Beleuchteter Reichstag
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16.11.2011 | Von:
Gerhard Sälter

Zu den Zwangsräumungen in Berlin nach dem Mauerbau 1961

Neben den Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze 1952 und 1961 wurden auch in Berlin 1961 umfassende Zwangsräumungen an der entstehenden Mauer angeordnet. Diese Maßnahmen gehören zu einem immer ausgreifenderen Konzept von Sicherheit zur Verhinderung von Flucht und zur Absicherung des Grenzregimes.

I.


Am 1. August 1961 besprachen Nikita Chruschtschow und Walter Ulbricht bei einem Treffen in Moskau einige Details der Grenzschließung, die sie gemeinsam planten. Chruschtschow wollte es genau wissen und fragte nach dem Umgang mit denjenigen Straßen in der Stadt, "deren eine Seite sich in der DDR befindet und die andere in West-Berlin." Ulbricht antwortete: "Wir haben einen bestimmten Plan. In den Häusern, die einen Ausgang nach West-Berlin haben, werden wir diesen Ausgang zumauern."[1] Damit war das Schicksal der Häuser in der Bernauer Straße besiegelt.



Anscheinend hatte die SED-Führung zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine genauen Pläne, wie sie mit den Bewohnern dieser Grenzhäuser verfahren wollte. Die Schließung der innerstädtischen Grenze in Berlin war zu diesem Zeitpunkt noch als Provisorium gedacht, um die Fluchtbewegung bis zum Abschluss eines Friedensvertrages zu stoppen. Mit dem Friedensvertrag, so die Vorstellung Chruschtschows und Ulbrichts, wäre auch das Fluchtproblem erledigt und für die SED keine Gefahr mehr, weil die DDR die Kontrolle über alle Transitwege von West-Berlin in den Westen einschließlich der Flugverbindungen erhalten würde. Die wenigen Flüchtlinge, die es dann noch geben würde, säßen in West-Berlin fest. Außerdem hatte Ulbricht schon Mitte Juni einem westlichen Journalisten mitgeteilt, dass nach dem Friedensvertrag die "sogenannten Flüchtlingslager in Westberlin" geschlossen würden und die sich mit dem "Menschenhandel" befassenden "Agenten" West-Berlin zu verlassen hätten.[2] Ulbricht ging also davon aus, die Aufnahme von Flüchtlingen in West-Berlin unterbinden zu können; damit war für ihn das Fluchtproblem langfristig gelöst.

Auch wenn die SED-Führung aufgrund dieser Vorstellungen noch keine Planungen für die Bewohner grenznaher Gebiete an der innerstädtischen Sektorengrenze hatte, gab es jedoch für den Umgang mit unliebsamen Bevölkerungsgruppen im Grenzgebiet historische Vorbilder, auf die Walter Ulbricht, Erich Honecker und ihre Mitplaner zurückgreifen konnten. Nachdem Stalin in der Sowjetunion die Wende zum "Aufbau des Sozialismus in einem Land" eingeleitet hatte, wurden die Grenzen zu den nichtkommunistischen Staaten hermetisch abgeriegelt. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren wurde in den an diese Grenze anschließenden Regionen ein besonderes Grenzregime eingeführt, das die zwangsweise Umsiedlung großer Bevölkerungsgruppen und in den Jahren des stalinistischen Terrors auch die Ermordung Tausender einschloss.[3] Im Nachkriegseuropa wurden diese Maßnahmen von den neuen Diktaturen in Osteuropa kopiert und Bevölkerungsteile, die aus ethnischen oder politischen Gründen als verdächtig galten, ins Landesinnere umgesiedelt. Bisher wurde hierzu erst wenig geforscht, doch sind solche Aktionen aus Rumänien, wo 1951 etwa 45.000 Menschen aus dem Gebiet an der Grenze zu Jugoslawien ausgesiedelt wurden, und aus Bulgarien bekannt, das auf ähnliche Weise seine Grenze zu Griechenland und zur Türkei absicherte.[4] Auch die SED selbst hatte 1952 bereits mehrere Tausend Menschen von der innerdeutschen Grenze umgesiedelt.[5] Es gab somit Handlungsmuster für den Umgang mit störenden Personengruppen an den Grenzen, auf welche die SED-Führung zurückgreifen konnte.

II.


