Beleuchteter Reichstag

15.8.2011 | Von:
Juliane Schütterle

Gesundheit im Dienste der Produktion?

Das betriebliche Gesundheitswesen und der Arbeitsschutz im Uranbergbau der DDR

2.


Johannes Pfeiffer, ausgezeichnet als "Held der Arbeit", beim Bohren eines Sprengloches, Oberschlema 1957.Johannes Pfeiffer, ausgezeichnet als "Held der Arbeit", beim Bohren eines Sprengloches, Oberschlema 1957. (© Bundesarchiv, Bild 183-50115-0001 / Fotograf: Schlegel)
Trotz der frühzeitigen Weichenstellungen für den Aufbau eines funktionierenden Gesundheitswesens konnte bis in die frühen Fünfzigerjahre hinein von einem wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutz keine Rede sein. Es mangelte an Material und Werkzeug, das Gestein wurde in frühneuzeitlicher Manier mit Hammer und Schlägel abgebaut, die Bewetterung der oftmals nur provisorisch ausgebauten Gänge und Sohlen war schlecht. Aus Mangel an Hunten oder adäquaten Fördermaschinen wurde das Erz am Anfang sogar im Rucksack aus dem Schacht getragen.[8] Da bis Anfang der Fünfzigerjahre trocken gebohrt wurde, war die Staubbelastung zunächst immens. Erst 1951 begann die regelmäßige Ausgabe kostenloser Arbeitskleidung und Körperschutzmittel, wie zum Beispiel Staubschutzmasken.[9] Hinzu kamen, unter dem Rekrutierungsdruck in den Gründungsjahren, die nachlässigen Tauglichkeitsprüfungen. So wurden selbst Menschen mit Magengeschwüren oder Knochenbrüchen zur Arbeit tauglich befunden.[10] Andererseits gab es viele Menschen, die von den Vergünstigungen und Zusatzkarten des Uranbergbaus angelockt wurden und ihre Leiden den untersuchenden Ärzten verschwiegen.

Untersuchung eines Schilddrüsenerkrankten, Erlabrunn 1957.Untersuchung eines Schilddrüsenerkrankten, Erlabrunn 1957. (© Bundesarchiv, Bild 183-46705-0006 / Fotograf: Schlegel)
In den frühen Fünfzigerjahren vollzog sich eine Reihe von Neuerungen in der medizinischen Betreuung, die auf ein gewachsenes Bewusstsein für Prävention und Behandlung arbeitsbedingter Krankheiten hindeuten. 1952 wurde bei der SVK eine Abteilung Hygiene gebildet, die einen Hygieneaufseher in jedes Objekt entsandte.[11] Im selben Jahr wurden sowohl der Mobile Röntgenzug als auch die Silikosezentralstelle Erzbergbau ins Leben gerufen. Schließlich begannen Ärzte und Gewerkschaftsfunktionäre zu dieser Zeit über den Umgang mit berufserkrankten und bergbauuntauglichen Beschäftigten und deren Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess nachzudenken. 1953 richtete die SVK Ärztekommissionen ein, die nicht nur eine beratende Funktion gegenüber den Erkrankten inne hatten, sondern gleichzeitig gegen "Arbeitsbummelantentum" und "Krankfeiern" zu Felde zogen.


Fußnoten

8.
Rainer Karlsch/Zbynek Zeman, Urangeheimnisse. Das Erzgebirge im Brennpunkt der Weltpolitik 1933–1960, Berlin 2002, S. 142.
9.
Chronik der Wismut (CD-ROM), Hg. Wismut GmbH, 2002, S. 635f.
10.
Bericht des Landesarbeitsamtes Sachsen an die Hauptabt. Gesundheitswesen der Landesregierung Sachsen v. 11.3.1948, zit.: Klaus Beyer u.a., Wismut – "Erz für den Frieden"? Einige Aspekte zur bergbaulichen Tätigkeit der SAG/SDAG "Wismut" im Erzgebirge, Marienberg 1995, S. 50.
11.
Chronik der Wismut (CD-ROM), Hg. Wismut GmbH, 2002, S. 668.

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