitunter auf die deutschen Partnerinnen übertragen konnte, was wiederum intersektionell zu lesen ist und demnach stark von der Herkunft und der sozialen Stellung des ausländischen Mannes abhängt.[11]

Noch in den 1980er-Jahren findet sich der –ebenfalls pauschalisierende – Vorwurf betroffener Paare, die deutsche Verwaltungsbürokratie sei geprägt von Vorurteilen, Rassismus und Sexismus sowie Fremden- und Frauenfeindlichkeit, was im Umgang mit binationalen und interkulturellen Paare und fehlender Neutralität der Beamten zum Ausdruck komme.[12] So überraschen auch die Proteste gegen eine "Arbeitshilfe" des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 1983 kaum: Diese Handreichung löste aufgrund der Zielvorgabe, den Abschluss einer solchen Eheschließung möglichst zu verhindern, heftigen Protest aus und wurde als generalisierende Diffamierung dieser Ehen eingeschätzt – denn hier wurde wiederum die argumentative, tradierte Trias aus Polygamie, Gewalt beziehungsweise patriarchalischer Strukturen und möglicher Verstoßung samt massiven Probleme im Falle einer Ehescheidung bemüht. Dadurch wurde aus Sicht der Kritiker einer Verzeitlichung kultureller Differenz Vorschub geleistet: ein angeblich rückständiger bis vormoderner Islam versus ein aufgeklärt-progressiver westlicher "Kulturkreis".[13]

Mit den Ehescheidungen als Argument ist eine weitere wichtige Facette angesprochen: Entgegen der ablehnenden Stimmen bezüglich eines zwangsläufigen Scheiterns solcher Beziehungen waren binationale Ehen stabiler als Ehen zwischen deutschen Staatsangehörigen, wenigstens was die Zahl der Scheidungen anbelangt: Als im Jahr 1983 27,5 Prozent aller bundesdeutschen Ehen geschieden wurden, waren es "nur" 19 Prozent der binationalen.[14] Dabei waren die Scheidungszahlen bei der Konstellation deutsche Frau/ausländischer Mann zwar geringfügig höher als im Bundesschnitt, doch lagen diese im umgekehrten Fall deutlich darunter.

Die (In-)Stabilität der Ehen als Argument: Während binational verheiratete Frauen und Männer deren höhere Beständigkeit betonten, sahen das andere völlig anders. Einen Schub erhielt ein von Islamophobie unterlegtes Scheiterungsnarrativ durch Betty Mahmoodys "Nicht ohne meine Tochter", ein später verfilmtes Buch aus dem Jahr 1987, das in der Bundesrepublik rasch Bestseller wurde und von der achtzehnmonatigen Gefangenschaft einer Frau berichtet, die einen iranischen Arzt ehelichte, der sich während eines Aufenthalts in Teheran als Tyrann entpuppt. Es handelte sich dabei um ein rückblickend hoch problematisches Werk, das mit kulturellen Stereotypen und mit klassischen Bildern des "Orients" spielte – und dadurch wiederum die gängigen Ehe-Deutungen unter muslimischer Beteiligung reproduzierte.[15]

Scheinehen-Vorwürfe und eigen-sinnige Entgegnungen

Pläne zu einer Eheschließung zwischen deutschen und nichtdeutschen Staatsangehörigen waren zwar keineswegs per se, aber doch zu bestimmten Zeiten und bei unterschiedlichen Paarkonstellationen von Skepsis, Ablehnung und Zurückweisung begleitet. Mit den ausgehenden 1970er-Jahren rückte angesichts steigender Zahlen von Migrantinnen und Migranten und wachsenden Zahlen von "Ausländerehen" mit der Debatte um die Papier-, Zweck- oder Scheinehe ein nicht neues Phänomen in den medialen, politischen und juristischen Blick. Denn eine Eheschließung mit einer beziehungsweise einem deutschen Staatsangehörigen bot ökonomische, politische und rechtliche Vorzüge wie die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis oder ein erhöhter Ausweisungsschutz, anders als in einer nicht eingetragenen Partnerschaft, die immer Rechtsunsicherheit nach sich zog. Dass die Aufenthaltserlaubnis für Männer aus Afrika nur selten erteilt wurde, war nicht neu, wurde diese doch als Bedrohung des "inneren Gefüges des deutschen Staatsvolkes" beurteilt, so das Oberverwaltungsgericht Berlin 1972.[16]