Der Charakter der Zwangsumsiedlungen in Berlin unterschied sich jedoch von denen an der innerdeutschen Grenze 1952 und 1961. Anders als dort wurden in Berlin nicht nur die politisch Verdächtigen ausgesiedelt, sondern letztlich alle Menschen, die, vor allem in den Stadtbezirken Treptow und Mitte, direkt in den an der Grenze liegenden Häusern wohnten. Und anders als bei den Zwangsumsiedlungen an der Westgrenze der DDR wurden die Umgesiedelten, soweit wir heute wissen, nach der Umsiedlung nicht besonders überwacht und galten offensichtlich nicht als potentielle Feinde der DDR.

Was die SED-Führung dazu brachte, die Zwangsumsiedlung von Menschen an der innerstädtischen Sektorengrenze in Berlin zu erwägen, waren das Ausmaß und die Aufsehen erregende Form der Fluchtbewegung aus den Grenzhäusern und deren medial vermittelte weltweite Wahrnehmung. Offensichtlich war die SED-Führung nach dem Mauerbau von der Intensität der Fluchtbewegung überrascht.[6] Sie hatte anscheinend nicht bedacht, dass sie mit Stacheldraht und Mauer gerade in Berlin einen neuen, einen zusätzlichen Fluchtgrund geschaffen hatte. Zusätzlich zu den politischen und wirtschaftlichen Motiven trat jetzt das Motiv, dass viele Menschen in Ost-Berlin von Freunden und Verwandten, aber auch von Ausbildungs- und Arbeitsstätten getrennt worden waren. Viele von ihnen versuchten deshalb in der Phase direkt nach der Grenzschließung, als die Grenzsperren noch nicht so dicht und die Bewachung noch nicht perfekt war, noch nach West-Berlin zu gelangen.[7]

Zur Unterbindung von Fluchtversuchen wurden bereits kurz nach dem Mauerbau bei Häusern, die direkt an der Grenze lagen, Hauseingänge und Fenster zugemauert. Aufnahme aus der Bernauer Straße vom 6. Oktober.Zur Unterbindung von Fluchtversuchen wurden bereits kurz nach dem Mauerbau bei Häusern, die direkt an der Grenze lagen, Hauseingänge und Fenster zugemauert. Aufnahme aus der Bernauer Straße vom 6. Oktober. (© AP, Foto: Eddie Worth)
Außerdem bewog die Atmosphäre in den Grenzhäusern an der Bernauer Straße viele der Bewohner zur Flucht. In den ersten Tagen nach dem 13. August 1961 waren die meisten in den Westen führenden Haustüren zugenagelt und zum Teil bereits vermauert worden. Die notdürftig in die rückwärtigen Mauern gebrochenen neuen Eingänge, die Hinterhöfe, die Aufgänge und Treppen waren von Volkspolizisten und Angehörigen der Kampfgruppen besetzt, sodass die Bewohner wie in einem Kriegsgebiet lebten. Die Überwachung, die etwa dadurch fühlbar wurde, dass sie sich auf einem einzigen Einkaufgang mehrfach ausweisen mussten, war omnipräsent. Schließlich erlebten sie die Fluchtversuche der Nachbarn und die direkten Auseinandersetzungen der Volkspolizei mit West-Berliner Polizisten und Demonstranten hautnah mit.[8]

Dies veranschaulicht der Bericht einer Betroffenen, Frieda Schultz: "Wissen Sie, das war furchtbar in der letzten Zeit. Keine Zeitung mehr aus West-Berlin. Und ich war Stammleser. Um das Radio wurden Kissen gepackt – hinten und an den Seiten – und man traute sich nur noch leise einzustellen. [...] Und dann die Gerüchte! Am Freitag hieß es, es stünden 400 Wagen bereit für die Deportation. Ich wurde immer unruhiger. 'Volkspolizei' kam und brach die Wohnung meines Nachbarn auf, der schon weg war. Das war aufgefallen. In der verlassenen Wohnung richtete sich ein Vopo in Zivil ein. Ein Aufpasser! [...] Und dann haben sie am Sonnabendvormittag einen Mieter ausquartiert, der wohnte fast 40 Jahre in diesem Haus. Ich übrigens fünfzehn. Da habe ich gedacht: jetzt geht's nicht mehr. [...] Noch ein paar schlaflose Nächte und ich wäre verrückt geworden."[9]

