30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
Beleuchteter Reichstag

counter
31.8.2011 | Von:
Andreas Fraude

20 Jahre Deutsche Einheit

Rückschau, Bestandsaufnahmen, Perspektiven

"20 Jahre Einheit"

20 Jahre Deutsche Einheit20 Jahre Deutsche Einheit (© Duncker & Humblot)
Ein von der Gesellschaft für Deutschlandforschung herausgegebener Band versammelt unter dem grundsätzlich gehaltenen Titel "20 Jahre Deutsche Einheit – Erfolge, Ambivalenzen, Probleme" die Beiträge ihrer Tagung im Jubiläumsjahr 2010. Mit den einschlägigen Thematiken langjährig befasste Historiker bzw. Sozial- und Politikwissenschaftler beleuchten sowohl die großen Linien als auch manches interessante Detail innerhalb der – durchaus heterogenen – Abschnitte "Die Kunst der Politik im Gründungs- und Einigungsprozess" (hier richtet sich der Blick auch auf die Reichsgründung 1870/71), "Binnen- und Außenperspektiven", "Verhandlungsstrategien", "Einheit? Diktatur?" sowie "Der Vereinigungsprozess nach 20 Jahren".

Joachim Scholtyseck bilanziert bezüglich der Staatskunst und "Kunst der Diplomatie" 1989/90, dass den Akteuren "das historische Grundverständnis für eine außergewöhnliche geschichtliche Situation offenkundig besonders präsent" gewesen sei (58). Das Bewusstsein des "Exzeptionellen" jener Monate zeige sich auch darin, dass schon vor dem Ende der üblichen Sperrfristen von deutscher und britischer Seite regierungsoffizielles Archivmaterial veröffentlicht wurde (59). Trotz diplomatischer Kunstfehler im Einzelnen wählt Scholtyseck für die Vorgänge von 1990 das Bild vom "Gesamtkunstwerk".

Barbara Zehnpfennig geht der Frage nach, welche "geistige Wirklichkeit" die DDR prägte – gerade vor dem Hintergrund, dass die Dauer des (mentalen) Vereinigungsprozesses von vielen unterschätzt wurde. Dabei habe das System bei den Menschen nicht nur die üblichen Spuren der Diktatur hinterlassen, sondern durch ideologisch begründete Gewaltherrschaft den "Anspruch auf den ganzen Menschen, nicht nur auf die Regulierung seines äußeren Verhaltens" erhoben: "Er soll anders denken, er soll sich innengesteuert anders verhalten, aber eben nicht aufgrund eigener Entscheidung, sondern durch Neuprogrammierung" (203). Das Bild vom menschenfeindlichen Kapitalismus habe als geistiger Fixpunkt gedient, den "der Sozialismus aufgrund seiner offensichtlichen Defizite im Positiven nicht zu liefern vermochte" (204). Nach der Vereinigung ging dann die geforderte Anpassungsleistung für die Ostdeutschen weit über das hinaus, was die Gewöhnung an einen neuen Kulturkreis bedeutet hätte. Die "Ingenieure der Seele" des alten Systems, so die Autorin, hätten letztlich ein sehr simples Weltbild vermittelt; hingegen sei die Wirklichkeit in einem geistig offenen System "komplexer, reicher, anspruchsvoller" (205).



Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

Mehr lesen

NEU: Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

Jetzt ansehen

Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

Mehr lesen

Deutschlandarchiv bei Twitter

Ausstellung + Film

Die Mauer. Sie steht wieder!

Was wäre, wenn die Mauer Berlin erneut halbieren würde? 30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert das Deutschland Archiv der bpb mit 30 Bildmontagen und einem Film von Alexander Kupsch an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

Mehr lesen

Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

Mehr lesen auf chronik-der-mauer.de

Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

Mehr lesen

Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

Mehr lesen

13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

Mehr lesen

Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

Mehr lesen

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

Mehr lesen

Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

Mehr lesen auf bpb.de

Der Tag in der Geschichte

  • 21. Oktober 1949
    Bundeskanzler Adenauer betont im Bundestag, die BRD sei »allein befugt, für das deutsche Volk zu sprechen« (Alleinvertretungsanspruch). Sie erkenne daher nicht als verbindlich für das deutsche Volk an, was die »Sowjetzone« u. a. über die Oder-Neiße-Linie... Weiter
  • 21. Oktober 1969
    Der Bundestag wählt Willy Brandt (SPD) mit den Stimmen der FDP (251 von 249 erforderlichen) zum Bundeskanzler. Damit steht erstmals seit 39 Jahren (Kabinett Hermann Müller 1928 1930) und nach 20 Jahren ununterbrochener CDU/CSU-Herrschaft (1949 - 1969) wieder... Weiter
  • 21. Oktober 1987
    Erstmals seit der Teilung der Stadt treffen der West-Berliner Regierende Bürgermeister und der Ost-Berliner Oberbürgermeister zusammen: Eberhard Diepgen und Erhard Krack begegnen sich in der Marienkirche anlässlich der Feierlichkeiten zum 750-jährigen... Weiter
  • 20./21. Okt. 1950
    Die DDR nimmt erstmals an einer Außenministerkonferenz sozialistischer Staaten in Prag teil. Sie protestieren gegen Pläne, Deutschland zu remilitarisieren und in »Aggressionspläne« einzubeziehen. Statt dessen fordern sie, den Rat der Außenminister neu... Weiter