Zu Beginn der 1980er-Jahre kam aber zu dieser ablehnenden Rechtspraxis der zunehmende Wunsch deutscher Frauen, Männer aus Afrika und Asien zu ehelichen – und viele von ihnen sahen sich schon bald mit einem latenten Missbrauchs-Argument konfrontiert; wiederum gewiss nicht bundesweit, aber doch an exponierter Stelle, nämlich in West-Berlin. Hier führte in den Jahren 1981 und 1982 ein vom dortigen Innensenator in Auftrag gegebenes und durch das Ausländerreferat der Polizeibehörde durchgeführte Ermittlungsersuchen zu dem Ergebnis, dass in 1.088 von 1.625 untersuchten Fällen – folglich zwei Drittel – eine "Zweckverbindung" festgestellt wurde. Lag dieser Anteil bei Beteiligung türkischer Staatsangehöriger bei 68,3 Prozent, wurde er bei afrikanischen Männern gar auf 95 Prozent taxiert – erschreckend hohe Zahlen, weshalb den Berliner Standesbeamten empfohlen wurde, a priori ihre Mitwirkung bei solchen Eheschließungen abzulehnen, wenn ausreichende Anhaltspunkte allein für die Erlangung einer Aufenthaltserlaubnis vorlagen.[17] Das Bundesjustizministerium bestätigte dieses Herangehen, indem Standesbeamte zu einer Ablehnung bei entsprechenden Verdachtsfällen ermutigt wurden. Der zunehmende politische Druck führte gar dazu, dass vereinzelt Forderungen nach einem Eheaufhebungstatbestand erhoben wurden.[18]

Das Thema wurde in jenen Jahren auch medial überaus breit verarbeitet.[19] Hohe Wellen schlugen in diesem Zusammenhang insbesondere solche Berichte, wonach Männer aus afrikanischen Herkunftsstaaten Prostituierte ehelichten, um dauerhaft in Deutschland bleiben zu können. Demgegenüber standen Artikel über die sogenannten Katalogehen, also zwielichtige Heiratsagenturen, die für westdeutsche Männer vor allem südostasiatische Ehepartnerinnen zu vermitteln versuchten und somit ein "Nebenprodukt" der heiratsmarktlichen Entwicklungen waren. Zwar kam in diesen Medienbeiträgen immer wieder auch das Thema Frauenhandel auf; eine Vielzahl hiervon allerdings war gekennzeichnet von einem eher verharmlosend-exotisierenden Duktus. Dies unterstreicht abermals eine markante geschlechtsspezifische Differenz bei der Wahrnehmung grenzüberschreitender Sexualität.[20]

Nur andeutungsweise ist hier Platz für Reaktionen und Entgegnungen Betroffener. Die puren Zahlen deuten es an: Es waren Tausende Paare, die trotz der geschilderten administrativen, gesellschafts- und symbolpolitischen Barrieren ungeachtet familiärer, behördlicher oder sozialer Hindernisse ihre Ehepläne geltend machen konnten. Dieser Umstand verweist auf die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten intimer Beziehungen und Individualisierungsdynamiken. Maßgeblich unterstützt wurde diese Entwicklung und die Sichtbarmachtung der Rechte dieser Paare durch die im Jahr 1972 gegründete "IAF", die Interessensgemeinschaft für mit Ausländern verheiraten Frauen, die Vorgängerinstitution des heutigen Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften.[21] Der Verein bot seinen Mitgliedern und Ratsuchenden Hilfe zur Selbsthilfe bei juristischen, kulturellen, sozialen und psychologischen Anliegen, ferner juristische Hilfe, zum Beispiel bei Ausweisungen oder Kindesentführungen. Den Betroffenen verschaffte er eine Öffentlichkeit und war bestrebt, Fragen und Nöte wie zu Scheinehen – aus Sicht der Aktivistinnen und Aktivisten ein Eingriff in die Grundrechte und unzulässige Kriminalisierung – bundesweit anzugehen. Gleichzeitig bettete die IAF jene Fragen in umfassendere ausländerrechtliche Debatten ein, beklagte institutionelle Verzögerungstaktiken, Diskriminierungen, etwa auf dem Wohnungsmarkt oder bei der Stellensuche sowie in Alltagssituationen – und sensibilisierte gleichzeitig dafür, dass jene Diskriminierung häufig auf die weibliche Partnerin übertragen wurde, wodurch diese mitsamt den gemeinsamen Kindern zu Fremden im eigenen Land zu werden drohte.[22] Mit diesen Initiativen beförderte die IAF eine zunehmend normalisierte Sicht auf diese Familien – was keineswegs heißt, dass dieses Engagement heutzutage nicht mehr nötig wäre.