Die SED und das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) registrierten die Fluchtversuche und insbesondere die erfolgreichen und medial dokumentierten Fluchten sehr genau. Besonders ihre weltweite mediale Wirkung alarmierte das MfS. Hierzu zählten unter anderem die teilweise spektakulären und deshalb medienwirksamen Fluchten in der Bernauer Straße. Später, im Dezember, ordnete der MfS-General Bruno Beater deshalb an, spektakuläre Fluchtversuche, besonders die von Grenzwächtern, über die in den westlichen Medien umfangreich berichtet werde und die als Symbol für den Zwangscharakter des SED-Staates präsentiert würden, seien auf jeden Fall zu unterbinden, um die durch den Mauerbau gesicherte weitere "Festigung" der DDR nicht zu gefährden.[10] Eine vergleichbare Wahrnehmung dürfte auch schon im August dazu geführt haben, die Fluchtbewegung in der Bernauer Straße, wo bis Oktober 1961 bereits 113 erfolgreiche Fluchten zu verzeichnen waren, als Anlass für die dann umgesetzten drastischen Maßnahmen zu nehmen.[11]

III.


Zwangsräumung von Häusern an der Bernauer Straße, August 1961.Zwangsräumung von Häusern an der Bernauer Straße, August 1961. (© Ullsteinbild, Foto: Jung)
Die Zwangsumsiedlungen in Berlin betrafen hauptsächlich Gegenden an der Grenze zwischen den Stadtbezirken Treptow und Neukölln sowie zwischen Mitte und Wedding und dort besonders die Bernauer Straße. Dort gehörten die Häuser auf der einen Straßenseite zu Ost-Berlin und die Gehwege davor bereits zu West-Berlin.[12] Die Räumungen geschahen dort in mehreren Wellen. Zunächst wurden im August Wohnungen geräumt, die im Erdgeschoss lagen und die deshalb die besten Fluchtchancen boten. Die Bewohner, und das zeigt das Provisorische, das diesen Maßnahmen im August noch anhaftete, wurden zunächst innerhalb der Bernauer Straße in Wohnungen umgesiedelt, die in den oberen Geschossen lagen und aus denen die Bewohner bereits geflohen waren. Außerdem wurden die ersten Familien, die als politisch unzuverlässig galten oder verdächtigt wurden, eine Flucht vorzubereiten, ganz aus der Bernauer Straße entfernt. Hierbei spielten Denunziationen eine gewisse Rolle, wenn Nachbarn die Ost-Berliner Ordnungskräfte auf solche Fluchtneigungen hinwiesen. Die ersten Räumungen, die im Westen wahrgenommen wurden, erfolgten am 21. August, weitere folgten in den nächsten Tagen.[13]

Die zweite und größte Welle fand Ende September 1961 statt. Seit dem 14. September begann die Volkspolizei erneut damit, Bewohner einzelner Häuser an der Sektorengrenze umzusiedeln. Eine Woche später, am 20. September, begann in der Harzer Straße an der Grenze zwischen den Bezirken Treptow und Neukölln die von Volkspolizei, SED-Ordnern und Freiwilligen durchgeführte vollständige Zwangsräumung der Grenzhäuser. Dort bildeten wie in der Bernauer Straße die Vorderseite der Häuser die Grenzlinie. Schon am ersten Tag der Aktion mussten 250 Familien ihre Wohnungen räumen.[14]

Am selben Tag, als in der Harzer Straße die Räumungen bereits begannen, wurde in einer Lagebesprechung des zentralen Einsatzstabes für den Mauerbau beschlossen, auch in der Bernauer Straße "unzuverlässige Elmente" schnell und vollständig aus ihren Wohnungen zu entfernen, um weitere "Fälle des Abseilens" zu verhindern. Insbesondere Generalmajor Willi Seifert, stellvertretender Innenminister, forderte in der Sitzung am 20. September, in der Bernauer Straße, "wo die Grenzlinie entlang der Hausgrundstücke verläuft", seien "entschiedene Maßnahmen" zu treffen. Hier müsse entweder eine "vollständige Räumung oder schnellere Räumung unzuverlässiger Elemente erfolgen."[15] Offensichtlich entschieden die Verantwortlichen sich kurzfristig für eine vollständige Räumung.

