Beleuchteter Reichstag

16.11.2011 | Von:
Armin Wagner

Geheimdienste in Ost und West

"Die sowjetischen Geheimdienstmitarbeiter
in Deutschland"


Die sowjetischen GeheimdienstmitarbeiterDie sowjetischen Geheimdienstmitarbeiter (© Metropol Verlag)
In seinem Beitrag über die Versuche Moskaus, die eigenen Geheimdienste zu reformieren, liefert Matthias Uhl in dem von Torsten Diedrich und Walter Süß herausgegebenen Sammelband eine Organisationsgeschichte, welche die jeweiligen Reformschritte mit dem wechselhaften Schicksal des Führungspersonals der sowjetischen Dienste verknüpft. Mittlerweile ist aber nicht nur Näheres über die Männer der ersten Riege um Viktor S. Abakumov, Sergej N. Kruglov und Ivan A. Serov bekannt. Dass der Berliner Metropol-Verlag sich der Veröffentlichung eines voluminösen biografischen Nachschlagewerks über die Mitarbeiter sowjetischer Geheimdienste in Ostdeutschland zwischen 1945 und 1954 angenommen hat, war wohl nur dank der Unterstützung durch die Bundesstiftung Aufarbeitung und durch Memorial Deutschland möglich. Mit der Übertragung dieser Edition von Nikita Petrov ins Deutsche hat Vera Ammer eine Sisyphos-Arbeit geleistet.

Das Werk gibt einleitend einen kurzen Abriss zur Geschichte von NKVD, MGB, MVD und SMERŠ (hervorzuheben ist die Tabelle S. 22, die einen guten Überblick zur wechselnden Bezeichnung der einzelnen Geheimdienst-Abteilungen auf der Zeitachse liefert). Es folgt im ersten Teil mit etwas mehr als hundert Seiten eine systematische Darstellung zu Struktur und Stellenbesetzungen der sowjetischen Dienste bis hinunter auf Ebene der NKVD-MGB-Operativsektoren, der Abteilungen Inneres der Sowjetischen Militäradministration sowie der Spionageabwehr in den Besatzungstruppen auf Armee-Ebene. Im Anschluss folgen auf 600 Seiten über 800 vollständige und weitere 425 fragmentarische Biografien – ein Steinbruch, der es nachfolgenden Historikern überlässt, die Datenmengen nach Herkunft, Bildung und Nationalität auszuwerten sowie eine darauf fußende Analyse von Karrieremustern, Durchlässigkeit und Ausgrenzung im Personalwesen der Dienste vorzunehmen.

In der Forschungslandschaft lässt sich dieses Nachschlagewerk in zweierlei Richtungen verorten: vorrangig als Ergänzung der jüngeren Literatur zu Geheimdiensten im Machtbereich Moskaus und dem Wirken der sowjetischen Dienste in der SBZ/DDR[4], ferner als Teil der biografisch-lexikalischen Rezeption kommunistischer Lebensläufe im 20. Jahrhundert[5].


Fußnoten

4.
Vgl. Łukasz Kamiński u.a. (Hg.), Handbuch der kommunistischen Geheimdienste in Osteuropa 1944–1991, Göttingen 2009; Jan Foitzik/Nikita Petrow [Hg.], Die sowjetischen Geheimdienste in der SBZ/DDR von 1945 bis 1953, Berlin/New York 2009 (rezensiert in: DA 43 (2010) 1, S. 162f, u 6, 1123f).
5.
Vgl. Michael Buckmiller/Klaus Meschkat (Hg.), Biographisches Handbuch zur Geschichte der Kommunistischen Internationale. Ein deutsch-russisches Forschungsprojekt, Berlin 2007; Hermann Weber/Andreas Herbst, Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, Berlin 2004 (2. Aufl. 2008).

Die Mauer. 1961 bis 2021

Bildmontagen und eine VR-Animation

Anlässlich des 60. Jahrestags des Mauerbaus erinnert das Deutschland Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit 46 Bildmontagen und einer Virtual-Reality-Animation an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

Mehr lesen

Themenseite

60 Jahre Mauerbau

Die Berliner Mauer trennte mehr als 28 Jahre lang Ost und West. Sie ist zum Symbol der konfliktreich verkanteten Nachkriegsordnung der Alliierten geworden. Zwischen 1961 und 1989 wurden mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. In diesen Angaben nicht erfasst ist die unbekannte Anzahl von Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihre individuellen Lebensverhältnisse starben.


