Beleuchteter Reichstag

16.11.2011 | Von:
Armin Wagner

Geheimdienste in Ost und West

"Hauptabteilung VII"


Hauptabteilung VIIHauptabteilung VII (© BStU)
Der Beitrag von Tobias Wunschik über die Hauptabteilung VII, verantwortlich für die Überwachung des Ministeriums des Innern (MdI) und der Deutschen Volkspolizei (DVP), hat einen ähnlichen Zuschnitt und Umfang wie die schon 2004 veröffentlichte Lieferung über die Hauptabteilung I zur Absicherung von Nationaler Volksarmee (NVA) und Grenztruppen[1]. Beide Bände zeigen die (gewollten) Grenzen des Handbuch-Projekts: Organisations- und Strukturgeschichte und viele Zahlen zu hauptamtlichen und Inoffiziellen Mitarbeitern, zu Operativen Personenkontrollen und Operativen Vorgängen dominieren. Arbeitsweise und Alltag werden nur angedeutet.

Als "Scharnier zwischen der Geheimpolizei und der Volkspolizei" (3) nahm die Linie VII eine Schlüsselposition bei der Organisation der inneren Sicherheit im SED-Staat ein. Mit der beiderseitigen Zuständigkeit für Sicherheit und Ordnung standen DVP und Linie VII zugleich in einem Rivalitätsverhältnis.[2] Immerhin kamen selbst Stasi-Chef Erich Mielke 1962 Zweifel, ob nicht eigentlich die Volkspolizei ihre Aufgaben so lösen müsste, dass "man nicht noch einen Apparat braucht, um sie zu sichern?" (49) – doch dazu erfüllten MdI und DVP letztlich die Anforderungen des MfS an Linientreue und Zuverlässigkeit nicht hinlänglich. Erst in den Achtzigerjahren wurden die Zügel etwas lockerer gelassen. Befanden sich Mitte der Siebzigerjahre unter den fünf Stellvertretern von Innenminister Friedrich Dickel zwei aktive und zwei ehemalige inoffizielle Mitarbeiter (IM), so gab es unter den zehn wichtigsten Hauptabteilungsleitern des MdI und ihren Stellvertretern ein Jahrzehnt später nur noch einen IM. Noch etwas deutlicher hätte herausgestellt werden können, dass die Zusammenarbeit auf der obersten Führungsebene häufig nicht auf inoffizieller Basis lief, sondern qua Amt. Ein Beispiel dafür ist Generalleutnant Lothar Ahrendt, ab 1985 1. Stellvertreter von Dickel und von Mitte November 1989 bis Mitte April 1990 dessen Nachfolger. Ahrendt war unter dem Decknamen "Karl" schon 1964 als Geheimer Informator (GI/IM) angeworben worden und kooperierte seit den Siebzigerjahren offiziell mit dem MfS[3]. Unter den knapp 60.000 Volkspolizisten gab es vermutlich mehr als 5.000 IM und Geheime Mitarbeiter (GM); ungefähr jeder elfte war damit Zuträger der Stasi (bei der NVA jeder 13. Soldat oder Zivilbeschäftigte).


Fußnoten

1.
Stephan Wolf, Hauptabteilung I: NVA und Grenztruppen (MfS-Handbuch, Teil III/13), Berlin 2004. – Auch hier schleicht sich, selbst bei einem Kenner wie Tobias Wunschik, der geläufige Fehler ein, den Unterschied zwischen ZK-Sekretär und -Abteilungsleiter nicht zu beachten: Bruno Wansierski war mitnichten der Stellvertreter des für Sicherheitsfragen zuständigen ZK-Sekretärs Erich Honecker, sondern der Stellvertreter des Leiters der ZK-Abteilung für Sicherheit, Walter Borning (52).
2.
Vgl. Tobias Wunschik, Risse in der Sicherheitsarchitektur des SED-Regimes. Staatssicherheit und Ministerium des Innern in der Ära Honecker, in: DA 44 (2011) 2, S. 200–207.
3.
Vgl. BStU, MfS AIM 194/89.

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