Die Räumungen selbst wurden vom Zentralen Stab angewiesen, in den Details jedoch in konkurrierender Planung von der soeben gebildeten 1. Grenz¬brigade und der Bezirksleitung Berlin der SED geplant.[16] Die Bezirksleitung wollte in den Stadtbezirken Mitte, Treptow und Pankow 982 Wohnungen räumen und mindestens 1.220 Einwohner zwangsweise in andere Wohnungen verbringen lassen. Allein aus der Bernauer Straße sollten nach diesen Planungen etwa 500 Haushalte geräumt werden.[17]

Bei einer Massenaktion in der Bernauer Straße mussten am 24. September etwa 2.000 Menschen ihre Häuser verlassen und wurden zum Teil vorerst in Notunterkünften, zum Teil aber auch in Wohnungen untergebracht, die durch die Massenflucht im Vorfeld des Mauerbaus frei geworden waren. 50 bis 80 Häuser wurden im Lauf des Vormittages geräumt. Die Räumungen wurden in den nächsten Tagen in zahlreichen Einzelaktionen fortgesetzt, bei denen jeweils ein Haus oder ein Häuserblock geräumt wurden. Auch Wohnungen in den Seitenstraßen der Bernauer Straße waren davon betroffen.[18] Nachdem Ende September die Räumungen für einige Tages ausgesetzt wurden, begannen sie seit dem 6. Oktober erneut und wurden bis zum 19. Oktober fortgesetzt. Allein am 17. Oktober wurden in der Bernauer Straße noch einmal zehn Gebäude geräumt.[19]

Am 21. Oktober konnte der Stabschef der 1. Grenzbrigade für die Zwangsumsiedlungen an der innerstädtischen Sektorengrenze Vollzug melden.[20] Allerdings war die Aktion noch nicht vollständig abgeschlossen. An den Grenzen zu den West-Berliner Bezirken Neukölln und Kreuzberg wurden sie bis Ende Oktober fortgesetzt, und auch in der Bernauer Straße wurden noch einzelne Häuser geräumt, so etwa das Pfarrhaus der Versöhnungskirche am 23. Oktober. Ende Oktober und Anfang November wurden in den Seitenstraßen weitere Räumungen beobachtet.[21] Die genaue Anzahl der in Berlin zwischen dem 13. August und Anfang November umgesiedelten Menschen ist bisher nicht bekannt.

IV.


Volkspolizisten überwachen die Räumung von Häusern in der Bernauer Straße, 24. September 1961.Volkspolizisten überwachen die Räumung von Häusern in der Bernauer Straße, 24. September 1961. (© Picture alliance, dpa)
Diese Aktionen verliefen immer gleich. Am frühen Morgen fuhren an den Nebenstraßen der Bernauer Straße zahlreiche Lastwagen auf, die von FDJlern, Studenten und Angehörigen der Kampfgruppen als Möbelpacker begleitet wurden. Gemeinsam mit Volkspolizisten betraten sie Häuser und Wohnungen an der Bernauer Straße.[22] Zunächst besetzten Bewaffnete die Fenster, damit niemand mehr flüchten konnte, dann wurden die Bewohner aufgefordert, sich – unter den Blicken der Bewacher – anzukleiden und ihre Habe zusammenzupacken. Da es in der Regel nicht möglich war, einen ganzen Hausstand in ein oder zwei Stunden zu packen, übernahmen das die freiwilligen Helfer, die die Möbel und den sonstigen Besitz auf die Lastwagen verluden. Dann brachen die LKW-Kolonnen auf, um die Menschen wegzubringen. Diese wussten, nach den überlieferten Zeitzeugenaussagen zu urteilen, zumeist nicht, in welchen Stadtbezirk und in welche Wohnung sie kommen würden und ob sie überhaupt in Berlin bleiben durften. Nachdem die Bewohner weg waren, rückten am nächsten Tag Maurer an, die die Fenster zu Straße vermauerten, bis im November die ganze Gebäudefront der Bernauer Straße eine geschlossene Steinfassade bildete. Am 7. November wurden die letzten Fenster im Haus Bernauer Straße 13 zugemauert.