Mehr lesen

NEU: "(Ost)Deutschlands Weg 1989-2021". 80 Studien zur Lage des Landes

Ein Mosaik der (ost)deutschen Transformationsgeschichte von 1989/90 bis in die Gegenwart. Mit Texten von Ilko-Sascha Kowalczuk, Krisztina Slachta, Jens Reich, Marianne Birthler, Hans Modrow, Steffen Mau, Antonie Rietzschel, Andreas Zick, Esther Dischereit, Bernd Wagner, Naika Foroutan, Raj Kollmorgen und 70 weiteren AutorInnen. Der Doppelband mit 1.350 Seiten und zahlreichen Fotos kostet 7 Euro im Angebot der bpb.

Mehr lesen

Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

Jetzt ansehen

Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

Mehr lesen auf chronik-der-mauer.de

Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

Mehr lesen

Deutschlandarchiv bei Twitter

Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen und Designers, Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, zeigen, dass bei Kriegsende im Mai 1945 in der Stadt kaum ein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Bildmontagen rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen und Schuttberge aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

Mehr lesen

Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

Mehr lesen

Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

Mehr lesen

13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

Mehr lesen

Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

Mehr lesen

Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

Mehr lesen auf bpb.de

Der Tag in der Geschichte

  • 27. Okt. - 16. Nov. 1955
    Die Genfer Außenministerkonferenz bringt keine Fortschritte. Die Westmächte legen den modifizierten Eden-Plan mit einem Zusatzvertrag über eine beschränkte Rüstungszone mit Inspektionen vor. Molotow vertritt die »Zweistaatentheorie«: dass zwei souveräne... Weiter
  • 27. Oktober 1956
    Frankreich und die BRD schließen den Luxemburger Saarvertrag ab. Beide Staaten ziehen darin die Konsequenzen aus dem gescheiterten Saarstatut (23. 10. 1955). Danach ist das Saarland in zwei Etappen mit der BRD zu vereinen: politisch zum 1. 1. 1957,... Weiter
  • 27. Oktober 1966
    Ende der Regierungskoalition: Die FDP-Fraktion entscheidet mehrheitlich, aus dem Kabinett auszuscheiden. Die vier FDP-Minister Mende, Dahlgrün, Bucher und Scheel treten daher am 28. 10. zurück. Hauptgründe für die Regierungskrise: Die Steuereinnahmen sinken... Weiter
  • 27. Oktober 1982
    Die neue christlichliberale Regierung Kohl/ Genscher beschließt: 1. wegen sinkender Steuereinnahmen, wegfallender Ausgleichszahlungen beim Kindergeld (»Kindergeldmilliarde«), Mehrausgaben wegen steigender Arbeitslosigkeit und wegen der Kosten für die... Weiter
  • 27. Oktober 1989
    Der Staatsrat erlässt eine umfassende Amnestie für Demonstranten (Straftaten gegen die staatliche und öffentliche Ordnung) und Flüchtlinge (Straftaten des ungesetzlichen Grenzübertritts bzw. Versuchs dazu). Ausgenommen bleiben Personen, die Gewalt angewendet... Weiter
  • 27. Oktober 1989
    Eine geheime ökonomische Analyse für das ZK der SED (Generalsekretär Egon Krenz) kommt zu dem Schluss, dass die sozialistische Planwirtschaft zusammenzubrechen und die DDR zahlungsunfähig zu werden drohe. Daher sei eine »grundsätzliche Änderung der... Weiter
  • 27. Oktober 1998
    Der Bundestag wählt Gerhard Schröder (SPD) mit 351 von 665 abgegebenen gültigen Stimmen zum Bundeskanzler. Erforderlich ist die absolute Mehrheit von 335 Stimmen der insgesamt 669 Bundestagsabgeordneten. Schröder bildet die erste rotgrüne Bundesregierung, die... Weiter
  • 26./27. Okt. 1962
    Spiegel-Affäre: Die Redaktions- und Verlagsräume des Nachrichtenmagazins Der Spiegel werden in Hamburg und Bonn nachts polizeilich besetzt und durchsucht. Der Herausgeber Rudolf Augstein, der Verlagsdirektor Hans Detlev Becker und mehrere leitende Redakteure... Weiter

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

Mehr lesen