Schlussbemerkungen

Der Blick auf binationale und interkulturelle Eheschließungen verrät weit mehr über die Gesellschaft als solches: Hieran lassen sich umfassende Wandlungsprozesse ablesen, ob bezogen auf Fragen der Migration, des Sozialen und des Rechtlichen, des Familiären oder Alltäglichen. Illiberale Kontinuitäten sind in der administrativen Praxis und in der Wahrnehmung politischer, institutioneller oder kirchlicher Vertreter gegenüber bestimmten nichtdeutschen Ehebewerbern nach Kriegsende zunächst kaum zu übersehen und stehen in einer längeren Linie: Sie verweisen auf Kontinuitäten in der Wahrnehmung, die Beharrlichkeit von Ausgrenzungsnarrativen und vorhandenen Wissensordnungen samt längerfristigen sexualpolitischen Aufladungen.[23] Dazu gehörte prominent der pauschal daherkommende Verdacht auf Scheinehen, der im Zuge neuer Migrationsbewegungen und partner- beziehungsweise heiratsmarktlicher Entwicklungen in den 1980er-Jahren einen vorläufigen Höhepunkt erreichte.

Gleichwohl büßten diese überkommen-ablehnenden Herangehensweisen im Laufe der Jahre an Bedeutung ein (ohne gänzlich zu verschwinden); zugleich ist eine gewisse Normalisierung im Umgang mit solchen Ehevorhaben erkennbar. Dafür stehen die eingangs angeführten statistischen Entwicklungen, die eine deutliche Ausweitung und Ausdifferenzierung partnerschaftlicher Strukturen hierzulande spiegeln. Diese Akzentverschiebungen kennzeichnen einen bemerkenswerten Wandel der Paarbeziehung und Eheschließungen in der Bundesrepublik. Dieser lässt vermuten, dass eine Erweiterung des Partnermarktes immer auch einen allmählich veränderten Umgang mit dem "Anderen" und somit bei der Aushandlung übergreifender Fragen – wie die Verhandlung von Zugehörigkeit – befördern mag.

Zitierweise: Christoph Lorke, "Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik – Zwischen Grenzen und Paragraphen, Ablehnung und Anerkennung", in: Deutschland Archiv, 20.10.2021, Link: www.bpb.de/342258

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Fußnoten

1.
Vgl. bspw. Jos de Haan/Wilfred Uunk, Kulturelle Ähnlichkeiten zwischen Ehepartnern. Der Einfluss von Partnerwahl, Restriktionen und gegenseitiger Beeinflussung, in: Thomas Klein (Hg.), Partnerwahl und Heiratsmuster. Sozialstrukturelle Voraussetzungen für die Liebe, Opladen 2001, S. 77-97.
2.
Botschaft der Bundesrepublik in Kairo an das Auswärtige Amt, 17.7.1957, BArch, B 141/49488, Bd. 1.
3.
Hessisches Innenministerium an das Bundesjustizministerium, 21.9.1957, BArch, B 141/49488, Bd. 1.
4.
Paul Heinrich Neuhaus, Eheliche und außereheliche Verbindungen deutscher Frauen mit ausländischen Arbeitern oder Studenten, in: Das Standesamt 14 (1961), S. 136–140, S. 140.
5.
Julia Woesthoff, "When I Marry a Mohammedan": Migration and the Challenges of Interethnic Marriages in Post-War Germany, in: Contemporary European History 22 (2013), 2, S. 199–231.
6.
Württembergischer Landesverein der Freundinnen junger Mädchen, in Zusammenarbeit mit dem evangelischen Öffentlichkeitsdienst der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (Hg.), Ehe im Orient, Stuttgart 1960, S. 3; 6.
7.
Walter Becker, Ehen mit Ausländern, Hamm 1965, S. 4; 12; 17
8.
Evangelische Kirche in Deutschland – Kirchliches Außenamt, 19. Konferenz für Ausländerfragen, 13.1.1967, PAA, B 92/339.
9.
Ute B. Fröhlich, Deutsche Frauen im Orient, in: General-Anzeiger 30.12.1972.
10.
Becker, Ehen mit Ausländern (Anm. 7), S. 9.
11.
K. Schramm/W. Steuer, Ehen zwischen deutschen und ausländischen Arbeitnehmern. Sozialkritische Erhebungen aus dem Bereich des Gesundheitsamtes, in: Der öffentliche Gesundheitsdienst 25 (1965), 12, S. 487–493.
12.
Inci Nesteren, Die Voreingenommenheit der Bürokratie gegenüber binationalen Eheschließungen, Frankfurt/Main 1985, S. 11.
13.
Werner Wanzura/Adel Theodor Khoury/A. Frage-Rüther, Ehen zwischen Katholiken und Moslems in Deutschland. Handreichung, Köln 1983. Vgl. für die Proteste das Schreiben "Ausländer – Arbeitsheft der Reihe 'Themen für Lokaljournalisten, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung'", Bundesjustizministerium, 18.4.1983, BArch, B 141/424066, Bd. 13.
14.
Ddp: Deutsch-ausländische Ehen halten besser als Ehen unter Deutschen, 27.12.1983.
15.
Anne-Kathrin Reulecke, "Die Befreiung aus dem Serail". Betty Mahmoodys Roman "Nicht ohne meine Tochter", in: Feministische Studien 2 (1991), S. 8–20.
16.
Siegfried Stange, Die aufenthaltsrechtliche Stellung der Fremden in der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Ehe und Familie, Frankfurt am Main 1973, S. 74–76.
17.
Senator für Inneres Berlin an das Bundesinnenministerium: Ermittlungen wegen des Verdachts von Zweckehen zwischen deutschen und ausländischen Staatsangehörigen, 23.11.1982, Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, NW 760 Nr. 174.
18.
Vermerk im Bundesjustizministerium, Scheinehen von Ausländern, um deren Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland zu ermöglichen, 8.10.1981, BArch, B 141/424066, Bd. 13.
19.
Vgl. nur exemplarisch: Bis zu 5000 Mark für eine deutsche Frau. Ausländer suchten Aufenthalt zunehmend durch Scheinehen zu "retten", in: FAZ, 7.5.1977.
20.
Vgl. zu diesem Sachverhalt die zeitgenössische Dokumentation in: VIA – Verband der Initiativgruppe in der Ausländerarbeit, Regionalverband Nord (Hg.), Frau als Ware. Frauenhandel, Zwangsehe, Scheinehe, Hamburg 1986.
21.
Julia Woesthoff, "Foreigners and Women Have the Same Problems": Binational Marriages, Women's Grassroots Organizing, and the Quest for Legal Equality in Post-1968 Germany, Journal of Family History 38 (2013), S. 422-442.
22.
Vgl. nur Katja Perlet (Hg.), Ich liebe einen Ausländer, Hamburg 1983; IAF (Hg.), Mein Partner oder meine Partnerin kommt aus einem anderen Land. Interethnische Ehen, Familie und Partnerschaften. Ein Wegweiser für die Selbsthilfe, Frankfurt am Main 1986.
23.
Vgl. Christoph Lorke, Liebe verwalten. 'Ausländerehen' in Deutschland 1870–1945, Paderborn 2020.