Während der Räumungen gelang einigen überraschten Bewohner, teilweise unter dramatischen Umständen, noch die Flucht nach West-Berlin. Eine 57-jährige Frau sprang aus dem zweiten Stock auf den Bürgersteig, weil sie nicht auf die Feuerwehr mit ihrem Sprungtuch warten konnte, da das Räumkommando bereits an ihrer Wohnungstür war.
Am 24. September 1961 flieht die 77-jährige Frieda Schulze aus dem Fenster ihrer Wohnung in der Bernauer Straße.Am 24. September 1961 flieht die 77-jährige Frieda Schulze aus dem Fenster ihrer Wohnung in der Bernauer Straße. (© Ullsteinbild, Foto: Alex Waidmann)
Die 77-jährige Frieda Schulze versuchte, sich und ihre Katze aus dem ersten Stock des Hauses Bernauer Straße 29 in ein bereit gehaltenes Sprungtuch der Feuerwehr fallen zu lassen. Während sie noch zögerte, den Sprung zu wagen, drangen Volkspolizisten in ihre Wohnung ein und versuchten, sie unter Abgabe von Warnschüssen am Sprung zu hindern und wieder in die Wohnung hochzuziehen. Junge West-Berliner zogen sie in das Sprungtuch der Feuerwehr.[23] Bei einem Ehepaar verlief der Fluchtversuch tragisch. Zwar konnte die Frau noch springen und sich verletzt in die rettenden Hände der Feuerwehr flüchten, ihr Mann aber wurde, als er eben im Begriff war zu springen, von Volkspolizisten, die just in diesem Moment die Wohnungstür erbrachen, ins Zimmer zurückgerissen. Seine Flucht wurde verhindert und er selbst verhaftet.[24] Als die 80-jährige Olga Segler versuchte, in letzter Minute der Räumung zu entkommen, verunglückte sie bei ihrem Sprung aus dem 2. Stock ins Sprungtuch der Feuerwehr, verletzte sich schwer und verstarb im Krankenhaus.[25] Jedoch gelang am 24. September 13 Menschen die Flucht aus den Fenstern.[26] Zahlreiche weitere Fluchten und Fluchtversuche begleiteten die Räumungen.

Im Osten wurde die Räumungsaktion als menschliche Geste gegenüber den Grenzbewohnern dargestellt, die in ruhigere Stadtviertel umgesiedelt würden, wo sie den Belästigungen durch Lautsprecherwagen und westliche "Rowdies" nicht ausgesetzt seien. Um den deutlich sichtbaren Zwangscharakter der Aktion zu vertuschen, wurden zuschauende West-Berliner sowie die anwesende Presse durch Tränengaseinsatz, Wasserwerfer und Blendspiegel behindert.[27] Dies führte mehrfach zu regelrechten Tränengasduellen zwischen Volkspolizisten und West-Berliner Polizisten. Diese deckten einige der Fluchten, wenn die Volkspolizei sie mit gezogener Waffe zu verhindern suchte, mit ihren Schusswaffen und dem Einsatz von Tränengas.

Dass nicht alle Volkspolizisten und Helfer diese Maßnahmen billigten und nicht alle freiwillig daran teilnahmen, sieht man daran, dass mehrere von ihnen ebenfalls die Fluchtchance nutzten. Am 25. September beispielsweise gelang einem der in den Räumkommandos eingesetzten Männer die Flucht.[28] Auch der Kampfgruppenmann Heinz V. nutzte einen unbeobachteten Moment, um aus dem Fenster zu springen.[29]

V.


Auch nachdem die große Welle der Zwangsaussiedlungen und die damit verbundenen Betriebsverlegungen vorbei war, erfolgten beispielsweise 1962 noch einzelne Räumungen und weitere Betriebe wurden aus dem Grenzbereich entfernt.[30]

Schon seit dem Mauerbau bestand in den grenznahen Gebieten in Berlin eine besondere Ordnung, die durch restriktiven Zugang und höhere Überwachungsintensität gekennzeichnet war. Legalisiert wurde diese Situation erst 1963, als durch eine Verordnung des Ministerrats der DDR und eine Anordnung des Verteidigungsministers ein besonderes Grenzgebiet geschaffen wurde. Eigentlich hatte die SED-Führung dies schon Anfang 1962 einführen wollen. Die Verzögerung war erheblichen Bedenken der Moskauer Regierung und insbesondere des sowjetischen Botschafters in Ost-Berlin geschuldet. Erst nachdem diese in langwierigen Verhandlungen ausgeräumt worden waren, ließ die SED-Führung im Sommer 1963 das Sperrgebiet durch legislativen Akt schaffen und in der Topographie der Stadt durch Schilder und Markierungen kenntlich machen. Untersagt war seitdem das Betreten, der Aufenthalt und die Wohnsitznahme ohne ausdrückliche Genehmigung. Ebenso bedurften Besucher und Arbeitnehmer besonderer Genehmigungen (sogenannte Passierscheine), um das Grenzgebiet zu betreten. Das galt beispielsweise auch für Ärzte und Handwerker, was das Alltagsleben erheblich beeinträchtigte. Davon waren 1963 immerhin etwa 16.000 Menschen betroffen, die im Grenzgebiet lebten, und weitere 16.000 Beschäftigte, deren Betriebe im Grenzgebiet lagen.[31]

