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Beleuchteter Reichstag

29.11.2011 | Von:
Christian Booß

Sündenfall der organisierten Rechtsanwaltschaft

Die DDR-Anwälte und die Ausreiseantragsteller

II.


Markante Daten für die Ballung des Ausreise-"Problems" und die staatliche Reaktionen darauf waren 1975/76, 1984 und 1989. Nicht zufällig fallen diese Daten mit außenpolitischen Ereignissen zusammen, vor allem den Konferenzen bzw. Nachfolgekonferenzen für die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki, Madrid und Wien. Die DDR versuchte ihren minderen Status und die Ächtung im Westen, die ihrer Gründung durch die stalinistische Besatzungsmacht, ihrer diktatorischen Herrschaftsausübung und nicht zuletzt der Mauer und den Todesschüssen an der innerdeutschen Grenze geschuldet waren, auf dem internationalen Parkett wettzumachen.

Internationale Aufwertung war aber nur um den Preis von vertraglich fixierten Zugeständnissen, vor allem 1975 und 1989 gerade beim Thema Freizügigkeit, zu haben. Das Dilemma der Abschreckung durch die Mauer und die Zivilisierung im zwischenstaatlichen Verkehr wurde für die DDR durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach der Erdölkrise, den sinkenden sowjetischen Subventionen und der daraus resultierenden zunehmenden ökonomischen Abhängigkeit vom Westen seit Ende der 70er-Jahre verstärkt. Nach dem lateinischen Sprichwort: "Ein goldener Esel übersteigt jede Mauer", erwarteten westliche Politiker politische Gegenleistungen vor allem beim Freikauf von politischen Häftlingen und im Reiseverkehr mit der Bundesrepublik.[4]

Der DDR-Anwalt Wolfgang Vogel in Bonn, 1986.Der DDR-Anwalt Wolfgang Vogel in Bonn, 1986. (© AP)
Bei diesen "Deals" spielten Rechtsanwälte immer eine bedeutsame Rolle. Der Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel war seinerzeit sogar geradezu das fernsehbekannte Symbol für derartige Vereinbarungen. Sein Nimbus war groß, aber immer ambivalent. Risse habe er durch seine Arbeit in die Mauer gemeißelt, meint einer seiner Biografen.[5] Andere, sogar solche die ihn als Türöffner für den Übertritt in den Westen benutzt hatten, beschimpften Vogel im Nachhinein als Erpresser, da er im staatlichen Auftrag Ausreiseantragstellern als Bedingung für die Entlassung aus der DDR-Staatsbürgerschaft ihre Immobilien abgehandelt hätte. Verhandlungspartner schätzten seine Verlässlichkeit.[6] Er selbst hat seine Aufgabe als eine "sui generis" eingeschätzt.[7]

Vogel verkörperte gewissermaßen einen dritten Typus des Anwalts, neben den beiden bereits geschilderten Fällen anwaltlicher Tätigkeit. Er war diplomatisch in Sachen Ausreise für die DDR-Führung unterwegs. Seit 1963 war Vogel eine Art Diplomatenersatz, zu einer Zeit, als beide deutschen Staaten nach dem Mauerbau noch keine direkten diplomatischen Beziehungen pflegten, aber auch später, als man vieles unterhalb der offiziellen Diplomatie diskret ausloten und festzurren wollte.[8]


Fußnoten

4.
Jürgen Engert/Ludwig A. Rehlinger, Freikauf. Das Geschäft der DDR mit politisch Verfolgten.
5.
Craig R. Witney, Advocatus Diaboli. Wolfgang Vogel, Berlin 1993, S. 15. Das Folgende ebd.
6.
Jürgen Engert/Ludwig A. Rehlinger, Freikauf. Das Geschäft der DDR mit politisch Verfolgten.
7.
Zit.: Norbert Pötzl, Basar der Spione. Die geheimen Missionen des DDR-Unterhändlers Wolfgang Vogel, Hamburg 1997, S. 531.
8.
Jürgen Engert/Ludwig A. Rehlinger, Freikauf. Das Geschäft der DDR mit politisch Verfolgten.

Die Mauer. 1961 bis 2021

Bildmontagen und eine VR-Animation

Anlässlich des 60. Jahrestags des Mauerbaus erinnert das Deutschland Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit 46 Bildmontagen und einer Virtual-Reality-Animation an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

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Die Berliner Mauer trennte mehr als 28 Jahre lang Ost und West. Sie ist zum Symbol der konfliktreich verkanteten Nachkriegsordnung der Alliierten geworden. Zwischen 1961 und 1989 wurden mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. In diesen Angaben nicht erfasst ist die unbekannte Anzahl von Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihre individuellen Lebensverhältnisse starben.


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NEU: "(Ost)Deutschlands Weg 1989-2021". 80 Studien zur Lage des Landes

Ein Mosaik der (ost)deutschen Transformationsgeschichte von 1989/90 bis in die Gegenwart. Mit Texten von Ilko-Sascha Kowalczuk, Krisztina Slachta, Jens Reich, Marianne Birthler, Hans Modrow, Steffen Mau, Antonie Rietzschel, Andreas Zick, Esther Dischereit, Bernd Wagner, Naika Foroutan, Raj Kollmorgen und 70 weiteren AutorInnen. Der Doppelband mit 1.350 Seiten und zahlreichen Fotos kostet 7 Euro im Angebot der bpb.

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Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

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Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

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30 Jahre Mauerfall

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Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen und Designers, Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, zeigen, dass bei Kriegsende im Mai 1945 in der Stadt kaum ein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Bildmontagen rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen und Schuttberge aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

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Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

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Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

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Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

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    Wahlen zum 5.Bundestag: Demoskopische Umfragen hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen prognostiziert, doch gewinnt die CDU/CSU die Wahlen erneut deutlich vor der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Willy Brandt. Die FDP verliert beträchtlich an Stimmen. Weiter
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