Beleuchteter Reichstag

16.11.2011 | Von:
Jens Niederhut

Frohe Ferien in der DDR

Kommunismus und Antikommunismus in den 1950er-Jahren

Fazit


Die Ferienaktion war in den Jahren 1954/55 ein gelungener Propagandacoup der DDR. Für einen kurzen Moment konnte sie sich als das sozialere und bessere Deutschland darstellen. Die Bundesregierung reagierte mit einer Erhöhung der finanziellen Mittel für die Kinderferienerholung, was wohl der Hauptgrund dafür war, dass die ostdeutsche Aktion rasch wieder an Bedeutung verlor.

Darüber hinausgehende Ziele Ost-Berlins, wie die dauerhafte Beeinflussung der Ferienkinder im kommunistischen Sinne und der Aufbau einer SED-treuen Basis in der Bundesrepublik, waren von vornherein nachrangig gewesen. Ihnen war auch kein dauerhafter Erfolg beschieden.

Subjektiv konnten die Verantwortlichen in Bund und Ländern die Ferienaktion nur zu Beginn als ernsthafte Bedrohung für die freie westdeutsche Gesellschaft wahrnehmen. Am Ende der 1950er-Jahre war offensichtlich, dass die Ferienaktion im Niedergang begriffen war. Während sie an Bedeutung verlor, verstärkten sich jedoch die polizeilichen und anderen Maßnahmen gegen sie, gipfelnd schließlich im Verbot. Innenpolitische Gründe – im Sinne der antikommunistischen Mobilisierung der Gesellschaft – waren hierfür zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit ausschlaggebend.

Das Verbot selbst ist dennoch nachvollziehbar. Die ZAG war eine von Ost-Berlin maßgeblich finanzierte und gesteuerte Organisation, mithin durchaus eine "Tarnorganisation" der SED/KPD. Die Urteile im Lüneburger Prozess gegen die niedersächsischen Mitarbeiterinnen der ZAG sind aber exemplarisch für die politische Justiz in der frühen Bundesrepublik, die nicht die tatsächlich strafrechtlich relevanten Betätigungen der Angeklagten beurteilte, sondern deren politische Haltung.



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