Mit den zentral gelenkten Umsiedlungsaktionen im September und Oktober 1961 waren die Zwangsaussiedlungen nicht abgeschlossen. Es folgten später kleinere Aktionen, bei denen Menschen, deren Häuser an der Mauer lagen, den immer weiter ausgreifenden Sicherheitsbedürfnissen der SED für das Grenzregime weichen mussten. 1965 bis 1967 wurden Menschen ausgesiedelt, deren Häuser dem entstehenden Grenzstreifen weichen mussten, der im Zuge des Grenzausbaus und der Schaffung der "modernen Grenze" angelegt wurde.[32] 1985 plante die SED-Führung als Vorbereitung für das Stadtjubiläum 1987 ein umfangreiches Maßnahmepaket, zu dem auch die Verschönerung und die bessere Absicherung der Mauer gehörte. In diesem Kontext wurden 1985 einzelne Gebäude und Gebäudeteile nahe der Mauer noch abgerissen. Das betraf beispielsweise die Ruine des Hotels Adlon und die Versöhnungskirche, die im Januar 1985 gesprengt wurde. An der Bernauer Straße wurden 1984 und 1985 mehrere bis dahin noch bewohnte Gebäudeteile und Wohnhäuser im Hinterland der Mauer abgerissen.[33]

Außerdem galt an der Mauer – und das wird häufig vergessen – immer ein besonderes Sicherheitskonzept, das es ermöglichte, Menschen aus dem Grenzgebiet auszuweisen. Für diese Bewohner Ost-Berlins bestand – wie auch für die Menschen im Grenzgebiet an der innerdeutschen Grenze – immer die Gefahr, aus dem Grenzgebiet ausgewiesen zu werden, wenn sie sich politisch verdächtig machten oder sich auffällig verhielten. Mit dieser dauerhaft angelegten Drohung erhöhte sich der Konformitätsdruck im Grenzgebiet im Vergleich zu anderen Territorien in der DDR erheblich, da jede Form von Abweichung mit dem Verlust des angestammten Wohnortes bestraft werden konnte. Hiervon war nicht nur politische Dissidenz betroffen, sondern auch Lebensweisen, die als asozial eingestuft wurden oder unangepasst waren.

Der vorstehende Beitrag wurde als Vortrag gehalten auf der Tagung der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG): Zwangsausgesiedelte als Opfer von Mauer und deutscher Teilung Berlin, 24.9.2011.