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Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

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Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

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Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

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Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

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Der Tag in der Geschichte

  • 1. Dezember 1964
    Zwangsumtausch: Alle Besucher der DDR und Ost-Berlins aus dem »nichtsozialistischen Ausland«, ausgenommen Rentner und Kinder, müssen ab sofort pro Tag und Person mindestens 3 DM-West im Verhältnis 1 : 1 in DM-Ost einwechseln. Daraufhin geht die Zahl der... Weiter
  • 1. Dezember 1966
    Der Bundestag wählt Kurt Georg Kiesinger (CDU) zum Bundeskanzler (340 gegen 109 Stimmen, 1 ungültige Stimme, 23 Enthaltungen). Das Kabinett der Großen Koalition besteht aus zehn CDU/CSU- und neun SPD-Ministern, darunter Willy Brandt als Vizekanzler und... Weiter
  • 1. - 2. Dez. 1969
    Die EG-Staats- und Regierungschefs beschließen auf dem Gipfel in Den Haag, die Gemeinschaft beschleunigt auszubauen und so die Stagnation der Integrationsbestrebungen am »Ende der Übergangsperiode« zu überwinden. Sie wollen stufenweise die Wirtschafts-und... Weiter
  • 1. Dezember 1979
    Die Mindestrenten, die Renten für Mütter mit fünf und mehr Kindern sowie die Unterstützungssätze der Sozialfürsorge steigen. Weiter
  • Dezember 1989
    Beginnende 2. Wende: Auf Massendemonstrationen werden zunehmend Meinungsverschiedenheiten zwischen Gegnern und Anhängern der deutschen Einheit ausgetragen. Damit vollzieht sich allmählich ein Gesinnungswandel: Haben sich die Protestkundgebungen bislang fast... Weiter
  • 1. Dezember 1989
    Auf Antrag aller zehn Fraktionen beschließt die Volkskammer, den in der Verfassung verankerten Führungsanspruch der SED zu streichen. Art. 1 Abs. 1 lautet jetzt: »Die DDR ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische... Weiter
  • 1. Dezember 1990
    Gegen Erich Honecker, ehemals Staats- und Parteichef der DDR, wird Haftbefehl erlassen; denn nach neu entdeckten Akten soll er persönlich für den Schießbefehl an der Berliner Mauer und an der innerdeutschen Grenze verantwortlich sein. Der 78-jährige befindet... Weiter
  • 1. Dezember 1994
    Das Verbrechensbekämpfungsgesetz vom 28. 10. 1994 tritt in Kraft. Danach kann der Bundesnachrichtendienst (BND) bei der überwachung des internationalen Fernmeldeverkehrs Erkenntnisse über die organisierte Kriminalität (u. a. bei Waffen- und Drogenschmuggel,... Weiter

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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