Beleuchteter Reichstag

16.11.2011 | Von:
Friedrich-Wilhelm Schlomann

Neues über die einstige Ost-CDU

"Die CDU in Mecklenburg und Vorpommern"


Die CDU in Mecklenburg und VorpommernDie CDU in Mecklenburg und Vorpommern (© Droste Verlag)
Während Peter Joachim Lapps Buch die Ost-CDU aus der Sicht ihres Vorsitzenden beleuchtet, dokumentiert das von Christian Schwießelmann das Alltagsleben des Landesverbandes Mecklenburg(-Vorpommern) von seinen Anfängen bis zu seiner Auflösung 1952. Bereits bei den dortigen Kommunalwahlen 1948 waren die Eingriffe der Besatzungsmacht in Form von generellen Behinderungen der CDU bis hin zu persönlichen Drohungen besonders massiv. Die CDU durfte nur in solchen Orten gewählt werden, in denen sie bei der SMA registriert war; angesichts derer bewussten Verzögerungen und Schikanen konnte lediglich knapp ein Viertel der tatsächlichen Ortsverbände der CDU bei den Wahlen antreten! Im Landtag sah die Partei sich in die Regierung und damit in die Kabinettsdisziplin eingebunden; gleichzeitig eine Oppositionsrolle zu spielen, erwies sich oft als schwierig.

Als 1947/48 die SMA zum zweiten Mal die Leitung der Ost-CDU absetzte, fehlte Reinhold Lobedanz, dem Vorsitzenden des Landesverbandes, die Courage, sich den Einschüchterungen durch SED und SMA zu widersetzen. Offiziell fürchtete er um den Bestand der Partei, primär dürfte es seine besondere Nachgiebigkeit gegenüber den Mächtigen gewesen sein. Ohne seinen Einspruch kontrollierte die Besatzungsmacht auf dem damaligen Landesparteitag die Delegiertenliste, strich dabei Unliebsame und manipulierte sogar die Vorstandswahlen. Die Folge war, dass die CDU Mecklenburg-Vorpommern über 8.000 Mitglieder einbüßte, mehr als ein Viertel.

War sie bis zur Gründung der DDR in gewissem Maße eine eigenständige Partei mit einem christlich-sozialen Profil gewesen, das eine Alternative zur SED anbot, so wurde dies nunmehr eingeengt. Lobedanz durfte zwar Präsident der DDR-Länderkammer werden, war aber politisch keinen Einfluss mit sich brachte. Offiziell konnte die CDU nur noch auf die wiederholt zugesicherten freien Wahlen 1950 hoffen. Doch bei der entscheidenden Frage über die folgende Einheitswahl gab auch der mecklenburgische Landesvorsitzende entgegen aller vorherigen Beteuerung nach. "Parteisäuberungen" ließen die Zahl der Aufrechten erneut schmelzen: Von den 1946 gewählten Landtagsabgeordneten war nur noch die Hälfte vorhanden; aus politischer Enttäuschung traten bis 1952 weitere 2.000 Mitglieder aus der CDU aus.

Die CDU Mecklenburg-Vorpommern war durch "eine eigentümliche Mischung aus Machtverlockung, Repressionen und Protegierung 'fortschrittlicher' Funktionäre den 'Sirenenklängen' der SED erlegen". Die Alternative bestand indes, wie der Verfasser schreibt, nur in Amtsverzicht oder Flucht. Gegen eine einseitige Bewertung der CDU Mecklenburg-Vorpommern wehrt Schwießelmann sich entschieden: Sie war "keine Ansammlung von 'Blockflöten'. Vielmehr kann sie auf eine Vielzahl aufrichtiger Demokraten zurückblicken, die unter Gefahr für Leib und Leben der SED-Diktatur Widerstand entgegensetzten". Elf von ihnen habe ihre Haltung mit dem Leben bezahlt, allein 1949/50 gab es 610 politisch bedingte Verhaftungen. Zahlen aus diesen Anfangsjahren sind unbekannt geblieben, diese dürften noch höher liegen.



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