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Fußnoten

1.
Zit.: Manfred Wilke, Der Weg zur Mauer. Stationen der Teilungsgeschichte, Berlin 2011, S. 314.
2.
Zit.: Manfred Wilke, Der Weg zur Mauer. Stationen der Teilungsgeschichte, Berlin 2011, S. 299. Zur zweiten Berlin-Krise siehe neben dem Buch von Wilke Michael Lemke, Die Berlinkrise 1958 bis 1963. Interessen und Handlungsspielräume der SED im Ost-West-Konflikt, Berlin 1995; Hope M. Harrison, Driving the Soviets Up the Wall. Soviet-East German Relations, 1953–1961, Princeton 2003; Gerhard Wettig, Chruschtschows Berlin-Krise 1958 bis 1963. Drohpolitik und Mauerbau, München 2006; Matthias Uhl, Krieg um Berlin? Die sowjetische Militär- und Sicherheitspolitik in der zweiten Berlin-Krise 1958 bis 1962, München 2008.
3.
Thomas Lindenberger, Grenzregime und Gesellschaftskonstruktion im SED-Staat; in: Klaus-Dietmar Henke (Hg.), Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung, München 2011, S. 111–121, hier 113f.
4.
Dan Draghia, Bordering with Tito. Romanian berders under the pressure of the Sviet-Yugoslav conflict; Nikolai Vukov, The Guarding and Breaking of the Bulkgarian-Turkish Boder in Communist Bulgaria. Practices, Experiences and memory Traces; Vorträge auf der Tagung: From the Iron Curtain to the Schengen Area: Bordering in Communist and Postcommunist Europe, Wien, Sept. 2011.
5.
Inge Bennewitz/Rainer Potratz, Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze. Analysen und Dokumente, 2. Aufl., Berlin 1997.
6.
Zum Mauerbau jetzt Gerhard Sälter/Manfred Wilke, Ultima ratio: Der 13. August 1961. Der Mauerbau, die Blockkonfrontation und die Gesellschaft der DDR, Berlin 2011; Jens Schöne, Ende einer Utopie. Der Mauerbau in Berlin 1961, Berlin 2011; Klaus-Dietmar Henke (Hg.), Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung, München 2011.
7.
Gerhard Sälter/Manfred Wilke, Ultima ratio: Der 13. August 1961. Der Mauerbau, die Blockkonfrontation und die Gesellschaft der DDR, Berlin 2011, S. 56–59.
8.
Siehe Gerhard Sälter, Reaktionen auf den Mauerbau in Berlin und der DDR, in: DA-Online, 6/2011.
9.
J. Mühlberg, Berliner Morgenpost, 15.10.1961.
10.
Bericht für das Kollegium des MfS, Mitte Dez. 1961, BStU, AS 19/82, S. 31–85.
11.
BA-MA, VA-01/14835, Bl. 269.
12.
Christian Bahr, Mauerstadt Berlin. Brennpunkt Bernauer Straße, Berlin 2009.
13.
Der Tagesspiegel, 22., 25. u. 29.8.1961.
14.
Torsten Diedrich, Die Grenzpolizei der SBZ/DDR (1946–1961), in: Hans Ehlert/Rüdiger Wenzke (Hg.), Im Dienste der Partei. Handbuch der bewaffneten Organe der DDR, Berlin 1998, S. 201–224, hier 219; Der Telegraf, Der Tagesspiegel, Der Tag, 21.9.1961.
15.
Protokoll über die Lagebesprechung des zentralen Stabes, 20.9.1961, zit.: Werner Filmer/Heribert Schwan, Opfer der Mauer, München 1991, S. 374.
16.
Zur Bildung der Berliner Grenzbrigaden Gerhard Sälter, Zur Restrukturierung von Polizei-einheiten der DDR im Kontext des Mauerbaus, in: Archiv für Polizeigeschichte 13 (2002), S. 66–73.
17.
Stellungnahme der Abt. Sicherheitsfragen gegenüber Honecker über die Räumung von Gebäuden in der Berliner Innenstadt, 11.10.1961, BArch, DY 30/IV 2/12/80, Bl. 2, 5–8.
18.
Der Tagesspiegel 26. u. 28.9.1961; Der Telegraf, 26.9.1961; Der Tag, 26.9.1961; Verletzungen der Menschenrechte. Unrechtshandlungen und Zwischenfälle an der Berliner Sektorengrenze seit Errichtung der Mauer (13.08.1961–15.08.1962), Hg. Bundesmin. f. Gesamtdeutsche Fragen, Bonn/Berlin 1962, S. 14.
19.
Der Tagesspiegel 7., 15., 17. u. 18.10.1961; Der Tag, 7., 12. u. 18.10.1961; Berliner Morgenpost, 15., 18. u. 19.10.1961; Der Telegraf, 18.10.1961. Betroffen waren am 17.10. Wohnungen in den Gebäuden Bernauer Straße 8, 9, 10a, 15, 16, 23, 40, 41, 42, sowie Brunnenstraße 138 und 139.
20.
MdI, Bereitschaftspolizei, Stabschef der 1. Grenzbrigade (B), Bericht über die Räumung von Häusern an der Staatsgrenze zu Westberlin, 31.10.1961, BA-MA, VA-07/8447, Bl. 118.
21.
Berliner Morgenpost, 24. u. 26.10. sowie 8.11.1961; Der Tagesspiegel, 26.10. u. 5.11.1961; Der Tag, 31.10.1961; Der Telegraf 4.11.1961.
22.
Berliner Morgenpost, 26.9.1961.
23.
Der Tagesspiegel, Der Tag, 26.9.1961; siehe auch Berliner Morgenpost, 15.10. u. 1.11.1961.
24.
Der Telegraf, 26.9.1961.
25.
Der Telegraf, Der Tag, 27.9.1961.
26.
Der Telegraf, 26.9.1961.
27.
Der Tag, 26.9.1961.
28.
Der Tag, 26.9.1961.
29.
Interview mit Heinz V., Gedenkstätte Berliner Mauer.
30.
Protokoll über durchzuführende Pionierarbeiten im Grenzabschnitt der II./1. Grenzbrigade, 5.12.1962, BA-MA, VA-07/9057, Bl. 70–75.
31.
Übersichtsplan, Schaffung eines Grenzgebiets, undat. [1963], BA-MA, VA-07/9057, Bl. 175.
32.
Gerhard Sälter, Die Sperranlagen, oder: Der unendliche Mauerbau; in: Klaus-Dietmar Henke (Hg.), Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung, München 2011, S. 122–137; Johannes Cramer u.a., Die Baugeschichte der Berliner Mauer, Petersberg 2011.
33.
Landesarchiv Berlin, C-Rep. 903-01-04, Nr. 1364 u. C-Rep. 902, Nr. 5400.

