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8.9.2011 | Von:
Vera Kreuter

Lebenswelten 2025

Die Entwicklung der Lebenswelten in Deutschland und seinen Regionen

Abb. 1 - Entwicklung von Lebenswelten in Deutschland.Abb. 1 - Entwicklung von Lebenswelten in Deutschland. (© Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)
Das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland steigt, und die Bevölkerung insgesamt schrumpft. Das gilt aber nicht für alle Altersgruppen – die unter 20-Jährigen und die 20- bis 59-Jährigen werden weniger, während es im Jahr 2025 nicht nur anteilig, sondern auch in absoluten Zahlen mehr Ältere geben wird. Folglich werden die Lebenswelten der Erwerbs- und Familienphase im Jahr 2025 voraussichtlich allesamt schwächer besetzt sein. Das gilt auch für die Jugendlichen und Studierenden. Die Anzahl der Menschen über 60 dürfte hingegen um etwa ein Viertel zulegen.

Insgesamt gilt (siehe Abbildung 1): Je jünger die Angehörigen einer Lebenswelt im Durchschnitt sind, desto stärker schrumpft diese. Daher verlieren die jungen Lebenswelten der Erwerbs- und Familienphase bis 2025 mehr als die mittleren. Den Lebenswelten dieser Phase im mittleren Alter, die ein mittleres oder höheres Einkommen haben, gehören auch viele 60-Jährige und Ältere an, die noch erwerbstätig sind und deren Zahl künftig noch steigen dürfte – diese Lebenswelten schrumpfen daher weniger stark. Frauen und Männer der "einfachen Lage" sind im Durchschnitt jünger und wechseln früher in den (Vor-)Ruhestand. Den stärksten Zuwachs – sowohl relativ als auch in absoluten Zahlen – dürften die alleinstehenden Älteren verzeichnen, die im Durchschnitt am ältesten sind.

Abb. 2 - Entwicklung der Lebenswelt von Jugendlichen.Abb. 2 - Entwicklung der Lebenswelt von Jugendlichen. (© Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)
In der regionalen Verteilung der einzelnen Lebenswelten spiegelt sich die wirtschaftliche und demografische Entwicklung in den Regionen. Teils ist eine klare Ost-West-Differenz zu erkennen, teils zeigen sich Unterschiede eher zwischen ländlichen und urbanen oder wirtschaftlich starken und schwachen Teilen der Bundesrepublik. Drei Beispiele verdeutlichen dies (Abbildungen 2–4).

Beim Anteil der Jugendlichen (siehe Abbildung 2) ist ein Ost-West-Unterschied zu erkennen, der auf die niedrigen Geburtenzahlen in Ostdeutschland nach der "Wende" zurückgeht. Die höchsten Anteile können Regionen verzeichnen, in denen die Fertilität in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hoch war, etwa Weser-Ems und Münster im Nordwesten. Künftig geht die Anzahl der Jugendlichen fast überall deutlich zurück, weil tendenziell immer weniger Kinder geboren werden – weniger stark ist der Rückgang in Ballungsregionen, die viele Zuwanderer im mittleren Alter mit ihren Kindern anziehen.

Die sogenannten Top-Lebenswelten (siehe Abbildung 3) sind kaum durch ökonomische Zwänge eingeschränkt. Die hier dargestellte Lebenswelt "Mittleres Alter Top" besteht aus den etablierten Führungskräften mit hohem Einkommen und guter beruflicher Position.
Abb. 3 - Entwicklung der Lebenswelt von gut situierten Menschen mittleren Alters.Abb. 3 - Entwicklung der Lebenswelt von gut situierten Menschen mittleren Alters. (© Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)
Einen hohen Anteil hat sie vor allem in Regionen mit fortgeschrittener wirtschaftlicher Entwicklung: Eine moderne Produktion von Gütern und Dienstleistungen geht mit einem hohen Gewicht der Leitungs- und Verwaltungsfunktionen einher, verbunden mit einem geringen Anteil von Arbeitern und folglich der einfachen Lagen. Viele große Unternehmen haben in den westlichen Bundesländern und dort vor allem in den Metropolregionen wie München, Frankfurt am Main, Stuttgart ihre Hauptverwaltung mit vielen Arbeitsplätzen für Hochqualifizierte. Im Osten und in ländlich-peripheren Regionen im Westen befinden sich eher Produktionsbetriebe mit schlechter bezahlten Jobs, für die nur geringe Qualifikationen nötig sind. Die Top-Lebenswelten der Berufstätigen sind daher vor allem in den wirtschaftlich starken und besonders zukunftsfähigen Regionen häufig vertreten. Künftig bleibt die Anzahl der Kaufkräftigen im mittleren Alter voraussichtlich in denjenigen Regionen stabil oder wächst sogar noch, die heute wirtschaftlich stark sind und daher auch in den nächsten Jahren junge, hoch qualifizierte Erwerbstätige mit ihren Familien aus anderen Teilen der Bundesrepublik anziehen dürften.

Obwohl das Kaufkraftniveau in Ostdeutschland im Durchschnitt aller Altersgruppen unter dem im Westen liegt, sind die Anteile der kaufkräftigeren Lebenswelt der alleinstehenden Älteren (siehe Abbildung 4) vergleichsweise groß: Die heutigen Rentner haben einen Großteil ihrer Rentenansprüche noch zu DDR-Zeiten erworben. Dort war das Lohnniveau zwar nicht besonders hoch,
Abb. 4 - Entwicklung der Lebenswelt von alleinstehenden älteren Menschen.Abb. 4 - Entwicklung der Lebenswelt von alleinstehenden älteren Menschen. (© Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)
aber wegen der geringen Lohnunterschiede gab es auch wenige Beschäftigte mit sehr geringen Verdiensten, und die Erwerbstätigkeit verlief meist ohne große Unterbrechungen. Zudem waren die Frauen meist ebenfalls erwerbstätig und konnten entsprechende Rentenanwartschaften ansammeln. Diese Lebenswelt dürfte wegen der Alterung der Bevölkerung bis 2025 überall in Deutschland zunehmen. Die zu erwartenden Zuwächse sind niedriger in Regionen, die heute bereits hohe Anteile der über 59-Jährigen sowie geringe Anteile der 20- bis 59-Jährigen aufweisen: Dort wachsen in den nächsten Jahrzehnten vergleichsweise wenige Menschen ins Ruhestandsalter hinein. Aus den Ballungsgebieten Bremen und Hamburg ziehen viele Ältere ins landschaftlich attraktivere Umland.



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