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    Die schrittweise eingeführte Währungs- und Zolleinheit des Saarlands mit Frankreich ist vollendet. - Ein Gesetz vom 15. 7. 1948 kreiert eine eigenständige saarländische Staatsangehörigkeit. Weiter
  • 1. April 1948
    Beginn der »kleinen« Berlin-Blockade: Die westalliierten Militär-, später auch die zivilen Personen- und Gütertransporte nach Berlin zu Lande und zu Wasser werden durch sowjetische Inspektionen und Behinderungen erschwert. Weiter
  • 1. April 1966
    Das Familiengesetzbuch (FGB) der DDR tritt in Kraft. Es geht von der vollen Gleichberechtigung von Mann und Frau aus, die sich als Ehepartner gegenseitig fördern, helfen und die Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus erziehen sollen. Die... Weiter
  • 1. April 1974
    Das neue Bundespersonalvertretungsgesetz (5. 8. 1955) tritt in Kraft. Es erweitert die Beteiligungsrechte der Personalversammlung, des Personalrats und der Jugendvertretung. Die Arbeitsmöglichkeiten der Personalratsmitglieder, die Dienstfreistellung,... Weiter
  • 1. April 1981
    Die Mineralöl- und die Trinkbranntweinsteuer werden erhöht. Der Einspruch des Bundesrats vom 13. 3. 1981 aus konjunktur-, preis- und regionalpolitischen Gründen war vom Bundestag am 18. 3. 1981 mit absoluter Mehrheit zurückgewiesen worden. Weiter
  • 1. April 1982
    Um die hohe Neuverschuldung des Bundes einzudämmen, werden die indirekten Verbrauchsteuern für Trinkbranntwein und Sekt erhöht, ab 1. 6. 1982 auch für Zigaretten. Weiter
  • 1. April 1986
    Das neue Scheidungsfolgenrecht in der BRD tritt in Kraft (1. 7. 1977). Der Ehegattenunterhalt orientiert sich an mehr Einzelfallgerechtigkeit als bisher. So können Unterhaltsansprüche herabgesetzt oder befristet und bei grober Unbilligkeit versagt werden,... Weiter
  • 1. April 1991
    Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder wird von RAF-Terroristen in seiner Düsseldorfer Wohnung ermordet. Die am 13. 4. 1991 zur neuen Vorsitzenden der Treuhandanstalt gewählte CDU-Politikerin und frühere niedersächsische Ministerin Birgit Breuel tritt wie ihr... Weiter
  • April /Mai 1992
    Ministerwechsel: Am 1. 4. 1992 wird der bisherige CDU-Generalsekretär Volker Rühe zum Verteidigungsminister ernannt und damit Nachfolger Gerhard Stoltenbergs (CDU); dieser war am 31. 3. 1992 wegen einer vom Haushaltsausschuss nicht genehmigten Lieferung von... Weiter
  • 1. April 1992
    Der Bundesgrenzschutz wird ab sofort neu organisiert, sein Aufgabenbereich erweitert. Neben die neuen Funktionen der Bahnpolizei und des Schutzes des zivilen Luftverkehrs treten vor allem grenzpolizeiliche Aufgaben an den Ostgrenzen, denn Polen und Tschechien... Weiter
  • 1. April 1998
    Nicht eheliche Kinder sind mit ehelichen ab sofort im Erbrecht gleichgestellt. Die Neuregelung gilt nicht für vor dem 1. 7. 1949 geborene nicht eheliche Kinder. Weiter
  • 1. April 1998
    Die Mehrwertsteuer steigt von 15 auf 16 Prozent. Damit soll ein höherer Bundeszuschuss an die gesetzliche Rentenversicherung finanziert und der Rentenbeitragssatz stabilisiert werden. Ohne diese Mehrwertsteuererhöhung wäre er von 20,3 auf 21 Prozent... Weiter
  • 1. April 1998
    Der ergänzte Art. 13 GG (Unverletzlichkeit der Wohnung) schafft die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen zur akustischen Wohnraumüberwachung bei besonders schweren Straftaten oder bei dringenden Gefahren für die öffentliche Sicherheit (Großer Lauschangriff:... Weiter
  • 1. April 1999
    Ökologische Steuerreform 1. Stufe: Die Steuern auf Benzin/Diesel, Strom, Gas und Heizöl werden erhöht, um den Energieverbrauch zu drosseln. Die Mehreinnahmen aus diesen »Ökosteuern« sollen die Arbeits- und Lohnnebenkosten, vor allem den Rentenbeitrag,... Weiter